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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein lüsterner Onkel, eine fromme Katholikin und das Grabmal des Kardinals - Die Deneuve beerdigt sich selbst!, 1. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristana (DVD)
"Tristana" ist Luis Bunuels düster bebildertes Porträt einer devoten Katholikin, die sich zeit ihres Lebens auf tragische Weise von einer schüchternen Vollwaisen in ihren Mädchenjahren zu einer sadistisch veranlagten Frau wandelt, weil sie unfähig ist, sich aus eigener Kraft von den Ketten der gesellschaftlichen Konventionen zu befreien. Bereits in früher Jugend verliert Tristana ihre Mutter, so dass sie gezwungen ist, zu ihrem Stiefonkel zu ziehen, dem finanziell gebeutelten Aristokraten Don Lope, eine besonders bigotte Gestalt eines betagten Schürzenjägers, der in aller Öffentlichkeit gern edelmütig mit der Maske des Gutmenschen kokettiert, wenn er in großspurigen Reden den hohen Wert der Freiheit anpreist. Obwohl Don Lope durchaus mit den freiheitlichen Idealen der Revolution sympathisiert, sperrt er Tristana dagegen in seinem eigenen Haus ein, erstickt er sie auf patriarchalische Weise in einem unselbstständigen Dasein und nutzt seine Stellung über das Mündel schamlos aus, bis die väterliche Liebe sogar in sexuelles Begehren umschlägt, das ihn dazu treibt, sich an Tristana zu vergehen, und sie zu einer Liaison zu verleiden. Ihr Leben wird fortan zu einem beklemmenden Alptraum. Die Einöde der Stadt, das morbide Milieu aus spanischer Tradition und klerikaler Strenge und die finsteren Räume der archaisch eingerichteten Behausung zeichnen ein Klima, an dem die unterdrückte Tristana ganz allmählich zu zerbrechen droht. Der pure Zufall treibt sie bei einem Spaziergang durch die Stadt vorübergehend in die Arme des Malers Horacio, der ihr die Gelegenheit zur Flucht verschafft, die jedoch zum Scheitern verurteilt ist, denn die plötzlich errungene Freiheit fordert einen hohen Preis in Form ihrer physischen Unversehrtheit. Aufgrund eines Tumors muss ihr rechtes Bein amputiert werden, so dass das Elend der Krankheit sie zwangsläufig zurück in die Obhut von Don Lope führt, der inzwischen durch eine Erbschaft zu Geld gekommen ist und die wankelmütige Tristana mit generösem Gehabe wieder bei sich aufnimmt. Ihr persönliches Schicksal bleibt somit fremdbestimmt. Die ausweglose Lage macht sie jetzt erst recht zu einer Gefangenen, so dass ihr einst weiches Herz immer mehr erkaltet und aus dem vormals sanften Mädchen nun eine verbitterte Zynikerin wird, die Don Lope für seine Besessenheit fürchterlich büßen lässt.

"Tristana" entwickelt selbst für Bunuel-Verhältnisse eine ganz morbide Atmosphäre, weil die Handlung permanent in der Schwebe zwischen Tagtraum und Realität hängt, zumal sich die Bilder aus der Wirklichkeit kaum von denen aus der Phantasie unterscheiden, so dass man auch zu dem Schluss kommen könnte, dass alles nur ein einziger böser Traum ist. Denn Tristanas surreale Abkehr vom normalen Leben beginnt eigentlich schon mit dem Einzug bei Don Lope. Wobei dies immer ein leicht nachvollziehbarer Film bleibt, der seinen eigentlichen Reiz aus der Schilderung der immanenten Widersprüche zieht, die dieses ungleiche Paar reflektiert, das an der unüberwindbaren Diskrepanz scheitert zwischen Liebe und Hass, Anspruch und Wahrheit, den Zwängen der Moral und der Sehnsucht nach Freiheit, einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem Ich und einem alternden Caballero, der in seinem neurotischen Narzissmus zu ertrinken droht. Und man glaubt es kaum, wie viel Lebensangst sich doch hinter kleingeistigem Puritanismus verstecken kann. Bunuel tränkt den Film in eine schwermütige Melodie, die bitter aufstößt, weil Tristana und Don Lope sich auf ganz subtile Weise gegenseitig erniedrigen und an die Grenzen des menschlich Ertragbaren führen, indem die Demütigung zur Kompensation für das eigene entglittene Leben wird. Sehr beklemmend ist die Szene, als die gläubige Tristana auf Anraten eines Priesters hin, Don Lope schließlich heiratet, um die sündhafte Beziehung vor Gott zu legalisieren. Vor dem Altar erscheint sie in einem schwarzen Kleid mit schwarzem Schleier, so als ob sie an der Grenze zur Selbstverleugnung ihre eigene Seele zu Grabe trägt. Einen zärtlichen Annäherungsversuch seinerseits weist sie eiskalt ab, die Hochzeitsnacht schlägt sie mit hämischem Spott aus. Womit wir wieder bei Bunuels Lieblingsthema, dem Katholizismus, angekommen wären, denn man kann diesen Don Lope sicher für viele schlimme Dinge verantwortlich machen, dass Tristana nicht in der Lage ist, aus ihrem Dasein auszubrechen, hat eher etwas mit dem tief in ihr verwurzelten Glauben zu tun, der sie vollkommen entindividualisiert und vom eigenständigen Denken entmündigt, so dass Tristana zum metaphorischen Sinnbild für das Schicksal des sehr religiös geprägten spanischen Volkes wird. Dazu wurde die Romanvorlage von Perez Galdos entscheidend abgeändert, denn die Handlung wird aus dem Madrid des Jahres 1892 in das Toledo der 20er und 30er Jahre verlegt. Tristanas Flucht von Don Lope fällt nun zeitlich mit der Gründung der Zweiten Republik einher, während ihr sadistischer Hass und der Sündenfall am Ende des Films zum Synonym für den Sturz in die Diktatur des Franco-Regimes werden, so dass sich in Tristana all jene Widersprüche spiegeln, an denen diese Epoche letztendlich auch zerbrochen ist.

Obwohl man sich auch bei diesem Film erst einmal an die dezente Visualität von Bunuel etwas gewöhnen muss, gelingen ihm hier doch erneut einige faszinierende Bildeinstellungen. Beispielsweise als Tristana sich verzweifelt über das Grabmal des Kardinals Tavera beugt und sie der Skulptur mit flehendem Blick in die Augen schaut, so als ob sie den toten Inquisitor auf illusionäre Weise um Vergebung und göttlichen Beistand bittet (siehe Cover), den sie natürlich nicht bekommt. Die Deneuve porträtiert diese Figur als passive, ja fast leblose Frau, die in ihrer inneren Zerrissenheit ganz somnambul durch die Gassen der Stadt wandelt. Gefühlsausbrüche gestattet sie sich nur am Piano, wenn sie die "Etude Revolutionaire" von Chopin im Stile Arthur Rubinsteins intoniert, um wenigstens in den Tiefen der Musik aus Don Lopes tradiertem Frauenbild auszubrechen, der von Fernando Rey mit viel Grandezza verkörpert wird. Franco Nero ist als Maler Horacio mit von der Partie. Das Bild dieser DVD-Edition lässt arg zu wünschen übrig und es ist auch bedeutend schlechter als bei den anderen 70er Bunuel-Filmen dieser Reihe (zu grobkörnig und schlecht ausbalancierte Farbkontraste).
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe und Freiheit, Schönheit und Verachtung, 27. April 2010
Von 
Dankward Sellin (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristana (DVD)
Ein wertvoller Klassiker des spanischen Kinos, meisterhafte Regie und große Schauspieler! Obwohl er im Jahre 1970 fertiggestellt wurde, hat er nichts von seiner Aktualität und Dramatik verloren!
Fernando Rey spielt den "hässlichen alten Mann", der sich in die ihm zur Obhut anvertraute junge und wunderschöne Tristana verliebt, hervorragend; die widersprüchlichen Gefühle und der Selbsthass des Don Lope werden mit großer Überzeugungskraft vermittelt. Unvergleichlich spielt auch die junge Catherine Deneuve, ihre Wandlung von einem lebensfrohen und optimistischen Mädchen zu einer verbitterten und berechnenden Frau wird von ihr absolut glaubhaft und überzeugend dargestellt. Man muss sie in dieser Rolle gesehen haben!
Ein tragischer Film, der zeigt, wie eine Lebenslüge Leben zerstören kann, unabhängig davon, ob sie auf einer konservativen oder einer progressiven Ideologie beruht oder einfach nur selbstkonstruiert ist! Der Film ist, völlig unabhängig von dem Buch von Benito Pérez Galdós, großes Kino und damit zeitlos aktuell!
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4.0 von 5 Sternen Späte Rache, 9. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Tristana (DVD)
Luis Bunuel zeigt eine engstirnige, verlogene Gesellschaft, in der ein sündiges Verhältnis legalisiert wird. Der alte Lüstling Don Lope (Fernando Rey) ist für Tristana (Catherine Deneuve) Vater, Liebhaber und Vormund. Sie, die Traurige, fügt sich anscheinend in das Unvermeidliche, bis sie den jungen Maler Horacio (Franco Nero) trifft. Sie geht mit ihm fort, erkrankt (Beinamputation) kehrt zu Don Lope zurück (Hochzeit) und bringt ihn um.
Die Deneuve kann hier ihren unnachahmlichen Blick einsetzen, der zwischen zarter Verstörtheit, unschuldiger Anmut und verträumter Depression liegt. Dabei weht ein leichter Trauerflor um ihre dunklen Wimpern. Ihr zunehmendes Selbstbewusstsein äußert sich in ihrer mürrischen Art, ihre Selbstständigkeit, indem sie dem Stummen – nicht dem Zuschauer - tiefe Einblicke in ihre Weiblichkeit gewährt. Doch die Albträume bleiben.
Nur der Grusel-Rückblick am Ende in der Wiederholung unterstreicht Bunuels Sehweise für diesen ungewöhnlichen Film. Es ist nicht sein bester, aber Atmosphäre, wortlose Prägnanz sowie die Darsteller beeindrucken allemal.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beziehung jung und alt, 9. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Tristana (DVD)
Die fatale Beziehung zwischen jung und alt, die Abhängigkeiten zueinander und das gegenseitige Abstoßen, Tristana ist ein sehr shenswerter Film. Ein großer Fernando Rey, ähnlich wie in "dieses obskure Objekt der Begierde", lediglich hier mit dem Unterschied, dass die Dynamik in der Entwicklung der Persönlichkeit hier fantastisch dargestellt wird in der ganzen Verzweiflung, Ohnmacht.
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9 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gegen Hollywood, 24. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Tristana [UK Import] (DVD)
Tristana soll egentlich die Verfilmung von Galdos' Buch sein, aber es gibt sehr viele unterschiede. Man soll in der Hinsicht nicht viel erwarten.

Jedoch ist der Film sehr interessant; ein Film mit einer bewegenden Geschichte, die der Hollywoodtradition entgegengeht. Viele zeitlichen Ellipsen praegen den Film, was manchmal momentane Schwierigkeiten bereiten kann, die aber dann doch durch Dialoge zB erklaert werden.Dieser Film zeigtdie Frau nicht nur in seiner Schoenheit, wie bei amerikanischen Filmen, sondern auch das haessliche: Tristana als physisch Behindert durch einen Beinverlust.

Es ist ein guter Film, der sich auf jeden Fall lohnt zu sehen.
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Tristana
Tristana von Catherine Deneuve (DVD - 2010)
EUR 11,99
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