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5.0 von 5 Sternen Alles dreht sich um Lola (andeutungsweise Spoiler), 23. Dezember 2010
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Lola Montes [IT Import] (DVD)
© Tonio, filmkritik99.jimdo.com

Tänzerin, Verführerin, Rastlose, Mätresse des Königs Ludwig II. von Bayern... Regisseur Max Ophüls hat sich für seinen letzten Film viel vorgenommen, auch erzähltechnisch und ästhetisch viel riskiert - und auf ganzer Linie gewonnen. "Lola Montes" ist ein gnadenlos künstlicher und sehr bunter Prachtfilm geworden. Aber künstlich und künstlerisch gehen hier Hand in Hand. Die Farben dienen nicht dem Überbetonen des Natürlichen, sondern forcieren psychologische Aussagen, ob sie sich nun als Akzente vom Rest des Bildes absetzen oder aber das Bild fast monochrom ist. Daneben finden sich eine Reihe beeindruckender langer Kamerafahrten und Schwenks, die in der Frühzeit von CinemaScope nicht gerade selbstverständlich waren. Alles zusammengenommen nutzt Ophüls immer mal wieder, um gewisse Kitsch-Erwartungen zu enttäuschen und seinen Film gegen den Strich zu bürsten. Bereits die erste Einstellung ist eigentlich eine Täuschung: eine bläuliche Kuppel mit Kronleuchtern verschafft eine erhabene, fast sakrale Ahnung, doch dann schwenkt die Kamera herab, das Blau wird von schreiendem Rot abgelöst und wir befinden uns in einer Zirkusmanege. Reißerisch kündigt ein Zirkusmann (Peter Ustinov) die szenische Darstellung von Lola Montes' Leben an, von ihr selbst (Martine Carol) dargestellt, die sich sichtlich unwohl dabei fühlt. Schon jetzt haben wir das Gefühl, sie wird wie ein Tier im Käfig behandelt, und wir werden sie immer wieder hinter Gittern, Zäunen, Schleiern, Pfosten etc. sehen. Darin ist Ophüls sehr Douglas Sirk verwandt. Schließlich wird die Zirkusdarbietung von Rückblenden illustriert, die jedoch kaum realer aussehen - natürliche Farben gibt es in diesem Film so gut wie kaum. Zunächst hat Lola ein Verhältnis mit Franz Liszt, sie in lockendem Rot, er in einem Grün wie die sehr grüne Natur-Außenwelt, in die es ihn wieder zieht, doch Lola möchte nicht Teil der realen Welt werden. Rot und Grün grenzen sich schroff voneinander ab und verschmelzen nicht, aber nach Liszts Abschied hat Lola ein grünes Kleid an - so ganz unbeeindruckt kann sie doch nicht gewesen sein, was vielleicht ihre größte Tragik ist.

Hiernach schickt uns eine Rückblende in Lolas Kindheit zurück, in der sie bereits zwischen allen Stühlen steht und nirgendwo hingehört. Auf einer Überfahrt mit ihrer Mutter darf sie sich nicht mit ihr eine Kabine teilen und muss in einen Kinderschlafsaal, in den sie eindeutig als Älteste nicht mehr gehört. Das unschuldige Weiß ihres Kleides wird durch das Rot eines Luftballons gebrochen; einerseits ein Symbol des noch Kindlichen, aber durch die Farbe auch Zeichen der erblühenden Frau. Natürlich will sich so eine nicht mit einem Mann, der mindestens ihr Vater sein könnte, verkuppeln lassen; sie heiratet einen jungen Mann, es geht nicht gut - und dann verfällt der Film auf einen gemeinen Trick. Im Mittelteil fehlen die Rückblenden; die Darstellung des skandalträchtigen "Aufstiegs" Lolas verbleibt vollständig in der Zirkus-Rahmenhandlung. Dieser Bruch in der Erzählhaltung ist sicherlich beabsichtigt; das "Skandalöse" Lolas findet ausschließlich in unserem Kopf statt und wird ästhetisch mit größter Verfremdung gezeigt. Alles ist knallrot; noch vor Hitchcocks "Vertigo" gibt es einen 360°-Schwenk, wenn sich alles um Lola dreht - wobei Ophüls dies noch um eine Ambivalenz steigert: In dem Zirkus, in dem sie in der Szene sitzt, dreht sich um sie herum ein Ring, auf dem andere Artisten postiert sind, und zwar entgegengesetzt zur Kamera. Lola und ihre Umwelt bewegen sich auseinander, asynchron, können nicht zusammenkommen, ticken unterschiedlich, verstehen einander nicht, reden aneinander vorbei, leben sozusagen auf völlig verschieden kreisenden Planeten und in zwei Welten - das alles wird sich im Laufe weiterer Rückblenden noch genauer erweisen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass in diesem Zusammenhang der von Adolf Wohlbrück gespielte Ludwig II. schwerhörig ist, der in der letzten längeren Rückblende zum Geliebten von Lola wird. "Lola Montes" zeigt, dass sich alles um Lola dreht, aber er porträtiert dabei nicht nur Lola, sondern auch die Umwelt respektive die Männer in ihrem Leben und ihre Reaktionen auf Lola - das war Ophüls' erklärtes Interesse, und er hat Wege gefunden, das umzusetzen.

Von den vielen faszinierenden Aspekten dieses Films möchte ich noch auf die gehäufte Darstellung von scheinbaren Paradoxien hinweisen, die den Verdacht zerstreuen, hier handele es sich nur um aufgeblähten Edelkitsch. So scheint König Ludwig verständig für die Seele Lolas, aber er ist (eindeutig psychosomatisch) schwerhörig. Er rezitiert Hamlets Verzweiflung, merkt aber nicht einmal ansatzweise, dass er damit die Sackgasse beschreibt, in der Lola und er längst gelandet sind. Er lässt ein Bild von Lola malen, und dazu wählt er nicht den schnellsten, sondern den langsamsten Maler aus, um Lola dadurch länger an sich und an den Hof zu binden. Er lässt sie zunächst in einem voluminösen Wintermantel Modell sitzen, aber am Ende wird's ein Nacktporträt (übrigens unter geschickter Nutzung der CinemaScope-Proportionen, obwohl diese sich in der klassischen Malerei fast nie finden). Er gibt sich als menschenfreundlich, lebt aber gedanklich in seinem Hof-Glashaus und nimmt es kaum ernst, als dieses von Aufständischen mit Steinen beworfen wird.

Auch bei Lola treibt der Film sein Spiel mit Gegensätzen. Zwar geht es augenscheinlich darum, dass Lola "nach oben" will, aber Bewegungen nach oben werden immer wieder als eigentlicher Abstieg dargestellt. Wenn Lola sich in einer Herberge ein Zimmer im obersten Stock wünscht, so ist dies das schäbigste Zimmer, aber von dort hat sie eher die "gute Aussicht", also einen Überblick und eher eine Kontrolle über die Dinge als in einem goldenen Käfig (in dem sie oftmals - auch durch geschickte Kadrierungen - zu sein scheint). Wenn die Kamera die junge Lola in einem Schwenk ohne Schnitt mehrere Stockwerke nach oben schickt, so ist das für sie kein Aufstieg, sondern ein Gang nach Canossa, weil sie genau dort mit einem alten Knacker verheiratet werden soll. Wenn Lola tanzt und die Kamera wiederum ohne Schnitt die Logen nach oben verfolgt, so ist dies ein Weg zu den "billigen Plätzen" und verdeutlicht, dass sie eigentlich schon hier die Zirkusattraktion ist, zu der sie später werden wird. Und wenn Lola schließlich am Ende ganz oben angekommen sein wird, fast unter der Zirkuskuppel, so ist sie genau dort verzweifelt, schutzlos, ganz auf sich gestellt - wie Ustinov einmal sagt, kann dort oben der kleinste Fehlgriff den Tod bedeuten. Wir sehen sie vor ihrem letzten großen Sprung übrigens in kaltem Blau - aber Ophüls hat ein überraschendes und meines Erachtens unsagbar trauriges Ende parat. Etwas Schlimmeres als den Tod findest Du überall. Etwas Besseres als "Lola Montes" nur schwer.
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Lola Montes [IT Import]
Lola Montes [IT Import] von Max Ophuls (DVD)
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