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4.0 von 5 Sternen Bemerkenswerter Zugang zu Mahler mit leichten Vorbehalten!
Da Pierre Boulez sich in jüngerer Vergangenheit immer mehr Komponisten angenommen hat, die gar nicht so recht zu seinem Kernrepertoire passen wollen, lohnt es sich schon, seine Ausflüge auf ihm weniger geläufiges Repertoire etwas genauer zu untersuchen.
Wie nicht anders zu erwarten, seziert Boulez Mahlers heikle Siebte mit analytischer Klarheit und...
Veröffentlicht am 25. Mai 2010 von Bernd Grill

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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ausgeschlachteter Mahler
Die siebte Sinfonie Gustav Mahlers fristet neben seinen anderen Sinfonien eher ein Schattendasein. Kritiker werfen ihr vor, zu wenig zwingend zu sein, einerseits weil ihre Anlage suitenhaft sei, andererseits weil sie außer im Finale Dynamik vermissen lasse. Mahler stellt in den ersten vier Sätzen dieses Werks Impressionen der Nacht dar, um dann im Finale einen...
Veröffentlicht am 12. August 2010 von Andre Arnold


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bemerkenswerter Zugang zu Mahler mit leichten Vorbehalten!, 25. Mai 2010
Von 
Bernd Grill "b_grill" (Königsbronn, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Symphonie No. 7 (Audio CD)
Da Pierre Boulez sich in jüngerer Vergangenheit immer mehr Komponisten angenommen hat, die gar nicht so recht zu seinem Kernrepertoire passen wollen, lohnt es sich schon, seine Ausflüge auf ihm weniger geläufiges Repertoire etwas genauer zu untersuchen.
Wie nicht anders zu erwarten, seziert Boulez Mahlers heikle Siebte mit analytischer Klarheit und geht dabei sehr individuelle, aber meist überzeugende Wege. Das Finale mit seinem panegyrischen Tonfall beispielsweise habe ich noch selten derart schlüssig und farbig gehört. Die sich kompliziert verästelnde Rondoform mit all ihren schillernden Couplets bleibt stets nachvollziehbar; Boulez kreiert hier eine unerhörte Farbpalette, indem er Mahlers Tonsatz, wo immer möglich, entschlackt und stattdessen - mit Recht! - auf die überragenden spieltechnischen Fähigkeiten seiner Instrumentalisten setzt. Auch das grimmige Scherzo mit seiner bizarren und knarrenden Instrumentation (speziell die Fagotte) ist von hintersinnigem Humor; Boulez hebt hier die perkussiv wirkenden Effekte besonders hervor (Saiten aufs Griffbrett etc.) und scheut hier keineswegs die Darstellung von Extremen (was man hingegen leider von seiner Vision der Auferstehungssymphonie nicht behaupten kann). Die beiden Nachtmusiken mit ihrer fast schon kammermusikalischen Verwendung des Orchesters kommen ohne falsche Sentimentalität daher und wirken organisch in die Struktur eingefügt.
Das einzige größere Manko dieser Aufnahme ist der Kopfsatz. Fraglos haben die Spieler und der Dirigent alles jederzeit im Griff, doch angesichts des Schneckentempos in manchen Passagen zerfasert der Satz bisweilen unnötig und zerfällt zu sehr in Einzelteile. Das beginnt bereits bei der Einleitung, die zwar in klanglicher Hinsicht sehr überzeugend, aber in dramaturgischer weit weniger zwingend wirkt. Selbst als das Tempo des Hauptteils erreicht ist, will der Satz nie richtig in Fahrt kommen. Was Boulez an Farben aus dem Kopfsatz holt, ist in der "Mondscheinpassage" besonders gut nachvollziehbar, doch bei der Ausdehnung des Satzes auf quälend lange 24 Minuten bleibt die Stringenz folglich allzuoft auf der Strecke. Speziell die - wenn auch nur in groben Zügen - von Mahler angedeutete Sonatenhauptsatzform läßt öfters die ihr innewohnende Logik vermissen. Schade um die dramaturgischen Abstriche im Kopfsatz, denn ansonsten wäre dies eine rundum gelungene Darbietung. So oder so gehört diese Einspielung aber auf jeden Fall zu den stärkeren in Boulez' Mahler-Zyklus.
Kurioserweise hat Michael Tilson Thomas mit dem San Francisco Symphony Orchestra meines Erachtens einen superben (wenn nicht den besten) Kopfsatz gestaltet, doch fällt seine Interpretation (genau umgekehrt wie bei Boulez) gegen Ende der Symphonie dafür etwas ab. Ansonsten kann man Bernstein (Sony), Abbado (DG, erste Einspielung) und Neumann (Berlin Classics) als Alternativen empfehlen, auch wenn diese teilweise ganz andere ästhetische Ansätze bevorzugen.
Noch ein Wort zu dem superb gewählten Cover (Oskar Schlemmer: Vierzehn in imaginärer Landschaft): das Gemälde hängt im Kölner Museum Ludwig und hat auf mich gewaltigen Eindruck gemacht. Die räumliche Anordnung der Personen bringt das stark ausgeprägte kontrapunktische Element in dieser Symphonie besonders gut zur Geltung und schafft eine erstaunliche Analogie zwischen der Musik und dem Gemälde.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende, manchmal auch irritierende Mahler-Deutung, 28. Juli 2005
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Symphonie No. 7 (Audio CD)
Die Aufnahme mit dem wie immer fabelhaften Cleveland Orchestra (ein Klangkörper, den Boulez ideal auf seien Intentionen eingestimmt hat) birgt einige Überraschungen. Streckenweise wirkt das Werk fast kammermusikalisch, die Dynamik ist häufig zurückgenommen und eine Hierarchie von Haupt- und Nebenstimmen - sofern von Mahler überhaupt beabsichtigt - ist kaum vorhanden. Boulez deutet ja jede Musik als virtuell polyphon. Das ist sehr spannend anzuhören (Kopfhörer sind empfehlenswert) und wieder einmal ist die fortgeschrittene Klangtechnik (mit unmittelbarer digitaler Verarbeitung der Mikrofonsignale) ein sinnlicher Genuss. Wann je hat man sonst Gelegenheit, das Obertonspektrum einer Pauke so plastisch wahrzunehmen?
Manchmal jedoch sieht (bzw. hört) man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Die wunderbare Hell-Dunkel Kontrastierung im ersten Satz wird etwas unterspielt, dem idyllischen Zwischenspiel fehlt etwas der Atem. In der ersten Nachtmusik geht der schreitende Grundrhythmus oft im Gewusel der Holzbläser unter. Das Scherzo wird weniger schattenhaft und gespenstisch als vielmehr schräg surreal und collagenhaft geformt, eine Art Vorgriff auf Strawinsky, der vielleicht mit Mahler mehr gemeinsam hat, als sonst vermutet wird. Die zweite Nachtmusik „andante amoroso" wird ziemlich zügig (wie alle drei Mittelsätze) musiziert, ob das spröde und leicht hastig klingende Liebesständchen von der Angebeteten erhört wird, darf jedoch bezweifelt werden. Da die Orchesterklänge geradezu voyeuristisch („auditeuristisch") ausgeleuchtet werden, kann sich eigentlich auch keine rechte Nachtstimmung einstellen.
Dagegen lässt Boulez dem viel geschmähten Finale endlich einmal Gerechtigkeit widerfahren, er nimmt es wirklich ernst und baut es dramaturgisch als gleichwertiges Pendant zum Einleitungssatz auf, nimmt das Auftrumpfende und „Banale", das den Hörer in diesem Satz ansonsten ermüdet, geschickt zurück. Stattdessen betont er die Nähe zu Mahlers Vierter Sinfonie (Instrumentation!) und Richard Wagners Meistersingerfinale. All dies, ohne die Brüchigkeit, die es natürlich immer noch gibt, zu verschleiern. Nach der Erfahrung des Rezensenten gewinnt die Interpretation von Boulez mit jedem erneuten Anhören und das Werk, das Mahler selbst als sehr gelungen ansah, wirkt nunmehr viel geschlossener als zuvor.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mahler ohne Pathos, 9. März 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Symphonie No. 7 (Audio CD)
Gustav Mahlers Siebte Sinfonie war von Anfang an eines seiner am wenigsten vestandenen Werke. Nach der abenteuerlichen Reise der Fünften und der Tragik der Sechsten wurde sie häufig als eine "Rückkehr ins Leben" interpretiert, andereseits erhielt sie schon früh den Titel "Lied der Nacht". Mag man dies für etwas pathetisch halten, so ist es wohl doch dieses rätselhafte, in seinem Ausgang offen bleibende Innehalten und Verweilen in verschiedensten Gedanken und Stimmungen, das Erreichen eines Ruhepunktes ohne emotionale Ausbrüche in jegliche Richtung, welches das Wesen dieses Werkes bestimmt. In diesem Sinne ist die Interpretation von Pierre Boulez, welche bei aller Mahlerschen leidenschaftlichen Weltsicht dessen Fähigkeit zur Objektivierung geradezu vorbildlich demonstriert, zu verstehen. Auch aufgrund der Klangqualität der Aufnahme: 5 Sterne.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ausgeschlachteter Mahler, 12. August 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Symphonie No. 7 (Audio CD)
Die siebte Sinfonie Gustav Mahlers fristet neben seinen anderen Sinfonien eher ein Schattendasein. Kritiker werfen ihr vor, zu wenig zwingend zu sein, einerseits weil ihre Anlage suitenhaft sei, andererseits weil sie außer im Finale Dynamik vermissen lasse. Mahler stellt in den ersten vier Sätzen dieses Werks Impressionen der Nacht dar, um dann im Finale einen strahlenden Sonnenaufgang zu zelebrieren.
Ich halte Mahlers Siebte mit dem passenden Beinamen "Lieder der Nacht" um nichts weniger für ein Meisterwerk und für eine seiner besten Sinfonien. Die herrlichen melodischen Bögen, die musikalische Tiefe und die teils bizarren Sequenzen am Rande der Tonalität weisen das Stück in meinen Augen als eine der gelungensten Sinfonien Mahlers aus, zumindest aber als die Krönung seiner sogenannten mittleren Trilogie aus fünfter, sechster und siebter Sinfonie.
Was nicht die Krönung ist, ist allerdings die Einspielung Pierre Boulez'.

Der erste Satz beginnt mit der tief empfundenen Mondscheinszene. Wenn das Horn wie aus der Ferne erklingt, ist es immer wieder magisch und elektrisierend. Langsam schaukelt sich das Orchester auf, wobei das eigentliche Allegro immer wieder durch den Mondschein unterbrochen wird. Der Satz ist packend und mitreißend, und da sage noch einer, der Siebten fehle es an Tonus.
Das Schneckentempo Boulez' aber zergliedert insbesondere die Mondscheinszene, so dass sie beinahe dekonstruiert wirkt. Er zerfasert den Satz bis aufs Gerüst. Gänsehautstimmung mag dabei nicht aufkommen. Es fehlt das Feuer und die Leidenschaft, die die Werke Mahlers auszeichnen. Manche Passagen wirken wie willkürlich zusammen gewürfelte Töne, wobei die grandiose Orchesterleistung damit nicht herabgewürdigt werden soll.

Der Marsch des zweiten Satzes ist umrahmt von zwei gespenstischen Episoden, in denen die Holzbläser in wilden, atonalen Akkorden nur über den leise spielenden, hohen Streichern schweben, gleiten.
Hier zieht Boulez das Tempo deutlich an. Was auf den ersten Blick zu schnell erscheint und damit einen negativen Eindruck hinterlässt, ist in Wirklichkeit das vorgeschriebene, korrekte Tempo. Nachdem der Hörer aber im viel zu langsam gespielten Kopfsatz beinahe eingeschlafen ist, fehlt rein gefühlsmäßig hier der Zusammenhang. Ansonsten ist der Satz technisch perfekt, die atonalen Passagen sehr transparent.

Das impressionistische, schattenhafte Scherzo ist sicherlich der bizarrste Satz und derjenige, der Mahler als Wegbereiter der Neuen Musik ausweist. In fast halluzinogenen Klangfarben stellt er die befremdliche, nächtliche Atmosphäre dar.
Dem Impressionismus Experten Boulez kommt dieser Satz am meisten entgegen. Sein bestechend spielendes Cleveland Orchestra glänzt durch Transparenz und Texttreue.

In der zweiten Nachtmusik überrascht Mahler, wie schon in den beiden Sätzen zuvor, durch die fast vollständig kammermusikalische Verwendung des Orchesters. Der Einsatz von Gitarre und Mandoline erzeugt Klangeffekte, die berauschen. So gelingt ihm in eindrucksvollem Maße die Darstellung der nächtlichen Flora und Fauna.
Auch die Interpretation dieses Satzes gelingt Boulez astrein. Durch die langjährige Arbeit mit seinem Ensemble InterContemporain versteht er es meisterlich, Mahlers kammermusikalische Gestaltung nachzuempfinden.

Mit Paukenwirbel und Blechbläserfanfaren kündigt Mahler den nahenden Sonnenaufgang an, den er ausgiebig feiern lässt. In einem komplexen Rondo verarbeitet der Komponist feurig zahlreiche Freudenthemen zu einem bombastischen Finale.
Boulez' Interpretation stellt hier am wenigsten zufrieden. Durch falsch gesetzte Akzente versandet die angespannte Stimmung dieses Kehraus'. Der schlechten Aufnahmetechnik in diesem Satz ist es geschuldet, dass die Streicherstimmen oftmals zu dünn und leise wirken. Diese wundervolle Sinfonie hätte einen besseren Abschluss verdient gehabt.

Fazit: Diese Einspielung mag technisch perfekt sein, interpretatorisch ist sie's nicht. Über die ganzen gut 70 Minuten mag keine rechte "Mahler Stimmung" aufkommen. Boulez zerfasert das Stück, raubt ihm den inneren Zusammenhalt. Die Mittelsätze sind zwar besser, aber das Gerüst krankt. Auch die Aufnahmequalität ist nicht perfekt. Ich empfehle die Einspielung der New York Philharmonics unter Leonard Bernstein - die unangefochtene Referenz - oder die neuere Einspielung der Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neuer Meilenstein der Mahlerschen Interpretationsgeschichte, 30. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Symphonie No. 7 (Audio CD)
Nicht viele Worte ! Die Boulez-Interpretation der 7.Sinfonie schafft einen neuen Standard der Interpretation. Alles ist klanglich von herrlicher Transparenz und Genauigkeit. Und Boulez ist der Erste, der das Andante amoroso in einem vernünftigen Tempo spielt...Alles in allem eigentlich 10 Sterne !
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ARRAY(0xad92f888)

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Mahler: Symphony No.7 "Song Of The Night"
Mahler: Symphony No.7 "Song Of The Night" von The Cleveland Orchestra
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