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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial, 6. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Love All the People (Taschenbuch)
Willkommen bei Bill Hicks, dem amerikanischen Stand-Up-Comedian mit Ausnahmeformat. 1994 an Krebs verstorben, war Hicks ein kompromissloser Performer, dessen unglaublicher Mix aus Obszönität, Ehrlichkeit, Politik, Weisheit, Perversion, Grenzüberschreitung, Verwundbarkeit bis heute seinesgleichen sucht. Vom ersten Irakkrieg bis zum Drogenkonsum, von Religion und Abtreibung und Marketing bis zu seinem kaputten Liebesleben, niemand ist so schonungslos, so offen auf die Bühne gegangen. Die Sammlung seiner Texte in Love all the People offenbart, dass Hicks keineswegs frei improvisiert hat, so sehr seine Ausbrüche on stage dies auch nahelegen, sondern sehr konzentriert an seinen Text gefeilt und gearbeitet hat. Die gleichen Motive tauchen immer und immer wieder in den Transkripten seiner Liveshows auf, ebenso in Briefen, Stücken, Materialien. Der Künstler erscheint so als Prozess, eine evolutionäre Entwicklung von Ideen, Stimmungen, Meinungen, der Comedy Act wird so zur Skulptur, an der Hicks meißelt, die Pointen minimaler und noch minimaler auf den Punkt bringt. Obwohl sich dadurch extrem viel Material wiederholt, bleibt das Buch durchweg lesenswert, eine Reise in den Kopf eines wütenden und liebevollen Mannes, für den Humor kein Zeitvertreib ist, keine Belustigung, sondern der als klassischer Hofnarr seinem Publikum nichts anderes als die Wahrheit, die Absurdität des Alltags und seiner Tabus und Normen, aufzeigt. Wo andere Shock-Comedians sich auf Schwulenwitze und ein paar Schimpfworte beschränken (Dennis Leary, Andrew Dice Clay), zerfleischt Hicks mit der Energie einer Splitterbombe gesellschaftlich akzeptierte Vorstellungen und zeigt, wie wenig sinnvoll die Verbote und Gebote der (amerikanischen) Gesellschaft sind. Und ist dabei saukomisch, keine Sekunde trocken oder akademisch, sondern hinreißend irrlichternd, über alle Themen hinwegspringend und immer wieder auf den Punkt kommend.

Damit transzendiert und verändert Hicks sein eigenes Medium. Wir haben in Deutschland keine Vorstellung von dieser Art von Performance. Wir haben Kabarettisten, die – etwas bierernst – die Politik kommentieren und bestenfalls dem SPD-Ortsverein noch ein Schmunzeln entlocken und sogenannte Comedians, deren Humor sich in eher platten Klischee-Figuren frei jeder Botschaft, jeder Persönlichkeit am unteren Spektrum von Treppenwitz entlanghangeln. Hicks will nicht unterhalten. Hicks will aufrütteln. Nicht ohne Grund komplett aus einer David-Letterman-Nightshow herauszensiert, pisst Hicks genau die richtigen Leute an. Und hat dabei trotz allem eine klare, positive Message, die aus allen Texten immer wieder hervorbricht und den Titel des Buches treffend macht.

Das einzig Blöde: er ist tot. Ich hätte so gern gehört, was Bill Hicks zu George Bush Jr und Irakkrieg II zu sagen gehabt hätte. es ist seltsam, daß niemand auch nur ansatzweise Hicks’ Thron beerbt hat. Der Mann bleibt eine Ausnahmeerscheinung. Deshalb unbedingt Love all the people holen und lesen.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Witzig und gleichzeitig erschreckend, 7. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Love All the People (Taschenbuch)
Ich habe Bill Hicks über die Band Tool kennengelernt, die Bill Hicks ihr Album Aenima gewidmet haben (sehr empfehlenswert übrigens).
Zunächst habe ich mir einige Auftritte auf Youtube angeschaut und war sofort hin und weg. Bill Hicks versteht es, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Interessant ist dabei dass er, wie in einem Interview im Buch erwähnt, sich nicht überlegt, was das Publikum unterhalten könnte, sondern was ihn zum lachen bringt. Es wird deutlich, dass seine Shows keine bloße Abhandlung von Witzen ist, sondern eine Konversationen zwischen Menschen, wobei einer auf der Bühne steht.
Dabei sind Bill Hicks' Shows jedoch in keinster Weise substanzlos. Schonungslos "offenbart" Hicks in seinen Witzen Wahrheiten, die man so vielleicht gar nicht wahrgenommen hat. Dass dabei Flüche und Kraftausdrücke enthalten sind überrascht nicht. Bill Hicks' Einzigartigkeit entfaltet sich darin, dass er auf der Bühne immer er selbst ist. Er versucht nicht seine Ansichten zu verstecken, oder ein "kinderfreundliches" Programm auf die Beine zu stellen. Und das macht er außerordentlich gut. Man findet sich immer wieder in der Situation, dass man lauthals über Dinge lacht, über die man sich nicht zu lachen getraut hat. Von einem Extrem ins andere entlockt Bill Hicks immer wieder aufs neue Lacher. Dabei sind die extremen Ausdrücke und Ansichten keineswegs Selbstzweck. Hinter jedem Witz, hinter jeder Absurdität, hinter jeder Grimasse versteckt sich eine Wahrheit. Bill Hicks versucht die Leute aufzurütteln, ihnen die Augen zu öffnen, man wird gezwungen über die Sachen nachzudenken, und sieht sie danach in einem ganz anderen Licht. Nahezu kein Thema wird von Bill Hicks verschont. Er schildert seine Ansichten über Religionen, Abtreibungen, Kriege, Drogen und seine damit verbundenen Erfahrungen, und andere Themen, die von Stand-Up-Comedians heutzutage nicht einmal mit der Greifzange angefasst werden.
Als Fazit kann ich also dieses Buch jedem empfehlen, der von den Mario Barths, Michael Mittermeiers etc. die Schamesröte ins Gesicht geschrieben bekommt und sich nach einem (gewagtes Adjektiv) "niveauvollen" Comedian sehnt.

Umso tragischer ist es, dass Bill Hicks 1994 an Krebs verstorben ist. Ich denke, er hätte auch heute noch viel zu erzählen, und vor allem viel, worüber es sich zu sprechen lohnt.
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Love All the People (New Edition)
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