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am 11. Juli 2013
(Mehr ein Essay als eine Rezension)

Als bekennender Wrestling-Fan und Kenner der Szene, seit nun mehr als über 25 Jahren, ist es mir immer wieder ein Anliegen gewesen, dass der „Wrestling-Sport“ in der breiten Öffentlichkeit in respektabler Art und Weise dargestellt wird.
Regisseur Darren Aronofsky und Hauptdarsteller Mickey Rourke (der mit seiner atemberaubenden Performance auftrumpft) haben es geschafft einen authentischen und vor allem würdevollen Film über das Schicksal eines professionellen Wrestlers zu zeigen. Mit einem dreimal ausverkauften Gartenbaukino und stehenden Ovationen der Zuschauer ist der Film honoriert worden und avancierte dadurch zum großen Highlight der Viennale 2008, bei dem ich den Film zum allerersten Mal begutachten konnte und mit voller Begeisterung über diesen tollen Film, den Kinosaal verließ.

Mein besonderes Augenmerk möchte ich auf die Darstellung von Mickey Rourke als Randy „The Ram“ Robinson legen und dabei versuchen einige Fragen argumentativ zu untermauern. Inwiefern entsprechen die gezeigten Szenen im Film der Realität?
Hierbei werde ich versuchen chronologisch vorzugehen und theoretische Fakten mit Beispielen aus dem Film in einem Kontext zu stellen bzw. mit empirischen Beispielen zu veranschaulichen, sodass die einzelne Fragen, die der Film offensichtlich aufwirft, gänzlich beantwortet werden können. Wie viel vom Schauspieler Mickey Rourke steckt tatsächlich in der Figur des Randy „The Ram“ Robinson? Anhand welcher Kriterien ist zu erkennen, dass der Film versucht möglichst authentische Momente einzufangen?

Erläuterungen einiger Szenen aus dem Film The Wrestler (2008)
Die erste interessante Szene auf die ich eingehe, findet in der zwölften Minute des Filmes statt. Randy „The Ram“ Robinson ist in der Umkleidekabine und bereitet sich auf seinen Kampf vor, der unmittelbar bevorsteht. Wir sehen ihn, wie er eine Rasierklinge nimmt und sie mit Hilfe eines Tapes geschickt unter sein Handgelenk „versteckt“. Was hat es mit dieser Szene auf sich? Um die Dramatik in einem Wrestling-Match zu steigern, wird oft „gebladet“, so der korrekte Terminus im professionellen Wrestling. Ist ein Match bereits eine gewisse Zeit im Gange, kommt es (wenn es bereits vorher abgesprochen worden ist) zum „Blading“. Hierbei zückt der Wrestler, der gerade von einem zB: schweren Stuhlschlag getroffen oder auch, wie es im Film der Fall ist, auf einer entblößten Ringecke (bei der die Polsterung vom Gegner entfernt worden ist) mit dem Kopf aufkommt, in einem passenden Moment, in dem auch der Kameramann gezielt auf seinen Kontrahenten oder auch in die Menge filmt, seine versteckte Rasierklinge und ritzt sich ein wenig die Stirn auf. Da die Stirn eine gut durchblutete Stelle und der Wrestler ständig in Bewegung ist und dabei schwitzt, vermehrt sich das Blut recht schnell und dies beschleunigt den dramatischen Effekt, gleichzeitig assoziiert der Zuschauer die Blutung des Wrestlers mit der „unfairen“ Aktion, die kurz zuvor stattgefunden hat.
Es dauert nicht lange bis es zum Ende des Kampfes kommt. Unmittelbar nach dem Matchende wird der Wrestler dann vom Arzt im Backstage-Bereich erstversorgt. Diese besagte Szene ist glänzend von Darren Aronofsky inszeniert worden, genauso wie die zuvor besprochenen Matchausgänge mit den Wrestlern.
Im Backstage-Bereich besprechen die einzelnen Wrestler den Matchverlauf ihres Kampfes und erläutern dem Gegner welche Moves sie dabei einsetzen bzw. wie sie den Kampf aufbauen wollen. Die Protagonisten fungieren dabei als Regisseure und Drehbuchautoren, die in der Lage sind, den ganzen Ablauf des Kampfes bereits im Kopf zu entwickeln, noch bevor der eigentliche Kampf überhaupt stattgefunden hat.
Wrestler sind Sportler, Schauspieler und Stuntmänner in einer Person und haben es als Aufgabe, diese Komponenten gut zu vereinen.
Wrestling ist „Sports Entertainment“ und auf diesen Ausdruck beharren alle Wrestling-Organisationen auf der Welt. Eine Art „Soap Opera“ im sportlichen Sinne. Aronofskys The Wrestler ist in vielerlei Hinsicht eine Hommage an das Wrestling und versucht es nicht zu belächeln, sondern verschafft vielmehr einen tiefen Einblick in die Materie.
So auch die Szene im Stripklub, bei der die Stripperin Cassidy (gespielt Marissa Tomei) die Platzwunde an Randys Stirn bemerkt und sagt: „They say Wrestling is fake“ und Randy darauf erwidert: „I’ll show you fake!“ und ihr seine sichtbaren Narben zeigt, die er im Laufe seiner langen Karriere durch unzählige Verletzungen im Ring erlitten hat. Mit diesem Satz geht Randy in die Offensive spricht somit jedem einzelnen Wrestler bzw. Wrestling-Fan aus der Seele. Natürlich sind Matches besprochen und geplant und sicherlich steht der Gewinner des Kampfes bereits vorher fest. Doch wer verliert oder gewinnt ist im Wrestling-Sport zweitrangig. Die oberste Priorität ist es, den Zuschauer mit tollen Moves und Manövern im Ring zu fesseln und zu unterhalten. Dabei wird im engen Körperkontakt „gearbeitet“ und darauf geachtet seinen Kollegen nicht ernsthaft zu verletzen. (Doch wie in jeder anderen Sportart sind Verletzungen nicht ausgeschlossen.) Diese Aufgabe erfüllen die Wrestler mit großer Bravur und zum großen Teil ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit. Auch wenn es so einfach aussieht: Landen Sie doch beinahe täglich mehrere Male mit dem Rücken auf der harten Ringmatte auf oder krachen durch Holztische und fallen von einer vier Meter hohen Leiter. Spätestens dann werden Sie merken, dass diese Männer in der Tat große Opfer vollbringen, nur um ihre Fans zu unterhalten.
Und genau dies und nichts anderes versucht Randy „The Ram“ dem Laien in dieser Szene zu vermitteln.
In den folgenden Szenen versucht Aronofsky den Lifestyle eines Wrestlers dem Zuschauer näher zu bringen. Solarienbesuche sowie tägliches Training, sowie ein gepflegtes Äußeres gehören dabei zum Alltag. Für Zündstoff sorgt der Regisseur beim Tabuthema ‚Steroide’. Es ist offensichtlich, dass auch im professionellen Wrestling, wie in jedem anderen Profisport auch, ein Großteil der Wrestler mit Steroiden arbeitet. Doch die Steroide alleine bringen diese Menschen nicht zu Fall.
Es ist der „Crazy Lifestyle“, den sie nachgehen. Alkohol, Steroide, diverse Designerdrogen, Partys, sowie die Abhängigkeit von verschiedenen Schmerzmitteln und das ständige „on the road“ sein, (manchmal sogar bis zu 300 Tage im Jahr) tragen gemeinsam dazu bei, dass viele Wrestler leider kein hohes Alter erreichen und sehr viele, bereits in ihren Dreißigern und Vierzigern viel zu früh verstorben bzw. sehr früh körperliche Schäden davongetragen haben und im Rollstuhl gefesselt sind. Dies wird dem Zuschauer in der Szene bewusst, in der Randy bei einem sehr mäßig besuchten „Legends Signing“ teilnimmt und seine in die Jahre gekommenen Kollegen wieder sieht. Der eine trägt eine Beinprothese, der andere braucht seine Krücken und ein weiterer sitzt im Rollstuhl und ist inkontinent. Selbst Randy ist keine Ausnahme. Er trägt ein Hörgerät, braucht seine Lesebrille, sein Körper ist mit unzähligen Narben übersäht und er hat gerade eine schwere Bypass-Operation hinter sich. Ein körperliches Wrack, im wahrsten Sinne des Wortes.
Auch das Thema ‚Familie’ greift der Regisseur auf. Da sehr viele Wrestler eine sehr lange Zeit „on the road“ sind und in verschiedenen Städten rund um den Globus auftreten, sind es die eigenen Kinder und die Ehefrau, die darunter zu leiden haben. Im Film sehen wir in einer ergreifenden Szene, wie Randy versucht sich bei seiner Tochter für die verlorene Zeit zu entschuldigen und zugibt seine väterlichen Pflichten vernachlässigt zu haben.
Dieses Thema ist auch eng mit dem Thema der ‚Einsamkeit’ verknüpft. Ein zerrüttetes Familienleben führt sehr oft zur Trennung, Scheidung und Abkapselung. Und diese Einsamkeit ist ein großer Wegbegleiter von Randy im Film. Wie zu Beginn des Filmes zu sehen ist, haust er alleine in einem Wohnwagen und hat kaum Geld die Platzmiete zu bezahlen und ist gezwungen Gelegenheitsjobs in einem Supermarkt anzunehmen um sich über Wasser halten zu können. Hier versucht Aronofsky wieder gegen ein Vorurteil anzukämpfen. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass sich viele Wrestler nach ihrer aktiven Karriere mit einem schönen Sümmchen zur Ruhe setzen können. Jedoch sieht die bittere Realität anders aus. Ein Bruchteil der Wrestler schafft es, alleine vom Wrestling-Sport leben zu können. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass mehr als die Hälfte aller Wrestler, selber für Fahrten und Hotelaufenthalte aufkommen müssen und weil viele keine ausreichende Ausbildung nachweisen können, sind sie gezwungen bis ins hohe Wrestlingalter in den Ring zu steigen.
Es gibt sehr wenige Ausnahmen und Randy ist keine davon. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, weshalb man überhaupt den Beruf eines Wrestlers ergreifen möchte?
Die Antwort, die Ihnen jeder Wrestler geben würde ist folgende:
Es ist die Liebe zu den Fans und die Anerkennung, die sie für ihre Aufopferung von ihnen erhalten. Und dies beruht auf absoluter Gegenseitigkeit. Wrestler setzen ihren Körper beinahe täglich aufs Spiel nur um ihre Fans zu unterhalten.
Der Adrenalinkick, den sie dabei verspüren, wenn sie vor einem Live-Publikum auftreten gibt ihnen ein unbeschreibliches Gefühl. Allein die Tatsache, dass die Fans ihr hart verdientes Geld für eine Wrestling-Show ausgeben, anstatt für einen „echten“ Wettkampfsport zeigt, dass sich doch etwas mehr als nur „Show“ dahinter verbirgt. Einen solch’ gegenseitiger Respekt zwischen Fans und den Akteuren im Ring sehen wir nur selten bei anderen Sportarten.
Dies liefert uns Regisseur Darren Aronofsky in der stärksten Szene des Filmes, der Schlussszene und der damit verbundene Monolog von Randy im Ring, adressiert an seine Fans:

"I just want to say to you all tonight I’m very grateful to be here. A lot of people told me that I’d never wrestle again and that’s all I do. You know, if you live hard and you play hard and you burn the candle at both ends, you pay the price for it. You know in this life you can lose everything you love, everything that loves you. Now I don’t hear as good as I used to and I forget stuff and I ain’t as pretty as I used to be, but goddamn, I’m still standing here and I’m The Ram. As time goes by, they say ‚'he’s washed up', 'he’s finished', 'he’s a loser', 'he’s all through'. You know what? The only one who’s going to tell me when I’m through doing my thing is you people here. You’re my family."

Dieses Statement ist wahrlich eine Liebeserklärung und eine Hommage an alle Fans, denn sie sind in der Tat die wahre Familie eines Wrestlers und lassen ihn niemals im Stich. In Randys Fall wird dies ganz klar. Am Ende hat er alles verloren. Seine Tochter, seine Arbeit, seine Freundin, doch die Liebe seiner Fans hält ewig, denn nur im Ring fühlt er sich wirklich zu Hause und geborgen und wird nicht ständig von der Außenwelt verletzt. Seinen letzter Satz, den er im Backstage-Bereich an Pam richtet, verdeutlicht dies sehr gut: „ The only place I get hurt is out there. The world don’t give a s*** about me. [...] You hear them? This is where I belong.“

Mickey Rourke vs Randy „The Ram“ Robinson
Mickey Rourke schafft es mit seiner eindringlichen Darstellung ein ganzes Kinopublikum zu lähmen. Schauspieler und Figur verschmelzen ineinander. Rourke, der einst gefallene Hollywoodheld der 80er Jahre, versuchte sich in den 90er Jahren als Boxer. Doch die große Boxkarriere blieb aus und ein tiefer Abgrund ins Nichts folgte. Die psychischen sowie physischen Wunden sind heute deutlich erkennbar.
Die Rolle des Wrestlers ist Rourke auf dem Leib geschrieben, spiegelt in großen Teilen sein eigenes Leben wider. Seine Aufopferung, Ehrlichkeit und Hingabe für die Figur kennt keine Grenzen. Dieser Tatsache war sich auch Regisseur Aronofsky stets bewusst, als er den einstigen Hollywoodbeau für diese Rolle unbedingt verpflichten wollte.
14 Jahre ist Rourke von der Bildfläche verschwunden gewesen. Der Verlust des Ruhmes, des Geldes, der Freunde und der Familie haben diesen schwer zugesetzt. Auseinandersetzungen mit Autoritätspersonen sowie seine Aggressionen und Wutausbrüche sind kaum zu bändigen gewesen, bis er letztendlich auf Darren Aronofsky trifft und ihm die Rolle seines Lebens verspricht unter der Bedingung, dass er alles tue was der Regisseur von ihm verlangen würde und ihn dabei niemals in Frage stellen bzw. vor Cast und Crew seine Autorität untergraben würde.
Weiters erhielt der Hauptdarsteller die Möglichkeit, Teile des Drehbuches umzuschreiben um seine Dialoge mit eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit Ausdruck zu verleihen. Dies ist besonders im zuvor erwähnten Schluss-Monolog des Filmes, sowie auch im aufklärenden Gespräch mit seiner Tochter Stephanie, als er sie um Verzeihung bittet, der Fall. Diese Szenen sind komplett von Mickey Rourke improvisiert worden.

Was macht The Wrestler zu einem herausragenden Film?
Aronofsky bleibt mit der Kamera dicht bei seinem Hauptprotagonisten.
Der komplette Film ist mit der Handkamera gedreht worden, um einen dokumentarischen Stil zu erzeugen. Rourke verkörpert den Wrestler so gekonnt, sodass der Zuschauer das Gefühl bekommt, er sehe gerade ein Biopic eines echtes Wrestlers, denn seine Haltung, seine Gestik, seine Mimik sowie sein gesamtes Auftreten und Erscheinungsbild sind bestens aufeinander abgestimmt. Hinzu kommt, dass der Film an Originalschauplätzen spielt und dabei eine authentische Wrestling-Kulisse mit einem echten Ring und echten Wrestling Fans zeigt, denn die Aufnahmen im Ring sind unmittelbar nach einer echten Wrestling-Veranstaltung entstanden.
Weiterhin wurden für diesen Film zahlreiche Profi-Wrestler gewonnen. Mit dem ehemaligen Wrestler und heutigen Wrestling-Trainer Afa Anoa’i, der Mickey Rourke für den Film glänzend vorbereitet hat, konnte ein weiterer Star und Berater aus der Wrestling-Szene engagiert werden.
Eine große Anerkennung gebührt dem Regisseur, der diesmal auf aufwendige Montagearbeiten verzichtet hat ("Requiem for a Dream") und versucht mit "The Wrestler" eine geradlinige Story zu erzählen und die Kunst des Wrestlings, durch Blicke hinter die Kulissen, in den Vordergrund zu stellen. Der Zuschauer bekommt somit eine ausführliche Einführung in die Welt des Wrestlings.
Der Film ist ein bewegendes Portrait eines gefallenen Helden, der einfach erzählt ist und es durchaus verdient hat, bei einem breiten Publikum Gehör zu finden.
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am 30. Oktober 2011
"So intensiv, dass man den Blick nicht mehr abwenden kann!"
Selten habe ich eine Kritik auf der Vorderseite einer DVD gelesen, die so viel Wahrheit enthält.

Der Film ist schlicht und ergreifend genial! Ich selbst kenne nur wenig andere Werke, die Sportfilm und Melodrama so geschickt miteinander verbinden können (siehe Million Dollar Baby). Selbstverständlich ist es keine Überraschung, dass Actionfans von dem Film enttäuscht sein werden, jedoch finde ich es mehr als nu positiv, dass Mickey Rourke seine Rolle als knallharter Einzelkämpfer stillgelegt und mit "The Wrestler" eine völlig neue schauspielerische Dimenson geöffnet hat. Nämlich die des Dramas. Rourke beweist hier besser denn je, dass er eben auch anders kann. Es muss doch nicht immer der harte Junge sein. Manchmal ist ein einfacher Mensch besser. Manchmal ist weniger mehr.

Bei "The Wrestler" bekommt der Zuschauer ca. 105 Min. einen tragischen, aber doch mitreißenden Einblick in die verletzte Seele eines Profi Wrestlers. Der Film scheut sich nicht und zeigt in vielerlei Hinsicht die kalte Realität, besonders in dem Thema Schicksalschlag. Verdeutlicht wird auf knallharte Fasson, dass kein Mensch vor dem Schicksal geschützt ist. Weder ein Wrestler noch ein Büroarbeiter. Der Film endet aprubt und lässt den Zuschauer eiskalt zurück. Ein derartiges Ende war von so einem Film zwar zu erwarten, dennoch passt es wie die Faust auf's Auge. Mehr möchte ich in dieser Hinsicht jedoch nicht verraten.

Die Alterfreigabe ab 16 Jahren ist durchaus berechtigt und sinnvoll. Der Streifen spiegelt auf äußerst brutale, ja fast schon verstörende Art und Weise, die Facetten des Lebens wider. Zwar stehen die Wrestling Kämpfe hier nur an zweiter Stelle, jedoch sind diese auch sehr brutal und drastisch gehalten, was die Alterbsbegrunzung ebenfalls rechtfertigt.

Fazit: Absoluter Geheimtipp für jeden, der bei Filmen auch gern mal das Gehirn einschaltet. "The Wrestler" ist zwar keine leichte Kost, jedoch trotzdem ein absolut sehenswertes Meisterwerk, dass sich durch die geschickte Verschmelzung zweier Filmgenre auszeichnet.
Uneingeschränkt empfehlenswert!
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am 18. September 2009
Es heißt ja bekanntlich, dass Männer wie Weine sind: Je älter desto besser! Mickey Rourke alias "The Ram" zeigt eindeutig, dass ein Mann gezeichnet durch das Leben mit Ecken und Kanten durchaus ein neue Maßstäbe für Attraktivität setzt.

"The Wrestler" ist ein Sportfilm der besonderen Art. Meisterhaft erzählt er die Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach Liebe ist. Der Regisseur Darren Aronofsky konzentriert sich entgegen der normalen Erwartungen weniger auf die den Ruhm oder die glanzvollen Zeiten des Sportlerdarseins, sondern auf die Schattenseite. Der Film beginnt am Ende der Erfolgsstaße. Ein gelungenes Bild eines Mannes außerhalb der Rings/Arena. The "Ram" versucht in dem Film fast schon verzweifelt eine Beziehung aufzubauen, sei es zu seiner Tochter, der er jahrelang kein wirklicher Vater gewesen ist oder zu Stripperin Cassidy. Facettenreich wird dargestellt, wie die Menschen ihn außerhalb des Rings sehen und als ehemaligen Wrestling Star wahrnehmen. Von Zuneigung, Bewunderung, Sympathie bis hin zu geringer Wertschätzung ist alles dabei. Die Kinder auf dem Trailer Park sehen ihn als den großen Kameraden, der Lagerchef mit Verachtung, die Fans, jene die sich an seine guten Zeiten erinnern, bewundern ihn. Frust, Schmerz und Einsamkeit werden in mehreren Szenen berührend dargestellt.

Der Film zeigt, trotz des Focusses auf der Gefühlsebene auch eindrucksvolle Wrestling Szenen und Stunts. Aronofsky hat mit der Wahl seiner Schauplätze hervorragend, die melancholische Stimmung, des Filmes untermalt. Der Zuschauer kann sich mühelos in die Lage des Wrestlers hineinversetzen. Das ganze wird nur noch durch das Ende getoppt. Der Film erreicht seinen emotionalen Höhepunkt mit der Entscheidung die "The Ram" für sich, sein Leben getroffen hat, um seinen Frieden mit sich und der Welt zu finden. Alles in allem ein authentisch inszeniertes Meisterwerk über das Leben eines Sportler.
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Wäre es kein Film über einen Wrestler, dann könnte es auch genau so gut um einen 80er Jahre Rockstar gehen, Mötley Crüe oder eine dieser Bands (oder eben um einen gefallenen Filmstar wie Mickey Rourke), bei denen es um Spaß ging statt um Botschaft, bis dann Kurt Cobain kam und alles "ruinierte". Dieses Zitat aus The Wrestler hat mir besonders gut gefallen. Regisseur Darren Aronofsky zeigt, wie auch bei der extrem intensiven Balletstudie Black Swan, einen geradezu physisch spürbaren Film über das Wrestling und einen abgehalfterten, tragischen Star dieser eigenartigen Show-Sport Szene. Anders als bei Black Swan gibt es in The Wrestler auch einige leichtere, sogar lustige Szenen, etwa wenn der Wrestler bei seinem Job an der Fleischtheke versucht einer für ihn unerträglichen-trivialen, anständigen Arbeit nachzugehen. Sein wahres Talent entfaltet der Wrestler im Ring, vielleicht keine weltbewegende Sache, aber dort bekommt er zumindest Anerkennung und ist Jemand. Im Alltag ist er ein Niemand.
Es überwiegen aber die traurigen Momente, etwa wenn der Ex-Sportler versucht Kontakt zu seiner Tochter aufzunehmen oder sich Hoffnungen auf eine Beziehung mit einer Stripperin macht. Immens beeindruckend und intensiv sind die Szenen im Ring, wenn die Kämpfer so tun als ob sie ernsthaft kämpfen würden statt nur eine Show abzuziehen. Echt sind zumindest die Schmerzen, aber eben auch der Applaus. Doping, Trailerpark und Autogrammstunden, bei denen den wenigen Interessierten, wie einem kleinen Jungen Autogramme für 5 Dollar verkauft werden. Das Showgeschäft in ungeschönter, deprimierender Ehrlichkeit. Wenn der Wrestler mit seinem Nachbarsjungen ein Wrestling-Videospiel aus den 80er Jahren spielt, in dem er als Figur dabei ist, und der Junge eigentlich viel lieber Call of Duty spielen würde, hat er das Mitgefühl jedes sensiblen Zuschauers auf seiner Seite und wenn er gegen Ende ein Plädoyer für seine Kollegen und sich hält, dann fällt es schwer über diese trashigen Stars zu lachen, auch sie wollen nur das Beste aus ihren Leben machen.

Ein sehr intensiver, berührender und technisch brillanter Film!
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am 7. Juli 2015
...gesehen dank Amazon Prime!

Durch Zufall bin ich auf dieses Goldstück gestoßen.
Hier wird Kino groß geschrieben.
Hier wird die Härte des Lebens, des Ruhms und des schnellen Falls mehr als klar und deutlich gezeigt.
Die Wahrheit steckt hinter jedem Satz, hinter jeder Zeile, hinter jedem gezeigten Bild.
Schicksal, Liebe, Härte, Das Leben - Ein Wahnsinn wie gut das subtil vermittelt wird.

Kurz:
Drehbuch - TOP
Schauspieler - TOP
Kulisse - SUPER!!
Musik - TOP

Taucht einfach ein in die Show.
Wrestling von beiden Seiten betrachtet - hinter der Bühne und auf der Bühne.
Es ist einfach eine Wahnsinns Geschichte die hier gezeigt wurde.
Ein Hoch auf die Leistung von Mickey in diesem Streifen!!

Vollste Empfehlung und volle fünf Sterne für dieses Meisterwerk!
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am 3. Februar 2012
Mich selber hat der Film sehr überzeugt und auch mitgenommen. Auch wenn ich kein Wrestling Fan bin.

Wegen des Films brauch ich wohl kaum eine Bewertung schreiben, denn derjenige der sich für den Film intressiert wird sich wohl auch grob die über 100 Bewertungen bei der The Wrestler [Blu-ray] anschauen.
Der Film bleibt ja der Gleiche.

Deswegen sage ich lieber was zu der Blu Cinemathek Verpackung.
Diese besteht komplett aus Pappe, bis auf ein wenig Hartplastik wodrin die Blu-Ray ist.
Ein FSK Logo ist als Aufkleber auf der Plastikverpackung, nicht auf den Hülle. Die Hülle ist aber nicht wie abgebildt Schwarz-Weiß, sondern in Farbe. Genau wie der Einschub.

Auf dem Einschub ist wieder ein FSK 16 Logo. Diesmal aber drauf gedruckt. Wenn man den Einschub aufklappt sieht man auf der rechten Seite eine Bild vom "Wrestler" wozu eine Beschreibung von Mickey Rourke über die Persönlichkeit des Wrestlers steht. Auf der Linken ist eine kurze Zusammenfassung und Rezension zum Film.

Wer sich also den Film holen möchte, die Pappe nicht stört oder es sogar lieber mag kann hier ruhig zugreifen.
Ihn wird ein gutes Drama geboten, wo man mitfühlen kann.

p.s.: Die Bildqualität ist kein Highlight 3 von 5. Stört aber bei so einem guten Film auch nicht denn man guckt ihn nicht um in die Sitze gedrückt zu werden.
Für den Ton gilt das gleiche 4 von 5.
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am 23. August 2013
Von vorne weg: Wer einen Wrestling-Film mit möglichst viel Action und Kampf-Szenen sucht, wird bei "The Wrestler" nicht fündig und nicht glücklich werden.
Wer jedoch einen ruhigen, tiefen und gefühlvollen Einblick in eine gescheiterte Existenz einer ehemaligen Größe der Szene sehen möchte, ist bei diesem Film genau richtig.

Viele Szenen dieses Films berühren und lassen mit dem einsamen, aber doch auf eine seltsame Weise sympathischem Protagonisten mitfühlen (wie er beispielsweise mit einem Nachbarskind ein uraltes Video-Spiel spielt, nur um nicht allein zu sein.)

Es gibt einige Wrestling-Szenen, die z.T. nichts für ganz Zart-Besaitete sind (Hardcore Wrestling - viel Blut/Schmerz), die jedoch realistisch dargestellt sind und auch die negativen Aspekte des Sports (Missbrauch von Steroiden, Schmerzmitteln, usw.) werden beleuchtet.

Herrausragend fand ich v.a. die Leistung von Mickey Rourke.
Alleine schon optisch ist er die perfekte Besetzung, aber auch die Parallelen seines Lebens zu dem Leben des Protagonisten machen ihn zum idealen Schauspieler für eben diese Rolle und er hat seine Arbeit brilliant gemacht (ich habe gelesen, es sollte eigentlich Nicolas Cage oder Sylvester Stallone werden -> Gott sei dank, es kam anders!).

Viele hier haben das Ende des Films kritisiert. Ohne viel verraten zu wollen:
Mir hat es gefallen, es ist jedoch ganz klar Geschmackssache. Der Film ist kein klassisches Popcorn-Kino, wo alles inklusive Ende vorhersehbar ist, und der Abschluss von "The Wrestler" ist da keine Ausnahme.
Lasst eure eigene Vorstellung spielen und ihr werdet es mögen.

Fazit: Kein Popcorn-Kino, wenig Action, lädt zum Nachdenken ein. Wer lieber Geballere und Kampf sehen möchte, muss sich woanders umschauen.
Wer bereit ist, sich mit der Geschichte und auch mit vielen ruhigen Szenen (die böse Zungen wohl als "Längen" auslegen würden) auseinanderzusetzen, ist hier genau richtig!
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am 10. September 2009
"The Wrestler" ist kein Actionfilm, obwohl der Film tief in das Leben eines Profiwrestlers blicken lässt. Bei diesem Film handelt es sich eher um ein Drama um den in die Jahre gekommenen Wrestling-Star Randy "The Ram" Robinson, der nach zwanzig Jahren immer noch im Geschäft tätig ist, weil er keine andere Perspektive hat seinen Lebensunterhalt auf andere Art und Weise zu verdienen. Überhaupt bedeutet das Wrestling alles in seinem Leben, es gibt ihm Halt und bringt ihm Anerkennung. Freundschaften und Familie hat er nicht, bis auf seine Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood), bei der er sich jahrelang nicht gemeldet hat.

Randy (gespielt von Mickey Rourke) hält sich mit billigen Kämpfen über Wasser und bewegt sich ständig am Rande des Existenzminimums. Seine beste Zeit hat er längst hinter sich gelassen, vom einstigen Erfolg ist ihm nichts geblieben. Mit der Einnahme von Steroiden versucht er seinen alternden Körper in Schuss zu halten. So kommt es unerwartet zu einem Herzanfall, den Randy während eines Kampfes erleidet. Die Ärzte warnen ihn vor Überanstrengung und raten ihm, seine Karriere als Wrestler aufzugeben. Randy sucht sich einen Job als Delikatessenverkäufer, der ihm zunächst Spaß aber nicht glücklich macht. Den einzigen Trost findet er bei Stripperin Cassidy, die er allabendlich im Stripplokal besucht und zu der er sich hingezogen fühlt. Auch sie kämpft gegen die Zeichen des Älterwerdens und ist als allein erziehende Mutter ebenfalls auf ihr Publikum angewiesen. Auf ihren Rat hin und um der Einsamkeit zu entfliehen, beginnt er nach Jahren wieder die Nähe zu seiner Tochter zu suchen.

Es scheint, als würde Randy einen neuen Weg einschlagen und sein Leben in neue Bahnen lenken, bis er das Angebot auf ein großartiges Comeback bekommt. Er widersetzt sich dem Rat seiner Ärzte und beginnt für seinen großen Kampf zu trainieren...

Mickey Rourke spielt seine Rolle authentisch, sei es als harter Hund in nicht ungefährlichen zweitklassigen Showkämpfen oder als verzweifelter Einzelgänger, auf der Suche nach ein wenig Zuwendung, die ihm regelmäßig verwehrt bleibt. Das Drama zeigt auf sehr emotionale Weise, wie sich Randy in ausweglose Situationen manövriert und lässt somit den Zuschauer an Randys Schicksal teilhaben. Verstärkt wird dieses durch die Kameraführung, die den Protagonisten oft von hinten zeigt und den Zuschauer aus Randys Perspektive auf die Dinge blicken lässt. Die Tragik des Hauptdarstellers wird durch seine lockere Art aufgefangen, sodass der Zuschauer nicht nur um ihn bangen, sondern auch über ihn schmunzeln muss.

Darren Aronofsky hat mit "The Wrestler" einen Film geschaffen, der auf dem schmalen Grad zwischen dem knallharten Showbusiness und der Tristesse des Alltags und Einsamkeit abseits des Rampenlichts wandelt. Er schafft es auf einfühlsame Art, dem Zuschauer einen Einblick in das Leben eines gealterten Stars zu gewähren und fesselt ihn von Minute zu Minute bis hin zum großen Finale.
Ein besonderer Film, der emotional berührt und bewegt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 25. September 2010
© Tonio, filmkritik99.jimdo.com

"Schreib mal 'n Catcherfilm!" Während Barton Fink in dem gleichnamigen Film an den stereotypen Anforderungen des Genres gescheitert ist, zeigt Darren Aronofsky, dass dem Catcherfilm durchaus etwas abzugewinnen ist. "The Ram" Randy Robinson (Mickey Rourke) ist ein abgehalfterter Wrestler und das, was man White Trash nennt. Am Ende wird sich erweisen, dass dieser Mann außerhalb seiner Wrestling-Welt lebensunfähig ist. Obwohl es gerade diese Welt ist, die ihm eine finanzielle und mentale Existenz außerhalb ihrer unmöglich gemacht hat und die für ihn lebensgefährdende Gesundheitsrisiken geschaffen hat: Dort ist er zu Hause, dort wird er geachtet und verehrt. Es zieht ihn zu dem, was seinen Untergang bedeutet. Der Film zeigt daher eine recht interessante tragische Paradoxie.

Ganz ohne Kitsch kommt er nicht aus; so gehört die strippende Freundin mit Herz (Marisa Tomei) zum Genre-Inventar, und die Wrestlingszene wird zwar als einverständig brutal gezeigt, aber ansonsten als große, heile Familie, in der man zusammenhält und in der die Fans voller aufrichtiger Begeisterung sind. Als ob sich das nicht in Sekundenschnelle ändern könnte, als ob dadurch wirkliche Wertschätzung einer Person statt einer Kunstfigur zum Ausdruck käme, als ob es nicht unter den Wrestlern und Managern, wie bei allen Menschen, auch einmal eine Ansammlung schlechterer Eigenschaften gäbe. Ein bißchen hat mich der Film in solcher Verklärung an "Boogie Nights" (1997) mit seinem Blick auf eine Porno-Produktionscrew als Ersatzfamilie erinnert. Denn bei beiden Filmen kann man Kritik üben - aber sich auch daran erfreuen, dass sie verdammt gut erzählt sind, und deswegen die Höchstwertung vergeben. In seiner Vielschichtigkeit muss "The Wrestler" zwar hinter einem Sportdrama wie "Million Dollar Baby" zurückstehen, in dem ebenfalls jemand den (weitaus konfliktträchtigeren) Sport zu seinem Leben erklärt hat. Aber dafür ist "The Wrestler", das, was man "pures Kino" nennen kann. Darren Aronofskys Film entfaltet einen Sog, der sehr direkt, sehr massiv, sehr effektiv die Magengrube des Zuschauers ergreift und im positiven Sinne zu einem "Kino der Gefühle" wird. Hierzu benutzt die Regie nicht die weichgespülten Kitsch-Stilmittel, die man gemeinhin mit dem Schlagwort "Gefühlskino" assoziiert. Sondern Mittel, mit denen wir unmittelbar mit The Ram fühlen. Und was er fühlt, ist mitunter nicht schön. Wie im Horror-Bereich David Cronenberg, erschafft Aronofsky ein betont körperliches Kino und verwendet den menschlichen Körper als Projektionsfläche. Was mit ihm passiert, passiert auch mit dem Menschen. Und obwohl Wrestling-Kämpfe abgesprochen sind, zeigt Aronofsky härter und direkter als jede Wrestling-Übertragung, was Kämpfer mit ihrem Körper zu tun bereit sind. Allein die Besetzung mit Mickey Rourke... Dass der Mann vermutlich kaum Maske brauchte mit dem durch Drogen und schlechte ärztliche Behandlung nach Boxkämpfen aufgeschwemmten Gesicht, ist erschütternd, und hat ihm doch eine klasse Rolle verschafft. Der Zustand kurz vor dem Absturz ist dem Mann in jeder Sekunde und an jeder Faser seines Gesichts anzusehen. Wieder einmal tragisch paradox ist, dass The Ram erst auflebt, wenn dieses sein Gesicht und wenn sein Körper so richtig in die Mangel genommen werden, wobei mitunter auch Blut fließt. Ein Mal sehen wir, wie The Ram in einem Kampf auftritt, in dem Glas, Stacheldraht und ein Tacker zum Einsatz kommen. Dies zeigt, dass Wrestling eine Unschuld verloren hat und dass The Ram eine Kampfform mitmachen muss, die er zu Zeiten seines Starruhms wohl kaum nötig gehabt hätte. Der geschundene Körper entspricht zwar auch einer Beschädigung der Seele, aber The Ram nimmt sie freudig entgegen, sofern sie nur im Ring geschieht. Außerhalb des Ringes schottet er sich ab, versteckt sich in einer sehr voluminösen Jacke und lässt die Kamera oft nur von hinten an sich heran. Im Ring entblößt er sich. Blutüberströmt, aber augenscheinlich zufrieden und scherzend ist er nach dem Kampf in der Umkleide - ein ganz normaler Alltag, an dem jemand nichts weiter tut als seine Arbeit. Der Schock sitzt umso tiefer, wenn Aronofsky erst DANACH zeigt, was bei dem Kampf alles passiert ist - nachdem wir uns angesichts des blutenden Randy bereits das Schlimmste ausmalen, zeigt der Film, dass alles noch unsagbar brutaler war. Das sieht zwar mitunter eklig aus, verfehlt aber seine Wirkung nicht. Aronofsky hatte schon in "Pi" im wahrsten Sinne des Wortes das Gehirn eines Hochbegabten "freigelegt", damit schutzlos gemacht und als Metapher tatsächlich ein herumliegendes Hirn gezeigt. Hier arbeitet er wieder mit solcher Körper-Sprache, die bei ihm eben immer auch ins Innere des Körpers geht. Der Kampf Randys (im Ring wie im Leben) geht "unter die Haut". Man sagt, jemand "schneidet sich ins eigene Fleisch", "ist bis ins Mark erschüttert", "muss bluten" oder "hat offene Wunden". Aronofsky setzt dies in Bilder um und zeigt, dass dem "Das lässt mich kalt"-Gehabe Randys nicht ganz zu trauen ist. Oder besser gesagt, dass ihm durchaus aus Randys Sicht zu trauen ist, was für ihn zum tragischen Schicksal werden wird. Bezeichnend dafür, dass Randy immer wieder den Schmerz und das Blut geradezu sucht, ist eine bizarre Szene, in der er als Fleischverkäufer "erkannt wird". Im Gegensatz zu seinem ersten Tag in dem Job ist er ohnehin lustlos und mit nervigen Kunden geschlagen gewesen, und nun merkt er, dass er seinem Segen und Fluch nicht entkommen kann. Er verletzt sich an der Schneidemaschine selbst, kaschiert das aber nicht, sondern schmiert sich das Blut ins Gesicht, um wild schimpfend und gestikulierend damit die Kunden zu brüskieren. Ein untrügliches Zeichen, dass er sein Innerstes wieder nach außer kehrt und in den Ring steigen wird. Bereits im ersten Kampf der Filmhandlung, der eigentlich unblutig verlaufen sollte, hatte sich Randy des Effekts wegen geschickt selbst verletzt, um noch blutend über seinen Gegner zu triumphieren und dem Publikum zu demonstrieren, was er alles aushalte und noch in einen Sieg verwandeln könne.

Im Übrigen empfehle ich jedem, die Rezension von Eleanor Rigby zu lesen, die mir bereits - das ist als Kompliment gemeint - vieles vorweggenommen hat, was noch zu sagen wäre. Ergänzenswert ist aus meiner Sicht, dass das Paradoxe auch in gewissen Widersprüchen zwischen filmischen Ebenen zum Ausdruck kommt. So weist Eleanor zutreffend darauf hin, dass die Kamera bei den Credits eine Abwärtsbewegung macht, die bereits den Niedergang The Rams andeutet. Interessanterweise zeugen die gezeigten Plakate und Zeitungsberichte jedoch NICHT von diesem Niedergang; sie werden nicht etwa kleiner und schmuddeliger, sondern vermitteln den Eindruck einer ungebrochenen Wrestlerkarriere auf gleichbleibend hohem Niveau. Der Abstieg kommt also eher unmerklich. Und die Tragik, wenn es danach heißt: "20 Jahre später", wird sein, dass Randy es tatsächlich nicht gemerkt hat und sich nicht rechtzeitig auf ein Leben außerhalb des Ringes einrichten konnte. Last but not least ist selbst die scheinbar etwas klischeehafte Rolle der Freundin und die der "verlorenen Tochter" mit gewissen Ambivalenzen ausgezeichnet. Erstere ist eine Stripperin, die Randy zwar aufrichtig mag, aber ebenfalls von ihrer Welt nicht ganz lassen kann, deren Regel lautet: Lasse Dich nie mit einem Kunden auf etwas Persönlicheres ein. Dies fällt der Frau zwar mitunter schwer, aber am Ende wird sie genauso wenig aus ihrer Welt ausbrechen wie Randy aus der seinen. Und die Tochter wird dem Vater zwar diverse Vernachlässigungen - möglicherweise - verzeihen, aber wir verstehen, dass sie als Teenager genug eigene Probleme hat und eher den starken als den problembeladenen Vater bräuchte, weswegen sie ihn herausschmeißt (aus ihrer Wohnung und aus ihrem Leben). Interessanterweise fällt dabei auffällig oft das four-letter-word im eigentlich asexuellen Sinne, aber Randy hat sich gerade dadurch die Versöhnung mit der Tochter verscherzt, dass er einen sehr unerotischen f*ck nach Drinks und Koks mit der Freundin seiner Freundin hatte und deswegen nicht zu einer Verabredung erschienen war. Die Schimpftiraden der Tochter treffen Randy daher vielleicht besonders heftig, weil sie unbewusst den genauen Grund seiner neuerlichen Unzuverlässigkeiten sehr unsanft betonen.

Direkte Sprache, direkte Körperlichkeit, Handkamera (die nicht übernervös wirkt), gegen Ende auffällig viele Schatten und dunkle Flecken auf der Leinwand, bei Randys Fahrt zum finalen Kampf aber eine farblich höchst interessante Morgenröte, die zaghaft in das Dunkel scheint - Aronofskys Kino zielt ohne Umwege auf die Sinne. Interessanterweise ist dies bei allen seiner bislang vier Filmen so, obwohl sie sich vom Sujet stark unterscheiden: Ein Psycho-Thriller um den Fluch einer mathematischen Hochbegabung ("Pi"), ein filmgewordener Drogentrip ("Requiem for a Dream"), eine verschachtelte, esoterische Geschichte auf drei Zeitebenen ("The Fountain") und eben "The Wrestler". Sein neuestes Werk, "Black Swan", verspricht wieder viel: ein mit Horror-Elementen angereichertes Drama aus der Welt des Tanztheaters. Aronofsky ist eines der vielversprechendsten Talente des US-Filmes. Hoffen wir, dass ihm die jugendliche Wucht seines Erzählens nicht ausgeht, die einen umhauen kann wie The Ram seine Gegner.
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am 12. Januar 2013
Dass der Film thematisch intensiv und brillant ist, stimmt und wurde bereits oft erwähnt. Aber Blu-ray-Fetischisten, die für ihr Medium knackige Schärfe und super Farben erwarten, werden etwas enttäuscht sein. Der Film wurde komplett mit einer Handkamera gedreht (siehe "Making of") und benutzt Körnigkeit und Bildrauschen als künstlerisches Mittel. Die ästhetische Anmutung ist eher "film noir": Man sieht viele Szenen draußen im Winter, in Nachtclubs oder in neonbeleuchteten Kleinstadthallen. Flaue Farben und Körnung sind deshalb oft vertreten und sollen gerade das Kaputte des Hauptdarstellers unterstreichen. Das beeinträchtigt den Sehgenuss zwar nicht, aber ich behaupte, eine DVD hätte exakt die gleiche optische Wirkung - und wäre etwas billiger. Kurz: Handlung top, Bild braucht kein HD.
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