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30 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thielemanns Parsifal
Auch wenn der Name Domingo werbeträchtiger auf dem Cover winkt, ist doch Thielemann der Mittelpunkt dieser Aufnahme. Wie kaum ein Dirigent heute spaltet Thielemann, wobei viele Gründe im außermusikalischen zu sehen sind - sein unglückliches Verhalten in Berlin, seine Schnoddrigkeit, sein angeblicher Konservativismus. Als Klassikhörer bin ich...
Veröffentlicht am 29. Mai 2006 von Thomas Fritz

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zweischneidiges Schwert
Ich bin zu dieser Aufnahme sehr gespalten, fange aber mit der positiven Seite an:
Großes Lob für den Dirigenten Christian Thielemann, er hat eigentlich alles richtig gemacht. Orchestral ist diese Aufnahme wirklich so etwas wie eine "Sternstunde", wie auf dem Cover vermerkt.
Stimmlich hat sie mich dagegen wenig überzeugt. Ich finde sowohl Falk...
Veröffentlicht am 29. Juni 2011 von Kerschtl


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30 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thielemanns Parsifal, 29. Mai 2006
Von 
Thomas Fritz "Der Wanderer" (Schweinfurt, Bayern Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Auch wenn der Name Domingo werbeträchtiger auf dem Cover winkt, ist doch Thielemann der Mittelpunkt dieser Aufnahme. Wie kaum ein Dirigent heute spaltet Thielemann, wobei viele Gründe im außermusikalischen zu sehen sind - sein unglückliches Verhalten in Berlin, seine Schnoddrigkeit, sein angeblicher Konservativismus. Als Klassikhörer bin ich niemandens Fan, Thielemanns Parsifal-Sicht begeistert mich aber so, dass ich dafür schon mal 5 Sterne gebe, auch wenn manches nicht perfekt ist. Dabei ruhen ja einige Parsifal-Aufnahmen in meinem Schrank (der Kna, Solti, Barenboim, Levine, Boulez, Kubelik), wobei in der letzten Zeit Boulez (Bayreuth 1970) und Kubelik (Symphonie-Orchester des BR - allein Kurt Moll lohnt schon die Aufnahme) meine Favoriten waren und die langsamen Aufnahmen mich nicht mehr so begeistern. Die neue Aufnahme wird die Boulez und Kubelik nicht verdrängen, ergänzt sie aber durch wirkungsvollen Kontrast.

Das wichtigste für mich: Thielemann vertreibt jede Heiligkeit, das ist kein Bühnenweihfestspiel (allein bei diesem Wortungetüm möchte ich wieder zu Wagner sagen "si tacuisses...")sondern eine spannnende, hochdramatische Oper. Der Klang aus dem offenen Wiener Orchestergraben ist geradezu diametral gegenüber dem Bayreuther Mischklang. Hier mischt sich fast nichts, die Partitur gewinnt an Härte und bohrender Expressivität. Debussy ist da weit weg, der späte Bruckner und Mahler näher. Thielemann treibt den Parsifal auch rhythmisch konsequent voran, ohne an den Höhepunkten dann noch schneller zu werden und die Konturen zu verwischen. Atemberaubend die Verwandlungsmusik im 1.Akt und das Vorspiel zum 2., niederschmetternd die Verwandlungsmusik im 3.Akt, wo er an die Grenze des akustisch erträglichen geht. Kaum Schön- und Schwelgklang, sondern holzschnitthaft durchgezeichnet. Die Klasse der ja durchaus schwierigen Wiener zeigt sich, dass sie sich voll auf dieses Konzept einlassen, intensiv bis zur Wildheit spielen und weihevoller Schönklang vermieden wird.

Das Klangbild ist dazu recht orchester- und bassbetont.

Da liegt denn auch die Gefahr dieses Mitschnitts: Auch wenn sie nicht zugedeckt werden, haben es die Sänger viel schwerer als in Bayreuth, sich durchzusetzen und eindrucksvoll zu profilieren. Wie Michael Wersin schon schreibt, sind es wirklich auch nicht die jungen frischen Sänger. Die gibt es schon, z.B. im Berliner Parsifal in der Lindenoper mit Burkhard Fritz und Rene Pape. Aber wer kauft schon einen Parsifal mit Burkhard Fritz? Dabei macht Altstar Domingo seine Sache noch ordentlich, von seinen üblichen Sprachproblemen wollen wir garnicht mehr reden. Hat man Rene Pape als Gurnemanz im Ohr, ist man aber von Selig schon enttäuscht, in der Tiefe noch ganz ordentlich, bei der grandiosen Stelle (auf die alle warten) "So wart es uns verhießen.." kann er sich am Ende nur noch in die Höhe hauchen.

Selbst das Riesenorgan von Struckmann hat auf der CD Probleme mit der Durchschlagskraft, was live ja nicht der Fall gewesen sein soll. Dabei bemüht der sonst so rauhbeinige Sänger sich um Differenziertheit. Über Waltraud Meier lasse ich auch nach vielen Dienstjahren nichts kommen, an ihrer Gestaltung und Artikulation sollten sich jüngere ein Vorbild nehmen (z.B. deYoung in Bayreuth).

Also kein Parsifal für Stimmfetischisten und Karfreitagshörer. Das Drama lebt dank Thielemann und den Wienern. Wers dann doch ein bisschen weihevoller und klangschöner mag, dem empfehle den immer unterschätzten Kubelik (Arts) mit dem grandiosen Kurt Moll und einer ansonsten sehr soliden Sängerbesetzung.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckendes Dirigat, 8. September 2012
Von 
opernfan - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Diese Gesamtaufnahme ist die Aufnahme von C. Thielemann - was er an Farben, an Dynamik aus der Partitur herausholt, ist sehr beeindruckend. Er findet eine kongeniale Mischung aus Weihevollem auf der einen Seite und Musikdrama auf der anderen Seite. Da gibt es dann schon eigenwillige Temporückungen und Akzentverschiebungen, aber diese sind für mich immer schlüssig und dienen dem Gesamtkonzept. Thielemann findet eine ganz eigene Klangsprache für Wagner, die etwas Mitreißendes hat. Das Orchester der Wiener Staatsoper ist dabei natürlich ein Luxusklangkörer, der all das umzusetzten versteht, was Thielemann will (nicht umsonst ist Thielemann ja so geschätzt bei den Musikern). Von der gestalterischen Seite her also ein absoluter Gewinn für den Kanon.

Was nun die Sänger angeht, ist meine Begeisterung leider deutlich kleiner, denn die meisten unter ihnen können das Niveau des Dirigat nicht halten. Einzig W. Meier ist und bleibt eine großartige Kundry mit ungeheurer Ausdrucksintensität. Ihre Darstellung ist überwältigend. Die übrigen Sänger sind eher ordentlich, denn außerordentlich - was ein Stück weit auch für Domingo gilt. Er hat zwar die Stimme für den Parsifal (und alleine das ist verblüffend, wenn man bedenkt, wie alt Domingo bei dieser Aufnahme schon war und wieviele Partien er gesungen hat), aber er bleibt ein Stück weit unidiomatisch im deutschen Fach, sprachlich sowieso, aber eben auch von der musikalischen Linie her, die immer etwas "zerhackt" wirkt, weil er offenkundig mit der Sprachmelodie zu kämpfen hat. Er gefällt mir hier allerdings besser als in der Studioaufnahme unter Levine. Selig ist ein ganz guter Gurnemanz (v.a. im ersten Akt), kommt aber deutlich hörbar an stimmliche Grenzen und kann nicht mit großen Rollenvertretern konkurrieren (L. Weber, G. Frich, K. Moll, um einige Beispiele zu nennen - R. Pape gehört für mich im übrigen nicht dazu). F. Stuckmann ist live ein beeindruckender Amfortas, auf Platte hört man allerdings seine Neigung zum Distonieren und man hört, dass er einen gehörigen "wobble" in der Stimme hat, was unter dem Mikroskop einer Plattenaufnahme störend wirkt, auch wenn er ein intensiver Gestalter ist.

In der Summe ist das nicht der Parsifal für die einsame Insel, dazu sind die Sängerleistungen nicht einheitlich genug (da halte man sich an die alte Knappertsbusch-Aufnahme, oder an Solti oder Kubelik, die bessere Sängerbesetzungen aufzuweisen haben). Vom Dirigat her würde ich diesen Parsifal aber in der allerersten Liga ansiedeln.

Noch ein Wort zur Tonqualität. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt, der im Prinzip ganz gut eingefangen ist, allerdings hört man relativ stark Bühnengeräusche, die etwas störend wirken.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zweischneidiges Schwert, 29. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Ich bin zu dieser Aufnahme sehr gespalten, fange aber mit der positiven Seite an:
Großes Lob für den Dirigenten Christian Thielemann, er hat eigentlich alles richtig gemacht. Orchestral ist diese Aufnahme wirklich so etwas wie eine "Sternstunde", wie auf dem Cover vermerkt.
Stimmlich hat sie mich dagegen wenig überzeugt. Ich finde sowohl Falk Struckmann als Amfortas, als auch Wolfgang Bankl als Klingsor überhaupt nicht überzeugend, der Gesang wirkt auf mich fast etwas atemlos, vielleicht auch eher ambitionslos. Zum Parsifal Placido Domingo stehe ich (als bekennender Domingo-Fan) ebenfalls gespalten. Es ist als hätte er mit der deutschen Sprache etwas von seiner schönen Stimme verloren.
Einzig Waltraud Meier als Kundry (obwohl es mit ihr noch bessere Aufnahmen dieser Rolle gibt) und Ain Anger als Titurel finden meinen sicheren Zuspruch.
Letztlich gibt es keine kompletten Aufnahmen, aber diese hier ist, zumindest Gesanglich, weit von diesem Ziel entfernt.
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Offenbarung des neuen (Wagner-) Sterns am Dirigentenhimmel, 29. April 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Zunächst einmal sei meiner Rezension vorangestellt, dass ich die zweite der drei Aufführungen im Juni 2005 (aus denen die vorliegende Aufnahme entstanden ist) als Zuschauer erleben konnte und ich somit eine ganz spezielle Beziehung zu dieser Aufnahme habe. - Und so weckt diese Aufnahme unvergessliche Erinnerungen an dieses großartige Ereignis: Alles beginnt mit einem unvergleichlich dichten und flexiblen musikalischen Bogen im Vorspiel, aus dem sich der Geist der Gralsritter erhebt. Thielemann gelingt es wie keinem anderen Dirigenten unserer Zeit den Geist Wagners Oper zum atmenden Leben zu erheben und dabei gleichzeitig seine eigene Note als Dirigent hervorzubringen. Und dabei braucht er den Vergleich mit den größten Aufnahmen dieses Werkes nicht zu scheuen (Für wie viele Wagner-Gesamtaufnahmen der letzten 10 Jahre könnte man Vergleichbares sagen?): Aus meiner Sicht übertrifft nur die Aufnahme unter Boulez der Bayreuther Festspiele aus den 1970er Jahren mit Jones und King das Dirigat Thielemanns, was die Geschlossenheit und Phrasierung des musikalischen Bogens angeht; bei Boulez allerdings auf Kosten eines z.T. überaus raschen Tempos. Thielemanns Stärke ist sein unmittelbarer, emotionaler Zugang zu Wagners Werk - eine Form emotionaler Offenbarung, wie ich sie zuvor in der Treffsicherheit nur bei Carlos Kleiber (man denke an seinen unvergleichbar bewegenden Tristan von 1982) und dem großen Furtwängler gehört habe. Zu Thielemanns persönlicher Note gehört der vortreffliche Einsatz von Sinnpausen bei lang gehaltenem Fermate, besonders eindrucksvoll eingesetzt nach Kundrys trotzigem Schrei: "...und lachte!" im 2. Akt der vorliegenden Aufnahme, zudem ein besonders intensives Hervorheben der Streicher zur Betonung der inneren Spannung, aber auch im Sinne einer "atmenden Linienführung", die die menschlich-emotionale Dimension des Werkes in einer Weise offenbart, wie sie im Wagnerischen Geiste nur als idealtypisch bezeichnet werden kann. Besondere Genugtuung empfindet der Zuhörer bei diesem ersten großen Offenbarungswerk eines neuen großen Dirigenten durch die feste Gewissheit, in der nahen Zukunft noch viel vom Ausnahmetalent Thielemann hören zu werden.

Freilich weckt auch diese Aufnahme eine gewisse Wehmut bezüglich der so oft beklagten derzeitigen Situation fehlender stimmgewaltiger Nachwuchssänger im hochdramatischen Wagner-Fach. Wo bleiben die Melchiors, Flagstadts und Nilssons des 21. Jahrhunderts, die der Einzigartigkeit des orchestralen Werks ein stimmliches Gegengewicht bieten könnten? Aber dies ist nur der erste Blick. Sieht man einmal von gewissen Abstichen bezüglich der gesanglichen Durchschlagskraft, der Klarheit der Diktion und der Treffsicherheit in den hohen Lagen der Gesangspartien in der vorliegenden Aufnahme ab (alles z.T. bedingt durch die "Seniortät" der Rollenbesetzung), so zeigt sich, dass auch in Bezug auf die Sänger hier eine Aufnahme vorliegt, die für unsere heutige Zeit durchaus Ausnahmecharakter besitzt.

Meier, die die Partie der Kundry zum ersten mal bei den Bayreuther Festpielen 1985 unter James Levine (vor 21 Jahren also!) auf Platte gebannt hat, muss man bei allen deutlich zu Tage tretenden Alterserscheinungen ihrer Stimme im Vergleich zu ihren früheren Aufnahmen der Kundry (anders als z.B. bei ihrer letzten Isolde in Paris 2005 im Vergleich zu früheren Isolde-Interpretationen)zugestehen, dass die Ausdrucksstärke und dramatische Reife ihrer Darstellung der Kundry über die letzten 20 Jahre auf beeindruckendste Weise sogar noch zugenommen hat! Wer würde den ein oder anderen scharfen Ton, das ein oder andere veschluckte Wort oder die ein oder andere verrutschte hohe Note kritisieren, wenn er dafür durch die Erfahrung, Einfühlsamkeit und Größe der Interpretation einer "Grande Dame" des Wagnerfachs überkompensiert wird, die in dieser Aufnahme mit einer dramatischen Ausdruckkraft und in einer Bandbreite von höchsten Wutausbruch bis zu zärtlichem Einfühlvermögen singt, wie es eine Maria Callas nicht hätte besser machen können. War der legendäre Furtwängler-Tristan von 1951 das eindrucksvolle Altersvermächtnis der großen Kirstin Flagstad in ihrer Paraderolle der Isolde, so gilt gleiches für diese Aufnahme des Parsifal in Bezug auf Meiers Darbietung ihrer Paraderolle der Kundry. So ringe ich mich zu der mutigen (und für heutige Wagneraufnahmen gänzlich untypischen) Aussage durch, dass ich Meiers einzigartige Darstellung der Kundry in dieser Aufnahme als eine der größten Interpretationen dieser Rolle überhaupt bewerte. - In Placido Domingos Fall ist das Urteil durchaus problematischer. Unklarheiten in der Diktion sind typisch für seine Interpretationen deutschsprachiger Opern, die gerade bei Wagner-Interpretationen besonders schmerzlich hervortreten, da der Sinnverbund von Wort und Ton gerade bei Wagner so wichtig ist. Was jedoch den letztern Punkt "Ton" für sich betrachtet betrifft, so muss man Domingo eingestehen, dass ihm - v.a. in Anbetracht der hohen Anforderungen des Wagner-Fachs an die dramatisch-forcierte Ausdruckskraft der Stimme - auch mit 65 Jahren noch kein anderer Tenor das Wasser reichen kann. Wie anders könnte man sich sonst erkären, dass der gealterte Marathon-Mann der Oper letztes Jahr selbst für die schwere Partie des Tristan und sogar für Mitschnitte der jungendlichen Partie des Siegfieds (beides unter Antonio Pappano in London) herhalten musste, um so - derzeit richtungsweisend - die Tradition der Produktion neuer einschlägiger Wagner-Interpretationen auch im 21. Jahrhundert fortzuführen. Beeindruckend ist dabei (im Gegensatz zu meinen Eindrücken bei der Aufführung in Wien), dass Domingos Leistung kaum gegenüber frührern, z.T. über 15 Jahre alten Aufnahmen, abfällt. Dies beweist wieder einmal die hervorragende Eignung von Domingos Stimme für die Plattenaufnahme. Seine Stimme klingt immer voll, treffsicher und zeugt von gleißender Intensität - egal ob wir gerade seines Radames aus den 70er Jahren unter Leinsdorf hören, eine Interpreation von diversen Arien, die er an irgendeinem frühen morgen in irgendeinem Studio in London oder New York irgendwann in den letzten 20 Jahren aufgenommen hat, oder eben seinen neusten Parsifal, live aus Wien vom letzten Jahr. Und wer würde sich bei solch einer übermenschlichen Leistung und in Anbetracht der konstant hohen Qualität seiner Aufnahmen schon darüber beschweren, dass mit zunehmendem Alter wohl auch zunehmend aufnahmetechnische Hilfen bei seinen Aufnahmen in Anspruch genommen werden müssen?

Leider fällt das Urteil in Bezug auf die beiden weiteren wichtigen Rolleninterpretationen des Gurnemanz und Amfortas bei der vorliegenden Aufnahme etwas magerer aus. Selig, der mir noch im neusten Tristan an der Pariser Bastille letztes Jahr (ebenfalls im Ensemble mit Meier) so beeindruckend als König Marke aufgefallen ist, machte bereits bei der Aufführung des Parsifal in Wien als Gurnemanz einen weniger herausstechenden Eindruck auf mich - zu ruppig, undifferenziert und anstrengend-forciert wirkte seine Interpretation im Vergleich mit den ganz großen Interpretation dieser Rolle (z.B. eines Josef Greindl oder Hans Sotin). Leider treten diese Defizite in der vorliegenden Aufnahme noch etwas deutlicher zu Tage, wenngleich man sich fragen muss, ob es heute einen anderen Sänger gibt, der es hätte besser machen können - auch einem Robert Holl gelang in Bayreuth in den letzten Jahren in der Schlingensief-Inszenierung keine neue richtungsweisende Darbietung der Rolle. Sehr enttäuschend fällt das Urteil für Falk Struckmann bei dieser Aufnahme aus, zumal er mir bei der Aufführung in Wien als einer der klangstärksten Interpreten des Abends aufgefallen war. Seine Stärke scheint im Live-Auftritt zu liegen; für die Aufnahme hätte sich allerdings vielleicht die Wiener Standard-Besetzung des Parsifal (mit dem jüngst mit dem Grammy ausgezeichneten Thomas Quasthoff) besser geeigent, oder die ursprünglich geplante Thielemann-Besetzung mit Thomas Hampson, der dem Amfortas wahrscheinlich eine neue, ungewohnt lyrische Färbung verliehen hätte. Mit Spannung wird zu erwarten sein, wie Falk Struckmanns Wotan bei der diesjährigen Neuinszenierung des Ring des Nibelngen (ebenfalls unter Thielemann) gelingen wird.

Trotz aller (für den Gesamteindruck unerheblichen)Abstriche bleibt der vorliegende Parsifal für mich ein großer Hoffnungsschimmer für den Versuch, auch heutzutage die Tradition vorzuführen, historisch einzigartige Wagner-Interpretationen zu produzieren, die das gegenwärtige Jahrzehnt überdauern. Diese Hoffnung richtet sich konkret auf das Ausnahmetalent Thielmann, der diese exzellente erste Wagner-Gesamtaufnahme hoffentlich als einen Anstoß sieht, seine Interpreation von Wagners Gesamtwerk auf Platte zu bannen. Auf dieses Vorhaben dürfen wir uns alle schon jetzt freuen!
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Parsifal - hätte mehr sein können, 22. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Ich legte mir die Einspielung als Vergleich zu verschiedenen anderen zu; auch im Hinblick auf des neueren Datums und der Besetzung mit Domingo und Meier.

Nun ist es ein Schweres, diese grandiose Musik kritisch betrachten zu müssen. Sie entfaltet sogar ihre Wirkungen, wenn sie weniger gut (oder gar schlecht) gespielt wird. Ihre Größe zeigt sich, würde sie selbst von einer Spieluhr erklingen.

Daher ist es stets etwas besonderes, einen Parsifal in neuer Einspielung zu hören.

Zeigte sich das Vorspiel I noch sehr vielversprechend und gewaltig im Klang, zeigt die Aufnahme schon bald starke Schwächen. Das Dirigat zeigt kein einheitliches Tempomaß. "Flüssige Stellen" werden abrupt ausgebremst und Musik und Text unnatürlich gedehnt. Oftmals werden auch Instrumente des Orchesters so deutlich hervorgehoben, wie dies keinesfalls in der Partitur so vorgesehen ist. Es entsteht so häufig ein sonderbarer Klang, wenn jene besonders betont, andere wichtige hingegen im Hintergrund verschwinden. Insofern fehlt häufig die Transparenz dessen, was zur Darstellung der Leitmotive wichtig ist.

Gurnemanz Artikulation lässt oft zu wünschen übrig. Intonation, aber auch die sprachliche Gestaltung seines Textes bereiten öfter Probleme. Da wird schon einmal aus einem "Amfortas" ein "Am-for-ha-tas". Ganz anders im III. Aufzug, zu dessen Beginn er wirklich sehr überzeugend ist.

Amfortas selbst viel zu schwach gegen das Orchester. Selbst wenn man seinen Text gut kennt, sollte man das wichtige, das er zu sagen hat, auch verstehen können.

Leider zeigen sich auch die Nachteile von Live-Aufnahmen. Wer es auch mag, aber nach Titurels Ausspruch "Enthüllet den Gral" im I. Aufzug sollte die musikalische Stille nicht durch ständiges Gerumpel gestört werden.

Klingsor leider nur ganz "dünn", ohne wirklich Dämonie.

Völlig im Gegensatz dazu hingegen die (auch auf vielen anderen Aufnahmen) wunderbare, überragende Waltraut Meier, die diese Rolle schier völlig durchdrungen hat und es vermag, die Vielgestaltigkeit der Kundry in unglaublicher sängerischer Leistung darstellen zu können. Sie ist um Klassen besser, als die übrige Aufnahme.

Domingo als Parsifal füllt die Rolle durchaus gut aus. Sprachlich/textliche Probleme sind eigentlich nicht festzustellen. Er hebt sich deutlich aus dem Orchester hervor (leider z.T. nicht im II. Aufzug nach dem Kuss) und bringt (trotz älteren Semesters) eine angenehme warme Stimmlage hervor, die den "Parsifal" authentisch und überzeugend darzustellen vermag.

Eine nicht uninteressante Aufnahme, doch hätte sie angesichts der mitwirkenden "Kaliber" wesentlich mehr hervorbringen können. Daher kann sie im Gegensatz zu den Einspielungen von Boulez (1970) und Barenboim (1991) nicht an diese heranreichen. Diese sind ihr absolut vorzuziehen.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genuss durch eine dichterische Interpretation eines Meisterwerkes., 6. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Falls es auf der Welt Perfektion gibt, ist sie dann, was in dieser Aufnahme zu hören ist. Die Stimmung in den Aufführungen war unbeschreiblich gut. Alle spielten und sangen ungeheuer gut und Thielemanns Leitung lud die Zuschauer dazu ein, an einer 4-stundigen Reise nach der Vergangenheit teilzunehmen. Das Alter, das ein Problem bei Domingo oder Meier hätte sein können, wird wegen der Erfahrung der Sänger zu Weisheit und beschenkt uns mit einer glanzvollen Interpretation, die man nur nach solchen erfolgreichen Karrieren erwarten könnte. Wie üblich fehlt der Aufnahme das, was nur im Theater gespürt werden kann. Trotzdem, etwas Einzigartiges.

ALFONSO LOMBANA
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4 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Placido Domingo als Parsifal, 23. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Die sängerische Leistung von Herrn Domingo ist besonders darum hervorzuheben,weil er nicht 1941 geboren ist,wie landläufig bekannt,sondern 1934,was in früheren Sängerbiographien nachzulesen ist die entstanden sind,als Domimgo noch nicht der Superstar war,wohl schon weltbekannt,aber eben noch nicht so vermarktet,weshalb sein Management ihn noch nicht um sieben Jahre "verjüngte"...Darum allein schon gebühren ihm 5 Sterne,für das Musikalische unter Thielemann ebenso...allerdings ist der Parsifal unter Kubelik,Solti,von Karajan oder Knappertsbusch weitaus gehaltvoller...
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Wagner: Parsifal
Wagner: Parsifal von Orchester der Wiener Staatsoper
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