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am 24. Juli 2006
Im letzten, dem entscheidenden Schuljahr vor der Matura am städtischen Realgymnasium XVI, kommt für den zwar begabten, aber etwas bequemen Oktavaner Kurt Gerber alles zusammen. Denn als Klassenvorstand bekommt Kurt den in Geltungssucht und Selbstherrlichkeit erstarrten Artur Kupfer (vom Buch treffend als "Gott mit beschränkter Haftung" [GmbH] inauguriert), der seinen Job nicht einfach macht, weil er dafür ausgebildet wurde, sondern weil er von ihm abhängig ist. Ohne wirklich wahrnehmbare soziale Bindungen ist Kupfer einfach auf seine kindischen Machtspiele angewiesen und geriert sich im Laufe der Handlung regelmäßig als ein von Minderwertigkeitskomplexen zerfressener Profilneurotiker, der sich an Auseinandersetzungen mit widerspenstigen Schülern ergötzt, diese sogar fortwährend provoziert. Kurt hat Kupfer zwar noch nie zuvor als Lehrer gehabt, hat aber schon genaue Vorstellungen von dem, was ihn erwarten könnte. Denn in den Sommerferien hat Kupfer Kurts Vater den Untergang des "Früchtchens" orakelt, falls dieses Kupfer als Klassenvorstand bekäme. Einen Posten auf den er hartnäckig insistiert hat. Dass dann die von ihm unterrichteten Gegenstände Mathematik und Darstellende Geometrie Kurts schwächste Fächer sind, tut sein übriges. Vom Bestehen der Matura hängt aber nicht nur sein Jura- oder Philosophiestudium ab, sondern auch das Leben seines schwer herzkranken Vaters, der nichts unversucht lässt, um das drohende Unheil abzuwenden. Und dann ist da auch noch Lisa Berwald, in die sich Kurt vor kurzem verliebt hat, die sich aber nicht eindeutig zu ihm bekennt. Lisa hat zwar körperlich schon maturiert, ist aber emotional völlig unreif. Der vage Schwebezustand dieser Quasi-Beziehung macht Kurt merklich zu schaffen und lenkt ihn zudem noch von der Schule ab, wo der Hauptkonflikt des Romans schon heftig schwelt. Kurt verspürt ein sukzessives Unbehagen, den verschiedenen Erwartungshaltungen seiner Umwelt nicht gerecht zu werden. Er fühlt, dass man von ihm erwartet, mit Lisa zu schlafen, er weiß, dass man von ihm verlangt, die Matura zu bestehen, er ist sich sicher, das nicht zu schaffen und droht unter dem Druck zusammen zu brechen.

Doch dann ein Lichtblick. Nach Karzerstrafen, Klassenbucheinträgen, Tadeln und etlichen "nichtgenügends" lässt Kupfer Kurt schließlich zur Matura zu (obwohl es für ihn kein Problem gewesen wäre, ihn durchfallen zu lassen, denn bei einer guten Prüfung entscheidet er, ob diese als solche oder als Übung anzusehen ist, bei einer schlechten gibt es "nichtgenügend"). Dahinter steckte aber keine unverhofft aufkeimende Nächstenliebe, sondern Kalkül, denn für Kupfer ist es eine ungleich größere Befriedigung, seinen hadernden Prüfling auf der Ziellinie zu demütigen und vor dem Lehrerkollegium zu desavouieren. Als Kurt dann die zu bearbeitenden Beispiele vorgelegt bekommt, kann er sich trotz intensiver Vorbereitung nicht konzentrieren. Zuviel schwirrt ihm im Kopf herum. Er ist vollkommen verheddert im Netz aus Selbstzweifeln, Versagensangst, krankem Vater und der Pein verschmähter Liebe. In einem denkwürdigen Schlussakkord unterzieht Kurt Gerber sein Leben der Maturaprüfung (Torberg zieht dabei starke Parallelen zu der zuvor stattgefundenen Prüfung Kurts ["Jemand zahlt zwölf Monate hindurch seine ganze Liebe ein...", in Anspielung auf die Zinseszinsaufgabe) und kommt zu der vernichtenden Gesamtbeurteilung "Sie wissen nichts von Wahrheit? Sie wissen nichts von Gerechtigkeit? Sie wissen nichts von Liebe? Davon wissen sie nichts?! Ich danke, es genügt. Wir sind fertig, Kandidat Leben!". Die Erkenntnis, dass es Subjekte wie Gott Kupfer gibt und immer geben wird und dass seine Liebe gescheitert ist, drängt Kurt in den Suizid, just bevor ihm gegen die vehementen Bemühungen Kupfers die Reife zuerkannt worden wäre. Gott Kupfer hatte wieder einmal gesiegt.

Die auktoriale Erzählhaltung, für die sich Torberg entscheidet, lässt ihm deutlich mehr narrativen Spielraum, als die Perspektive eines Ich-Erzählers. So erhält man Einblick in das innere und äußere Leben Kupfers. Man erfährt, wie er sich an die Eltern seiner Lieblingsschüler anbiedert und wie er seine sexuellen bzw. sadistischen Triebe befriedigt, an Prostituierten bzw. an Schülern, die sich beide in einer gewissen Abhängigkeit zu ihm befinden.
Auch hat man so, weit vor dem eigentlichen Protagonisten Kurt Gerber, darüber Kenntnis, dass seine Liebe zu Lisa niemals erwidert werden wird. Dafür hat dieser, benebelt von seiner Hingabe, natürlich keinen klaren Blick. Das Gefühlsleben, vor allem das des Kurt Gerber, spielt eine große Rolle. Torberg hat den "inneren Monolog" zwar nicht erfunden oder à la James Joyce perfektioniert, aber er weiß ihn in jedem Fall einzusetzen. Die abstrusen, ungeradlinigen und sprunghaften Gedankengänge verhelfen dem Zuschauer zur Empathie mit der Hauptfigur und machen sie so greifbarer und wirklichkeitsnäher, denn niemand mit einem derartigen Panoptikum an Problemen, wäre fähig, dissertationsreife und sachliche Überlegungen anzustellen. Schon gar nicht ein so ausgeprägt empfindsamer Charakter wie Kurt Gerber.

So pessimistisch und misanthropisch "Der Schüler Gerber" insgesamt ausfällt, ist er jedoch nicht durchgehend. Wer sich von einem Schulroman auch etwas Esprit, Spaß, Aufsässigkeit und einen amüsanten Schüler-Lehrer-Dualismus verspricht, der wird auch hier sein Heil finden. Denn auch in diesem Schulroman findet man die bekannten Lehrer- und Schülertypen wieder, die man so oder in abgewandelter Form schon in natura erlebt hat. Vor allem aus heutiger Sicht betrachtet, evoziert es doch eine gewisse Verwunderung, wie verhältnismäßig wenig sich in der Schulmaschinerie verändert hat.

"Der Schüler Gerber" wirft die Frage auf, was denn eigentlich "reif" ist und ob es die Sache wert ist, sich zu schinden, um von jemandem für "reif" erklärt zu werden, der zeitlebens nie aus dem System Schule ausgebrochen ist und mit seinem fragwürdigen Berufsethos und seiner Interpretation vom Lehrersein eigentlich als vollkommen unreif zu klassifizieren ist.

Wenn es nur um stupide Demonstrationen von Macht und Virilität geht, auf die Kupfer seine Schüler auf pädagogisch fragwürdige Weise für das "wahre Leben" vorbereitet, dann kann man getrost auch auf dieses "wahre Leben" verzichten.
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am 1. Juli 2002
Das schlimmste, was diesem Buch wiederfahren kann, wäre es als Schulroman abzustempeln, in dem es vorallem um einen Schüler geht, der sich mit einem Lehrer herumzuquälen hat, nicht das ist der Kern der Handlung. Der hat vielmehr mit einem jungen Menschen zu tun, dem -unter anderen über diesen Lehrer- bewusst wird, dass die Welt nicht ideal ist, nicht auf Liebe oder Gerechtigkeit und schon gar nicht auf Wahrheit beruht. Und irgendwie bemerkt Gerber, nicht in diese Welt hineinzupassen, eine Welt voller Öberflächlichkeiten. Der Titel ist somit, nach dem Lesen, nur ein weiterer Punkt der harten Abrechnung mit dem Leben an sich: "Der Schüler Gerber", der Versuch, jemanden festzulegen über seine Tätigkeit. Ein weiterer Punkt, des oberflächlichen Betrachtens, ohne die Hintergründe zu sehen, die einen gar nicht interessieren, weil sie doch nur zu kompliziert sind.
Es ist ein Buch, das durchaus seine Längen hat, aber auf sehr leicht verständliche Weise die Unmöglichkeit aufzeigt, in einer Welt zu leben, ohne seine Ideale aufzugeben. Und bitte: es ist KEIN Roman über die Schule oder einen Schüler. Es ist ein Buch über das Leben an sich, verpackt in das Umfeld eines Schülers, vielleicht auch deshalb, weil man gerade in dem Alter sich entscheiden muss, ob man bereit ist, in diese Welt zu passen oder nicht.
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am 12. Januar 2000
Der begabte Schüler Kurt Gerber hat nur noch ein Jahr Schule vor sich. Übermutig und voller Vorfreude auf das, was ihn nach der Matura erwarten wird, nämlich die Welt der Erwachsenen, geht er das letzte Schuljahr an. Aber schon am ersten Tag wird dem Schüler Gerber diese Vorfreude genommen, denn sein neuer Klassenlehrer ist Professor Kupfer, auch "Gott Kupfer" genannt, der Gerbers einzige Schwäche, die Mathematik, unterrichtet. Gott Kupfer ist aber nicht nur ein strenger Mathelehrer, sondern ein herrschsüchtiger Despot, der in der Klasse wie in seinem eigenem Reich waltet. Kurt ist ihm ausgeliefert und seine anfängliche Ahnung , daß dies nicht gut ausgehen wird, wird immer mehr zur Gewißheit. Aber nicht nur die andauernden Demütigungen in der Schule machen Kurt zu schaffen. Da ist noch die unerfüllte Liebe zu Lisa, die die Schule verlassen hat, und damit außerhalb seiner Reichweite ist. Schließlich noch Kurts todkranker Vater, der seine letzte Hoffnung auf seinen Sohn setzt. Kurt will ihn auf keinen Fall enttäuschen und kämpft einen scheinbar aussichstlosen Kampf an vielen Fronten. Kleine Erfolge geben Kurt Hoffnung und der Leser bangt mit ihm um seine Zukunft. Vor allem junge Leute, die selbst noch in der Schule sind oder sie gerade verlassen haben, kennen die Angst vor dem Versagen, die Torberg erschreckend realistisch darbringt. "Der Schüler Gerber" ist mehr als nur ein Schulbankroman. Das Verantwortung übernehmen, erste Liebe, erste Enttäuschungen, Angst, nun die ganze Bandbreite des Erwachsenwerdens offenbart uns Torberg auf einfühlsame Weise. "Der Schüler Gerber" eignet sich nicht nur sehr gut als Schullektüre, sondern auch für alle, die über ihre eigene Schulzeit nachdenken wollen, damalige Ängste vor der Zukunft mit der eingetretenen Gegenwart vergleichen wollen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Vor achtzig Jahren veröffentlichte der österreichische Schriftsteller Friedrich Torberg (1908-1979) seinen Erstlingsroman "Der Schüler Gerber". Der damals 21jährige hatte ihn noch ganz unter dem Eindruck des eigenen, nicht bestandenen Abiturs geschrieben. Sein Freund Max Brod las das Manuskript und war begeistert. Daraufhin übermittelte er es ohne Torbergs Wissen an den Zsolnay Verlag. Die erste Auflage des Romans trug den Namen "Der Schüler Gerber hat absolviert" und wurde ein großer Erfolg. 1954 erschien dann eine Neufassung mit dem Titel "Der Schüler Gerber".

Im letzten Jahr vor seiner Reifeprüfung sieht sich der begabte Schüler Kurt Gerber von dem tyrannischen Professor Kupfer drangsaliert. Dieser "Gott Kupfer" lebt hemmungslos seine sadistische Neigung aus und sein ganzer Ehrgeiz besteht darin, diesen jungen Gerber fertig zu machen. Gerbers schwache Seiten in der Schule sind Mathematik und Darstellende Geometrie, gerade jene Fächer, die von Kupfer unterrichtet werden.

Zusätzlich belasten Gerber seine unglückliche Liebe zu Lisa und die schwere Herzerkrankung seines Vaters, dem er die Schande eines schulischen Scheiterns ersparen möchte. Trotz aller Widrigkeiten besteht Kurt die schriftliche Matura, aber in der mündlichen Matura bei Kupfer stellt ihm dieser eine Prüfungsfalle. Als er anschließend von der Prüfungskommission aufgerufen wird, um sein Ergebnis zu erfahren, geht er in das Zimmer und stürzt sich aus dem Fenster auf die Straße. Er ist sofort tot. Ironie des Schicksal: Kurt war von der Prüfungskommission für reif erklärt worden.

"Der Schüler Gerber" ist jedoch kein Schulroman. Hier wird mehr als nur die Schule kritisiert, nämlich die Gesellschaft, die Welt der Erwachsenen. Nun ist dieser stets aktuelle Roman im Deutschen Taschenbuch Verlag in der Jubiläums-Edition "Wichtige Autoren und ihre Bücher aus fünf Jahrzehnten" erschienen.

Manfred Orlick
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Der ganze Umfang der Kulturrevolution, der die westlichen Gesellschaften in den letzten beiden Generationen überrollt hat, wird mitunter dem Leser an Büchern deutlich, die die Verhältnisse vor siebzig, achtzig Jahren noch wie Selbstverständlichkeiten beschreiben, die niemals ins Wanken geraten können und die sich doch inzwischen gänzlich verändert haben. Ein solches Buch ist der Roman "Der Schüler Gerber" des österreichischen Autors Friedich Torberg.
Kurt Gerber, ein sensibler und etwas verschlunzter Schüler der gymnasialen Abschlussklasse geht in dem vorliegenden Buch zwischen den Mühlsteinen der Gnadenlosigkeit eines gewissenlosen Lehrers und der nicht minder brutalen Gnadenlosigkeit der ersten Liebe zugrunde. Mit Gerbers Lehrer "Gott Kupfer" ist Torberg die literarische Typisierung eines pädagogischen Sadisten gelungen - er ist es in der Hauptsache, der den Abiturienten unmittelbar nach der Abschlussprüfung in den Tod treibt.
So endet dieses Buch - nicht aber die Geschichte der Erziehungswirklichkeit. Denn 80 Jahre später hat der Schüler Gerber über "Gott Kupfer" gesiegt. Sadisten wie der Mathematiklehrer Kupfer würden heute (gottlob) innerhalb kürzester Zeit aus dem Schuldienst entfernt. Aber das Pendel ist noch viel weiter in das Gegenteil ausgeschlagen - heute beherrschen an manchen Schulen ( nicht an allen ) jene Nachfolger des Schülers Gerber die Klassenstufen, für die es zum Normalsten von der Welt gehört, die Sorge für ihr Wohlergehen und Weiterkomen an ihre Eltern und Lehrer und wenn es hart auf hart kommt, an die Schülbürokratie zu delegieren. So ist Torbergs frühes Meisterwerk inzwischen auch als Folie dafür zu lesen, wie es früher war und wie gewaltig das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen ist.
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am 30. März 2005
Der Schüler Gerber von Friedrich Torberg ist wohl eines der eingängigsten, gefühlvollsten, aber gleichzeitig auch, erschütternsten Einblicke in das Seelenleben eines Schülers kurz vor der Matura. An mancher Stelle fühlt man sich dermaßen in die Situation hineinversetzt, dass einem die schlimmsten Erinnerungen wieder ins Gedächtnis kommen. Ängste werden wieder lebendig und die Anspannung nahezu greifbar. Eine wahre Achterbahn der Gefühle.
Doch zurück zum Werk. Torbergs Romanheld Kurt Gerber ist ein blitzgescheiter, aufstrebender junger Mann, der zu seinem Unglück an den falschen Lehrer zum falschen Zeitpunkt gerät. Gerber, der wegen seines aufbrausenden, ja geradezu an Frechheit grenzenden Auftretens von seinen Mitschülern und einem Großteil der Lehrer geachtet wenn nicht sogar verehrt wird, wird Zielscheibe des neuen Klassenvorstands Professor Kupfer, im Schülerjargon, wegen seiner Unbarmherzigkeit, Gott Kupfer genannt. Kupfer unterrichtet in Gerbers schwächsten Fächern Mathematik und Darstellende Geometrie und das weiß er auch. Gezielt jubelt er dem Ausnahmeschüler ein ums andere Mal ein Nicht Genügend unter, bis dieser an der eigenen Reife zu zweifeln beginnt. Zu allem Unglück stoßen zu Gerbers schulischen Problemen, noch andere hinzu. Lisa, die Liebe seines Lebens, lässt ihn im Unklaren über ihre Beziehung, für Gerber beginnt eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Zu guter Letzt scheitert er an der Hürde Leben.
Torbergs Werk, entzückt durch eine mitreißende Dramatik und eine einfühlsame Erzählung die ihres gleichen sucht. Nie zuvor war ein Schurke so real und derart hassenswert wie Gott Kupfer. Bis zuletzt lässt er den Leser an seiner Menschlichkeit zweifeln.
Stilistisch ist der Schüler Gerber gewöhnungsbedürftig, oft verschwimmen die Übergänge zwischen Gedanken und Gesprochenem, doch wer sich damit abfindet entdeckt eine herrlich grausame Seelenwanderung durch die Untiefen eines 18-jährigen Maturanten.
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am 15. Juli 2011
Was mir an diesem Roman so gut gefallen hat, war die nicht beschönigte Darstellung der Welt, denn -ganz ehrlich- nichts ist perfekt und jeder hat schon einmal die Schattenseite in seinem Leben kennengelernt, das gehört dazu.
Ich -als Schülerin- weiß wie es ist, wenn man sehr viel Stress hat und auch wenn man den-vielleicht gar nicht beabsichtigten- Druck der Eltern und der Lehrer zu spüren bekommt. Ja, es stimmt, einige Lehrer sind oft nicht fair, und es kommt auch vor, dass sie womöglich den einen oder andern Schüler bevorzugen und dafür einen anderen härter ranneehmen, aber man muss sich im Kopf behalten, dass Lehrer auch nur Menschen sind, und auch sie sind, wie wir alle, nunmal nicht perfekt, und da ist es klar, dass Sympathie auch mitspielt!
Und das wurde -finde ich zumindest- etwas übertrieben dargestellt!
Sonst: Fantastisch formuliert und man kann sich sehr gut hineinversetzen!
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am 28. Januar 2016
Dass man einen Roman, den man vor knapp zehn Jahren in der Schule lesen musste, irgendwann mal zu seinen Lieblingsbüchern zählen würde, kommt nicht alle Tage vor. Aber genau das ist mir mit "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg passiert. Als damals bekannt wurde, dass wir uns einen Schulroman aus den frühen 1930er-Jahren kaufen und durchlesen müssen, hielt die Begeisterung sich in Grenzen. Kein Wunder, denn die knapp 300 Seiten lesen sich viel schwerer, wenn vor dem geistigen Auge eines Schülers Analysen, Interpretationen und Charakterisierungen auftauchen. Dementsprechend motivationslos ist man an diesen Roman herangegangen.

Aber als ich den Roman schließlich gelesen hatte, wurden meine anfänglichen Sorgen gänzlich zerstreut. Ganz im Gegenteil, sie schlugen irgendwann in Begeisterung um. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Friedrich Torberg nicht nur die Institution Schule, sondern sämtliche Stationen des Lebens mit einer zeitlosen Lebendigkeit beschrieben hat. Wenn man sich Torbergs lebhafte Schilderungen zu Gemüte führt, vergisst man manchmal vollkommen, dass dieser Roman schon fast 100 Jahre alt ist. Die verschiedenen Schüler und Lehrer könnten auch aus der heutigen Zeit stammen: Es gibt die Lehrerlieblinge, die dem Klassenvorstand die Schuhe küssen würden, um eine schlechte Note zu vermeiden, es gibt die Zensurproleten, die sich auf ihre schlechten Prüfungen etwas einbilden und über ihre Resultate lachen, es gibt die stillen Heimlichtuer, die günstige Gegebenheiten ausnutzen, um für den Rest des Schuljahres Ruhe zu haben und es gibt die Spitzenschüler, die bei Klassenarbeiten jede Hilfe versagen. Auch die Palette der Lehrer lässt keine Lücken offen: Von streng bis inkonsequent, von rachsüchtig bis hilfsbereit, von nicht durchsetzungsfähig bis autoritär - alle Charaktereigenschaften sind vertreten und spitzen sich vor allem im Hinblick auf eine der Hauptfiguren zu.

Den Großteil des Schulalltags erleben wir durch die Augen zweier Kontrahenten: Auf der einen Seite haben wir den intelligenten und talentierten, aber auch sehr rebellischen und vorlauten Schüler Kurt Gerber, der sein letztes Schuljahr an einem Realgymnasium besucht. Auf der anderen Seite haben wir den Professor Arthur Kupfer, der die Vergehen seiner Schüler über Jahre hinweg bestraft, Früchtchen wie Kurt Gerber mit allen Mitteln ruinieren will und Schülern, die er nicht zur Matura zulassen möchte, gerne mal mit einem gewollten Nichtgenügend abstraft. Er lehrt Mathematik und Darstellende Geometrie, und damit ausgerechnet die beiden Gegenstände, in denen Kurt Gerber nicht vollständig bewandert ist. Von der ersten Stunde an stehen die Zeichen zwischen den beiden Fronten auf Sturm, und es dauert nicht lange, da wird aus dem angespannten Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer ein Machtkampf, bei dem eine der beiden Parteien zu zerbrechen droht. Hinzu kommt eine unerfüllte Liebe Kurts zu seiner ehemaligen Mitschülerin, Lisa Berwald, die sich trotz aller Sehnsüchte als sinnlos erweist und den Druck auf den Schüler verstärkt.

Das Buch wurde 1930 unter dem Titel "Der Schüler Gerber hat absolviert" veröffentlicht und wurde vermutlich durch Friedrich Torbergs persönliche, teils negative Auseinandersetzung mit der Reifeprüfung, der Matura, inspiriert. Friedrich Torberg fiel 1927 durch die Matura und wurde erst im Jahr darauf für "reif" erklärt. Durch die leicht verständliche Sprache, die beide Parteien gleichermaßen kritisch beäugt, fällt es dem Leser leicht, dem Geschehen zu folgen. Oftmals hat der Autor sich an Wertungen und Schlussfolgerungen bedient, die man auch heute noch 1:1 auf das Leben und die Schule übertragen kann. Genau das macht diesen Roman so erfrischend: Er ist zeitlos und lässt sich auch in der heutigen Zeit noch voll und ganz genießen.
Der deutschsprachige Schriftsteller und Kritiker Max Brod sagte über den Roman einmal Folgendes: "Das ist kein Schulroman mehr, das ist ein hellsichtiger, überwacher, visionärer Durchblick ins Gesamtbild unseres Daseins. das Rätsel Schule wird nach allen Richtungen hin in das größere Rätsel Leben eingebaut." - Anfangs habe ich diese Aussage als die typisch distanzierte Kritik aufgefasst, wie sie auf jedem Buchrücken und in jedem Klappentext erscheint, aber mittlerweile würde ich diese Wertung voll und ganz bestätigen.
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am 25. April 2016
Der Schüler Gerber ist ein Roman, den jeder mal gelesen haben muss. Er spiegelt nicht nur Aspekte der Schule wieder, die heute genauso gegenwärtig sind wie damals. sondern regt zum Nachdenken über das eigene Leben an
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am 23. November 1999
Obwohl das Buch bereits in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts entstanden ist, könnte es genauso gut in der heutigen Zeit spielen.
Zeitlos erzählt Friedrich Torberg vom Leben des Schüler Gerbers, dem die Probleme über den Kopf wachsen. Einerseits sind das private Probleme mit Liebe und Eltern, andererseits schulische Probleme, vor allem mit dem Lehrer "Gott" Kupfer.
Der dadurch erzeugte Druck auf ihn wächst stetig während des gesamten Buches und entlädt sich dann tragisch bei der Matura (Abitur).
Torberg zeigt in diesem Buch Mißstände im Schulsystem auf, die bis heute nicht ganz beseitigt werden konnten.
Andererseits kritisiert er auch die Gesellschaft, die einerseits so ein Schulsystem überhaupt zuläßt, und die andererseits den den Druck und die Erwartungshaltung nicht mindert, sondern noch schürt.
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