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TOP 500 REZENSENTam 28. Januar 2008
Anfang der 90er erschienen in relativ kurzem Abstand zwei neue, im Konzept sehr unterschiedliche Gesamtaufnahmen der Meistersinger: Sir Georg Solti setzte in seiner zweiten Einspielung der Oper auf langsame Tempi und sehr scharfe dynamische Kontraste. Wolfgang Sawallisch dagegen, der 1 Jahr nach seinem Abschied als Generalmusikdirektor für diese Aufnahme noch einmal zu seinem Münchner Ensemble zurückkehrte, wählte durchgehend recht flotte Tempi und erspart einem auch den ständigen Griff zum Lautstärkenregler.

Trotzdem haben beide Dirigenten denselben Tenor gewählt, und das nicht ohne Grund: Ben Heppner schafft es, die technischen Fähigkeiten eines lyrischen Tenors mit der Kraft eines jugendlichen Heldentenors zu verbinden. Sein Stolzing ist endlich mal kein verhinderter Jung-Siegfried, der sich durch das Preislied brüllt, sondern er singt die Rolle so, wie ein Domingo oder Konya es wegen ihres starken Akzents nicht ganz konnten. Er allein würde den Kauf dieser Aufnahme lohnen.

Bernd Weikl hört man viele Jahre Erfahrung mit der Rolle des Sachs deutlich an: Er singt den Text ebenso selbstverständlich wie verständlich, ist ein sympathischer Sachs mit genau der richtigen Mischung aus Intelligenz und Volkstümlichkeit, bleibt dabei - gerade im problematischen Schlussmonolog - erfreulich unpathetisch. Dass er - Kehrseite der langjährigen Erfahrung - mit einigen Spitzentönen Probleme hat, stört da nur wenig.

Cheryl Studer ist eine sehr erwachsene Eva, die zeigt, dass Wagner ihre eigentliche Spezialität war. Siegfried Lorenz überzeugt als Beckmesser vor allem durch Ernsthaftigkeit und Musikalität: Er singt die Koloraturen seines "Preislieds" fast wie eine Bach-Arie und gibt der Rolle eine Würde, die ihr die meisten Konkurrenten (Geraint Evans!) leider verweigern.

Kurt Molls Stimme hat nicht mehr die Kraft seiner ganz großen Jahre, aber immer noch ihren schwarzen Samtklang, mit dem er einen sehr würdigen Pogner singt. Frisch und jugendlich schließlich klingt das Buffo-Paar van der Walt (David) - Kallisch (Magdalene). Die Nebenrollen sind ebenfalls hervorragend besetzt, teilweise mit späteren Stars (Pape, Schade, Wagenführer).

Die Sänger - und der ausgezeichnete Chor - werden auf dem weichen, runden, trotzdem transparenten Klang des Bayerischen Staatsorchesters sanft getragen, ohne je übertönt zu werden. Dadurch brauchen sie nicht so viel Kraft zu investieren und können natürlicher singen. Vor allem aber bleiben sie auch in den Finali verständlich. Das verstärkt ebenso wie die flotten Tempi den heiteren, komödiantischen Ton der Oper.

Und so hat sich Wolfgang Sawallisch nicht nur selbst ein sehr schönes Abschiedsgeschenk als GMD in München - mit "seinem" Ensemble - gemacht, sondern uns eine der heitersten, rundum überzeugendsten Gesamtaufnahmen der Meistersinger von Nürnberg überhaupt beschert.
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