Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen
31
4,7 von 5 Sternen
Format: DVD|Ändern
Preis:37,50 €+ 3,00 € Versandkosten
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 15. März 2009
Der freiwillige Kandidat der Spielshow "Das Millionenspiel" erhält eine Prämie von 1.000.000,-- DM, wenn er nach 7 Tagen Flucht durch Deutschland das Ziel im Fernsehstudio lebend erreicht. Auf den Fersen ist ihm die Köhlerbande, bestehend aus drei Killern, die jeweils 120.000,-- DM erhalten, wenn sie den Kandidaten vorher töten. Eigens für diese Sendung eines Privatsenders wurden die Gesetze geändert: Wenn der Kandidat nicht vorzeitig aufgibt, darf er getötet werden. Unterbrochen wird die moderierte Show eines Privatsenders regelmäßig durch Werbespots eines Pharmakonzerns.

Mit "Das Millionenspiel" hatte Wolfgang Menge einen fast prophetisch anmutenden Blick in die Zukunft des Fernsehens getan. Lange bevor Arnold Schwarzenegger als "Running Man" seine Verfolger unter lockeren Sprüchen niedermetzelte, war Jörg Pleva bereits als wesentlich ängstlicherer Kandidat der TV-Show "Das Millionenspiel" durch bundesdeutsche Lande unterwegs. Nun bestand die Bewaffnung der fährtenschnüffelnden Killer in den spießigen 70er Jahren natürlich noch nicht wie später bei Arnie aus blutspritzenden Kettensägen oder fauchenden Flammenwerfern, sondern aus heutzutage fast schon brav anmutenden Maschinenpistolen und Gewehren. Der Kandidat durfte nur flüchten, mehr nicht. Waffen hatte er keine.

Dass ein solcher Todeskandidat in der Realität wohl mehr Angst als Schwarzenegger'sche Gelassenheit zeigen dürfte, konnte Jörg Pleva als 15. Kandidat Bernard Lotz überzeugend vermitteln. Die Killer der Köhlerbande wurden von damals noch unbekannten Schauspielern dargestellt: Josef Fröhlich, Theo Fink - und Dieter 'Didi' Hallervorden (damals noch nicht als Komiker bekannt) als Chef der Killerbande. Die Show selbst wurde moderiert vom Showmaster Uhlenhorst (gespielt von Dieter 'Thomas' Heck - damals als Moderator der Hitparade bekannt). Obwohl der Moderator vor der Kamera Anrufer für die Unterstützung des Kandidaten lobt, zeigen er und der Senderchef Moulian (Friedrich Schütter) im Regieraum, wie skrupellos und heuchlerisch gearbeitet wird, nur um die Quote zu erfüllen. Jeder benimmt sich so, als handele es sich um einen normalen Wettlauf anstatt um einen inszenierten Mord, sogar die Mutter des Kandidaten. Der Todeskandidat wird immer verzweifelter, bis ihm letztlich fast alles egal ist.

Nicht wenige Zuschauer hatten offensichtlich vergessen oder übersehen, dass es sich hier um ein fiktives Fernsehspiel handelte und nicht um eine reale TV-Show, denn trotz der regelmäßig auftauchenden Hinweise auf den ausstrahlenden Privatsender und den Werbespots des Pharmakonzerns, die in dieser Form damals in der BRD bekanntermaßen nicht zulässig waren, meldeten sich beim WDR viele Anrufer als Bewerber für die nächsten Shows. Für die - für damalige Verhältnisse - ungeheure Summe von 1 Mio. Deutsche Mark wollten viele Zuschauer fast bedenkenlos ihr Leben aufs Spiel setzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Einsatz von fiktiven Reportagen und Castingwettbewerben innerhalb des Films dürfte dies unterstützt haben.

Menge sah damals schon die blinde Sicht auf die Einschaltquoten voraus, für die rücksichtslos alles getan wird. Werteverfall durch Sensationslust wird hier nicht nur bedenkenlos akzeptiert, es ist geradezu die Grundlage der Arbeit geworden. Menschenleben werden hier als Quotenbringer eingesetzt, nicht als schützenswertes Gut. Die Macher und Darsteller dieses Fernsehspiels hatten ihr Ziel mehr als erreicht, anderenfalls hätte niemand beim WDR angerufen und sich als Kandidat beworben. Die Vielzahl der Anrufer zeigte jedoch, dass trotz aller Empörung die Show dennoch akzeptiert wurde.

Grundlage für Menges Drehbuch war übrigens die 1958 erschienene Kurzgeschichte "Der Tod spielt mit" ("The Prize of Peril") von Robert Sheckley. Stephen King verfasste 1982, also erst 24 Jahre später, eine sehr ähnliche Geschichte namens "Menschenjagd" unter seinem Pseudonym 'Richard Bachman', die dann als "Running Man" mit Arnold Schwarzenegger in die Kinos kam. Er bestätigte jedoch, von Sheckleys Kurzgeschichte dazu inspiriert worden zu sein. Die Macher Wolfgang Menge und Tom Toelle wähnten sich damals im Besitz der Filmrechte, diese wurden ihnen aber offensichtlich durch ein Missverständnis nicht mit den übrigen Rechten mitverkauft. Nach einer Klage durch den damaligen Rechteinhaber verschwand der Film nach den Erstsendungen für 30 Jahre im Giftschrank des WDR. Inzwischen einigte man sich mit dem nunmehr französischem Rechteinhaber, so dass neben weiteren Ausstrahlungen endlich auch die Veröffentlichung auf DVD möglich ist. Immerhin handelt es sich auch hier um ein wertvolles Stück Fernsehgeschichte.

Der als Bonus bezeichnete Film "SMOG" ist ein Fernsehspiel von Wolfgang Petersen ("Das Boot") mit Marie-Luise Marjan, Wolfgang Grönebaum, Michaela Henner, Heinz Schacht u.v.a., in dem gezeigt wird, wie die Luftverschmutzung im Ruhrgebiet an einem Wintertag derart zunimmt, dass es sogar zu Toten kommt. Ein Notfallplan soll die Rettung bringen ...
Ein beeindruckender und beklemmender Film, der die damals schon überragende Regie-Qualität von Wolfgang Petersen aufweist.

Bonusmaterial ist recht wenig vorhanden, weil es damals unüblich war, dass man Dreharbeiten dokumentierte. Vorhanden ist zumindest:
- Interview mit Wolfgang Menge
- Audiokommentar von Jörg Pleva
- Dokumentation "Geliebtes Ekel"

Die Bild- und Tonqualität ist hervorragend.
66 Kommentare| 65 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. November 2015
"Das Millionenspiel" basiert auf den Roman des amerikanischen Schriftstellers Robert Sheckley, den der deutsche Autor und Journalist Wolfgang Menge zu einem TV-Thriller umschrieb. Im Grunde handelt es sich bei dem Film um eine frühe Version des Films "Running Man", der ja bekanntlich auf einen Stephen King Roman basiert. Also hat King unter seinem Pseudonym Richard Bachmann auch nur gemopst bzw. die Story lediglich variiert.

Sei es drum, da "Runnig Man" hier nicht zur Debatte steht. Viel mehr bekommt man wohl einen der besten TV-Filme serviert, den die öffentlich Rechtlichen jemals zu Stande gebracht haben. "Das Millionenspiel" ist ein perfekter Beitrag, der sich keine Schwächen erlaubt. Von der ersten Minute an wird man in die Menschenjagd hineingezogen und erlebt quasi Live mit wie Jörg Pleva in der Rolle des Bernhard Lotz von drei Killern verfolgt wird. Überlebt er diese Jagd stehen ihm 1 Millionen Mark zu, wird er getötet bekommen die Killer 120.000 Mark.

Gerade in der heutigen Zeit hat der Film von 1970 nichts von seiner Qualität verloren und wirkt trotz des Alters aktueller als man denken würde. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die erste Fernsehanstalt irgendwo auf der Welt das letzte Tabu bricht und zur Menschjagd einlädt. Der Film "Das Millionenspiel" ist eine reine Gesellschaftskritik. Alles für die Quote lautet die Devise, kostet es was es wolle. Was damals noch Science-Fiction war könnte heute schon blutige Realität sein. So weit sind wir gar nicht von solch einem Format im TV entfernt.

Die Vollkommenheit dieser Hetzjagd verdankt "Das Millionenspiel" auch seinen durch die Bank weg perfekt ausgesuchten Darstellern. Allen voran natürlich Jörg Pleva, der es schafft den Zuschauer tatsächlich auf seine Seite zu ziehen und zum mitfiebern animiert. Gleiches gilt für Dieter Hallervorden, der hier als Anführer der Killer alles andere als komisch wirkt und wieder einmal beweist was für ein guter Charakterdarsteller er ist. Kultmoderator Dieter Thomas Heck spielt die Rolle des Showmasters, dies in seiner typischen Art und lässt das fiktive Millionenspiel zu einer echten Abendshow werden.

Hätte man zur TV-Ausstrahlung von "Das Millionenspiel" zugeschaltet, man hätte sicherlich gedacht eine wirkliche Show präsentiert zu bekommen. So realistisch ist das Ganze in Szene gesetzt. Es gibt Interviews mit Familienmitglieder oder Passanten. Die Kamera ist stets nah beim Verfolgten und den Killern dran um jede Situation beobachten zu können. Und genau dies sind die Zutaten, die dafür sorgten, dass Das Millionenspiel zur Erstausstrahlung ein kleiner Skandal wurde.

Bedingt durch einen Rechtsstreit mit dem Autoren musste "Das Millionenspiel" viele Jahre in den Giftschrank der ARD, doch diese Zeit ist nun vorbei und man darf sich die Show auf DVD immer und immer wieder ansehen.

Als Bonusfilm steckt noch das Ruhrpott-Öko-Drama "Smog" in dem KeepCase. Inszeniert von Wolfgang Petersen ("Das Boot") wird ein Szenario geboten, welches sich so möglicherweise einmal in der gezeigten Form ereignen könnte. Wie der Titel schon sagt geht es um Smog. Anhand eines 4tägigen Fallbeispiels, ebenfalls nach einer Idee von Wolfgang Menge, wird der filmische Ernstfall geprobt, was passieren könnte wenn die Smogwerte stetig steigen und die Luft zum Atmen immer knapper wird.

Vom Inszenierungsstil ist "Smog" dem Film "Das Millionenspiel" nicht unähnlich. Zwar gibt es keine Show, jedoch werden fiktive Nachrichten und Interviews mit fiktiven Sachverständigen in eine Spielhandlung gewoben, was durchaus realistische Züge annimmt. Zudem regt der Film zum Nachdenken an, so sehr das diverse Institutionen meist aus dem industriellen Bereich Sturm gegen die Ausstrahlung liefen. Und auch heute noch überzeugt der Film mit einem immerwährenden aktuellen Thema, denn auch Jahre nach der Entstehung des Films hat der Mensch in Sachen Umweltverschmutzung nichts dazugelernt.

Technisch überzeugen beide DVDs mit altersentsprechendem Vollbild. Da es sich um TV-Filme handelt, darf man natürlich keine perfekte Bildqualität erwarten. Dennoch bieten beiden Filme ein solides, dem Alter entsprechendes Bild. Auch akustisch ist der Monoton beider Filme völlig ausreichend. Zu "Smog" gibt es keine Extras, jedoch befinden sich auf der DVD von "Das Millionenspiel ein Interview mit Wolfgang Menge, eine Dokumentation über Menge und ein Audiokommentar mit Jörg Pleva.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Juli 2015
Das Millionenspiel ist ein einfacher gut, gemachter Film zum Thema:"Was ist alles im TV erlaubt, wenn
es (der Eichschaltquote) hilft?".

Das Millionenspiel ein Film über eine erfolgreiche TV Show bei der prof. Killer einen Kandidat jagen und
dieser auch von Zuschauer aktiv attackiert und denunziert (bei Anruf Mord) wird. Es wird deutlich gezeigt
wie weite Menschen gehen, um in eine Show zu kommen. Es zeigt wie die Hemmschwelle der Zuschauer
und TV Produzenten/Sender erfolgreich gesenkt wird, Mord und Totschlag ist OK, wenn es allgemeiner
Konsens ist. Es lebe die Quote und ich bin im TV über alles!

Einige der Besonderheiten vom Film ist Herr Hallervorden als Killer und nicht gute Laune Clown/Satiriker.
Ein erschreckender Rückblick wie man Menschen auf die Akzeptanz von Folter (denunzieren, ...) konditionieren
kann, wenn es allgemein als OK und für die deutschnationale Sicherheit gut ist.
Personen die an simulierten Elektrofolter teilnahmen, bei der der Gefangene mit immer höheren Stromschlägen
gefoltert wurden, inkl.bekannt tödlichen Stromstössen, erklären warum einzelne auch den tödlichen Stromstoss
gaben. Leute hatten unter der im Film gezeigten Telefonnummer angerufen, als der Film im TV lief, um sich zu
bewerben oder um zu denunzieren.

Der Film lief einmal bei dem deutschen öffentlichen TV Sendern und kam wegen rechtlichen Problemen erst sehr
spät auf DVD. Man könnte sagen der gesellschaftskritische Film war seiner Zeit weit voraus und wurde erst durch
das Buch von Stephen King bzw. den Film Running Man wieder aufgegriffen.

Als Bonus gibt es auf den DVDs noch den Film Smog zum Thema Luftverschmutzung.

Fazit
2 Filme von vor fast 30 Jahren, die im Moment immer aktueller werden, die zeigen recht schön in
Bild und Ton wie resistent man bekannte Probleme ausblenden kann oder diese einfach akzeptiert.
Daneben wie einfach es ist Akzeptanz für ein ungesetzliches Verhalten zu Konditionieren (Mord,
Verrat, pers.Datenschutz, ... ) alles kein Problem, man muss nur gut genug argumentieren und
schon passt es. Kein Hollywood, dafür solide, punktgenaue gesellschaftskritische Filme.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. November 2013
Hallervorden mal ganz anders in einer genialen Rolle als sanktionierter Bösewicht ist allein schon sehenswert.

Die Story war schon seinerzeit ein Hammer und trifft die heutige Zeit angesichts der schamlosen Prostitution mediengeiler Protagonisten und den skrupellosen Vermarktern jedweder niveaulosen Show unverändert punktgenau. Noch sind wir zwar erst bei Dschungelcamp und Co, aber es erscheint eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ähnliche Shows irgendwo im rechtsfreien internationalen Raum gedreht den Weg auf unsere Bildschirme finden.

Aus heutige Sicht und im Vergleich zum Hollywoodstreifen mit Arnie wirkt Menges Schauspiel schon rührend einfach gestrickt, nimmt aber dadurch auch eine Autenzität an, die "Running Man" niemals erreicht.

Ein echter Klassiker, der leider im TV-Nivana zu Unrecht sein unbekanntes Dasein fristet.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. April 2009
Das Millionenspiel ist quasi eine realistischere Version von Arnold Schwarzeneggers Running Man. Statt einer Arena mit Kettensägenschwingenden Super-Killern wird ein Durchschnitts-Typ hier von drei Killern durch ganz Deutschland gejagt mit dem Ziel 1 Million Mark zu gewinnen. Der Einsatz: Sein Leben. Immer live dabei: Die Kamera. Das Ganze ist als Mix aus Fernsehshow, Dokumentation und Thriller aufgemacht und kommt daher besonders authentisch rüber. Natürlich fehlt dem Film die optische Brillianz und Stilelemnte neuerer Produktionen, was ihn "altbacken" wirken lässt. Aber gerade das sorgt auch für die packend-realistische Atmosphäre, zumal man bedenken muss, dass es sich hierbei um eine über dreißig Jahre alte Fernsehproduktion handelt. Dieter Hallervorden als Anführer der Killer wirkt natürlich etwas unfreiwillig komisch und auch hier und da weist der Film kleinere Längen auf - insgesamt aber dennoch sehr sehenswert.
0Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. März 2016
Sollte man sich eigentlich ansehen, der Film hat Kultstatus mit Hitparaden-Moderator Dieter-Thomas Heck in seiner Rolle als Showmaster und Dieter Hallervorden in einer ganz anderen Rolle als sonst.... etwas unwirklich aber trotzdem mit Nervenkitzel
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Januar 2016
Dieser Film ist aus den 'goldenen Siebzigern', als die Autorenfilmer in Deutschland gesellschaftlich relevante Fragen thematisierten und dabei überhaupt nicht versuchten, Regiestile, Erfolgsrezepte oder Themen und Plots der Filmindustrie anderer Länder zu kopieren. Eigentlich ein sehr selbstbewusster Ansatz, zur eigenen Geschichte, Denk- und Sprechweise und den eigenen Themen zu stehen, woher kam das wohl damals?
Diese unbekümmert 'provinziellen' Filme sind merkwürdigerweise die, die bleiben und Hollywood übernahm deren Ideen.
"Das Millionenspiel" ist ein würdiger Vertreter der oben genannten Bewegung, der ohne Mühe die Geschichte glaubhaft macht, so dass im Ergebnis echte Bewerbungen für diese 'Spielshow' beim Sender einliefen. Die Konzepte der verschiedenen im Film vorgestellten Shows wirken aus heutiger Sicht gar nicht mehr so unmöglich, man vergleiche aktuelle Shows, die Privatsender - hier und in anderen Ländern - heraushauen, um ihre Werbeminuten zu verkaufen.
Ein großartiger deutscher Film.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 2. Februar 2016
Das Millionenspiel -
1970: Der Straßenfeger dieser Zeit ist "Das Millionenspiel" das vom Sender TETV ausgestrahlt wird.
Dabei jagen 3 gedungene Verbrecher einen Mann der lediglich Wegpunkte abarbeiten muss aber ansonsten Frei in seinem Handeln ist.
Er kann z.b. in einem Gebäude verbleiben, oder einem Waldgebiet oder, oder, oder....nur die Wegpunkte muss er zu einer bestimmten Zeit erreichen.
Verfolgt wird er dabei von unzähligen Kameras die seine Flucht in die deutschen Wohnzimmer transportiert.
Hilfe bekommt er nur von "Zivilisten" die sich entschließen ihm Hilfe zukommen zu lassen.
Im Umkehrschluss können sie ihn auch Verraten oder Behindern.
Diesmal ist Bernhardt Lotz Kandidat und er hat es weit gebracht.
Wenige Stunden trennen ihn noch von Gewinn der Einen Millionen DM die er im Überlebensfall bekommt.
Aber seine Häscher, die Köhler-Bande" ist ihm dicht auf den Fersen.
Zur Freude des Moderators der Show, Thilo Uhlenhorst, der keine Gelegenheit auslässt Spannung und Emotionalität aufzubauen.
Garniert wird das Ganze mit Interviews von Experten, Helfern und Verrätern.
Die Perfekte Show für den Mensch von Heute.

Das Millionenspiel von Wolfgang Menge und Tim Toelle aus dem Jahr 1970 ist eine düstere und pervertierte Aussicht in die Zukunft.
Zumindest vom damaligen Standpunkt her.
Wobei: Betrachtet man manche Gameshows aus Asien oder Amerika ist die damalige Prognose gar nicht so Falsch.
Ich erinnere an eine Gameshow aus Japan wo ein Mann Nackt für mehrere Monate in ein Zimmer gesperrt wurde und nur durch das Gewinnen von Kreuzworträtseln zu Kleidung, zusätzlicher Nahrung und anderen "Bequemlichkeiten" kam.
Andere Shows gehen bis an die Schmerzgrenze....also so Fiktiv ist der Stoff nicht.

Da es aus heutiger Sicht aber ausgeschlossen ist Menschenjagden mit Todesfolge zu veranstalten bleibt das Millionenspiel reine Fiktion und ähnelt mehr einem Thriller.
Weniger Action als bei "The Running Man" aber sogar etwas Spannender...da realistischer.
So Realistisch das damalige Zuschauer beim Sender anriefen um sich für die Show zu Bewerben......
Die Dialoge sind gelungen, die Atmosphäre bedrückend, die Settings abwechslungsreich und der Soundtrack passend.
Zwar finde ich das Smog der wesentlich bessere Film ist aber das dürfte Geschmackssache sein.
Das Millionenspiel ist gut gealtert und hat immer noch seinen Reiz.
Darsteller sind u.a.: Jörg Pleva, Didi Hallervorden, Joachim Richert, Josef Fröhlich, Heribert Fassbender und Last but not least: Der Dieter, der Thomas, der Heck.
4/5

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Smog -
1973, Ruhrgebiet: Ein dauerhaftes Hoch einhergehend mit totaler Windstille sorgt für dicke Luft.
Ungerührt nehmen die Bewohner der Region dies zur Kenntnis und wundern sich kaum über die zum Schneiden dichten Smog-Schwaden und den Dreckfilm der sich auf ihren Autos gebildet hat.
Das ändert sich wenig später als die Schwefeldioxid Werte immer weiter zunehmen und es erste Opfer zu beklagen gibt.
Wiederwillig wird die Smog-Warnstufe erhöht...mit Null Effekt.
Dann nehmen die Atemwegserkrankungen zu und das Sterben beginnt.
Als nun endlich alle Fabriken stillgelegt werden und die Autos stehen könnte es bereits zu spät sein.....

Smog aus dem Jahr 1973 ist ein beeindruckender Film der auch Heute im Zeitalter von Katalysatoren und Schornsteinfiltern noch nachwirkt.
Teils wie eine Dokumentation aufgebaut nahmen einige Zuschauer das Ganze dann auch für Bare Münze und riefen verstört beim WDR an.
Das zeigt schon wie hervorragend Wolfgang Menge und Wolfgang Petersen hier gearbeitet haben.
Die Dialoge sind Klasse, die Atmosphäre dystopisch, die Settings brillant, die Effekte grandios und der Plot spannend und mitreißend.
Ein kleines Meisterwerk in meinen Augen.
Darsteller sind u.a.: Marie-Louise Marjan, Heinz Schacht, Wolff Lindner und Tana Schanzara.
5/5
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Oktober 2009
Ich bin kein sehr großer Fan von Deutschlands Film- und TV-Landschaft, denn es wird einfach zu viel langweiliges, uninspiriertes und hohles Material gedreht. Manchmal tauchen jedoch auch Perlen auf, so wie z.B. "Das Leben der Anderen" oder "Der Untergang". Früher, vor über 20 Jahren, sah das noch ganz anders aus, dort wurden Filme und TV-Kult hergestellt, die Kult und Klassiker wurden, z.B. "Das Boot", "Der Seewolf", "Nonstop Nonsens" oder "Das Millionenspiel".

Kommen wir aber zum eigentlichen Punkt, nämlich einem TV-Meisterwerk, gedreht vom WDR unter der Regie von Tim Toelle, adaptiert von Wolfgang Melle nach einer Kurzgeschichte von Robert Sheckley (hoffe ich hab seinen Namen richtig geschrieben ;). "Das Millionenspiel" hat eine sehr schnell erklärte Handlung, ein Kandidat hat die Chance, 1 Million Mark zu gewinnen, muss dafür aber 7 Tage lange versuchen vor einen 3-köpfigen Killerbande zu fliehen, die je 120.000 Mark bekommen, wenn sie den Kandidaten vor Ablauf der Frist töten. Dies alles wird live und durch Rückblenden im Fernsehen übertragen und Millionen Menschen schauen zu, mit gespaltener Meinung versteht sich.
Was diesen Film so brilliant macht, sind all die Seitenhiebe und Prophezeiungen, die heutzutage noch zutreffen, für das Jahr 1970 (wo der Film gedreht wurde) jedoch mehr oder weniger undenkbar waren. Alles ist so realistisch wie möglich umgesetzt worden, dass viele Leute damals dachten, dieser Film wäre eine tatsächlich laufende Show, obwohl es mehr als genug Anspielungen im Film gibt, die genau dies widerlegen (z.B. In der Ansage am Anfang des Films spricht die Moderatorin von einem Gesetzentwurf aus dem Jahr 1973). Auch wollten viele Leute sich als Kandidaten und sogar Jäger bewerben und schrieben an die fiktive Adresse des "Stabilelite"-Konzerns oder an "TETV", beide gibt es natürlich nicht. Die eingefügten (eigentlich nach verbotenen Richtliniene gedrehten und gesetzeswidrigen) Werbespots schienen alles noch realistischer zu machen.
Die wahre Stärke dieses Filmes liegt jedoch bei den Schauspielern, die alles extrem realistisch wirken lassen und da eigentlich alle von Ihnen unbekannt waren, stieg erneut der Realismusfaktor. Jörg Pleva, der den Kandidaten Bernhard Lotz spielt, ist großartig und sein Gegenspieler, der Kopf der Köhlerbande, wird von dem damals noch unbekannten Dieter "DIDI" Hallervorden realistisch und todernst verkörpert. Der wahre Star (meiner Meinung nach) ist aber Dieter Thomas Heck, der den Moderator Ulenhorst spielt und so überzeugend rüberkommt (obwohl er fast sämtlichen Text improvisiert hat!!!), dass man ihm alles glaubt und obwohl er relativ bekannt war kauften ihm viele Leute ab, nicht Dieter Thomas Heck zu sein (sonst hätte es sicher nicht so viele Bewerbungen gegeben).
Das ganze Konzept ist einfach visionär und grandios gewesen. Ein neues, radikales und vorher nie gewesenes Showkonzept, der Aufbau einer Fernsehshow, unbekannte und realistisch wirkende Schauspieler, Werbeeinblendungen, Meinungsumfragen und sogar Blicke hinter die Kulissen mussten viele Leute einfach täuschen und genau das wollte man ja auch schaffen (Obwohl nicht mit solch heftigen Reaktionen gerechnet worden ist).
Nach seiner Uraustrahlung im Jahre 1970 verschwand der Film und wurde nie wieder gezeigt. Der Grund war nicht seine Wirkung oder etwas ähnliches, nein, die Rechte für die Geschichte waren nicht ordnungsgemäß vom WDR gekauft worden und lagen bei einem Verleger in England, der sie nicht rausrücken wollte und erst nach über 30 Jahren, nach dem Auslaufen eben dieser Rechte, durfte der Film wieder gezeigt werden. In diesen paar Jahren wurde der Film jedoch lediglich 3 mal im Fernsehen gezeigt und ging unter.
Nun aber kann man dieses Meisterwerk des deutschen Films jedoch auf DVD bewundern und mit einem Top-remastertend Bild und gutem Ton macht er einfach nur Spaß. Seine Wirkung hat er natürlich nicht mehr (ist ja auch selbstverständlich) doch regt er sehr zum Nachdenken an und bietet Grundlage für interessanten Gesprächstoff, eventuell sogar für Studtenten, die irgendwie mit der Branche zu tun haben.
Als kleinen Bonus gibt es noch den Film "Smog" (ebenfalls ein umstrittenes Meisterwerk), einen Audiokommentar, Interviews und einen Schönen Schuber für die 2 Digipaks dazu.

Dieser Film ist ein "M U S T H A V E" und gehört in jede gute Filmsammlung (egal ob normal oder anspruchsvoll).
11 Kommentar| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Wolfgang Menge - Schöpfer von Ekel Alfred und anderen bekannten Fernsehfiguren - zeigt hier seinen Zugriff auf die Probleme des Mediums Fernsehen in dem an eine Kurzgeschichte von Robert Sheckley angelehntem "Millionenspiel" in dem viele der Gladiatorenkampf ähnlichen Dinge des heutigen "Kampf-der Penlichkeiten"-Fernsehens bereits vorgezeichnet wurden. Ein Mensch ist bereit sein Leben und seine Gesundheit für viel Geld vor laufenden Fernsehkameras zu riskieren und manche helfen ihm und andere seinen Gegnern, während die Fernsehanstalten im Hintergrund alles manipulieren. Erschreckend realistisch zu einer Zeit, als einige der hier gezeigten Elemente des Fernsehens noch SF gewesen werden hier Richard Bachmans "Running Man" und "Deadly Famous" von der Insel vorweg genommen. Sehr zu empfehlen.

"Smog", der im gleichen Jahr wie "Millionenspiel" produziert wurde zeigt wie 1970 die Gefährdung durch Industrie- Heiz- und Autobagase bereits wahrgenommen werden konnte und wohin die damals existierenden Notfallpläne der Landes- und Bundesregierung hätten führen können. Auch hier eine sehr überzeugende Darstellung, die nach einem Interview mit Menge sehr weitreichende politische Folgen gehabt haben soll.

Daneben gibt es im Extrabereich eine Dokumentation zu Menge, genauso, wie ein Interview, welche das Werk und das Treiben dieses sehr widerborstigen Kreativen darstellt. Alles in Allem sehr zu empfehlen - und viel zu selten im Fernshen wiederholt, wobei bei "Das Millionenspiel" wohl Copyrightgründe vorgelegen haben, die mittlerweile aus der Welt geschafft worden sind.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

7,97 €
7,66 €