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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bluesiger Hardrock der aufregenden Sorte, 22. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Was kommt heraus, wenn sich die Herren Keith Relf (Yardbirds, Renaissance), Martin Pugh (Steamhammer), Bobby Caldwell (Johnny Winter, Captain Beyond) und Louis Cennamo (Renaissance, Illusion) zusammentun? Ganz recht, ein Album der Superlative, eines wie dieses!

Fünf Spitzenkompositionen mit erstklassigen Instrumentaleinlagen und klasse Gesang. Eine glasklare Produktion, bei der wirklich jeder der vier Herren zeigt, was in ihm steckt.
Der opener Buzzard, beginnend mit einer Wahwah-Gitarre zeigt vor allem die Fähigkeiten des Schlagzeugers Caldwell, der so variantenreich und differenziert trommelt, das man seinen Ohren nicht traut!
Silver tightrope ist eine ruhige Ballade, bevor es mit Paths and planes... wieder total rockig wird.
Höhepunkt der Platte ist zweifellos die vierteilige Suite Basking in the white of the midnight sun, mit total scharfem Bluesharmonicaeinsatz im dritten Teil, Brother Ego.

Schade, das Relf im darauffolgenden Jahr durch einen Unfall verstarb, was hätte man von dieser Gruppe noch alles erwarten können!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Battlements, 17. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Das Wichtige vorab: Die Platte ist bemerkenswert gut. Obwohl sie schon ziemlich alt ist, wirkt sie keineswegs verstaubt und bleibt hörenswert. Sie sollte in keiner gut sortierten Rock-Musik-Sammlung fehlen. Die Anschaffung ist mehr als lohnenswert.

Leider habe ich diese Band Mitte der 70er Jahre gar nicht zur Kenntnis genommen. Dies geschah erst viel später, als ich mich näher über das Ende von Steamhammer informieren wollte.

Armageddon ist die einzige Platte der gleichnamigen Band, bestehend aus Keith Relf, Martin Pugh, Louis Cennamo und Bobby Caldwell. Sie entstand im Jahre 1975. Bekanntlich starb kurz darauf, 1976, der Sänger Keith Relf durch einen Stromschlag beim Gitarre Spielen.

Sowohl die Band als auch die Platte blieben unterbewertet und sind heute vermutlich außer bei einem eher kleinen Kreis von Spezialisten fast vergessen. Zu Unrecht, denn die Platte enthält schöne Riffs und Melodien.

Pugh und Cennamo kannten sich von Steamhammer, hatten gemeinsam getourt und Speech herausgebracht. Auch Relf war ihnen dabei den Credits zufolge behilflich. Schon auf Speech lässt sich eine härtere Gangart und ein Stil festmachen, den man gerne als progressive Rock-Musik" (?) bezeichnet, abweichend vom Blues-Rock der vorausgehenden Steamhammer-Alben.

Relf spielte bei den Yardbirds ebenfalls eine Art Blues-Rock. Mit Renaissance folgt seine Abkehr in Richtung der ruhigeren Stile Folk und Klassik-Rock. Umso erstaunlicher ist seine Rückkehr zu einer härteren Gangart , zum Hard Rock von Armageddon. Wie und warum es zu dieser Rolle rückwärts" kam, das wird wohl eines der ungelösten Geheimnisse der Rock-Geschichte bleiben.

Cennamo zupfte sowohl bei Steamhammer als auch bei Renaissance den Bass, ist also eine Art Bindeglied.
Bobby Caldwell schließlich trommelte für Johnny Winter, hatte also ebenfalls einen vom Blues-Rock geprägten Hintergrund.

Armageddon - der Ort der letzten Schlacht, das ist ein seltsam martialischer Band-Name, der eher zu einer Metal Band passt. Vielleicht sollte man den Namen nicht überinterpretieren. Andererseits aber kann man diese Band auch als so etwas wie den letzten Versuch nach einer Reihe frustrierender Rückschläge sehen. Das letzte Gefecht auf dem Schlachtfeld popmusikalischer Eitelkeiten. Verkohlte Baumstämme ragen in den orangerot gefärbten Abendhimmel, und im Hintergrund steigen Rauchwolken auf. Auf dem Cover sehen wir vier Krieger auf einem zerstörten Schlachtfeld sitzen. Die alten Kumpane Cennamo und Relf, die sich mit Renaissance in ruhigere Gefielde der Pop-Musik begeben hatten, umrahmen ihre hardrockenden Mitstreiter Caldwell und Pugh.

Relf war sicher nicht nur vom langen Touren vor allem mit den Yardbirds gesundheitlich erschöpft, sondern wahrscheinlich auch enttäuscht über den ausbleibenden großen Erfolg. Erfolgreich waren andere, z.B. Clapton, Beck und Page, alles ehemalige Gitarristen der Yardbirds.

Den großen Erfolg konnte Relf zuvor leider auch mit Renaissance nicht genießen. Dazu hätte es eines längeren Atems bedurft. Mehr als nur ein Anreißen von Möglichkeiten wäre erforderlich gewesen. Schade, denn gerade diese Band hatte eine sehr interessante erste Platte herausgebracht, und auch der Nachfolger Illusion besitzt trotz personeller Schwierigkeiten und weitgehender Umbesetzungen schöne Momente.

Im Falle von Armageddon könnte man ebenso den Eindruck haben, dass Relf irgendwie fehl am Platze ist; denn die Band strebt insgesamt in Richtung Hard Rock, wohingegen Relf sich eher im Bereich Pop wohl zu fühlen scheint.

Louis Cennamo berichtet allerdings in einem Interview des Jahres 1994, dass die
Band auf Initiative von Keith Relf gegründet wurde. 1974 ging man nach Kalifornien, wo man mit Hilfe von Peter Frampton einen Plattenvertrag erhielt. Die Band hatte jedoch nur verhältnismäßig wenig Material. Hinzu kamen persönliche und gesundheitliche Aspekte. Laut Cennamo erschwerten vor allem Drogenprobleme das Proben und Zusammenarbeiten. Daher verschwand die Band bedauerlicherweise genau so schnell wie sie erschienen war. Man hätte ihr einen längeren Atem und mehr Glück gewünscht.

Wie bereits festgestellt, entstand die Platte unter widrigen Begleitumständen, mit begrenztem Material und in relativ kurzer Zeit.
Armageddon ist Hard-Rock, der seine Wurzeln, den Blues-Rock nicht leugnet. Diese Wurzeln zeigen sich zum Beispiel an den Stellen, wo die Blues Harp des Sängers Keith Relf zum Einsatz kommt, aber auch im Gitarrenspiel von Martin Pugh, trotz der zum Teil rasanten Geschwindigkeit.

Die Platte besteht aus lediglich fünf zumeist längeren Stücken. Trotz ausgedehnter Passagen und gelegentlicher Wiederholungen driften die Stücke aber nicht in Richtung Langeweile ab, sondern behalten einen gewissen Spannungsbogen.

Armageddon - das ist eine eher kleine, aber feine Band, die man gerne zu seinen Lieblingsplatten, zu seinen all time favorites" zählt.

Für mich persönlich ist Armageddon darüber hinaus auch so etwas wie das schlechte Gewissen von Steamhammer bezüglich der leider verunglückten letzten Platte Speech. Es ist der Versuch, etwas sich selbst und den Fans gegenüber gut zu machen: Seht, bzw. hört her, wir können es besser!

Yes, ladies and gentlemen, diese Platte ist richtig gut. Es lohnt sich auch, einmal einen Blick auf die Songtexte zu werfen. Mein Eindruck ist, dass die Band sich bemühte, gute Texte zu schreiben. Manches bleibt allerdings ein wenig klischeehaft. Zum Beispiel: Slither and slide, ready to hide deep down inside - waiting with pride" (Buzzard). Hier soll sich einfach nur etwas reimen.

1. Buzzard
Das Eingangsstück ist ein echter Kracher und erinnert stark an das Stück Battlements auf der Platte Speech. Battlements ist jedoch kurz und rein intrumental, Buzzard hingegen ist über acht Minuten lang. Wie Louis Cennamo in einem Interview 1994 darlegt, haben er und Martin Pugh auf Steamhammer-Elemente bei der Arbeit an Armageddon zurückgegriffen. Das wird hier besonders deutlich. Auch in diesem fetzigen Stück Hard-Rock holt die Blues Harp gegen Ende wieder einiges zurück zu den Wurzeln.

Der Text beschreibt zunächst das Jagdverhalten eines Adlers (?). Dieses Bild wird dann in die Welt des Zuhörers übertragen:
"Mit glänzenden Flügeln und mit scharfen Augen in der Höhe fliegend,
wartet der Adler darauf zuzuschlagen und den hilflosen Schrei zu hören.
In der Zwischenzeit, in dem Moment, in dem du nicht darauf gefasst bist, musst du noch einmal Brücken überqueren, die du schon überquert zu haben glaubtest."
Was hat aber die Eingangsbeschreibung mit dem Überqueren von Brücken zu tun? Es wird in dieser ersten Strophe auch nicht ganz klar, welche Stellung das angesprochene Du einnimmt. Ist es die des Gejagten?

In der zweiten Strophe wird das Jagdverhalten des Adlers näher beschrieben und mit einem Blitz verglichen, der dem Donner vorausgeht.
Rätselhaft erscheint mir dann wieder der folgende Satz: "But the meek will stand understanding nature."
Das schwache Beutetier wird unterliegen und dabei die Natur verstehen (?). Mit anderen Worten: es muss dem Gesetz des Stärkeren zufolge mit seinem Leben bezahlen. Der Text würde demnach vom Kampf ums Überleben und von einem Gesetz des Stärkeren handeln.
Insbesondere am Ende wird eine gewisse Todesnähe spürbar, was sich auch in der Wortwahl äußert: shadows, dark, depth.
Besonders deutlich aber wird die Todesbereitschaft in der Aufforderung "Enter my space to take my grace from me."

2. Siver tightrope
Dies ist eine circa achtminütige Ballade. Anfangs ein wenig glatt und gefällig, gewinnt das Stück jedoch zunehmend an Prägnanz und Schönheit. Der Text ist anspruchsvoll, scheint es sich doch um einen Bezug auf die Bibel zu handeln: das Band, das die Toten mit den Lebenden verbindet:
"Ich schließe meine Augen vor den weltlichen Himmeln.
Ich lasse den Tag hinter mir,
und tief in mir werde ich beginnen, meine Gedanken zu vertreiben.
Da mich geliebte Gedanken festhalten,
fließt ihre Stärke in mich hinein, um mich aus blindem Leid in die Ewigkeit zu werfen."
Das ist ein mystisch anmutender, meditativer Text, der mich an die Gedankenwelt von Gurus erinnert. Wie bereits in Buzzard so wird auch hier ein Gefühl der Weltflucht zelebriert.

3. Paths and planes and future gains
Ein irgendwie seltsamer Titel (Pfade, Ebenen und künftige Gewinne), aber immerhin reimt er sich. Außerdem rockt das Stück heftigst. Der geradlinige Rhythmus steht m.E. im Gegensatz zu dem eher bizarren, einem Traum ähnelnden Erleben einer Schlacht.
"Silberne Trompeten rufen,
künden von glänzender Rüstung,
so heller Rüstung, dass es selbst den Blinden blendet."

4. Last stand before
Dieses Stück erinnert mich musikalisch vor allem an Led Zeppelin. Der Titel hingegen scheint an die Schlachtbeschreibung aus dem vorhergehenden Song anzuknüpfen. Ich würde ihn daher mit einem letzten Gefecht vor dem Untergang übersetzen. Bei näherer Betrachtung scheint es hier jedoch um das Thema Drogen zu gehen.
In der ersten Strophe wird der Jumping Jack Flash der Rolling Stones zitiert, für den das Leben vor allem aus Drogen besteht und der hier daher in der Kritik steht ("in the pan"). Er ist stets in Eile ("took a look and ran"). Morgen wird er es (Drogen?) kaufen und in einer Dose verschließen.
In der zweiten Strophe folgt eine Anspielung auf die Beatles und ihren Song "Lucy's in the sky with diamonds", ein Titel, den man auch als Abkürzung für LSD lesen kann. Das Thema Kaufen" geht weiter und wird nun zu Lucy's Suche nach dem Dealer (trying to find her man) und zu einem Verkaufen von Ringen und anderen Dingen. Armageddons Lucy wäre sogar bereit, sich selbst zu verkaufen.
Auch in der dritten Strophe scheint es sich um eine Anspielung auf die Beatles und ihr Album Sgt. Pepper's zu handeln. "Henry`s eyes tell no lies" könnte sich auf "Henry the horse dances the waltz" beziehen.
Die Wörter "Henry" und "horse" standen im Slang für Heroin. Die dritte Strophe würde somit ebenfalls das Thema Drogen beschreiben: Man fühlt sich zunächst gut und frei von Ängsten, außer in der Dunkelheit.
Die vierte Strophe handelt von der Schwierigkeit der Drogenbeschaffung: Man ist stets in der Stadt unterwegs und immer auf den Beinen, muss jedoch einen Ort finden, um auszuruhen: "Gotta find a place to lay down from the night-time".
Im folgenden werden die Konsequenzen dargestellt. Das Leben erscheint hier als Abfolge von Kämpfen, die über Erschöpfung ("Gotta find a place to lay down ..."), Verlust ("Lost a friend, met his end, way before his time"), Gefahren der Abhängigkeit (tried it once, tried it twice, didn`t notice the signs"), Hilflosigkeit ("Oh Lord, do something") und Verzweiflung ("Sometimes I think you don't hear me calling ...") zum Untergang führen ("Feel like I'm gonna drown"; My brother's falling ... I'll join him in his last stand"). Das "Rock & Roll"-Leben ist gefährlich und kann das Leben kosten:
"Rock and roll, moving your soul, took a few as well
on the line, out of time, shooting stars that all fell."
Die letzte Strophe zieht schließlich eine Art Schlussfolgerung:
"Alle Fragen und alle Lügen werden bald zu deiner Überraschung beantwortet werden.
Alle Zweifel und alle Tränen werden über die Jahre hinweg zu Asche."
Damit wird noch einmal die Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Seienden hervorgehoben.

5. Basking in the white of the midnight sun
Die Musik spannt den Bogen von Rock bis Blues. Der Text (Ein Bad im Weiß der Mitternachtssonne) ist ein Liebeslied, handelt vom Verlust der geliebten Frau und geht in Richtung Psychedelia und Hippie-Feeling:
"Ich sitze an einem verlassenen Strand
und halte in einer Hand den Schatten
einer geliebten Flamme, die ich einst mein nannte,
auf einem Flecken leuchtenden Sandes.
Ach, Prinzessin, musst du so deutlich sein?
Ich habe die Zeichen gelesen, die deinen Weg markieren.
[...]
Oh, Liebling, flieg nicht so bald davon.
Meine Liebe brennt so rot wie der Sommerhimmel im Juni.
Raum und Zeit sprechen die einzige Wahrheit,
[...]
Und wie man sagt, werden alle Dinge vergehen."
Wie schon zuvor so steht auch hier wieder am Ende der Gedanke der Vergänglichkeit.

6. Brother Ego
Dies ist die Fortsetzung von Basking in the white of the midnight sun, jedoch kein Liebeslied, sondern eher Bestandsaufnahme einer persönlichen Lebenskrise (?):
"Bruder Ego, du verbrennst deine Flügel wie die Motte, die immer wieder um die Flamme kreist,
und du fühlst den Schmerz.
[...]
Wie sehne ich mich nach dir, um dich zu wärmen an meiner Seele,
[...]
Aber statt dessen bin ich wieder in Schwierigkeiten.
Du stehst draußen genau neben mir in der Kälte.

Bruder Ego, du läufst im Kreise.
Warum kommst du nicht ins Haus, das stets hell erleuchtet ist?"

7. Basking in the white of the midnight sun (Reprise)
Nach dem Einschub Brother Ego wird noch einmal an das Liebeslied vom Anfang angeknüpft und der Verlust der Geliebten beklagt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Texte zeugen von dem Bemühen, etwas Bedeutendes zu schaffen. Einiges klingt dabei m.E. nach einem bereits enttäuschten Lebensgefühl der Sixties, nach Drogengenuss, erstrebter Bewusstseinserweiterung sowie meditativen oder persönlichen Erfahrungen. Brother Ego zeigt dies besonders deutlich. Das lyrische Ich (oder der Erzähler) spricht hier zu Brother Ego, also einem Teil von sich selbst, den es außerhalb von sich selbst wahrnimmt und (zu sich) zurückruft.
Wiederkehrende Themen dieser Platte sind vor allem Kampf und Untergang, Verlust und Vergänglichkeit. Dieser vom Inhalt her negativen Stimmung entspricht aber nicht eine ebensolche musikalische Tonlage. Die Musik klingt im Vergleich zu den Texten geradezu unbeschwert.
Die Texte und der Bandname passen zueinander. Das Ergebnis kann man als Konzeptalbum bezeichnen.
Trotz gewisser Einschränkungen bezüglich der Klarheit und Verständlichkeit, woran ein native speaker wahrscheinlich anders als ich gar nichts auszusetzen haben wird, halte ich Armageddon für eine bemerkenswerte Band, die eine erstaunlich gute Platte gemacht hat. Leider nur eine, und daher sollte sie nicht in Vergessenheit geraten.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitloses Stück Rockgeschichte, 5. Mai 2010
Von 
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Wer heute den Ausdruck Armageddon hört, der denkt wahrscheinlich zuerst an den Katastrophenfilm von 1998 mit Bruce Willis und Ben Affleck. Mitte der 1970er Jahre gab es aber auch für kurze Zeit diese Rockband mit dem gleichen Namen, die es leider nur auf dieses eine selbstbetitelte Album gebracht hat, was seine Ursache darin hat, dass das Mitglied der Band, das vermutlich den größten Bekanntheitsgrad hatte (und wohl bis heute auch noch hat), 1976 unter tragischen Umständen verstarb. Das war das Ende eines Projektes, das vier Bluesrocker zusammen geführt hatte, die sich zuvor bei Bands und Musikern wie The Yardbirds, Steamhammer oder Johnny und Edgar Winter einen Namen machen konnten. Warum man seinerzeit diesen Endzeitnamen gewählt hat, weiss ich nicht. Zu Beginn des ersten Stücks namens Buzzard kommt mir auf jeden Fall eine ganz andere Vision: ich ( Inspector Heller) sehe Lt. Mike Stone vor mir, wie er seinen Trenchcoat vom Haken nimmt und zu mir sagt: "Komm, Kleiner, es gibt Arbeit." Das Gitarrenintro ist nun wirklich sowas von klassisch Siebziger und hört sich echt nach Strassen von San Francisco an. Nach wenigen Sekunden belehren mich ein paar Schläge aufs Crashbecken aber eines besseren. Das ist ja schon Mal ein toller Einstieg und kurz vorm Finale stellt Keith Relf unter Beweis, dass er nicht allein ein hervorragender Sänger war, sondern auch das Spiel auf der Bluesharp beherrschte. Als Kontrast schliesst sich zunächst mal die etwas fibrige Ballade Silver Tightrope an, die in ihrem Verlauf dann durch den Schlagzeugeinsatz und ein spätes Gitarrensolo noch einige Dynamik bekommt. Klasse ! Paths And Planes And Future Gains reisst den Hörer dann jäh aus seinen Silber-Drahtseil-Träumen und liefert einen Rockkracher par exellence ab, der mit 4:33 Min gleichzeitig auch das mit Abstand kürzeste Lied auf diesem Album ist. In diesem Stil geht es auch bei Last Stand Before weiter, nur nicht ganz so hoch im Tempo. Hier fällt ausser dem wiederum pointierten Schlagzeugspiel der dominante Harmoniegesang auf, bis sich die E-Gitarre geradezu ein Duell mit Relfs Harmonica liefert. Als letztes der 5 Songs des Albums darf man dann noch das über 11 Minuten lange Basking In The White Of The Midnight Sun geniessen, dass in 4 Teile unterteilt ist. Der kurze, instrumentale Einstieg (Warning Comin' On) erinnert mich mit seinem Gitarrenriff an den Anfang von Deep Purple's Highway Star. Dieser in sich komplexe Rocksong nimmt echt gefangen, wie überhaupt diese Platte insgesamt. Diese CD-Version wird in einem hübschen Digipack geliefert. Dazu gibt es im Booklet die Songtexte, die der Original LP entnommen wurden und einen interessanten Begleittext, den der britische Musikjournalist Chris Welch im Jahr 2005 verfasst hat.

Die Rockmusik der 70er Jahre leidet immer noch unter so manchem Etikettenschwindel, wie ProgRock, Drogenmusik usw. usf. Auch wenn ich zu jung war, als dieses Album damals heraus kam und ich es heute eigentlich nur einem Zufall zu verdanken habe, dass ich darauf aufmerksam wurde, sage ich: vergesst diese ganzen Klischees und zieht euch diese Platte rein, wenn ihr auf erdige Rockmusik steht. Diese Platte und deren Macher haben es verdient, nicht vergessen zu werden.
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5.0 von 5 Sternen Beinahe eine Supergroup...!, 3. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Zunächst einmal möchte ich voraus schicken das diese Band *Armageddon* nichts mit dem gleichnamigen Arch-Enemy-Side-Project zu tun hat. Diese Band bestand nur in der Zeit von 1975 bis 1976 und veröffentlichte leider nur dieses eine LP. Und dabei standen die Zeichen gut, daß sich hier eine neue Supergroup gefunden hatte. Das Bandgefüge vereinte Keith Relf (Yardbirds), Martin Pugh (Steamhammer), Louis Cennamo (Renaissance) und Bobby Caldwell (Johnny Winter).

Die schlicht *Armageddon* betitelte Platte enthält fast ausschließlich Songs in Überlänge. Aufbauend auf den beiden Gitarren von Relf und Pugh war die Grundausrichtung der Hardrock. Hardrock mit starken Blueseinflüssen und sehr viel Power. Das die vier Musiker für höchstes musikalisches Niveau stehen spare ich mir an dieser Stelle, denn die fünf Songs stehen für sich und die sind vom Allerfeinsten. Anfangen bei *Buzzard* mit dem man ein Mosterriff schuf das heute noch, bewußt oder unbebewußt, von vielen Rockern zitiert wird, dem balladesken *Silver Tightrope* und dem dreiteiligen Zyklus *Paths And Planes And Future Gains* der den Rest der Platte einnimmt.

Die Produktion klingt auch heute noch glaskar und hat bemerkenswert wenig Patina angesetzt. Leider war der Platte und der Band kein Glück beschieden. Um es mit dem guten, alten Paule Breitner zu sagen *Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch pech dazu*, war die Scheibe höchstens ein Achtungserfolg und das Projekt *Armageddon* nach dem viel zu frühen Tode von Keith Relf 1976 auch sehr schnell wieder Geschichte.

FAZIT: phantastische und spannende Scheibe von einer Supergroup, die keine sein durfte...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach Spitze., 28. April 2010
Von 
Uwe Smala "Uwe Smala" (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Armageddon [Ltd.Release] (Audio CD)
Eigentlich hätte man diese Combo 1975 als "Supergroup" promoten müssen aber die bei A&M wussten anscheinend nicht, welche Perle sie da unter
Vertrag hatten - Martin Pugh, g, Louis Cennamo, b, - beide von Steamhammer,
Bobby Caldwell - Captain Beyond, und Keith Relf - Renaissance, Yardbirds.
Diese Vier rührten einen Heavy-Cocktail erster Güte an so wie auch eine
geile Ballade (Silver Tightrope).
Wohl dem, der die Möglichkeit hat, die Scheibe zu erstehen. Es gibt leider
auch keine weitere mehr da Keith Relf kurz nach der Veröffentlichung das
Zeitliche segnete. (R.i.P.)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Famous Last Words, 7. Mai 2010
Von 
V-Lee (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Zu schade, dass diese Platte das musikalische Vermächtnis des Bandleaders einer der wichtigsten britischen Talentenschmiede des Rock (Yardbirds) sein sollte. Keith Relf starb 1 Jahr danach durch einen Stromschlag.
Was er uns hier aber gemeinsam mit seinen Mitstreitern Louis Cennamo, Martin Pugh und Bobby Caldwell hinterliess ist eines der großen unbekannten und tollen Rockalben der 70er Jahre.

Der opener mit seinem rasend schnellen Gitarrenlick kommt wie ein TV Theme song von bspw. Lalo Schiffrin rüber, nur eben auf Rock gespielt, wobei die Rhythmus Gruppe durchaus very funky agiert. Die darauffolgende leicht mystisch anmutende Ballade, klingt dann ein wenig wie ein großer verlorener song von Led Zeppelin und hätte hervorragend auf ,Houses Of The Holy' oder ,Presence' gepasst.

,Paths and Planes and Future Gains' klingt dann wie die Schnittmenge aus Deep Purple und Black Sabbath - der instrumentale Untergrund erinnert an Purple (-Jon Lord), die Melodie und auch die Art wie Relf hier singt an Sabbath mit Ozzy.

,Last Stand Before' und das 4teilige ,Basking In The White Of The Midnight Sun' reminiszieren auch wiederum Zeppelin, wobei ersteres mit einem herrlichen, eindeutig vom Blues kommenden, Riff glänzt, auf das Jimmy Page sicher neidisch war. Die suite ist opulent und teilweise auch richtig majestätisch und sind würdige ,famous last words' von Relf.

Handwerklich sind Caldwell und die beiden Ex-Steamhammer Musiker eh über jeden Zweifel erhaben, beeindruckend ist aber, wie vor allem Martin Pugh als versierter und innovativer Gitarrist hier glänzt, der seinen Hendrix ebenso perfekt drauf hat wie seinen Page und seinen Blackmore und dabei trotzdem eigenständig klingt.

Tolle Scheibe, vielen vielen Dank an Uwe für diesen großartigen Tipp - alles unter 5 Sternen wäre hier eine Themaverfehlung. Eine Schande, dass dieses Album damals so sang- und klanglos unterging....
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5.0 von 5 Sternen spontaner Kauf, 8. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Die Rezensionen gelesen und die CD gekauft: nicht enttäuscht! Zeitlose gute Rockmusik! Als ehemaliger Yardbirds-Fan war das eigentlich ein "Muß".
Eine wirklich schöne CD!
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 70er Heavy-Kracher, 14. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Geniale Grat-Wanderung zwischen hektischem Prä-Heavy-Metal (Buzzard) und Art-Rock á la frühe Rush (Basking in the white of the midnight light). Für alle, die 70er Heavy-Rock mögen einen Hörversuch wert.
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Armageddon (Remastered)
Armageddon (Remastered) von Armageddon (Audio CD - 2009)
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