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Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen27
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am 27. November 2013
Eigentlich hätte die Scheibe 1976 unter den Weihnachtsbäumen liegen sollen. Die Verantwortlichen in der Plattenfirma waren aber wie vor den Kopf geschlagen, als sie sie erstmals hörten. So sehr, dass sie Änderungen verlangten. Es spricht für David Bowie, dass er sich weigerte, darauf einzugehen. So erschien „Low“ erst Anfang 1977.

Eine düstere, unsichere, deprimierende Platte. Bowie war zurzeit der Aufnahme ein abgemagertes Gespenst, gezeichnet von Drogen und Schlafentzug. Umso erstaunlicher, dass ihm ein ganz großer Wurf gelang, vielleicht sein bester. Gleichsam eine Selbsttherapie.

Der große Sänger schweigt!

Gleich der Opener irritierte damalige Hörgewohnheiten. Gemeinsam mit Brian Eno (Ambient-Music) und Produzent Tony Visconti hat Bowie einen neuen Sound und neue Klangwelten erzeugt. Neben dem Einsatz von Synthesizern werden auch alle anderen Instrumente gehörig verfremdet. Daran hatten auch deutsche Bands wie Kraftwerk und Neu! ihren Anteil, die seit längerem mit elektronischer Musik experimentierten. Bowie hörte diese Sachen damals in Endlosschleife.

Der Sound steht im Vordergrund. Konsequenterweise sind 6 der 11 Stücke instrumental. Das erste Stück von Seite 1 verzichtet ebenso auf Gesang wie das letzte. Die B-Seite ist komplett instrumental. Und die wenigen Texte, die ihren Weg aufs Album fanden, sind so kurz, dass sie locker auf eine Zigarettenschachtel passen. Fragmente, mehr nicht.

Mit „Low“ beginnt Bowies sogenannte Berlin -Trilogie, wozu auch „Heroes“ und „Logder“ zählten. Ein größerer Gegensatz zu „Ziggy Stardurst“ ist kaum vorstellbar. Ein Top-Seller wurde „Low“ nie, aber es gilt heute als eines der wichtigsten Alben der Popgeschichte.

Die Wertschätzung, die Bowie dem Album noch Jahrzehnte später entgegenbrachte, zeigte sich auf seiner „Heathen“-Tour 2002: Er spielte die komplette „Low“ als Zugabe.

Meine persönlichen Favourits: „Speed Of Life“, „Always Crashing In The Same Car“ und “Warszawa”. Man muss sich in das Album mehrmals reinhören – dann aber macht es süchtig!
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am 25. Juli 2002
Als David dieses Album einspielte, fühlte er sich so wie es der Titel vermuten lässt: "Low". Er war nämlich gerade auf Kokain-Entzug.
Das Ergebnis, das er in diesem Zustand hervorbrachte, war auch für die Plattenfirma so irritierend, dass sie die Veröffentlichung bis Anfang 1977 verzögerte. Solch ein verunsicherndes Werk mochte sie denn doch nicht ins Weihnachtsgeschäft werfen.
Schon der Instrumental-Opener "Speed of Life" macht die Grundstimmung deutlich: Depression, elektronische Kälte, Destruktion. Jeder zaghafte harmonische Ansatz wird sofort von zerfetzenden Synthesizer-Klängen zunichte gemacht. Der Einfluß von Brian Eno macht sich besonders bei der Verwendung elektronischer Klänge auf dem ganzen Album bemerkbar.
Auch die anderen 6 Lieder der alten Vinyl-"Vorderseite" wirken merkwürdig unfertig: die Themen werden nur skizzenhaft angerissen und hinterlassen einen nicht zu Ende geführten Eindruck. Titel wie "Breaking Glass" oder "Always Crashing In The Same Car" lassen keine Zweifel daran, dass wir auch hier Einblicke in eine zerstörte, hoffnungslose Welt finden. Nur der Abschluß "A New Career In A New Town" versprüht einen zaghaften Hoffnungsschimmer.
Wer nun die "Platte" "umdreht", wird auf der "Rückseite" mit einem wieder ganz anderen Bowie konfrontiert. Hier finden wir 4 ruhige, im Gegensatz zu den anderen Songs relativ lange Stücke. Von ihrer Machart erinnern sie an Pioniere der Synthesizer-Musik wie Klaus Schulze: meditativ, kontemplativ, nicht zum Nebenher-Hören geeignet. Bowie zaubert hier ganz eigenständige Soundlandschaften - immer noch elektronisch kühl, aber nicht mehr so depressiv wie auf der ersten Seite. "Warszawa" soll zwar an das Warschauer Ghetto erinnern, aber "Art Decade" und "Subterraneans" sind nicht mehr ganz so dunkel.
Das Irritierendste ist aber: Alle vier Stücke sind Instrumentals (von den Quäkereien am Ende von "Warszawa" mal abgesehen)! Solch ein wundervoller Sänger wie David nimmt sich hier freiwillig zurück und zeigt, welche musikalischen Fähigkeiten sonst noch in ihm stecken.
"Low" war für David sicher ein Stück Selbsttherapie. Für seine Fans ist es ein gewöhnungsbedürftiges, aber dafür um so gehaltvolleres Meisterwerk. Ein sicherer Schritt in die Welt der elektronischen Musik!
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am 13. Juni 2011
"Low" - das Gegenteil von "High" gehört zu meinen absoluten Lieblingsalben. Es gibt kein anderen Album, was eine solche Stimmung verbreitet. Es ist besser als sein rauherer Nachfolger "Heroes". Dieses Album wurde übrigens nicht in Deutschland sondern weitgehend in Frankreich aufgenommen. Subtil vermittelt es eine Art von Depression die immer wieder durch viel Wärme in ein optimistisches Fazit mündet... Es ist eine unglaubliche Sensitivität in den häufig sehr direkten Arrangements. In "Low" fliesst alles in eine Art von Trauer - die Geborgenheit nicht nur verspricht - sondern spendet. Die erste Seite -die noch Texte enthält - spricht die Fatalität des Lebens aus - die zweite Seite bildet einen Kokon - indem der Schmerz eingebettet wird.... Ein seltsames Album - und wer sich darauf einlassen kann- dem hat es an einer wichtigen Stelle enorm viel zu geben... Über den Gesamtzusammenhang von Bowies Instrumentalwerk habe ich in meinem Buch David Bowie - Station to Station: Borderline-Motive eines Popstars einiges geschrieben.
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am 8. August 2005
Im Rahmen eines Interviews (etwa 1983) sagte DB einmal sinngemäß: „Wenn ich komponiere und Texte schreibe, tue ich es wie in einem Rausch. Mein Fehler ist, dass ich nachher immer versuche meine Texte zu analysieren. Aber das werde ich wohl nie lernen".
Diese Aussage mag wohl auf die meisten DB-Texte zutreffen, im Falle von „Low" trifft diese Aussage aber tatsächlich für Text UND Musik zu. Wenn man einen Song wie „Always crashing in the same car" hört, mag aber vielleicht bereits der Versuch einer logischen Analyse sinnlos sein. Das selbe gilt für „Sound and Vision" und selbstverständlich für die Instrumentalstücke des Albums. Wie schon ein anderer Rezensent vermerkte, ist die Grundstimmung des Albums „Depression, elektronische Kälte, Destruktion. Jeder zaghafte harmonische Ansatz wird sofort von zerfetzenden Synthesizer-Klängen zunichte gemacht. Der Einfluß von Brian Eno macht sich besonders bei der Verwendung elektronischer Klänge auf dem ganzen Album bemerkbar." Dennoch ist das Album keineswegs gefühllos. Wahlweise klingt es für mich so wie die „Seele einer Maschine" oder die „Mauern oder Maschinen" die wir zwischen uns Großstadtmenschen errichten. Wenn man Berichten über die Entstehungsgeschichte Glauben schenken darf, produzierte DB dieses Album in sehr kurzer Zeit sowie absolut drogenfrei (nach den drogenschwangeren Alben „Young Americans" und „Station to Station") und versuchte sich mit „Low" quasi selbst zu therapieren. Musikalisch gelang dies zumindest höchst eindrucksvoll.
Die elektronischen Stimmungsbilder des Albums überdauerten die Jahre jedenfalls problemlos und selbst im Jahre 2005 klingen die Berliner Klangfetzen überraschend aktuell. „Low" ist für mich zeitlose Avantgarde und wird aufgrund seiner abstrakten Texte und eindringlichen Stimmungsbilder wohl immer aktuell klingen.
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TOP 500 REZENSENTam 2. Juli 2009
Vorab: ich bin großer Bowie Fan, und mag vor allem die Berlin Alben sehr, aber:

Bis zu track Nr. 7 ist das eine der klanglich innovativsten und kompositorisch interessantesten Pop Platten die je erschienen sind. Bowie fing die Achtziger eben schon 1977 (tw. eigentlich schon 76 auf stationtostation) an, und deswegen verdient diese Scheibe absolut das Prädikat ,Meisterwerk': ,Warszawa' und ,Art Decade' genauso wie ,Subterranean Walls' aber, leben mehr von den Klängen, und von richtigen Kompositionen kann man dabei eigentlich nicht sprechen, denn die Stücke wirken so, als ob Sie nur aus sounds und arrangement bestehen. Offensichtlich probierte Brian Eno hier vorab schon mal seine ,Ambient' Visionen aus.

Der Rest aber wie gesagt ist schlichtweg großartig. Allen voran ,Soundandvision' das zu den wahrscheinlich 10 besten Popsongs überhaupt zu zählen ist; die spröden und aufwühlenden songs ,Breaking Glass' und ,What In The World', bei denen Komposition und Klang eine Symbiose eingehen und noch dazu rocken die Dinger.

Das Bemerkenswerteste ist aber, dass dieses Album einen viel elektronischeren Eindruck hinterlässt, als es tatsächlich war, denn hier gibt's noch genug Gitarren, echte drums, bass und sax. Es ist wenn man so will, kantiger wave-pop mit einem hohen Anteil von konventionellem Pop Instrumentarium.

Die Serie von Alben die Bowie beginnend mit ,1984' von Diamond Dogs bis Scary Monsters in diesen nur 6 Jahren hinlegte, ist nicht nur eine der innovativsten der Pop-Geschichte, sondern zeichnet sich auch durch eine bemerkenswert eigenständige und sich steigerende Weiterentwicklung aus.

Low war der Anfang der Kern-Trilogie, die soviel bewegte und soviele inspirierte, und schon aus diesem Grund muß man hier 5 Sterne geben - trotz des erwähnten Durchhängers gegen Ende.
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am 18. September 2004
..es ist 1976/77. Deutschland ist zwischen RAF-Terror und Discomusik (ABBA, Boney M.) hin- und hergerissen. Diese Zeit sucht sich ein Engländer, der die letzten beiden Jahren Soul (Young Americans) und Kokain ("Der Mann der vom Himmel viel", Hitlergruß ans wartende Publikum in London bei seiner Heimkehr) erforscht, um mit seinen neuen Bekannten Iggy Pop und Brian Eno in eine geteilte Stadt (Berlin) zu ziehen.
Und die Kombination aus Drogen(entzug), der Mauer und eben Eno ist auf dieser grenzgenialen Platte unüberhörbar. Aber Vorsicht! Das hier ist uneasy listening! Für Bowie Fans muss es ja fast ein Schock gewesen sein. Der Beginn einer Achterbahnfahrt, die bis heute noch nicht zu Ende ist. Nur 1 Jahr zuvor war der Ohrwurm Young Americans in der Hitparade, aber auf Low war kein Hit weit und breit zu sehen. Überhaupt haben nur 5 von 11 Liedern einen ordentlichen Text.
Die 1. Seite der LP (und so sollte man die Cd programmieren, mit Pause) beginnt mit "Speed of Life", einer rythmischen Instrumentalnummer, die auch auf "Stationtostation" gepasst hätte. Man wiegt sich schon in Sicherheit, aber dann geht's Schlag auf Schlag: "Breaking Glass" deutet eine sehr arge Geschichte an, "What in the world" ist ein Iggy/Bowie Duett, das kaum optimistischer ist. "Sound & Vision" klingt im Vergleich dazu fröhlich, aber "Always crashing the same car" muss ein sehr schlimmer Entzugsalbtraum gewesen sein. Das letzte Stück mit verständlichem Text ist das seltsame "Be my wife", beginnt mit dem Satz "sometimes I get so lonely" und endet mit "Sometimes you get so lonely". Überhaupt ist Einsamkeit die dominierende Stimmung.
Auch auf der "instrumentalen" Seite 2, die eigentlich nicht ganz instrumental ist. Das grandiose "Warszawa" (Joy Division nannten sich nach diesem Lied zunächst Warsaw) und "Subterraneans" sind in einer schönen, aber unverständlichen Fantasiesprache geschrieben, eine Idee von Eno. Überhaupt ist der Einfluß von Eno auf Seite 2 am stärksten zu hören (eben die instrumentalen Nummern). Aber auch sonst hat sich Bowie einiges abgeschaut, was ihn teilweise bis heute begleitet und das ist gut so!
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am 20. April 2013
Low ist und bleibt eine der besten Alben von David Bowie. Für das Jahr 1976 sind die einzelnen Songs sehr modern und wirken heute noch zeitloser denn je. Der Aufbruch hin zur elektronischen Musik wird hier greifbar. "Where are we now" singt Bowie 2013. In gewisser Weise stehen Bowie selbst sowie eine Vielzahl von Musikern und Bands noch musikalisch auf den Schultern dieses Albums.
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am 3. Januar 2000
Die Platte "Low" ist eine meiner all time favourites von David Bowie, die beste aus der Berlin-Zeit. Original 1977 herausgekommen, wurde sie nun, wie es sicher mittlerweile scheinbar gehört, digitally remastered. Trübe Stimmung ("sometimes it gets so lonely...") herrscht hier vor allem bei den letzten Songs und viel Melancholie, meisterhaft in Klänge umgesetzt: "a gift of sound and vision" - eines der besten Lieder. Wer genau hinhört, wird auf dieser Platte auch Bowies alten Kumpel Iggy Pop im Hintergrund vernehmen. Brian Eno ist auch dabei. "Always crashing in the same car" scheint mir die Essenz der Platte zu sein - aber darüber lässt sich sicher streiten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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TOP 500 REZENSENTam 9. Februar 2013
Ich weiß nicht, wie oft ich mir das Album schon anhörte- und das über viele Jahre.
"Low" ist zeitlos und schön, jedoch kein Album für jeden Anlass. Man muss sich auf die überwiegend melancholische Stimmung (textlich, gesanglich und tw auch musikalisch) des Albums einlassen können.
Doch in der richtigen Verfassung taucht man ganz tief in in eine melancholische, sehnsuchtsvolle und sehr emotionale Stimmung ein.
Was auf manche Rezensenten (nur) düster und kühl wirkt, empfinde ich zwar dunkel, aber sehr emotinal. Klar wirkt Bowie depressiv und der damals schwer Kokainabhängige Bowie bezeichnete die Zeit 74-76 als "the darkest days in my life". Dennoch nannte er erstaunlich oft "Low" als eines seiner besten Alben.

Da ist der auch heute noch bekannte Hit "Sound And Vision": melodisch und eingängig singt Bowie, mal tief und leise, mal laut und hell über "Drifting into my solitude Over my head" wo er frustriert auf neue Ideen wartet.

"Always Crashing In The Same Car", ich erspare mir die Interpretation- die bei der cut-up-Technik eh etwas müsig ist-, wirkt ruhig und verloren. Mich berührt der Gesang, die Stimmung und die Textfragmente wie kaum ein anderer Bowie-Song.

In "Be My Wife" singt der damals noch mit Angela verheiratete Bowie über seine Einsamkeit und Sehnsucht nach einer Frau, die bei ihm bleibt und sein Leben teilt.
Auch in "What In The World" geht es um Sehnsucht, die in dem Fall eher wenig romantisch wirkt. Er ist eben in der Stimmung für die Liebe mit dem "just a little girl with green eys".

Ab dem 7. Stück nutzt Bowie seinen Gesang eher wie ein Instrument. Eingewoben in die synthetischen Klänge, bedient er sich einer Fantasiesprache, was aber sehr harmonisch wirkt. Inspiriert durch deutsche Bands wie Kraftwerk, Can, Neu! und andere, schafft er eine sehr spezielle und reizvolle Atmosphäre.
Im Vergleich zum Vorgängeralbum Station to Station, das durch düstere, nihilistische, wenn auch schöne Stücke, besticht, wirkt "Low" auf mich fast ;-) selbstreflektierend und gefühlvoll. Und wie sagte Bowie mal, Kunst wird erst dadurch zu Kunst, was es in dem Betrachter auslöst. Hoffe er gesteht das auch seinen Zuhörer zu. Für mich ist "Low" ein sehr persönliches Album, lasst mir den Glauben! ;-)

Zeitlos und klasse!
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am 8. Februar 2016
1977 war ein eigentümliches jahr für viele musikbegeisterte junge leute. der prog rock war gerade dabei, sich zu verabschieden bzw. zu einer seltsamen art von mainstream zu mutieren, punk meldete sich deutlich zu wort, um demnächst die regierung über die rockwelt zu übernehmen und allgemein herrschte eine gewisse verunsicherung darüber, wie es eigentlich weiter gehen sollte. ausgerechnet jetzt wandte sich bowie konsequent elektronischen experimenten zu, nachdem fast alle sich einig waren, dass es sich eigentlich um schnee von gestern handelte. oder doch nicht? aus heutiger sicht wirkt "low" wie eine prophetische vorausschau auf die achtziger, in denen elektronik und pop eine neuartige verbindung eingingen, die recht lange die szene beherrschte. bowie kann mit "low" als einer der vorreiter gelten, obschon bei ihm alles sehr viel rockorientierter, experimenteller, meditativer und stilistisch abgefahrener daher kommt. das album wartet mit einem hit auf - "sound and vision", der auf jeder anderen bowie-scheibe ebenso hätte auftauchen können. die erste hälfte des albums wird von bowie-songs im krautrock-gewand gefüllt - oder dem, was bowie darunter verstand. manches klingt tatsächlich so, als hätte er es mit ein paar langhaarigen deutschen in einem berliner keller aufgenommen. hier legt er sich das mäntelchen elektronik wie ein für ihn neues, interessantes outfit um. die zweite hälfte wird von eher meditativen klängen bestritten, zu denen er kaum singt, und wenn doch, dann nicht in der üblichen manier, sondern eher wie ein weiteres instrument, das den sound mitträgt. aus all diesen soundmalereien ragt sicher das mit Brian Eno zusammen komponierte "warszawa" heraus, das auch lang genug ist, um mit seiner lyrischen stimmung den hörer völlig für sich einzunehmen. es ist faszinierend, wie bowie es versteht, das jahrelang vorher von pink floyd bis krautrock gehörte in sich aufzunehmen und neu zu beleben. hier werden nicht einfach ausgelutschte sounds in die waagschale geworfen, sondern ein abwechslungsreiches klangbild gemalt, und der hörer darf dabei sein, während es geschieht. tanzbarkeit, meditation, psychedelik, theatralik und stil gehen in diesem album eine vorher nicht gehörte symbiose ein, die zuerst aufscheucht, um dann sanft in den schlaf zu wiegen. das muss bowie erst einmal jemand nachmachen. wieder einmal hat er einen stil assimiliert, ohne ihn zu kopieren, wieder einmal ist es ihm gelungen zu überraschen und zu überzeugen, ohne rücksicht auf die erwartungen des hörers zu nehmen. Das allein verdient schon 5 sterne - doch es handelt sich um "low", ein ausnahmealbum, selbst nach bowie's maßstäben. diese musik kann so oft gehört werden, wie man will, sie wird immer wieder etwas bereithalten, was der hörer noch nicht entdeckt hat. von wie vielen platten kann man das schon wirklich sagen?
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