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Kundenrezensionen

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am 9. September 2002
Geht es um die ultimative Aufnahme dieses größten Meisterwerkes der Operngeschichte, so gibt es nur vier, die man aus vollstem Herzen empfehlen kann: die Furtwängler-Aufnahme mit Flagstad und Suthaus (fantastisch, leider in Mono), die Aufnahme von Sir Georg Solti (mit einer jungen Birgit Nilsson, die ihr Primat unter den Isolden dieser Welt klar macht), Carlos Kleiber mit der Staatskapelle Dresden (diese Aufnahme ist wohl die Strahlendste, typisch Staatskapelle)...und diese Bayreuther Live-Aufnahme, die in Sachen Intensität und Dramatik ihresgleichen sucht.
Vielleicht liegt es an der Live-Athmosphäre oder dem "Genius Loci", daß diese Aufnahme so fesselnd, atemberaubend und so herzzerreißend intensiv gelungen ist. Das Orchester unter Karl Böhm wogt dramatisch, Birgit Nilsson (ihre zweite Isolde auf Platte) leidet, tobt und träumt auf einem unerreichten Niveau, und Wolfgang Windgassen läßt sich von ihrer Leidenschaft anstecken, um BIG BIRGIT mindestens ebenbürtig zu sein.
Das absolute Highlight dieser Aufnahme ist der unerreichte König Marke von Martti Talvela. Herzzerreißend wie niemand vor ihm oder nach ihm beklagt er sein Unvermögen, den Treuebruch Tristans nachzuvollziehen. Nach dem Liebesrausch im ersten Teil des zweiten Akts sorgt er dafür, daß die Nüchternheit der Realität nicht zu einer kalten Dusche für den Hörer wird. Der Hörer ist vielmehr erschüttert von der Trauer König Markes.
Noch ein Kommentar zur Aufnahme-Qualität: einfach phantastisch. Transparent, warm und niemals die Sänger erschlagend.
Wenn's nur ein Tristan sein soll, dann dieser!
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TOP 1000 REZENSENTam 24. November 2012
Die Aufnahme ist laut Beiheft ein Live-Mitschnitt aus Bayreuth aus dem Jahr 1966 (anderslautende Gerüchte kann ich nicht kommentieren). Die Klangqualität ist im Prinzip gut, die Aussteuerung allerdings sehr hoch und auf gewaltigen Ausdruck ausgerichtet. Das ist beeindruckend, war mir aber ab und zu mal zu 'fett'. Die Harmonie zwischen Orchester und Stimmen gelingt nicht immer und oft deckt das Orchester die Stimmen sehr zu. Böhms Dirigat bietet eine Mischung aus Wärme und Dramatik und ist ungewöhnlich flott.

Birgit Nilsson gilt vielen als die vielleicht beste Isolde der Nachkriegszeit (wenn man Flagstadt mal nicht mehr zu dieser Zeit rechnet). Das ist sicherlich so der Fall, wenn man den Zugang der dramatischen, wuchtvoll beeindruckdenen Isolde mit den hohen, strahlenden Tönen voll sauberer Kraft bevorzugt. Dies ist nicht mein Lieblingszugang und trotz unbestrittener Qualitäten der Nillson kann es mich subjektiv nicht ganz überzeugen. Es ist mir an vielen Stellen zu wuchtig, zu hoch, zu laut, zu dramatisch. Die Textverständlichkeit ist dadurch oft stark eingedrängt (gegenteilige Beobachtungen in anderen Rezensionen respektiere ich, kann sie aber nicht nachvollziehen). Sie bildet den Klang in der Kehle mit viel Kraft, setzt aber oft nicht die Formung in der Mundhöhe dazu, die den reinen Klang zum klanggeformten Wort machen (um dagegen nicht unterzugehen macht es Christa Ludwig als Brangäne hier oft auch so). Man muss freilich feststellen, dass sie an vielen Stellen auch bewunderswert ruhig und lyrisch werden kann, ihre Stimme kontrolliert und das vorhandene Fundament intelligent einsetzt. Der Liebestod aber z.B. gerät sehr dramatisch. Das ist ohne Zweifel beeindruckend und bewunderswert, aber muss nicht jedem gefallen.

Ein für mich objektives Problem aber, dass Wolfgang Windgassen als Tristan nicht dazu passt. Er hat einen wunderschönen Tenor, der aber von der Natur viel schlanker und weniger kraftvoll ist als Nilssons Organ. Das ist eine falsche Zusammenstellung. Wenn man Nilsson als Isolde in ihrer Pracht haben will, dann muss man ihr ein ebenbürtiges Gegenüber an die Seite stellen. Jenseits dieser mangelnden Passung macht Windgassen das mit seinen Mitteln nicht schlecht. Er wählt nicht den lyrischen Zugang wie andere Darsteller mit schlanker Stimme (z.B. Rene Kollo), sondern den des etwas intellektuellen, innig-reflektierenden Liebhabers, arbeitet viel mit Punktuation und diffiziler Herausarbeitung der inneren Dramatik des Textes. Er bietet viel sängerische Intelligenz, aber weniger Empfindamkeit. Seine Fiebrigkeit im dritten Akt ist präzise dargestellt, aber emotional nicht ganz überzeugend. An wenigen Stellen versucht er mal mit einer Kraft zu singen, die er nicht hat und klingt dann etwas verschattet.

Christa Ludwig ist Nilsson ein absolut ebenbürtiges Gegenüber. Sie singt die hohen, dramatischen Phasen absolut sicher und überzeugend, die ruhigeren mit Gefühl und Intelligenz. Wegen der ebenfalls sehr dramatischen Anlage kann es mich persönlich aber nicht so berühren.

Eberhard Waecher ist im ganzen nicht der ideale Kurwenal. Im ersten und zweiten Akt ist er überzeugend der energetische Ritter, aber in Darstellung und Stimmführung nicht immer ganz präzise. Im dritten Akt fehlt es ihm ein wenig an Präsenz, während gleichzeitig manche Phrasen etwas überzeichnet wirken.

Martii Talvela als König Marke singt besonders tief. Er ist ganz König und Würdenträger, tritt fast wie ein Richter auf, erinnert dabei an den König in Lohengrin. Seine persönliche Involviertheit kommt kaum zum Tragen und er wirkt wie eine Figur, die von außen an die Szenerie herantritt.

Fazit: Vier Sterne gibt es aus meiner subjektiven Sicht, die die sehr dramatische Ausrichtung nicht so mag und aus den starken, hohen Tönen weniger Pluspunkte ableitet. Wem das auch so geht, für den sollte die Aufnahme nicht erste Wahl sein. Wer es genau anders herum empfindet, sollte wegen Nilssons Leistung sicher zugreifen.
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TOP 500 REZENSENTam 28. September 2004
Diese Aufnahme zeichnet im Vergleich zu anderen Spitzenaufnahmen des Tristan vor allem zweierlei aus:

Zum einen extreme Wortdeutlichkeit. Die Akustik des Bayreuther Festspielhauses mit dem Deckel über dem Orchester gibt den Sängern dieses auch technisch hervorragenden Live-Mitschnitts von 1966 die Möglichkeit zu singen, ohne schreien zu müssen.

Zum anderen hat der Dirigent Böhm sehr schnelle Tempi gewählt, was ebenfalls die Betonung von der Musik in Richtung des Textes verschiebt. Das kommt insbesondere dem 1. Akt zugute, in dem (bis auf die Liebestrank-Szene am Schluss) weniger die großen Gefühle ausgelebt als vergangene Ereignisse erzählt und Beleidigungen ausgetauscht werden. Selten habe ich diesen Akt so grimmig, dramatisch und energisch erlebt.

Weniger gut bekommen die extremen Tempi allerdings den großen Liebesszenen des 2., den kontemplativen Momenten des 3. Aktes: Wenn einige Kritiker dieser Aufnahme vorwerfen, die Isolde bleibe "ungeminnt", liegt das m. E. nicht zuletzt daran, dass der Dirigent den Sängern teilweise nicht die Luft und Zeit gibt, die Gefühle wirklich auszusingen. Auf der anderen Seite hält er dadurch das Drama sehr stringent zusammen.

Birgit Nilsson ist eine sehr engagierte, dramatische Isolde mit strahlender Höhe, zeigt sich hier aber - mehr als in vielen Studio-Aufnahmen und trotz der schnellen Tempi - auch überraschend sensibel. Die Live-Aufnahme bekommt ihrer Riesenstimme viel besser als die alte Studio-Technik, die sie oft zwang, nur mit halber Stimme zu singen oder sogar einen Meter zurückzutreten, um das Mikrophon nicht zu überfordern. Winzige Ermüdungserscheinungen im 3. Akt lassen sich - nach vier Stunden - in einer Live-Aufnahme überhaupt nicht vermeiden und stören den fabelhaften Gesamteindruck nicht.

Wolfgang Windgassens Tristan kann ich nicht so ungeteilt genießen: Auf der einen Seite singt er - wie immer - sehr textverständlich und unglaublich ausdrucksvoll. Bewundernswert auch die Präzision, mit der er und Nilsson den ersten Auftritt im 2. Akt singen, der sonst häufig in Geschrei oder Sprechgesang ausufert.

Auf der anderen Seite war er nie ein klassischer Heldentenor, seine Stimme klang nicht groß, baritonal, ausladend, sondern hell, schlank und eher leicht, nicht nach Horn, sondern Oboe. Um trotzdem Partien wie Siegfried und Tristan zu singen, musste er besonders in der Höhe die Töne mit viel Druck erzeugen, klang dadurch häufig gepresst, was er oft - besonders als Tannhäuser, seine beste Rolle - als Ausdrucksmittel nutzen konnte. Als Tristan fehlen ihm in dieser Aufnahme (in einem Bayreuth-Mitschnitt von 1957 war das noch anders) die Kraftreserven, um die lyrischen, schwärmerischen Passagen entspannt zu singen, die triumphalen Aufschwünge souverän. Unübertroffen als Tristan bleibt bis heute Lauritz Melchior, danach kommen für mich der herb-melancholische Ludwig Suthaus (unter Furtwängler) und Jon Vickers, und erst dann Windgassen.

Die übrigen Rollen sind in kaum einer Aufnahme so gut besetzt wie in dieser:

Christa Ludwig ist eine Brangäne mit außergewöhnlich schöner Stimme, eine jugendliche Freundin, nicht eine Amme der Isolde. Der mitreißende 1. Akt geht zur Hälfte auf ihr Konto. Besser geht's nicht.

Eberhard Waechters Kurwenal klingt - v. a. im Vergleich zum jungen Fischer-Dieskau (Furtwängler) oder Berry (Karajan) recht rauh, aber engagiert und eindringlich. Außerdem ist die Rolle ja auch ein recht einfacher Charakter, und deshalb gefällt Waechter mir durchaus.

Martti Talvela ist ein großartiger König Marke mit einer riesigen, sehr charakteristischen Stimme und schafft es in bewundernswerter Weise, trotz der extremen Tempi in seinem Monolog im 2. Akt die Enttäuschung und Resignation des Königs anrührend darzustellen. Neben Kurt Moll und Karl Ridderbusch einer der "großen" Markes auf Platte.

Peter Schreier schließlich macht aus dem "Seemann" fast eine Hauptrolle und singt sein Lied zu Beginn des 1. Akts so klar, so weltfern melancholisch, dass man sofort voll in die Stimmung der Oper geworfen wird. Genauso optimal wie die restlichen Sänger.

Insgesamt also ist dies nach wie vor eine der besten Aufnahmen des Tristan, insbesonders eine großartig besetzte. Wegen der doch sehr flotten Tempi und des etwas quetschenden Tristan ziehe ich dennoch insgesamt Furtwänglers technisch und von der Besetzung (bis auf Suthaus und Fischer-Dieskau) lange nicht so perfekte, aber ruhiger atmende Aufnahme vor.
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am 13. Juni 2005
In dieser Aufnahme passt einfach alles: von der ersten Note an eine überwältigende Interpretation. Mit Recht ist dieser Tristan die Referenzaufnahme, an der sich alle anderen zu messen haben.
Was Windgassen hier auf die Bühne bringt ist bei Gott der empfindsamste, verzweifeltste und berührendste Tristan. Nilssons Isolde ist überirdisch - am Ende verglüht sie förmlich im Liebestod. Brangäne - ludwig atemberaubend usw. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann vielleicht der Kurwenal von Wächter - der (wienerisch ausgedrückt) etwas "koffert" (sprich die Höhen attackiert, dass es schmerzt).
Was allerdings wiederum Böhm aus den Bayreuthern (die ja kein richtiges Orchester sind) heraushohlt, das ist einfach - Magie...
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am 10. Januar 2013
mit dieser Aufnahme seit mehr als 30 Jahren. War es 1980 die herrliche LP Gesamtaufnahme, welche 2 x erneuert werden mußte, weil ich sie derart oft abgespielt habe (übrigens: wer diese noch irgendwo bekommt - dringende Empfehlung! Als Bonus befinden sich auf der Rückseite der 5. Platte Probenausschnitte vom 3. Akt!), habe ich mir dann in den frühen 90ern die erste CD zugelegt und dann eben die "Originals" CD.
Im direkten Vergleich bevorzuge ich die Erstfassung, da diese für mich klarer, viellicht etws härter klingt als die doch etwas weiche "Originals". Passt aus meiner Sicht besser zur Aufnahme, ist aber natürlich Geschmackssache.

Und was soll ich noch zur Aufnahme selbst sagen? Für mich nicht nur DIE Tristan-Referenz (trotz Furtwängler, welche ich ebenfalls äußerst hochschätze) sondern dss erregendste Stück Musik überhaupt. Wie hier die Dissonanzauflösung am Ende des Liebestodes gelingt ist wohl auf alle Zeiten unwiederholbar!

Gestern nach langer Zeit wieder einmal (im Stück) durchgehört, seither bringe ich die Musik nicht mehr aus meinem Kopf!
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TOP 500 REZENSENTam 14. März 2014
Kennen Sie Dampfloks? Haben Sie schon einmal eine in Aktion erlebt? Diese großen, schwarzen Ungetüme, die – besonders imposant in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – scheinbar unaufhaltsam die Landschaft durchpflügen und dabei urgewaltig schnaufen? Karl Böhms "Tristan und Isolde", 1966 in Bayreuth live aufgezeichnet, ist solch ein dampfgetriebener D-Zug!

Der Charakter des Dirigats

Böhms zweiter Festspielmitschnitt knüpft in zwei wichtigen Punkten an den Lohengrin des Vorjahres an. Zum einen ist es die Unausweichlichkeit, die atemberaubende Konsequenz, mit der er auch den Tristan vorantreibt. Und zum anderen ist es die Anspannung, die psychische Ballung, die diese Aufnahme einzigartig macht. In beiden Elementen gleicht die Aufnahme nicht nur dem Lohengrin, sondern eben auch einer Dampflok, die buchstäblich unter Dampf steht und deren Beherrschung den Beteiligten höchste Konzentration abverlangt.

Seinen Tristan feuert Böhm ordentlich an, so daß die Opernreise recht flott über die Bühne geht. Aber während manch ein Dirigent mit schnelleren Tempi zu kaschieren versucht, daß ihm die Vision hinter der Eile fehlt, unterfüttert Böhm die Oper und produziert nicht nur heiße Luft. Dieser Tristan ist ein rasantes Drama, das gewaltig unter Spannung steht und nur in den Aktpausen zur Ruhe kommt, um dann abermals voranzudrängen – konsequent, mitreißend und eigentlich immer unter Dampf und dennoch transparent und klar gestaltet.

Und einer Dampflok gleich, entpuppt sich Böhms Dirigat bei genauer Betrachtung als großer Organismus. Was von der Ferne wie eine große Einheit scheint, ist im Detail die Summe zahlreicher filigraner Einzelteile, die perfekt ineinandergreifen. Sie bringen die Oper auf Fahrt und geben dieser Reise den letzten Schliff.

Ausschließlich Fahrgäste der 1. Klasse

Dem Kraftprotz hat man 1967 glücklicherweise nur Salonwagen angehangen. Schon das Titelpaar, gesungen von Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen, ist ein Traumpaar und steht stellvertretend für die hochkarätige Besetzung. Doch muß man auch festhalten, daß die strahlend dramatische Isolde mehr glänzt als ihr Tristan, der sich mehr der Bewältigung seiner Rolle zu widmen scheint als ihrer kraftvollen Ausgestaltung.

Christa Ludwigs Brangäne ist ihrer Herrin mehr gleichgestellt als untergeordnete Dienerin – eine erstklassig dramatische Begleiterin. Eberhard Waechter besticht in seiner Rolle als rauher, aber treuer Gefolgsmann Kurwenal. König Marke wiederum wird von Martti Talvela als stimmgewaltige Instanz verkörpert, die dennoch die persönliche Betroffenheit darzustellen vermag. Ebenso bestechend sind die weiteren Nebenrollen besetzt: Claude Heater als Melot, Erwin Wohlfahrt als Hirte, Gerd Nienstedt als Steuermann und Peter Schreier als junger Seemann.

Das Bayreuther Festspielorchester brilliert hier mit einer großartigen Leistung. Es stimmt einfach alles – dieser Klangkörper folgt seinem Dirigenten überall hin. Hinzukommt ein traumhafter Festspielchor, der seinem Ruf alle Ehre macht. Um beim Bild zu bleiben: Dieser Zug ist auf Hochglanz poliert. Ähnliches gilt für das Klangbild der Aufnahme: Es ist sehr gut, besonders wenn man die Bayreuther Besonderheiten bedenkt, entbehrt aber nicht der üblichen Bühnengeräusche, die bei Live-Mitschnitte nun einmal auftreten.

(M)ein Tristan-Erlebnis

Neben den beiden 1952er Aufnahmen, damit meine ich Furtwänglers elementaren Studio-Tristan und Karajans gleißenden Bayreuther Mitschnitt, gehört Böhms Interpretation dieser Oper aller Opern unbestritten in die Reihe der Referenzaufnahmen. Meiner Meinung nach komplettieren diese drei Mitschnitte das Tristan-Bild ganz hervorragend.

... und mit den ersten Klängen des Vorspiels scheint es, als komme dieser Tristan mir ganz unaufhaltsam entgegen, und je mehr er sich nähert, um so gespannter erwarte ich ihn. Wenn er dann mit dem Höhepunkt des Vorspiels schließlich da ist, läßt er die Luft vibrieren und rauscht nur so vorbei, so daß der Atem stockt. Der Unterdruck scheint mich schier mitzureißen. Und nach etwas mehr als dreieinhalb Stunden, wenn Isoldes Liebestod die Oper schließt und Stille eintritt, bin ich noch immer wie gebannt und versuche, mich zu sammeln. So ist dieser Tristan, gleich einem alten dampfbetriebenen D-Zug, der schnaufend und wuchtig, elegant und urgewaltig an mir vorüberzieht.

(Das Begleitheft ist in englischer, deutscher und französischer Sprache.)
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am 15. November 1999
Man kann gar nicht hoch genug greifen, um diese Aufnahme zu loben. Es stimmt einfach alles! Natürlich ist Birgit Nilson als Isolde überwätligend, Wolfgang Windgassen als todesssehnsüchtiger Tristan tief einprägsam, das Bayreuther Orchester auf höchstem Wagnerniveau. Aber die größte Überraschung ist für mich Karl Böhm. Für viele gilt er als einer der Mozart-Interpreten des Jahrhunderts. Wer seine Mozart-Aufnahmen kennt, erwartet beim Tristan vielleicht auch gepflegte Langeweile auf hohem Niveau. Was für eine Überraschung aber, wenn man die CD einlegt und Böhm das Vorspiel zügig angeht, es aber mit großer Linie einmünden läßt in den Beginn der Handlung. Wahrhaft umwerfend wird es aber im 2. Akt. Das "Oh sink hernieder Nacht der Liebe" so zu musizieren, es so singen zu lassen: Darüber kann ich nur schweigen, weil meine Fähigkeiten nicht ausreichen, dies adäquat in Worte zu fassen. Kurz noch zur Klangqualität: Der Deutsche Grammophon ist ein kleines Meisterstück gelungen: Fabelhaft, wie das hier klingt. Also, der Worte sind genug gewechselt, laßt Taten folgen!
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am 31. Dezember 2010
Mit dieser Box erwirbt man eine herausragende Interpretation von "Tristan und Isolde" - für mich die Referenzaufnahme schlechthin.
Der Live-Mitschnitt von 1966 ist besonders gelungen und überragt viele Studio-Aufnahmen. Neben der großartigen sängerischen Leistungen von Wolfgang Windgassen und Birgit Nilsson steht die unnachahmliche Christa Ludwig - für mich die beste Brangäne aller Zeiten.

Viele Wagnerianer bezeichnen diese Aufnahme als zeitlos, für mich jedoch spiegelt diese Aufnahme ihre Zeit wider - eine Zeit, in der die Oper nicht im kommerziellen Mittelpunkt stand, sondern in der ein großer Wert auf sängerische und darstellerische Leistung gelegt wurde.
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TOP 500 REZENSENTam 17. August 2012
Ich kann mich beim Tristan nie so recht entscheiden, welcher Aufnahme ich die Palme geben soll, ich schwanke beständig zwischen dieser Aufnahme und den Aufnahmen unter Furtwängler und Kleiber. Und wenn ich letztlich die Furtwängler-Aufnahme für unerreicht halte, so möchte ich diese Aufnahme nicht missen, weil sie als Live-Aufnahme eine Qualität hat, die die anderen beiden Aufnahmen nicht haben. Das ELement des Unmittelbaren, des Dramas, das in ungeheurer Intensität vonstatten geht.
Was man Böhm so gar nicht zutrauen will, hier verwirklicht er es: einen unglaublich dramatisch geschärften Tristan, in dem sich die Emotionen überschlagen. Hier wird geliebt, gelitten, gekämpft. Selten hat man das Liebesduett so dramatisch, so intensiv gehört (bei Kleiber ist es auch intensiv, aber viel verschatteter, verhangener/melancholischer).
Und die Sänger wachsen über sich hinaus: die Nilsson liefert hier bei weitem ihre beste Isolde ab, stürzt sich in die Rolle und hat natürlich die stimmlichen Möglichekeiten, diese Raserei auch zu gestalten. Auf Augenhöhe mit ihr ist Windgassen, dessen Timbre ich allerdings nicht wirklich mag. Aber er steht diesen Tristan bei dieser dramatischen Wucht (kommt dabei natürlich im dritten Akt an seine Grenzen) wirklich durch und gestaltet ihn absolut überzeugend. Gut die anderen Sänger: die Ludwig ist eine gute Brängäne und Wächter ein sehr präsenter Kurwenal, Talvela ein überzeugender Marke.
Als Live-Mitschnitt ist dieser Tristan für mich unübertroffen. Er spiegelt nicht das gesamte Interpretations-Spektrum wieder, ist aber ein absolut eigentständige und überzeugende Möglichkeit, sich dem Werk zu nähern. Und so muß man am Ende gar vielleicht doch drei Tristan-Aufnahmen mit auf die einsame Insel nehmen...
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am 20. Februar 2007
"In dem wogenden Schwall, in dem tönenden Schall, in des Weltatems wehendem All, ertrinken, versinken, unbewusst, höchste Lust!" Mit diesen letzten Worten sinkt Isolde mit der Gewissheit von der Unsterblichkeit ihrer Liebe über Tristan zusammen, um auf Ewig im Tode mit ihm vereinigt zu sein. Jene fernen Sphären, die Wagners Musik in diesem Augenblick zu streifen vermag, können mit Worten nicht beschrieben werden.
Karl Böhm ist mit dieser Einspielung eine dem Meister würdige Interpretation gelungen, die wie gesagt dazu im Stande ist, jene hohen Sphären dem Hörer zu öffnen. Mit Ehrfurcht vor der Partitur ist Böhm an das Werk herangegangen und hat sie bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet, um das Maximum aus der Musik herauszuholen. Das Bayreuther Festspielorchester ist nur selten so fasettenreich zu erleben, doch vor allem das Sängerensemble macht diese Aufnahem zur Referenzaufnahme des Tristan. Allen voran Birgit Nilsson, die den Hörer mit ihrer metallisch kernigen, doch niemals körperlosen Stimmführung begeistert. Vor allem aber ihre Höhe ist technisch so brilliant wie bei kaum einer anderen Sängerpersönlichkeit. Mit Leichtigkeit, die sie vor allem ihrem brillianten Stimmsitz zu verdanken hat, schmettern einem die aus Schönheit durch Mark und Bein gehenden hohen Töne um die Ohren. Doch dieser Isolde steht mit Wolfgang Windgassen ein mindestens genau so guter Tristan gegenüber. Seine Stimme ist zwar nicht ebenso strahlend wie die der Nilsson und seine hohen Töne wirken manchmal etwas gepresst, doch ist er für sie ein würdiger Partner. Christa Ludwigs Brangäne ist schlicht weg genial, ebenfalls Eberhard Waechter als Kurwenal, Martti Talvelas König Marke und Peter Schreier als junger Seemann. Wenn also eine Aufnahme von "Tristan und Isolde", dann diese!
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