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4.0 von 5 Sternen Lebenslanges Lärmen, 8. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Popular Songs (Audio CD)
"Popular Songs" ist, genau genommen, schon Yo La Tengos 2. Album in diesem Jahr. Vor ein paar Monaten klöterten sie sich als "Condo F*cks" durch 11 live und übersteuert runtergebretterte Cover-Versionen und trugen dabei lustige Pseudonyme wie "Kid Condo". "F*ckbook" war zum 1x und nie wieder Anhören, quasi eine Wegwerf-CD, allerdings mit ziemlich hohem Unterhaltungswert. Auf der anschließenden "The Freewheeling Yo La Tengo"-Tour sinnierte Ira Kaplan darüber, wie unfair es eigentlich wäre, sich als englischsprachige Musikgruppe vor deutschsprachiges Club-Publikum zu setzen (nicht zu stellen, denn "unplugged" macht man im Sitzen) und zu sagen: "So, jetzt quatscht ma locker 'ne Runde mit uns." Sein schlechtes Gewissen war unbegründet, denn angesichts der unaufdringlichen Freundlichkeit dieser Band verlor man ja bald jede Scheu und fragte die dollsten Sachen; z.B. ob Yo La Tengo Angst vor der Weltwirtschaftskrise hätten. Dazu räumte Kaplan ein, eigentlich vor allem Möglichen Angst aber trotzdem das Gefühl zu haben, eine Band wäre ein gutes Vehikel, um in diesen Zeiten zu überleben.
Es scheint also ganz gut zu laufen für Yo La Tengo dank treuer Stammkundschaft, ausgiebigem Touren und hinreichender Plattenverkäufe. Im November kommen sie schon wieder nach Deutschland, um "Popular Songs" zu promoten. Und das wird dann hoffentlich ein bisschen so klingen wie in diesem Clip, der seit Wochen im Netz kursiert: Yo La Tengo spielen "Nothing To Hide" bei "Ce Soir (Ou Jamais)", es poltert, zischt und heult, dass der Putz von der Decke fliegt, und spätestens nach Ira Kaplans todesverachtendem Feedback-Solo kucken ein paar TV-Französinnen irgendwie ganz schön verbiestert aus der Wäsche. Dagegen klingt die Version auf "Popular Songs" etwas zahm. Ist aber auch keine Noise-Platte, zumindest nicht sofort. Statt dessen leben Yo la Tengo ihre schon auf "I Am Not Afraid Of You And I Will Beat Your Ass" (2006) hörbare Soul-/Funk-Affinität etwas großzügiger aus. "Here To Fall" hat tatsächlich Philly-Streicher, die wunderbar ihren Platz finden zwischen dem Kickdrum-armen Gerumpel von Georgia Hubley, James McNews verzerrtem Bass und den ganzen Effekten, durch die Ira Kaplan seine Licks jagt. "Periodically Double Or Triple" klingt wie eine knochentrockene Motown-B-Seite, "Avalon Or Someone Very Similar" erinnert eher fast an Shangri-La's, entfernt sogar an die Byrds. Man fragt sich, ob hinter dem Titel "Popular Songs", der im Yo-La-Kontext zuerst so lakonisch klingt, so "Uns ist irgendwie nichts Tolles eingefallen", nicht doch mehr steckt als höchstens ein selbstironischer Hinweis auf die eigene Langlebigkeit bei überschaubarem Erfolgsniveau, ein Kokettieren mit dem Dasein als ewige Indie-Band...ist "Popular Songs" am Ende eine Themenarbeit über Popmusik-Klassiker? Sind Yo La Tengo Elvis Costello? Nein. Obwohl das Album mehr Geschlossenheit suggeriert als der Vorgänger, ist der Facettenreichtum kaum weniger groß. "By Two's" ist z.B. so ein psychedelisch-melancholisches Juwel mit pluckernder 2nd-hand-Rhythmusbox, das gut auf "...And Then Nothing Turned Itself Inside-Out" (2000) gepasst hätte. Da sind sie dann nur noch Yo La Tengo. Und die (mal wieder) besten Yo la Tengo aller Zeiten sind sie auf den letzten beiden Tracks, deren Überlänge schon Großes erahnen lässt: "The Fireside" kommt über eine Distanz von elfeinhalb Minuten mit kryptischen Westerngitarren-Akkorden, Delays, einem Bass-Riff und ein paar eher schon geflüsterten Zeilen verhuschten Gesangs aus. Man muß an die nahezu vergessenen Souled American denken, aber das hier ist natürlich hundertmal weniger knarzig als Souled American. Es ist wunderschön. Manche werden sagen, es ist langweilig. Aber sie irren sich.
"Popular Songs" schließt mit einem Neuzugang in der langen Reihe berüchtigter Yo-La-Tengo-Drones: "And The Glitter Is Gone" erreicht in dieser Kategorie locker die Qualität von "Spec Bebop" oder "I Heard You Looking". Erstaunlich, wie so was nach all den Jahren mit unveränderter Rezeptur (Groove, ggf. Melodie/Riff, KRACHKRACHKRACH) immer wieder funktioniert und dass sich diese hypnotische Power offenbar aus dem Handgelenk schütteln lässt. Es ist gewaltig und wunderschön. Manche werden sagen, es nervt. Aber sie irren sich schon wieder. Überhaupt ist das ja alles Geschmackssache. Insofern dürfte auf "Popular Songs" für jeden was dabei sein. Und das ist an dieser Stelle ausnahmsweise mal anerkennend gemeint.
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Popular Songs
Popular Songs von Yo La Tengo (Audio CD - 2009)
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