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5.0 von 5 Sternen Zwei fantastische Opern von Orff in sehr guten Aufnahmen, 25. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Mond/die Kluge (Audio CD)
Carl Orff ist vor allem (eigentlich fast nur) durch seine "Carmina Burana" bekannt, hat aber neben viel anderer Musik auch diese zwei wunderbaren und ziemlich ungewöhnlichen Opern komponiert. Zu beiden Opern hat Orff nicht nur die Musik, sondern auch den Text (Libretto) geschrieben. Beides sind "Märchen-Opern". "Der Mond" ist die bekanntere der beiden, ich finde "Die Kluge" aber noch besser und noch bedeutender. Da die beiden Opern von der Länge, vom Entstehungszeitpunkt (Mond: 1936/1937, Kluge: 1941/1942) gleichsam ein Paar bilden, ist es gut, dass sie auf dieser Doppel-CD vereint sind. Ich würde eindeutig eine solche Doppel-CD einem Einzelkauf von "Der Mond" vorziehen.

Die hier präsentierten Aufnahmen sind 1956 und 1957 in London unter Mitwirkung des Komponisten (der zu Beginn und zu Ende von "Die Kluge" auch je ein, zwei Sätze als Prolog und Epilog spricht) von deutschen Künstlern aufgenommen worden. Die Aufnahmequalität und die musikalische Aufarbeitung sind für meine Ohren ausgezeichnet. Die Aufnahme hört sich wie eine gute neue Aufnahme an, das Alter ist nicht zu spüren.

Der Charakter beider Märchen-Opern ist derb und lustig, sowohl was die Musik betrifft, als auch was den Text angeht, in dem heftig ges******, gefressen, gehurt usw. wird. Trotzdem kann ich mir auch gut vorstellen, dass die Opern auch Kinder begeistern.

"Der Mond": Die Handlung: Vier wandernde Gesellen aus einem Land, in dem es keinen Mond gibt, kommen in ein Land, in dem es einen Mond gibt, und entführen ihn in ihr Land. Als sie sterben, nehmen sie den Mond mit in die Unterwelt, wo sein Licht die Toten ganz durcheinanderbringt. Sie fangen wieder an zu tanzen, ins Wirtshaus zu gehn und es "zu treiben, wie sie's zuvor getrieben". Petrus eilt aus dem Himmel herbei, findet einen gewissen Gefallen an dem lustigen Treiben, aber bringt dann doch alles wieder in Ordnung. Die Musik: Ist sehr ausdrucksstark und speziell, erinnert oft an die Carmina Burana (sowohl hinsichtlich des Gesamtklangs, als auch herausgehoben bei einzelnen Stücken). Die oft sehr derbe Musik kontrastiert zu den oft sehr zarten und feinen, an Oratorien erinnernden Zwischenstücke, in denen der Erzähler (Rudolf Christ, Tenor) auftritt. Es ist sehr reizvoll, in diesem fast schon manirierten Ton eben keine Heilsgeschichte, sondern ein schräges Märchen erzählt zu hören.

"Die Kluge" ist musikalisch meiner Meinung nach noch interessanter und vielfältiger, hat sich im Stil auch weiter von den Carmina Burana entfernt und eine ganz eigene Art entwickelt. Die Handlung: Ein Bauer findet einen goldenen Mörser im Acker, aber nicht den Stößel dazu. Entgegen dem Rat seiner klugen Tochter übergibt er den Mörser dem König, der - wie von der Tochter vorhergesehen - denkt, der Bauer habe den goldenen Stößel unterschlagen und wirft den Bauern ins Gefängnis, statt ihn zu belohnen. Der Bauer jammert, er hätte doch besser auf seine Tochter gehört, der König wird neugierig, lässt die Tochter holen, findet sich schön und klug und macht sie zu seiner Frau. Die Höflinge geben der Ehe keine Chance, da der König offenbar einen enormen Verschleiß an Frauen hat, und kluge Frauen braucht sowieso niemand. Der König fällt in einer anderen Sache ein sehr dummes Urteil zwischen Ganoven und einem ehrlichen Eselbesitzer, die um ein Fohlen streiten. Die Kluge fädelt eine witzige Intrige ein, um ihrem Mann indirekt klarzumachen, dass sein Urteil ungerecht war. Der König fühlt sich beleidigt und vertößt die Frau, lässt sie aber als Abschiedsgeschenk den Gegenstand mitnehmen, der ihr am teuersten ist. Die Kluge schläfert den König ein und nimmt ihn mit. Als der König erwacht, ist er von der großen Liebe der Klugen, die über alle Klugheit geht, bezwungen, Happy End. Der von Orff gesprochene Epilog macht dann noch einmal überdeutlich, dass goldener Mörser und goldener Stößel natürlich auch eine ziemlich anzügliche Metapher für die Frau und den Mann sind.

Besonders hinweisen möchte ich auf das Eröffnungsstück von "Die Kluge", die vom Bauern gesungene Arie "Oh hätt ich meiner Tochter nur geglaubt", die ungewöhnlich schön, sehr rasant, ausdrucksstark und musikalisch meiner Meinung nach sehr anspruchsvoll ist. Darin kommt, bezogen auf den König, von dem der Bauer sich ungerecht behandelt fühlt, die Textzeile vor: "Ja wer die Macht hat, hat das Recht, und wer das Recht hat, beugt es auch". Das damit zusammengenommen, dass der "König" in dem Stück nach Text, aber auch nach der Art und Weise wie er singt und redet, ausgesprochen brutal, verschlagen und unberechenbar rüberkommt (hat mich stark an die Darstellung des KZ-Kommandanten Amon Göth in dem Film "Schindlers Liste" erinnert), muss man wohl sagen, dass es einiges Mutes bedurfte, die Oper 1942 zu lancieren. Das zur Ehrenrettung Orffs, der ja (wohl generell zu Recht) eher als angepasster NS-Mitläufer gilt.

Fazit: Verrückt, dass diese beiden wirklich "tollen" (im mehrfachen Wortsinn) Opern heute kaum noch jemand kennt. Besonders Schade bei "Die Kluge". Daher: Kaufen!

Nachtrag: Das Beiheft ist schwach und sehr informationsarm. Es ist kein Text darin enthalten (man versteht aber fast alles gut beim Hören).
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Der Mond/die Kluge
Der Mond/die Kluge von Sawallisch (Audio CD - 2010)
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