Fashion Sale Hier klicken Jetzt informieren b2s Cloud Drive Photos Microsoft Surface Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
41
4,1 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 25. Februar 2006
Es gibt insgesamt m.W. 4 Gesamteinspielungen der Beethoven-Symphonien von Karajan. Die erste mit dem Philharmonia Orchester London von 1951/55 ist leider mono (außer Nr.8) und darum - obwohl musikalisch wundervoll - klanglich nicht ganz konkurrenzfähig.
Deshalb ist für mich Karajans erste Gesamtaufnahme mit den Berliner Philharmonikern aus 1961/62 nach wie vor die absolute Referenzaufnahme. Sie hält auch heute noch, nach über 40 Jahren, jedem Vergleich mühelos stand. Das Orchester ist ein Klangereignis, und Karajan konnte in seinen späteren Einspielungen von 1976/77 und 1983/85 diese Leistung trotz noch besserer Klangqualität nicht mehr erreichen. Höhepunkte sind die 5. und 9. Symphonie; die Fünfte reißt mich heute noch jedesmal vom Hocker. Die Schlußsteigerung im Finale ist nicht zu überbieten! In der Neunten überzeugt im Finale vor allem die herrliche Stimme von Gundula Janowitz, aber auch die übrigen Mitwirkenden leisten Hervorragendes. Auch die Vierte ist besonders hervorzuheben, die Einleitung zum Kopfsatz ist von knisternder Spannung, und das Adagio habe ich selten so tonschön und farbenreich gehört. Gravierende interpretatorische Schwächen kann ich nirgends erkennen, obgleich ich nicht verhehlen will, daß ich in der Pastorale (Nr. 6) vergeblich die Poesie und Romantik suche, die beispielsweise Bruno Walter (CBS) und Karl Böhm (DGG) in ihren Aufnahmen so unnachahmlich zur Geltung bringen. Karajans Naturauffassung ist eine andere: Hier denkt man nicht an einen einsamen Wanderer, der beschaulich durch Wald und Flur streift, sondern eher an einen Porschefahrer, der mit hoher Geschwindigkeit die umgebende Landschaft an sich vorbeibrausen läßt. Aber auch das hat durchaus seine Reize .....
Restlos glücklich bin ich auch nicht mit der Siebten. Ohne Zweifel ist es eine tonschöne, in sich stimmige Darstellung, aber ich will gar nicht von den Spitzenaufnahmen Furtwänglers oder Klemperers (beide EMI) sprechen, denn Karajan macht sich hier selber Konkurrenz mit seiner frühen Londoner Einspielung von 1951 (EMI), die leider nur einen, wenn auch durchaus akzeptablen, Monoklang aufzubieten hat, dafür aber in sich schlüssiger wirkt, und erst recht mit seiner Wiener Stereoaufnahme vom März 1959 (RCA/Decca), die nicht nur farbenreicher ist, sondern auch eine Wärme und Geschlossenheit ausstrahlt, die ich hier an manchen Stellen ein wenig vermisse. Vor allem das Finale kommt mir ein wenig zu schwungvoll, fast gehetzt, daher, und die federnde Rhythmik des Satzes bringen die Wiener Philharmoniker überzeugender zur Geltung.
Alles in allem aber vermittelt uns Karajan eine großartige Sicht auf Beethovens Sinfonien-Kosmos, der von keiner älteren oder neueren übertroffen worden ist, bei allen berechtigten Einwänden gegen einzelne Details. Nichts gegen Klemperer, Wand, Solti, Szell u.a. - als Gesamtaufnahme ist diese hier, obwohl inzwischen mehr als 40 Jahre alt, auch heute noch ein Vorzeigeobjekt!
Wer eine ganz andersartige Alternative wünscht, sollte sich die legendäre Leibowitz-Aufnahme von 1961 mit dem Royal Philharmonic Orchestra zulegen, die m.W. nicht nur erstmals die Metronomangaben des Komponisten ernst nahm, sondern auch die Struktur der Werke schonungslos freilegte. Karajan ist mehr der überlieferten Aufführungstradition verpflichtet, erfüllt diese aber mit großer Spannung. Beide Einspielungen gehören in jede gute Klassik-Sammlung.
55 Kommentare| 134 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Oktober 2006
Es ist hier wie überall, wenn man es mit Karajan zu tun hat, und mit seinen Kritikern. Es fällt schwer Verständnis zu haben und sich zu orientieren. Ich als Laie, habe mich vielfach mit Beethoven und Gesamtaufnahmen seiner Sinfonien auseinandergesetzt (2 x Abbado, Kleiber, Furtwängler, Klemperer, Gardiner, Solti, Bernstein, 3x Karajan). Die Reihenfolge war dabei völlig unerheblich. Und ich muss sagen ich begreife nicht, wie man so voreingenommen gegenüber der Arbeit eines Musikers sein kann, dass man scheinbar die Klasse wirklich nicht erkennen kann. Meine Feststellung, die ich gemacht habe, jetzt ausschließlich auf Karajan bezogen, ist, dass er mit seinem ersten Zyklus mit dem Philharmonia Orchestra, einen ersten Weg zu Beethoven abgestochen hat, in einer Phase, in der er sich vielleicht selbst seiner Bedeutung noch gar nicht im Klaren war. Die zweite Beschäftigung mit dieser Reihe außergewöhnlicher Werke, brachte dann allerdings bereits die Vollendung, die man naturgemäß eigentlich im dritten Zyklus hätte erwarten müssen. Für mich ist der zweite, dieser Zyklus so revolutionär so zeitlos, dass ich den dritten für ziemlich überflüssig halte. Ich glaube Karajan hätte gut daran getan, es bei seiner Arbeit aus den Sechzigern zu belassen. Man spürt richtig, dass er bei der dritten Schallplatten-Aufnahme im Grunde nichts Neues mehr zu sagen hat. Um es mit aller Deutlichkeit auszudrücken: Diese Aufnahme ist aus meiner völlig subjektiven Betrachtung heraus, das Beste was Beethoven widerfahren konnte. Alles was man diesen Aufnahmen unterstellt an Schlechtigkeiten, Mittelmaß, Größenwahn und so weiter - nichts davon ist wahr. Natürlich kann man sich bei Beethoven niemals mit nur einer Wahrheit bescheiden, aber wenn es nur eine geben sollte, dann kommt diese hier ihr am nächsten. Die Schwierigkeit, mit Werken wie diesen zu arbeiten, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nicht, weil Sie so unzählige Male bereits interpretiert worden sind, sondern weil sie den Wendepunkt eines Musikzeitalters markieren. Daher ist die Geschlossenheit dieser Einspielungen geradezu beruhigend. Immerfort hat man das Gefühl von Frische, von wahrer Größe, von Einmaligkeit. Wilhelm Furtwängler selbst vertrat bekanntlich die Meinung, es gäbe keine schlechten oder guten Interpretationen, sondern nur überzeugende und weniger überzeugende und ich kann sagen, dass ich mir Beethoven immer so erträumt habe - weder akademisch, noch übermütig. Ich möchte auch keine Vergleiche ziehen zu anderen Einspielungen, sondern nur sagen, dass es in der Sache falsch wäre auf jedes Werk im einzelnen einzugehen, den jeder Aufnahme liegt der gleiche Grundsatz zugrunde: Mit dem Komponisten und seiner Aussage mitempfinden, Vorfabriziertes im Augenblick neu entstehen lassen, den Noten Leben und Atem geben. Was müsste man sagen zu einem solchen Orchester, gewiss und ohne Übertreibung eines der fünf besten der Welt? Man muss nichts sagen! Aber warum muss man Karajan, und gerade seine bedeutendsten Leistungen unter beinahe endlos vielen maßstäblichen, stets verteidigen? Warum kann man diesem einzigartigen Künstler und nur dem Künstler, nicht den Verdienst einräumen, den er selbst sich erarbeitet hat. Allgemein finde ich es bedauerlich, dass viele der Meinung sind, die Arbeiten einiger Dirigenten seien alle gleich schlecht oder unbefriedigend, einfach aus einer ganz bestimmten vorgefassten Grundhaltung heraus. Ich möchte bezweifeln, dass Dirigenten wie Solti, Bernstein, Gardiner, Furtwängler, Karajan, Klemperer oder Abbado sich ihren Aufgaben näherten ohne sich mit ihnen im Vorfeld zu beschäftigen. Sie wären nicht die überragenden Künstler die sie waren, geworden, wenn sie so leichtfertig an ihre Arbeit herangegangen wären. Gewiss hat jede Aufnahme ihre Vorzüge oder Nachteile, doch liegt mir daran einmal auszusprechen, ohne dabei den Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben, dass diese Aufnahmen zu den überzeugendsten der gesamten Schallplattengeschichte zählen.
44 Kommentare| 130 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Dezember 2002
Trotz zweifellos guter Einspielungen mit anderen Dirigenten wie Bernstein u.a., zu erwähnen auch der junge Dudamel (bisher 5. & 7. mit dem exzellenten Simon Bolivar Jugendorchester Venezuelas), gehören Karajans Aufnahmen (sowohl dieser, wie auch der klangtechnisch noch besser eingespielte der 1970er Jahre) nach meiner Überzeugung bis heute zu den Top-Favoriten der sinfonischen Beethoven-Interpretationen überhaupt. Jedes Detail der Partitur ist wohl durchdacht in Musik umgesetzt. Dynamische Kontraste sind ausgelotet, rhythmische Akzente deutlich gesetzt, doch ohne übertriebene Schärfe, lyrische Passagen einfühlsam gespielt bis ins kleinste Detail u.s.w. Dass diese Musik zu Beethovens Zeiten ein wenig ruppiger geklungen haben mag, wie manche Vertreter der 'historischen Originalklangs' einwenden mögen, spricht gerade in diesem Fall nicht unbedingt für die oft beschränkten Möglichkeiten der damaligen Aufführung im Wien Beethovens (zu denken etwa an die damaligen Trompeten). Der früh gehörlos gewordene Komponist selbst wäre jedenfalls zweifellos von Karajans Interpretationen sicher begeistert. Der einzige Nachteil des 'romantisierenden' Stils betrifft die Gesangspassagen im IV. Satz der neunten, letzten vollendeten Sinfonie (die Fragmente zur 10. sind hier nicht berücksichtigt). Zwar brillant gesungen, aber eben doch mit viel 'romantischem' Vibrato. Wem das nicht stört, kann auch diesen letzten Satz uneingeschränkt 'genießen' - ausdrucksstark ist aber auch er allemal inszeniert, zumal auch die Klangqualität im Vergleich zu anderen Aufnahmen aus dieser Zeit, erstaunlich gut ist.
0Kommentar| 24 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. August 2005
Sibelius sagte einst "Karajan ist der einzige, der mich versteht". Schade, dass sich Beethoven und Karajan nie kennengelernt haben. Beethoven hätte wohl dasselbe gesagt.
Wer eine einwandfreie Einspielung der Sinfonien sucht, die von Beginn bis Ende keine noch so winzigen Mängel aufweist und klanglich perfekt ist, sollte sich diese Gesamtaufnahme bestellen. Karajan überzeugt mit passenden Tempi (wie dem schnelleren Tempo der Pastorale, wie es von Beethoven selbst vorgesehen war) und vollem Klang. Wer sich andere Interpretationen anhört, mag manchmal das Gefühl haben, das Klangbild sei nicht ganz abgerundet und "leer". Dies ist bei Karajan und den Berliner Philharmonikern nicht der Fall. Die letzten fünf Sinfonien sind unübertreffbar, bei Nr. 5 - Nr. 9 zeigt sich Karajan auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Während es bei Nr. 7 und 9 noch gute Alternativen gibt (C. Kleiber (7), Klemperer, Reiner, Toscanini, ... (9)), findet man bei Nr. 5, 6 und 8 nichts Vergleichbares. Aber auch die ersten vier Sinfonien sind grandios eingespielt. Dort kann aber Bruno Walter mit dem Columbia Sinfonieorchester noch gut mithalten, während dieser sich spätestens bei den langsamen Interpretationen der Nr. 6 und 7 verabschieden muss.
Man sieht, kein Dirigent außer Karajan hat eine durchgehende Glanzleistung hinterlegt. Die einen sind gut bei Nr. 2 und 4 (Walter), die anderen bei Nr. 5 und 7 (Kleiber), aber nur Karajan hat es geschafft, eine gelungene Gesamtaufnahme einzuspielen.
Den Kauf wird niemand bereuen!
0Kommentar| 49 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. August 2007
Herbert von Karajan polarisiert. Die einen empfinden ihn als einen wahren Segen, die anderen werfen ihm Effekthascherei, eindimensionales Spiel und eine flache Interpretation vor und vergleichen sein Spiel gar mit einer klingenden Badeanstalt. (siehe Vorredner)

Fest steht, dass Beethoven uns Noten hinterlassen hat und es einem jeden Dirigenten überlassen ist diese zu interpretieren. Sich innerhalb dieses Rahmens zu bewegen und ihn zu nutzen um die eigenen Vorstellung des Stücks zu realisieren ist die Quelle großer Vielfalt und Vielseitigkeit, von der man als Hörer nur profitieren kann. Diese Medaille hat aber auch eine Schattenseite und zwar die der übersteigerten Dramatik oder Selbstinszenierung.

Die Freiheit des Dirigenten hat sich für mich persönlich schon zu oft in übersentimentalen, überintellektuellen, überverkünstlichten Interpretationen niedergeschlagen, die ich persönlich nicht mehr mit der "mir vorschwebenden Idee der Komposition" an sich vereinbaren kann. An dieser Stelle empfinde ich Karajan persönlich als den "neutralsten" der modernen Dirigenten. Er zieht die Tempi an ohne zu hasten, baut Kontraste auf ohne zu überdramatisieren. Dabei klingen die Berliner Philharmoniker unter seiner Leitung einfach unglaublich harmonisch und messerscharf - als würde sie nicht spielen, sondern das Stück atmen. Es ist einfach wunderbar seinen Spannungsbögen zu zuhören. Nicht klingt gekünstelt oder gar "gewollt" sentimental.

Man kann dem nun die oft zitierte Nüchternheit und Kälte Karajans entgegen halten und ihm den Vorwurf der Gefühlskälte machen, dem muss ich jedoch in jeder Art und Weise widersprechen. Karajan und die Berliner Philharmoniker klingen hier wie sie nie wieder geklungen haben. Ihr Spiel ist bestimmt von Spannung, Klarheit, Präzision und natürlicher Dramatik. Beethoven klingt hier kraftvoll, eindringlich, romantisch und fantasievoll. Die Overtüren sind dynamisch, schnell und ungezügelt ohne je ins unkontrollierte abzudriften. Halbseidene Gefühlsausbrüche des Dirigenten sucht man vergebens - seine Leidenschaft liegt ganz klar in der Präzision und klanglichen Vollkommenheit des Spiels. Und in diesen Disziplinen brillierter er ohne Zweifel. Es ist einfach sensationell und verursacht bei mir jedes mal erneut einen kalten Schauer der Begeisterung.

Was die zuvor gerügte Klangqualität der Aufnahmen angeht, so muss ich auch hier meinem Vorredner widersprechen. Die Aufnahmen liegen, bedenkt man ihr Alter, in einer erstaunlichen Qualität vor. Das Orchester klingt satt, klar und erfreulich dynamisch und !analog!. Die behutsamen Eingriffe zur Rauschentfernung haben der Dynamik der Aufnahme nicht geschadet, ganz im Gegenteil, eine entsprechende Musikanlage vorausgesetzt, lässt sich das Orchester hervorragend im heimischen Wohnzimmer reproduzieren. Somit ist diese Aufnahme auch was die tonale Qualität angeht unerreicht. Allenfalls die Aufnahmen von 1976/1977 reichen hier heran jedoch ohne diese unglaubliche Vielfarbigkeit zu erreichen.

Alles in allem die wohl neutralste und von daher die gelungenste Interpretationen der neun Symphonien mit der sich Karajan selbst ein Denkmal gesetzt hat.
0Kommentar| 21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Diese Gesamtaufnahme gehörte zu den ersten Schallplatten, die ich in der Jugend erstanden habe. Zu Musik, die einen das ganze Leben begleitet, entwickelt man ein besonderes Nahverhältnis. Und trotzdem beglückt mich diese Aufnahme nicht voll und ganz.

Seltsamerweise finde ich die weniger populären Symphonien hervorragend : 1, 2, 4, 7, 8 (eventuell auch 3). Diese Werke hat zeitgleich - damit meine ich vor der Originalklang-Bewegung - kaum jemand dermaßen schön und melodiös gespielt.

Mit 5, 6 und 9 konnte ich mich nie anfreunden. Die Fünfte hetzt Karajan unerträglich schnell hindurch. Dadurch geht die Wucht und Grandiosität dieser Symphonie verloren. Auch in der Sechsten stellt sich durch die hohe Geschwindigkeit nie die Ruhe und beglückende Weite ein, die diese Symphonie in guten Aufnahmen ausstrahlen kann. Die Neunte verkommt zu einem Klangbrei - da fehlen mir die feinen Nuancierungen. Vor allem der 4. Satz fällt gegenüber anderen Aufnahmen stark ab : die SängerInnen singen hölzern und abgehackt, da fehlt jede Geschmeidigkeit und fließende Melodik.

Alternativ-Vorschläge :

3 - Böhm, Wiener Philharmoniker
5 - Böhm, Wiener Philharmoniker
6 - Furtwängler, Wiener Philharmoniker (auch : Böhm, Wiener Philharmoniker)
9 - Fricsay, Berliner Philharmoniker (auch : Böhm, Wiener Philharmoniker)

Grundsätzlich kann man sagen, dass beide gängigen Karajan-Pauschalbewertungen überzogen sind - sowohl die grundsätzlich "alles-von-Karajan-ablehnenden" als auch die, die jede Aufnahme in den Musikhimmel heben. Karajan hat einfach Plattenaufnahmen von sehr unterschiedlicher Qualität eingespielt. Manche sind von betörender Schönheit - andere wiederum nichtssagend bzw. durch seine Getriebenheit und sein Faible für Tempo in allen Lebenslagen verdorben.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. August 2012
Ein genuiner Beethoven-Dirigent auf der Höhe seiner Kunst und ein Orchester, das sowohl über Virtuosität als auch über ein reiches Beethoven-Erbe verfügt, das ihren Beethoven sozusagen als Muttersprache beherrscht. Herausgekommen ist somit ein Beethoven aus Fleisch und Blut, fern aller zerebralen, blutleeren, historisch-informierten Beethoven-Entschlackungen, die von den Kritikern permanent in den Himmel gelobt werden und gerade deshalb dann auf dem eigenen CD-Spieler so maßlos enttäuschen, langweilen und Ratlosigkeit hinterlassen, weil ihnen Aura und Zauber fehlen. Ganz anders Karajan und die Berliner: Ihr Beethoven ist mehrdimensional, charismatisch, besitzt Saft und Kraft, abgründig-grummelnde Bässe, sehrend-sinnliche Streicher (mit voll und frei klingenden Saiten, denen das Vibrato noch nicht ausgetrieben wurde), strahlende Blechläser, Süffigkeit und Fülle des Wohllauts. Aber auch zart und elegisch verführen können Karajan und die Berliner durch ihren wunderbar flexiblen, warmen und singenden Ton. Keiner versteht es so wie Karajan, durch richtige harmonische Balance und thematische Entwickung eine sprechende, energiegeladene Innenspannung herszustellen. Schlank, tänzerisch und federnd-heiter versprühen auch die "kleineren" Symphonien 4 und 8 enorme Spielfreude, ja Lebenslust. Fazit: Hier haben sich ein Weltklasse-Dirigent und ein außerordentliches Orchester mit beispielloser Hingabe einem Beethovenzyklus verschrieben, der in der gesamten Diskographie bis heute unerreicht geblieben ist. Ein Stern Abzug wegen des - aus heutiger Hörgewohnheit - manchmal doch etwas limitierten, rauen Klanges.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Februar 2016
Karajans Aufnahmen sind gut, sehr gut sogar. Doch würde ich jedem z.B. die 7. Symphonie eher in der Einspielung von Klemperer empfehlen. Er hört auch mehr auf das Dezente, wobei Karajan sehr stark beim Brachialischen ist.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Januar 2012
Diese "Sammlerdedition" ist in einem flachen quadratischen Karton zum Aufklappen (wie eine Buchkassette) gepackt, was die schützende Halterung der 5 CDs ungünstig beeinflusst. Die CDs sind nur jeweils einzeln in die 5 Papphüllen geschoben worden, welche innen noch den Klebefalz haben und leider keine zusätzlich pflegende Kartonrückseitenbeschichtung. Das hineingelegte Booklet ist inhaltlich als auch ästhetisch exzellent hergestellt worden, eine wahre Freude. Das CD-Set-Layout wirkt insgesamt sehr gepflegt auf mich. Der grösste Trumpf dieser Edition ist aber der Aufdruck auf jeder der 5 CDs: "Original-Image Bit-Processing". Damit stehen die CDs klangtechnisch den Symphonie-Einzelausgaben in der Originals-Serie (der DGG) in nichts nach. Das ist perfekt und höchst erfreulich, betrifft es doch die Karajan-Aufnahmen aus den 60iger Jahren.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. März 2011
M.E. kann diese Einspielung als eine der besten überhaupt bezeichnet werden. Karajan befindet sich auf dem Höhepunkt seines musikalischen Genies, im Gegensatz zu der Aufnahme aus den 50er Jahren ist natürlich das Orchester weitaus exzellenter, Karajans letzter Zyklus hat bereits diese typische Magie verloren, da ihm die innerliche Überzeugung zumindest geschwunden ist. Die 70er Aufnahmen sind ebenfalls auf sehr hohem Niveau, weswegen eine Differenzierung schwierig erscheint. Die ersten beiden, recht selten gespielten Sinfonien, gelingen ihm hinsichtlich Phrasierung, Klangfarbe und Tempo exzellent. Die dritte besticht in seiner Einspielung durch elegische Tragik im Trauermarsch und geniales Finale. Die 8 und die 6. können ebenfalls als Glanzpunkt dieser CD-Box betrachtet werden, vor allem der Sturm in der 6. gelingt mit überwältigender Dramatik, gefolgt vom gediegen, fast schwebend dirigierten Hirtengesang. Absolut überwältigend und als nicht von dieser Welt stammend kann meiner Ansicht nach die 5. beschrieben werden, die als Komplettwerk betrachtet zu meinen Favoriten der gesamten klassischen Musik gehört und welche ich von mind. 20 großen Dirigenten bereits vernehmen durfte. Der erste Satz gelingt durch brilliante Dramatik in Verbindung mit perfektionierter Klangfarbe, meine Lieblingsstelle der Oboen Seufzer ergreift mich jedes Mal aufs Neue. Daher übertrifft Karajan m.E. im 1. Satz sogar Furtwängler. Die Ruhe und das In-sich-Gehen des 2. Satzes ist als vortrefflich zu bewerten, ohne zu sehr im Adagio zu verharren. Die Feierlichkeit des 3. und 4. Satzes bezeichne ich als fast unerreicht (einzig meine weiteren Beethoven Referenzen Furtwängler, Nikisch, Erich Kleiber, Knappertsbusch, Schuricht und Keilberth erreichen ebenfalls diese Perfektion.) Die 9. Sinfonie zeichnet sich durch den hervorragenden Chor und die Solisten aus. Dennoch gelingt Karajan die 9. besser im Jahre 1977. Die Furtwängler Aufnahmen vom 22. März und 19. April 1942 bleiben natürlich unerreicht.
Mein Fazit: musikalisch hervorragende, oft magische Interpretation der Sinfonien unseres großen Beethoven. Natürlich gibt es auch andere exzellente Dirigenten, die ich bereits oben aufgeführt habe. Diese Box ist für Einsteiger und Experten geeignet, da erstere eine tolle Gesamtaufnahme erhalten und letztere, zu denen ich mich zähle, einen sehr originalgetreuen, perfekt klingenden und bis ins letzte Detail faszinierenden Beethoven erhalten. Vorallem den Neulingen empfehle ich nicht zu mangelhaften Interpretationen zu greifen, wie die von Rattle oder Abbado, nur weil jene erst kürzlich entstanden sind, einzig Thielemann wäre eine Alternative der Gegenwart. Den abwertenden Kommentatoren steht natürlich das Denken frei und Kritik ist immer eine wichtige Sache, ich bin jedoch der Ansicht, bei derartiger Perfektion von einer "Badeanstalt" zu sprechen, spottet jeder Beschreibung und verlässt den Boden der reflektierten Kritik. Eindeutige Kaufempfehlung (Auch der Preis hält sich im günstigen Bereich.)
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

9,99 €