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TOP 500 REZENSENTam 13. Oktober 2013
Die 4-CD-Box der Deutschen Grammophon mit Aufnahmen Wilhelm Furtwänglers und den Berliner Philharmonikern von 1942-44 (Vol. 1) ist noch immer eine der besten Möglichkeiten, sich über das künstlerische Schaffen des großen Dirigenten im Zweiten Weltkrieg zu informieren. Dabei erwarten den Hörer ein ungemein intensives musikalisches Erlebnis und ein Weltklasseorchester, das spielt, als wolle es noch über den musikalischen Olymp hinaus.

Ich habe diese Box seit mehr als sieben Jahren, und ihr Inhalt reißt mich noch immer mit. Einige der Werke habe ich bereits an anderen Stellen rezensiert. Daher möchte ich diese, die Interpretation betreffenden Teile für diese Veröffentlichung zusammentragen und um die ausstehenden Besprechungen ergänzen.

CD 1
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie Nr. 39 (8. Februar 1944)

In der heutigen Zeit von Werktreue und historischer Aufführungspraxis wirkt dieser Mozart ein wenig befremdlich: Er ist zugespitzt und wuchtig und glänzt durch seine expressive Substanz. Furtwänglers romantische Lesart verleiht der Sinfonie eine ganz andere, emotional bewegtere Seele. Seine Sicht auf Mozart zeigt einen interessanten Gegenentwurf zur derzeit gültigen Mozart-Interpretation. In Verbindung mit dem rauschhaften Dirigat Furtwänglers während der Kriegsjahre ist so eine Sinfonie von außerordentlicher Ausstrahlung entstanden.

Ludwig van Beethoven: Coriolan-Ouvertüre (30. Juni 1943)

Die Paukenschläge zum Auftakt des "kleinen" Dramas sind in einer Art durchdringend und erschütternd, daß man nicht daran glaubt, die Intensität könnte durchgängig auf diesem Niveau gehalten werden. Doch sowohl Furtwängler als auch die Berliner haben einen derart langen Atem. In den folgenden neun Minuten höchster Erregung zeigen beide, welch herausragende Symbiose sie eingegangen sind. Und als Hörer stellt man sich ernsthaft die Frage: Wurde Beethoven je vollendeter gespielt als zu dieser Zeit – von einem Orchester und einem Dirigenten, die dessen Musik noch im Schlaf beherrschten und sie bis ins Mark fühlten?!

CD 2
Beethoven: Sinfonie Nr. 5 (30. Juni 1943)

"Von den zahlreichen Mitschnitten aus den Jahren 1926, 1937, 1943, 1947 und zweimal 1954 ist der vorliegende vom 30. Juni 1943 meiner Meinung nach der beste. Es ist, als wäre Furtwängler hier über sich hinausgewachsen und mit ihm die Berliner Philharmoniker. Beide bieten dem Zuhörer eine Fünfte, die vor lauter Intensität unter atemberaubender Spannung steht. Den musikalischen Eruptionen läßt Furtwängler freien Lauf, dabei so energiegeladen, wie es nur möglich ist, aber ohne die Kontrolle zu verlieren. Die letzten rund 80 Sekunden der Sinfonie sind ein überragendes Beispiel der Interpretationskunst des Meisters. Eine nervenzerreißende Aufnahme!" (Auszug aus dieser Rezension)

Beethoven: Sinfonie Nr. 7 (3. November 1943)

Ich muß "[...] sagen, dieser Mitschnitt ist für mich das Maß aller Dinge. Es gibt keine wuchtigere, melodischere, kräftigere Siebte als diese. Auf 38 Minuten spielen sich Dirigent und Orchester in eine Ekstase, die atemberaubend ist. Hier ist Furtwänglers Kunst auf dem Höhepunkt.

Der erste Satz läßt sich kaum in Worte fassen: Er ist unglaublich eruptiv und bewegt sich zwischen den Extremen. Es ist, als spielten Furtwängler und die Berliner um ihr Leben. Das folgende Allegretto ist sehr getragen und zutiefst emotional. Wahrhaft presto geht es dann im dritten Satz weiter: verspielt und tänzelnd einerseits, kräftig und vorantreibend andererseits. Daraus wird im Finale eine musikalische Feuerwalze. Furtwängler treibt das Allegro con brio in andere Sphären, und die Sinfonie endet in einem musikalischen Rausch." (Auszug aus dieser Rezension)

CD 3
Beethoven: Violinkonzert (12. Januar 1944)

"Einem Violinkonzert haftet immer etwas Lyrisches an. Das ist auch hier der Fall: Der Solist, Erich Röhn (seit 1934 erster zusätzlicher Konzertmeister der Philharmoniker), zeigt sich als herausragender, mal eindringlicher, mal lyrischer, aber immer eigenständiger Partner des Orchesters. Er spielt mit großem Elan, klanglicher Fülle und wird dabei mit viel Schwung und Kraft von Furtwängler begleitet. Der musiziert, wie zu dieser Zeit für ihn so charakteristisch, voller Ausdruck und Expressivität. Diese interpretatorische Zuspitzung, die meisterhaft gelingt, unterscheidet das Violinkonzert schließlich auch von den vier Nachkriegsaufnahmen mit Menuhin ((2x) 1947 und 1953) und Schneiderhan (1953)." (Auszug aus dieser Rezension)

Georg Friedrich Händel: Concerto grosso op. 6 Nr. 10 (8. Februar 1944)

Der Auftakt der Ouvertüre gelingt Furtwängler einmalig: Beim Hören stockt kurz der Atem, scheinen die Streicher einem doch kurz die Luft zu entziehen. Klaren und beschwingten Momenten stellt der Meister eingängig und empfindsam musizierte gegenüber. Im Verlauf zeigt er, daß ihm auch Barock liegt, und barocker Musik eine romantische Lesart durchaus gut zu Gesicht steht. Furtwänglers einzigartiges Verständnis für die Musik machte diese ungewöhnliche Verbindung möglich.

CD 4
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 8 (9) (8. Dezember 1942)

"Der Kopfsatz beginnt nebulös tastend - es scheint, als dringe das Horn aus einer anderen Welt herüber. Das Thema des Satzes entfaltet sich. Jedes Mal, wenn ein Orchestertutti erklingt, ist es, als wäre die gesamte musikalische Struktur zum Bersten gespannt. Dazwischen immer wieder filigrane Partien, die gefühlvoll vorgetragen werden, bevor es mit ruppigen Schüben erneut vorandrängt. Die Pauken am Satzende klingen nach Trommelfeuer. Mit Wucht scheint der Satz im Weltuntergang auszuklingen. Gemäßigter, wenngleich mit kraftvollem Schwung, schreitet das folgende Andante mit gelegentlichen Ausbrüchen einerseits und wunderbar weichen, nach endloser Weite klingenden Partien andererseits, voran. Der dritte Satz, das Scherzo: ein gespannter Einstieg, lebhafter Vorwärtsdrang, teils filigran verspielt. Die Klammer zum Kopfsatz bildet das Allegro vivace, der Finalsatz. Und als habe Furtwängler noch nicht genügend Hexenküche, Ausbrüche und Wucht gehabt, steigt er gefühlt mitten im Weltuntergang am Ende des ersten Satzes ein. Es gibt donnernde Paukenschläge, gewaltige Orchestertutti und aufsehenerregend eruptiven Schwung." (Auszug aus dieser Rezension)

Carl Maria von Weber: Freischütz-Ouvertüre (21. März 1944)

Wie in eine warme Decke gehüllt, beginnt die Ouvertüre zu Webers großer romantischer Oper. Doch dann wird es aufwühlend, die Berliner brausen auf, als ginge es um Leben und Tod. Wie hätte wohl der ganze Freischütz unter diesem leidenschaftlichen Dirigat geklungen?!

Fazit

Wie man der Tatsache entnehmen kann, daß ich einzelne Werke der Box bereits in neueren Veröffentlichungen habe, gibt es inzwischen klanglich durchaus bessere Bearbeitungen als die der vorliegenden Box. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, daß die hier vorliegende Zusammenstellung eine kostengünstigere Alternative zu mehreren Einzel-CDs darstellt. Außerdem ist das Klangbild der Deutschen Grammophon noch immer hörenswert, und die Sammlung der Kriegsaufnahmen bietet darüber hinaus einen aufregenden Querschnitt historisch wertvoller Aufnahmen.

(Das Begleitheft ist in englischer, französischer und deutscher Sprache.)
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am 21. Oktober 2004
Draußen tobte der Zweite Weltkrieg. Drinnen in der alten Berliner Philharmonie und nach deren Bombardierung in der Staatsoper Unter den Linden spielten Wilhelm Furtwängler und seine Berliner Philharmoniker wie um ihr Leben. Sie gaben die Stimmung der Zeit in ihrer Musik wieder.
Schuberts Sinfonie in C-Dur z.B. gleicht einem Feldzug.Die Aufnahmen waren lange Zeit verschollen, diese Veröffentlichung durch die Dt. Grammophon zu zwei Set's a 4 CD mag sich preislich zwar im oberen Segment befinden, lohnen tut es sich aber allemal.
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am 5. Juni 2014
Die DGG verwendete russische 38 cm/sec. Kopien der Originalbänder für diese Box (obwohl sie mittlerweile wieder die Originalmasterbänder besitzt), d.h. klanglich wäre mehr drin gewesen. Das französische Label Tahra hingegen verwendete für ihre Ausgabe die Originalmasterbänder, welche mit 76 cm/sec. aufgenommen wurden. Der Klanggewinn ist signifikant.
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am 31. Dezember 2007
Zitat: Am frühen Morgen des 3. November 1943 wurden die Lager in Majdanek und Trawniki von SS und Polizei umstellt. Der Morgenappell der Häftlinge war diesmal kürzer als sonst. Die nichtjüdischen Häftlinge wurden zurück in die Baracken befohlen, die Juden mussten nach Feld 5 des Lagers gehen, in der Nähe des Krematoriums und der ausgehobenen Gräben. Zur selben Zeit wurden die Häftlinge der Arbeitslager in Lublin (Lipowa Str.7, Flugplatz und Sportplatz) nach Majdanek gebracht. .....Die Erschießungen dauerten von 6:00 morgens bis 17:00 Uhr. Sie verliefen nach einem genau festgelegten Schlachtplan. Sporrenberg bzw. Hermann Höfle, die in Sporrenbergs Büro Quartier bezogen hatten, erhielten stündliche Berichte über die Zahl der Erschossenen (16.000 - 18.000). "
Was hat dies mit dieser Aufnahme der siebten Sinfonie von Beethoven zu tun, die am gleichen Abend hunderte Kilometer weiter westlich erklang ?
Es war die Zeit, in der dies gespielt wurde. Die Berliner wussten davon nicht, aber es war die Zeit. Abwehrkämpfe an der Ostfront fanden noch tief in Russland statt.Zitat:"Im September 1943 wurde die 17. Armee auf die Krim zurückgezogen. Der Heeresgruppe wurde im Oktober 1943 von der Heeresgruppe Süd die (neuaufgestellte) 6. Armee übergeben, die zunächst die Nogaische Steppe zwischen Dnepr und Asowschem Meer verteidigte, sich jedoch im November 1943 hinter den Unterlauf des Dnjepr zurückzog. Die 17. Armee wurde somit auf der Krim isoliert, wo sie im Mai 1944 vernichtet wurde." Eine Zeit voll des Krieges und der Vernichtung. Und dann Furtwängler. Er lässt einen Beethoven spielen, der nichts anderes als mächtig,ja gewalttätig ist. Speziell der vierte Satz der siebten Sinfonie überwältigt einen förmlich,man meint, der Schädel werde platzen, Gänsehaut, Tränen in den Augen. Ein mächtiger und brandgefährlicher Beethoven. Selbst die legendäre Aufnahme von Kleiber erreicht nicht einen solchen Zustand. Sie ist hoch-intensiv, aber überschreitet die Grenzen eines klassischen Werks nicht. Furtwängler bringt die Berliner Philharmoniker in schiere Extase. Ist das Beethoven, ist das Furtwängler, ist das die Zeit- bei grossen Bedrohungen tritt das Existientielle des Menschen deutlicher in Erscheinung.
Eine Interpretation, die umwirft.Genauigkeit,Text-Treue- alles uninteressant. Diese Musik kommt wie eine Monster-Welle und begräbt alle Zweifel unter sich. Am 3. November 1943 in Berlin.
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