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5.0 von 5 Sternen Die perfekte, "glückliche", sozialistische Gesellschaft, 29. September 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schöne neue Welt : Ein Roman der Zukunft (Broschiert)
Einer der großen "dystopischen" Romane!
Aldous Huxley's Klassiker ist aus den 30er Jahren (lange vor Orwell's "1984"), so neu also (wie der Titel es vermuten lässt) längst nicht mehr!
Zur Zeit seiner Abfassung aber war diese Thematik durchaus aktuell, und der Autor sprach diese als einer der ersten überhaupt an.
In seiner Zeit änderte sich die Technik-, FOrtschritts- und auch Technokratie- Gläubigkeit der Menschen allmählich in eine Ernüchterung, bis hin zu völligem Pessimismus.
Der Hintergrund von Huxley's durchaus pessimistischer Fiktion ist der des real existierenden Sozialismus, in der die Sichtweise der politischen Richtung der "Technokraten" mehr als in anderen Gesellschaftssystemen realisiert wurde. Man glaubte an einen "perfekten Staat" und gewisser Staats- Dogmen, die pauschal als "Richtig" anerkannt und gelehrt wurden. Freiheit und Individualismus wurden aufgegeben zu Gunsten eines allgemeinen materiellen Wohlstandes und gemeinsamer SIcherheit.
DOch Huxley geht in seiner düsteren Utopie in diesem Roman noch weiter: Damit das alles mit dieser "Perfekten Welt" auch richtig funktionieren kann, werden die kleinen Kinder "technisch" auf die Welt (in einem Brutapparat) gebracht, wo sie von Anfang an so gedrillt und erzogen werden, damit an ihrer Staatsgläubigkeit kein Zweifel mehr bestehen kann, sie zu "perfekten Staatbürgern" erzogen werden. Bedürfnisse wie Freiheit, Individualität und auch Kunst oder Religion werden den Menschen "weggezüchtet".
Huxley's Sichtweise geht aber noch weiter: damit eine perfekte Arbeitsteilung gewährleistet ist, werden die Menschen schon von Geburt an dazu bestimmt, welcher "Kaste" sie angehören sollen (ähnlich der alten Hindu- Religion); also ob sie z.B. zur "Oberen Verwaltungsebene" gehören sollen, oder zur Kaste der "Halbidioten", die nur einfache Befehle empfangen und ausführen können...
Sollte Jemand unglücklich sein in dieser "perfekten Welt", so gibt es auch hierfür technokratische Lösungen: "Soma", eine spezielle Glücksdroge, ist erlaubt und überall für wenig geld zu haben. So muss kein Mensch unglücklich sein, oder gar die Staatsdoktrinen in Frage stellen!
Gemeinschaft ist Alles. Nur so ist der Erfolg aller Menschen gewährleistet. Hat Jemand abweichende MEinungen oder Überzeugungen, oder auch der Wunsch nach echter "Demokratie", empfindet gar so "gemeinschaftsfeindliche" Sachen wie Liebe, bekommt besondere Vorlieben in Kunst oder Musik, so gilt er schnell als "asozial".

Aldous Huxley hat diese Problematiken zu einem Roman verflochten, in dem einige Freunde die Hauptrolle spielen, die alle auf ihre jeweilige Art Probleme mit dem Leben dieses "perfekten Staates" haben.

AUch in der NS- Zeit in Deutschland sollte ja mal wieder der Versuch unternommen werden, den "Perfekten Staat" zu bilden, mit besonders menschenverachtenden Zügen, und Ergebnissen, die uns heute Alle bekannt sind ...
Allerdings gab es zur Zeit der Abfassung des Buches diesen NS- Staat noch nicht. Der Autor bezog sich in seinem Buch eindeutig auf die neuen "Experimente" der neuentstandenen ersten "Sozialistischen Staaten", die damals viele Menschen ansprachen, die auch von den "technokratischen" Lösungen eines solchen Staates fasziniert waren.

Der Autor aber persifliert in seinem Science- Fiction- Roman diese "Technokraten", und zeigt in übertriebener Darstellung den Lesern, wohin solche realisierten Überzeugungen im Extremfall führen könnten! Die Welt wird "geordnet" durch Normen, nach denen Jeder geprägt wird, bzw. nach denen Jeder sich zu richten hätte, womit auch Jeder einfach zu KONTROLLIEREN ist, zur Kontrolle beiträgt, und Kontrolle rechtfertigt.
Um "Perfekt" zu werden, bleiben viele natürliche Triebe des Menschen auf der Strecke; die Welt wird praktisch umgeformt ähnlich der Organisation in einer Fabrik, in der ja auch alles überlegt und reibungslos abläuft (daher auch der Begriff "Technokratie"). Wir verlieren unsere Individualität.

DIese düstere Vision, dieser "Extremfall" dieses "Perfekten (technokratischen) Staates)" ist zum Glück nie Realität geworden. Doch war das zur Zeit der Abfassung des Romans keineswegs sicher! Der Autor warnte daher völlig zurecht noch vor diesen Zuständen.

Heutzutage gelten die Ideen der Technokraten zum Glück längst als anachronistisch. Der Sozialismus (aber auch Gesellschaftsideen wie der Faschismus) haben in der Welt fast überall aufgehört zu existieren; und es sieht zur Zeit nicht danach aus, als ob Staaten mit ähnlich technokratischen Tendenzen in Zukunft wieder auf dem Vormarsch sein könnten.
Stattdessen hat sich gezeigt, dass die Menschen weitgehend in einer individualistischeren Gesellschaft durchaus zu leben bereit sind und dort glücklicher sein können.

Allerdings zeichnet der Autor diese "neue Welt" auch in sehr drastischer, übertriebener Form. Selbstverständlich kann eine solche Gesellschaft niemals in einer so extremen Form bestehen, noch hat eine Gesellschaft in ähnlicher Form wirlich so existiert.
Überhaupt kann (und will) eine Gesellschaft gar nicht in solchen Verhältnissen leben.
So haben die Schweden vor einiger Zeit selber das "Schwedische Wohlfahrtsmodell" in ihrem eigenen Land abgewählt (auch weil sie es als ungerecht angesehen haben; aber auch weil materieller Wohlstand und soziale Sicherheit für die Menschen nicht "Alles" ist!).
Der Roman ist daher eher ein "reines Gedankenmodell" des Autors, der derart fiktiv ist, dass es dem Leser oft anfangs sehr schwer fällt, die Message des Autors oder gewünschte Parallelen zur realen Welt darin zu entdecken.
Teilweise muss sich der Autor die Kritik gefallen lassen, dass seine Darstellung auch an der Realiltät vorbei geht. Seine Ergebnisse wirken ein wenig "kopflastig"; die Menschen (und ihre Bestrebungen) gehen ein wenig am "echten Menschen" vorbei. Der Autor zeichnet ein sehr düsteres Bild, ohne den Menschen besonders viel zuzutrauen.

DIe Gesellschaft bei Huxley zeigt zudem sehr menschenverachtende Züge. Ziemlich unkritisch ordnet Huxley die Menschen in "Klassen" ein, nennt die niederen "Kasten" gar "Halbidioten", u.Ä.
mangels weiterer Erklärungen könnte man meinen, der Autor selber betrachtet die Menschen in dieser Art von Einteilung. Das wäre in jedem Fall aber unrealistisch und viel zu pauschal! Tatsächlich können aber auch Menschen, die definitiv keine hohen Schulabschlüsse haben, o.Ä. zu Großartigem in der Lage sein! - Man betrachte dazu nur zeitgenössische Kunst und Musik! Außerdem müssen auch Hilfsarbeiter keine Idioten sein! Andererseits betrachtet man manchmal - auch völlig zurecht - Menschen mit hoher Bildung als (Fach-) Idioten.
Diese Sichtweise des Autors ist mir daher zu simpel.
Diese viel zu sehr vereinfachte, unkritische Einteilung der menschen in Klassen war das, was mir bei diesem Buch am meisten gestört hat.

Tatsächlich aber ist fast jeder mensch in der Lage, die Gedanken eines Aldous Huxley nachzuvollziehen; dumm sind wir Menschen ja nicht! Wir lassen nicht alles mit uns machen. Tatsächlich verzichten die meisten Menschen freiwillig in unseren modernen Staaten z.B. auf Religion; doch auf Kunst, Unterhaltung, Freiheit oder freien Ausdruck legen die Menschen durchaus viel wert.
Oder zeigen die Siegeszüge von "Big Brother"- Formaten und der große Zuspruch von Sportübertragungen und der Erfolg von wenig innovativer "Neuer" Kitschpop- Musik ohne besondere Aussage, dass wir doch mehr als man für möglich halten möchte, uns gerne und freiwillig zu solchen "Norm- Menschen" machen lassen, und damit die Voraussetzung solch düsterer Gesellschaften schaffen?

FAZIT: Aldous Huxley zeigt in seinem Buch bewusst übertrieben auf, dass der "Perfekte Staat" bei genauerem Hinsehen durchaus nicht mehr perfekt ist, und in eine Diktatur mündet, in der es nur noch "Nachbeten" von Direktiven gibt, auf Kosten eigener Meinung, Freiheit und persönlichem Ausdruck.
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5.0 von 5 Sternen Interessant, 27. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Schöne neue Welt : Ein Roman der Zukunft (Broschiert)
Sehr schnelle Lieferung,gute Qualität für ein gebrauchtes Buch, super Preis(fast schon umsonst) für ein einzigartiges Buch!
Immer wieder gerne eine Bestellung wert.
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Schöne neue Welt : Ein Roman der Zukunft
Schöne neue Welt : Ein Roman der Zukunft von Aldous Huxley (Broschiert - 1987)
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