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42
4,7 von 5 Sternen
Rubber Soul (Remastered)
Format: Audio CDÄndern
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Sehr gutes Remaster, es gesellt sich in die Riege der besseren der Remaster-Alben, u.a. zusammen mit Abbey Road und dem White Album.
Die Songs strahlen in neuem Glanz, der Sound klingt klarer, frischer, druckvoller und einfach echter. Da merkt man, dass die Remasterherren Steve Rooke und Guy Massey mit voller Hingabe zur Musik gearbeitet haben.
Eine liebevolle Aufmachung der CD selber und eine Mini-Doku für den Rechner zu Hause machen die Sache noch lohnenswerter, als sie es eh schon ist...bei dieser zeitlosen, kultigen und tollen Musik sowieso.
Absolute Kaufempfehlung!!!
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52 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Oktober 2000
Rubber Soul war definitv das Ende der naiven Phase der Beatles, in der sie sich einfach mit ihren Gitarren hinhockten und ein Album aufnahmen. Es ist das letzte Album, auf dem die Gitarren dominieren, es ist das erste, auf dem der Sound so rund und fett ist, daß man Ringo förmlich trommeln sieht, es ist das letzte, das Lennon und McCartney als schöpferische Einheit präsentiert, das erste, bei dem George Martin am Speedregler der Bandmaschine spielte, sei es, um McCartney bei seinem Solo auf 'Drive My Car' zu helfen oder dem Piano auf 'In My Life' einen barocken Klang zu geben. Alle vier Beatles stießen neue Türen auf: Lennon schrieb mit 'Nowhere Man' seinen ersten bekenntnishaften Text, von dem die Öffentlichkeit auch Notiz nahm - diese Experimente waren z. B. in 'Help' oder 'I'm A Loser' noch gescheitert.McCartney packte seinen neuen Rickenbacker-Bass aus und revolutionierte das Baßspiel mit gegenläufigen Melodien bei 'Michelle' und Distortion bei 'Think For Yourself'. Harrison löst mit der Verwendung der indischen Sitar eine Initialzündung in der Popmusik aus - fortan gibt es keine Limitierung mehr auf zwei Gitarren und Bass, alles ist nun möglich. Ringo Starr taucht zum erstenmal als Mitkomponist auf und bedient sogar stellenweise die Orgel, in 'You Won't See Me' bekommt er eine zweite Spur nur für seine Hi-Hat. Auch kompositorisch liefert die Band eine ganze Reihe von Gassenhauern ab, das gern genommene 'Drive My Car' mit schneidendem Soulgesang, 'Norwegian Wood' als Folkpopohrwurm, das bereits erwähnte 'Nowhere Man', dessen Sound und Arrangement die Byrds kurze Zeit später in 'My Back Pages' kopierten. Harrisons 'If I Needed Someone' wiederum basiert auf einem Gitarrenriff der Byrds in 'The Bells Of Rhimney' und klaut auch noch dessen Gesangsarrangement - man befruchtete sich offenbar gegenseitig. 'Michelle' ist McCartneys zweites Yesterday, und 'Girl' adaptiert Sirtaki. RUBBER SOUL ist ein fantastisches Album der Beatles am Anfang ihrer Experimentierphase und klingt auch nach 35 Jahren immer noch frisch und unverbraucht.
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48 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Mai 2005
Auf der ersten Best-of der Beatles ("rotes Album", 1962-'66) stammen sechs von 26 Songs = fast ein Viertel (!) von Rubber Soul - Das allein scheint schon Argument genug für die Anschaffung der Platte.
Aber der fast zwingende Eindruck, es handle sich um ein typisches Hit-Album (die bekanntermaßen oft genug mit sog. "Fillern" auf LP-Länge aufgemotzt werden!), trügt gewaltig: Vielmehr drückt sich in Rubber Soul der einschneidende Wandel der Fabs von der Schlager-Maschine zur ehrgeizigen Avantgarde einer Bewegung aus, welche in sog. „Popmusik" mehr sah als eine Unterhaltungbranche für die protestierende jugendliche Subkultur.
Wie sie das gemacht haben? Nun ja, zunächst war eben das Albumkonzept ein vollkommen neues - weg von der üblichen Schlager+Füller+Covers-Maxime (Rubber Soul ist die erste Beatlesscheibe ohne Fremdkompositionen!) hin zu einer stimmigen Kollektion von Aufnahmen; Beach Boy Brian Wilson hat über Rubber Soul gesagt: Es „erschien mir wie eine Sammlung von Folk-Songs, die irgendwie alle miteinander zusammenhingen."
Außerdem strotzt die LP geradezu vor Experimentalgeist. „Drive my Car" entwickelt genauso wie „The Word" unglaubliche Dynamik aus einer Melodie heraus, die nie mehr als zwei Halbtonschritte umfasst - Soul pur! Die elektrischen Gitarren werden immer zurückhaltender, der rockige „Wall of Sound" (für den fünf Jahre später Phil Spector erst richtig bekannt wurde) immer transparenter, es war ja die Hochzeit des Folkrock - zugleich aber etablierten die Beatles mit „Norwegian Wood" die indische Sitar und in Harrisons packendem „Think for yourself" den Verzerrer! Besonders aber fällt - auch aus heutiger Sicht noch - der bewusste Einsatz von Perkussionsinstrumenten über das konventionelle Drum-Set hinaus auf - von Marimbas über Bongos bis zum heute alltäglichen Tamburin. Allerdings treten diese Produktionsdetails nie - anders etwa auf dem zweiten, ganz andersgearteten Meisterwerk der Liverpooler, Sgt. Pepper's - vor die Songs und störten womöglich deren Brillanz, im Gegenteil: Zuvorderst ist die fünfte Beatles-LP immer Songalbum und „Liederbuch".
Typisch ist denn bei all dem Innovationspotential auch, dass Rubber Soul von der damaligen Plattenkritik eher verhalten aufgenommen wurde: „The new Beatles fourteen-track album (...) is not their best at first hearing. (...) It isn't apparently filled with Lennon-McCartney classics", schrieb z.B. der Melody Maker. Und wie falsch er damit lag! Dieses erste LP-Zeugnis der Beatles vom Zenit ihres Schaffens war vielmehr gespickt mit den allerfeinsten Liedern, die bis dato ihrer Feder entsprungen waren - George Harrison's famose Tunes miteingeschlossen. Aber gerade John Lennon's Beitrag als Songwriter stellt alles in den Schatten, was er bis hierher geleistet hatte und auch alles, was noch folgen sollte; „Norwegian Wood" ist genialer Chanson, „Girl" bezaubert als Minneklage im Beat-Format, „Run for your Life" ist der beste und coolste Beschluss eines Beatles-Albums überhaupt (weil - im Gegensatz z.B. zu „Tomorrow never knows" - auch hörbar!), vor allem aber „In my Life" lässt einen nicht mehr los: Das schönste und songtechnisch elaborierteste Stück, das John je geschrieben hat. So ist denn Rubber Soul auch ein bisschen so was wie sein Vermächtnis aus der Beatles-Ära. (Jedenfalls für mich!)
Aber auch die McCartney-Teile sind nicht von Pappe - im Gegenteil! „Michelle" (gewissermaßen Schubert mit Blues!) ist sicher am bekanntesten, aber der wahre Geniestreich ist „You won't see me" - vielleicht sogar das beste Stück des Albums! Ich weiß nicht, warum dieses ergreifende, bewegende, zutiefst berührende Harmonie-Juwel in Best-of-Listen nie berücksichtigt wird. Dasselbe könnte man auch von „I'm looking through you" sagen: Das ist schlicht und einfach vollendeter Power-Pop mit Hirn und Herz!
Insgesamt ist Rubber Soul die reifste und ausgeglichenste, geschlossenste, einfach stimmungsvollste Platte der Beatles - vergleichbar hierin höchstens mit Abbey Road (v.a. dessen zweiter Seite), allerdings mit dem Unterschied, dass auf der letztgenannten Scheibe nur Harrison den allerhöchsten Gipfel der Kunst, Lieder zu schreiben, erreicht hat. Dafür fehlt natürlich ein wenig die Melancholie des Wissens, dass mit Abbey Road endgültig zu Ende gegangen ist, was mit Rubber Soul ja eben erst begonnen hatte!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zwar hatten die Fab Four mit Vorgängerwerken wie "A Hard Day's Night" und vor allem auch "Help" schon ansatzweise so etwas wie "Konzeptalben" geschaffen, doch erst RUBBER SOUL sollte DEN (ersten) markanten Wendepunkt in der Chronologie der Beatles markieren.

Das Album ist insgesamt tatsächlich "stimmiger" und in sich geschlossener als alles andere, was man bis dato gewohnt war (abgesehen von klassischer Musik und den alten Bluesgrößen vielleicht). Im Bereich "Pop/Rock-Musik" waren die Beatles wieder einmal die ersten, die eine gewagte Idee erfolgreich in die Tat umsetzen sollten (wie so oft).

RUBBER SOUL muss wirklich eine kleine Revolution am damaligen Musikmarkt gewesen sein, stand doch anno 1965 noch eher das Produzieren und Verkaufen von Singles im Vordergrund. Von nun an sollte sich dies aber ändern...

Die Platte als einzelne - so sehr sie auch neuartig und einflussreich gewesen sein mag - halte ich jedoch nicht für die größte Leistung der Beatles. Irgendwie betrachte ich RUBBER SOUL auch eher als Teil einer "Umsturz-Triologie" - bestehend aus eben RUBBER SOUL, REVOLVER und SGT. PEPPERS, - die eine nachhaltige Veränderung der Musiklandschaft im Bereich Pop/Rock bewirken sollte, denn als einzelnen Meilenstein. Kurz: Für mich gehören die drei oben genannten Alben aus der Dekade (1965-1967) irgendwie zusammen, auch wenn jedes Album für sich freilich als abgeschlossen und vollendet bezeichnet werden kann...

Meine persönlichen Lieblinge auf der Scheibe sind das hübsche "Drive My Car" sowie "Norwegian Wood" und "In My Life", das meiner Meinung nach den Höhepunkt von RUBBER SOUL markiert.
Aufgrund der Tatsache, dass die gesamte Scheibe nicht gänzlich mit Highlights bestückt ist, halte ich RUBBER SOUL mit 4 Sternen (aus heutiger Sicht freilich) für durchaus gerecht bewertet!

Eins der schönsten Beatles-Alben, das ich jederzeit an wahre Musikfreunde weiterempfehlen würde. Nur MAGICAL MYSTERY TOUR, THE BEATLES (das weiße Album) und ABBEY ROAD halte ich für noch besser.

Die Pilzköpfe wurden allmählich erwachsen...
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Juni 2005
"Rubber Soul" (1965), along with "Revolver" (1966), clearly representation the transitional period between the "early" Beatles and "Sgt. Pepper." In terms of performance this was the shift from a live band to a studio band, and the influence of producer George Martin is obvious on several of these songs. The growing sophistication of Lennon & McCartney as songwriters is equally apparent, spurned as much by the influences of eastern music (e.g., Harrison's sitar work on "Norwegian Wood") and the burgeoning drug culture (e.g., "The Word") as by their desire to write more than pop hits. This album might offer up a melodic love song like "Michelle" and a simple rocker like "Drive My Car," but there is also the poignant lyricism of "Nowhere Man" and "In My Life." On the one hand, the Beatles are still singing mostly love songs on "Rubber Soul," but on the other hand their is a great leap forward in terms of what they have to say about love this time around. I have also seen a compelling argument that it is on "Rubber Soul" than John Lennon and Paul McCartney start to really become different songwriters (which is seen by some as being the influence of Bob Dylan, a logical explanation to be sure).
Much has always been made of how the "Sgt. Pepper" album burst on the music scene, but "Rubber Soul" definitely begins laying the groundwork. "Girl" especially sounds representative of the "Sgt. Pepper" period, while "Run For Your Life" is consistent with the hits the Beatles had produced over the previous couple of years. The first record I ever owned was "The Beatles Second Album," which, of course, is not available on CD because it was produced in America and took songs off of three or four British Beatles albums. But even before I was aware of these differences "Rubber Soul" was obviously a shift in direction for the Beatles with "Revolver" representing the next step in their evolution, which explains why "Rubber Soul" is #5 and "Revolver" #3 on the list of 500 greatest albums of all time put out by "Rolling Stone" (Yes, "Sgt. Pepper" was #1). I have always thought of the two albums as a set, and I doubt I am the only one who feels that way.
Rating this CD was interesting, because in its day it was definitely a 5, but looked at in the context of the Beatles's entire career it is more of a 4.5 ("Run For Your Life" certainly seems outdated, even by that standards of 1965). However, if there is anybody in music history for whom you automatically round up, it would be these guys. Especially when you go back and really listen to songs like "I'm Looking Through You" and "Girl," and reconsider them in terms of the group's evolution, because they are more than just transitional works.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. März 2009
"Rubber Soul" stellt zweifelsohne den endgültigen Vollzug des Übergangs vom Beatles-Sound der frühen, zwar bereits melodiös und gesanglich genialen, aber strukturell und textlich noch recht einfach gehaltenen Rock'n'Roll-Frühwerke hin zum anspruchsvollen Songwriting und den aufwändigen, vom genialen George Martin vorangetriebenen Studioproduktionen der Mid-60er dar. Nach den ersten vier Beat-Alben hatte "Help!" bereits durch komplexer werdende harmonische Strukturen ("Another girl", "You're gonna loose that girl") sowie "klassisch" angehauchte Arrangements ("Yesterday") angedeutet, in welche Richtung die Beatles sich weiterentwickeln würden.
Auf "Rubber Soul" ist nun deutlich eine Erweiterung des musikalischen Horizonts der Beatles zu spüren, wobei der Esprit des geradlinigen Roch'n'Roll wie eh und je auf Stücken wie dem mitreißenden Opener "Drive my car" und den nicht minder genialen Mid-Tempo-Nummern "You won't see me" (mein Geheimfavorit auf der Platte) und "Nowhere man" weiterhin vorhanden ist.
Doch es sind die stilistischen Innovationen, die das Album so besonders einschneidend für die musikalische Laufbahn der Beatles machen. Auf "Norwegian Wood" setzt George Harrison erstmals sein berühmt gewordenes indisches Lieblingsinstrument ein, die Sitar. Bei "Michelle" zeigt Paul McCartney nicht nur seine Fähigkeit, romantische Lovesongs von bleibender Schönheit zu schaffen, sondern verbindet dies mit einer für die Rock/Popmusik der damaligen Zeit völlig neuen Dimension von Komplexität der Harmonie- und Melodieführung. Sein Partner John Lennon steht ihm dabei mit "Girl" nur ein wenig nach, kompensiert das Weniger an Melodiösität seines Stückes jedoch mit einem deutlich interessanteren Text. Über den Evergreen "In my life", seine grazile Schönheit der Melodie und George Martins an J.S. Bach angelehntes Klavierzwischenspiel braucht man unter geneigten Musikfreunden kaum noch Worte zu verlieren. Wohl aber ist es ebenso lohnenswert, auch die weniger bekannt gewordenen Tracks dieses Albums unter die Lupe zu nehmen und zu würdigen, so wie etwa das fröhlich-schwungvolle "I'm looking through you", das schrille "The Word" und die beiden betörenden und erstmals wirklich gelungenen Harrison-Songbeiträge der Beatles-Geschichte, "Think for yourself" und besonders "If I needed someone", mit seinen glockenhellen Gitarrenklängen und dem tollen mehrstimmigen Gesang im Refrain.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Beatles dank des sehr runden und angenehmen Höreindrucks, der kraftvollen und melodiereichen Einzelsongs und des neu entdeckten Variantenreichtums in dieser Schaffensphase mit "Rubber Soul" ihr vielleicht bestes, aber definitiv den Auftakt zur Reihe ihrer drei besten Alben überhaupt ("Rubber Soul" - "Revolver" - "Sgt. Pepper") abgeliefert haben. Über die musikhistorische Bedeutung muss also ebenso wenig debattiert werden wie über die Qualität dieser 14 Tracks. Sie sollten in keinem Plattenschrank fehlen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Mit "Rubber Soul" gelang den Beatles 1965 der Übergang von der Pubertät zur Adoleszenz. (Der Albumtitel, ein Wortspiel um Gummi-Sohle/Gummi-Seele, entsprang dem Begriff Plastic Soul, den farbige Musiker für Mick Jagger gebrauchten.) Es war das letzte Beatlesalbum, das unter Zeitdruck - in nur vier Wochen - für den Weihnachtsmarkt entstand; sie hatten die anstrengenden Tourneen langsam satt und begannen, im und mit dem Studio zu experimentieren, was dann in den nächsten beiden Jahren zur vollen Blüte kam.

Mit "Rubber Soul" begannen die Beatles, in Album-Kategorien zu denken, d.h. sie konzipierten das Album nicht mehr als Sammlung potenzieller Hitsingles wie bisher, sondern als im Ganzen funktionierende Einheit. Brian Wilson musste beim ersten Hören anerkennen, dass bei diesem Album jeder Song so gut war, dass es ihn wiederum zu den Höchstleistungen von "Pet Sounds" anspornte.

Wie mittlerweile bekannt, waren die Beatles während "Rubber Soul" gestandene Kiffer und bemüht, ihren musikalischen und thematischen Horizont zu erweitern: hatten ihre bisherigen Songtexte überwiegend von Liebe gehandelt, schrieben sie nun auch Songs wie Drive my Car und Norwegian Wood mit Comedy-Einschlag (der sich auch in dem "tit-tit-tit"-Chor in Girl zeigte). Michelle hatte einen französischen Refrain, und McCartneys Texte von You won't see me, I'm looking through you und We can work it out (der parallel erschienenen Single) waren nicht mehr rein fiktiver Natur, sondern von realen Konflikten in seiner Beziehung mit Dauerfreundin Jane Asher inspiriert.

The Word darf als erster Beatles-Song mit einer Botschaft gelten, der Songs wie All you need is Love, Revolution und Lennons spätere Songs wie Give Peace a Chance, Imagine, Power to the People etc. ankündigte. (Zudem vermute ich aufgrund des Sounds und der Positionierung im rechten Kanal, dass der Bass bei The Word als erstem Beatles-Song eine eigene Aufnahmespur bekam, was dann ab "Revolver" zum Standard wurde.) In Run for your Life drohte Lennon seiner Holden zur Abwechslung mit unverhohlener Eifersucht, in Girl setzte er sich kritisch mit dem Christentum auseinander, in Nowhere Man besang er anschaulich seine zunehmende Apathie und innere Leere angesichts des Ruhmes als Beatle, und In my Life (für das George Martin ein wundervolles Barockpianosolo einspielte) war eine erstaunlich altersweise Lebensrückschau für den damals gerade mal 25-Jährigen.

George Harrison lieferte mit Think for yourself und If I needed someone zum ersten Mal ebenbürtige Eigenkompositionen; im Sound und im Riff von If I needed someone (von Bells of Rhymney von den Byrds entlehnt) gab er das Kompliment mit der zwölfsaitigen Rickenbacker an die Byrds zurück.

Auch instrumental streckten sich die Beatles mit dem Einsatz von Harrisons damals exotischer Sitar in Norwegian Wood, dem zahllose weitere folgten, z.B. bei Paint it black von den Rolling Stones oder Scott McKenzies San Francisco. Neu war auch Pauls verzerrter Bass in Think for yourself.

Das Album ist nicht ohne Füller: um auf die - zumindest in England - üblichen 14 Songs zu kommen, polierte man mit Wait einen Outtake aus den "Help!"-Sessions auf, und für Ringos obligatorischen Beitrag What goes on kramten die Beatles einen Song hervor, den sie 1963 bei den Sessions für From me to you schon mal versucht hatten, aufzunehmen (nebenbei der einzige Song mit der Autorennennung Lennon/McCartney/Starkey).

Auf der US-Ausgabe von "Rubber Soul" fehlten Drive my Car, Nowhere Man, What goes on und If I needed someone, dafür wurden hier I've just seen a Face und It's only Love von der britischen "Help!" nachgereicht, was der US-Version einen deutlich akustischeren Anstrich verlieh. Auf der US-CD finden sich zwei Raritäten: am Anfang von I'm looking through you sind die beiden Fehlstarts auf der Akustikgitarre zu hören, und von The Word gibt es einen alternativen Stereomix, bei dem Johns Stimme während der Strophen gedoppelt war, der Bass von rechts nach links wanderte und dafür Pauls hohe, dritte Stimme während der beiden Schlussrefrains besser zu hören ist (vgl. "Capitol Albums Vol. 2").

Wie damals in England üblich, wurden We can work it out und Day Tripper nicht aus dem Album ausgekoppelt, sondern als Single veröffentlicht, und zwar als erste Beatles-Single mit doppelter A-Seite; ich bin etwas enttäuscht, dass man sie nicht einmal 2009 mit auf das Remaster gepackt hat. Für die kompositorische Qualität des Albums spricht allein schon die Tatsache, dass - die Single mitgerechnet - die Hälfte der Songs aus den "Rubber Soul"-Sessions es später auf das berühmte "Rote Album" schafften, so viel wie von keinem anderen Beatlesalbum, und zwar zu Recht!

"Rubber Soul" mag nicht so innovativ sein wie "Revolver", nicht so revolutionär wie "Sgt. Pepper's", nicht so abwechslungsreich wie das "Weiße Album" - aber es hat dank der tollen Kompositionen eine durchweg wunderschöne, herbstlich-romantische Gesamtstimmung, die im Coverfoto stimmig eingefangen ist, und deswegen bleibt es mein zweitliebstes Beatlesalbum gleich nach "Abbey Road".

(P.S. Persönlicher Nachtrag zur Produktion: Seit I want to hold your Hand hatten die Beatles auf vier Spuren aufgenommen, und die Stereo-Mixe der drei folgenden Alben wurden dementsprechend abgemischt: Rhythmusspur links, Soli und andere Overdubs rechts, Gesang mittig. Obwohl ebenfalls eine Vierspuraufnahme, erschien jedoch der originale Stereomix von "Rubber Soul" im Pingpong-Stereo der ersten beiden Beatlesalben, also Rhythmusspur links, Overdubs und Gesang rechts, die Gesangsspuren höchstens mal auf beide Kanäle verteilt; über die gesamte Albumlänge von gut 35 Minuten kommt kein einziges Signal aus der Mitte des Stereospektrums, was für 1965 wie ein Rückschritt anmutet. Wohl deshalb schob George Martin bei der Aufbereitung des Beatles-Katalogs für CD 30 Jahre später bei "Rubber Soul" in vielen Fällen die Rhythmusspur auf dem linken und den Gesang auf dem rechten Kanal erheblich weiter zur Mitte hin, um den Mix voller klingen zu lassen. Leider wurden diese halbgaren '87er Remixe auch bei den offiziellen Remasters 2009 wiederverwendet; die '65er Original-Stereomixe von "Help!" und "Rubber Soul" sind nur als Bonustracks in der Mono-Box zu finden - dafür immerhin gänzlich unkomprimiert; auch wurde bei dieser Gelegenheit das dicke "Fump" im Solo von Run for your Life (1:07) ausgemerzt. Nowhere Man und Think for yourself, die 1999 für den "Yellow Submarine"-Songtrack neu abgemischt wurden, zeigen, wie man es bereits 1987 hätte besser machen können: Rhythmusspur in der Mitte, Overdubs wie gehabt rechts oder links, aber den Gesang räumlich über die Stereokanäle verteilt. Meine Traum-Version von "Rubber Soul" ist eine Deluxe Edition mit allen drei Varianten zur freien Auswahl: die Original-Mono- und Stereomixe von 1965 sowie der Remix von '87, samt der Single We can work it out/Day Tripper - vielleicht wird's ja was 2015 beim 50jährigen Albumjubiläum...?)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Oktober 2009
Eigentlich waren die Produktionen von George Martin zu ihrer Zeit schon eine saubere Sache. Ich war gespannt, was 8 Tontechniker in 4 Jahren Arbeit schaffen würden. Als Vergleichsmuster hatte ich die EMI-CD und war positiv überrascht. Es wurde nicht versucht, große Veränderungen am Material vorzunehmen (was auch gar nicht erlaubt war), man hat sich auf Säuberung und Anpassung beschränkt mit dem Standard unserer Zeit. So sauber und satt habe ich diese 44 Jahre "alte" Musik noch nicht gehört. Hut ab!
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. September 2009
Klanglich macht die "Remastered Version" von Rubber Soul einen klaren Schritt nach vorne. Daher ist für Fans der Kauf fast schon Pflicht. Allerdings wurde mit der Veröffentlichung von "Love" eine Erwartungshaltung geschürt wurde, was die Qualität der Originalbänder angeht, die hier nicht erfüllt wird. Während "Love" sich ja einzelner Tonspuren bedient und diese "Remixed" wurde auf diesen Schritt bei der hier vorliegenden "Remastered Version" von Rubber Soul verzichtet. Damit haben die Tonmeister Allan Rouse und Steve Rooke eben nicht die ganze Möglichkeit ausgenutzt um Rubber Soul klanglich auf das mögliche Top-Niveau zu heben. Für Fans vermutlich trotzdem ein Pflichtkauf.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Februar 2009
"Rubber soul"ist eine wunderbare Platte.Hier klangen und klingen die "Fab four"schon ziemlich anders als noch auf den vorigen Alben.Das flotte "Drive my car",danach "Norwegian wood"."If you won't see me" und "Nowhere man"(immer noch eine der besten Beatles-Nummern).Danach hat man nur noch das Bedürfnis die Scheibe durchhören zu wollen.Man hört hier auch vereinzelt folkige Klänge.George liefert hier mit "If I needed someone"wieder einen großartigen Song ab.Zum Schluß schließlich "Run for your life",was noch sehr"beat-mäßig"ist.Auch George Martin lieferte hier gute Arbeit ab;schließlich muß man ja auch bedenken,dass diese Platte von 1965 ist.Fazit;auch "Rubber soul"geht als großer Klassiker durch.
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