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am 7. April 2009
Nach gut 35 Jahren wurde es wieder einmal Zeit für eine "Effi Briest"-Verfilmung, mag sich Hermine Huntgeburth gedacht haben. Nachdem ich diesen Versuch sehen musste, kann ich nur hoffen, nicht wieder 35 Jahre bis zu einer besseren Filmfassung warten zu müssen. Vor dem Hintergrund einer recht guten Kenntnis aller fünf seit 1940 entstandenen "Effi"-Verfilmungen muss ich sagen, dass diese die mit Abstand schwächste war.

Nicht die vielen kleinen Schwächen fand ich enttäuschend: nicht die wieder einmal zu alte und auch zu trotzige Effi (Gibt es keine 22-, 24-jährigen Schauspielerinnen, die diese Rolle mit Leben erfüllen?); nicht, dass gezeigt wurde, was Fontane nur andeutet; nicht die billig-plakativen Sex-Szenen (Innstetten schlecht-Crampas gut); nicht einmal das völlig neue Ende war die große Enttäuschung, sondern entscheidend für mich ist, dass die Grundkonflikte der Figuren nicht ausgelotet und ernstgenommen wurden. Grundkonflikte, die aus den Gegensätzen zwischen Menschlich-Natürlichem und Gesellschaftlichem entstehen und die nicht einfach, wie Huntgeburth empfiehlt, gelöst werden können, indem gesellschaftliche Normen ignoriert und als überholt abgekanzelt werden.

Ein Beispiel: Innstetten erschießt Crampas, und Gieshübler beschimpft ihn darauf als "vollkommen verblödeten Idioten". Diese Szene zeigt, dass die Regie die Figuren nicht erfasst hat, sondern bei der Bewertung Maßstäbe anlegt, die nahelegen, dass Innstetten, ein Bürger des späten 19. Jahrhunderts, auch nach Maßstäben des frühen 21. Jahrhunderts bewertet werden kann, weil er eine Handlungsalternative gehabt hätte. So erscheint das Duell nicht als Ergebnis einer sittengesetzlichen Notwendigkeit, sondern als das einer kleinlichen Rache, als ein durchaus vermeidbares Geschehen. Hätte der Gieshübler im Roman so gehandelt? Nein, denn der hätte gewusst, dass dem ehemaligen Landrat keine andere Wahl blieb als das Duell. Daher auch die Fontane`sche Nachsicht mit seinen Figuren, daher die Verteidigung Innstettens, zu der der Autor angesichts der wütenden Reaktionen der Leser sich nach Erscheinen des Romans genötigt sah.

Huntgeburth übersieht oder ignoriert, was die Fontane-Forschung längst weiß: dass eine Ablehnung des Duells den Vorwurf der Ehrlosigkeit und damit den Ausschluss aus der Gesellschaft eingebracht hätte. Es sind Fälle aus der österreichischen Armee bekannt, wonach Offiziere Duell-Forderungen unter Hinweis auf bestehende gesetzliche Verbote ablehnten - und anschließend wegen Feigheit den Dienst quittieren mussten. Frau Huntgeburth weiß von diesen Zwängen nicht oder will davon nichts wissen.

Und auch der Gieshübler des Romans stellt ja die gesellschaftliche Ordnung nie in Frage. Er fühlt mit Effi mit, er versucht ihre Einsamkeit durch kulturelle Erlebnisse und menschliche Nähe zu mildern - aber auch er akzeptiert die Verhältnisse, wie sie sind.

Es ist sicher daher nicht verwunderlich, dass die wichtigen Gespräche über Ehre und Moral zwischen Innstetten und Wüllersdorf in dieser Verfilmung kaum eine Rolle spielen. Gerade hier wäre es möglich gewesen, eine Effis Entwicklung vergleichbare Veränderung auch Innstetten angedeihen zu lassen: etwa in einem bewussten Verzicht auf ein Duell, auf Konvention und Ehrenkodex, auf gesellschaftliche Exklusivität.

Fragwürdige Anpassungen an den Zeitgeist kommen im Film mehrfach vor: "Warum können Frauen nicht dieselben Rechte haben wie Männer?", heißt es aus CrampasŽMund in einer Theaterprobe. Die Frage ist oft gestellt - aber falsch. Innstettens Schicksal zeigt ja gerade die Erbarmungslosigkeit einer sich als alternativlos verstehenden Haltung, die auch von Männern gefordert wird, wenn sie weiter zur Gesellschaft gehören wollen. Männer wie Frauen standen unter einem ungeheuren Druck; die moderne geschlechterdiskursive Haltung, wonach hier lediglich eine Frauen unterdrückende Epoche gezeigt werde, greift entschieden zu kurz: Wer wüsste besser als Innstetten um die Erbarmungslosigkeit der Konvention, die es dem jungen zwanzigjährigen Jura-Studenten Innstetten einst verbot, um Luises Hand anzuhalten, weil ihm noch Alter, Würde, Erfolg und Erfahrung fehlten? Daraus resultierte schließlich auch Innstettens enormer Ehrgeiz, alle in ihn gesetzten Erwartungen bestens zu erfüllen. Und dass er trotz dieses Bestrebens am Ende gescheitert gestehen muss, sein Leben sei verpfuscht, das macht ihn zu einer tragischen Figur. Innstetten handelte aus Prinzip, und er wusste, dass er falsch handelt. Also war das Prinzip falsch, und eine Verurteilung Innstettens hat mit aller Vorsicht zu erfolgen, denn die Kritik Innstettens muss zuerst eine Kritik seiner Gesellschaft sein, die kein anderes Verhalten tolerierte. Fontane wusste das. Huntgeburth nicht.

Ein anderes Beispiel: Die Lobpreisung des Kindergartens, wie sie Effi gegenüber Frau von Grasenabb vornimmt. Hier schien Ursula von der Leyen wohl allzu deutlich Patin gestanden zu haben, und wenn die Regie hier eigene politische Vorstellungen einfach auf die Filmheldin projiziert, dann muss das als misslungen bezeichnet werden. Misslungen, weil es den Figuren Fontanes nicht gerecht wird, weil es ihre Konflikte banalisiert, sich selbstgerecht über sie erhebt. So als ob eine gemeinschaftliche Erziehung für die adligen oder großbürgerlichen Eliten des Kaiserreiches erstrebenswert gewesen wäre, die nicht zuletzt auf Exklusivität auch in Erziehungsfragen achteten.

Der Film endet mit einer selbstbewussten Effi, die ihren Weg geht. Frau macht was aus sich, so die feministische Botschaft am Ende des Films. Und wenn man(n) an der Konvention festhält und scheitert, dann ist er eben selber schuld. Eine zutiefst anachronistische Sicht, die die Zwänge des 19. Jahrhunderts nicht kennt und nicht ernst nimmt.

Die Beurteilung einer Figur auch nach 120 Jahren ist in Ordnung und angebracht. Dem Urteil aber die Annahme zugrundezulegen, auch die Figuren des 19. Jh. hätten dieselben Handlungsoptionen besessen wie die des 21., und wer eben nicht so handelte, der müsse entweder dumm oder bösartig oder borniert oder alles zusammen sein, das zeugt von einer ahistorischen Haltung, die Menschen im Kern nicht ernst nimmt, sondern den eigenen Bauchnabel zum Weltenzentrum stilisiert.

Die meisten Rezensenten hier loben das Zeitgemäße der Verfilmung: dass Effi anders handelt, dass sie sich Freiräume schafft und nutzt, daher am Ende obsiegt. Was andere loben, tadele ich: Diese Effi ist keine Effi des 19. Jahrhunderts, sondern am Ende eine des 21.; da Huntgeburth aber alle anderen Figuren im 19. belässt, wird die historische Perspektive verzerrt.

Kurz und gut: Enttäuschend, aber das auf ganzer Linie. Schade um einen glänzenden Schauspieler wie Sebastian Koch, auf den ich mich wirklich gefreut hatte.

Mehr als einen Stern hat dieser Film wirklich nicht verdient.
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am 29. April 2016
Eigentlich ist in den Rezensionen schon alles gesagt worden. Besonders die hervorragende Rezension von Jan Schneidereit spricht mir aus der Seele, vielen Dank dafür. Ich stimme in allen Punkten zu, einen möchte ich noch hinzufügen: Der herrliche Humor, die Leichtigkeit der Buchvorlage gehen dieser Verfilmung völlig ab. Man hat das Gefühl, von Anfang an in Schwermut zu versinken. Dazu trägt nicht zuletzt die Darstellerin der Hauptfigur bei. Ich möchte nicht über Julia Jentschs Talent urteilen, da ich außer "Effi Briest" noch keinen anderen Film mit ihr gesehen habe, auch nicht die offenbar viel bessere Sophie-Scholl-Darstellung. Als Effi Briest ist sie jedenfalls für mich eine völlige Fehlbesetzung, die rein gar nichts vom Charme und der Liebenswürdigkeit der Figur vermitteln konnte. Ein Beispiel: Ein Satz, den man sich in der Buchvorlage von Effi fröhlich und naiv dahergeplappert vorstellt - "ich habe jeden lieb, der mich lieb hat" - wird in der Verfilmung mit zutiefst depressivem Gesichtsausdruck tragisch hervorgehaucht. Diese Art der Darstellung macht es für mich schwer nachvollziehbar, wie Gieshübler, Innstetten und Crampas Effi verfallen konnten.

Von den gravierenderen Mängeln des Films, besonders dem höchst unpassend aufgepfropften Zeitgeist, will ich gar nicht erst anfangen, sonst schreib ich hier 10.000 Zeichen. ;-) Außerdem hat Herr Schneidereit dies schon wesentlich besser getan. Nur soviel: Wenn Frau Huntgeburth auf Biegen und Brechen einen Film über eine junge Frau, die sich aus gesellschaftlichen Zwängen befreit und selbstbewusst ihren Weg geht, machen wollte, dann hätte sie sich vielleicht einfach eine andere Buchvorlage als "Effi Briest" aussuchen sollen.

Ach ja: An der Stelle, als Effi sich mit triumphierenden Gesichtsausdruck vor ihren Eltern eine Zigarette anzündet, musste ich im Kino laut loslachen, ich konnte nicht anders. Das war einfach zu dick aufgetragen, so dass es nur noch lächerlich wirkte.
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am 28. April 2009
Während man bei Fontanes Werk noch eindeutig merkte, was er unter der künstlerischen Auswahl bzw. Gestaltung der Darstellung gemäß seinem Realismusverständnisses (Verklärung statt radikal ehrlicher Darstellung) verstand, ist von diesem künstlerischen Feingefühl in der Verfilmung nichts geblieben. Und damit meine ich nicht nur die De-Facto-Vergewaltigung, die man innerhalb der ersten 30 Minuten ertragen muss (ich weiß, dass das zynisch klingt, ich meine nur, dass es Fontane gelungen ist, solche Elemente ohne drastische und anwidernde Bilder darzustellen), damit meine ich die gesamte Konzeption des Filmes, die von der Verschlungenheit, der filigranen Detailliertheit und der andeutungshaften Erzählweise Fontanes nichts einzufangen vermag. Über weite Strecken kann der Film die Spannungskurve nicht halten.

Die Kürzungen, die bei einer Verfilmung unausweichlich sind, haben leider den Charakter des Originals dezimiert, weil sie die Handlung verdichten und wichtige Personen in Effis Umgebung auslassen (zum Beispiel der Arzt, der sie in Berlin versorgt); außerdem wurde der gesamte Schluss modifiziert:
Effi kehrt nicht zu ihren Eltern zurück, um dort einen letzten schönen Sommer zu verbringen (bei dem sie vergeblich die Freiheit ihrer Kindheit zurückzubekommen versucht) und letztendlich zu sterben - im Film schlägt sie das Heimkehrangebot ihrer Eltern aus, stolziert an Innstetten vorbei, Abspann. Auch den weißen Grabstein mit der Inschrift "Effi Briest" gibt es dementsprechend nicht. Das nimmt dem Film auch die Dimension, die das Original hatte, weil die Eltern zum Schluss am Grab Effis über ihre eigenen Vergehen nachdenken.

Der Charakter des Vaters, der (Fontanes wirkliche Meinung wiedergebend) die gesamte Gesellschaft unter einem ironischen Vorzeichen betrachtet und nicht ernst nimmt, wurde extrem verkürzt, und sein Lieblingssatz ("Das ist ein (zu) weites Feld"), der im Buch viele Male auftritt und auch den letzten Satz insgesamt darstellt, wurde alibihaft in den letzten 2 Minuten - aus dem Zusammenhang gerissen und praktisch inhaltslos - quasi "prophylaktisch" eingeschoben.

Die Schauspielleistung von Julia Jentsch aber oft aufgesetzt. Sebastian Koch schafft es mit seiner Mimik, den steifen Beamten unter Bismarck glaubhaft darzustellen, seine Exzessivität in der Hochzeitsnacht steht dazu aber im Widerspruch und es ist sehr einleuchtend, warum Fontane das nicht beschrieben hat. Besonders der Schauspieler von Innstettens Weggefährten Wüllersdorf sticht durch seine schlechte Leistung heraus, wie die gesamte Szene zwischen ihm und Innstetten durch inszenatorische Einfallslosigkeit auffällt. (Es gibt einen Moment, wo Innstettens Miene etwa einen halben Satz hinter seinem Text "her" ist, d.h. er beginnt einen emotionalen Satz und fängt erst nach der Hälfte an so zu gucken, als ob ihn das interessiere, was er da sagt - wenn man auf so etwas achtet, wirkt es schon unfreiwillig komisch). Bei der Szene zeigt sich auch der Schnitt von seiner unschönen Seite.

Der Angstapparat Instettens um den sogenannten "Chinesenspuk" wurde auf der Jagd nach Bildern verflacht und entkräftet: im Buch zog dieses Element seine Eindruckskraft aus der Perfidität und Subtilität der Darstellung und Raffinität von Instettens berechnender Hinterlistigkeit; im Film sind diese Faktoren nicht mehr vorhanden, damit verfehlen auch die überaus oft gezeigten Albträume ihre konzipierte Wirkung. Einzig der Tanzsaal im zweiten Stock mit dem hereingewehten Laub macht einen guten visuellen Eindruck.

Was auch fehlt, ist eine generelle Vorstellung der Charaktäre - den Vetter Dagobert habe ich z.B. erst ca. 15 Minuten vor Ende erkannt.
Zusätzlich zu oben genannten Streichungen und Kürzungen (wobei ich längst nicht alle nennen konnte) gesellen sich leider auch viele Einschübe und Verlängerungen, die man bestenfalls noch mit künstlerischer Freiheit rechtfertigen können. Das sind unter anderem die extrem in die Länge gezogenen Liebesszenen, aber auch die Albträume Effis, wo sie sehr viel konkreter vom "Chinesen" träumt als dies im Buch geschildert wurde.

Die Filmmusik ist insgesamt gut geplant, aber schlecht umgesetzt. In manchen Szenen wirkt sie so verkehrt am Platze, dass man sich fragt, ob hier jemand die Tracks vertauscht hat. An anderen Stellen fragt man sich, ob die Streicher absichtlich so laut sind, damit die peinliche Stille übertönt wird. Insgesamt ist der Soundtrack zu unausgewogen und schlichtweg zu laut.

Was vom Buch unterm Strich bleibt?
Nicht viel. Als Literaturverfilmung taugt diese Kinofilm einfach nicht. Vielleicht liegt es am Stoff, der uns doch irgendwie fern geworden ist (obwohl er grundsätzlich nach wie vor aktuell ist), vielleicht liegt es aber auch an der Tatsache, dass Fontanes Subtilität eben doch einzigartig ist.

Wenn man den Film als eigenständiges Gesamtkunstwerk betrachtet, bleibt ein Softporno, der über weite Strecken langweilig und an einigen Stellen für eine FSK 12 Freigabe äußerst verstörende Bilder zeigt. In Amerika hätte dieser Film zu recht ein R-Rating (freigegeben ab 17) erhalten (wenn auch aus anderen Motiven). Einem normal entwickelten 12-Jährigen würde ich diesen Film auf keinen Fall zumuten wollen, und auch für viele Erwachsene sprengt der Film Fontanes wohlgewählten Darstellungsrahmen.

Für literarische Fans von Fontane ist dieser Film zwar als "Do-not"-Lehrstück interessant, aber nicht sehenswert. Für alle anderen ist der Film insgesamt doch irgendwie uninteressant und durch seine radikalen Bilder auch nicht für ein breites Publikum geeignet.
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am 30. Mai 2009
Ich fürchte, das neue Millennium hat für Literaturverfilmungen nach meinem Geschmack kein besonders gutes Händchen. Nach den für mich wirklich sehr enttäuschenden Buddenbrooks" von Heinrich Breloer nun also Effi Briest" aus der Sicht von Hermine Huntgeburth. Vielleicht ist es ja einfach meine konservative" Sicht auf die Dinge, vielleicht muss man heutzutage Charaktere und Handlung ändern und verfremden, damit man die Parallelen zum Buch erst einmal wieder suchen muss.

Was zeigt uns also die neue" Effi? Sie hätte, auch wenn sie es verbal verneint, viel lieber Vetter Dagobert geheiratet als den abgelegten Schwarm ihrer Mutter (von dem letztere sich bis zum Schluss des Films wohl nie hat richtig lösen können). So geht sie also unter großem mütterlichen Druck und mit sehr viel Widerwillen und Ablehnung in diese Ehe - was dem Zuschauer dann auch durch die sehr detaillierte, an eine Vergewaltigung anmutende Hochzeitsnacht noch einmal verdeutlicht werden muss. Instetten scheint der neuen Effi gegenüber dann ähnlich kalt und emotionslos und kann sich an seiner jungen Frau gar nicht recht erfreuen. Dafür wohl umso mehr an der die arme Effi völlig dominierenden Haushälterin Johanna, mit der er aus Huntgeburths Sicht parallel zu seiner Ehe eine sexuelle Beziehung zu pflegen scheint. Gieshübler avanciert vom höfisch verliebten Verehrer zur allzeit tröstenden Vaterfigur, andere Personen wie die Tripelli, der eigentliche Freigeist des Romans, bleiben uns hier leider vorenthalten. (Dafür scheint Sunnyi Melles - nach der Senatorin Möllendorpf in Breloers` Buddenbrooks - nun mit der Nebenrolle der Sidonie ein Abonnement auf nervige Damen der oberen Gesellschaftsschicht gepachtet zu haben.) Die mit dem viel zu jungen Crampas verbrachten Liebesabenteuer in der Hütte am Meer zeigen uns dann, was ein einfühlsamer Liebhaber an einer sexuell vernachlässigten Frau für Wunder wirken kann (nichts, aber wirklich nichts darf wohl heutzutage mehr der Phantasie des Zuschauers überlassen bleiben). Und auch nach der Übersiedlung nach Berlin scheinen die beiden Instettens nicht zueinander finden zu können, so dass einem die Trennung fast als eine Art Erlösung vorkommt. Grund genug für Effi, das Ganze zu überleben und von vorne zu beginnen.

Schade, denn ich fand den Film eigentlich sehr gut besetzt. Sowohl Julia Jentsch als Effi als auch Sebastian Koch als Instetten hätten mit einem anderen Drehbuch bestimmt mehr aus den Charakteren schöpfen können. Da Hermine Huntgeburth ähnlich wie Heinrich Breloer auf Aktualität" so großen Wert legt, hätte es sich vielleicht eher angeboten, die Geschichte der echten" Effi Briest zu verfilmen - Elisabeth von Ardenne, geb. von Plotho - die in der Tat nicht an dem Skandal zu Grunde gegangen war sondern stolze 99 Jahre alt wurde. Anhand dieser historischen Figur hätte man obiges Drehbuch bestimmt viel wirkungsvoller anlegen können. Denn, es tut mir leid, bei Fontane MUSS Effi sterben, ihm geht es ja gerade darum, wie Effi als auch ihr Umfeld an den herrschenden Konventionen zugrunde gehen mussten, und eben nicht, wie man sie überlebt.

Eigentlich bin ich ein großer Freund von Neuverfilmungen, nicht zuletzt aus Interesse, wie die jeweilige Zeit mit dem Thema umgeht. Die erste Effi-Verfilmung von Gustav Gründgens aus dem Jahr 1939 mit Marianne Hoppe (Der Schritt vom Wege) ist mir leider nicht bekannt. Die von 1968 mit Angelica Domröse hält sich zwar sehr genau an die literarische Vorlage, ihr fehlt es meinem Geschmack nach jedoch ein wenig an Herz und Seele. Zudem finde ich Dietrich Körner in der Rolle des Crampas extrem abstoßend. Die Fassbinder-Variante von 1974 hätte vom Konzept her vielleicht interessant sein können, aber die somnambule Darstellungsweise von Hanna Schygulla wirkt auf mich derart einschläfernd, dass die 134 Minuten nur sehr schwer durchzuhalten sind. Bleibt also die Verfilmung aus dem Jahr 1955 von Rudolf Jugert (Rosen im Herbst) mit Ruth Leuwerik, Bernhard Wicki und Carl Raddatz in den Hauptrollen. Obwohl es auch hier kleinere Abweichungen von der Romanvorlage gibt, ist dieser Film für mich aufgrund der brillanten Besetzung - bis in die kleinste Nebenrolle - der Gestaltung der Charaktere, der Musik, der Kostüme, der Farben und des ganzen Flairs die - mit Abstand - beste filmische Umsetzung von Fontanes großem Roman. Ein kleines Meisterwerk, das für meinen Geschmack leider viel zu leichtfertig als Kitsch der 50-er" abgetan wird, und das es vielleicht mithilfe dieser Neuverfilmung auch noch einmal neu zu entdecken gilt.

Doch immerhin, wie auch bei Buddenbrooks": Man sollte froh sein, dass solche Stoffe heutzutage überhaupt noch den Weg in die Kinos finden. Und ich bin wirklich sehr gespannt, wie in einigen Jahren/Jahrzehnten eine weitere Verfilmung von Effi Briest" gestaltet wird.
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am 18. Mai 2010
Ich habe sowohl das Buch gelesen als auch den Film gesehen. Der Film unterscheidet sich zwar v.a. am Ende sehr stark vom Roman, aber anders heißt ja nicht gleich schlecht. Die Emotionen und Handlungsmotive der Charaktere werden, finde ich, gut rübergebracht, manche Schauspieler sind aber Fehlbesetzungen.(z.B. Crampas, er erscheint auf gar keinen Fall als Charmeur oder als Mann vom Militär).
Julia Jentsch ist sicher etwas zu alt für die Rolle der Effi, die jugendliche Frische fehlt.
Allerdings finde ich, Intstetten ist eine Topbesetzung, auch wenn manch anderer da nicht meiner Meinung ist. Man kann verstehen warum Effis Mutter ihn liebte, Effi selbst aber zutiefst unglücklich mit ihm ist.

Alles in allem denke ich sollte man den Film einfach mal anschauen und genießen!!
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am 12. April 2010
Schade. Ich freue mich immer wenn Literatur verfilmt wird, weil dies eine Möglichkeit ist auch einer Generation die sehr viel weniger liest die Klassiker näherzubringen.
Dieses Werk würde ich allerdings keinem Schulkind zumuten wollen. Der Prüderie und den Moralvorstellungen der damaligen Gesellschaft wird in keinster Weise Rechnung getragen. Dafür hält man ausgiebige Sexszenen für erforderlich. Völlig daneben.
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TOP 500 REZENSENTam 14. April 2012
Die Siebzehnjährige Effie Briest heiratet den Ex ihrer Mutter, den 38-jährige Baron von Innstetten. Der versteht das junge Mädchen nicht, sie ist für ihn ein Spielzeug, ein Schmuckstück an seiner Seite, um seine Karriere zu befördern. Aus Langeweile und Vernachlässigung freundet sie sich mit Crampas an, eine Freundschaft, die beiden erst Jahre später zum Verhängnis wird.

Effi Briest ist wohl Fontanes bekanntestes Werk, das auf einer wahren Begebenheit basiert. Für Fontane, der sonst eher zu seichter Unterhaltungsliteratur neigte, ein erstaunlich sozialkritisches Buch. Es geht um verletzte Eitelkeiten, Schuld und Sühne, missbrauchtes Vertrauen und die Rechte der Frauen.

Prinzipiell hält sich die Verfilmung aus dem Jahr 2009 an die Romanvorlage, nur dass man heutzutage Effie natürlich nicht sterben lässt sondern sie dem Zeitgeist entsprechend zu einer emanzipierten Frau wird und sich auflehnt.
Die Regisseurin Hermine Huntgeburth war leider der Meinung "[...] ich denke wenn man sich noch einmal mit der Geschichte befasst, dann muss man etwas ganz Neues zeigen. Die reine Nacherzählung, die reine Übersetzung des Romans ist, glaube ich, nicht mehr zeitgemäß. "
Schon bald wird einem klar, was die Autorin unter zeitgemäß versteht. Sex, viel Sex und noch viel mehr nackte Haut. Der Zuschauer erlebt Effies erstes Mal in der Hochzeitsnacht, die Geburt ihrer Tochter und ihre Stelldichein mit Crampas hautnah mit, das ist nicht mehr Jugendfrei und erklärt, warum diese eigentlich harmlose Geschichte im Fernsehen spätnachts gesendet wird. Diese Verfilmung reduziert die Geschichte auf eine seichte Affäre und streckenweise fragte ich mich, ob das vielleicht eher eine Lady Chatterleys Lover Verfilmung ist, ein Softpornostreifen mit Literturverfilmungszuckerguss. Dadurch wird die Geschichte nämlich deutlich entschärft. Effie wird wegen einer Affäre verstoßen, wegen eines tatsächlich begangenen Ehebruchs, während sie im Buch gerade mal einen keuschen Kuss mit Crampas teilte. In dieser Verfilmung ist Effie tatsächlich schuldig und auch heutzutage wäre das ein Scheidungsgrund (wenn auch nicht gerade ein Grund zum duellieren). In der Literaturvorlage jedoch ist Effie tatsächlich unschuldig, sie wird wegen harmloser Briefe verstoßen, denn nur so kann man verstehen, warum sie die Briefe aufbewahrt. Hätte sie mir Crampas Ehebruch begangen, hätte sie niemals die Briefe aufbewahrt, die an sich auch eher harmlos waren. DAS ist ein riesiger Unterschied in der Wertung der Handlung, die diese komplett ad absurdum führt und nicht einfach nur zeitgemäß. Das scheint die Regisseurin nicht verstanden zu haben. Als wäre das nicht schlimm genug, sind einige der schauspielerischen Leistungen leider eher steif, abgelesen und leblos. Effie hat einige Momente, in denen man sich fragt, warum sie nicht anders besetzt wurde und ihre Mutter ist eine komplette Fehlbesetzung. Hinzu kommt noch, das Instetten deutlich besser aussieht als Crampas und Effie unter starker Geschmacksverirrung leiden muss, dass sie sich mit dem eingelassen hat, wo ihr Gatte doch so viel besser ausschaut und mehr zu bieten hat.

Fazit: Grauenvoll. Eine Mischung aus nicht verstandener Literaturvorlage gepaart mit teils schlechter Schauspielerischer Leistung.
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am 11. Juni 2010
Wollte man es kurz machen, könnte man einfach sagen: Hier wurde nicht Effi Briest verfilmt, sondern Madame Bovary. Was Hermine Huntgeburth dem Klassiker des bürgerlichen Realismus angetan hat, grenzt an eine Vergewaltigung und herausgekommen ist eine filmische Missgeburt. Lebte der Fontane-Roman doch gerade von der in jedem Satz zu spürenden bürgerlichen Enge und preußischen Moral, die es möglich machte - das ist der Clou der Geschichte - dass Effis Ehemann Instetten, ein aufstrebender Beamter, seinen Freund Major Crampas zum Duell zu fordern hatte, obwohl es gar keinen Seitensprung gegeben hatte, sondern nur eine mit dem preußischen Begriff von Anstand und Ehre nicht zu vereinbarende Intimität zwischen einer verheirateten Frau und einem anderen Mann. Was aber macht Huntgeburth daraus? Als wäre der Stoff mit einer echten Ehebruchsszene nicht schon drastisch genug verfälscht und verraten, würdigt die Regisseurin ihn mit einer in seiner Explizitheit auch noch besonders anstößigen Sex-Szene zusätzlich auf das Niveau einer drittklassigen Liebe-und-Leidenschaft-Schmonzette herab und verpfuscht auch gleich noch den Schluss: Effi, die Fontane an der Entfremdung von ihrem Kind, letztlich aber an den starren Konventionen der preußischen Gesellschaft folgerichtig zerbrechen lässt, wird in Huntgeburths Regie-Egotrip zur stolzen Suffragette umgedeutet. Sie emanzipiert sich und geht ungebrochen ihren eigenen Weg; dass man ihr das Kind genommen hat, ist für diese Effi kein Grund zum Verzagen: ein in seinem penetranten Pathos auf geradezu symptomatische Weise misslungenes Schlussbild. Denn aufgesetzt und gezwungen wirkt der ganze Film. Auch Julia Jentsch, als leise, aber entschlossene Sophie Scholl noch die Idealbesetzung, wird der Rolle der Effi Briest nicht gerecht: Die heitere, verspielte Effi, als die Fontane seine Hauptfigur am Anfang des Romans schildert, nimmt man der notorisch ernsten Jentsch nicht ab. Huntgeburth hätte besser eine temperamentvollere Aktrice gefunden. Alexandra Maria Lara wäre ideal gewesen. Fazit: Wer eine gute Effi-Briest-Verfilmung sehen möchte, durch die der Geist Fontanes weht und nicht lediglich wie in einem platten Pilcher-Plagiat der Seewind der immerhin gelungenen Strandszenen, der greife zu Rainer-Werner Fassbinders Effi Briest, die einzig optisch hinter diesem Film zurückbleibt.

Für Feministinnen und Freunde misslungener Literaturverfilmungen.
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am 24. August 2010
das kommt dabei heraus, wenn man zwanghaft aus einem klassiker der deutschsprachigen literatur einen, für heutige verhltnisse, "politisch korrekten" film machen will.
aus sozialkritik wird feminismus, der soweit geht, daß die originalgeschichte schlichtweg umgeschrieben wird, damits besser passt.
von werktreue keine spur.
da helfen dann auch keine guten schauspieler, kostüme und bilder.

wenn man das buch gelesen hat, sollte man auf diesen film verzichten.
11 Kommentar|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. April 2010
Der Film mag einer Vision des heutigen Frauenbildes aufgesetzt auf Fontane's Zeit gerecht werden. Mehr ist da aber nicht. Völlig überzogene, geradezu lieblose Charaktere ohne irgendeinen Bezug zur Aufrüttelung der Frau. Die beste Szene für mich war am Schluss als sich Effi Briest in einem Restaurant/Cafe vor ihren Eltern eine Zigarette anzündete. Die wohl frivolste und zeitnahste Adaption zu Fontane. Dagegen sind die Bettszenen wohl eher von einem billigen Pornofilm ohne dabei was zu Gesicht zu bekommen.
Ein bisschen Poltergeist, Unwissenheit und Rebellion einer Frau machen noch keinen guten Film. Schade. Wieso muss man aber Literaturstoff in die Moderne versetzen und dabei alte Stilmittel verwenden? Das gelingt ganz selten und wirkt fast immer aufgesetzt.
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