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am 14. Oktober 2014
Ausser Atem (À bout de souffle) ist zweifellos das definitve Manifest der Nouvelle Vague. Diese Bewegung war zwar schon vor diesem Entrée von Jean-Luc Godard entstanden, wie die Zeitschrift L'Express 1957 in einer vieldiskutierten Untersuchung feststellte und darin Lebensstil, Moden, Ängste und Vergnügungen der heranwachsende Generation zum ersten Mal als "la nouvelle vague" bezeichnete. Den Zeitgeist hatte Françoise Sagan in ihrem Bestseller Bonjour Tristesse ausführlich und pikant beschrieben.

Godard war tatsächlich der letzte der fünf Cahiers du cinéma Kritiker, der einen Spielfilm in voller Länge vorstellte. Jacques Becker und Louis Malle waren Godard vorausgegangen. In den Jahren 1958 und 1959 war Claude Chabrol mit Le Beau Serge und Les Cousins äusserst erfolgreich. Auch François Truffaut mit Les quatre cents coups und Tirez sur le pianiste sowie Alain Resnais mit Hiroshima mon amour sorgten für grosses Aufsehen. Es war dann À bout de souffle vorbehalten, dieser Bewegung blitzartigen Aufschwung zu verleihen, die gleichzeitig aggressiv und nochchalant, jugendlich und intellektuell verfeinert auftrat. Auch nach über fünfzig Jahren ist der Esprit dieser jungen Generation von auteurs-cinéastes hier noch spürbar.

Godard bekennt sich ganz offen zum US-amerikanischen Film Noir der 1940er Jahre, der damit einen entscheidenden Anteil an der Erneuerung des europäischen Kinos trägt. Jedoch war die Herangehensweise von Godard vollkommen neu und innovativ. Manches war auch von finanziellen Zwängen bestimmt, Drehgenehmigungen in Paris waren schon damals teuer, weshalb das Team illegal einfach auf die Boulevards ging und Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo möglichst unauffällig und ohne Tonaufnahmen filmte, Schienen für Kamerafahrten konnten ebenfalls nicht verlegt werden, weshalb sich Raoul Coutard mit einer leichten Handkamera in einen Rollstuhl setzte der von einem Assistenten geschoben wurde. Vor allem Jean Seberg, die von Otto Preminger amerikanische Professionalität gewohnt war, musste sich umstellen, da auch kein wirkliches Drehbuch existierte. Es gab lediglich einen Zeitungsartikel den François Truffaut als Basis für die Rohfassung der Handlung diente, aber Godard hatte täglich neue Einfälle. Auch die Montage aus der die berühmten "Jump Cuts" resultieren, waren teilweise dem knappen Budget zuzuschreiben, Diese Technik wurde bereits in der Stummfilmära benutzt, jedoch entwickelte sie Godard zum Stilmittel das er gezielt und bewusst über die volle Länge des Films einsetzte. Der Film war etwa 27 Minuten zu lang, also begann Godard alles herauszuschneiden, was er für langweilig oder unnötig hielt. Passender als "schneiden" wären eigentlich Begriffe wie "montieren oder "editieren", dadurch vermied es Godard, die Kontinuität der Handlung zu unterbrechen, sondern dem Film eine zusätzliche Dynamik zu verleihen. Im Jazz spricht man dann von "Drive". Der am Cool Jazz orientierte Soundtrack von Martial Solal ist entsprechend intens und lebendig, selbst wenn die Snare-Drum nur von Besen "gerührt wird.

Die Handlung ist angelehnt an typisch amerikanische Gangsterfilme und doch unerwartet, sie beginnt im Vieux Port von Marseille. Der kleine Ganove Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) der etwas linkisch die Manierismen von Humphrey Bogart als Marlowe oder Sam Spade zu kultivieren versucht, ständig eine Gauloise im Mundwinkel oder den Borsalino verwegen in die Stirn gezogen hat, betätigt sich als Carjack und schliesst auf ein Zeichen seiner Komplizin einen Oldsmobile kurz. Trotz ihrer Bitte, sie mitzunehmen, lässt er sie stehen und fährt über Landstrassen Richtung Paris. Bereits hier zeigt sich eine ungewohnte Verve die den gesamten Film bestimmt. Am Steuer des schnell gefahrenen Oldmobile beginnt Michel einen Monolog und reimt: "Maintenant je fonce, Alphonse!" Man erlebt die filmische Dekonstruktion konventioneller Sehgewohnheiten da die Kontinuität der Bilder nicht mehr gegeben ist, die Tonspur jedoch ohne Bruch weiterläuft. Michel geniesst eine Freiheit, die er unvermittelt uns mitteilen möchte indem er direkt in die Kamera spricht.

Im Handschuhfach findet er einen Revolver, im Gegenlicht erkennt man einen Wald, Michel schiesst in die Bäume, plötzlich tauchen zwei Motorrad-Polizisten auf, die ihn verfolgen und kurz danach erschiesst er einen Polizisten - il fonce. Personnage und Auteur verschmelzen miteinander. Michel, nun ein Mörder und vrai gangster flüchtet über ein Feld und gelangt per Autostop vom südlichen Rand des Hexagons ohne einen Sous in der Tasche ins Zentrum von Paris, la cathédrale de Notre Dame, les Champs Élysées und endlich Montparnasse mit der Brasserie Le Select und der Closerie des Lilas. Hier verschmelzen avangardistische Vergangenheit geprägt von Picasso, Man Ray, Marcel Duchamps und der Lost Generation von Fitzgerald und Hemingway mit der Gegenwart. Godard bringt die Anarchie in das Herz von Paris, und hier wird der Nihilist Michel, verfolgt von der Polizei, sein Leben aushauchen - à bout de souffle.

Zuvor verführt er aber noch Patricia (Jean Seberg), eine amerikanische Studentin und angehende Journalistin, die als Herald Tribune Girl auf den Champs Élysées Zeitungen verkauft, er bestiehlt eine andere Freundin Minouche (Liliane Robert) und sucht Tomatchoff (Richard Balducci) der ihm Geld schuldet. Belmondos Persona ist leicht zu durchschauen, ein junger Mann der vorgibt etwas zu sein, was er nicht ist und nicht hat. Aber er begreift, dass er schnellstens Geld beschaffen muss. Sebergs Patricia erscheint zwiespältiger, in einem Gespräch mit einem befreundeten Journalisten der die Geschichte einer Abtreibung erzählt, sagt sie, "Ich weiss nicht, ob ich unglücklich bin, weil ich mich nicht frei fühle, oder mich nicht frei fühle, weil ich unglücklich bin." Diese Andeutung scheint Patricia als schwanger und unsicher zu beschreiben, wie sie mit einer solchen Situation umgehen möchte. Patricia weiss noch nicht was sie will, wird aber von einer grossen Sehnsucht getrieben zu leben, während Michel der nie gelernt hat, seiner Freiheit einen Sinn zu geben, ein tragisches Ende finden wird.

Um Patricia zum Büro der Herald Tribune in der rue de Berri zu bringen, stiehlt Michel ohne ihr Wissen ein Auto. Während der Fahrt hören wir die Unterhaltung der beiden, sehen aber nur die vorübergleitenden Häuserfassaden. Vor dem Büro erkennt ein Passant (von Godard selbst gespielt) Michel und verrät ihn der Polizei. All dies wird mit Jump Cuts und fortlaufendem Dialog dargestellt. Danach eilt Patricia zu einem Interview mit dem Bestseller Autor Parvulesco gespielt vom Regisseur Jean-Pierre Melville, der damit zum personifizierten Zitat für das Autorenkino wird, denn er war für seine Unabhängigkeit bekannt, er verfasste seine Drehbücher selbst, besass ein eigenes Studio und kontrollierte jedes Stadium der Filmentstehung, denn für ihn bedeutete Film ein Handwerk, das man durch und durch beherrschen musste. Im Kreis der Journalisten kann sich Patricia kaum durchsetzen, schliesslich fragt sie ihn: "Wonach streben Sie in Ihrem Leben am meisten?" Sie erhält eine für die Zeit bezeichnende Antwort: "Nach Unsterblichkeit. Unsterblich werden - und dann sterben." In der Zwischenzeit ist aber Michels Bild in den Zeitungen erschienen und die Polizei setzt Patricia unter Druck.

Godard interessiert sich weniger für die Liebesgeschichte zwischen Michel und Patricia, sondern vielmehr für die Sprunghaftigkeit von Zuneigung und problematische Kommunizierbarkeit von Gefühlen. Auch wird er von dem Prinzip "alles ist möglich" bestimmt. Einstellungen werden normabweichend miteinander verknüpft, zusätzlich auch Bild und Tonspur gegeneinander versetzt, dass ein bisher beispielloses es Tempo des Erzählens entsteht. Dieses Tempo scheint Ausdruck eines modernen Lebensgefühls zu sein, eines Spiels mit Möglichkeiten und ist so ein offenes Kunstwerk in das er sowohl Literatur, Malerei, Musik und nicht zuletzt die Impressionen der Alltagskultur integriert.

Susan Sontag identifizierte Godard in einem Essay von 1968 als einen bewussten Zerstörer des konventionellen Films und führte ihn in ihrer Liste ihrer 50 Liebligsfilme als einzigen Regisseur gleich vier Mal. Godards Dekonstruktion cinematischer Technik entwickelte sich als beispielhaft für die Zukunft. Fast in einem Collagen-Rausch benutzte Godard À bout de souffle in seinem späteren Film Made in U.S.A. (1966) in dem Godard auf seine eigene Regel zurückgreift: "Um einen Film zu machen, genügen eine Waffe und ein Mädchen." Es ist sehr leicht, diesen selbstironischen Tribut an den amerikanischen Gangsterfilm zu unterschätzen, aber das Verständnis steigt einorm wenn man mit À bout de souffle vertraut ist.
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am 14. Juni 2011
Wie alle Ausgaben der "StudioCanal-Collection" wurde auch Godards Meisterwerk der Nouvelle Vague in ein äußerst edles & sehr elegantes Mediabook mit Originaltitel ("Á bout de souffle") auf dem Cover verpackt. Das Mediabook steckt in einem dünnen Pappschuber, auf dem der deutsche Filmtitel ersichtlich ist. Auf diesem ist auch ein nicht ablösbares FSK-Logo angebracht (wen dies stört, der kann den Schuber auch weglassen - fällt rein optisch überhaupt nicht auf).
Bild- & Ton-Qualität sind - wie nicht anders zu erwarten - tadellos & interessantes Bonusmaterial ist zu Genüge vorhanden: Einführung von Colin MacCabe, Interviews mit Crew & Darstellern, der Kurzfilm "Luc und wie er Jean-Luc sieht", Trailer, eine Fotogalerie sowie das Featurette "Godard, Made in USA".
Weiters enthält die Edition ein recht informatives 20seitiges Booklet mit einem Text von Yves Alion, dem Chefredakteur von "L'Avant-scène Cinéma".
Fans des Films sollten bei dieser tollen Blu-ray unbedingt zugreifen!
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am 8. Februar 2001
Godards 1959 gedrehter Film 'Außer Atem' (À bout de souffle) markiert den Beginn einer neuen Ära des französischen Kinos: der 'Neuen Welle' (Nouvelle Vague), zu deren Protagonisten neben Godard weitere ehemalige Filmkritiker der Fachzeitschrift 'Cahiers du Cinéma' wie Truffaut, Chabrol u.a. gehören.
Godard hatte rund zehn Jahre als Kritiker bei den 'Cahiers' verbracht, bis er den Versuch unternahm, alles, was er als Regisseur zu sagen hatte, in seinem Erstlingwerk auszudrücken. Daß dies eine Milchmädchenrechnung sein mußte, war ihm klar, und doch hinterließ der Streifen deutlichere Spuren als jeder andere französische Film in den Jahren zuvor. Seine bewußt 'falschen' Schnitte, der Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung, die unorthodoxe Arbeitsweise ohne festes Drehbuch, die Spontaneität der Hauptfiguren sowie seine Verarbeitung amerikanischer Einflüsse machten diesen Film zu einem Klassiker. Die ungewöhnlich dichte Atmosphäre sowie die nahezu ideale Besetzung (Seberg, Belmondo) sind in dieser Form von ihm nicht wieder erreicht worden.
Nach dem unbesonnenen Mord an einem Polizisten in Südfrankreich hetzt der junge Michel (Jean-Paul Belmondo) durch das Paris der späten Fünfziger, versucht seine amerikanische Geliebte Patricia (Jean Seberg) zu überreden, ihm nach Italien zu folgen, stiehlt Geld bei einer Freundin, versucht, einen ungedeckten Scheck einzulösen, schwängert seine große Liebe und landet schließlich in den Armen der Polizei - verraten von eben dieser Geliebten, die dem Fahndungsdruck nachgibt, als sie um die Verlängerung ihres Visums fürchten muß.
Mit einer Kugel im Rücken stolpert er die Straße bis zur nächsten Kreuzung herunter, wo er zusammenbricht. Fassungslos sieht Patricia ihren Geliebten sterben, als dieser flüstert, das sei doch alles zum kotzen. Da sie ihn nicht versteht, erklärt der Polizist, "er hat gesagt, Sie sind wirklich zum kotzen". Noch immer benommen von den Ereignissen dreht sie sich frontal zur Kamera und fragt mit scharfem amerikanischem Akzent, "was heißt das, 'zum kotzen'"?
Die Thematisierung des Lebens als Abenteuerroman, als Krimi und als schnelles, unbedarftes Glück verleihen Godards Debut den Hauch einer Form der Schnellebigkeit, die im Hier und Jetzt aufgeht und sich in der Annahme, nur das Auskosten des Moments erzeuge Authentizität, nicht darum schert, über den Tellerrand der Unmittelbarkeit hinauszuschauen. In Michels Worten, "il faut tout ou rien".
Unbedingt empfehlenswert!
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Es gibt Filme, die schon vom Titel her Legende sind. Jean-Luc Godard hat gleich mit seinem Debütfilm eine solche Legende geschaffen. Der Film wirkte stilbildend sowohl für die französische Novelle Vague ("Neue Welle") als auch international bis nach Hollywood. Noch in den 80er Jahren versuchte sich Jim McBride mit BREATHLESS - ATEMLOS an einem Remake mit Richard Gere in der Hauptrolle - ohne damit das Original auch nur zu erreichen.
A BOUT DE SOUFFLE präsentiert Jean-Paul Belmondo als Anti-Helden Michel, der unterwegs mit einem gestohlenen Luxuswagen eher durch Zufall in eine Polizeikontrolle gerät und zum gesuchten Polizistenmörder wird. In Paris trifft er er die Amerikanerin Patricia (Jean Seberg, seit Otto Premingers Sagan-Verfilmung BONJOUR TRISTESSE schon ein Star), die ihn dann zu lieben glaubt und am Ende verraten wird. "Du bist wirklich zum kotzen" sind Michels letzte Worte ...
Die Geschichte ist einfach erzählt - das interessante ist vielmehr, wie Godard sie erzählt in bewusst dokumentarischem Stil mit unzähligen Zitaten und Anspielungen. In einer kleinen Rolle als Star-Autor ist der Regisseur Jean-Pierre Melville zu sehen.
Über 50 Jahre nach der Premiere legt STUDIOCANAL den Film in respektabler Qualität auf Blu-ray vor. Die Bild- und Tonqualität sind sehr gut - vor allem in Anbetracht des oft mit Handkameras gedrehten Schwarz-Weiss-Materials (Kamera: Raoul Coutard). Als Bonusmaterial sind einige Interviews sowie der Original-Kinotrailer enthalten.
Die in der Reihe Blu Cinemathek erschienene Blu-ray ist identisch mit der bereits 2010 in der Studiocanal-Collection veröffentlichten. Nur das informative Booklet ist in dieser Edition nicht enthalten.
Eine Blu-ray, die in keiner besser sortierten Sammlung fehlen sollte! Ebenso bei Studicanal auf Blueray veröffentlicht wurden die Godard-Filme ELF UHR NACHTS und LE MEPRIS - DIE VERACHTUNG.
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am 7. Februar 2009
Mit "Meisterwerken" ist das immer so eine Sache. Entweder man reiht sich stillschweigend in die Reihe der Verehrer ein und verweigert die eigene Meinungsbildung oder man pfeift auf allgemeine Urteile und macht sich selbst ein Bild.
Godard hat bei seinem Film scheinbar ähnlich operiert. Er schmiss alle gängigen Konventionen über Bord und drehte mit "Außer Atem" einen revolutionären Film. Sein offensichtlichstes Instrument hierbei war der Schnitt. Beim Jump-Cut werden Anschlussfehler ignoriert bzw. bewusst in Szene gesetzt. Selbst heute wirkt das noch erfrischend und neu. Mir wollte, abgesehen von Woody Allens "Harry außer sich", auch kein zweiter Film einfallen, bei dem diese Schnitttechnik eingesetzt wurde.
Mal abgesehen von solch technischen Stilmitteln stellt der Film auch in seiner Dramaturgie und Naration ein Bruch mit gängigen Methoden dar. So gibt es zwar einen groben Plot, der im Verlauf des Filmes immer wieder kurz aufgeriffen wird; im Zentrum steht jedoch die Beziehung von Belmondo und Seberg.
Der Film macht Spaß. Vor allem, weil er selbst heute noch erfrischend anders wirkt. Belmondo ist verdammt cool, Seberg extrem bezaubernd. Ob es ein "Meisterwerk" ist, kann ich nicht sagen. Aber Anschauen lohnt, soviel steht fest.
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am 14. März 2014
Es ist schon ein einzigartiger Film. Interessant sind auch die Auszeichnungen, die dieser Film bekommen hat. Die Jump Cuts", die Jean-Luc Godard in diesem Film einige Male benutzte, machen den Film zwar schnell, also auch Ausser Atem", aber ich finde sie auch störend, und sie wirken zum Teil amateurhaft. Wie wahrscheinlich immer, ist auch dieser Film von Godard eher ein Dialog-Film als ein Actionfilm. Und diese Dialoge sind manchmal auch etwas fremd. Scheinbar ging ihm in dieser Zeit manches durch den Kopf, das er dann auf seine Rollen in diesem Film übertrug. So zeigen zum Beispiel Michel (Jean Paul Belmondo), Patricia (Jean Seberg) und auch der am Flughafen interviewte Autor zu verschiedenen Zeiten in dem Film mit den Händen an, wieviel Geliebte sie schon hatten oder man haben müsste. Naja, man kann ja auch sagen, so habe ich dann wenigstens etwas im Kopf behalten von den vielen Dialoge in diesem Film, die man vielleicht gar nicht gebraucht hätte. Zusätzlich wurde oft mitten in der Stadt gedreht ohne Absperrung. Man sieht wie Statisten in die Kamera sehen. Mehr noch die Darsteller ansehen, die gerade ihre Rollen spielen. Auch das finde ich etwas störend. Aber ich denke der Regisseur wollte es so. Die eigentliche Handlung des Filmes ist sehr gut und die Schauspieler bringen es auch sehr gut herüber. Vor allem Jean-Paul Belmondo muss man sehr loben. Meiner Meinung nach trägt er den ganzen Film. Das scheint auch das Glück oder auch das Können von Jean-Luc Godard zu sein, dass die Schauspieler in seinen Filmen oft zu großen Leistungen auflaufen.
Abschließend muss ich sagen, dass ich hier alle Wertungen respektieren würde.
Ich gebe ihm 3 Sterne, weil ich auch ein klein wenig froh war, als der Film zu Ende war. Vielleicht ist das Herbeisehnen von dem Ende dieses Filmes auch eine Form von Ausser Atem.

Meine Schulnote: 3-
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am 28. November 2002
Zu den filmtechnischen Meriten dieses Streifens ziehen Sie bitte ein x-beliebiges Filmlexikon zu Rate, dort werden Sie seitenweise Sekundärmaterial zu diesem Klassiker finden.
Was mir aber noch vor allem anderen auffällt, ist die Jugendlichkeit des Films, nicht nur jene der beiden begnadeten Darsteller, sondern der Stimmung, die aus jedem Kamerawinkel sprüht. Man ist als Zuschauer wirklich dabei, weniger in einem naturalistischen Sinne des neoverismo, als vielmehr in einer Reflexion seines eigenen Ichs, seiner Erfahrungen, Sehnsüchte und Ängste. Das tragische Ende, das sich schon bald abzeichnet bzw. das man aus eigener Erfahrung ahnt, trifft hart in eine Realität, der man schon fast entronnen scheint. Doch es bleibt keine negative Stimmung zurück, und das Geschehen läuft in einem Spiegel ab, in den man ohne drohende Langeweile immer wieder schauen kann, weil Godard es fertig gebracht hat, daß der Film
immer jung bleibt.
Zudem ist dies ein idealer Einstieg in das Werk dieses Regisseurs, da er zwar kompromißlos aber leicht zugänglich ist,
nicht so schwere Kost wie manches, das noch folgen sollte.
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am 25. Oktober 2015
„À bout de souffle", so der Originaltitel, der 1959 gedreht und 1960 in die Kinos kam, gilt als Wegweiser der französischen „Nouvelle Vague“, die sehr deutliche Definitionen hatte, damit ein Film dieser Stilrichtung entsprach. Besonders der Anspruch an den Regisseur am gesamten Entstehungsprozess eines Films beteiligt zu sein, gehört zu den Besonderheiten.

Solche Regisseure engagierten vorrangig junge und zudem unbekannte und selten bereits populäre Darsteller. Auch die Dramaturgie durch die musikalische Untermalung spielte eine wichtige Rolle in der „Nouvelle Vague“, und Experimente mit neuen Filmtechniken und außergewöhnlichem Erzählstil waren typisch.

Den Kern der „Nouvelle Vague“ bildeten vorrangig Claude Chabrol, François Truffaut, Jean-Luc Godard, Jacques Rivette, Éric Rohmer und Jacques Rozier. Die erfolgreichste und meist beachtete Zeit der Nouvelle Vague ging bis in die Mitte der 1960er Jahre, und „Ausser Atem“ ist diesbezüglich einer der „Vorzeige-Filme“.

Originaltitel: À bout de souffle
Deutscher Titel: Ausser Atem
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard nach einer Vorlage von François Truffaut
Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Van Doude, Liliane David, Claude Mansard
Komponist: Martial Solal
Format: PAL / Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1 / Schwarz-Weiß
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 1.0), Französisch (Dolby Digital 1.0)
Untertitel: Deutsch
Region: 2
Extras: keine
FSK: ab 16 Jahren
Studio: STUDIOCANAL
Spieldauer: 86 Minuten
Preis: 8,70 Euro (bezieht sich auf die Arthaus Collection)
Es gibt allerdings noch weitere Veröffentlichungen auf DVD und eine weitere Arthaus-Variante mit zwei DVDs. Ferner ist „Ausser Atem“ mittlerweile seit 2014 auch auf Blu-ray verfügbar.
Medium DVD

Bei dem Bildseitenformat erinnert uns „Ausser Atem“ recht klar an den deutlich alten Fernseher mit eben diesem Format 4:3 und nicht an eine „Kinoleinwand“. Allerdings macht das auch den Charme des rund 55 Jahre alten „Schätzchen“ aus. Die Qualität des Bild bedarf eines Rufes nach „Gnade“ und „Vergebung“, denn sehr gut ist das Bild nicht und durchaus vom Zahn der Zeit angenagt worden. Die Master-Bänder, deren Material vermutlich schon unvollkommen ist, transportieren natürlich auch die mittlere Qualität ins digitale Zeitalter. Aber sehenswert bleibt der Film dennoch.

Der „Mono“ton ist erstaunlich klar und in keiner Weise dumpf. Überragend ist natürlich deutlich anders, aber weder für „Ausser Atem“ noch für ein anderes Werk wäre der Ton ein K.O.-Kriterium. Die Dialoge kommen fein herüber, und selbst die Musik als durchaus beliebtes Stilmittel der „Nouvelle Vague“ klingt besser als zu erwarten war. Und lippensynchron ist die deutsche Fassung ebenfalls gut gelungen. Es scheint übrigens eine kurze mehrsekündige Passagen später für die DVD-Digitalisierung noch in den Film eingebracht worden sein, die nur in Französisch gesprochen und nicht synchronisiert sind. Erfreulich ist zudem, dass Untertitel in deutscher Sprache vorhanden sind.
Diesen Film jedoch in der Originalsprache zu schauen, ist ein klasse Erlebnis, wenngleich die deutsche Fassung gelungen ist.
Darüber hinaus ist bei diesen lizensierten Editionen das fehlende Bonusmaterial nicht ungewöhnlich, wobei ich mir dies sehr spannend vorstelle, denn der Film entstand unter ganz anderen Voraussetzungen als das, was man gewohnt ist, denn Improvisation ist bei der Nouvelle Vague nicht ungewöhnlich.

Die FSK ab 16 Jahren erscheint ein wenig überzogen, wenn man betrachtet, was anno 2015 bereits „ab 12“ auf den Konsumenten heranstürmt. Allerdings denke ich, dass der Film ohnehin mehr erwachsene Zuschauer anspricht, vor allem eben echte Cineasten.
Geschehnisse

Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) ist ein Kleinganove mit losem Mundwerk, der sich gern mit Hut, Zigarette und Sonnenbrille und einem mittelmäßig sitzenden Anzug präsentiert. Humphrey Bogart hat's ihm jedenfalls angetan, wie in einer Szene die Betrachtung eines Kinoplakates mit Bogart die stille Anerkennung von Poiccard besitzt.
Aber jener Michel Poiccard, der gerade ein Auto geknackt und kurzgeschlossen hat und sich – mit Hintergrunderzähler für den Zuschauer – über französische Landstraßen auf den Weg nach Paris aufmacht. Allerdings zieht der Kleinkriminelle die Blicke von zwei Motorradpolizisten auf sich, die ihm entgegenkommen und drehen. Auch wenn Michel Poiccard in einen Feldweg abbiegt, bleibt ihm einer der Polizisten auf den Fersen. Poiccard erschießt ihn und flüchtet zu Fuß, da das Auto nicht mehr anspringt.

Später in Paris ist er ziemlich pleite und versucht mehrfach, alte Kumpane telefonisch zu erreichen, während ein Kommissar Vital (Daniel Boulanger, verstorben 2014) ihm bereits auf der Spur ist. Bei einer ersten Freundin leiht er sich einige französische Francs und geht dann auf die Suche nach der amerikanischen Studentin Patricia Franchini (Jean Seberg), in die er seit einer früheren Begegnung über beide Ohren verliebt ist. Was er für einem „Metier“ nachgeht, weiß sie bis dahin nicht. Um ihr nicht als mittellos entgegenzutreten, schlägt er auch schonmal zu und beraubt sein Opfer. In ähnlicher Weise beschafft er sich auf wieder einen fahrbaren Untersatz.
Michel und Patricia verbringen viel Zeit in ihrem Pensionszimmer mit endlosen Unterhaltungen, in denen Patricia ihr Dilemma zu erklären versucht, dass sie nicht weiß, ob sie ihn liebt oder nicht. Und Michel ist einfach nur sehnsuchtsvoll. Die gemeinsame Zeit ist von langen Dialogen geprägt.

Am kommenden Tag stiehlt Michel erneut ein Auto, ein monströses Ford Thunderbird Cabriolet und holt die wartende Patricia ab. Die allerdings entdeckt sein Bild als gesuchten Polizeimörder in der Zeitung. Nach dem ersten Schock bwgleitet sie ihn zunächst, letztlich auch noch auf der Suche auf die Antwort, ob sie ihn liebt und ob sie diesen beschwerlichen Weg an der Seite eines Kriminellen gehen will.

Hinzu kommt, dass Inspektor Vital zumindest eine Spur verfolgen konnte, die bis zu Patricia führt. Und der Inspektor macht ihr recht klar, dass sie einen Verbrecher protegiert, falls sie sich entscheidet, Michel zu decken. Die immer noch wankende Patricia wird sich also bald entscheiden müssen...
Eindrücke

Wie der Film letzten Endes ausgeht ist fast schon „egal“. Viel imposanter ist, wie die ganze Geschichte aufgebaut und vor allem gefilmt wurde. Filmisch innovative Wege, die mit der „Nouvelle Vague“ einher gehen, sind teils erstaunlich minimalistisch. Gefilmt wird ausschließlich mit einer schlichten Handkamera, ohne Stative oder andere Hilfe, egal ob innerhalb von vier Wänden oder auch von der Rücksitzbank eines Autos mit Schwenk auf Patricia als Beifahrerin. In gewisser Weise erinnert manche Szene an ein „selbstgedrehtes Urlaubsvideo“ mit allerlei Haken und Ösen, die einem Amateur passieren. Zugleich hat der Zuschauer bei diesem Stilmittel fast schon ein Gefühl, dicht dabei zu sein, vielleicht im selben Zimmer oder gemeinsam auf der Straße unterwegs zu sein.

Sovieles, das improvisiert wirkt, macht zugleich den Reiz aus. Sämtliche Szenen in den Straßen von Paris wirken komplett ungestellt und spontan gefilmt ohne Zuschauer fernzuhalten oder Straßen für „Dreharbeiten“ zu blockieren.

Ebenso typisch, daraus resultierend, ist dass keinerlei Studioaufnahmen entstanden … gefilmt wurde nur an Originalschauplätzen quer durch Paris, Straßen, Flure, Zimmer. Godard definierte seinen Film mit den Worten „...ein Film ohne Regeln oder dessen einzige Regel hieß, die Regeln sind falsch oder werden falsch angewendet“. Mancher Kritiker, ob wohlwollend oder nicht, verglich Godards Vorstoß in eine neue Filmtechnik mit dem Kubismus in der Malerei, der Gegenständliches neu definierte.
Und dass die „Nouvelle Vague“ nachzu vorschreibt, dass der Regisseur in alles den Film betreffende involviert sein soll, führt zum Schluß, dass Godard daher selbst die kleine Rolle eines Polizeiinformaten übernahm.
Auch die Musik ist sorgsam gewählt. Der fast 90 Jahre alte Martial Solal ist ein führender Jazz-Pianis Frankreichs, der die passende Musik beisteuert, die zwischen seicht und dramatisch pendelt.

UND … bei all dem künstlerisch angedachten Ambiente und der teils schlicht wirkenden Stilmittel, die sogar künstliche Beleuchtung verbaten und nur Tages- oder normales Zimmerlicht gestatteten, ist eines nicht zu vergessen: „Ausser Atem“ ist sehr intensiv und enorm spannend. Streiten könnte man aber, ob dieser Film ein Krimi, eine Liebesgeschichte oder ein Drama ist. Ersteres fällt für meinen Geschmack heraus, denn das Ganovendasein ist nur Mittel zum Zweck, um die eigentliche Geschichte zu erzählen.

Apropos Erzählen: auf dem Weg nach Paris, spricht Belmondo am Steuer des gestohlenen Autos sitzend sogar den Zuschauer direkt an, indem er in die Kamera des Filmenden auf dem Beifahrersitz schaut und konkret anspricht, ob er das Land oder eher die Stadt liebt. Und auf eine nie gegebene Antwort hat er auch noch den passenden Kommentar. Einerseits erstmal befremdend, danach aber „magic“ und einfach Teil von Godards kreativen Ideen, die den Zuschauer auch noch auf den Beifahrersitz befördern. Dass zudem Belmondo alias Michel zu Beginn des Films erst als Erzähler agiert, ist ebenfalls ein interessanter Moment in „Ausser Atem“.

Vielleicht wird manch ein Betrachter die teils eine Viertelstunde (oder sogar mehr...?) langen Unterhaltungen zwischen Michel und Patricia für sehr banal halten, aber vieles ist dabei ein Spiegelbild dessen, wie wir uns vermutlich auch tagtäglich geben und verhalten. Vielleicht ist das eine Art „verbaler Kubismus“, wo Improvisation geschätzter ist als nur textsicheres Auswendiglernen. Und beide, Seberg und auch Belmondo, machen es zu einem Erlebnis.
Jean Seberg, eigentlich „Jean Carlsen“, spielt ihre Hauptrolle mit großer Natürlichkeit. Sie, die 1979 tot in ihrem Auto in Paris aufgefunden wurde und die Theorien von Selbstmord bis Mord durch den amerikanischen Geheimdienst lauten, sind bis heute ungeklärt. Seberg selbst profitierte eher selten davon, dass ein Film kommerziell Erfolg hatte, aber sie ist dennoch durch einige Klassiker populär geworden.

Jean-Paul Belmondo wird manchen Leser vielleicht verblüffen. Er, der in den 1970er und 1980er Jahren vermehrt Actionheld (z.B. „Der Profi“, „Der Windhund“ oder „Angst über der Stadt“) oder Komödiant (z.B. Der Puppenspieler“ und „Das Ass der Asse“) war, zeigt sich besonders in „Ausser Atem“ oder auch in „Pierot Le Fou“ als künstlerischer Mime. Seine Wurzeln als schlecht bezahlter Tourneeschauspieler zuvor, scheinen zur Entwicklung seiner Ausstrahlung beigetragen haben. Dass die Welt des Kinos aber nicht seine einzige Liebe ist, bewies er Mitte der 1980er, als er erneut als Darsteller im Theater arbeitete. In „Ausser Atem“ lässt er erkennen, dass er deutlich mehr über den guten Actionheld hinaus behherrscht.
Fazit

Weniger ist mehr fällt mir anno 2015 ein, denn „Ausser Atem“ ist in jeder Hinsicht fern von heutiger Filmtechnik, die uns in Wunderwelten wie „Avatar“ entführt. Aber hätte „Avatar“ Anfang oder Mitte der 1960er Jahre funktioniert? Wohl kaum, denn diese digitale Technik, oder CGI-Verfahren, gab es nicht, und vermutlich wäre solch ein Werk im Kitsch versunken.
„Ausser Atem“ indes ist ein Meilenstein der Filmgeschichte – immer auf das Entstehungsdatum bezogen – so wie auch „Avatar“ sich so titulieren lassen darf, und über beide so verschiedenen Filme wird man auch noch in 50 Jahren reden. Und „Ausser Atem“ besitzt eine bewundernswerte Eigenschaft, die man bei „neuzeitlichen Actionhelden“ wie Vin Diesel, Jason Statham oder Paul Walker nie findet, und zwar das Sprechen von mehr als vier Sätzen an einem Stück in der entsprechende Rolle. Das ist in der Nouelle Vague und erst recht in „Ausser Atem“ schlicht die Faszination an sich … der Zuschauer verfolgt Schauspiel und nicht sinnfreies Geballere.

Sicher ist vor dem Kauf für den Interessenten empfehlenswert, sich online die anderen Varianten zu „Ausser Atem“ anzuschauen, da die Arthaus-Variante eine von vielen ist. Diese ist zwar mager ausgestattet, aber die Umsetzung des alten Materials in eine digitale Fassung ist durchaus gelungen. Die Kombination Film und Medium Arthaus-DVD ist in Schulnoten eine „zwo plus“ wert und für Cineasten zudem sehr interessant.

Jean-Louis Glineur 2015-08-29
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am 6. Mai 2012
Godard verzichtet auf Konventionelles. Er lässt den Film einfach irgendwann, irgendwo beginnen. Sein Einsatz des sogenannten Jump Cuts ist zeitweise exzessiv, doch dienen diese nicht nur einem loseren, verschärften Tempo und bewusst gesetzter Inkohärenz zwischen einzelnen Szenenfolgen, sondern eben auch absichtlich als gegenpolige Kraft wider den gängigen Konventionen.

"Außer Atem" ist ein durch die Intention des Regisseurs hektischer Film, der mit vielen Ortswechseln und Blitzhandlungen aufwartet. Einen roten Faden zu erkennen ist schwer, außer einzig der Erkenntnis, dass es keinen gibt. Die Dialoge sind der Hammer: Ich will den oder die sehen, die vorausahnen können, was die Charaktere als Nächstes sagen werden. Hier offenbart sich das unberechenbare Element, das Radikale bei Godard ganz extrem. Allein, wer sich etwas mit seinen Filmen beschäftigt, weiß, dass zum Schluss oft ein Knall die Show beendet. Nun, bei seinem Erstling ist das fast schon harmlos und logisch im Sinne des Kausalen. "Außer Atem" ist sicher kein Film für Erzkonservative, aber für den geneigten Fan der Nouvelle Vage des französischen Kinos unumgängliches Pflichtprogramm.

Übrigens: Belmondo imitiert Bogart, deswegen raucht er Kette. Seine rotzfreche Darstellung des Kleingangsters Michel, der in den Tag lebt und nimmt, was er gerade kriegen kann, ist ein Hymne an die Respekt- und Orientierungslosigkeit... und macht mordsmäßig Spaß.

Man sollte nichts spezielles erwarten. Lassen sie die 86 Minuten einfach konzentriert auf sich einwirken.
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am 11. April 2010
Der Film "Außer Atem" (frz. "A bout de souffle", 1960), einer der Vorreiter der Ende der 1950er Jahre entstandenen Filmrichtung "Nouvelle Vague" in Frankreich ist vor allem aufgrund seiner innovativen filmischen Mittel berühmt geworden (häufige Verwendung von Handkameras, "Jump Cuts", direkter Blick in die Kamera). Zu den inszenatorischen Regelverstößen gehören nicht nur die eingebundenen Vulgärausdrücke (Der Film endet mit Patricias Frage: "Was ist kotzen?") in die oftmals sinnentleerten Diaologe, der Film wurde auch ausschließlich (und das war für den Film der 50-er Jahre wirklich ein Novum) an Originalschauplätzen gedreht; die Alltagsgesräusche der Metropole Paris werden nicht ausgeblendet, sie sind den ganzen Film hindurch eine bewusst bewahrte Geräuschkulisse.

Der Film handelt von einem französischen Kleinkriminellen namens Michel, der, nachdem er einen Polizisten erschossen hat, kurzzeitig Unterschlupf bei der emanzipierten amerikanischen Studentin Patricia findet. Patricia, die sich zwischen Karriere und Liebehaber entscheiden muss, liefert ihn schließlich der Polizei aus. Es ist von Anfang an klar, dass Michel, der Ganove und die ehrgeizige und selbstbewusste Patricia nicht zusammenpassen. Doch Michel ist sich dessen bis zum Ende nicht bewusst.

Godard imitiert bei Michel den klassischen amerikanischen Gangstertypus, macht jedoch einen Verlierertyp daraus. Die berühmte Schluss-Szene, die sehr innovativ für diese Filmrichtung war, wurde unzählige Male von nachfolgenden Regisseuren kopiert.
Die beiden Protagonisten richten sogar während ihrer Dialoge Fragen an den Zuschauer, was als Verweis auf Brechts episches Theater, bei dem die Vermeidung der Identifikation mit Protagonisten eine große Rolle spielt, angesehen wird.

Dieser Film ist weniger der Handlung wegen, sondern aufgrund der filmischen Mittel und Darstellung wirklich sehenswert.
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