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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kühe im Musikverein, 26. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6 (Audio CD)
Der Rezensent lernte Mahlers Sechste seinerzeit anhand einer Solti-Aufnahme kennen, die ihn mit grimmig gehetzten Tempi und einem gepressten Klang reichlich verstört zurückließ. Musikphilosophische Auslassungen (etwa von Adorno) beruhigten ihn, dieser Eindruck sei völlig in Ordnung, schließlich handele es sich ja hier um Vorahnungen privater und kollektiver Katastrophen...

Boulez zeigt uns dieses gewichtige Werk aus einer etwas anderen Perspektive. Schon die markigen Anfangstakte des ersten Satzes kommen richtig vital-gesund daher, könnten durchaus einem Werbespot für Nordic Walking unterlegt werden. Gefeiert wird das kraftvoll energisch fortschreitende individuelle Leben, das sich mit dem Weltgeist eins weiß, unterstützt von einer liebenden Frau. Freilich lässt das Alma-Thema in seiner etwas verkrampften Begeisterung die Maßlosigkeit des Schlusssatzes schon erahnen.

Die Fortschritte der Aufnahmetechnik kommen dieser Sinfonie sehr zugute. So kann vieles, was früher spröde und hart klang, nunmehr geradezu genossen werden, natürlich auch dank der Spielkultur der Wiener Philharmoniker. In der Mitte des Satzes wird der Hörer allerdings geschockt: Leibhaftige Kühe scheinen durch den Musikvereinssaal zu schlendern... Sollte die Herdenidylle nicht von weitem, also hinter der Bühne, erklingen?

Für den zweiten Satz hat Boulez den wunderbaren Einfall, das Grundtempo erheblich schneller als im ersten Satz zu wählen. Damit wird die störende Ähnlichkeit zum unmittelbar vorhergehenden Satz beseitigt und der Scherzocharakter unterstrichen. Die klangliche Polyphonie kommt in diesem Satz besonders gut heraus.

Das Andante wird sehr zügig genommen. Nicht immer ist der Puls gleichermaßen deutlich zu hören. Gelegentlich stellt sich so etwas wie Kurzatmigkeit ein, doch gibt es auch wunderbar zart ausgehörte Stellen wie bei 7:00. Am Schluss meint man sich in die Welt von Debussy's Panflöte versetzt, so impressionistisch klingt das Orchester.

Meisterhaft ist das riesige Finale in seinen Proportionen gestaltet. Herrlich, wie zurückhaltend das Hauptthema eingeführt wird und wie die Perioden ahnungsvoller Besinnung mit denen übersteigerter Verblendung abwechseln! Und überall wird klangschön musiziert, denn erst ganz am Schluss soll die Tragik zum Vorschein kommen, das Zusammenfallen aller Illusionen, die Gewissheit des Todes. Der düstere Schlusspunkt widerlegt keineswegs das Lebensvolle, das ihm vorausging. Das ist die Erkenntnis, die der Rezensent aus dieser außergewöhnlichen Aufnahme gewonnen hat.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ohren auf und durch!, 8. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6 (Audio CD)
Einfach grandios, was Boulez und die Wiener Philharmoniker hier abliefern! Vom "huitième merveille du monde" - vom 8. Weltwunder also - wurde im Zusammenhang mit dieser Einspielung gesprochen. Nun, ganz so weit möchte ich nicht gehen, aber angesichts dieser überragenden Aufnahme kann ich die Begeisterung durchaus nachvollziehen. Alles, was Mahlers "Sechste" zu dem macht, was sie ist - ein Koloss, ein Blech gepanzerter Aufschrei, ein verbissenes Ringen mit eigenen, tief empfundenen Aggressionen, eine hämmernde Mahnung an die Welt - haben Pierre Boulez und "seine" Wiener in einem rund 79-minütigen Klanggemälde exemplarisch festgehalten. Schon die ersten Takte des einleitenden Brachialmarsches zeigen: Hier hat jemand komponiert, der mit seinem Publikum keine albernen Kompromisse eingeht. Lautstärke und Gewaltigkeit sind angesagt. Wer einmal live bei einer Aufführung dieses Werkes zugegen war, wird schon allein von den räumlichen Ausmaßen des Riesenorchesters erschlagen, ganz zu schweigen von den mitunter erreichten Dezibel-Werten ... Also: Mahlers "Sechste" ist nichts für Schlaffis. Wer lieber Bach'schen Inventionen lauscht, wem sechs Trompeten und acht Hörner grundsätzlich verdächtig sind oder wer Angst vor aufgetürmten Dissonanzen hat, braucht hier gar nicht erst anzutreten - auf Wiedersehen! - Bei allem berechtigten Lob eine kleine Kritik in Richtung Tontechnik: Vorhin war von "hämmernder Mahnung" die Rede. Warum hört man eigentlich - trotz 4D-Technik - so gut wie nichts von den niederschmetternden Hammerschlägen im Finale? - Egal, Ohren auf und durch!
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4.0 von 5 Sternen Mit beeindruckender Klarheit, 26. Oktober 2012
Von 
opernfan - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6 (Audio CD)
Diese Aufnahme von Mahlers 6. Symphonie gehört zu den überzeugendsten Einspielungen dieser Symphonie: die Strenge von Boulez und der warme Klang der Wiener Philharmoniker ergeben einen "reizvollen" Kontrast. Die analytische Haltung des Dirigenten bringt einen unglaublich transparenten Klang hervor, so dass ich an vielen Stellen dachte: so habe ich das noch nie gehört. Auch das Unerbittliche der Symphonie, das Immer-wieder-kehrende, fast Martialische/Schicksalshafte wird so beeindruckend betont, es kommt mit der gebotenen Schärfe und Wucht über den Äther. Und die Wiener Philharmoniker sind schlicht superb.
Warum also nicht 5 Sterne? Weil die Dirigierhaltung von Boulez vielleicht etwas zu nüchtern ist. Er ist nicht herzlos, aber er läßt uns wenig "Mitgefühl" mit dem Gefühlsaufruhr (!), dem uns Mahler hier aussetzt. Und 4 Sterne auch deswegen, weil ich "meine" 5 Sterne an die 55er Aufnahme unter Mitropoulos (New York) vergebe: er wagt mehr, dirigiert mit vollem Risiko, ähnlich stringent, aber mit deutlich mehr Herzblut. Und eben nicht zulasten der Transparenz. Die New Yorker Philharmoniker erreichen dabei bei weitem nicht das Niveau der Wiener (oft hauen v.a. die Bläser heftig daneben) - und dennoch, welche Intensität. Die ich hier leicht vermisse. Aber das ist wirklich eine Kritik, die sich auf dem allerhöchsten Niveau bewegt. Von den neueren Aufnahmen erhält diese hier die Krone, ich möchte sie nicht missen, alleine auch wegen der hohen Klangqualität.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandiose Aufnahme, allererste Riege, 21. Juni 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6 (Audio CD)
Gustav Mahlers sechste Sinfonie a moll zählt zu den großen Errungenschaften der Musik des Fin de Siècle. Sie weist ihn ohne Frage als letzten großen Sinfoniker auf. Die viersätzige Anlage wirkt auf den ersten Blick zwar konventiell, dennoch sprengt Mahler mit seinem etwa 80minütigen Werk alle Grenzen des Sinfonischen. Auch wenn das Werk oberflächlich betrachtet sehr wuchtig und brutal wirkt, so offenbart es dennoch zwischen den Zeilen und im Andante Emotion und Trauer, was ihm den Namen "Tragische" einbrachte.

Pierre Boulez leistet mit den Wiener Philharmonikern Unermessliches, da es ihm gelingt, das Werk zu entschlacken und es dennoch nicht zugleich seiner Leidenschaft zu berauben. Wenn das marschartige Hauptthema des Kopfsatzes hereinbricht, zuerst in den tiefen Streichern, dann im vollen Orchester, ist die Atmosphäre wie elektrisiert. Bei einer beeindruckenden Einspielung wie dieser stehen dem Hörer die Haare zu Berge, so spannungsgeladen offenbart sich dieser heftige Satz. Zwischen den Zeilen quasi, jedem harschen Momentum zum Trotz, inmitten aller blanker Gewalt schimmert so etwas wie Sehnsucht, Liebe, Wärme durch, was sich vor allem im warmen Läuten der Kuhglocken widerspiegelt, die Gustav Mahler als Reminiszenz an seine Jugend auf dem Lande einbaute.
Boulez hat keine Mühe damit, den Tonus des Werkes aufrecht zu halten. An keiner Stelle versandet die Anspannung, nie reißt die Vernetzung ein.

Boulez entschied sich dafür, an die zweite Stelle das Scherzo zu setzen, was ich für die beste Variante halte. Dieses Scherzo reiht sich nahtlos an die schneidende Wucht und Gewalt des Kopfsatzes an, ist allerdings in sich etwas kleinformierter. Auch die leidenschaftlichen Ausbrüche kommen seltener zum Vorschein. Als ganzes wirkt der Satz verkappt, geradezu bizarr, weist voraus auf das impressionistische Scherzo der siebten Sinfonie.
Die Wiener Philharmoniker spielen mit Hingabe und Detailtreue, geben sich der Spannung des Werkes hin. Boulez folgt ihnen. In keiner Note möchte der Hörer vermuten, dass die Wiener sich einst unter Bernstein vehement dagegen sträubten, Mahlers Musik zu spielen.

Das Andante steht im krassen Gegensatz zum Rest des Werkes. In ihm ist die Empfindsamkeit und Lyrik nicht zu überhören. Es bildet den ruhenden Pol, das Gravitationszentrum.
Getragen und gemessen beliebt es Boulez, seine Wiener anzutreiben. Die spielen Note für Note transparent, hochvirtuos und interpretatorisch einwandfrei.

So oberflächlich ausgelassen das Finale auch wirkt, so schwer betont ist es. Immer dann, wenn sich die Spannung zu kulminieren sucht - und das ist dreimal der Fall -, setzt Mahler den Hammer: Der schmettert alle Hoffnung, jeden Schimmer in Scherben. Alles sackt in sich zusammen. Zweimal scheint sich alles wieder zu erholen, aber nicht mehr nach dem letzten Schlag.
Die Wiener Philharmoniker treffen erneut jede Nuance. Sehr umsichtig nehmen sie jede Klangfarbe ernst. Somit wird dieser Finalsatz zu einem wilden Ritt in die Fänge des ewigen Schicksals.

Fazit: Eine herausragende Einspielung in ausgezeichneter Tonqualität! Neben der Bernstein und der Karajan Einspielung die Referenz schlechthin!
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Etwas zu kopflastig, 9. Februar 2011
Von 
Oliver Passarge (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6 (Audio CD)
Mahlers Sechste ist vielleicht sein persönlichstes Werk, seine stringenteste Sinfonie. In ihr versucht Mahler schwere persönliche Schicksalsschläge musikalisch zu verarbeiten. Das führt dazu, dass die Stimmung der Sinfonie durch alle Sätze hindurch düster-verhangen ist und in den Ecksätzen sowie im Scherzo ein brutal-martialischer Ton vorherrscht, der nur im langsamen Satz von einer sanfteren, melancholischeren Musik abgelöst wird, die offenbar Ruhe und Frieden herbeisehnen soll.

Boulez und die DG-Tontechniker haben bei dieser Studioaufnahme mit den Wiener Philharmonikern wieder ganze Arbeit geleistet und ein Klangbild geschaffen, das kaum Wünsche offen lässt und Stimmen hörbar macht, die in manch anderer Einspielung untergehen oder die man bisher so noch nicht vernommen hat. Dabei demonstriert Boulez einmal mehr seine nüchterne, analytische Sichtweise der Mahlerschen Partituren. Klangtechnisch kann man allenfalls monieren, dass sich die Hammerschläge des Finales (sofern man die Partitur nicht kennt oder sie nicht mitlesen kann) akustisch kaum lokalisieren lassen.

Dennoch fehlt mir bei dieser Sinfonie ' vielleicht mehr als in anderen Mahler-Einspielungen von Boulez ' die emotionale Dimension dieser Musik, die unmittelbare Identifikation des Dirigenten mit der tragischen Schicksalhaftigkeit der Töne. Vieles wirkt durch Boulez' Distanziertheit doch allzu unterkühlt und allein auf das Strukturelle konzentriert. So geht vor allem in den Ecksätzen einiges an emotionaler Substanz verloren. Dennoch ist die Aufnahme aufgrund ihrer Genauigkeit der Partiturumsetzung und Durchhörbarkeit der Stimmen interessant.
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Mahler: Symphony No.6 "Tragic"
Mahler: Symphony No.6 "Tragic" von Wiener Philharmoniker
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