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Kundenrezensionen

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am 17. September 2008
Wie, bitteschön, soll ein Film über einen Mann, der von Kopf bis Fuß gelähmt ist, sich nicht bewegen, nicht essen, nicht sprechen kann, ein Film der noch dazu auf einer wahren Begebenheit beruht, Mut machen und eine Liebeserklärung an das Leben sein? Einzig sein linkes Auge gehorcht dem Gehirn, wo das Leben gefangen gehalten wird, und dessen Macht über den Körper verloren ging. Ein ewiger Horrorfilm, oder nicht? Es erschien seltsam, dass Filmkritiker darin so viel Positives finden konnten. Schmetterling und Taucherglocke. Ich war verwirrt und gespannt.

Der New Yorker Maler und Regisseur Julian Schnabel verfilmte den gleichnamigen autobiografischen Roman des ehemaligen "Elle"-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby ohne Klischees. Und eigentlich sollte es ein Werk über die weibliche Rache werden, doch es kam anders. Gefangen in einer Taucherglocke bekommt Bauby vom Verlag eine Übersetzerin zur Seite gestellt, der er seine Memoiren diktiert. Ein Zwinkerkommunikationssystem zur Verständigung ist bald gefunden - denn das, was sich in der Taucherglocke bewegen lässt, ist sein linkes Auge.

"Ich will sterben" ist der erste Satz, den Bauby mittels dieses einzigartigen Systems hervorbringt. Doch Jean-Do überlegt es sich schließlich anders und entdeckt, dass zwei weitere Aspekte seines Menschseins nicht gelähmt sind - seine Fantasie und sein Gedächtnis. Erst ab diesem Zeitpunkt sieht man Jean-Dominique Bauby auch als Person - der Blickwinkel wechselt. Waren zu Beginn des Films verschwommene, wirre Bilder aus der Perspektive des lebenden Auges vorherrschend, wird man nun wie durch einen Sog in eine Welt von Bildern gezogen, die durch ihre Gewalt und zugleich ihre Zärtlichkeit überwältigend sind. Jean-Do reist mit uns durch Erinnerungen und erfindet seine eigenen Welten. Er schlürft sinn-lich mit seiner bezaubernden Übersetzerin Austern in einem Nobelrestaurant während in der Realität künstliche Nahrung durch die angehängten Schläuche langsam seinen Magen füllt.
Der Film thematisiert das Finden und Erfinden von Möglichkeiten. Bauby, der seinen Kindern nie wieder durchs Haar streichen wird können, der erfüllt von Trauer über diese Tatsache ist. Der sich aber auch denkt, dass ein kaputter Vater besser als gar keiner ist. Ein Vater, der immerhin mit seinen Kindern das "Galgenspiel" (das mit den Buchstaben!) spielen kann.

Was hier entstanden ist, fühlt sich letztlich an wie das Gegenteil von Rache. Ein großartiges Vermächtnis über die Versöhnung mit dem Schicksal. Mehr noch als das - es ist tatsächlich eine wunderschöne Liebeserklärung an das Leben. Ein Leben, das intensiver nicht sein könnte. Voller Träume, Erinnerungen, Sehnsüchte und Selbstironie und dabei so gar nicht kitschig.
Ein Film, der sich schwer in Worte fassen lässt, den man spüren muss. Der die Frage "Und, wie hast du den Film gefunden?" am Ende unnötig macht. Der erstmal sprachlos macht. Bei dem der nüchterne Ausdruck "Ressourcenorientierung" absolut nichts verloren haben, obwohl mir kein besseres Beispiel dafür einfällt, das eindrücklicher zeigt, was dieser Begriff eigentlich bedeuten kann.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. September 2008
Regisseur Julian Schnabel ist mit diesem ergreifenden Film ein Meisterwerk gelungen. Schmetterling und Taucherglocke ist ein überwältigendes Kino, das auf den Bestseller-Memoiren des am Locked-in-Syndrom erkrankten, ehemaligen französischen Elle-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby basiert, der in monatelanger Arbeit seine 1997 erschienene gleichnamige Autobiografie nur mithilfe eines Alphabets realisierte, das ihm vorgelesen wurde und auf das er mit dem Blinzeln seines funktionierenden Auges reagierte. SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE ist eine emotionale, einzigartige Liebeserklärung an das Leben, auch wenn es von Schicksalsschlägen heimgesucht wurde. Mit grandiosen Bildern und den glanzvollen Leistungen von hervorragenden Schauspielern wie Amthieu Amalric, Emmanuelle Seigner und dem grossen Max von Sydow ist der Film zurecht mehrfach preisgekrönt und zeigt die Menschlichkeit aus einer völlig neuartigen Perspektive.

Zum Inhalt:
Der ehemalige französische Elle-Chefredakteur Jean-Dominique Bauby ist 42 Jahre alt, als er urplötzlich aus seinem gewohnten Leben mit all seinem Glamour und Style gerissen wird. Mit dem Blinzeln seines Auges diktiert Bauby seine Memoiren und lässt darin nicht nur sein Leben Revue passieren, sondern auch ganze Gedankenwelten entstehen, die ihn erkennen lassen: Glück bedeutet zu realisieren, dass man liebt und geliebt wird.
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am 11. Oktober 2009
Nach einem Hirnschlag bis auf das linke Auge vollständig gelähmt in einem Krankenhausbett aufzuwachen, ohne Erinnerung daran, was vorgefallen ist, oder einer Vorstellung, wo man sich befindet: Ein Alptraumszenario, das für Jean-Dominique Bauby - dem ehemaligen Chefredakteur des französischen Magazins Elle - zur bitteren Wahrheit wurde. Gefangen in einer Taucherglocke, betroffen vom seltenen Locked-In-Syndrom.

Fürs erste wirft der Film den Zuschauer mitten hinein in diese Szene, in den Moment, als Bauby erwacht. Man verfolgt seine ersten Eindrücke aus der Ich-Perspektive, so als läge man selbst dort. Man hört seine Gedanken aus dem Off, die seine ganze Panik widerspiegeln. Erst nach und nach erfahren wir in Rückblenden oder anhand von Gesprächen mit alten Weggefährten mehr über die Person Bauby, der einst ein Lebemann war, erfolgreich, vermögend, Vater zweier Kinder, aber auch geschieden von seiner Frau.

Anhand einer Betreuerin, die ihm einzelne Buchstaben vorliest, welche er mit einem Blinzeln bestätigt, lernt er auf eine neue Art zu kommunizieren, sich der Welt mitzuteilen. Sein erster Satz lautet: "Ich will sterben", woraufhin die Betreuerin in Tränen ausbricht. Emotional zerreißende Szenen wie diese gibt es viele. Bauby nimmt Abstand von seinem anfänglichem Verlangen nach dem Tod, mehr noch: Nur mithilfe seines linken Augenlides diktiert er ein ganzes Buch, seine Autobiografie, welche unmittelbar vor seinem Tod erschien und die Vorlage für diesen Film ist.

Hier muss übrigens folgendes angemerkt werden:
Zugunsten einer besseren Dramaturgie, einer größeren emotionaleren Wucht, wurde im Film eine kleine, aber nicht unwichtige Veränderung im Gegensatz zur Autobiografie vorgenommen. Baubys Exfrau hatte maßgeblichen Einfluss auf die Verfilmung, und so darf es dann auch nicht wundern, daß sie in "Schmetterling und Taucherglocke" sehr gut wegkommt, denn sie ist es, die einst von Bauby betrogen wurde, nach dem Hirnschlag aber viel Zeit an seinem Krankenbett verbringt und ihm beisteht, ganz im Gegensatz zu Baubys Geliebter, mit der er eine Affäre hatte, die im Film nicht einmal Bauby besucht und sehr kalt und herzlos wirkt. Stellenweise möchte man in Tränen ausbrechen, angesichts der Charakterstärke seiner Exfrau, die einst gedemütigt wurde.

Im wahren Leben aber, so steht es im Buch geschrieben, war es Baubys damalige Geliebte, die ständig an seinem Bett weilte und ihm beistand, wohingegen der Kontakt zu seiner Exfrau nahezu vollständig abgebrochen war. Ich habe von dieser verfälschten Darstellung erst im Nachhinein erfahren, und es stieß mir bitter auf, mit welcher Dreistigkeit hier Tatsachen verdreht wurden. Habe mich dennoch dafür entschieden, den Film eigenständig und unabhängig von der Romanvorlage zu betrachten und zu bewerten.

Regisseur Julian Schnabel hat den Film mutig und erfrischend experimentell inszeniert. Nahezu den kompletten Film über verweilt die Kamera in der Ich-Perspektive, als säße der Zuschauer hinter dem noch intakten Auge Baubys und starre aus diesem hinaus in die Welt. Das Bild verschwimmt, wird unscharf wenn Bauby das Auge tränt, oder färbt sich immer wieder für den Bruchteil einer Sekunde schwarz, wenn er blinzelt. Eine beklemmende, düstere Perspektive, vom Kameramann virtuos umgesetzt.

Vor allem die ungewohnte Kameraarbeit hebt "Schmetterling und Taucherglocke" aus der Masse ähnlich tragischer, rührender Geschichten heraus. Man ist als Zuschauer ebenso gefangen wie Bauby, eingeengt und kann sein Leiden zumindest teilweise nachvollziehen. Von "Sehvergnügen" kann zwar nicht unbedingt die Rede sein, der Film ist aber alles andere als niederschlagend. Baubys Stimme kommentiert den ganzen Film über das Geschehen, und lockert die Stimmung mit seinem trockenen Humor auf. Auch der Umstand, daß er noch genug Kraft und Lebenswillen aufbrachte, um seine Biografie zu diktieren, lässt erahnen, daß es ein Film voller Hoffnung ist, und auch in einem schlimmstmöglichen, alptraumartigen Szenario noch lebensbejahend ausfällt.
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am 7. August 2008
Ein Film, der sich vor allem um die Liebe dreht, um das Leben, um das Glück, vom Glück lebendig zu sein. Er beschäftigt sich mit scheinbar ganz einfachen, elementaren Dingen: mit dem Sehen, dem Hören, dem Erzählen, dem Wahrnehmen der Welt um sich herum, mit Menschen, mit Männern und Frauen, mit Räumen, mit Landschaften, mit Erinnerungen, mit Geschichten, mit Ängsten und mit Freuden.

Und immer wieder geht es um die Liebe; um die Liebe zwischen Männern und Frauen, um die Liebe in der Ehe und die Liebe ohne Ehe, um die Frauen im Leben der Hauptfigur und um die ganz besondere Liebe zwischen Eltern und Kindern.

All diese Erfahrungen beschreibt der Film mit großer Offenheit, mit fast kindlich unschuldigem Staunen, so wie jemand wahrnehmen würde, der alles zum ersten Mal erlebt, der die Welt entdeckt, sich selbst, seine Umgebung, seine Grenzen, seine unendlichen Möglichkeiten. Aber er erzählt all dies auch aus einer ganz besonderen, radikalen Perspektive: aus der Sicht eines kranken Menschen.

Und es gelingt dem Film, aus einer Leidensgeschichte, aus einem Unglück, aus einer persönlichen Katastrophe eine ungeheuer berührende, versöhnliche, hoffnungsvolle Hymne an das Leben und an die Liebe zu machen.

Das erreicht er, indem er die Zuschauer mit auf eine berührende Reise nimmt, indem er die Welt zunächst nur über die Augen und die Ohren des Verunglückten darstellt und diese Eindrücke erst nach und nach mit Erinnerungen, Fantasien und Rückblenden ergänzt. Durch diese Darstellungsweise finden die Zuschauer zusammen mit der Hauptfigur zu einer zunächst als schmerzhaft begrenzt empfundenen, aber bald umso intensiveren, offeneren, sensibleren Wahrnehmung ihrer selbst und ihrer Umgebung.

Dieser Film stellt radikale und grundsätzliche Fragen, eröffnet mit verstörender Emotionalität und Sinnlichkeit die Chance, nicht nur mit dem Betroffenen unmittelbar mitzufühlen, sondern darüber hinaus das eigene, vermeintlich so sichere, so erklärbare, so vorhersehbare und doch oft so oberflächliche und flüchtige Bild von sich selbst, den anderen und der Welt insgesamt zu überdenken und womöglich zu ändern.
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. Dezember 2008
schmetterling und taucherglocke ist wahrscheinlich einer der besondersten und besten filme des vergangenen jahres, soviel sei am anfang gesagt. es ist beeindruckend, mit welchem ideenreichtum und mit welcher kreativität der regisseur an werk ging.

die ersten ca 30 minuten erlebt man die geschenisse aus der "egoperspektive" des hauptcharakters. als zuschauer bekommt man dann die eindrucke des gelähmten protagonisten dann quasi aus erster hand. man fühlt sich also direkt in die hauptfigur rein. das ist sowohl eine gute idee als auch eine gelungene umsetzung des regisseurs.also von der inszenierung her volle punktzahl und daumen hoch für den mut des regissuers diese unkonventionelle machart anzuwenden.
ebnefalls zu loben sind die darsteller, die ihre figuren sehr glaubwürdig spielen.

was mich persönlich sehr überrascht hat ist, dass während des gesamten films, der ja eigentlich ein trauriges und ernsthaftes thema bearbeitet, keine trauerstimmung verbreitet wird und nie zu sehr auf die tränendrüse gedrückt wird. ich hätte im vorfeld erwartet, dass sich der protagonist selbst bemitleidet usw. stattdessen ist der film humorvoll und optimistisch mit teilweise ernsthaften untertönen, die aber nie zu aufdringlich wirken. ich war positiv überrascht und kann den film im großen und ganzen empfehlen.

dennoch ziehe ich einen punkt ab, da ich zum einen finde, dass der film kleinere längen aufweist(aber das passiert doch fast bei jedem ruhigen film) und zum anderen das ende sehr abrupt fand. zweiteres kann aber auch daran liegen, dass auf der dvd verpackung eine laufzeit von 153 minuten angegeben ist, der film aber faktisch 103 minuten geht. die angegeben laufzeit ist inklusive bonusmaterial.

fazit: auf jeden fall einer der besten filme des jahres und trotz einiger längen sehr zu empfehlen....
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am 23. März 2010
Eine Frau blickt konzentriert in die Kamera. In der Hand hält sie eine Tafel, auf der die Buchstaben des Alphabets nach der Häufigkeit des Vorkommens im französischen Sprachgebrauch abgebildet sind. Sie buchstabiert das Alphabet herunter und stoppt genau bei dem Buchstaben, bei dem die Kamera einen Wimpernschlag suggerierend ganz kurz abblendet. Sie wiederholt den Vorgang bis sich ein Wort ergibt. Diese Form der Kommunikation ist Jean Dominique Baubys einziges Fenster zur Außenwelt, durch das der Zuschauer aus der Sicht der subjektiven Kamera mit Bauby zusammen ebenfalls hindurchsieht. Der gefeierte Chefredakteur des Modemagazins Elle ist mit nur 42 Jahren durch einen Schlaganfall fast vollständig gelähmt. Er leidet am Locked-In-Syndrom und kann nur noch sein linkes Augenlid bewegen. Der ehrgeizige Zyniker, dem beruflich bis dahin alles gelungen war, lernt in den endlosen Wiederholungen der Abläufe im Krankenhaus was Verzweiflung ist. Baubys Stimme aus dem Off gibt seinen inneren Monolog wieder und begleitet frei von Selbstmitleid die langsame Wandlung seiner Lebenseinstellung. Metaphorische Bilder wie das Versinken eines Mannes im Wasser in einer Taucherglocke oder das Abrutschen eines riesigen Eisgletschers imaginieren die Hilflosigkeit Baubys, der gefangen in seinem reglosen Körper und abgeschnitten von der Außenwelt der Unabwendbarkeit des Schicksals ins Auge blickt. Es bleiben ihm nur noch die Fantasie und eigene Erinnerungen an die Zeiten jenseits der Lähmung, um dieser Taucherglocke zu entkommen. In dieser hilflosen Lage wird ihm in einer Sammlung aus Gedanken sein bisheriges Leben als Anreihung von Misserfolgen bewusst: Die Frau, die er nicht lieben konnte. Chancen, die er nicht wahrnahm. Glücksmomente, die er sich entgehen ließ. Manchmal bedarf es eines Unglücks, um sich seiner wahren Natur bewusst zu werden. Was ihm jetzt noch bleibt, ist mit dem verbliebenen Auge reden zu lernen, um mit mühseligem und gezieltem Blinzeln seine Memoiren für die Nachwelt zu diktieren.

Die wahre Geschichte Baubys hört sich an wie der Stoff zu einem düsteren Melodram. Der Film ist jedoch alles andere als plakatives und sentimentales Betroffenheitskino. Raffiniert und scharfsinnig zieht Regisseur Julian Schnabel den Zuschauer in sarkastischen und ironischen Monologen aus dem Off in Baubys spontane und geistreiche Gedankenwelt, die im ersten Teil des Films fast ausschließlich aus der subjektiven Ich-Perspektive geschildert wird. Janusz Kaminskis visionäre Kameraführung ermöglicht dabei eine vollständige Identifikation mit Bauby. Die zwei gutaussehenden und engagierten Therapeutinnen schlagen als ironisches Bindeglied die Brücke zu den Frauengeschichten seiner Vergangenheit. In der zweiten Hälfte des Films wechselt die Erzählposition dann zunehmend in die äußere Objektivierung des Protagonisten. Der Handlungsstrang in der Klinik wird immer wieder von einem traumhaft komponierten Kaleidoskop aus Baubys Fantasie durchbrochen. Es sind Sequenzen, die symbolisch den freien Geist assoziieren und dessen Trennung von dem an Schläuchen gebundenen gelähmten Körper, in dem Bauby hilflos gefangen ist. Anekdoten aus der Vergangenheit bebildern die liebevolle Vater-Sohn-Beziehung und das Verlassen seiner Familie für eine Geliebte, die ihn in seiner jetzigen Situation nicht einmal besuchen will. Im kontrastreichen Wechsel stellt Schnabel in dieser Hymne auf die Menschlichkeit die Vergangenheit des oberflächlichen Medienzars seiner qualvollen und eingeschränkten Gegenwart gegenüber. Bauby wird exzellent von Mathieu Amalric verkörpert. In Nebenrollen sind Max von Sydow und Emmanuelle Seigner zu sehen. Auszeichnungen für die beste Regie verdiente sich der Film 2008 bei den Golden Globes und bei den Filmfestspielen in Cannes.
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Der 42-jährige Elle-Chefredakteur Jean-Dominique Bauby erleidet mit 42 Jahren einen massiven Schlaganfall, durch den sein Hirnstamm umfassend geschädigt wird. Als er nach drei Wochen aus dem Koma erwacht, ist er bis auf sein eines Auge ganzheitlich gelähmt. Kommunikation ist nur noch durch Blinzeln dieses Auges möglich. Bauby Geist ist jedoch noch vollständig intakt. Doch sein Körper ist wie in einer Taucherglocke gefangen. Dieses seltene Phänomen wird als Locked-in-Syndrom bezeichnet.
Über diese Erfahrung schreibt er ein Buch. Wie ist das möglich? Indem er mittels Blinzeln äußert, wenn der richtige Buchstabe im Alphabet erreicht ist, das ihm in ständig wiederholter Litanei vorgesagt wird (jedoch nach Häufigkeit der Buchstaben im französischen Alphabet sortiert). Dieses Buch erschien nur wenige Tage vor seinem Tod in Frankreich.

Julian Schnabel liefert mit dieser Regiearbeit eine Meisterleistung ab. Größtenteils aus Perspektive Baubys und mit seinen Gedanken sprachlich untermalt, zeigt der dem Zuschauer ein erdrückendes und gleichzeitig mutmachendes Bild von diesem Mann, dessen Geist vollständig in seinem nutzlos gewordenen Körper gefangen ist. Eine wunderbare Besetzung bis in die Nebenrollen runden den positiven Gesamteindruck ab.
Ein Film der nachdenklich, auch über das eigene Leben macht. Ein Plädoyer die Chancen, die das Leben bietet, nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und die Glückmomente in sich aufzusaugen und zu genießen. Es kommt der Tag, an dem es zu spät ist.
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am 27. April 2009
Schmetterling und Taucherglocke erzählt die Geschichte von Jean-Dominique Bauby, der nach 3 Wochen nach einem Schlaganfall aus dem Koma erwacht und feststellt, dass er sich weder bewegen, noch den Ärzten, die sich nach seinem Befinden erkundigen, antworten kann.
Er ist gefangen in einer Taucherglocke, der er nur durch ein Augenzwinkern und seiner Fantasie entkommen kann...
Inhaltlich wird in dem Film die Tatsache gezeigt, wie vergänglich das Leben ist. Er zeigt wie eine erfolgsverwöhnte Person, von jetzt auf gleich, dem Tod entgegenblicken muss. Es ist sehr beeindruckend, wie Jean-Dominique Bauby lediglich durch blinzeln seine Memoiren niederschreiben läßt. Auch die Szene mit dem schrill piependen Fernseher hat mich wirklich mitgenommen, wie hilflos man von einem Tag auf den anderen sein kann und dass das Ganze auf Autobiografie beruht, berührt umso mehr. Der Regisseur hat gute Arbeit geleistet. Ein toller, trauriger Film, der zum Nachdenken anregt
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am 20. Januar 2009
ein großartiger film, der einen länger nicht mehr losläßt und einen die flüchtigkeit des lebens gewahr werden läßt. die geschichte hat mich ziemlich tief getroffen und mir die frage vor augen geführt: was, wenn das deinem geliebten menschen passiert... wie damit umgehen? der sarkasmus und humor des films aus dem blickwinkel des hauptdarstellers ist großartig. tolle schauspielerische leistung und regie! unbedingt ansehen!
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TOP 1000 REZENSENTam 29. Oktober 2008
Jean-Dominique Bauby, der 1997 im Alter von 45 Jahren starb, war französischer Journalist, Autor und Chefredakteur des Magazins Elle. Einige Monate vor seinem Tod erlitt Bauby einen massiven Schlaganfall, der seinen Hirnstamm enorm schädigte. Zwei Wochen danach wacht er im Krankenhaus von Berck-sur-Mer aus dem Koma auf - ist stumm und ganzheitlich gelähmt. Die einzige noch vorhandene Möglichkeit, mit der Umwelt kommunzieren zu können, ist das noch intakte linke Augenlid, mit dem zuerst ein Artikulieren von "Ja" und "Nein" möglich wird. Später wird diese Kommunikation ausgeweitet auf einzelne Buchstaben. Bauby blinzelt mit dem Augenlid, wenn der richtige Buchstabe auftaucht, sein Gegenüber notiert und so entstehen Worte, die zum Buch "Le scaphandre et le papillon " führen....
Julian Schnabel, bekannt durch "Before the night falls" erhielt für die Verfilmung dieser tragischen und aufwühlenden Krankengeschichte "Schmetterling und Taucherglocke" den Regiepreis bei den Internationalen Filmfestspielen Cannes, auch der Kameramann Janusz Kamiñski wurde für seine beeindruckenden Bilder ausgezeichnet. Bei der Golden Globe Verleihung erhielt der Film Preise in den Kategorien Beste Regie und Bester fremdsprachiger Film. Es folgten 4 Oscar- und 7 Cesarnominierungen und eine Vielzahl ausgezeichneter Kritiken, die auf jeden Fall gerechtfertigt sind.
Der Film ist bewegend, einfühlsam - sehr traurig und melancholisch, aber auch erbauend und lebensbejahend.
Wir sehen von Anfang an mit den Augen des ans Bett gefesselten Baubry, sehen so die kargen und spröden Bilder des Krankenzimmers, immer in einem begrenzten Blickwinkel und lernen so Ärzte, Krankenpfleger, Logopädin ( Marie-Josée Croze) und Therapeuten kennen, die mit Baubry Kontakt aufnehmen. Später kommen dann noch Exfrau (Emmanuelle Seigner), Freundin, Kinder, der Vater (Max von Sydow) und die Freunde dazu...
Baubrys Momentaufnahme ist äusserst begrenzt, er schöpft aber Hoffnung aus Erinnerung (Vergangenheit), die seine Phantasie (Zukunft) inspiriert.
Erst sehr spät sehen wir den entstellten Baubry (Mathieu Amalric)...
Ein Film, der sicherlich in diesem Filmjahr so eine Art Sonderstellung wie vielleicht im letzten Jahr Aranofskys "The Fountain" einnimmt, denn hier gibts Null Kino-Mainstream.
Der Stoff selbst ist alles andere als unterhaltsam und man wird sich das Gezeigte sicherlich nicht bald schon wieder in Wiederholung anschauen.
Die Umsetzung dieses schweren Stoffes ist allerdings sehr brilliant, stellenweise sogar leicht. Die Bilder werden sich dennoch nachhaltig ins Gedächtnis einbrennen. Ein sehr schöner, trauriger Film über das Leben....
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