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212 von 234 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Unverkennbar Eastwood, und zwar in Hochform,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Bambusfresser, Schlitzaugen... Eastwood fährt wirklich alles auf an political incorrectness gegenüber den Asiaten, die jetzt sein Viertel bevölkern - wiewohl er als "Walt Kowalski" auch nicht gerade einen uramerikanischen Rollennamen hat. Es geht in "Gran Torino" um das Altern, um Veränderungen der Zeit, um einen Zusammenprall von Lebensentwürfen und von Generationen, um die Bekehrung eines Rassisten, um die Rettung eines alten Mannes und eines Teenagers aus der Isolation, um Selbstvertrauen, am Rande auch um Gewalt - also nahezu das ganze Eastwoodprogramm, und darin wird der Mann, der nun schon auf die 80 zugeht, immer besser! Angesichts der genannten Skizze ist vielleicht gar nicht zu erwarten, wie viel Humor dieser Film doch hat. Er hat zwar einen ernsten Hintergrund, ist aber erstaunlich oft zum Schieflachen, sicherlich keine alberne Komödie, aber von einer augenzwinkernden Schnodderigkeit, hinter der immer auch noch ein bißchen mehr steckt, aber die irgendwie schon unglaublich Laune macht. Allein wie Stoneface Eastwood seine Mundwinkel verzieht, als ihm die Verwandtschaftsblase ein Telefon mit extra großen Tasten und einen mechanischen Greifarm schenkt, weil das das Leben doch so viel leichter mache (und darauf hinweist, dass das alles bei betreutem Wohnen noch viel, viel angenehmer wäre...), ist ein Ur-Eastwood-Moment, der dreierlei ist: Selbstreferenziell (Eastwood ist längst Kult), dabei dennoch von berührender Wahrheit und Würde, vor allem aber saukomisch. Solche Momente gibt es wirklich viele, sie alle zu nennen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.Worum geht es eigentlich? Kowalski ist der Ur-Ami, der im Koreakrieg gekämpft und danach für Ford Autos zusammengebaut hat, jahrzehntelang. Ford ist ja so ein Flaggschiff und Sinnbild der guten alten US-Industrie, mit der das Land geglänzt und die es groß gemacht hat. Vom Tellerwäscher zum Millionär, amerikanische Schaffenskraft... dafür steht Ford, oder muss man nicht schon sagen: Das war einmal? Auch ohne die aktuelle Krise einzubauen, zeigt der Film: Die Welt hat sich verändert. Walts Viertel wird nur noch von Koreanern bevölkert. Und nicht nur das Viertel. In einer witzigen Szene, in der Blicke alles sagen, sehen wir die Asiaten auch in der Arztpraxis, und zwar nicht nur als Patienten, sondern auch als Ärztinnen und Personal: Die dienen man nicht nur à la Sarrazin dem Obst- und Gemüsehandel, sondern sind längst im Establishment angekommen. Dass sich der alte Sack Kowalski von ner Dreierquote (Frau, blutjung und Asiatin) sagen lassen muss, wie er seine Pumpe zu schonen hat, verwirrt ihn sichtlich. Hinzu kommt: Walt ist desilliusoniert und vereinsamt und fühlt sich nicht nur angesichts der "Ausländer" (von denen viele vielleicht rechtlich gar keine sind) im falschen Film: Seine Frau ist verstorben, seine Kinder wollen ihn ins Heim stecken, seine Enkelin kommt bauchfrei zur Beerdigung der Großmutter und möchte sich extrem unverblümt das größte Stück des Erbkuchens unter den Nagel reißen. Der Pfarrer ist ein Jungspund, der über den Tod spricht, indem er seine Theologievorlesungen herunterspult. Er hat Buchwissen, Walt aber hat Bauchwissen, weil er den Tod in Korea gesehen hat (und, wie wir später erfahren, auch im Krieg schuldig geworden ist, was er nie verwunden hat). Was für eine eigentlich deprimierende Ausgangssituation, aber wie gesagt, ein stellenweise ungemein witziger Film, das muss man erst einmal hinbekommen. Widerwillig lässt Walt Dankesbekundungen der koreanischen Nachbarn über sich ergehen, weil er deren Sohn vor einer Gang gerettet hat (eher nur, weil er das nicht ertragen konnte, und um seine Ruhe zu haben). Da ist Eastwood noch gelegentlich der alte harte Knochen mit den bedrohlichen Sprüchen, wenngleich das immer auch schon etwas gebrochen ist und am Schluss eine überraschende, aber in der Rückschau doch stimmige Wendung nimmt. Walt wird mehr durch einen Zufall eine zunächst schwierige, aber immer schon aufs Warmherzige zusteuernde Beziehung zu diesem koreanischen Jungen entwickeln, und hier macht Eastwood etwas, was nur er kann und was seine Filme öfter einmal auszeichnet: Er schweißt zwei unterschiedliche Personen zusammen, schildert eine Art Vater-Sohn (oder hier vom Alter her eher Großvater-Enkel-)Beziehung, wobei immer klar ist: So unterschiedlich die sind, der eine braucht den anderen, und der eine kann den anderen retten. Das gilt immer in beide Richtungen, auch wenn das nicht sofort offenbar ist. So ist Walt derjenige, der dem Jungen (dessen Namen ich vergessen habe) aus der Orientierungslosigkeit hilft, ihm einen Job, eine Lebensperspektive und ein Rückgrat verschafft, aber dabei ist klar, dass Walt genau so sehr von dem Jungen befreit und gerettet wird, wie er ihn umgekehrt befreit und rettet. Diese schönen Doppelungen und Umkehrungen, diese positiven Bekenntnisse zum Einander-Brauchen, die gibt es öfter einmal bei Eastwood, und sie sind immer von einer scheinbar paradoxen Vielschichtigkeit. Am schrägsten und schönsten gelingt es ihm vielleicht in "Ein wahres Verbrechen": Da gibt es einen Todeskandidaten und einen Reporter, dessen Leben überhaupt nicht bedroht ist, aber der Erste hat einen Halt im Leben, der dem Letzten völlig fehlt - natürlich wird der Reporter als reichlich kaputter Mensch von Eastwood selbst gespielt. Auch in "Gran Torino" ist Eastwood mal wieder oberflächlich der Retter, aber genau betrachtet genauso der Gerettete, und er ist sich nicht zu schade, das schonungslos offenzulegen, ohne jemals ins Sentimentale abzugleiten. Ein derartiger Ansatz erfordert Spiegelungen, Doppelungen, mit diesen ganzen Umkehrungen des Oberflächlichen, und Eastwood erweist sich hierin als Meister. Nur ein Beispiel: Walt legt einmal die Beichte ab, wir sehen durch das Gittermuster des Fensters im Beichtstuhl, und Walt speist den jungen Pfarrer mit typisch eastwoodschnodderigen Floskeln ab. Wenig später hat Walt seinen jugendlichen Freund in einem Keller eingesperrt (weil Walt, ganz der alte Western-Eastwood, eine gefährliche Situation allein bestehen und den Jungen schützen will), und bei einer verbalen Auseinandersetzung erzählt Walt ihm sichtlich erregt, was damals wirklich in Korea geschehen ist. Die beiden sind durch eine Gittertür getrennt, die ein ganz ähnliches Muster wie zuvor in der Kirchenszene wirft, und es wird klar: DAS ist die wirkliche Beichte des Walt Kowalski, für ihn ein Schmerz, aber auch eine Befreiung. So ist das mit diesem Film öfter einmal, es gibt eine zweite Wahrheit unter der Oberfläche. Bei alldem - auch das ist typisch Eastwood - ist dieser Film dennoch von einem ur-amerikanischen Patriotismus beseelt. Er ist vor Nationalstolz nicht blind, spricht Probleme Amerikas offen und mit wachem Blick an, aber es gibt immer noch das positive Gegenbild, hier beispielsweise die Perspektive, dass ein Niemand relativ wenige Probleme hat, einen Job auf einer Baustelle zu finden, wenn er es nur wirklich will, seinen Mund aufzumachen lernt und entschlossen ist, in die Hände zu spucken. Die USA, das ist kein Traumland, aber die Potenziale, die sieht Eastwood trotz allem noch. Man kann das kritisieren. Aber wie gesagt, sein Patriotismus ist nicht blind, und da gefällt mir diese Mischung aus kritischer und lebensbejahender Haltung schon wieder. Eastwood hat also unverwechselbares Eastwoodwerk hingelegt, man entdeckt immer wieder typische Elemente seiner Filme. Einige wurden bereits genannt. Ferner ist zu vermerken: Ein für den typischen Amipatrioten bemerkenswert kritischer Blick auf die Kirche (schon in "Million Dollar Baby" hat der Pfarrer kläglich versagt, als es mal nicht um graue Theorie, sondern um eine sehr konkrete Bitte um Sterbehilfe ging), aber auch Menschenliebe statt den totalen Zynismus (der Pfarrer kommt hier am Ende recht gut weg, so wie die erst ätzenden Verwandten in "Die Brücken am Fluß" am Ende alle geläutert sind). Indes: Grenzenlos ist diese Liebe nu auch wieder nicht. Die raffgierige Verwandtschaft von Walt kriegt ihr Fett genauso ab wie die von Maggie in "Million Dollar Baby", und bei den Koreanern gibt es neben der netten Familie von nebenan auch noch eine Streetgang, deren Gewaltbereitschaft weit über Dummejungenstreiche hinaus geht. Wie Walt mit der am Ende fertig wird, ist ziemlich genial. Seine im ganzen Film präsente Geste, mit den Fingern eine Pistole zu formen, zeigt schon an, dass nichts so ist, wie es scheint (wie schon bei dem nur scheinbar friedlichen Ende von "Mystic River"), und genau genommen führt Eastwood hier etwas konsequent durch, was bei "Erbarmungslos" nur halbherzig geraten ist (dies genauer zu erklären, würde zuviel vom Ende verraten). Und ihm gelingt ganz nebenbei ein starkes Statement für Zivilcourage durch einen ungewöhnlichen Regieeinfall: Mehrere Male wird auffällig nicht der Gangleader ins optische und inhaltliche Zentrum gerückt, sondern der nicht minder brutale Mitläufer, gerade in der letzten Szene, in der die Gang vorkommt. Für den hat Eastwood offenbar die meiste Verachtung übrig, so sehe ich es, und ohne solche Typen könnten die Anführer ja auch herzlich wenig ausrichten, sei es bei Straßengangs oder in Diktaturen oder wo auch immer. Nach alledem gilt: Obwohl der Film entspannt und witzig daherkommt, an der einen oder anderen Ecke auch gern mal das Bedürfnis nach Eastwood-Kult-Momenten befriedigt, ist er doch letztlich tiefschürfend - und erfreulich kompromisslos. Eastwood gehört genauso wenig zum alten Eisen wie Walt Kowalski. Ein Leistungsabfall ist da überhaupt nicht zu bemerken, im Gegenteil. Freuen wir uns auf die Filme, die noch von ihm kommen! 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70 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine wunderbare Geschichte über Bambusratten, Frühlingsrollen und Oldtimer,
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Ich muss gestehen dass mir Clint Eastwood langsam aber sicher unheimlich wird. Was dieser Mann in den letzten 20 Jahren an erstklassigen Filmen gedreht hat ist wirklich aller Ehren wert. Wobei der gute Clint ja schon länger als nur die letzten zwanzig Jahre gute Filme macht. Anfang der 90er ging es los mit dem Oscar prämierten Erbarmungslos" und es folgten Filme wie Perfect World", Mystic River", Million Dollar Baby", Der fremde Sohn" oder auch die Kriegsdramen Flags of our Fathers" und Letters from Iwo Jima". Dass sind aber wirklich nur ein paar der Perlen die Eastwood auf die Leinwand gezaubert hat.Nun mit Gran Torino" setzt der Altmeister seinen Siegeszug fort und beschert uns wieder einen Film der Extraklasse . Vor allem aber liefert der rüstige Rentner die vielleicht beste schauspielerische Leistung seiner Karriere ab. Das einzige was man bei Eastwoods Filmen meist vergeblich sucht ist ein richtig schönes Happy End, was aber auch gut so ist denn dafür gibt es genug andere Filme. Eastwood ist mehr dafür zuständig die Taschentuchindustrie anzukurbeln. Der aus Polen stammende Walt Kowalski ist Patriot mit Leib und Seele und seinen Vorgarten ziert natürlich die Stars and Stripes. Im Koreakrieg ist er tapfer für sein Land eingestanden und die Ostasiaten die mittlerweile seine Nachbarschaft besiedeln sind dem Dickkopf ein Dorn im Auge. Seine Frau hat er gerade beerdigt und zu seinen beiden Söhnen hat Walt nicht unbedingt ein gutes Verhältnis. Als der Nachbarsjunge Thao von Walt dabei erwischt wird, wie er dessen Ford Gran Torino" als Aufnahmeprüfung einer Gang stehlen will, ändert sich das Leben für den Kriegsveteranen. Denn kurz darauf als Thao von der Gang zur Rechenschaft gezogen wird schreitet Walt ein und vertreibt die Bande. Damit wird er ungewollt zum Helden des Viertels und die asiatischen Nachbarn bringen in Mengen Geschenke zu seinem Haus. Als Wiedergutmachung für den Versuch Walts Auto zu klauen muss Thao seine Schulden abarbeiten. Dabei entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Walt, musste leider in der Zeit auch erfahren das es mit seinem Gesundheitszustand nicht zum besten steht und dass seine eigene Familie nicht auf sein Wohl sondern nur auf seinen Besitz aus ist. Die Situation gerät außer Kontrolle als die Gang Rache nimmt und Thaos Schwester Sue vergewaltigen und brutal zusammen schlagen. Eastwood zeigt in diesem spannenden und einfühlsamen Drama sein ganzes Können sowohl vor, als auch hinter der Kamera. Er spielt den von Fremdenhass und Einsamkeit zerfressenen Kriegsveteranen mit solch einer Hingabe dass diese Darstellung wohl zu den besten seiner Laufbahn gehört. Die Dialoge die er mit seinem italienischen Friseur führt sind große Klasse und auch die Situation als er Thao dorthin mitnimmt um Ihm zu zeigen wie sich richtige Männer unterhalten. Auch die Beziehung zu Pater Janovich ist herrlich sarkastisch und von tollen Dialogen geprägt. Ich will hier auch nicht zuviel über den Schluß verraten, aber es ist wunderbar wie hier so mancher sein Fett abbekommt. Eastwoods Film lebt von seinen Figuren und deren Beziehungen zueinander. Es ist ein Film der sich so wohltuend von der breiten Masse abhebt und für mich einer seiner besten Filme ist. Leider wird dieser Film auf DVD nicht entsprechend gewürdigt. Bild- und Tonqualität geben keinen Grund zur Klage, auch wenn wie so oft die Tonspur recht leise geraten ist. Das Bonusmaterial ist aber eine absolute Frechheit, denn zwei lausige Feturettes mit einer Gesamtlänge von gerade mal 13 min sind ein Witz. Dazu kommt das diese beiden Bonusfilmchen eigentlich mit dem Film gar nicht so viel zu tun haben. Der Film ist ein absoluter Volltreffer, aber die DVD ist leider gerade das Gegenteil. Trotzdem kann es nur fünf Sterne für großes Kino geben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Heart locked in a Movie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Leider, leider kam ich erst vor Kurzem dazu, diesen so ausgesprochen wertvollen und großartigen Film anzusehen.Clint Eastwood zeigt uns, was man von gutem Wein sagt: Er wird mit den Jahren immer besser. Auch dieser so hervorragende Schauspieler, Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Komponist - und auch Sänger! - war nie besser, als jetzt. In seinen späten Jahren spielt Clint in Rollen, welche eine immense Tiefe und Charakter haben, scheinbar in einer eigenen Liga. Seine Darstellung des Walt Kowalski, der von seinem, durch manch eigene Fehler verpfuschten, und desillusionierten Leben enttäuscht ist, kommt verdammt gut rüber... Walt ist nicht bloß ein Mann mit einem eigenen Schicksal - sondern ein Sinnbild für seine ganze Generation. Er ist alt, ebenso wie sein Gran Torino Muscelcar alt ist. Ein Relikt aus einer anderen - für ihn besseren - Ära. Die große Zeit der Stadt Detroit mit ihren Motorenwerken ist längst vergangen. Genau so wie viele von den Werten, die ihm wichtig sind. Geplagt davon, daß er mehr als sein halbes Leben durch seine Erlebnisse im Koreakrieg bestimmen ließ, und dadurch zu einem verbitterten alten Mann wurde, der sich selbst (und vor allem seiner eigenen Familie) immer fremder wird, öffnet er - Anfangs nur sehr widerstrebend - sein Herz. Für seine Nachbarn, die Hmong ebenso wie für sich selbst. Ich könnte noch locker eine ganze Weile so weitermachen - würde allerdings bloß das wiederholen, was ich selbst gerade in manch anderen, der als sehr hilfreich bewerteten (und sehr guten!), Rezensionen schon lesen konnte. Der Film ist wirklich sehr zu empfehlen! Kein Action-Eastwood, obwohl er auf dem Cover einen Karabiner in der Hand hält. Also nicht davon täuschen lassen. Aber ein harter Eastwood, der sehr zum Nachdenken anregt. Was mich nicht loslässt und regelrecht bezaubert, ist das Lied - die "End Credits" - zu GRAN TORINO. Gesungen von Jamie Cullum und Clint Eastwood selbst. Seine rauhe und brüchige Stimme verkörpert den Geist und die Seele dieses Songs. Und auch die des Filmes. An anderer Stelle las ich: "Wie kann jemand über ein Auto singen, und damit solche Gefühle hervorbringen.." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
86 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ganz großes Kino!,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Walter Kowalski (Clint Eastwood), für seine wenigen Freunde Walt, war im Koreakrieg. Dort hat er vor bald 60 Jahren unsägliche Grausamkeiten erlebt, aber auch angerichtet. Seither ist Kowalski ein verbitterter Pedant. Sein Haus ist stets militärisch-makellos gepflegt, seine schon lang erwachsenen Kinder mit schärfsten Drill erzogen und daher entfremdet. Als seine Frau beerdigt wird, verhält sich auf der Trauerfeier vom Priester bis zum letzten Gast auch niemand respektvoll genug für seine Vorstellungen. Ganz klar: Walter Kowalski will man nicht als Nachbarn haben. Als im leerstehenden Nachbarhaus eine koreanische Familie einzieht, scheint für Kowalski entgültig der Siedepunkt erreicht worden zu sein. Spätestens als der Nachbarjunge Taoh, von einer lokalen Gang angestiftet, seinen 1972er Gran Torino beschädigt, droht das angespannte Nachbarschaftsverhältnis in einen Kleinkrieg umzuschlagen. Doch als die Gang seine Nachbarn anfängt zu terrorisieren, beginnt Kowalski einzuschreiten...Mit 80 Lenzen zeigt Clint Eastwood mehr Biss beim Filmemachen als manche Regisseure, die dem Zuschauer das Blaue vom Himmel versprechen, dies aber meist nicht einhalten können. Sein geradezu kammerspielartiges Drama "Gran Torino" verknüpft die aktuellen sozialen Probleme von Amerikas Ballungsräumen, gekonnt mit den Dämonen, die ein alter Mensch und Kriegsveteran mit sich herumschleppt. Dass dadurch Walters Entfremdung von der eigenen Familie vorangetrieben wird, zeigt umso deutlicher, dass die "Abschiebepolitik" der westlichen Gesellschaft, die ihre Alten lieber in Heime verbannt, als sie im Mittelpunkt der Familie zu halten, bis ins Mark fehlgeleitet ist - ganz anders wie bei seinen koreanischen Nachbarn. Besonderes Augenmerk legt Eastwood dabei auf die späte Annäherung der Kulturen zwischen seiner Figur, dem verbissenen Veteranen, und dem pickeligen, jungfräulichen und offensichtlich nichtsnutzigen Sohn seiner asiatischen Nachbarn, die offenbar gekommen sind, um sein geliebtes Amerika zu überfremden. Eastwood inszeniert mit nur wenig Aufwand das Wesentliche einer jeden Szene, sein Film wirkt wie das 100-Prozent handgemachte Endprodukt eines Filmliebhabers - Old School, wie es sie nur selten gibt in Hollywood. Wenn Hauptdarsteller Eastwood dann noch knurrend den Mundwinkel verzieht, um seinen Unmut auszudrücken, dann merkt man warum der Mann eine Legende vor und hinter der Leinwand ist. Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Ansehen und genießen. "Gran Torino" ist wahrlich ein vielschichtiges Meisterwerk, an dem sich so mancher vermeidliche Filmemacher eine dicke Scheibe von abschneiden kann - 5 Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Letzte (?!) Paraderolle für Altmeister Eastwood,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Eine der allerletzten, noch lebenden Filmlegenden Hollywoods verabschiedet sich endgültig von der Schauspielbühne und sucht zukünftig seine Erfüllung im Regie-Fach. Das zumindest hatte Clint Eastwood nach seinem großen Oscar-Erfolg "Million Dollar Baby" verkündet. Doch wenn in einem seiner neuen Filme eine markante Figur zu sehr lockt, kann auch ein "Dirty Harry" mal mit seinen Vorsätzen brechen. Über solche Ausnahmen kann der Cineast einfach nur froh sein, denn selbst mit seinen aktuell 81 Jahren hat Eastwood noch soviel Saft und Schauspiel-Energie in sich, dass man ihm am liebsten ein Renten-Verbot auf Lebenszeit auferlegen möchte. Sein "Gran Torino" reiht sich mühelos in seine größten Regie-Meisterwerke der letzten 20 Jahre ein, während er selbst als Hauptdarsteller zum vielleicht allerletzten Mal eine sehr schillernde wie problematisch zu wertende Person verkörpert.Wir lernen den polnisch-stämmigen Korea-Kriegsveteranen Walt Kowalski bei der Beerdigung seiner Frau kennen. Ein grantiger und extrem konservativer Mann, der wenig Freundlichkeit ausstrahlt und umso mehr mit unverhohlener Artikulation aneckt. Wegen seiner strengen Art und uralt erscheinender Weltanschauung ist seine Verwandtschaft nicht gut auf ihn anzusprechen, denn seine allgemeine Bitterkeit und Gereiztheit bekommen nicht nur Fremde wie der blutjunge Pater, der die Bestattungspredigt hält, oder seine ausländischen Nachbarschaft zu spüren, ebenso seine eigenen Söhne samt familiärer Anhang sind oft Zielscheiben seiner verbalen Ergüsse. Entweder man akzeptiert ihn und sein Wesen oder man lässt es besser sein. Nunmehr verwitwet lebt er in den Tag hinein und beobachtet sein Wohnviertel ganz genau, welches für ihn die Lage der ganzen Nation wiederspiegelt: die "ur-amerikanischen" Werte entschwinden, der Einfluss anderer Kulturen nimmt mehr und mehr zu. Was ihm total stinkt. Weitere Nahrung für seinen unverblümten Fremdenhass bekommt er, als er vermehrt mit dem Asiaten Thao zu tun bekommt. Der eigentlich völlig harmlose Nachbarsjunge wird von einer kursierenden Gang dazu angestiftet wird, Walts geliebten Gran Torino zu stehlen. Walt ertappt ihn dabei, wird dann aber kaum später zu seinem ungewollten Beschützer, als die Gang den Jugendlichen erneut drangsaliert. Nun wird Kowalski von den asiatischen Nachbarn wie ein Held gefeiert und tagtäglich verköstigt, desweiteren arbeitet Thao seine Schuld bei ihm ab, so wie es der Tradition seiner Familie entspricht. Zum ersten Mal in seinem Leben öffnet sich Walt gegenüber Fremden, knüpft sogar Freundschaft mit dem Jungen und dessen Familie an und beginnt seine Vorurteile zu überdenken. Der Frieden endet bald, als die Gangmitglieder wiederholt gewalttätig werden und Thaos Familie gezielt attackieren... Mal unter uns: Wer könnte einen alten, ständig miesgelaunten Hund wie Walt so authentisch und lebendig verkörpern, wenn nicht der gute alte Clint ? Solche Rollen liegen ihm einfach. Man nimmt ihm den Rassisten, den intoleranten Menschen ab, ohne mit der Wimper zu zucken. Mit einem eisenharten Blick, der glatt töten könnte, und mit seinem losen Mundwerk, aus dem Beleidigungen und Vulgär-Vokabular im Sekundentakt fließen, erinnert Eastwood an ähnlich harte Einzelgänger wie "Dirty" Harry Calahan oder Bill Munny aus "Erbarmungslos". Die Wandlung vom harten Mann zum (vorsichtig ausgedrückt) "netten" Nachbarn erfolgt dabei schön langsam, nicht zu spontan oder zu sentimental, und auch bis zum Schluss bleibt Kowalski ein knurrender Brocken, an dem sich viele seiner Mitmenschen die Zähne ausbeissen. Das Spiel von Eastwood ist durch die Bank überragend, und der fast ausschließlich mit unbekannten Mimen (ohne Schauspielausbildung) besetzte Rest-Cast hält jederzeit mit. Auch wenn "Gran Torino" in erster Linie ein Film mit ernst zu nehmender Thematik ist, Freunde zynisch-beissendem Humors kommen hier nicht zu kurz. Wenig charmante Ausdrücke wie "Bambusratte" oder "verzogene 27-jährige Jungfrau" gehören noch zu den harmlosesten Beschimpfungen, die Walt dem jungen Thao bzw. dem Pater an den Kopf wirft, und obwohl diese Direktheit bewusst schockieren soll, amüsiert es gleichzeitig den Zuschauer. So begrüßen sich der alte Mann und sein italienischer Stammfriseur auf die gleiche grobmotorische Art, die für Leute ihrer Generation fast zur Selbstverständlichkeit gehört. Dass Thao und seine ältere Schwester Sue schnell den Weg auf seine Verbal-Schiene finden und dem faltigen Miesepeter im Laufe der Geschichte reflexartig Paroli bieten, ist einfach köstlich, und spätestens dann wenn der Vollblut-Patriot seinen asiatischen Nachbarn trotz vorschneller Skepsis eine vorzügliche Küchenkost einräumen muss, gibt dies dem Film nochmal eine menschlich/herzliche Extra-Würze. Eine wundervolle, teils ironische, aber stets kritisch zu verstehende Form der Generations-/Völkerverständigung, bei der Regie-Mastermind Eastwood wie gewohnt auf "political correctness" pfeifft. Fazit: Ich wäre noch für 10 weitere Jahre mit Clint Eastwood und seinen Filmen dankbar. Auch wenn es hinlänglich abgedroschen klingt: Der Alleskönner aus Hollywood versteht es immer wieder, sich mit jedem neuen Werk nochmals zu steigern, selbst wenn man nicht damit rechnet. Der alte Leitspruch "Ich werd` nicht älter, sondern besser" schwebt im Hinterkopf, wenn man sich für zwei Stunden in "Gran Torino" verliert und an den genialen Kopf vor und hinter der Kamera denkt. Unspektakulär, einfach gehalten und gerade deswegen auch so unvergleichlich spannend. Man hofft dass er noch viele Lebensjahre genießt und uns weiterhin hochwertigste Filmkunst beschert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Meisterwerk,
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Als ich Gran Torino einlegte wusste ich nicht worum es gehen wird, lese mir Filmbeschreibungen ungern schon vorher durch, da dort schon das meiste verraten wird.Ich muss sagen, lange hat mich keine Film mehr so beeindruckt. der gute Clint in einer seiner besten Rollen. der Film hat alles: Szenen zum Lachen, Szenen die zum Nachdenken anregen, Szenen die schockieren, Szenen die Erschüttern und traurig machen, ein Film mit wirklich witzigen Stellen, obwohl es ein äußerst tiefsinniger Film ist....einfach das komplette Paket. die Story wird zu keinem Zeitpunkt langweilig, und das Ende...ja, das Ende...Leute, ziehts euch rein. für mich ist Gran Torino ein Meisterwerk. große klasse. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Gran Torino,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino [Blu-ray] (Blu-ray)
Clint Eastwood zeigt uns, was man von gutem Wein sagt: Er wird mit den Jahren immer besser.Auch dieser so hervorragende Schauspieler, Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Komponist - und auch Sänger! - war nie besser, als jetzt. In seinen späten Jahren spielt Clint in Rollen, welche eine immense Tiefe und Charakter haben, scheinbar in einer eigenen Liga. Seine Darstellung des Walt Kowalski, der von seinem, durch manch eigene Fehler verpfuschten, und desillusionierten Leben enttäuscht ist, kommt verdammt gut rüber... Walt ist nicht bloß ein Mann mit einem eigenen Schicksal - sondern ein Sinnbild für seine ganze Generation. Er ist alt, ebenso wie sein Gran Torino Muscelcar alt ist. Ein Relikt aus einer anderen - für ihn besseren - Ära. Die große Zeit der Stadt Detroit mit ihren Motorenwerken ist längst vergangen. Genau so wie viele von den Werten, die ihm wichtig sind. Geplagt davon, daß er mehr als sein halbes Leben durch seine Erlebnisse im Koreakrieg bestimmen ließ, und dadurch zu einem verbitterten alten Mann wurde, der sich selbst (und vor allem seiner eigenen Familie) immer fremder wird, öffnet er - Anfangs nur sehr widerstrebend - sein Herz. Für seine Nachbarn, die Hmong ebenso wie für sich selbst. Der Film ist wirklich sehr zu empfehlen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Clints fulminante Abschiedsvorstellung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
"Gran Torino", der im letzten Jahr eher still in die Kinos Einzug hielt, jedoch sowohl unter Kritikern als auch Kinogängern große Beliebtheit erlangte, ist eigentlich als Clints Abschied von seinem Wirken vor der Kamera gedacht. Von nun an will sich Eastwood nur noch als Regisseur betätigen.Dies ist eigentlich jammerschade, denn Clint Eastwood war immer einer meiner unangefochtenen Lieblingsschauspieler. Nicht nur hat er mit Dirty Harry und dem oft namenlosen Westernhelden eine unnachahmliche Kultfigur geschaffen, sondern es ist ihm auch gelungen, im Laufe der Zeit diese von ihm geschaffene Figur selbstironisch zu dekonstruieren, ohne dabei parodistisch-lächerlich zu werden oder seine Vergangenheit zu verleugnen. In "Gran Torino" spielt Clint den verbitterten, eigenbrödlerischen Witwer und Koreakriegsveteran Walt Kowalksi, der sich mit seiner - zugegebenermaßen eher unsympathischen - Familie überworfen hat und nun als einziger Weißer in einer früher von Fordarbeitern bewohnten Straße in Detroit übriggeblieben ist. Zu seinen Nachbarn, meist Angehörigen des Volkes der Hmong, hat der Rassist ein unverhohlen feindseliges Verhältnis. Als der stille und zurückhaltende Nachbarsjunge Thao, von Walt beharrlich "Toad" genannt, versucht, den Gran Torino seines Nachbarn zu stehlen, um in eine Straßengang aufgenommen zu werden, wird er von Walt dabei erwischt und muss - so will es die Ehre seiner Familie - bei Walt zur Buße Arbeit verrichten. Da es Walt gewohnt ist, sein eigenes Hab und Gut selbst in Schuss zu halten, setzt er ihn kurzerhand dazu ein, die heruntergekommenen Häuser in der Nachbarschaft wieder instand zu setzen. Nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Walt und Thao sowie dessen Schwester Sue. Thaos Weg zu mehr Selbstbewusstsein und der Erkenntnis, mit ein wenig Eigeninitiative seine Träume vielleicht verwirklichen zu können, wird jedoch von der Straßengang seines Cousins "Spider" durchkreuzt, und Walt wird klar, dass er für seinen Schützling noch einen entscheidenden Kampf auszufechten hat. Man sollte sich nicht von dem Cover der DVD täuschen lassen und etwa einen Film erwarten, in dem mit der Waffe in der Hand für Gerechtigkeit gesorgt wird, denn einen glaubwürdigen Actionhelden hätte der 78jährige Eastwood sicher nicht abgeben können. Anders als manch andere Ikone umschifft Eastwood die Klippen der Lächerlichkeit, die darin besteht, entgegen dem Fortgang der Zeit am alten Selbstbild festhalten zu wollen - dies nur als Kommentar auf die ewig Junggebliebenen. Eastwood spielt hier allenfalls mit Elementen seiner alten Filmfigur, etwa wenn sein Griff zur Waffe von der Kamera typischerweise aus der Froschperspektive festgehalten wird - interessanterweise gibt Walt in dem Film allerdings keinen einzigen Schuss ab. Eastwoods Film vermittelt die Botschaft, dass jeder noch so stark unterdrückte Mensch die Chance ergreifen kann, etwas aus seinem Leben zu machen, wenn dabei auch manch ein Strauß ausgefochten werden muss. Man mag diesen Glaubenssatz teilen oder auch nicht, in "Gran Torino" wird er auf eine zu Tränen rührende Art und Weise ausgebreitet. Auch die Problematik im Zusammenleben verschiedener Kulturen wird überzeugend beleuchtet. Eastwood gleitet bei aller Eindringlichkeit seiner Botschaft keinesfalls in simple Schwarz-Weiß-Malerei ab, denn sein Held ist niemand, mit dem man sich ohne weiteres gern auf ein Bier zusammensetzen würde - auch hier also kein Zugeständnis an Eastwoods beharrlichste Kritikerin Pauline Kael. Zwar werden Walts rassistische Bemerkungen im Mittelteil des Films, wenn er sich mit seinem Friseur unterhält, relativiert, aber er ist durchaus seinen Vorurteilen verhaftet und - was für viele PC-Saubermänner und -frauen noch schlimmer sein dürfte - er raucht mit Genuss; mit so etwas käme heute ja nicht einmal mehr Sherlock Holmes auf der Leinwand davon. Im Verlaufe des Filmes, etwa während der Beichte, wird außerdem deutlich, dass das schlechte Verhältnis, das er zu seinen Söhnen hat, teilweise auch eine Folge seiner Erziehung ist. Diese stetige Ambivalenz macht Walt zu einem interessanten, realistischen Charakter und läßt seine zaghafte Annäherung an die Nachbarsfamilie glaubwürdiger erscheinen. Interessant, aber nicht beantwortbar, ist in diesem Zusammenhang noch die Frage, woher die Anziehungskraft solch rauhbeiniger, grantliger alter Männer - Dr. House ist dafür auch ein Beispiel - auf uns heute rührt. Empfehlenswert ist es vor allem, den Film im englischen Original zu sehen, denn nach dem Tode Klaus Kindlers, der altbekannten Synchronstimme Eastwoods, kann man sich, so finde ich, nur schwer an andere Stimmen gewöhnen. Ein besonderer Leckerbissen erwartet den Zuschauer am Ende des Films, wenn Clint selbst das Intro zu dem Song "Gran Torino" intoniert. Fazit also: Bahn frei für den "Gran Torino"! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Abschied von einer Legende,
Von Sten (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Das ist der letzte Film mit Clint Eastwood in der Hauptrolle. Definitiv. Angekündigt hat er dies schon einige Male (erstmals 1992 bei "Erbarmungslos", für den er seine ersten 4 Oscars gewann), aber nach Sichtung dieses Meisterstücks weiß man, daß es wahr sein muss. Denn er holt nochmal alle Ikonen-haften Filmklischees, die man mit seinem Namen verbindet, aus der Filmkiste und durchmischt, parodiert, zitiert und verdreht diese, daß es eine wahre Freude ist. Das fängt mit dem Trailer an, in dem man einen Selbstjustiz-Streifen erster Güte erwartet. Was "Gran Torino" eindeutig nicht ist. Der Film ist ein Abschied. Von Klischees, Vorurteilen, alten Gewohnheiten und einem großen Hollywood-Schauspieler. Die Story ist eine dieser bewegenden kleinen Geschichten, die er seit "Honkytonk Man" 1982 neben den großen Kassenhits mit leichter Hand für wenig Geld inszeniert. Auf jeden "Dirty Harry" oder "In the Line of Fire" kommt ein kleines Drama mit brillanten Schauspielern und einer sorgfältig inszenierten Handlung. Zuletzt "Der fremde Sohn" mit Angelina Jolie und bald "Invictus", die Geschichte von Nelson Mandela. Kleine Filme mit großer Wirkung.So auch hier. Der alte, knurrige Ford-Rentner, der als einziger Amerikaner im Ghetto die Fahne hochhält und vermeintlich rassistisch, jederzeit gewaltbereit und uneinsichtig ist. Die asiatische Großfamilie, die nebenan einzieht. Die Ghettoboys, die diese bedrohen. Die leise Freundschaft, die sich zwischem dem alten Mann und dem asiatischen Jungen entwickelt. Der Showdown, der alles, was Clint Eastwood ausmacht zu einem glänzenden, unerwartetetn Schluss bringt. Ich sage nur "passiver Widerstand". Eine Lektion, die man den Kinofiguren, die Eastwood bis dato gespielt hat niemals zugetraut hätte. Und dazwischen diese herrlichen selbstironischen Zitate. In einer Szene bedroht er eine Gang nur mit seinem Zeigefinger und zusammengekniffenen Augen - und gewinnt! Das Ausspucken von Tabak ("Der Texaner" Josey Wales von 1976 lässt grüssen), das die asiatische Oma von nebenan noch besser beherrscht. Die Diskussionen mit dem jungen Pfarrer über Gott und das Leben. Der Versuch der eigenen Kinder, ihn in ein Altersheim abzuschieben. Der Griff zum Gewehr ("runter von meinem Rasen"!) und schließlich die liebevoll gemeinten, politisch völlig unkorrekten rassistischen Spitzen mit dem jüdisch-italienischen Friseur. Alles ist in diesem Film so ironisch und doch zeigt er mehr vom heutigen Amerika, als es ein "Slumdog Millionär" je vermag. Deshalb hat er auch keinen Oscar gewonnen, Eastwood ist zu nah dran an der brutalen Realität im Herzen Amerikas. Das macht den Film doppelt sehenswert. Ghettoisierung, Gewalt und Ausweglosigkeit. Das ganze Thema wird scheinbar nebenbei mit-erzählt. Es gibt dennoch viel zu lachen, der Humor ist überraschend erfrischend, auch wenn die Story streckenweise arg bekannt vorkommt. Man wähnt sich in "Karate Kid", als der Junge beim Alten arbeiten darf. Die Freundschaft der beiden ist auch etwas vorhersehbar, aber dennoch sehr schön inszeniert. Ohne große Gesten oder Knallefekte. Wenn dann der Einbruch der Gewalt im letzten Drittel beginnt ist man ähnlich vor den Kopf gestoßen wie bei "Million Dollar Baby", bei dem man sich schon im "Rocky" mit einer Frau wähnte, dann aber ein Sterbehilfe-Drama sehen musste. Das alles macht diesen Film aus und führt mich langsam zum Ende meiner Rezension. Absoluteste Kaufempfehlung für den letzten Film mit Clint Eastwood in der Hauptrolle. Ich werde ihn vermissen und muss auch gestehen, in der letzten Szene geweint zu haben. In diesem Sinne. Ach so: ja, es geht auch um ein Auto. Den Ford Gran Torino, aber das nur am Rande. Metaphern halt. Viel Spaß dabei. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Spitzenmässig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gran Torino (DVD)
Habe sehr lange einen Bogen um diesen Film gemacht. "Clint Eastwood ein Garant für viele Schiesserein" war nicht mein Fall. Habe ihn mir dann aber doch angesehen und bin echt begeistert. Tolle Story, spitzen Schauspieler mit einem unerwarteten Ende. Eastwood als verbitterter Ex-Soldat und Fabrikarbeiter in Rente, dessen Frau verstorben ist, läßt erst ganz klar erwarten, der schnappt sich seine Kanone und macht, was er am besten kann, aber nein, die Geschichte nimmt einen unerwarteten Verlauf. Wirklich sehenswert, auch für Eastwood-Skeptiker!
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