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5.0 von 5 Sternen Überzeugende Gesamteinspielung von Bachs Orgelwerk, 25. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Komplette Orgelwerke [US-Import] (Audio CD)
Die Einspielung von Bachs Orgelwerken mit Gerhard Weinberger bietet die bis dato umfassendste Gesamtaufnahme, einschließlich etlicher Kompositionen zweifelhafter Echtheit, der erst 2008 neu entdeckten Choralfantasie "Wo Gott der Herr nicht bei uns hält" BWV 1128 (CD 21) und einer Orgelfassung der Kunst der Fuge BWV 1080 (CDs 21, 22).

Zunächst einmal überzeugt das editorische Konzept dieser Gesamteinspielung. Für die Aufnahmen wurden nur Orgeln aus dem 18. Jahrhundert ausgewählt, bei denen der Originalklang noch weitgehend erhalten ist bzw. durch Restaurierung wiederhergestellt wurde. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die 25 verwendeten Instrumente aus Thüringen und Sachsen. Die Palette reicht dabei von einmanualigen Dorfkirchenorgeln bis zu dreimanualigen Domorgeln. Entsprechend vielfältig gestalten sich auch die akustischen Gegebenheiten in den Kirchenräumen, die als Aufnahmeorte dienten. Mit der Wahl dieser Instrumente und Spielstätten bekommt der Hörer einen Eindruck, wie Bachs Orgelmusik zu seiner Zeit und in seinem zentralen Wirkungskreis geklungen haben könnte. Lob verdient auch Weinbergers Ansatz, die Werke weitgehend nicht nach Gattungen geordnet aufzunehmen, sondern für eine bestimmte Orgel quasi ein Konzertprogramm zusammenzustellen, das stilistisch zum jeweiligen Instrument passt.

Hervorragend gelungen sind die Aufnahmen auch in klanglicher Hinsicht. Die Edition glänzt durchwegs mit einer sorgfältig austarierten Klangbalance. Egal wo musiziert wird, ob an der kleinen Scheibe-Orgel in der trockenen Akustik der Kirche St. Nicolai im sächsischen Zschortau oder an der prächtigen Silbermann-Orgel in der halligen Atmosphäre der Dresdner Hofkirche: Stets bleibt das Klangbild durchsichtig, sind die auf den Manualen und im Pedal gespielten Stimmen klar zu verfolgen.

Transparenz und Durchhörbarkeit gehen aber nicht allein auf das Konto des Tonmeisters, sondern sind vor allem das Ergebnis von Weinbergers Musizierstil, den ich als präzise, flüssig und im positiven Sinne analytisch charakterisieren würde. Sein Vortrag wirkt zu jeder Zeit sehr kontrolliert, auch im dichtesten Notendschungel behält er die Übersicht. Die unterschiedlichen Melodielinien verlaufen zeitlich absolut kongruent zueinander, und die wohlbedachte Auswahl farbiger Register trägt dazu bei, dass die einzelnen Stimmen sehr deutlich voneinander unterscheidbar bleiben.

Was gibt es nun alles zu erkunden in diesem Kosmos von Bachs Orgelmusik? Grundsätzlich kann man Bachs Orgelwerk in zwei Gruppen einteilen: Die "choralgebundene" Orgelmusik, also Stücke, denen eine Choralmelodie zugrunde liegt, und die sogenannten "freien" Werke. Hierzu zählen vor allem die Toccaten bzw. Präludien und Fugen. Die Orgelchoräle sind in meinen Augen eher ein Fall für den fortgeschrittenen Hörer. Ihre Qualitäten aufzuspüren benötigt etwas Zeit und Muße sowie eine gewisse Vertrautheit mit den zugrundeliegenden Choralmelodien. Die zumindest vordergründig spektakuläreren Werke finden sich in der Gruppe der freien Orgelmusik. Ich könnte mir vorstellen, dass sie als "Appetitanreger" und für Einsteiger besser geeignet sind. Deshalb will ich mich auf ein paar Hörtipps aus dieser Gruppe beschränken.

Da wäre zunächst die unvermeidliche Toccata und Fuge d-moll BWV 565, die von Orgelfreaks allein wegen ihrer Popularität schon fast wieder mit Verachtung gestraft wird. Obwohl für viele das Orgelwerk Bachs schlechthin, wurde es vermutlich gar nicht von ihm komponiert. Dementsprechend wird es in der Weinberger-Einspielung unter den Kompositionen zweifelhafter Echtheit geführt (CD 19). Trotz ungeklärter Urheberschaft und kompositorischer Mängel, die Experten darin ausgemacht haben wollen, bleibt es für mich ein beeindruckendes Stück.

Es gibt aber etliches, das ich doch noch mehr schätze, zum Beispiel das höchst virtuose und mitreißende Meisterwerk Präludium und Fuge e-moll BWV 548 (CD 6) oder die Toccaten d-moll BWV 538 sowie F-Dur BWV 540 (CD 8). Zu meinen Lieblingsstücken gehört auch Toccata, Adagio & Fuge C-Dur, BWV 564 (CD 8), nicht zuletzt wegen der Pedalpassage in der Toccata, die als eine der großartigsten der gesamten Orgelliteratur gilt. Weinberger zeigt hier bei recht flottem Tempo eine beeindruckende "Fußfertigkeit".

Wohl eines der monumentalsten Orgelstücke Bachs ist die Passacaglia c-moll BWV 582 (CD 7). Dieses Werk umfasst 20 Variationen über ein immer wiederkehrendes Bassthema und schließt mit einer grandiosen Fuge. Auch hier besticht Weinberger vor allem durch seine transparente Interpretation. Bei ihm hat man trotz aller Klangdichte nie das Gefühl, dass einem beim Zuhören auch nur eine einzige Note entginge.

Immer wieder gerne greife ich zu den Orgelkonzerten BWV 592 - 597 (CDs 14, 15), bei denen es sich um Bearbeitungen von Instrumentalkonzerten von Antonio Vivaldi und Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar handelt. Besonders angetan haben es mir das a-moll-Konzert BWV 593 und das d-moll-Konzert BWV 596, die ursprünglich aus Vivaldis Konzertzyklus L'Estro Armonico stammen. Interessant ist hier ein Hörvergleich zwischen Bearbeitung und Original. Für meinen Geschmack kommen diese Kompositionen in Bachs Arrangement auf der Orgel erst richtig zur Geltung.

Ein absolutes Highlight schließlich sind für mich die Sechs Triosonaten BWV 525 - 530 (CDs 7, 12, 16). Sie gehören mit ihren zwei völlig gleichwertigen Stimmen, zwingend auszuführen auf zwei Manualen, und einer nahezu gleichberechtigten Pedalstimme zu Bachs brillantesten aber auch vertracktesten Orgelkompositionen. Sie verlangen eine Koordinationsfähigkeit in Händen und Füßen, die sie unter Organisten gefürchtet macht. Trotz aller technischen Schwierigkeiten klingen diese Stücke leicht, luftig und elegant. In dieser CD-Sammlung bieten sie ein besonders schönes Anschauungsbeispiel für Weinbergers bewegliches und flüssiges Spiel.

Schließen möchte ich mit einer Verlautbarung der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik, wonach "Gerhard Weinberger und das Label cpo in mehr als 12 Jahren eine Referenz-Einspielung für das 21. Jahrhundert geschaffen" haben. Nun ja, hundert Jahre sind eine lange Zeit, wer weiß, was da noch alles kommt. Aber für ein paar Jährchen werde jedenfalls ich mit diesen Aufnahmen sehr, sehr zufrieden leben können.
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4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die kompletten Orgelwerke von Bach von Gerhard Weinberger, 26. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Komplette Orgelwerke [US-Import] (Audio CD)
Diese neue Gesamteinspielung der Orgelwerke Bachs ist bisher die umfangreichste, die je erschienen ist. Es wurden nicht nur die authentischen Werke und alle Bearbeitungen Bachs aufgenommen, sondern auch zahlreiche Werke "zweifelhafter Echtheit", z. T. Welt-Ersteinspielungen (inklusive der gerade wiederentdeckten Choralfantasie BWV 1128). Auch die Auswahl der Instrumente - historische Orgeln aus dem thüringischen u. sächsischen Umkreis Bachs, ergänzt durch einige weltberühmte und wichtige Bachorgeln wie in Groningen, Grauhof oder Trondheim - ist bisher einmalig.
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Komplette Orgelwerke [US-Import]
Komplette Orgelwerke [US-Import] von Gerhard Weinberger (Audio CD - 2008)
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