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Kundenrezensionen

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am 3. August 2010
Als "Berlin" im Oktober 1973 veröffentlicht wurde, reagierten sowohl Publikum als Kritiker mit Unverständnis und Entsetzen. Da Reed mit "Transformer" erst im Jahr zuvor einen Riesenerfolg verbucht hatte ("Take a walk on the wild side") und Fans sicherlich mit einem Glam-Rock-Nachfolger gerechnet hatten, musste "Berlin" geradezu den kommerziellen Selbstmord bedeuten. Die Thematik dieses Konzeptalbums ist nicht attraktiv (Drogenmißbrauch, Selbstmord, häusliche Gewalt und Depressionen), die Musik ist auf den ersten Blick sperrig und auch Reeds Stimme wirkt angegriffen und kaputt. Trotzdem ist dieses Album für mich ein Meilenstein der Musikgeschichte und wirkt wohl wegen seiner grausamer Direktheit auch heute noch faszinierend und zeitgemäß (Reed: ....itŽs all very straightforward and real. I was careful in writing the lyrics to be direct and to the point..itŽs just a realistic story about people who live in the seventies...)

Reed sagte über Berlin, dass die Geschichte von Jim und Caroline wohl in Berlin spielt, aber an jedem anderen Ort spielen könnte (Reed: ...it happens to people all the time, not only in Berlin but in places like Ohio").
Wieviel aus Berlin" Fiktion oder selbst Erlebtes ist, wird wohl immer Reeds Geheimnis bleiben. Wenn man sich aber mit Reeds Band The Velvet Underground", Andy Warhols Factory und den beiden Factory-Stars" Nico und Edie Sedgwick ein wenig beschäftigt, liegt doch der Verdacht nah, dass die Caroline aus Berlin starke Ähnlichkeit mit Nico hat (mit der Reed eine Beziehung hatte und die selbst schwer heroinsüchtig war) und Carolines Verfall und Ende dem von Edie Sedgewick gleicht, die im November 1971 als körperliches Wrack starb. Besonders die Parallelen zu Nico (bürgerlich: Christa Päffgen) sind offensichtlich und besonders bei den Tracks The Kids, the bed und Sad Song" wird man das Gefühl nicht los, dass diese für Reed auch eine Art Vergangenheitsbewältigung sind.

Die scheinbaren Parallelen zwischen Platte und Lou Reeds Umfeld beschreibe ich deshalb, weil man sich doch im Klaren sein sollte, dass man sich bei Berlin auf keine leichte Kost einlässt. Das Album ist zynisch, teilweise brutal, nihilistisch und zutiefst deprimierend. Trotzdem geht es weit über den Bereich gängiger Popmusik hinaus und fast schon vertonte (Anti)-Poesie. Außerdem beschreibt es gut die Katerstimmung, mit der die Popmusik Anfang der 70er zu kämpfen hatte. Der Sommer der Liebe war schon längst vorbei und an seine Stelle war eine Periode der Desillusionierung getreten. Betäubendes Heroin hatte längst bewusstseinserweiterndes LSD abgelöst und viele starben den Drogentod.
Retrospektiv betrachtet ist Berlin somit nicht nur eine eindringliche, musikalisch hoch interessante Platte, sondern auch ein Zeitdokument und eine Geschichte, die es wert ist gehört zu werden - ohne aber diesen Ort jemals betreten zu wollen.

Zu den Tracks und der Story im einzelnen:

1) Berlin: Nach den Hintergrundklängen eines weinseligen "Happy Birthdays" startet Berlin mit ruhigen Klavierakkorden und schildert das Kennenlernen zweier Liebender (Jim und Caroline). "It was very nice - Candlesight and Dubonnet on Ice...oh honey it was paradise". Berlin ist ein wunderschönes Intro, doch liegt bereits in diesem ersten Kennenlernen viel Melancholie und die Betonung liegt auf "WAS Paradise"

2) Ladyday: Caroline hört aus einer Bar laute Musik und beschließt dort spontan zu singen (She had to go in and sing-it had to be that way). Nach dem Applaus verschwindet sie schließlich in einem Hotel ("To the hotel that she called home - it had greenish walls, a bathroom in the hall"). Interessant auch hier der mögliche Bezug zu Nico und Velvet Underground. Andy Warhol hatte seine Band The Velvet Underground" als Kunstprodukt konzipiert und verlangte von VU, dass Nico einige Songs singen soll - wovon Reed anfangs weniger angetan war (And I said no,no, no-oh Lady Day.....), ihn aber nicht hinderte mit ihr ein Verhältnis anzufangen.

3) Men of Good Fortune: Dieser Track behandelt nicht die Beziehung von Jim und Caroline. Vielmehr stellt er in Frage warum manche im Leben scheinbar grundlos scheitern und andere trotz widrigster Voraussetzungen Erfolg haben. Die Position des Erzählers (Lou Reed?) hier: ..But me? I just donŽt care at all". Edie Sedgewick könnte hier ebenfalls Pate gestanden haben. Als poor rich girl" stieg sie unter Warhols Obhut rasch zum Star auf, hatte aber trotz reicher Eltern enorme Probleme (Selbstmorde und Geisteskrankheiten in der Familie) und warf ihr Leben scheinbar grundlos mit Drogen weg..

4) Caroline Says I: Dieser Track geht auf den VU-Song Stephanie says" zurück, und wieder ist der Bezug zu Nico offensichtlich: She says she doesnŽt want a man who leans, still she is my Germanic queen". Hier ist zu erwähnen, dass Nico (Christa Päffgen) deutsche Wurzeln hatte, später als Photomodell und Schauspielerin (La Dolce Vita" von Fellini) in Frankreich Karriere machte und schließlich in der Factory versuchte als Andy Warhols Sängerin" durchzustarten.
Schon hier beginnt der Niedergang von Jims und Carolines Beziehung (Just like poison in a vial, she was often very vile, but of course I thought I can take it all...)

5) How do you Think it feels: ...when youŽre speeding and lonely...when you been up for five days...AND when do you think it stops. Caroline ist nun bereits voll auf Drogen und Jim kann nur desillusioniert und vorwurfsvoll anklagen..unterbrochen von gemurmelten Come here baby"..

6) Oh Jim: all your two-bit friends theyŽre shooting you up with pills...But I donŽt care just where itŽs at cause, honey, I am just like an alley-cat.....Filled up to here with hate, beat her black and blue and get it straight....Drogenmißbrauch, Straßenstrich und häusliche Gewalt..wahrlich keine schönen Themen...Jim ist nun kein man who leans" mehr. Caroline singt: When you are looking through the eyes of hate...you broke my heart ever since you went away"....

7) Caroline Says II: Wo CS I noch ein aufsässiger Rocksong ist, ist CS II ein langsamer, zutiefst trauriger Drogensong...Caroline Says - as she gets off the floor, why is it that you beat me...it isnŽt any fun...But sheŽs not afraid to die....all of her friends call her Alaska, when she takes speed they laugh and ask her what is in her mind. Caroline beginnt sich selbst zu verletzen: ...she put her first through the window pane...it was such a funny feeling"......"itŽs so cold in Alaska"...

8) The Kids: ..TheyŽre taking her children away, because they said she was not a good mother...because she was making it with sisters and brothers...because oft he things she did in the streets, in the alleys and bars, nos he couldnŽt b beat..that miserable rotten slut couldnŽt turn anyone away..
Caroline werden schließlich die Kinder weggenommen, was ihr Schicksal besiegelt. Der Song endet mit furchtbarem Kindergeschrei und ist wohl einer der furchterregendsten und traurigsten Tracks, die jemals aufgenommen wurden. Noch schrecklicher daran ist, dass im wirklichen Leben Nico tatsächlich 1962 mit Alain Delon(!) einen Sohn namens Ari gebar, der aber bei Delons Eltern aufwuchs und nie von Alain Delon anerkannt wurde. Ari Boulogne war übrigens ebenfalls mindestens 2 Jahrzehnte heroinsüchtig und schrieb über seine Mutter 2001 eine vielbeachtete Biographie. Nico starb übrigens 1987 ironischerweise bei einem Fahrradunfall auf Ibiza (fiel vom Rad und starb an den Gehirnblutungen) nachdem sie die letzten 2 Jahre ihres Lebens ihre Heroinsucht scheinbar erfolgreich bezwungen hatte.

9) The Bed: .....And this is the place where she lay her head when she went to bed at night...and this is the room where she took the razor and cut her wrists that strange and fateful night.

Berlin endet somit mit Carolines Selbstmord und fassungslos traurig und doch gefasst singt Jim:
I never would have started if I had known that it would end this way-But funny things I am not at all sad that it stopped this way."
Auch hier wiederum besteht eine Parallele zu Edie Sedgewick, die am 15. November 1971 schließlich in ihrem Bett verstarb und von ihrem Mann Michael Post am nächsten Morgen tot aufgefunden wurde - bei ihr es laut Gerichtsmediziner ein Selbstmord/Mord durch eine Überdosis Barbiturate.

10) Sad Song: Der Abschlußsong von Berlin" scheint schließlich halb aus dem Jenseits zukommen. Ganz untypisch für Berlin, ist er voller Liebe und Wäre. Doch ist diese Liebe eine wehmütige Liebe voller Erinnerungen. Staring at my Picture Book she looks like Mary - Queen of Scots. She seemed very regal to me - just goes to show how wrong you can be..In Jims Stimme liegt sehr viel Liebe und noch mehr Bedauern und wenn er singt I am gonna stop wasting my time. Somebody else would have broken both of her arms" klingt es fast so, als möchte er sich selbst die Absolution erteilen und von vorne anfangen. Ob es gelingen wird, ist aber fraglich..der Song endet pompös mit Bläsern und Violinen doch als letzte Worte klingen minutenlang nur Sad Song".....
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am 23. Mai 2007
Was ist in diesem Kopf vorgegangen? Power-flower ist vorbei - es bleibt der Kater. Alles tut weh. Der Schmerz muss betäubt werden, dadurch wird er noch grösser. Berlin, ein Schrei, ein böses Erwachen, der Tag danach. Das hat dem Publikum weniger gefallen, den Produzenten erst recht nicht. Rückwirkend betrachtet ein Meisterwerk, möglicherweise noch meisterlicher als wir es heute erkennen können.

34 Jahre später live auf der Bühne; vielleicht werden wir es jetzt verstehen.
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am 7. April 2000
Wenn man die Erstlingswerke von Reed in der Gruppe Velvet Underground kennt, sind die Tracks auf dieser CD ganz anderer Art. Teilweise etwas schwer zu verdauen, aber beim wiederholten Anhören entpuppen sich die Bass- und Orchesterpassagen als gewaltige Ohrwürmer. Diese CD zählt zu meinen Favorites von Lou Reed, zumal er hier versucht auch richtig zu singen, was ihm teilweise sogar glückt...
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am 14. November 2005
He, der kann doch überhaupt nicht singen, hielt ich so um 1979 einem von Lou Reed und Velvet Underground begeisterten Freund entgegen, der mich jeden Preis überzeugen wollte.
Zehn Jahre hab ich gebraucht, um ihn zu verstehen. Es kommt nicht darauf an, technisch brillant irgendwelche Melodien abzuspulen und um jeden Preis einen Ton zu halten. Was jetzt für mich zählt, ist Ausdruckskraft, Authentizität, menschliche Wärme. Und davon hat der Mann mehr als genug. Für mich ist NEW YORK Lou Reeds Meisterwerk der Achtziger. MAGIC AND LOSS das der Neunziger. Und BERLIN, so ambitioniert wie mit Füßen getreten, das der siebziger.
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am 22. April 2009
These songs are harrowing but beautiful and ultimately rewarding if you can survive the album's labyrinthine descent into misery and despair. The most melodic songs include Caroline Says I and II, the wistful Oh Jim, the painful The Kids, the bleak The Bed and Sad Song which is soulful in its melancholia.

Over these beautiful melodies Reed lays his vocals that are so authentic, apt and gripping that listening to them is like seeing snippets of a movie. Of course, they form a complete picture to create one of the most cohesive and searing concept albums in rock.

From the jazzy intro of Berlin with its lounge piano & brief strains of Happy Birthday through Lady Day with its spoken & sung segments, right to the melancholy last refrains of Sad Song, the album holds one's ears & attention. Berlin is unique in Reed's body of work although tracks like Oh Jim & How Do You Think It Feels would have fitted well on Transformer.

The sensitive production & sympathetic arrangements add gravitas to the somber mood to create a dark masterpiece of epic proportions. It's not really a rock album & therefore somewhat inaccessible to some fans. Berlin has in my opinion improved with time and remains one of Lou Reed's most singular achievements.
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am 27. Januar 2003
What is often overlooked in judging this bleak but great concept album, is the brilliance of the individual songs. It contains some of Reed's most memorable numbers like the melodic Caroline Says I and II, the tender, wistful Oh, Jim, the heartbreaking The Kids, the desolate The Bed and the majestic Sad Song. Over these beautiful melodies Reed lays his vocals that are so genuine, so apt and so gripping that listening to them is almost like seeing snippets of a movie. Of course, these all fit the complete picture to create one of the most trenchant and vivid concept albums of all time, from the jazzy intro of Berlin through the spoken poem of Lady Day, right to the melancholy last refrains of Sad Song. The full production and lush arrangements add gravitas to the somber mood to create a dark masterpiece of epic proportions. Somewhat inaccessible to some fans, Berlin has nevertheless improved with time and stands as one of Lou Reed's major achievements.
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berlin ist mein absolutes lieblingsalbum von lou reed. die stimmung ist traurig bis theatralisch-komisch. es geht mal wieder um ziemlich kaputte, drogenkranke typen und selten kam die stimme reeds so verraucht-träumerisch-melödiös rüber. wohl sowas wie ein ausnhame-album von ihm, von dem viele sagen es sei das beste, aber auch viele behaupten, es sei das schlimmste (was ich abslout nicht nachvollziehen kann).

anspieltipps: lady day, caroline says 2, men of good fortune (einer der besten songs überhaupt, auch inhaltlich).

EDIT: von 4 auf 5 sterne erhöht.
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am 23. April 2006
Dieses Album ist ein Meisterwerk. No words need to be said. Allerdings : Hände weg von der Remastered Edition ! Die "Original-Cd" ist dieser Ausgabe hier klangtechnisch weit überlegen.
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am 25. Januar 2011
Ein enorm textlastiges Album voller unausgegorener Lieder. Kalte, bombastische Produktion. Englische Sessionmusiker, die nicht durchblicken. Kein einziger brauchbarer Rocksong, dabei war das bis dahin die leichteste Übung für Lou Reed. Der Meister selbst kann oder will nicht mehr singen. "Berlin" ist sein ambitioniertestes Projekt, aber Lou hängt offensichtlich völlig demotiviert oder zugedröhnt vorm Mikro. Wieder einmal tut er alles, um seine eigene Karriere zu sabotieren. Zwei Jahre später versucht er es nochmal mit "Metal Machine Music". Er hat es bis heute nicht geschafft, das liegt aber weniger an seiner Restkreativität als am Velvet Underground-Mythos, vielleicht der penetrantesten aller Rock-Legenden.
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am 5. Mai 2001
Die Songs handeln von der Selbstzerfleischung eines Ehepaares, dem am Schluß die Kinder weggenommen werden und die drogensüchtige Frau Selbstmord begeht.
Seltsam ist die Rollenverteilung: Bekannterweise soll Lou Reed zu dieser Zeit selbst schwer drogen- und alkohol-abhängig gewesen sein, dennoch bekommt in der Story diese Position die Ehe-Frau zugewiesen. Der Ehemann erscheint eher als Opfer, das die Verhaltensweisen seiner Frau nicht mehr ertragen kann. Wie war die Rollenverteilung in der tatsächlichen Ehe zu dieser Zeit eines Lou Reed, wer war Täter, wer Opfer?
Musikalisch ist das leise Monumentalwerk - im Hintergrund einer Stadt, die Lou Reed selbst noch nie besucht hatte - vielleicht die gelungenste Leistung an Melodien seiner seltsamen Karriere. War der Produzent doch kein geringerer als Bob Ezrin, der bei den schwierigen Aufnahmesessions des trunksüchtigen Reed das beste herausholte. War doch Lou Reed auch mit guten Geldern seines vorherigen Erfolgsalbums "Transformer" ausgestattet; hier hatte er seine persönliche psychologische Spielwiese und excellente bekannte Musiker wie Jack Bruce und Steve Winwood zu Diensten. Mit "Berlin" beendete er abrupt seinen kommerziellen Erfolg. Die Thematik schien weltweit wenig Interessenten zu finden, obwohl 1973 die Presse viel von seiner jungen Solokarriere berichtete.
Hat auch die depremierende Ausweglosigkeit des Albums wenig mit der rockig-verspielten Dekadenz des erfolgreichen Vorgängeralbums zu tun.
Die Songs spielen in einem abgeschlossenen Milieu von Sucht, Nihilismus, Frauenhass und Rachsucht. Vielleicht kann man die unsensible Wahrnehmungsweise (über immer gleiche Themen, die er in seinem Werk bereits das x-te Mal in ähnlicher Form abhandelt hat) eines Lou Reed verstehen, wenn man liest, daß er selbst 1973 seit langer Zeit mit Drogen und Alk zu tun hatte. In diesem illusionslosen und knallharten Milieu zählen wohl nur Dollars, nur der Stärkere überlebt. Es können wohl kaum positive Emotionen aufkommen. Und an den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen oder gar Liebe war Lou Reed eh nicht in der Lage zu glauben.
Gibt es überhaupt ein Liebeslied aus 30 Jahren Lour Reed Werke, ohne wenn und aber und ohne Ironie? Ich finde eh, daß Lou Reed von der Presse maßlos überbewertet wurde, seit Beginn seiner Solokarriere was seine musikalischen und textlichen Qualitäten angeht. Um zuzugeben: Ich mag den Künstler und seinen gebetsmühlenartig wiederholenden und "beglückenden" Einfluß auf die weitere Musiklandschaft nicht besonders, das merkt man hier evtl auch ein - grins - ein wenig. Am Rande: Der Ausdruck der beiden Augenpaare einer Joseph Göbbels und eines Lou Reed ist meiner Ansicht sehr ähnlich, beide konnten nicht zufrieden oder glücklich sein und versuchten möglichst viele Menschen - auf unterschiedliche Weise - ihre eigenen Stigmata aufzudrängen. - Oh je, Jetzt habe ich mich aber in die Nesseln gesetzt. Fazit: Musikalisch hervorragend, textlich langweilig bis widerlich. Wenn ich an meine Jahre an Berlin persönlich zurückdenke und etwas Dekadenz empfinden möchte, greife ich lieber auf die Filme von Fritz Lang, Marlene Dietrich oder Louise Brooks zurück. Diese Gestalten haben - im Gegensatz zu Reeds "Berlin" - auch ein wenig Charme. Sorry für die etwas harte Behandlung eines Lou Reeds von 1973, aber der Künstler - der sich 1968 als Gitarrist besser als Jimi Hendrix beurteilte - selbst geht auch nicht besonders zimperlich in der Beurteilung Anderer zu Werke.
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