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4.0 von 5 Sternen Buntes, experimentelles Fünfziger-Jahre Märchen.
"Über Ozeane werde ich Dich hören." Da ist sich Lulu(Jennifer Decker) ganz sicher. Aber ob ihre Liebe zu dem Farbigen Jimi American(Ray Fearon), den sie auf dem Rummelplatz beim Autoscooter kennen gelernt hat, wirklich so tief und fest ist, das wird sich zeigen. Gelegenheit, die Stärke dieser Liebe zu prüfen, gibt es in Oskar Roehlers Film -Lulu und...
Veröffentlicht am 6. August 2009 von Thomas Knackstedt

versus
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Plagiat
Ich bin normalerweise ein Fan von Oskar Roehler, aber dieser Film war eine einzige Enttäuschung.
Im Interview erwähnt er Douglas Sirk, die Coen-Brüder und David Lynch als Einflüsse für seinen Film. Von den ersten beiden hat "Lulu und Jimi" nun absolut gar nichts, ich weiß nicht, wie er darauf kommt. Klar, jeder mag kitschige,...
Veröffentlicht am 29. Juli 2010 von Rovero


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buntes, experimentelles Fünfziger-Jahre Märchen., 6. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
"Über Ozeane werde ich Dich hören." Da ist sich Lulu(Jennifer Decker) ganz sicher. Aber ob ihre Liebe zu dem Farbigen Jimi American(Ray Fearon), den sie auf dem Rummelplatz beim Autoscooter kennen gelernt hat, wirklich so tief und fest ist, das wird sich zeigen. Gelegenheit, die Stärke dieser Liebe zu prüfen, gibt es in Oskar Roehlers Film -Lulu und Jimi- jedenfalls genug.

Wir schreiben das Jahr 1959 in Schweinfurt. Lulu lernt Jimi kennen und verliebt sich sofort in ihn. Das ist ihrer Mutter Gertrud(Katrin Saß) ein Dorn im Auge, denn: Lulu soll den Unternehmersohn Ernst(Bastian Pastewka) heiraten. Schließlich hat der Langweiler Ernst Geld und genau das braucht die stets betrunkene, fiese Gertrud, um einen Bankrott zu vermeiden. Lulus Vater Carli(Rolf Zacher) ist gegen Gertruds berechnende Bösartigkeit machtlos. Auch das Verhältnis zwischen Gertrud und ihrem Chaufeur Schultz(Udo Kier) muss er tatenlos mit ansehen.
Doch egal, wie groß der Druck durch Gertrud auch ist, Lulu steht zu Jimi. Die beiden sehen keine andere Wahl, als aus Deutschland zu fliehen. So besorgt Jimi Schifftickets nach Amerika und in einer Nacht- und Nebelaktionen planen die beiden Liebenden die Flucht. Allerdings gibt es zwischen der Liebe und der Freiheit noch Hindernisse. Zum Beispiel Gertruds teuflischen Psychiater Dr. von Oppeln(Hans Michael Rehberg) oder den durchgeknallten Stalingrad-Veteranen Harry Hass(Ulrich Thomsen). Und so ist der Ausgang der ultimativen Liebesgeschichte äußerst ungewiss...

Eines muss man Oskar Roehler lassen: Der Mann ist hochkreativ. Keiner seiner Filme lässt sich leichtfertig in eine Schublade packen. Zu -Lulu und Jimi- lieferte er auch das Drehbuch. Herausgekommen dabei ist eine Art Musical-Märchen ganz und gar im Stil der Fünfziger-Jahre-Verfilmungen gehalten. Egal ob Story, Texte oder Trickaufnahmen, Roehler hat auf neueste Technik verzichtet und ganz offensiv den Look der damaligen Zeit gesucht. Was den Film optisch dann doch von den "alten Schinken" unterscheidet ist der bonbonfarbene Anstrich, mit dem Roehler sein Märchen angepinselt hat.

-Lulu und Jimi- ist herrlich plakativ und überzeichnet. Roehler verhehlt nicht, dass er auf die klassische Liebesgschichte setzt und nimmt dabei auch ganz ungeniert Anleihen bei Romeo und Julia, so wie der Westside Story. Das ist anfänglich gewöhnungsbedürftig, gefällt aber mit jeder weiteren Filmminute immer besser.

Die Hauptrollen sind mit Jennifer Decker und Ray Fearon frisch und unverbraucht besetzt. In den Nebenrollen brilliert das Who ist who der Deutschen Filmszene. Katrin Saß und Rolf Zacher sind als Lulus Eltern genial. Udo Kier ist noch immer ein Topbösewicht und Ulrich Thomsen als Harry Hass ist so schmierig und link, wie man sich das nur vorstellen kann. Bastian Pastewka lässt mit seinem Ernst den Biedermann der späten 50er Jahre wieder auferstehen.

Oskar Roehler hat mit einfachen Zutaten mal wieder ein interessantes Filmmenue angerichtet. Das muss nicht jedermann schmecken, ist aber garantiert kein Junkfood oder 08/15-Kost. Man muss sich schon ein wenig mitnehmen lassen und die filmischen Mainestream-Gewässer verlassen können, um sich für -Lulu und Jimi- zu begeistern. Wer das kann, wird jede Menge Spaß dabei haben.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen das Establishment., 12. Oktober 2009
Von 
Lothar Hitzges (Schweich, Mosel, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Es sind die Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland. Auf einem Rummelplatz lernt die junge Fabrikantentochter Lulu den hübschen Farbigen Jimi kennen, der hier arbeitet. Die beiden kommen sich näher und es funkt. Aber Lulu ist einem anderen versprochen und es kommt zu Zwistigkeiten. Bei einer Schlägerei verletzt Jimi Lulu's Bruder in Notwehr schwer. Lulu und Jimi fliehen.

Die Geschichte wird spannend und humorvoll erzählt. Zudem scheint der Film in einen Falschfarbentopf gefallen zu sein und damit die Situationen und Charakteren noch polarisierender darzustellen. Überraschenden Wendungen und märchenhafte Fügungen halten die Story im Gang und die Neugier beim Zuschauer aufrecht. Regie und Schauspieler leisten gute Arbeit und haben eine kleine Filmperle erschaffen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Plagiat, 29. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Ich bin normalerweise ein Fan von Oskar Roehler, aber dieser Film war eine einzige Enttäuschung.
Im Interview erwähnt er Douglas Sirk, die Coen-Brüder und David Lynch als Einflüsse für seinen Film. Von den ersten beiden hat "Lulu und Jimi" nun absolut gar nichts, ich weiß nicht, wie er darauf kommt. Klar, jeder mag kitschige, sentimentale Douglas-Sirk-Filme, von den Coens hat er sich höchstens hinsichtlich der Optik und Kameraführung ein bisschen abgeguckt. Gegen ein paar Zitate und Anlehnungen an die filmischen Vorbilder ist natürlich nichts einzuwenden; aus solchen setzen sich z.B. Tarantino-Filme zusammen. Einer wie Tarantino versteht es jedoch, auf subtile, humorvolle Art auf seine Vorbilder und Quellen zu verweisen, und darin liegt der entscheidende Unterschied zu Roehlers Film "Lulu und Jimi".
Dieser ist nichts Anderes als ein müder, hilfloser Abklatsch von "Wild at Heart". Die Handlung ist nahezu 1 zu 1 übernommen, einige Figuren entsprechen exakt denen aus Lynchs Film (Lulus Mutter = Lulas Mutter, Schultz = Marcelles Santos, Harry = Bobby Peru), und nicht nur das, nein, Roehler besitzt die Dreistigkeit bzw. Einfallslosigkeit, ganze Szenen aus "Wild at Heart" einfach nachzudrehen. Die Szene, wo Jimi den Bruder zusammenschlägt, ist mit der Eingangssequenz von Wild at Heart fast identisch. Bei der einen Disko-Szene habe ich mir gedacht: "Wenn der jetzt gleich die Hand hebt, um die Band anzuhalten, mache ich den Film aus." Aber ich musste sozusagen aus Sensationsgeilheit weitergucken. Als Jimi dann für Lulu ein Lied gesungen hat, habe ich vor Entsetzen gelacht und nur noch gedacht: "So dumm KANN der Roehler doch einfach nicht sein! Es wird sicher noch irgendwas Gutes, Originelles kommen, ist ja schließlich Roehler." Dieser Fall trat aber nicht ein, es kam nichts Sehenswertes mehr, und weitere Szenen aus dem Original-Film wurden nachgespielt, so wurde z.B. die Szene, wo im Original Bobby Lula im Motelzimmer nötigt, von Roehler ebenfalls exakt kopiert. Und noch schlimmer: Wo Sailor die Vision der Hexe aus dem Westen hat, sieht Jimi Daddy Cool am Himmel usw.
Ich habe so etwas noch nie erlebt, es ist einfach nur eine Frechheit und Respektlosigkeit des Regisseurs gegenüber seinem Zuschauer. Es wäre etwas Anderes, wenn er explizit darauf hinweisen würde, dass er ein Remake von Wild at Heart machen wollte, sozusagen eine deutsche Version in den 50ern spielend. Das tut er aber nicht, und deshalb bekommt er für diesen Film nichts Anderes als mein Mitleid.
Und auch für sich betrachtet, also wenn man das Original nicht kennt, ist dieser Film um Längen schlechter als die gelungenen, originellen Roehler-Filme (Unberührbare, Alte Affe Angst) und sogar noch um einiges schlechter als die weniger gelungenen Roehler-Filme (Agnes, Elementarteilchen). Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass Roehler von der wahren, schönen Liebe weitaus weniger zu erzählen weiß als von der hässlichen, grausamen, abgestumpften, pervertierten Liebe (dass er das kann, wird ihm wohl niemand absprechen). Ich bin sicher, er hätte die Fähigkeit, einen eigenständigen, originellen Liebesfilm zu machen, nur dieser hier funktioniert einfach nicht, es springen überhaupt keine Funken über.
Ich hatte mich auf diesen Film gefreut. Ich fand den Film nicht nur schlecht und langweilig, ich habe auch meinen Respekt vor dem Regisseur verloren.
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2.0 von 5 Sternen ..."Und das ist alles nur geklaut...", 27. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
...der Song passt leider auf diesen Film. Ich kannte den Film bisher nicht, doch ich kenne die Filme David Lynch`s sehr gut. Als Lynch- Fan bin ich mehr als enttäuscht von Lulu & Jimi, denn die Handlung ist nahezu komplett von "Wild at Heart" übernommen. Schauspielerisch und in der Aufmachung sicher ein guter Film und auch das Setting der 50er ist ziemlich stimmig und liebevoll umgesetzt, auch die Musikuntermahlung passt.
Wer jedoch Wild at Heart gesehen hat, kann sich diesen Film kaum anschauen, da er einfach nur langweilig wirkt. Wem Lynch`s Filme allgemein zu "hart" und "grausam" sind, oder, wer seine Filme nicht kennt, der könnte vielleicht an Lulu & Jimi gefallen finden, denn hier wurde die Thematik wesentlich zugänglicher und seichter umgesetzt, als es Wild at Heart darstellt. Eine FSK 12 hätte es sicher auch getan, würde jedoch weniger Zuschauer "locken", was sicher auch ein Grund für die FSK 16 Freigabe gewesen sein wird.

Was bleibt, ist ein Film, den es eigentlich nicht gebraucht hätte und der sich schamlos eines Meisterwerks des Film Noir bedient. Zwei Sterne für eine gute Aufmachung und die ordentliche schauspielerische Leistung der Darsteller, auch, wenn deren Charaktere ebenso nur Kopien sind.
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5.0 von 5 Sternen Kreatives Meisterwerk, 27. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Schon auf den ersten Blick überzeugt der Film mit seiner einzigartigen Atmosphäre. Die z. T. schrillen Farben, die "echten Typen" in den wesentlichen Rollen - so kann deutsche Filmkunst sein. Wenn sie es den sein darf und nicht dem platten Mainstream huldigen muss.

Lulu und Jimi gelingt der Spagat zwischen Kunst und "Sehbarkeit". Die märchenhaften Momente, gepaart mit zahlreichen interessanten Dialogen und durchaus actionreichen Szenen sollte man sich nicht entgehen lassen.

Klare 5 Sterne!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen In den Wind geschossen - "Lulu und Jimi" ist nur heiße Luft, 24. Februar 2012
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Kirmes 1959, irgendwo in Deutschland im Grünen: Knallbunt fahren die Autoscooter und die sich darin befindenden Jugendlichen über die Bahn. Lulu (Jennifer Decker) und Jimi (Ray Fearon) erblicken sich wie Romeo und Julia oder Tony und Maria: Einfach so, und ohne erkennbaren Grund wissen sie, wissen wir: Die sind füreinander gemacht. Und dürfen einander nicht lieben, denn Lulus Bruder steht in Spießerklamotten samt Spießerauto und Spießerchauffeur der Eltern schon bereit, Lulu abzuholen. Die im matten, piefigen Grün ausgeleuchtete und wohl CGI-überarbeitete Wiese mit Spießerensemble wirkt wie eine Rückprojektion, die Schnittwechsel zwischen beiden Welten wirken wie Anschlussfehler. Dabei haben die Filmarchitekten die Kirmes vermutlich wirklich genau dort hingestellt. Aber das ist egal, Regisseur Oskar Roehler setzt von Anfang an auf krasse Gegensätze, Archetypen, Ikonografie des Kitschkinos. Ein Pärchen against all odds, ein Klassikerthema des Kinos und - siehe oben - auch anderer Kunstformen. Kann man ja mal machen. Ist allerdings nicht neu. Also muss es ein i-Tüpfelchen geben. Roehler sucht es zu setzen, indem er in einem kruden Stil- und Zitatenmix der grenzenlosen Übertreibung einer grellen Farce huldigt. "So schlecht, dass es schon wieder gut ist", diese Argumentation verstehe ich in den seltensten Fällen. Roehlers Film ist über weite Strecken schlicht schlecht.

Lulu und Jimi, ein farbiger US-Amerikaner und Gelegenheitsarbeiter, müssen sich gegen die Bemühungen Lulus Eltern durchsetzen, Töchterchen mit einem schnöseligen Sohn stinkreicher Fabrikanteneltern zu verkuppeln. Dessen Besetzung mit Bastian Pastewka lässt stärker als alles andere ahnen, dass jede Nebenfigur reine Karikatur ist, in diesem Fall immerhin noch eine lustige. Roehler bleibt aber nicht konsequent bei der abgedrehten Komödie, sondern mischt sie mit Psychothriller, Romanze, Horror, Gangsterfilm. Natürlich haben Lulu und Jimi wegen Jimis Hautfarbe im Deutschland des Jahres 1959 Vorurteile und Anfeindungen zu gewärtigen. Aber irgendwann tritt ein Psychiater auf, der Lulu erklärt, dass der Embryo eines Schwarzen so schnell heranwachse, dass die Mutter oder zumindest die Gebärmutter im fünften Monat platze. Spätestens hier fassen wir uns fassungslos ob so viel geballten Schwachsinns an den Kopf und können diesen Film keine Sekunde mehr ernst nehmen. Oder sollen wir das auch gar nicht? Hans-Michael Rehberg spielt den Psychiater als pure Horrorgestalt, ein alter Mann mit Glatze, Quadratschädel, bösen Spritzen, bösen Sprüchen, durch Gegenlicht extrem tiefen Augenhöhlen, das ganze Programm eines Dr. Mabuse. Ein schwarzweißer Mann in blutroter Umgebung seiner (Folter-)Praxis; Roehler zitiert hier anscheinend die expressionistischen deutschen Horrorfilme der 1920er Jahre. Wie sein Film überhaupt ein wilder Zitatenmix ist, und gehe es auch nur um in greller Übertreibung gesteigerte Ikonographie der 50er-Jahre-Popkultur. Jedes Bild ist geradezu in das Öl von Roehlers Kunstfertigkeit gegossen und wirkt nur noch künstlich statt kunstfertig. "Lulu und Jimi" sind ständig in Bewegung, doch der Film ist steif. Zudem scheint Roehler der Macht seiner Bilder zu misstrauen und dies durch eine Extraportion Kitsch und Übertreibung zu kompensieren zu versuchen. Auffällig viele Bilder und Motive, die wir schon beim ersten Mal verstanden haben, tauchen mindestens zwei Mal auf, oder es werden Szenen in die Länge gezogen. Der rosa (!) Pudel von Lulus Mutter entlockt beim ersten Mal ein anerkennendes Schmunzeln ob Roehlers Detailverliebtheit, geht aber irgendwann nur noch auf die Nerven. Dass Lula (warum eigentlich?) eine exzellente Turnerin ist, sehen wir bei einer Performance in nimmermüden Zeitlupensprüngen, die irgendwann nichts mehr hinzuzufügen haben, aber dennoch mit jeweils noch größerer Geste präsentiert werden. Knalleffekte werden angekündigt, bleiben aber aus - dies ließe sich im Grunde für den ganzen Film sagen. Wenn sich Lulu und Jimi endlich im schmucken Cabriolet lieben, schneidet Roehler zwischen das Davor und Danach eine Totale des Ensembles. "Cadillac (?) auf Hügel vor kobaltblauem Nachthimmel". Dabei soll es doch um Menschen gehen, und um das Intimste zwischen ihnen. Selbst bei den Körpern sind Sixpack, High Heels und Nylons für die Kamera wichtiger als die darunter liegenden Gefühle.

Nur selten wirkt hier etwas stimmig - etwa wenn Lulu nach einer wahrhaft himmlischen Liebesbotschaft Jimis in ihrem weißen Nachthemd besonders hell ausgeleuchtet wird und daher unschuldig, rein, fast engelhaft wirkt. Oftmals hingegen wirkt Roehler seltsam unentschlossen und präsentiert schlicht alle Farben in höchstmöglicher Grelle, was seine Gestaltung wahllos erscheinen lässt. Dabei ist die Wahl von Roehlers Film-Vorbildern durchaus erkennbar. Vielleicht sind Lulu und Jimi schlicht Lula und Sailor aus David Lynchs "Wild at Heart", wofür auch die boshafte Karikatur einer aufgetakelten, grausamen Mutter (hier Katrin Sass) sprechen würde. Deutlicher sind jedoch die Parallelen zu Douglas Sirk. Ein Reh im ach so schönen, romantischen Wald erinnert an das berühmte Schlussbild aus "Was der Himmel erlaubt" (und wieder einmal muss Roehler einen draufsetzen und Lulu ein "ist das schön hier" seufzen lassen, als ob wir es nicht auch so merkten). Wenn Lulu im hellblauen Nachthemd morgens um drei Uhr "ins Wasser geht" in einen Teich umgeben von wildromantischen Bäumen, hat das etwas von Marianne Kochs Suizidversuch aus "Der letzte Akkord". Überdeutlich sind dann die Zitate aus "In den Wind geschrieben": Zeitenwenden werden dadurch ausgedrückt, dass wehende Herbstblätter vor einem Haus in Schneeflocken übergehen. Und nicht nur Hommage, sondern schon Klau sind die vom Wind umgeblätterten Blätter eines Tageskalenders. Wobei Roehler es nicht lassen kann, dieses Bild geschlagene drei Mal einzusetzen.

Roehler hätte sich keinen Schlechteren aussuchen können als Sirk, den ich liebe. Sirk ist (neben anderem) ein Meister des Gefühlskinos gewesen, der eine gewisse Künstlichkeit sehr bewusst eingesetzt hat und damit zum Kern seiner Geschichten vorgedrungen ist. Roehler ist das glatte Gegenteil: Wahllos statt bewusst das Künstliche einsetzend, bleibt er immer an der Oberfläche. Sirk hätte er außer vor lassen sollen. Als kalte, krude Farce, Satire, Zitatenschatz, Trash hätte "Lulu und Jimi" vielleicht funktioniert. Aber nein, Roehler will es ja, das Kino der großen, echten Gefühle. Das Echte hinter dem Künstlichen hervorlocken, das jedoch ist Sirks Metier, sicherlich nicht seins allein, aber sicherlich nicht Roehlers, jedenfalls nicht in "Lulu und Jimi". Roehler hat ein paar zumindest interessante Ideen wie z.B. komplementäre Vaterfiguren von Lulu und Jimi, von demselben Schauspieler dargestellt (Rolf Zacher). Aber oftmals fragte ich mich fassungslos, wieso ich mich für diese seltsamen Figuren eigentlich interessieren soll: Irreal böse Mutter, irreal böse Stilsünden, ein Vater, den die Mutter zur Kastration mit dem Rasiermesser genötigt hat, um mit dem Chauffeur herumzumachen (noch so eine Karikatur: Udo Kier), ein Nosferatu-Mabuse-Fu-Man-Chu-Psychiater aus einer anderen Welt. Und bei Jimi ein Vater, der mal eben die Mutter und den Liebhaber Jimis abknallt, woraufhin wie ein Deus Ex Machina Rockstar Daddy Cool als Ersatzvater auftritt, dem Mörder eine scharfe Braut zuführt und mit dem Steppke fröhlich neben den beiden Leichen tanzen kann. Die Art und Weise, wie Roehler hier herausstellt, keine kleinen Brötchen zu backen, ist unangenehm penetrant. Ein weiteres Beispiel ist dieser Monolog mit der platzenden Gebärmutter: Selbst für einen Rassisten im Deutschland des Jahres 1959 ist das so erbärmlich bekloppt, dass Roehler sein Thema eines sich gegen Vorurteile durchboxenden Pärchens komplett verschenkt. Auch ist völlig unverständlich, wie die nicht dumm wirkende Lulu das nur eine Sekunde lang glauben kann - was für dramatische und manchmal recht grausam gezeigte Abtreibungsversuche eine hohe Bedeutung im Fortgang der Erzählung hat. Nein, diese ganze Welt ist vollständig außerhalb all dessen, was auch nur ansatzweise realistisch ist. Sie ist pures Zeichen, Oberfläche, künstliche Kunst. Wir haben einen intellektuellen, ästhetischen Zugang zu ihr, aber keinen emotionalen, weil diese Welt so vollständig fremd, verschieden von unserer eigenen Welt ist. Darum können wir auch keine Gefühle für die Menschen in dieser Welt entwickeln - und sollen es doch ganz offensichtlich, wie nicht nur die Huldigungen an einen Meisterregisseur des Gefühlskinos zeigen. Daher: Setzen, sechs. Naja, gut, ab und an schmunzelt man und freut sich über die eine oder andere Idee, aus der vielleicht etwas hätte werden können. Zwei Sterne.
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5.0 von 5 Sternen Toller Film!, 22. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Der Film ist wirklich super. Einfach angucken und verschwinden in eine andere Welt. Schöne Aufnahmen und nett anzusehende Schauspieler ;0))
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Au weia, 9. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Nur kurz, denn das meiste ist schon gesagt: Völlig artifizielle, falschfarbige Bilder, eine story, wie sie plakativer und vordergündiger schwer zu finden ist (white girl meets black boy, müssen vor schreckschraubig-intriganter Mutter und damönischem Mengele-Verschnitt Psychiater fliehen, gähn...) und mit dickem Pinsel aufgetragene 50er-Jahre Accessoires.
OK: Das soll irgendwie humoristisch-persiflierend sein, mit Zitaten aus Film und Literatur, schon verstanden, aber WARUM das alles? Wen oder was soll dies eigentlich bloßstellen, vorführen oder neu sehen lassen? Auch eine Parodie möchte ja etwas erreichen, oder?
Und warum muss eine Collage aus Themen und Filmen eigentlich so abgrundtief schlechte, hölzerne Dialoge haben? So schablonige Figuren? Szenen, bei denen der Verdacht, dass jemand die Requisitenstube geplündert hat, überwältigend wird?

Zeitverschwendung. Reine Zeitverschwendung!
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ok, aber eindeutig überproduziert, 17. Oktober 2009
Von 
Matt Damon (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Wer Röhler kennt, wird am Anfang perlex sein: Der Spezlialist für Erzählungen, die darum kreisen, dass es nie und never "Liebe" giebt, immer nur irgendwelche mehr oder weniger perversen Ersatzstoffe - eben dieser Röhler erzählt eine märchenhafte Liebesgeschichte. Die Bilder sind toll- David Lynch in süddeutscher Provinz. Katrin Sass ist der heimliche Star im Film. Sie ist böse - und zwar durch und durch - und das macht sie sehr gut. Das ist weit weg von ihrer etwas verballerten Naivität in Good Bye Lenin. Das abgründige Böse, dass sich hinter der spießigen Bürgerlichkeit der 50er Jahre verbirgt, bringt sie - als Ossi! - beängstigend rüber.

Doch etwas funktioniert im Film nicht. Und das ist der Regisseur: Röhler weiß sehr viel über vermurkste Liebe. Geglückte: Da fällt ihm wenig wenig dazu ein bzw. er muss daraus ein Märchen machen - oder andere Regisseure wie David Lynch bauchpinseln und zitieren. Röhler sei jede erfüllte Liebe gegönnt. Aber er gehört halt zu den Regisseuren, die Verletzung und Unerfülltsein grandios in Bilder umzusetzen wissen, denen es aber die (Bild-)Sprache verschlägt, wenn sie nach ihrer Vision von Glück und Erfüllung gefragt werden.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Film, 1. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Lulu und Jimi (DVD)
Klasse Charakterstudie einer westdeutschen Kleinstadt in den Nachkriegsjahren. Die Anspielung auf bekannte Industriellenfamilien sind köstlich und hervoragend getroffen.
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Lulu und Jimi
Lulu und Jimi von Jennifer Decker (DVD - 2009)
EUR 5,46
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