Kundenrezensionen

23
4,1 von 5 Sternen
Die Klasse
Format: DVDÄndern
Preis:6,97 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 9. November 2009
Der etwas einzelgängerische François Marin (Francois Begaudeau) ist seit 4 Jahren Lehrer an einer Pariser Schule im 20. Bezirk. Seine Schüler weisen einen sehr hohen Migrantenanteil auf, Francois unterrichtet das Hauptfach "Französisch", was alles andere als einfach ist:
Die Klasse ist unruhig, die wenigsten können sich konzentrieren und ständig gibt es läppische oder protestierende Zwischenrufe. Etwas was noch als Interesse gewertet kann, in vielen Fällen ist der Unterricht auch augenscheinlich uninteressant.
Berufliche Zukunftschancen für Kids wie Esmeralda (Esmeralda Ouertani), Wei (Wei Huang), Khoumba (Rachel Regulier), Nassim (Nassim Amrabt)oder Cherif (Cherif Rachedi) sind ungewiss und sehen düster aus.
Francois versucht immer wieder den vorgeschriebenen Stoff zu umgehen und versucht aktivierende Hilfe zu leisten, damit der Knoten platzt. Bei einer "Anleitung zum selbstständigen Arbeiten" gibt er die Aufgabe, dass jeder Schüler 5 ihm unbekannte Wörter des Textes nennen soll. Die Wörter wurden an die Tafel geschrieben und das Ergebnis ist mehr als erschreckend: Wird der Text überhaupt noch verstanden ?
Seinen Kollegen geht es ähnlich, sie sind täglich mit sozialem Sprengstoff konfrontiert, statt funktionierendem Schulalltag gibts Tendenzen latenter Aggression und Null Bock Stimmung.
Im Gegensatz zu seinen Kollegen, mit denen er viel diskutiert, versucht Marin nicht, Störenfriede des Unterrichts mit einem Verweis drastisch zu sanktionieren, er geht geduldig die Konflikte öffentlich im Klassenzimmer an, was ihn selbst phasenweise überfordert und ihn immer wieder unangemssen sarkastisch werden lässt, was logischerweise noch mehr Verständigungsschwierigkeiten und Mißverständnis hervorruft.
Selbst auf Fragen zu seiner vermuteten Homosexualität antwortet er den Schülern und versucht Toleranz zu propagieren.
Besonders schwierig ist der aus Mali stammende Souleymane (Franck Keita), der zunehmend den Unterricht boykottiert...
Hauptdarsteller François Bégaudeau, geb. 1971, ist französische Schriftsteller und Journalist. Er war ursprünglich Lehrer und der Film entstand nach seinem preisgekrönten eigenen Roman "Entre le murs".
Im Roman schildert Begaudeau seine eigenen Erfahrungen im Unterricht.
"Die Klasse" wirkt dokumentarisch und "echt", Regisseur Laurent Cantet gelang es eindrücklich das Leben im Klassenzimmer einzufangen und sah den Roman als variable Inspirationsquelle. Daher auch Abweichungen von Buch und Film.
Die meisten Darsteller sind im wirklichen Leben ebenfalls Schüler oder Lehrer an der Schule im Pariser Nordosten. Die Schüler spielen jedoch nicht sich selbst, sondern entwickelten mit Cantet zusammen die dargestellten jungen Persönlichkeiten.
Der interessante Film konnte bei wichtigen Filmpreisen punkten, so gab es mehrere Nominierungen für den Cesar und auch beim europäischen Filmpreis Felix war er ernstzunehmender Konkurrent von "Gomorrha", "Il Divo" oder "Das Waisenhaus".
"Die Klasse" ist eine erstklassige Studie mit den sozialen Konflikten der Gegenwart, die jungen Menschen sind Spiegelbild einer derzeit problematischen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Macher des Films haben dies zwar ziemlich unspektakulär, aber umso atmosphärischer in Szene gesetzt.
Ein sehr empfehlenswerter europäischer Spitzenfilm, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte....
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. August 2010
Beinahe schon dokumentarisch wird der Alltag an einer Schule mit fast ausschließlich Immigranten gezeigt. Nichts Außergewöhnliches, eher der typische Fall in solch einer Einrichtung.

Wer hier einen Amoklauf irgendeines Protagonisten oder Ähnliches erwartet, wird enttäuscht.

Der Lehrer kann seinen Schülern, zum erstaunen des Zuschauers, sogar noch ein Wenig Respekt abringen, wenn dass eine überdurchschnittlich prekäre Problemschule in Frankreich darstellen soll, kann man das Lehrpersonal dort nur beglückwünschen, da geht es in vergleichbaren deutschen Einrichtungen sicherlich härter zur Sache.

Für Lehrer ist der Film sicherlich interessant, das übrige Publikum vergibt bestenfalls unaufgeregte 3 Sterne, so auch von mir.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 10. Dezember 2012
Der Film startete am 15. Januar 2009 in den Kinos. In Frankreich lautet der Titel des Films "Entre les Murs" während der deutsche Titel "Die Klasse" eine Anleihe des in Deutschland so veröffentlichten gleichnamigen Romans ist.

Natürlich geht es in diesem Film um Schule. Wer "La Haine" mit Gefallen gesehen hat, wird sich auch gewiss von diesem Film angesprochen fühlen. Allerdings geht es hier um das Thema Schule. Der junge Lehrer François versucht im 20. Pariser Arrondissement, wo unterschiedliche Nationalitäten, Meinungen und Kulturen aufeinanderprallen, einer Klasse 14- bis 15 jähriger Schüler, darunter viele Migrantenkinder, das notwendige Wissen beizubringen und sich von Leistungsverweigerung und Aggression nicht entmutigen zu lassen. Der engagierte Lehrer François gibt trotz aller Widrigkeiten nicht auf, weicht Konfrontationen nicht aus, fördert mit unkonventionellen Methoden die Stärken der Jugendlichen und gibt eigene Schwächen zu. Er spielt auf Risiko und gewinnt für alle ein Stückchen mehr Gerechtigkeit und Demokratie. So erzählt der Film die rasante Geschichte von Schülern, für die Respekt eine Frage des aggressiven Auftretens ist, und Lehrern, die weder ihre Schüler noch den Kopierer disziplinieren können. Trotzdem weiß man manchmal nicht mit wem man sympathisieren soll. In der hier betrachteten Schule ist die Erziehungsarbeit im Gegensatz zum Lehren und Lernen vordergründig. Die Bemühungen des Hauptdarstellers werden durch Störungen oder unsachgemäße Fragen, die nicht zum Thema passen, ständig unterbrochen. Auch die Lehrinhalte werden während des Unterrichts in Frage gestellt. Bezüglich der Erläuterung zum Konjunktiv kann ich die Frage einer Schülerin nach dem Sinn für ihr Leben sogar ein wenig nachvollziehen. Der Film lebt beobachtend ohne besondere Höhepunkte von den Dialogen der Beteiligten. Trotz allem halte ich es für sehr fraglich, ob die im Film präsentierten Schüler sich letztendlich trotz aller Bemühungen und trotz kleiner Teilerfolge für einen Arbeitsmarkt qualifizieren können.

In der Regierungszeit von Präsident Sarkozy versuchte man nach den vielen Unruhen in den Banlieus diesen negativen Entwicklungen mit integrativen Maßnahmen zu begegnen. So verteilte man Banlieu Schüler in Schulen, deren Schüler vorwiegend aus Familien des Mittelstands stammen. Französische Medien sprachen von entsetzten Eltern und man sprach von Ehepaaren in Prozentzahlen im zweistelligen Bereich, die dann ihre Kinder dem öffentlichen Schulsystem zugunsten von günstigen Privatschulen entzogen haben. Das wird aber im Film nicht thematisiert. Anhänger der französischen Filmszene werden diesen gesellschaftskritischen Film mit pädagogischer Note mögen.

Der Film wurde übrigens in Cannes unter großem Beifall mit der Goldenen Palme 2008 ausgezeichnet. Er steht trotz seiner wieder typisch französischen Filmmelancholie auch in der Tradition von amerikanischen Streifen, z.B. mit Nick Nolte zum Thema Schule im Problembezirk. Da man von dieser Thematik in den USA ebenso etwas versteht, verwundert es auch nicht, dass der Film auch für den Oscar des besten ausländischen Films nominiert wurde. "Die Klasse" regt aber auch in Deutschland zum Nachdenken an über die Folgen von Bildungs- und Erziehungsmiseren, die meines Erachtens immer noch weniger groß als in vielen anderen Ländern sind. Der Film zeigt dennoch Parallelen zu Entwicklungen in Deutschland auf. So könnte dieser Film durchaus auch ein Publikum ansprechen, die das Buch "Neukölln ist überall" von Heinz Buschkowsky mögen. Im Gegensatz zum integrativen Modell von Sarkozy vertreten viele unserer Politiker die Idee der Gesamtschule, um solchen Auswüchsen zu begegnen.

PS: Der Autor des gleichnamigen Buchs, Francois Begaudeau, Jahrgang 1971,wurde als Sänger der Punk-Band Zabriskie Point bekannt. Er ist Redakteur der Filmzeitschrift Cahiers du cinema und hat drei Romane geschrieben. Begaudeau ist Träger des renommierten Prix France Culture
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Dezember 2012
Als Lehramtsstudentin hat mir dieser FIlm sehr weitergeholfen. Zur Unterrichtsszenenanalyse ist er sehr geeignet und bietet viele Möglichkeiten für Analysen bei zB einer Hausarbeit oder einem Referat. Habe ihn auch schon in einigen Seminaren von Dozenten gezeigt bekommen, die alle total begeistert von ihm waren, da er sehr realistisch das Unterrichtsgeschehen wiederspiegelt. Um einzelne Szenen herauszupicken oder den Unterrichtsalltag kennenzulernen, eignet dieser Film sich sehr gut.

Als FIlm für einen gemütlichen Abend für Leute, die nichts mit Schule/Unterricht am Hut haben, eignet er sich weniger, da er sehr lange und intensiv nur Unterrichtsszenen zeigt, was wahrscheinlich ein bisschen öde wäre.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Juni 2010
Gelangweilt von den üblichen Standardwerken, die blind den filmischen Erzählregeln folgen, habe ich mir die Klasse mittlerweile mehrere Dutzend Male angesehen. Ich glaube es gibt wenig Werke in der Filmgeschichte, die dialektischer sind, zugleich derart pointiert, authentisch, wahrhaftig und der "Wahrheit" sehr nahe kommend. Es ist ein fordernder, intelligenter und unfassbar gut inszenierter Film über Macht und Erziehung, Indiviualität und Institution, guten Willen und Scheitern desselben. Ein kleines Wunder. Die DVD selbst ist mit zwei interessanten Interviews mit dem Autor und Protagonisten sowie dem Regisseur ausgestattet. Kaufen!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Juni 2011
Der Film ist unbedingt sehenswert, für Lehrer und Nicht-Lehrer. Er spielt in einer Berufsschule eines französischen Problemviertels. Das unaufgeregte Bemühen, auch unter schwierigen Unständen mit den Schüler/innen zu arbeiten, wird glaubhaft - ohne Pathos und aufgesetzte Pädagogik vermittelt. Die Vergleichbarkeit mit deutschen Verhältnissen dürfte, bis auf den Vorwurf, der bei einem der Schüler zum Schulausschluss führt, gegeben sein.
Ich habe den Film spontan an eine Berufsschul-Referandarin, die ihr Interesse zeigte, verschenkt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Francois ist Klassenlehrer an einer Pariser Schule in einem Multi-Kulti-Problembezirk. Er möchte seinen 13-15 jährigen Schülern nicht nur die französische Sprache näher bringen, sondern auch ein Mindestmaß an Allgemeinbildung sowie soziale Werte wie Toleranz, Respekt und Achtung voneinander vermitteln. Seine Schüler sind dafür zum Teil aber so gar nicht motiviert und machen ihm seinen Job nicht gerade leicht. Eigentlich muss er nicht nur die Rolle des Pädagogen sondern auch die Rolle des Sozialarbeiters auffüllen. Wie kann er Kindern, fast schon Erwachsenen, seine Wertsicht vermitteln, die wahrscheinlich zumeist einer ziemlich perspektivenlosen Zukunft entgegen schauen?
Der Film zieht uns mitten in den Lehreralltag hinein. Exemplarisch wird gezeigt, mit welchen mannigfaltigen Schwierigkeiten sich Lehrkräfte in westlichen Industriestaaten herumzuschlagen haben, wenn sie nicht gerade an Gymnasien oder Eliteschulen unterrichten. Den Handlungsort könnte man genau so gut in Hauptschulen nach Berlin-Neukölln oder Frankfurt-Griesheim verlegen. Francois ist jung und noch einigermaßen engagiert. Aber, auch er merkt an vielen Stellen schon recht deutlich, wie er an Grenzen stößt, wie frustrierend das ist und wie es selber punktuell die Nerven verliert und sich auf gleiche Ebene zu seinen Schüler begibt, obgleich er doch einer gänzlichen anderen sozialen Schicht entspringt.

Dieser Film ist recht dialoglastig. Die meisten Einstellungen spielen sich im Klassenraum ab, außer den Szenen im Lehrerzimmer oder beim Rektor. Über das private Leben von Francois erfährt man nichts. Von den Kindern sieht man die Eltern nur bei dem Gespräch mit ihrem Lehrer, ansonsten sieht man sie nicht in ihrem sozialen Umfeld, nur noch auf dem Schulhof.
Der Film wirkt sehr authentisch. Die Kamera ist sehr nahe an der Akteuren dran. Immer wieder taucht die Frage auf, wie man das Ganze dauerhaft als Lehrer aushalten kann? Man leidet mit Francois, wird wütend und unzufrieden.

Den Film kann man als einen wichtigen Beitrag zur französischen Bildungsmisere sehen, der sich aber auch ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen lässt und als gute Diskussionsgrundlage dienen kann. Für Lehramtanwärter besonders empfehlenswert.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Mai 2013
Ein guter und realistischer Spielfilm über das Schulleben und dessen Probleme, auch wenn er in Frankreich spielt, so gibt es doch viele Parallelen zum deutschen Schulsystem.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. September 2010
Ich finde, der Film bietet eine gute Diskussionsgrundlage, das zeigen schon die recht unterschiedlichen Auffassungen unter den Rezensenten. Aber ich finde auch, dass er ohne begleitende bzw. nachfolgende Diskussion ziemlich in der Luft hängt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich es gut und wichtig finde, dass sich ein Regisseur des Themas "Unterricht in einem Bezirk mit hohem Migrantenanteil" annimmt, ist mir die bloße "Bestandsaufnahme" zu wenig. Was diesen Punkt angeht, so erinnere ich mich außerdem an entsprechende Dokus im deutschen Fernsehen, die ich wesentlich authentischer und beeindruckender fand. Mein erster Eindruck hierzu war, dass diese "Klasse" vergleichsweise "lammfromm" daherkam. Wahrscheinlich ist es so, dass in Frankreich doch noch ein anderer Anspruch an Disziplin und Mitarbeit besteht, ich fand die Schüler (vor allem, wenn man ihr "schwieriges" Alter berücksichtigt) durchaus ansprechbar und überraschend kooperativ (dargestellt). Über eine derartige Ruhe wie in manchen gezeigten Szenen würde sich so mancher deutsche Lehrer mit Sicherheit freuen. Insgesamt zeigt mir dieser Film nicht deutlich genug, was eigentlich problematisiert werden soll. Das zeigt sich an so unterschiedlichen Sichtweisen wie "der engagierte Lehrer und die schlimmen, ungebildeten Schüler" oder "der unfähige Lehrer und die unverstandenen Schüler" oder, wenn man sich von diesem vordergründigen Eindruck löst, "irgendwas stimmt nicht an diesem Bildungssystem". (Zum letzten Punkt fehlen mir leider weitere Hintergrundinformationen, um dies detaillierter beurteilen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch schade, dass nur der Unterricht eines einzelnen Lehrers gezeigt wurde, so dass mögliche Spielräume unklar bleiben.) Interessant ist, welche Sichtweise des Films hinten auf der DVD-Hülle vertreten wird; dort ist zu lesen: "Er (der Lehrer) trifft auf Schüler, die noch nie ein Buch gelesen haben und sauber gesprochenes Französisch nicht immer verstehen. Trotz aller Widrigkeiten versucht der engagierte Lehrer Francois, den Schülern nicht nur sprachliche Kompetenz, sondern auch Respekt und Toleranz zu vermitteln - auch mit unkonventionellen Methoden." Zum ersten Teil kann ich nur sagen: Willkommen in der Realität, da muss man sich dann als ausgebildeter Pädagoge wohl (allmählich mal) drauf einstellen. Und dass Francois ein engagierter Lehrer ist, will ich ihm gar nicht absprechen. Aber wie man seine Art des Umgangs mit den Schülern als Vermittlung von "Respekt und Toleranz" verstehen kann, ist mir schleierhaft und stimmt mich ein wenig bedenklich. Durchgehend nutzt Francois seine überlegene Position (was seinen Bildungsstand und seine Machtstellung betrifft), um die Ignoranz einzelner Schüler vorzuführen. Diese Bemerkungen klingen vordergründig locker und witzig, sind aber dadurch nicht weniger herabsetzend und respektlos. Die Schüler spüren das, können sich aber nicht direkt dagegen wehren, das ist das Infame daran. Ob dem Lehrer (Francois Begaudeau, der die Buchvorlage schrieb und auch selbst die Hauptrolle spielte) dieser Aspekt seines Verhaltens bewusst war, hat sich mir nicht erschlossen. Insgesamt gesehen bleibt mir die Message des Films angesichts dieses gesellschaftlich überaus wichtigen Themas zu sehr der Interpretation jedes Einzelnen überlassen.
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 15. April 2015
Ein Film aus dem Jahre 2009 zum Thema "europäische Schule heute, als sozialer Brennpunkt".
Er spielt in einer solchen Lehranstalt in einem Randbezirk von Paris mit hohem Zuwandereranteil, in der einige wenige gebürtige Franzosen mit einer Mehrheit von Schülern mit Migrationshintergrund aller Couleur zwecks Unterrichtung zusammen sitzen; alle im schwierigen Alter der Pubertät, 13-15.
Ist eine gelungene Veranschaulichung der bitteren Tatsache, dass es selbst für die besten und bemühtesten Pädagogen einfach unmöglich ist, alle die verschiedenartigen Widerstände der ihnen zugewiesenen Schulpflichtigen zu knacken, um sie erst einmal lernwillig und lernfähig zu machen.

Alles wirklich hochgradig schwierig und immenser Verschleiß auf Nebenkriegsschauplätzen, denn restlos alle der ca. 20 Schüler pro Klasse zeitigen eine vermutlich traumatisch bedingte Egobelastung und müssen materielle Probleme, Identitätskrisen, Generationskonflikte in ihren Familien, Minderwertigkeitskomplexe, die Pubertät, religiöse Zwänge und typische Ghettoprobleme zugleich managen.
Jeder schultert ein schweres Paket, das nur er/sie selbst kennt.

Es wird gezeigt, wie diese Lehrer sich verbiegen und ca. 70 % der Unterrichtszeit darauf verwenden, eher flexible und höchst wachsame Leiter einer unfreiwilligen Großgruppentherapie abzugeben, als einfach nur Lehrer sein zu dürfen, die die vorgeschriebenen europäischen Inhalte vermitteln.
Sie nehmen in dem Streifen z.B. gerade das Tagebuch der Anne Frank durch.
Als ob diese Jugendlichen nicht genug eigene Geschichte und Traumata zu verarbeiten hätten.
Außerdem halte ich es für strategisch ungünstig, ihnen auch noch das Nazideutschland als Nahrung für noch mehr Hass auf und Angst vor den Europäern vorzuführen.

Der Hauptprotagonist ist in alle dem fast genial, jedenfalls sehr achtsam und flexibel.
In seiner Klasse befindet sich auch ein Chinese, der sehr lernwillig, intelligent und hoch motiviert ist, die Freude aller Lehrer; aber ein angefeindeter Außenseiter in der muslimischen Mehrheit, zudem noch von Erblindung bedroht und davon, dass seine Eltern abgeschoben werden sollen.
Von daher also auch wieder nur ein weiterer Fall mit außerschulischen Problemen die seine Förderung unmöglich machen.

Der Lehrer versagt trotz all seines guten Willens.
Was an seinem Umgang mit dem angeblich störendsten Jungen verdeutlicht wird.
Einem an sich sehr sympathischen und künstlerisch begabten Sohn sehr autoritärer Betonköpfe aus Mali, dessen Missetat nur ist, dass er nie Schulsachen mitbringt und sich nie aktiv am Unterricht beteiligt, sehr wohl aber aufmerksam zuhört.
Den er von der Schule verweisen lässt, obwohl fest stand, dass seine Eltern ihn dafür nach Mali zurück schicken werden.
Anlass war eine ungünstige Kettenreaktion, bei der er eine Mitschülerin, eine Schülersprecherin - die ihn thematisiert hatte, um ihn zu unterstützen, was ihn aber verärgerte und beschämte- beim Rausrennen aus dem sich um seine Person rankenden Konflikt unabsichtlich mit seiner Tasche am Auge verletzt und diesen Lehrer mehrfach geduzt hatte.
Aber in Wahrheit wollte der Lehrer hier wohl nur mal hilflos und willkürlich ein Exempel statuieren; legte nur irgendeinen blinden Aktionismus an den Tag, der die Lehrer und die Institution Schule als Machthaber und nicht als Ohnmächtige rehabilitieren und ihnen Respekt verschaffen sollte.

Anders als in dem ebenfalls genialen französischen Film "Heute trage ich Rock" und anders als in dem ebenfalls diesen unlösbaren Seiltanz von Lehrern in heutigen Schulen in den USA darstellenden Film „Detachment“ gibt es in diesem Film keinen Amoklauf, keine Toten.
Sondern "nur" das tägliche Drama des Versuchs der Lehrer, dreizehnjährigen auch untereinander fremden Einwandererkindern einen europäischen Lehrstoff in europäischer Unterweisungsart einzutrichtern.

Der Film hat mir noch einmal mehr gezeigt, dass es ein unmögliches Unterfangen ist, alle diese Menschen aus der sog. Dritten Welt, die eigentlich bildungsresistent sind, bunt zusammengewürfelt in eine auch noch geschlechtlich gemischte Schulklasse zu setzen und nach europäischem Modell gemeinsam zu unterrichten in etwas, woran sie weder interessiert sind noch Zugang dazu haben.
Die Lehrer wiederum keinerlei Zugang zu deren Identitäten und ihren Wertesystemen und den sich daraus ergebenden absurd wirkenden Problemen bekommen, weil diese ihr Vorstellungsvermögen übersteigen.

Der Hauptdarsteller lässt am Ende des Schuljahres und Filmes alle Schüler sich dazu äußern, was sie gelernt hätten.
Einige erzählten irgendeinen Schwachsinn, den sie falsch verstanden hatten, und einige sagten ehrlich: "Nichts, ich habe gar nichts gelernt."
Was diese ganze gefährliche Zwangsveranstaltung noch einmal mehr, auf der Metaebene der Sinnhaftigkeit, in Frage stellt.

Warum also das Ganze, diese Quälerei für alle Beteiligten ?
Reine, placebohafte Beschäftigungstherapie und das Fernhalten der Jugendlichen von den Straßen, und/oder eine Einrichtung, die Klassenunterschiede aufrechterhalten und etablieren soll ?

Aber: was sonst, welche Alternativen gibt es ?

Der Film liefert, wie einige Kritiker ihm vorwerfen, wirklich nur eine Bestandsaufnahme, ist nicht lösungsorientiert.
Aber wenn es eine Lösung gäbe, würden Filme dieser Art doch wohl kaum gedreht und gezeigt werden müssen.

Auch mich hat er völlig entnervt und demoralisiert zurück gelassen.
Aber genau deshalb ist er für mich so sehenswert, denn nur wenige Menschen können sich ohne solche filmischen Bestandsaufnahmen ein Bild davon machen, was heutzutage an europäischen Schulen stattfindet.
Diese Realität zu kennen ist aber Bürgerpflicht.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Sein und Haben - Être et avoir
Sein und Haben - Être et avoir von Georges Lopez (DVD - 2009)
EUR 14,99

Paris je t'aime
Paris je t'aime von Juliette Binoche (DVD - 2007)
EUR 7,99

La classe - entre les murs [IT Import]
La classe - entre les murs [IT Import] von Francois Begaudeau (DVD - 2009)
EUR 14,94