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8 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bruch war kein besserer Brahms, 27. April 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 1-3 (Audio CD)
Max Bruch war zu Lebzeiten weitaus bekannter als heute vor allem infolge einiger Vokalkompositionen, seiner Laufbahn als Dirigent und Pianist und seiner mitunter bissigen Kommentare gegen seine Musiker- und Komponistenkollegen. Sein Erbe lebt heute eigentlich nur noch in seinem ersten Violinkonzert, der Schottischen Fantasie und der Romanze Kol Nidrei fort. Dabei schrieb er auch andere Werke stark romantischer Prägung, die durchaus hörenswert sind.

Seine erste Sinfonie in Es Dur op. 28 stellt in meinen Augen einen der Höhepunkte hochromantischer Orchestermusik dar. Das würdevolle Allegro des ersten Satzes erinnert an den frühen Brahms, das eingängige Scherzo an Bruckner. Ein leider viel zu kurzer, langsamer Satz mündet ins Finale, das eines der bekanntesten und genialsten Themen des Kölner Komponisten enthält.

Unschöner hingegen ist Bruchs zweite Sinfonie in f moll op. 36. Auch wenn der zweite Satz andächtig ist und das Finale angenehm ruhig, fast perlend fließt, so entbehrt dieses Werk doch irgendeiner Sache und ich bin geneigt, mich Bruchs eigener Meinung anzuschließen, nämlich, dass dieses Werk wesentlich unbeliebter ist, weil es kein Scherzo hat.

Seine letzte Sinfonie in E Dur op. 51 zählt heute zu seinen bekanntesten Werken. Der erste Satz ist äußerst komplex, wird von zahlreichen langsamen, mysteriösen Sequenzen unterbrochen. Es folgt ein wunderbares Adagio, das in ein eher unbefriedigendes Scherzo mündet. Auch das Finale ist nicht gerade das Beste, was die Romantik zu bieten hat.

Das Gürzenich Orchester Köln - passend zum Kölner Bruch - unter der Leitung von James Conlon spielt alle Sinfonien beschwingt und voller Anmut. Nichts versandet, alles ist deutlich hörbar und die Klangqualität ist bestechend.

Als sehr angenehme Zugabe findet sich auf der CD eines der Spätwerke Bruchs, welches im 20. Jahrhundert komponiert wurde und erst vor einigen wieder auftauchte nach langem Verschellen: Das Konzert für zwei Klaviere und Orchester
op. 88a steht noch im Zeichen der Spätromantik, obschon es sich durch die sog. progressive Tonart und ungewöhnlicherweise vier Sätze auszeichnet. Der erste Satz ist langsam, getragen und voller Ausdruck und Emotion. Auch der zweite beginnt mit einer langsamen Einleitung, die allerdings schnell in einen Taumel, nun in Dur, mündet. Genauso verhalten sich die Sätze drei und vier zueinander: Der dritte ist traurig, tief empfunden und auch der vierte ist zunächst sehr breit, bevor ein strahlendes Finale folgt. Alles in allem wirkt dieses Stück eher wie eine Fantasie als ein Konzert. Leider lässt sich auch nicht immer ein Bezug der einzelnen Teile zueinander erkennen.

Für diese Aufzeichnung ließen sich die Pianisten Nathan Twining und Martin Berkovsky bitten, zusammen mit dem London Symphony Orchestra unter Antal Dorati meisterlich zu musizieren. Vor allem den düsteren, tristen Stellen verleihen die Pianisten etwas Unvergessliches.

Zum Abschluss spielt Martin Berkovsky Sechs Klavierstücke op. 12 und Zwei Klavierstücke op. 14, zwei frühe Zyklen aus dem Schaffen des großen Pianisten Bruchs. Sie sind von brahmsscher Leidenschaft, lisztscher Grandezza und chopinesker Raffinesse. Es handelt sich hierbei um eines der großen Highlights dieser Doppel CD.

Fazit: Es ist nicht immer ungerechtfertigt, wenn ein Komponist im Laufe der Jahre vergessen wird. Die Werke des Kölners Max Bruch sind gewiss keine scheußlichen Stücke, aber man wird zweifelsohne eingestehen müssen: Mit Ausnahme der ersten Sinfonie sind alle die hier eingespielten Stücke ersetzbar.
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