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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schafft der Polizeiapparat eigene Realitäten ?
Los Angeles im Jahre 1928: Die alleinerziehende Mutter Christine Collins (Angelina Jolie) ist eine aufstrebende Angestellte bei einer Telefongesellschaft. Ihr Sohn Walter (Gattlin Griffith) ist wegen ihrer Berufstätigkeit oft allein. An einem Tag, als sie sich für ihren Jungen freigemacht hat und mit ihm ins Kino will, muss sie kurzfristig für eine kranke...
Veröffentlicht am 20. September 2009 von Ray

versus
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wechselbalg
Clint Eastwood verfilmte 2008 - also im Alter von 78 Jahren - unter dem Titel "Der fremde Sohn" einen wahren Polizeiskandal [1] aus dem Los Angeles von 1928.

Fünf Monate nach dem Verschwinden ihres Sohnes Walter bringt die Polizei der Mutter, Christine Collins (Angelina Jolie, 33), einen fremden Jungen statt ihres eigenen an. Christine fordert energisch,...
Veröffentlicht am 10. Oktober 2011 von jury


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schafft der Polizeiapparat eigene Realitäten ?, 20. September 2009
Von 
Ray "rayw260" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Los Angeles im Jahre 1928: Die alleinerziehende Mutter Christine Collins (Angelina Jolie) ist eine aufstrebende Angestellte bei einer Telefongesellschaft. Ihr Sohn Walter (Gattlin Griffith) ist wegen ihrer Berufstätigkeit oft allein. An einem Tag, als sie sich für ihren Jungen freigemacht hat und mit ihm ins Kino will, muss sie kurzfristig für eine kranke Kollegin einspringen. Am frühen Abend als sie nach Hause zurückkehrt, ist Walter spurlos verschwunden.
Und er bleibt es auch. Nach fünf Monaten verzeichnet die Polizei von Los Angeles, die immer wieder wegen Korruption und äusserster Brutalität in den Schlagzeilen auftaucht, einen scheinbaren Erfolg.
Ein Junge wird in Illionois gefunden, der angibt Walter Collins zu heissen. Die Beamten machen bei diesem in der öffentlichkeit bereits bekannten Fall ein grosses inszeniertes Medienspektakel bei der Zusammenführung zwischen Mutter und Sohn am Bahnsteig. Doch Christine erkennt in dem Jungen nicht ihren Sohn. Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan) kann die verblüffte und enttäuschte Frau vor Ort überreden, den Jungen eine Zeitlang auszuprobieren und argumentiert gekonnt mit traumatischen Belastungsstörungen. Auch der Psychologe der Polizei erkennt keinen Grund, an der guten Polizeiarbeit zu zweifeln. Obwohl Christine glaubwürdig - durch Zeugen und Indizien - versichern kann, einen "Fremden Sohn" zuhause zu haben. Reverend Briegleg (John Malkovich) versucht als einziger der verzweifelten Frau zu helfen.
Da ereignen sich bei einer Routineverhaftung des kleinen kanadischen Landstreichers Sanford Clark (Eddie Alderson) durch Detective Lester Ybarra (Michael Kelly) neue Erkenntnisse, die auch Licht ins Schicksal des kleinen Walters bringen könnte. Sanford erzählt dem Cop eine unglaubliche Geschichte über einen Serienkiller....
Clint Eastwood hatte 2008 ein besonders gutes Jahr in seiner Schaffensphase. Mit mittlerweile 78 Jahren schuf er mit "Gran Torino" und "Der fremde Sohn" gleich zwei seiner besten Arbeiten überhaupt.
"Der Fremde Sohn" ist alleine für sich schon eine sehr brillinate Drehbucharbeit, die geschickt zwei interessante Zeitgeschichten aus Los Angeles miteinander verwebt. So basiert die Geschichte tatsächlich auf den wahren Fall der "Wineville Chicken" Morde. Verbunden wird diese schreckliche Mordserie mit den Machenschaften der damals sehr umstrittenen Los Angeles Police, die bekannt war für Korruption und unlautere Methoden. Bereits in anderen Filmen wie "LA Confidential" wurde dieses korrupte System der exekutiven Gewalt im Amerika der Vorkriegsjahre gezeigt.
Auch Kameramann Tom Stern leistet meisterhafte Arbeit, er kreiert wahrlich grosse Kinobilder und zelebriert durchgehend eine vollendete Bildsprache. Jede Kameraeinstellung sitzt und sowohl Ausstattung oder Kostüme machen das perfekte Bild auf ein nostalgisches L.A. möglich. Jedes Detail glänzend herausgearbeitet und die Spannung wurde in dem ca. 140 Minuten langen Film nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen. Selten zeigte sich US-Kommerzkino in den letzten Monaten so intelligent und erlesen. Clint Eastwood ist das geniale Bindeglied zwischen Mainstream-Kino und Autorenfilm....
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89 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packendes und fein inszeniertes Meisterwerk!, 11. November 2009
Von 
Amigo Del Sol "ADS" (Fürstentum Lippe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
An einem Samstagmorgen in Los Angeles im Jahre 1928: Christine Collins (Angelina Jolie) verabschiedet sich von ihrem Sohn Walter und geht zur Arbeit. Als sie Abends zurückkehrt, ist ihr Sohn spurlos verschwunden. Nach fünf langen Monaten der Ungewissheit taucht Walter plötzlich wieder auf. Doch während die Polizei den Erfolg feiert, merkt Christine sofort, dass der Junge nicht ihr Sohn Walter ist. Auf der Suche nach ihrem Sohn und der Wahrheit stößt sie dabei auf zahlreiche Widerstände und auf alles andere als eine kooperative Polizei, die sich ihren offensichtlichen Irrtum nicht eingestehen will. Einzig Reverend Briegleb (John Malkovich) stellt sich auf ihre Seite...

"Der Fremde Sohn" ist mal wieder ein unheimlich gutes Regiestück von Clint Eastwood geworden. Seine Story spielt in einer Zeit, als Los Angeles nicht wirklich als Stadt der Engel galt. Soziale Missstände, ein korrupter Polizeiapparat, die Wirtschaftskrise und eine florierende Kriminalität, sind eine schwierige Grundlage für eine alleinerziehende Mutter in der Stadt zu jener Zeit. Clint Eastwood nimmt dies als Grundlage für einen fein inszenierten Film.

Ein klitzekleinwenig nörgeln könnte man bei der Besetzung der Hauptdarstellerin. Irgendwie wirkt Angelina Jolie die ganze Zeit auf mich ein wenig wie ein Fremdkörper. Sie spielt zwar zweifelsohne die beste Rolle ihres Lebens, aber sie scheint nicht ganz verinnerlicht zu haben, dass auch sie ihre Omnipräsenz auf der Leinwand zum Wohle der Handlung etwas mehr hätte reduzieren dürfen. Sie wirkt etwas überschminkt und zu divenhaft. Was damit nicht ganz meiner Idealvorstellung einer verzweifelten Mutter entspricht.
John Malkovich verkörpert den Part des Hoffnungsträgers im Vergleich dazu hervorragend und fügt sich perfekt in die Handlung ein. Aber dies sei im Endeffekt nur eine Nuance von Kritik in einem rundum gelungenen Film, denn selbst Jolie schafft es unter Eastwood in zuvor nie geahnte schauspielerische Sphären vorzustoßen. Auch wenn sie ihr Diven-Image nicht restlos abschütteln kann.

Filmtechnisch ist Eastwood dabei äußerst stilistisch vorgegangen: die farbliche Optik ist gekonnt reduziert, zudem arbeitet Eastwood mit vielen Nahaufnahmen. Dazu kommt eine sachliche, betont ruhige Kameraführung. Die vor allem die wenigen, aber richtig fesselnden Filmmomente umso intensiver wirken lässt. So dass die ganze Zeit unablässig eine kalt-lodernde Dramaturgie über dem Film liegt.

Insgesamt ist "Der Fremde Sohn" ein packendes Drama, dass sowohl handwerklich, wie im Großen und Ganzen auch schauspielerisch überzeugt. Die Story ist bewegend und bleibt bis zur letzten Minute unheimlich spannend. Alleine dafür verdient sich der Film schon 5 Sterne.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fast zu viel für einen Film (Spoiler), 24. Januar 2010
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Nach seinem stringent erzählten Meisterwerk "Gran Torino" (2008) unternimmt es Clint Eastwood in "Der fremde Sohn" aus dem gleichen Jahr, die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Christine Collins (Angelina Jolie) zu zeigen, deren Sohn Walter (Gattlin Griffith) im Frühjahr des Jahres 1928 spurlos aus ihrem Haus verschwand, während sie auf der Arbeit für eine kranke Kollegin einspringen mußte.

Da die Polizei von Los Angeles infolge der Brutalität und Machtgier ihres Chiefs James E. Davis (Colm Feore) in die öffentliche Kritik gekommen ist - besonders der Pfaffer Gustav Briegleb (John Malkovich) tut sich als hartnäckiger Ankläger hervor - und somit Erfolge notwendig sind, wird Christine nach fünf Monaten ein zufällig aufgegriffenes Kind als ihr eigener Sohn zugeführt. Der Junge habe sich natürlich, bedingt durch das Trauma der Entführung, verändert, und sie selbst müsse auch erst einmal zur Ruhe kommen, sagt man ihr, als sie im Moment der medienwirksam ausgestalteten glücklichen Wiedervereinigung zurückschreckt und behauptet, das Kind sei nicht ihr Sohn. Zu Hause angekommen, entdeckt Christine, daß ihr angeblicher Sohn eine Handbreit kleiner ist als Walter und daß er, anders als ihr Sohn, beschnitten ist; sie holt sich schriftliche Bestätigungen seitens ihres Zahnarztes und der Lehrerin Walters ein, nach dem das von der Polizei zurückgebrachte Kind unmöglich Walter sein kann, und nimmt auch Verbindung zu Briegleb auf. Captain Jones (Jeffrey Donovan) läßt Christine daraufhin als hysterisch und psychisch gestört in eine Irrenanstalt einweisen, in der sie sehr schnell entdeckt, daß sie dort nicht die einzige Frau ist, die auf diese Weise vom LAPD zum Schweigen gebracht wurde. Inzwischen gerät Detective Lester Ybarra (Michael Kelly) zufällig auf die Spur des jungen Mannes Gordon Northcott (Jason Butler Harner), eines Geistesgestörten, der auf einer abgelegenen Hühnerfarm anscheinend an die zwanzig Jungen getötet hat. Jones versucht mit allen Mitteln, Ybarra dazu zu bewegen, seine Nachforschungen in dieser Richtung einzustellen, doch der Detective ermittelt auf eigene Faust weiter.

Auf der DVD-Hülle wird Eastwoods neuer Film als Psychothriller charakterisiert, aber diese Bezeichnung greift auf jeden Fall zu kurz, denn das Werk ist weitaus ambitionierter, vereint es doch vielmehr Elemente des Thrillers, des Dramas, des Gerichtsfilms und des politischen Films, worüber seine innere Einheit bisweilen zu zerbrechen droht. Michael Straczynskis Drehbuch orientiert sich am wahren Fall der Wineville-Chicken-Morde und es stellt die Aufklärung dieser Greueltat, den Kampf einer verzweifelten Mutter gegen bis zur Skrupellosigkeit selbstgerechte und einem Allmächtigkeitswahn verfallene Behörden sowie das Psychogramm des Täters und eine Reflexion über den Sinn der Todesstrafe fast gleichberechtigt nebeneinander. Auch das ergreifende Spiel Angelina Jolies sowie die routinierte Kunst Malkovichs scheinen den 136-Minuten-Rahmen des Filmes beinahe zu sprengen, was ein wenig auf Kosten des Erzählflusses geht. Fast scheint es, als habe sich Eastwood peinlich darum bemüht, nur ja keine Nuance des Falles außer Acht zu lassen, so daß dem Zuschauer einiges an Aufmerksamkeit und Geduld abverlangt wird.

Der tapfere Kampf der Mutter gegen die Übermacht der Exekutive und ihre Unterstützung durch den anfangs noch etwas zwielichtig - vielleicht wirken hier unsere gewöhnlichen Erwartungen an Malkovich im Hintergrund - erscheinenden Pfarrer nimmt vor allem die erste Hälfte des Filmes ein, während es in der zweiten Hälfte verstärkt um die Verfolgung und Verurteilung Northcotts geht. Eastwood zeichnet hier ein ganz anderes Bild der Polizei, als wir es sonst von ihm gewohnt sind: Zwar war Dirty Harry ebenfalls nicht zimperlich in der Wahl seiner Methoden und setzte sich gern über den Buchstaben des Gesetzes hinweg, doch hatte er dabei - ganz der Ideologie der konservativen Rechten verhaftet - immer das Gute im Sinn, während liberale Paragraphenhengste ihm Steine in den Weg legten. Hier allerdings wird gezeigt, wie das selbstherrliche Gebaren der Polizei die Rechte des Individuums zu zertreten und sein privates Glück zu zerstören droht. Das unbeeindruckte Bemühen des Chiefs und seiner Kreaturen, allen voran Jones', ihre "Wahrheit" triumphieren zu lassen, scheint darüber hinaus eine beunruhigende Ähnlichkeit zum Verhalten der Bush-Administration während des Irak-Krieges aufzuweisen, so daß "Der fremde Sohn" durchaus auch als politischer Film zu sehen ist.

Aber die LAPD hat auch eine erlösende Figur in ihren Reihen: Detective Ybarra, dessen von Gewissensbissen getragenes Abwägen zwischen Pflicht und Corpsgeist während einer langen Szene sehr gut zu sehen ist, bevor er schließlich die Anweisung seines Vorgesetzten mißachtet und echte Polizeiarbeit leistet - hier schon eher ein Anklang an Dirty Harry, dem Vorgesetztenschreck par excellence. Überhaupt zelebriert der Film durchgehend die persönliche Tapferkeit des Individuums in Momenten größter Gefahr oder gegenüber scheinbar unbesiegbarer Übermacht, beispielsweise wenn der von Briegleb ins Rennen gebrachte Anwalt erklärt, er wolle Christine ohne Honorar helfen, da er von ihrem Mut und ihrer Ausdauer fasziniert sei, oder wenn der kleine Walter bei seiner Flucht zurückkehrt, um einem anderen Jungen zu helfen, der schließlich durch ihn gerettet wird.

Die zweite Hälfte des Filmes widmet sich vor allem dem Handlungsstrang um Gordon Northcott, dessen Hinrichtung breiter Raum eingeräumt wird. Wir sehen unter anderem, wie Northcott Christine um ein letztes Gespräch bittet, dann allerdings einen Rückzieher macht und von der verzweifelt und enttäuscht auf ihn einschlagenden Mutter, die man ironischerweise wieder einschließt - eine von Eastwood glänzend vorgenommene Visualisierung ihrer psychischen Situation -, aus dem Raum geschafft wird. Auf dem Schafott dann, umringt von den schweigenden Eltern der Kinder, die er getötet hat, winselt Northcott um Aufschub, und der Zuschauer ringt mit Genugtuung und Entsetzen, wenn eine Totale die zuckenden Füße des sterbenden Delinquenten zeigt. Eastwood läßt uns hier selbst entscheiden, wie wir empfinden wollen.

Die beiden Prozesse am Ende - die Verhandlung gegen den Polizeichef von Los Angeles und der Mordprozeß gegen Northcott - bringen die Handlungsfäden wieder zusammen, was durch eine rasche Schnittfolge bei den beiden Urteilsverkündungen bewirkt wird. Hier gelingt eine kunstvolle Verknüpfung zweier Ebenen, deren Nebeneinander - dies ist mein einziger Kritikpunkt - den Film an manchen Stellen zu sprengen drohte.

Christine hat am Ende ihren Sohn zwar nicht wieder, aber die Gewißheit, daß Walter einem anderen Kind das Leben gerettet hat, sowie die Hoffnung, daß er ebenfalls bei dem Fluchtversuch entkommen sein könnte. Ob diese Hoffnung der Resignation vorzuziehen ist, kann der Zuschauer ebenfalls mit sich selbst ausmachen, doch Christines stolze Verabschiedung von Detective Ybarra und die Andeutung einer Annäherung zu ihrem ehemaligen Vorgesetzten, dessen Zuneigung zu ihr schon recht früh im Film deutlich wurde, lassen den Film, wenngleich er mit keinem Happy End aufwartet, in einer heiteren Stimmung enden.

Eastwood erzählt diese in ihrer Tragik an "Mystic River" und "Million Dollar Baby" erinnernde Geschichte in einem meist langsamen Tempo, das durch sparsame Schnitte und ruhige Kamerafahrten hervorgerufen wird, und den Ernst und die Schwere des Stoffes angemessen würdigt. Tom Stern, seit "Blood Work" der bevorzugte Kameramann des Regisseurs - auch für die beiden oben genannten Filme -, wählt hier vornehmlich blasse Farben, um das Flair der 20er Jahre aufkommen zu lassen; auch das Spiel mit Dunkelheit und Licht unterstützt die Erzählung des Kampfes um individuelles Glück, etwa wenn zu Anfang des Filmes Christine ihren Sohn zu Bett bringt und das Licht ausknipst, und wir als Zuschauer in einem dunklen Raum zurückbleiben, in dem wir nur das durch den Türrahmen des Schlafzimmers fallende Licht sehen. Hier zeigt sich bedeutungsvoll, wie das Mutter-Sohn-Glück von Dunkelheit umrahmt ist.

Jeder der auftauchenden Charaktere ist im Grunde einen eigenen Film wert - man denke nur an die eiskalte blonde Schwester in der Irrenanstalt, die mit totem Gesichtsausdruck den Patienten Elektroschocks verabreicht, oder an die Prostituierte, mit der sich Christine dort anfreundet -, und so ist es Eastwood gelungen, ein wirkliches Stück Leben auf die Leinwand zu bekommen.

Trotz ihrer maskenhaft aufgetragenen Schminke versteht es Angelina Jolie, die Protagonistin sehr bewegend zu spielen, und neben Maggie aus "Million Dollar Baby" hat Eastwood hier eine starke Frauenfigur erschaffen, die dem Zuschauer gut in Erinnerung bleiben wird.

Noch ein letzter Hinweis: Obwohl der Film die Altersfreigabe ab 12 trägt, sind einige Szenen doch sehr hart, so daß ich niemandem empfehlen würde, den Film mit einem Kind zu schauen.
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23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht sein kann, was nicht sein darf., 23. Mai 2009
Von 
Lothar Hitzges (Schweich, Mosel, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Der Sohn Walter der allein erziehenden Mutter Christine Collins wird Ende der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Los Angeles vermisst. Sie meldet dies ordnungsgemäss der Polizei, die auch nach dem Jungen routinemäßig sucht.

Einige Monate später liefert die Polizei einen neunjährigen Jungen bei Frau Collins ab, der von sich behauptet Walter zu sein. Christine erkennt sofort, dass es sich nicht um ihren Sohn handelt. Sie sagt dies der Polizei. Die Medien feiern den Erfolg der Polizei und dieser ist an dem Veto der Mutter wenig gelegen. Der ermittelnde Beamte widerlegt so die Argumentation der Mutter und lässt sie letztendlich als hysterisch und gefährlich in einen geschlossene Anstalt einweisen.

Dem Eingreifen einer Bürgerrechtsgruppe verdankt Christine ihre Freilassung nach fast zwei Wochen. Die Wahrheit über ihren Sohn soll Christine erst Jahre später erfahren. Zwischenzeitlich wird die Polizei auf einen Serientäter aufmerksam und kann ihn verhaften und überführen. Das Schicksal von Christines Sohn bleibt weiter im Dunkeln. Erst als ein weiterer ehemals gefangen gehaltener Junge ausfindig gemacht wird und dieser über die letzten Tage von Walter berichtet, findet Christine ihren Frieden..

Die wahre Geschichte wird sehr spannend erzählt und zeigt eine beängstigende staatliche Polizeigewalt. Die Protagonistin scheint wie Don Quichotte gegen Windmühlen anzukämpfen. Sie wird Opfer einer gnadenlosen Exekutiven, deren einziges Interesse die Wiederwahl ihrer Ämter ist und sich entsprechend in den Medien darstellt. Ein unter die Haut gehender Film.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schaudermär, 5. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Clint Eastwood als Regisseur, ein ansprechender Klappentext und meine Erwartungen an einen gelungenen Filmabend waren gut.
Was sich mir dann aber während des Filmes bot, fesselte, erschauderte und faszinierte mich unverhofft mehr.

Was sich mir anfangs als dramatisches Frauenschicksal eröffnete, wandelte sich im Verlauf der nun folgenden 140 Minuten als handfester Thriller mit authentischem Hintergrund. So nah, dass sich mir dabei die Nackenhaare sträubten.
"Der fremde Sohn" ist eine Gesellschaftsparabel. In einer Zeit sozialer Missstände, korrupter Behörden, boomender Kriminalität und dem Kampf um Gerechtigkeit und dem Rechtsempfinden im Allgemeinen.
Trotz beklemmender Intensität bedient sich der Film aber keinerlei expliziter Gewaltdarstellungen.
Der Schrecken in diesem Werk verbreitet sich vor allem durch den stetigen Wechsel von Perspektiven, die die jeweiligen Handlungsstränge voran- und zueinandertreiben.
Als winzigen Makel habe ich persönlich die Besetzung der Angelina Jolie empfunden, die mir - im Gesamtbild des Films - dann doch eine Spur zu "präsent" gewesen ist. Zu Beginn hatte ich etwas Mühe, die Jolie in dieser Rolle für mich anzunehmen.
Dieser Film trägt sich meiner Meinung nach allein schon durch das gute Script und die gewohnt bedächtige Erzählstruktur seines Regisseurs, die damit ein spektakuläres Finale konsequenterweise verweigert.
Fazit: Gut inszeniertes, durchaus (selbst)kritisches Stück US-Geschichte mit gutem Plot.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Herzzerreißend..., 12. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn [Blu-ray] (Blu-ray)
Was macht Clint Eastwoods Filme der letzten Jahre so erfolgreich? Ihre Emotionalität. Wo andere Filmemacher auf Gimmicks und High Concept zurückgreifen, pickt Eastwood sich mit sicherer Hand die Stoffe heraus, die ihn auf emotionaler Ebene ansprechen und macht daraus ebenso emotionale Filme.

In diesem Fall die wahre Geschichte der Christine Collins im LA der 30iger Jahre, deren Sohn entführt wird, zurückkommt - aber nicht ihr wirklicher Sohn ist. Nur will ihr das niemand glauben und die korrupte Polizei wirft sie sogar in die Klappse, um ihre Ermittlungsfehler zu vertuschen. Das alles wird von Eastwood wie immer völlig unaufgeregt inszeniert, seine Filme strahlen dieselbe Ruhe aus, wie er selbst. Das geht manchmal ein bisschen auf Kosten des Tempos, aber hier legt sich die grausige Geschichte wie eine kalte Hand um den Hals des Zuschauers und drückt immer mehr zu.

Dazu Angelina Jolies Darstellung der Christine Collins, die ebenso unaufgeregt ist, wie Eastwoods Inszenierung, keine Ich-will-einen-Oscar-Mätzchen, stattdessen die nüchterne, aber ergreifende Darstellung einer Frau, deren Leben sich von einen Tag auf den anderen in einen Albtraum verwandelt.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man möchte am liebsten lauthals schreien vor Ungerechtigkeit - Eastwood enttäuscht nie, 7. Oktober 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hillershausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
L.A. Ende der 1920er Jahre: Die Telefonistin Christine Collins kehrt nach ihrer Arbeit nach Hause zurück und merkt, dass ihr Sohn Walter spurlos verschwunden ist. Sie gibt eine Vermisstenanzeige auf und einige Monate danach wird ihr ein Junge vorgeführt, der sich als Walter Collins ausgibt. Die Polizei händigt ihr dieses gefundene Kind aus, doch sie betont mehrmals ausdrücklich, dass dieser nicht ihr Sohn ist. Die Polizei hält sie für verrückt und lässt sie in eine Nervenheilanstalt einweisen. Der einzige der noch an sie fest glaubt, ist Reverend Briegleb. Zeitgleich erzählt ein Junge einem Polizisten er habe seinem Cousin geholfen Jungen einzufangen und auf bestialische Art und Weise abzuschlachten...

"Der fremde Sohn" ist als Film durch und durch packend. Angelina Jolie einmal in der Opferrolle bzw. als Figur zu sehen, deren Äußerungen in Zweifel gestellt werden, ist zunächst einmal etwas Neues und Faszinierendes. Man merkt natürlich, dass ein sehr erfahrener Regisseur hier am Werke war und wer sollte es anderes sein als der talentierte Mr. Eastwood, den man schon als Regisseur von Million Dollar Baby (Einzel-DVD) oder Ein wahres Verbrechen kennt. Man empfindet mehr als Mitgefühl und Mitleid mit der Figur Christine Collins, zumahl der ganze Plot ja auf eine wahre Begebenheit beruht, wie man am Anfang des Films unweigerlich mitbekommt. Die Geschichte um den Kindermörder Gordon Northcott und die Verwechslung des Sohnes, die Person Christine Collins hat alles tatsächlich existiert und dies ist zweifellos ein weiterer Grund, was diesen Streifen so packend macht, bei dem man durch die ungerechte Behandlung Collins' und den Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit durch den Polizeiapparat und dessen Korruption, gegen die der Reverend stetig bis an sein Lebensende ankämpft, am liebsten laut aufschreien möchte und krass ausgedrückt: "Ihr verdammten Schweine, warum könnt ihr einem Menschen nicht glauben!?" ausrufen möchte. Es gibt keine langweilige Szenen, man hofft letztendlich nur, dass alles irgendwie zu einem Happy-End kommt, selbst wenn die Situation ziemlich verzwickt und trist ist. Man hofft als Zuschauer ebenfalls auf Gerechtigkeit, Richtigstellung der Tatsachen und Bestrafung der Menschen, die an Collins nicht glaubten und dann noch ihre eigenen Fehler zu leugnen suchen. Der Film kann durchaus heute noch als Maßstab für Korruption hier- oder woanders zu Lande gelten, die nicht zu einem Happy-End führen lässt, sondern ungerechterweise weiter den Bruch der Menschenwürde unterstützt und sorglos in Kauf nimmt.

~Bücher-Liebhaberin~
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr guter Film, etwas lang, 24. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Ich fand den Film sehr gut und Angelina Jolie spielt echt Klasse. Der Film ist etwas lang (bin ich aber auch als Eastwood Fan langsam gewohnt). Nun reden wir mal über die Altersfreigabe. Aus meiner sicht geht ab 12 überhaupt nicht (es gibt zwar schlimmeres) aber die Szenen im Krankenhaus, die Hinrichtungszene und erst recht die tötung der Kinder muss man nun wirklich keinem 12 Jährigem zeigen. Gerade weil der Film so realistisch gedreht wurde, finde ich die Szenen sehr hart.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mutter Courage und ihr Kind, 5. Februar 2010
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Anlässlich einer sensationellen Tatsachenberichterstattung heißt es mitunter, die folgende Geschichte sei derart unglaublich, dass sie einem Drehbuchautor niemals abgekauft würde. Um solch eine Geschichte geht es hier. 1928 verschwindet das neunjährige Kind einer alleinerziehenden Mutter in Los Angeles (Angelina Jolie), die Polizei schiebt ihr den "fremden Sohn" unter. Er hat nicht annähernd die gleiche Größe, kann sich an keine Details aus seinem angeblichen Leben erinnern, aber so ist es gewesen. Jolie nimmt einen Kampf gegen eine Übermacht auf. Die war seinerzeit mit allen Wassern gewaschen und durch und durch verdorben, wie in Montageszenen verdeutlicht wird. Polizeichef Davis hatte ein Willkürregime errichtet, um nicht Verbrecher zu fangen, um nicht Verbrecher zu schützen, sondern um selbst Verbrechen zu begehen. Um die öffentliche Meinung zu besänftigen und die erfolgreiche Lösung eines Falles zu suggerieren, griff man zu der oben genannten rabiaten Methode.

Doch Jolie ist zäh. Wenngleich sie mit aller passenden Passion spielt (und man selten einen Film sah, in dem die Hauptdarstellerin häufiger verheult war), wird sie sich nicht unterbuttern lassen - auch nicht, wenn man sie in eine "Irrenanstalt" zwangseinweisen lässt, was seinerzeit noch weniger ein Zuckerschlecken war als heute. Lediglich drei Unterstützer hat sie: Einen couragierten Pfarrer (John Malkovich), der ihr einen ehrenamtlich arbeitenden Anwalt vermittelt, sowie einen Polizisten, einen letzten Aufrechten im Sündenpfuhl. Mit der Einführung dieser Figur macht Eastwood etwas, das seine erzählerische Brillanz erkennen lässt, ohne den wahren Kern des Geschehens zu verlassen: Er verbindet die bisher geschilderte Geschichte mit derjenigen eines geistesgestörten Kindermörders. Auch diesen hat es wirklich gegeben, und Jolie muss vermuten, dass ihr Sohn von ihm entführt und umgebracht worden ist.

Die Geschichte dieses Mörders ist ausnehmend grausam, wenngleich man Eastwood attestieren kann, dass er geschickt-subtil inszeniert, was die quälende Intensität noch steigert. Formal geht er es klassisch an, wie schon William Wyler ("Counsellor-at-Law", 1933) und Hitchcock ("Familiengrab", 1976). Eine Person (der erwähnte Polizist) kreuzt den Weg der bisherigen Hauptpersonen, und die Kamera folgt nicht Letzteren, sondern Ersterem, um zum zweiten Handlungsstrang überzuleiten. Ein scheinbarer Routineauftrag für den Polizisten führt uns scheinbar von der Erstgeschichte weg und zur Aufdeckung schrecklicher Taten. Wie der jugendliche Bruder (oder Cousin? Ich habe es vergessen) des Mörders dem Polizisten schließlich die Taten schildert, ist erschreckend: In Rückblenden hackt der Killer blindwütig auf die Kinder mit der Axt ein, wir sehen in kurzen Einblendungen, wie er immer blutiger wird. Die Opfer sehen wir dabei nicht, und Blut wird es später nie mehr zu sehen geben, aber allein dadurch ist unsere Angst geweckt: Was mag da noch alles Schreckliches kommen... Es wird gezeigt, wie Kinder in das Auto des Täters gelockt werden, und wir wissen nun schon, was später geschieht, das ist von einem Höchstmaß an suggestiver Grausamkeit. Eastwood nimmt das nicht auf die leichte Schulter, ästhetisiert nicht, verharmlost nicht: Der dem Geständnis des Teenagers zuhörende Polizist ist genauso fassungslos wie der Zuschauer. Seine Zigarette - ein aufmerksames Inszenierungsdetail - brennt herunter, ohne dass der Polizist die Asche wegschnippt oder die Zigarette raucht, so schockiert ist er. Und er hat sicherlich schon viel Schmutz in seinem Beruf gesehen.

Natürlich werden die beiden Handlungsstränge irgendwann verlinkt, und hier ist Eastwood erneut Meister der Parallelmontage. Er hat dieses Stilmittel bereits in vielen Filmen genutzt (am radikalsten in "True Crime", 1999) und hatte bereits an früher Stelle in "Der fremde Sohn" die Verknüpfung zweier Ebenen suggeriert: Wenn Jolie in einer Einzelzelle eingesperrt ist, wird eine Radioansprache des Pfarrers im Kampf um Gerechtigkeit eingeblendet. Jolies intensiver Gesichtsausdruck in Großaufnahme, wie sie verzweifelt, aber entschlossen an die Decke starrt, erweckt den Eindruck, die Radioworte zu hören und mimisch darauf zu reagieren. Doch sie darf kein Radio hören. Eine wunderbare filmische Suggestion!

Jolie und der schließlich gefasste Kindermörder werden später durch Parallelmontagen zueinander in Beziehung gesetzt. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass der Prozess gegen den Mörder und derjenige gegen Mitglieder des Polizeiapparats wegen des "fremden Sohnes" zeitgleich in verschiedenen Gerichtssälen stattfinden. Doch Eastwood nutzt dies (unter Verwendung eines für ihn typischen Hin- und Herschneidens), um etwas merkwürdige Parallelen zu ziehen. Jolie hält es irgendwann in "ihrem" Prozess nicht mehr aus und besucht denjenigen gegen den Mörder, der sie direkt anspricht, nach dem Motto: "Wir zwei Unverstandenen gegen einen übermächtigen Polizeiapparat." Das ist reichlich pervers, aber wenn Jolie sich darauf einlässt, zeigt sich, wie weit zu gehen sie bereit ist im Kampf um den noch vermissten Sohn. Ist doch der Killer eventuell der einzige Mann, der ihr die Wahrheit sagen kann. Diese Parallelisierung und schließliche Zusammenführung in den Gerichtssälen zeigt Jolies Martyrium kongenial.

Es wird noch schlimmer, sie besucht die Hinrichtung dieses Mannes, die Eastwood quälend lang bis zum letzten Zucken des Gehenkten ausdehnt. Auch diese Szene ist trotz ihrer exzessiven Dehnung konsequent. Jolie hofft bis zum Letzten, von dem Mörder die Wahrheit zu erfahren. Sie gibt nicht auf, sie quält sich - dies wird dem Zuschauer ungefiltert vermittelt.

Eastwood konzentriert sich also ganz auf Jolie, und es ist deshalb konsequent, dass er sich größtenteils dem pittoresken Kolorit und den knallig-unterhaltsamen durchgestylten Actionszenen von Filmen verweigert, die in den späten Zwanzigern und Dreißigern spielen. Auch in "Unforgiven" (1992) verzichtete er auf genretypische Western-Massenschießereien, er denkt immer radikal an seine Geschichte. Eastwood stellt die persönliche Geschichte Jolies auch über die gesellschaftspolitischen Zusammenhänge: Eastwoods L.A. ist zwar ein Sündenpfuhl, aber es gibt immer noch das andere, das gute Amerika, in dem beispielsweise ein idealistischer Anwalt ohne Honorar arbeitet und mit diesem Pfuhl schließlich aufgeräumt werden kann. Dass Polizeichef Davis wenige Jahre nach seiner öffentlichen Demontage wieder im Amt war, verschweigt Eastwoods Film. Ein Kritikpunkt? Nein, denn dies ist für Jolies Geschichte ohne Bedeutung. "Sie hat nie aufgehört, nach ihrem Sohn zu suchen." Nur das zählt. Wenn ein solches Frauenporträt noch filmhistorisch süffisant damit kommentiert wird, dass Jolie bei der 1935er Oscarverleihung auf einen Außenseiter wettet, kommt wenigstens ein bißchen Hoffnung auf. Sie sei der Jolie in einem ansonsten extrem bedrückenden Film gegönnt. Der Außenseiter ("Es geschah in einer Nacht") hatte in allen wichtigen Oscar-Kategorien gewonnen.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Clint Eastwood's nächster großer Wurf, 3. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Los Angeles 1928. Als die alleinerziehende Angestellte einer Telefongesellschaft, Christine Collins (Angelina Jolie), eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, ist ihr Sohn Walter spurlos verschwunden. Fünf Monate später teilt ihr die Polizei mit, dass der Junge wieder gefunden wurde, doch als Christine den Jungen sieht, weiß sie sofort, dass dies nicht ihr Sohn ist. Die Polizei in Person von Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan) belabert sie förmlich, den Jungen anzunehmen, schließlich verändern sich Kinder in diesem Alter sehr schnell. Als aber der Zahnarzt und die Lehrerin des Jungen Christine in ihrer Meinung bestärken, dass dieser keinesfalls Walter ist und die Polizei sich weiter stur stellt, wendet Christine sich an die Öffentlichkeit. Um nicht eingestehen zu müssen, dass er einen Fehler gemacht hat, weist Captain Jones Christine kurzerhand in eine psychiatrische Klinik ein. Der Pastor Gustav Briegleb (John Malkovich), der sich gegen die Korruption und Gewalt im Polizeiapparat engagiert, kann Christine befreien, doch damit ist ihr Martyrium noch nicht vorüber. Schließlich geht Christine zum Gegenangriff über.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, allerdings wurden - natürlich - aus dramaturgischen Gründen ein paar Personen und Geschehnisse dazu "erfunden". Trotzdem hat Clint Eastwood - man ist fast noch mal geneigt zu sagen "natürlich" - wieder einen von vorne bis hinten stimmigen und spannenden Film abgeliefert. Um die richtige Atmosphäre einzufangen hat er z. B. die damaligen Streetcars nachbauen lassen, obwohl sie nur kurz sehen sind. Zusammen mit den Details wie den genau recherchierten Kostümen erschafft Eastwood einen realistischen Background, vor dem sich glänzende Schauspieler beweisen können.

Die bis in die kleinste Nebenrolle ausgezeichnet besetzte Darstellerriege kann aber eins nicht verhindern - "Der fremde Sohn" ist Angelina Jolies Film, hinter der sich sogar ein John Malkovich anstellen muss. Ich muss gestehen, einigermaßen ein Fan von Angelina Jolie zu sein, aber in den meisten Filmen gibt sie eher einen Star ab als eine ernstzunehmende Schauspielerin. Dass sie das kann, hat sie durchaus schon bewiesen und dass Clint Eastwood aus Schauspielern das Beste herausholt, ist auch nichts Neues. Beim Bonusmaterial sagt Jolie wohl eher im Scherz, dass sie nur noch Rollenangebote annehmen wird, wenn der Regisseur Clint Eastwood heißt, aber es ist nicht zu leugnen, dass viele Schauspieler Eastwoods unaufgeregte Regie loben. Er selbst sagt dazu, dass er die Schauspieler so führt, wie er selbst gern geführt worden wäre.

"Der fremde Sohn" hat vielleicht nicht ganz die emotionale Tiefe wie Eastwoods Meisterwerk "Million Dollar Baby", nichtsdestotrotz ist er in weiten Teilen kein angenehmer Film, zumal zum eigentlichen Strang der Erzählung ein weiterer hinzukommt, den ich hier noch gar nicht erwähnt habe, um nicht zuviel zu verraten, der aber nicht minder unangenehm ist.

Vielleicht kann man an "Der fremde Sohn" bemängeln, dass er etwas zu lang geraten ist, aber das hieße wirklich in den Krümeln zu suchen.
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Der fremde Sohn
Der fremde Sohn von Clint Eastwood (DVD - 2009)
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