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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglückliche Missverständnisse, ein trockener Martini und die Stadt der Toten - Bunuel begräbt die Eliten!, 16. Juli 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der diskrete Charme der Bourgeoisie (DVD)
In der Bourgeoisie ist der Teufel los, denn Luis Bunuel kann es einfach nicht lassen! Erneut erteilt er den Großbürgern eine bittere Lektion, indem er sich diesmal klammheimlich in den intimen Kreis einer elitären Runde aus drei Männern und drei Frauen einschleicht, wo er den permanenten Versuch, sich zu einem gemeinsamen Essen zu verabreden, stets aufs Neue zum Scheitern bringt, weil eine unglückliche Verkettung von Missverständnissen die Freude an dem opulenten Gelage immer wieder zunichte macht. So irren sich die Gäste im Datum oder der Besitzer eines Lokals, auf das man ausweicht, liegt wenig appetitlich in einem Nebenraum als Leiche aufgebahrt; später ist das Gastgeberehepaar indisponiert, weil sie lieber ihren sexuellen Leidenschaften nachgehen und zu allem Überfluss stürmt auch noch eine Kompanie Soldaten den Ort des Geschehens, so dass die Bourgeoisie, so sehr sie sich auch müht, einfach nicht zu Tische kommt.

Schleifenartige Wiederholungen sind der Stoff aus dem Alpträume gemacht werden, doch egal welche Gemeinheit Luis Bunuel aus seiner unerschöpflichen Wundertüte an peinlichen Momenten auch parat hält, diesen sechs Personen gelingt es stets, krampfhaft die Etikette zu wahren, und so zu tun, als wäre nichts geschehen. Zumal hier drei Herren am Tisch sitzen, die sich ganz bewusst in diskretem Charme üben, weil sie wissen, dass sich ihr Wohlstand auf schmutzigen Geschäften gründet. Einer von ihnen ist Don Rafael, Botschafter des fiktiven Staates Miranda, einer korrupten Bananenrepublik irgendwo in Lateinamerika. Er schmuggelt Kokain nach Frankreich ein und verkauft es an die anderen beiden Herren weiter, weshalb die Mafia und eine linksradikale Terroristin aus seiner Heimat ihm auch nach dem Leben trachten. Doch dies spielt nur am Rande eine Rolle, denn Bunuel entlarvt die Bigotterie der feinen Kreise auf süffisante Weise bei Tisch und es ist wirklich bemerkenswert mit welcher selbstgefälligen Gleichgültigkeit diese Herrschaften eine fröhliche Schicht belanglosen Geplauders über unangenehme Themen wie Korruption und soziale Verelendung legen und sich in ihrem stocksteifen Benehmen als blasierte Ignoranten entpuppen, die in einer Welt gefangen sind, wo die graue Lebenswirklichkeit für die Arroganz der Macht keine Rolle mehr spielt und der Alltag scheinbar nur noch aus Sex und alkoholischen Getränken besteht. Dazu werden die drei Damen von Bunuel zu schmückendem Beiwerk degradiert, das sich in oberflächlichem Smalltalk übt, während sich die Männer in exaltierten Fachsimpeleien über die verschiedensten Gesöffe ergehen. Und wem dieser Film nicht gefällt, der bekommt zumindest ein Rezept für einen herzhaften Martini mitgeliefert: am besten trocken und ungerührt, gebadet in Eiswürfeln mit einer Temperatur von 15 Grad unter Null, einen kleinen Spritzer Gin hinein und den Cocktail standesgemäß in einem kegelförmigen Glas servieren. Kosten sollte man den edlen Trunk wie einen Champagner, nämlich ganz vorn auf der Zunge. Das beruhigt die Nerven, was auch bitter nötig ist, denn die Angst vor einer möglichen Razzia schwingt immer mit, so dass die Herren sogar das Militär in ihrer Runde tolerieren, um ihre Privilegien zu sichern. Denn wieso sollte die Armee auch einen Drogenring auffliegen lassen, wenn die Soldaten selbst Marihuana rauchen müssen, um ihr Berufsrisiko (den Tod) besser ertragen zu können? Und obwohl die Netzwerke der Macht sie schützen, dringt das Trauma der verpatzten Abendessen dennoch bis in die Träume der Großbürger vor. So öffnet sich plötzlich ein Vorhang und der illustre Kreis sieht sich auf einer Theaterbühne wieder, wo ihnen ein Souffleur vorgefertigte Texte zuflüstert, als seien sie Schauspieler, die mit geheuchelten Worten versuchen, sich gegenseitig etwas vorzumachen. In einem anderen Traum erschießt Don Rafael einen Oberst, weil dieser das macht, was sich seine Tischnachbarn in der Realität kaum wagen würden, nämlich kritische Fragen zu den Missständen in seiner Republik zu stellen, die sich selbst mit noch so eloquenter Rhetorik ("Guerillas gehören bei uns zur Folklore!") kaum wegwischen lassen. Womit Bunuel ganz ungeniert den wunden Punkt der gesellschaftlichen Eliten aufdeckt, die bis heute nicht in der Lage sind, das Fehlen einer allgemein verbindlichen Ethik, durch eine persönliche Moral zu ersetzen.

Auch in diesem Film hält der Meister wieder ein paar schauerliche Momente für den Zuschauer bereit, wenn er uns in die dunkle Schattenwelt entführt, wo Geister, Spuk und Mord regieren. Zwei Soldaten erzählen jeweils eine Geschichte aus dem Totenreich, die Bunuel auch ziemlich gruselig umsetzt: Ein kleiner Junge rächt seine verstorbene Mutter, die ihm in fahlen Bildern aus dem Jenseits heimsucht, denn er soll seinen Stiefvater vergiften, der seine leiblichen Eltern auf dem Gewissen hat. Ein anderer Traum zeigt einen Soldaten, der auf einer endlos langen Strasse durch die Stadt der Toten wandelt. Ein Chor an murmelnden Stimmen wird zum Ausdruck der erlösten Seelen. Und auch Bunuels obligatorischer Seitenhieb auf den Katholizismus darf nicht fehlen. So heuert ein Bischof bei einem der Paare als Gärtner an, um den Mörder seiner Eltern zu finden und ihn wenig gnädig ins Jenseits zu befördern. Die Großbürger lassen solche Geschichten freilich kalt, aber man darf sich sicher sein, auch die sechs Snobs bekommen, was sie verdienen, so dass am Ende die aufgesetzte Fassade mit einem Donnerschlag krachend in sich zusammenstürzt und alles unter sich begräbt: die Eliten, die Autoritäten und den Katholizismus. Eben jene Eckpfeiler der Gesellschaft an denen Luis Bunuel in seinem Schaffen in aller Respektlosigkeit rüttelte.

Vielleicht ist das sogar einer der schönsten Filme von Luis Bunuel, weil er auf leichtfüßige Art und Weise den Surrealismus aus seinem frühem Schaffen mit dem schwarzen Humor des Spätwerks verbindet und so ganz nebenbei in seiner ironischen Erzählweise und den zynischen Dialogen sehr nah an die politische Satire heranrückt. Mit von der Partie sind auch hier wieder die üblichen Verdächtigen wie Fernando Rey, Paul Frankeur und in einer Nebenrolle Michel Piccoli. Bonusmaterial ist auf dieser Einzel-DVD nicht vorhanden.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bissiger Witz, 14. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Der diskrete Charme der Bourgeoisie (DVD)
Der Titel ist ein poetischer Euphemismus. Eigentlich führt uns der Altmeister Bunuel die gehobene Klasse der Gesellschaft vor mit all ihren Macken, ihren konventionellen Zwängen und oftmals auch sinnfreie Aktionen. Sie sind auch triebgesteuert, aber oberflächlich. Small Talk beherrscht die Zwischenräume. Das zeitlose an dieser Groteske ist die Fülle an unglaublichen Wendungen, die nichts von ihrem Biss und ihrem Witz verloren haben. Bunuel spielt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer nur um sie ein ums andere Mal zu enttäuschen, zu überraschen oder gar zu schockieren.
Dabei würden manche Gags heute in den Abteilungen Comedy, Mystery oder Horror erscheinen. Da arbeitet z. B. ein Bischof als Gärtner, er nimmt einem Sterbenden die Beichte ab und erschießt ihn anschließend. Eine Frau wird vom eigenen Ehemann im Schlafzimmer eines Anderen entdeckt, nur weil der ihr seinen 'Eumel' zeigen will, Offiziere kiffen und Diplomaten sind Drogenkuriere u.v.a.m. Wenn es zu blutrünstig wird, entpuppt sich die Szene allerdings als Traum. Wenn man dann an der makaber-skurrilen Schraube immer weiterdreht, muss es mit einem Massaker aller Beteiligten enden. Doch am Ende spazieren die Leinwandgrößen der 70er Jahre (Rey, Seyrig, Cassel, Audran u.a.) über eine Landstrasse zur nächsten Einladung. Einfach toll dieser aberwitzig, surreale Witz.
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4.0 von 5 Sternen makaber-surrealistischer Blick auf die Bourgeoisie, 27. März 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der diskrete Charme der Bourgeoisie (DVD)
Weder die Filmtechnik, noch das Thema, noch der surrealistische Ansatz haben an Aktualität verloren. Allerdings besser nicht vor dem Einschlafen zu geniessen.

W. Knaus
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk von Luis Bunuel auf Blu-ray, 2. August 2012
Von 
j.h. "corleone29" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Mehrere Angehörige der reichen französischen Oberschicht sowie der Biotschafter eines fiktiven lateinamerikanischen Landes wollen sich zum Essen treffen. Immer wieder. Und immer wieder wird der kulinarische Genuss durch absurde Ereignisse verhindert. In der Schlussszene laufen sie gemeinsam eine einsame Landstraße entlang. Wohin wohl?
Luis Bunuels DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOSIE von 1972 ist eine meisterhafte Komödie über jene Bourgeosie, der die ganze Verachtung des Regisseurs gehört und die er mit kunstvoll in die Handlung verwobenen Träumen zusätzlich karrikiert.
Studiocanal legt hiermit den zweiten Film von Bunuel (2009 erschien BELLE DE JOUR) in sehr guter Qualität auf Blu-ray vor, die identisch so auch in Frankreich und Großbritannien erscheint. Als Bonus gibt es eine 30-minütige Dokumentation über Bunuel und besonders diesen Film. Erfreulicherweise ist bereits für September 2012 in der Studiocanal-Collection sein letztes Meisterwerk DIESES OBSKURE OBJEKT DER BEGIERDE angekündigt.
Die Blu-ray verfügt über ein Wendecover. Eigentlich schade, dass sie nicht (im Sinne einer gewissen Einheitlichkeit) auch in der Studiocanal-Collection erschien, denn ein Booklet wäre natürlich auch interessant gewesen.
Kaufenswert!
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der besten Filme Bunuels ..., 14. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der diskrete Charme der Bourgeoisie (DVD)
... und er hat viele gute Filme gedreht. Dieser ist eine Aneinanderreihung von absurden Szenen, in der eine Gruppe Menschen (wieder mal hervorragend: Fernando Rey und auch Stephane Audran!) aus der besseren Etage des Lebens pausenlos in ihrer Borniertheit vorgeführt wird. Komisch, makaber und sehr unterhaltend.
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5 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bunuels Oscar-prämierter Film endlich in perfekter DVD-Edition, 22. Mai 2009
Von 
Endlich kommt Bunuels Oscar-prämieteres Meisterwerk in einer hervorragenden Edition heraus. Das Bild ist in sehr guter Qualität und Orginalformat, es gibt jede Menge Sprachfassung natürlich Originalfassung und Deutsche Synchro, außerdem deutsche Untertitel. Das wichtigste neben dem Klasse-Film sind aber über zwei Stunden Bonusmaterial:

- Die 2008er-Berlinale Dokumentation - "Das letzte Drehbuch - Erinnerungen an Luis Buñuel" (ca. 93 Min.)
- "Ein Spaziergang unter Schatten" (ca. 28 Min.)
- Ein chices Booklet mit Auszügen aus Buñuels "Mein letzter Seufzer"
- Fotogalerie
- Trailer

Inhalt: Sechs Angehörige der High Society planen ein Abendessen gehobener Klasse in elitärem Kreis. Doch das stilvolle Dinner muss aufgrund verschiedener Missverständnisse und Pannen dauernd verschoben werden. Ob die Gäste den Termin vergessen haben, ein toter Restaurantbesitzer im Nachbarzimmer den Appetit verdirbt, die Gastgeber über ihren Sextrieb das Menü vernachlässigen oder das Militär einmarschiert - das elegante Mahl scheint einfach nicht zustande zu kommen.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ungewöhnlicher Film, 2. April 2010
Es handelt sich um ein Spätwerk Luis Bunuels, in dem der Regisseur zu seinen surrealistischen Anfängen zurückkehrt. Es handelt sich nicht um einen Unterhaltungsfilm. Der Betrachter sollte einiges über den Surrealismus wissen und in der Lage sein, unkonventionelle Handlungselemente in ihren Zusammenhang zu bringen.
Die Edition bietet ausführliche Materialien.

Gerd Voswinkel
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Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Der diskrete Charme der Bourgeoisie von Luis Buñuel (DVD - 2010)
EUR 9,99
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