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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Das ist Octave Parango(Jean Dujardin), der Held aus Frederic Beigbeders gleichnamigen Roman, den Jan Kounen jetzt als Film auf die Leinwand gebannt hat. Dabei lässt Kounen es richtig krachen, hält sich an keine schematischen Vorgaben, experimentiert und spielt mit der Kamera derart unkonventionell und rasant, dass einigen Zuschauern die Spucke wegbleiben wird. Das Ergebnis ist eine wunder- wie sonderbare Persiflage über das Werbebussines mit all seinen chaotischen Auswüchsen, wie wir sie bisher nocht nicht auf dem Bildschirm bewundern durften.

Octave ist ein angesagter Werbefachmann. In seinem Job geht er, bildlich gesehen, über Leichen. Ein ständiger Brunnen seiner Kreativität sind dabei Kokain, Alkohol und andere Drogen. Aber Octave ist gut, so gut, dass die Agentur, in der er arbeitet, voll und ganz auf ihn angewiesen ist. Geht es doch gerade jetzt um den Riesendeal mit dem Joghurthersteller Madone und dessen Starlight Yoghurt. Octave sollte auch das hinbekommen, selbst in Anbetracht der Tatsache, dass er um sich herum nur Langweiler und Idioten sieht. In seinen Lebensrausch bricht urplötzlich Sophie(Vahine Giocante) ein. Das sorgt dafür, dass der obercoole und gefühlsarme Octave sich verliebt. Und von diesem Moment an geht alles schief. Die Drogen bringen Octave ins Krankenhaus, Sophie verlässt ihn und der Deal mit Madone gerät in Gefahr. Wundert es uns da, dass Octave plötzlich auf dem Dach eines Hochhauses steht? Aber halt...das ist ja erst der Anfang des Films...

Was Jan Kounen hier abliefert ist alles andere als leichte Kost. Schnell geschnitten, überbordend vor Bildern und Informationen schlägt er uns 39,90 um die Ohren, oder besser gesagt: Um die Augen. Im Mittelpunkt Jean Dujardin, der den Octave Parango ausdrucksstark und schräg rüberbringt. Da werden Takes von Traumsequenzen durchbrochen, die wie Werbespots daherkommen, oder eine Besprechung wird zum Heiligen Abendmahl umgruppiert. Octaves Stimme gibt einen wunderbar begleitenden Erzähler ab und wir erfahren jede Menge wissenswertes über die Macht der Werbung. Dazu gibt es abenteuerliche Kamerafahrten und gewagte Einstellungen. Sprache, die mitten im Slang steckt, Drogen, Sex und Alkohol. Es geht ganz tief in menschliche Abgründe hinein und auch wieder hinaus. Am Ende läuft dann alles auf die Wahl des kleinen Löffels hinaus. Sie haben nicht alles verstanden? Das macht nichts, schauen sie sich den Film einfach an.

Jan Kounen erzählt uns 39,90 in Bildern von boshafter Liebenswürdigkeit. Dabei drischt er auf die Werbebranche ein, was das Zeug hält. Nebenbei beglückt er uns noch mit ein paar Kleinkunstwerken, wie zum Beispiel der Wahnsinns-Autofahrt unter Drogen, die "Sin-City gleich" wie ein heißes Messer durch die Butter geht. Zum Schluss der Story gibt es noch ein alternatives Ende zu bewundern. Da dürfen sie entscheiden...
Harter Tobak, aber hervorragend gemacht. Das wird sicher nicht jedem gefallen, mir ist es aber fünf satte Sterne wert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Mai 2012
[...] "39,90" lässt sich am ehesten als eine im Milieu der Werbebranche angesiedelte Mischung aus Danny Boyles "Trainspotting" und Oliver Stones "Natural Born Killers" beschreiben. Ihnen ähnlich ist die ausladende, hip-verspielte und sich oftmals in ihrem Ideenreichtum nahezu überschlagende Regie Kounens, mit der er hier zu Werke geht. Mit unzähligen filmischen Stilmitteln wie Rückblenden, Alternativhandlungen, Schwarz-Weiß- oder Zeichentrick-Bildern, Animationen und Comicstrips, serviert in schnell geschnittener Videoclip-Ästhetik und garniert mit vorzüglicher Musik (darunter treffsichere Referenzen an "Spiel mir das Lied vom Tod", "In the Mood for Love" oder "The Mission") sorgt der ehemalige Musikvideo-Regisseur für ein visuelles Feuerwerk, dass jedoch seine offenkundig politische Ambition und Botschaft nicht erdrückt. Vielmehr zeichnet Kounen mit selbigem eine reichlich abgründige Welt der Oberflächlichkeiten,des Konsums und der Skrupellosigkeit. Die ihr innewohnenden Protagonisten sind völlig abgehobene, verantwortungslose Subjekte, durchgehend nur auf ihren eigenen Vorteil, die nächste Mode oder Prise Koks aus. Bisweilen grotesk präsentiert Kounen die Mechanismen hinter dem imposanten Produktionsapparat der Werbung, die unverschämte soziologische Reduzierung der Zielgruppen und ihrer "Bedürfnisse", die köstlich-absurden Planungen und Meetings der Werbeclips oder ihre im Hinblick auf die dort tatsächlich relevanten Faktoren einfach nur grenzbescheuerten Drehs.

Obwohl die Schauspieler durch die Bank weg hervorragende Arbeit leisten, gehört der Film doch gänzlich dem dieses Jahr für "The Artist" oscarprämierten Jean Dujardin. Mit Hingabe gibt er seinen Octave als kompromissloses A****loch der Werbeindustrie, selbstverliebt, eitel, arrogant, gleichzeitig aber auch hochintelligent und sein Milieu absolut durchschauend. Letzteres ist wohl auch neben seinem einfach unwiderstehlichen Charisma der Hauptgrund, warum er trotz seines widerlichen Charakters als Identifikationsfigur taugt. Gleichzeitig ist er allerdings auch die einzige ernstzunehmende, psychologisch etwas genauer beleuchtete Figur des Films, alle anderen sind hemmungslos überzeichnete Abziehbilder ökonomischer Menschmaschinen ohne Tiefe: Der wenig reflektierende, naiv-bescheuerte Kumpel der Hauptfigur, der menschlich völlig überforderte erbarmungswürdige Vorgesetzte, die sich hochschlafende Schauspielerin und der machtgeil-mafiöse Big Boss des Unternehmens. Selbiges Kounen zum Vorwurf zu machen, greift jedoch möglicherweise zu kurz, denn auch hier liegt eine klare - wenngleich etwas plakative - Aussage des Regisseurs: Bis auf Octave reduziert er seine Protagonisten auf ähnlich oberflächliche Stereotypen, wie sie die Verantwortlichen der Werbeindustrie tagtäglich zur Eingrenzung ihrer Zielgruppen nutzen.

Dreh- und Angelpunkt des Films bleibt freilich Kounens erwähnte formale Ausgestaltung des Films, seine Stilistik, die jedoch nicht nur aus ästhetischen Gründen existiert. Sie bedient sich nicht zufällig genau der gleichen Bildsprache und Mittel der uns täglich konfrontierenden Werbeclips und -plakate. Indem sie an zwei Stellen - Octaves Aufenthalt in der Entzugsklinik und der Aussteiger-Epilog in herrlich kitschiger Südsee-Traumkulisse - mit überraschend ruhigen, fast elegischen Einstellungen konterkariert und damit nicht nur Octave, sondern auch den Zuschauer nach der überbordernden Visualität quasi "auf den Boden zurückholt", wird eine elementare Aussage des Films deutlich: Die auf grenzenlose (Über-)Forderung der Sinne setzende Semiotik heutiger Werbung ist uns allen schon so sehr angewöhnt, dass wir sie praktisch schon in die Sehgewohnheiten unseres Alltags integriert haben und so dafür sorgen, dass sie sich uns in einer Endlosschleife jeden Tag aufs Neue anbieten darf.

Die Spitze des Eisberges stellt das Anfangs- und Schlussbild dar: Jenes uns das Paradies versprechende Werbebanner, in welches sich das zuerst wie ein grausig-kitschiges Aussteiger-Happy-End aussehende scheinbare Endbild verwandelt, verdeutlicht, wie selbst (gelebte?) Utopien und Weltverbesserungsideen am Ende nur als weitere Vermarktungsplattform verwertet und verwurschtet werden. Hier macht sich Kounen (ähnlich wie einst Boyle in seinem gnadenlos unterschätzten "The Beach") nahezu über die Gruppen jener linker Intellektueller lustig, zu der er eigentlich selber zählt. Es gilt: Die Werbung in ihrer heutigen unerträglichen und teils verantwortungslosen Form ist immer nur - genau wie die oftmals verwünschte Wirtschafts- und Konsumlandschaft des kapitalistischen Weltsystems - Antwort auf die menschlichen Befürfnisse unserer Zeit, ob singulärer oder kollektiver Art. Dementsprechend ist Werbung ein nie festgesetzter, sondern sich beständig weiterentwickelnder und anpassender Prozess, dessen handwerkliche Mittel sich aus der gesellschaftlichen Kultur speisen, in ästhetischer Hinsicht etwa aus denen der Popkultur, was "39,90" wie bereits erwähnt eindrucksvoll darstellt. Wobei: Inspiriert und bedient die Ästhetik heutiger Werbung die Stilistik etwa von Filmen und Musik...oder umgekehrt? Oder ist es eher ein wechselseitiger Prozess? In jedem Fall ist Werbung aus der Populärkultur des späten 20. Jahrhunderts bis heute nicht mehr wegzudenken. Vielleicht liegt hier mitsamt der beschriebenen Dominierung unserer Sinne der Grund für die eingangs erwähnte unangegriffene (und unangreifbare?) Monopolstellung der Werbung, über die sich kaum jemand wirklich empört.

FAZIT: Auch wenn man sich beizeiten noch etwas mehr Biss und Witz gewünscht hätte..."39,90" ist eine ausgesprochen unterhaltsame und sehr kluge Satire über die Werbebranche geworden, grandios inszeniert und clever durchdacht.

-> 8/10 Punkte
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. März 2013
Französische Filme haben einfach immer etwas für sich, sind etwas ganz Besonderes in der Filmlandschaft. Entweder "Die wunderbare Welt der Amelie" oder auch eben "39,90". Bei diesem Film ist es einerseits schwierig eine Meinung abzugeben, andererseits fällt es mir leicht zu sagen, was mir an diesem Kunstwerk gefällt, da "39,90" bis ins kleinste Detail durchkomponiert zu sein scheint. Das merkt man zum Beispiel daran, dass man immer wieder neue Sachen sieht und findet, egal, wie oft man diesen Film sieht. Einer der Gründe, warum "39,90" für mich ein wundervoller Film ist, aber erstmal zur Story:

Octave Parango ist ein "Kreativer", ein Kreativer, der für eine Werbeagentur Konzepte entwickelt und entscheidet, was wir morgen kaufen, wie er sagt. Während er im Geld schwimmt, scheint sein Privatleben den Bach runter zu gehen...

Die Botschaft des Films ist ziemlich klar, aber darum geht es meiner Meinung nach nicht. Ich weiß nicht, wie das Buch ist und ob der Film sich so stark daran orientiert, aber für mich ist der Bilderrausch und der visuelle "Drogenrausch", der sich förmlich durch die ganzen 100 Minuten zieht. Hier hat man ein perfektes Beispiel dafür, wie Effekte sehr stilvoll und nützlich eingesetzt werden können, ohne einfach darauf ab zu zielen, möglichst viele Leute dazu zu bekommen, sich den Film anzugucken. Dazu gesellt sich ein toller Soundtrack, der die Bilderflut perfekt ergänzt, mit einer Mischung aus klassisch, orchestralen Klängen und tiefen Elektrobeats.

Trotzdem ist die Erzähl-Struktur und die Art, wie man Parangos Geschichte dem Zuschauer präsentiert, ebenfalls unglaublich farbenfroh und innovativ. Besonders das Finale dürfte den Zuschauer überraschen, aber ich will hier natürlich nichts verraten, jeder sollte diesen Film selbst erleben.
Stilistisch ist "39,90" wie ein Musikvideo, mit vielen Animationen, ab und zu sehr schockierend und dann wieder kunterbunt und fröhlich. Der Film wird als Komödie verkauft und tatsächlich ist dieser Film beim ersten Sehen sehr komisch, geprägt mit viel Wortwitz und derbem Humor. Allerdings fließen auch sehr viele dramatische und gesellschaftskritische Aspekte mit ein und geben dem Film die nötige Würze!

Der Cast ist sehr gut, die meisten Schauspieler dürfte kaum einer kennen. Am populärsten dürfte Jean Dujardin sein, der jüngst mit "The Artist" einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann. "The Artist" habe ich zwar noch nicht gesehen, aber ich kann sagen, dass er hier ebenfalls absolut großartig und mit völliger Hingabe spielt. Er trägt den Film und gibt ihm ein eigenes Gesicht, was mir sehr gefällt.

Fazit: "39,90" ist für mich ein kleines Kunstwerk an Film, das man sich immer wieder angucken kann! Witzig, dramatisch, bildgewaltig, cooler und stimmiger Soundtrack und einfach herrlich sarkastisch, ein Film, den man gesehen haben muss.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. September 2013
Ich lese extrem gern und bin dann meist enttäuscht, wenn ich einen Film zu einem Buch sehe und denke, das Buch war so viel Besser als der Film. Dennoch ist 39,90 als Film sogar besser als das Buch. Das ist mir noch selten passiert. Die Handlung wird so toll umgesetzt! Ich kanns wirklich jedem nur empfehlen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Oktave Parango (Jean Dujardin) gilt in seiner Branche als Genie, der Zyniker ist kreativer Star der Werbeagentur "Ross & Witchcraft", für die er arbeitet. Gemeinsam mit seinem genauso durchgeknallten Partner Jeff Marolles (Patrick Miller) bestimmt er von seinem Luxusbüro in Paris aus was die Menschen morgen kaufen.
Er ist einer dieser skrupellosen Typen, die dem Konsumenten täglich neuen Müll andrehen, allerdings ist es auch eine Kunst den Rotz von Gestern in neuem, attraktiven Glitzerpapier als was völlig Neues und Wichtiges aussehen zu lassen.
Dabei hasst Oktave seinen Job. Alles im Leben ist käuflich, so sein Motto: Die Liebe, die Kunst, der ganze Planet, Du und Ich.
Er erwacht nach einer durchsoffenen und durchkoksten Nacht in seinem Apartment. Um ihn herum liegen nackte Männer und Frauen. Nach einem kurzen Blick in den Spiegel im Bad, übergibt er in die Badewanne.
Kiffend und koksend quälen sich die beiden zu Fotoshootings und Werbedrehs. Immer darauf bedacht ihren Status als Non Plus Ultra Team der selbstverliebten Branche zu behalten.
Die Kunden sind für sie langweilige Spießer und Markenfetischisten. Seine Arbeitskollegen sind in Octaves Augen arme kleine Würste, die dem Chef in den Hintern kriechen.
Verantwortung im Irrenhaus "Leben" will er nicht übernehmen, das bekommt auch seine Freundin Sophie (Vahina Giocante) zu spüren.
Bald erkennt Oktave aber auch, dass auch er nur ein Opfer des Systems ist und beginnt an seiner Scheinwelt zu zweifeln. Nach einer Überdosis Kokain landet er im Krankenhaus. Er schmiedet in dieer Zeit schon einen perfiden Plan, ein böses Komplott der Rache, das in ganzer Härte seinem verachtenswerten Arbeitgeber treffen soll...
Höhepunkt dieses schleichenden Amoklaufs ist eine Szene, wie Octave und Ted im Drogenrausch mit einem Schlitten durch Florida fahren. Diese Szene wurde von Jan Kounen (Doberman) größtenteils als knalliger Zeichentrick konzipiert, der gelegentlich von Realszenen unterbrochen wird.
Das ist ganz klar ein kleiner Geniestreich.
Auch sonst ist der Film von 2007 schön gallig und subversiv und kann sich auf das großartige Spiel von Hauptdarsteller Jean Dujardin verlassen, dem es gelingt seiner zynischen und menschenverachtenden Figur mit einem großem Stück Sympathie auszustatten.
Bei dem Film handelt es sich um eine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers "Neununddreißigneunzig" von Frédéric Beigbeder, der autobiographische Züge enthält.
Mit seinen 100 Minuten ist der Film durchgehend kurzweilig und man hat Vergnügen bei dieser sarkastischen Achterbahnfahrt einen Einblick in die chatosiche Welt der Werbebranche zu bekommen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. April 2009
Der leitende Werbefachmann Octave Parango ist ein Meister seines Fachs. Seine Produktvisionen finden das Käuferinteresse und das wissen die Hersteller und seine Chefs zu schätzen. So arbeitet und lebt Octave völlig losgelöst vom Establishment in seiner eigenen Welt und wird von seinen Mitmenschen wie ein Gott angehimmelt.

Erst als Octave sich verliebt und diese Liebe verliert, fängt er an seine Werte zu überprüfen und muss feststellen, das er immer ein Teil des von ihm verachteten Systems war. Das Ende kommt zweispurig, wie das ganze Leben von Octave daher und der Zuschauer hat die Wahl, sich das passende auszusuchen.

Die zynische Geschichte wird mit einem zwinkernden Auge erzählt. Es ist ein Frontalangriff auf die Konsumsucht und damit verbundene Wertearmut unserer Zeit. Der Protagonist nimmt einem Indikator gleich, alle schlechten Dinge in sich auf und fühlt sich richtig gut dabei. Am Ende richtet ihn das System auf die eine oder andere Art hin. Eine äußerst geschickte Umsetzung einer nicht ganz leichte Buchvorlage. Regie und Schauspieler leisten gute Arbeit.
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am 29. August 2014
Überall, wohin man blickt, gibt es Werbung. Man hört es im Radio, sieht es auf Plakaten, im Fernseher und ist täglich ein Teil davon. Unterbewusst kennen wir schon die immer gleichen Phrasen und Gesichter, die wir einem Produkt zuordnen können. Das ist das Ziel: Manipulation. Das Zuordnen eines Produkts auf eine bestimmte Lebenssituation. Das Wasser ist besonders frisch, das Fleisch besonders saftig, die Bluse besonders schön. Schönheit bestimmt die Branche.

In genau dieser Branche befindet sich Octave Parango. Er hat alles, was man sich an Oberflächlichkeiten wünschen kann: Erfolg im Beruf, viel Geld und schöne Frauen. Sein Leben, wild und von Drogen geprägt, verändert sich jedoch, als er seine große Liebe findet - und wieder verliert. Sein Schmerz lässt ihn erkennen, dass auch sein Leben mehr Schein als Sein ist. Als er dann befördert wird, will er seine Macht ausnutzen. Noch immer im Drogenrausch, schmiedet er Pläne, die Werbeindustrie zum Sturz zu bringen... doch ein Ende scheint es nicht zu geben.

Jean Dujardin als Octave spielt seine Rolle ausgezeichnet und auch seine Kollegen machen durchweg einen soliden Eindruck. Sie setzen die brilliante Geschichte wunderbar um. Die filmischen Mittel sind sehr vielfältig und durchdacht gewählt worden: Man kommt sich stellenweise vor, wie in einem langen Werbespot, durch die Musik und generelle Machart der Szenen. Auch kommen Sequenzen vor, die in Zeichentrick gehalten wurden, beispielsweise die Fahrt durch die Stadt im Drogenrausch.

Das Ende ist das beeindruckendste der ganzen Geschichte, doch ich verzichte auf nähere Erläuterungen, weil ich Spoiler vermeiden möchte. Doch der Satz "ein Ende scheint es nicht zu geben" ist wörtlich gemeint. Sowohl im Film, als auch bezogen auf die Werbung, die sich Tag für Tag und immer wieder in unsere Köpfe brennt.

Wenn ihr euch für diese Thematik interessiert, auf lebendige und etwas schräge Bilder und Dialoge steht - kann man den Film uneingeschränkt weiterempfehlen. Nein, dann ist es ein Muss, sich ihn anzuschauen. 5 Sterne.
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am 11. August 2014
Es wurde in den Kommentaren ja bereits viel geschrieben, daher versuche ich mich kurz zu halten.

Als Branchenmitglied entwickelte ich einen schnellen Zugang zu Octaves Lifestyle, der als Hauptfigur natürlich stark überzeichnet wurde. Innerhalb der ersten Filmhälfte werden einige Standardsituationen der Werbe- und Kreativindustrie bitterböse auf's Korn genommen, angefangen beim schwierigen Verhältnis zwischen Konzeptionisten und Verkäufern bishin zu vollkommen frustrierenden Kundenterminen. Allgegenwärtig natürlich auch immer der Vorwurf, eine Scheinwelt zu entwerfen, welche die Konsumgesellschaft (ob ihrer Unerreichbarkeit) langfristig in existenziell bedrohliche Depressionen stürzen wird. Soweit so abgedroschen, aber irgendendwie ganz interessant aufgezogen.

Ab der zweiten Hälfte verliert sich jedoch die Meta-Kritik im Nirgendwo, da der Film anfängt, sich allein auf Octave und sein narzisstisches, kaputtes Leben zu konzentrieren. Im Zentrum steht sein unglaubwürdig inszenierter Liebeskummer und vor allem seine (wahre) Liebe zu allerlei harten Drogen. In feinster "Fear and Loathing in Las Vegas"- oder "Trainspotting"-Manier werden hier visuelle Horrortrips zelebriert, die zwar handwerklich einwandfrei umgesetzt wurden, der Story aber keinerlei Mehrwert liefern. Hier wird im Grunde nur Effekthascherei betrieben, um davon abzulenken, dass dem Autoren offenbar die Ideen weggebrochen sind und/oder die alleinige Kritik an der Werbebranche keinen ganzen Film trägt. Drogen als einzigen Quell (und Nemesis) der Kreativität einzusetzen, ist weder orginell, noch wahr. Sie als (beruflich anerkanntes/akzeptiertes) Accessoire für Octaves Egomanie einzusetzen und für Seitenhiebe auf oberflächliche, teils latent homoerotische Arbeitsbeziehungen - das halte ich für mehr als durchkonstruiert und dementsprechend unglaubwürdig.

Daraus entwächst das Problem, dass der Film sich nicht entscheiden kann, ob er lieber den moralischen Zeigefinger gegenüber der Werbung und dem Konsum erheben möchte, oder er sich mit seinen surrealen Drogeneskapaden als eindimensionaler Szenefilm für spätpubertäre Teenager etablieren will. Diese "Unreife" und dieses "hin-und-her-gerissen-sein" mag Teil des Agenturlebens sein und auch den ewigen Konflikt zwischen ideologischer Kunst (der Kreative) und berechnendem Pragmatismus (der Kunde) repräsentieren, aber in dieser Form verbaut sich der Film (als Medium) das Potenzial einer echt guten Story-Entwicklung wie beispielsweise "Fight Club", der ja das Thema sehr zynisch-düster von der Konsumentenseite aus beleuchtet.

Das absurde, idyllische Ende passt auf kranke Art dann wieder in den Zyklus aus Untergang, Absolution und Wiedergeburt. Eine Redemption Story, die den Massen gefällt. Ich entschied mich dann doch lieber für den ersten Abspann, dann wäre der Film nämlich eine gefühlte halbe Stunde früher zu Ende gegangen und alle hätten das bekommen, was sie am Ende verdient hätten.
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am 16. April 2013
Hier weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so recht was ich dazu schreiben soll ausser das der Film schlicht und einfach großartig ist, auch wenn "leichte Kost" definitiv was anderes ist.

Abgedrehte Kamerafahrten und Einstellungen gepaart mit sexuell versauten Drogen-Sequenzen geben sich direkt die Klinke in die Hand mit Persiflagen - ja fast schon kritischen Auseinandersetzungen - über die Werbeindustrie und dem Lifestyle von Karriere-Menschen der heutigen Zeit und den daraus resultierenden "Werten" und kleinen wie großen Folgen und Katastrophen.

Hinzu kommt eine Geschichte die atmosphärisch dicht ist, zeitlich nicht geradlinig von A bis Z erzählt, sondern auch etwas verzwickter dargeboten wird und ein alternatives Ende inkl. interessantem Twist beinhaltet.
Das Ganze wird abgerundet durch sehr viele Liebe zum Detail, welche sich in kleinen Anspielungen, Slogans, Charakteren oder aber auch einfach nur im Hintergrund des Bildes ablaufenden Handlungen bemerkbar macht und einer gehörigen Portion unterschwelligem und schwarzen Humor.

Also unterm Strich eine ganz klareEmpfehlung von mir.
Filmkunst der ganz großen Sorte.
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am 16. September 2013
Sehr unterbewerteter Film. Diese Parodie der Werbebranche lebt durch den typischen Witz und Charme der französischen Filmkunst. Jean Dujardin ist ein wunderbarer Schauspieler. Wer „Thank You For Smoking“ kennt, wird diesen Film zu schätzen wissen!
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