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5.0 von 5 Sternen Traumpaar Varnay - Rysanek, göttlich!, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Elektra (Audio CD)
Elektra, eine der anspruchsvollsten Opern überhaupt, lebt nicht völlig ausschließlich von der Sängerin der Titelpartie; sehr wichtig für den Gesamteindruck sind die Sängerin der Chrysothemis und der Klytämnestra sowie der Sänger des Orest. Nur wenn diese Partien sehr gut bis exzeptionell besetzt sind und der Dirigent nicht nur meint, die Lautstärkegrade nach oben offen zu halten, kann eine Aufführung entstehen, die mitreißt. So geschehen im August 1953 im Radio des WDR.
Astrid Varnay ist eine Legende, die leider kaum kommerzielle Aufnahmen hat machen können, was sicherlich zum Großteil an der Beschaffenheit ihrer individuellen Stimme lag: Ein dunkel getönter dramatischer Sopran mit sehr gutem Tiefenfundament, einem eigenen Timbre, in ihren Glanzjahren eine strahlende und sichere Höhe bis zum C, eine hervorragende Textverständlichkeit, eine sehr gute Technik mit der Fähigkeit zu Legato und Modulation der einzelnen dynamischen Stärkegrade, und nicht zuletzt die wunderbare Durchdringung des Textes durch Imagination und Intellekt, alles zusammen macht sie unter den dramatischen Sopranen zu einem Unikum. Wenn sich auch manche Stimmgourmets am Klang ihres Soprans (vor allem der Höhe) stören, und da gibt es durchaus Töne, bei denen auch ich zustimmen würde, angesichts des Gesamtpakets finde ich dies nebensächlich, zumindest in den Jahren bis ca. 1958, denn bis dahin spielt dies keine Rolle. Ihre Elektra von 1953 ist die dritte Aufnahme nach der sensationellen von 1949, ihrem Debüt unter Mitropoulus in NY und der unter Reiner 1952 aus der MET. Die Interpretation ist nicht wesentlich geändert, aber man hört mehr Reife in der Stimme, einige Details sind anders gestaltet oder gesungen, die Reaktionen auf die Gestaltung der Rysanek und der Fischer haben sicherlich auch Anteil an kleinen Unterschieden, genau das macht ja auch den Reiz aus, wenn eine Sängerin variiert und an der Feinabstufung einer Interpretation arbeitet. Wie in den anderen Aufnahmen ist Frau Varnay für mich die Elektra der Elektras: Sie beherrscht die Partie scheinbar mühelos, hat eine Unzahl an Ausdrucksfarben und Variationen in der Dynamik, ein In-Eins von Text und Ton, satte Töne in allen Lagen, und in den Höhepunkten eine siegessichere leuchtende Höhe. In der Erkennungsszene ist sie wunderbar nuancenreich in ihrem Elend und der Erinnerung, die Stimme jubelt eruptiv "Orest", wird dann aber weicher und weicher, leiser, schimmernd, fast zart, mit Schwelltönen von laut zu leise und umgekehrt gestaltet sie diese Minuten mirakulös sensibel, erschütternd, eine Glanzleistung!
Phantastisch Leonie Rysanek als Chrysothemis: Für mich die Inkarnation dieser Partie, diese strahlenden, großen und von innen lodernden Töne (vor allem in der bombensicheren hohen und höchsten Lage) sind unglaublich und absolut einmalig, sie spiegeln den sehrenden Wunsch nach Kindern, aber natürlich ebenso das Leid der Schwester wider. Hinzu kommt ein schönes Legato und die Piano-Kunst. Allein das Zusammentreffen dieser beiden Stimmen machen die Aufnahme zu einem Klassiker, denn es gibt nicht viele Dokumente gerade dieser Oper, in denen die Protagonistinnen auf einem Niveau und in stimmlicher Vollblüte erlebbar sind.
Hans Hotter bringt neben seinem einzigartigen Timbre seine Gestaltungskunst und das natürliche Volumen für den Orest mit. Die Stimme klingt voll, nicht nasal, schwingt gut und macht die Szene mit Elektra-Varnay zum Höhepunkt, so wie es sein soll und komponiert worden ist. Res Fischer, eine nicht mehr allzu bekannte Altistin, ging schon auf die 60 zu, als sie die Klytämnestra hier interpretierte. Das sage ich jedoch nicht, um ihre Leistung zu schmälern, im Gegenteil: In diesem Alter und nach Partien wie Amneris, Eboli, Brangäne und Ortrud klingt die Stimme erstaunlich unverbraucht. Sie hat eine dunkle Altfarbe, satte Töne in den tiefen Lagen der Partie, und die Register sind gut verbunden. Die hohen Töne singt sie stark und mit guter Absicherung durch den Atem. In der großen Szene Klytämnestra - Elektra gestaltet sie souverän die Zerfallen- sowie Zerrissenheit der Partie, wobei die Farben des Gesangstons durch den klar artikulierten Text untermalt werden. Nach dem Ausbruch Elektras "Was bluten muß?", den die Varnay angsteinflößend furios herausschleudert (gesungen, nicht geschrieen und geschüttelt!), kommt der Augenblick des vermeintlichen Sieges und das Lachen der Mutter, das sowohl dämonisch wie herrisch-hysterisch klingen sollte, dies gelingt der Fischer nicht ganz so überzeugend wie später der Varnay, aber es passt zu ihrer gesungenen Figur. Unglaublich und erschütternd erklingen die Todesschreie der Klytämnestra, wenn das Res Fischer höchstselbst war, dann alle Achtung, das ist Theater pur!
Der Aegisth von Helmut Melchert ist kein Held, aber er erreicht über die Gestaltung des Textes eine überzeugende Wirkung eines Verirrten und Jämmerlichen. Die Stimme klingt hell, dynamisch abwechslungsreich und nicht ganz so strahlend in der Höhe wie man es sich wünschen würde.
Richard Kraus leitet das Orchester des WDR, und er tut dies mit großer Übersicht, Spannung und einem feinen Sinn für die Steigerungen und dem Innehalten der Partitur. Alles wirkt stimmig, er lässt das Orchester schwelgen und explodieren, heulen und klagen, siegreich jubeln und farbig leuchten in den atonalen Klanggemälden der Mutter-Tochter-Szene. Die Musiker spielen auf hohem Niveau. Immer ist das Orchester gut im Monoklang ausbalanciert, es klingt gegenüber den Sängern räumlich zurückgesetzt, das hat den Vorteil, dass auch bei den lautesten Stellen die Sänger nicht zugedeckt werden. Eine Wohltat im Vergleich zu den Knalldirigaten manch berühmterer Pultkollegen. Der Klang ist selbst bei lautem Hören über Kopfhörer nicht getrübt oder überdreht, was Spass macht, um den etwas dumpfen Eindruck bei mittlerer Lautstärke zu umgehen.
Summa summarum: Wer nach einer mitreißenden und luxuriös besetzten Elektra sucht, bei welcher die Hauptpartien wirklich künstlerisch und gesanglich beherrscht werden, und wer keine Scheu vor Monoklang hat, muß hier zugreifen!
Wer auf modernen Klang aus ist, kann sicher orchestral glücklich werden, aber leider nie erfahren, wie die Oper klingen kann, denn die neueren Aufnahmen haben leider immer mehr als ein Manko, und das ist meistens auch die Sängerin der Titelpartie.
Tja, und welche der Varnay-Elektras ist jetzt die beste? Aufgrund der Besetzung und des Dirigats würde ich diese Aufname empfehlen, als Fan von Astrid Varnay besitze ich alle, da jede für sich eine Meisterleistung der Titelpartie darstellt!
Sorry für so viel Text, viel Vergnügen jetzt allen Käufern dieser Aufführung, Sopranjubel und Spannung sind garantiert, ein Fest!
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Elektra
Elektra von Astrid Varnay (Audio CD - 2009)
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