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3,9 von 5 Sternen
Der Baader-Meinhof-Komplex
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Film ist recht unterhaltsam, doch irgendwie haben Edel und Eichinger zu viel reingepackt. Er zeigt eine ungewohnte Sichtweise aus Perspektive der Baader-Meinhof-Gruppe selbst und macht überraschend Action-Kino daraus.

Aus der Kindheit habe ich jene Zeit anders in Erinnerung: damals zeichnete das Fernsehen und die Springer-Presse das Bild von gewöhnlichen Kriminellen. Die andere Presse und Linke sah die RAF ab 1972 eher als Trauerspiel mit ultra-dramatischem Finale, ähnlich einer griechischen Tragödie. D
agegen begegnen einem im "Baader Meinhof Komplex" coole Typen wie Baader und Boock und verführerische Amazonen zwischen 20 (Schelm) und 40 (sexy Martina Gedeck als Meinhof). Die so gar keine Ähnlichkeit mit den Halloween-Fahndungsfotos von einst haben.

Die geschilderten Ereignisse mögen faktisch und chronologisch stimmen. Doch was einst Fassbinder in Retro-Filmen gelang kommt hier für mich nicht rüber: Das man sich wirklich in den Jahren 1968, 72 und 77 glaubt. Irgendwie wirken Ambiente, Farben und die Schauspieler auf mich, wie wenn es moderne Gegenwart ist. Auch wenn die Automarken oder Tagesschau-Einblendungen korrekt Seventies sind, das Gefühl 1970 - 77 stellt sich (ähnlich wie bei The Doors) bei mir einfach nicht ein. Ich vermute, daß ist bewusst so gestaltet worden, denn Ulrich Edel und Eichinger wissen recht gut, daß mit nem jungen Action-Publikum ein weit groesseres Kapital zu machen ist, als nur mit Leuten mittleren Alters die in kleine alternative Kinos gehen. In denen früher Dokumentationen wie "Black-Box BRD" oder "Die Dritte Generation" liefen.

Der Film ist weniger eine Aufarbeitung, eher eine Aneinanderreihung von RAF Geschehnissen 1967 - 77, die aus der Ich-Perspektive der Täter geschildert werden. Vieles im Film vermittelt ein bewusst subjektives Bild. Ich werde das Gefühl nicht los, daß es Edels Intention war, die Täter so positiv wie möglich darzustellen. Der Gesamteindruck des Films will nicht nicht so recht mit meinen Buchrecherchen über die RAF harmonieren:

Zu einzelnen Szenen:

- Der Schahbesuch und die Demo sind sehr lange geraten. Die ungewöhnliche Gewalt der Polizei an jenem Tag fügen sich in das landläufige Bild, daß der 2. Juni 1967 der eigentliche Ur-Grund für die Aktivitäten von RAF und anderen Gruppen in der Folgezeit waren.
Meinetwegen bei Ulrike Meinhof, doch Andreas Baader war zu jener Zeit noch völlig unpolitsch. Das Ereignis beeindruckte ihn 1967 kaum, erst posthum ein Jahr später als Gudrun Ensslin und die K I. davon erzählten. Der Film verschweigt, daß Baader seit Anfang der Sechziger Jahren wegen Gewalt und Randale schon häufig mit der Justiz Kontakt hatte.

- Der Vietnamkrieg war angeblich das Schlüsselerlebnis für Gudrun Ensslin. Dieser zweifellos schreckliche Krieg dürfte als ihr ausschliessliches Motiv überbewertet sein, auch wenn der Streifen es so darstellt.
Ensslin war bereits Stammgast auf vielen Demos in der Vorzeit, wo es um interne Stadtprobleme ging. Ihr entging natürlich auch der "Burn Warehouse Burn" Rummel der Kommune I nicht. Jene K I. die just durch den Teufel / Langhans-Prozess über Nacht zur publicityträchtigsten Sache der neuen Linken geworden war. Inwieweit Ensslin die europäische Bevölkerung allen Ernstes verantwortlich für den Krieg der Amerikaner in Vietnam machen konnte ist schwer nachvollziehbar. Als Baader den Medienrummel um K I. bemerkte, wurde er plötzlich Stammgast bei ihnen. Die ersehnte Anerkennung in einer Hauptrolle erhielt er durch seine radikalen Pläne, die weit über das hinausgingen, was damals in jener Szene üblich war.

- Der Brandanschlag in Frankfurt:
Zur Zeit der Tat (April 1968) hatte Baader sich erstmals in seinem Leben überhaupt mit politischen Dingen beschäftigt. Das Gewalt intellektuell zu einem politischen Zweck formuliert werden kann (dank Gudrun Ensslin), war Baader damals neu.
Eichinger hätte die Fragwürdigkeit aufzeigen können, wie man sich in wenigen Monaten vom politisch desinteressierten schon zum überzeugten Stadtguerilla verwandeln konnte. Weiterhin das seltsame Paradoxon in Frage stellen, wie ein Kaufhausbrand in Brüssel (300 Tote) allen Ernstes in Assoziation mit Vietnam gebracht werden kann. Oder inwieweit die deutsche Bevölkerung "schuld" am Vietnam-Krieg sein konnte. Der Film schildert Brandanschlag ähnlich wie den Schahbesuch. Wie wenn das ein natürlicher Reifungsprozess gewesen wäre und die Tat die logische Folge.

- Das Ausbildungslager der Al Fatah in Jordanien:
Aust schreibt in seinem Buch, daß dort alle Mitglieder irgendwie miteinander zerstritten gewesen waren und den Palästinensern ein ziemlich negatives Bild abgaben. Letztendlich wurde die gesamte Gruppe vom Ausbildungsleiter nach Hause geschickt, als sie sich wieder einmal über das Essen beschwerten. Was im Film nicht erwähnt wird. Auch hatte Baader sich besonders mies gegenüber Ulrike Meinhof (die ungeschickte Intellektuelle) verhalten, obwohl sie kurz vorher die treibende Kraft gewesen war, die ihn aus der Haft befreite.
Gut kommt rüber wie man den fehlenden ideologischen Background der RAF spürt. Im Gegensatz zu den Palästinensern zanken sich die RAF-Leute ständig.

- Ensslin / Baaders Arbeit im Sozialprojekt nach dem Kaufhausbrand-Prozess:
Hier fällt den Filmemachern nur eine einzige Episode ein, die bewusst unwahr widergegeben ist: Die Badewannen-Szene hat es so nicht gegeben. Untypisch, daß Baader das so gelassen hingenommen haben konnte, er war für seinen Macho-Besitzanspruch und seine Wutausbrüche berüchtigt. Unkorrekt ist auch der Kosename "Katze" für Gudrun E. Baader nannte sie regelmäßig "Fo...e" vor den anderen.

In vielen Zeitzeugen-Aussagen wird Baader als ein Typ beschrieben, der sich von vielen Leuten aushalten lies, sich überall Geld und Dinge borgte, die man in der Regel niemals widersah.
Doch im Film schenkt Baader grossmütig sogar noch seine Lederjacke dem jugendlichen Neuankömmling Boock.
Für mich ist diese Szene jene, die am meisten die Kluft zu den gravierenderen Problemen der Neuzeit aufzeigt: Obwohl Baader und Ensslin gerade aus der Haft entlassen sind und keinen Berufs-Abschluss haben, bekommen sie eine leitende Stelle in einem sozialen Projekt, d.h. interessante Arbeit. Heute bekommt man solche Stellen nicht mal als Diplomierter Psychologe mit hunderten von Bewerbungen. Arbeitslosigkeit und Rezession erzeugt keine moderne RAF, sie war paradoxerweise ein Produkt aus der Zeit des Wirtschaftswunders, wo es für jeden Arbeit en masse gab.

- Die Jahre 1970-72 sind vergleichsweise kurz geraten.
In dieser Zeit fanden die allermeisten Aktivitäten und Anschläge der Gruppe statt, insbesondere im Mai 1972.

- Realistisch wird die Festnahme Baaders gezeigt.
Wenn man im auberginefarbenen Porsche, völlig anders gekleidet als die Leute der Wohngegend, ohne Führerschein auch noch in eine Einbahnstraße fährt und sich dann wundert, daß die Sprengstoff-Garage nicht unbemerkt bleibt... da fällt mir nur das Wort "dilettantisch" ein.

- Die Entführung von H. M. Schleyer könnte einen eigenen Film abgeben. Wird nur kurz angerissen, obwohl der Herbst 1977 das markanteste Ereignis der RAF gewesen war. Im Falle Schleyers gibt der Film ergänzenden Einblick in die spontane und unprofessionelle Planung der Tat, Schleyer selbst überlebte die paranoide Schiess-Atacke (laut Boock war es nur eine Person, die das MG-Magazin leerballerte) zu Beginn der Entführung nur durch ein Wunder.

- Mogadischou:
Der Film verschweigt, daß die Flugzeugaktion bereits im Vorfeld von Wadi Haddad für eine ganz andere - intern-palästinensische - Operation geplant gewesen war. Um der Palästina-Sache wieder einmal in Europa Schlagzeilen zu bescheren. Der Publicity-Effekt für die Palästinenser stellte sich trotz des Scheiterns ein, man sprach über die Ungerechtigkeiten von Israel-Palästina.
Der Bezug zur RAF ist schwer nachvollziehbar. Der Film zeigt zwar eine hyperselbstbewusste neue RAF-Chefin (Mohnhaupt. Aber nicht die Blauäugigkeit, mit der sie und ihr ergebener Peter Boock dem Haddad-Plan bedingungslos zustimmten. Auch nicht den Widerspruch zur sonstigen RAF-Richtlinie (keine Flugzeugentführungen). Oder wie Leute aus der antiautoritären Bewegung eine derart autoritäre Weisungsstruktur akzetieren konnten.

- Das Erschiessen von Schleyer wird als das "Ende der RAF" dargestellt, das typisch deutsche Nibelungen-Finale. Stimmt nicht, danach ging es nach einer kurzen Pause weiter. Brigitte Mohnhaupt plante bereits 1 Jahr später weitere Attentate und rekrutierte neue Mitglieder. Die spektakulärsten Attentate passierten eigentlich erst in den Achtziger Jahren, professioneller geplant, kaltblütiger ausgeführt, fast immer tödlich. Allerdings war die Presse das Thema RAF offenbar leid nach 1977. Sie widmete den Attentaten nach 1978 bis 1992 weniger Aufmerksamkeit.

- Die Musikauswahl ist chronologisch falsch: Im Juni 1967 hört man "Cild in Time" von Deep Purple (eigentlich 71), nach der Schleyer-Erschiessung 77 erklingt "Blown in the Wind" von 1965. Und als 1969 Baader und Boock aus dem Auto ziellos rumballern hört man "My Generation", ein Song von 1964. Eine seltsam platte Musikauswahl, da Eichinger und Edel jene Zeit selbst miterlebt hatten. Und weil damals die einzelnen Jahre viel langsamer und bewusster empfunden wurden als heute. Ich hätte Ton Steine Scherben für die Autofahrt verwendet, einen zynischen Song von Grace Slick (Diana, über eine amerikanische Terrorgruppe) für 1972, für die Mitsiebziger die Hommage an Patrica Hearst von Patti Smith und für 1977 etwas kalt-technisch resignatives, z.B. Ultravox oder Stranglers.

Fazit: Insgesamt finde ich den Film sehenswert, ihm ist es wie kein anderes Medien-Produkt gelungen, das Thema RAF wieder ins Gespräch zu bringen. Es ist halt ein Action-Film mit vielen Ereignissen im Zeitraffer-Tempo. Ergänzend (oder als Alternative) möchte ich das sehr detaillierte gleichnamige Buch von Stefan Aust empfehlen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eine Drehbuchseite ergibt eine Minute Film. Stefan Austs Buch Der Baader Meinhof Komplex ist 1000 Seiten lang. Genug Material für eine Serie. Regisseur Uli Edel hatte allerdings nur die Länge eines Spielfilms zur Verfügung und er hat es geschafft einen extrem spannenden und hervorragend besetzten Film über die Rote Armee Fraktion zu drehen. Nicht weniges, besonders aber das Ende, erinnert an Spielbergs München.
Edels Film erzählt die Geschichte der RAF von 1967 bis 1977. Wem der Film gefällt und auch etwas über die späteren Jahre dieser Terrororganisation erfahren möchte, dem sei Black Box BRD ans Herz gelegt, ein Dokumentarfilm der, anders als Der Baader Meinhof Komplex, die Täter und die Opfer vorstellt und somit ein runderes Bild bietet.
Die Witwe des ermordeten Ponto protestierte gegen Edels Film und gab ihr Bundesverdienstkreuz zurück, unter anderem weil die Leinwandumsetzung von Austs viel beachteten Buchs mit Bundesmitteln mitfinanziert wurde. Tatsächlich lässt sich der Film als Verklärung der Terroristen verstehen. Wenn Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) mit lockeren Sprüchen für Lacher sorgt und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) mit ihren langen, blonden Haaren, Zigarette und der Lederjacke sexy wirkt und Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) mit Sonnenbrille als kluge Frau mit Idealen dargestellt werden, werden sich die Angehörigen der Anschläge verständlicherweise verhöhnt vorkommen. Wenn dann noch Schlag auf Schlag Bomben im Springer-Verlag und US-Militärstützpunkten detonieren und hübsche, junge Attentäter cool, mit ruhigen Schritten die Tatorte verlassen, dann erinnert das an Fight Club.
Die Fahndung nach den Terroristen durch den Leiter des Bundeskriminalamts Horst Herold (Bruno Ganz) gibt dem Film die Note eines spannenden Thrillers. Herold plädiert dafür die Motive der Täter zu verstehen und ist der Meinung, dass es zuallererst Aufgabe der Politik ist dem Terror keinen Nährboden zu geben. Seine Worte bleiben ebenso ungehört wie die Forderung der ersten RAF-Generation keine Unschuldigen zu töten. Mit jeder neuen Generation linker Terroristen wird die Gewalt grösser. Polizei und Terroristen schaukeln sich immer weiter hoch.
Die 68er, Rasterfahndung, GSG9, Landshut, Dutschke, APO, Springer-Verlag, Attentat auf die Olympischen Spiele 1972 in München usw. - Der Baader Meinhof Komplex ist vollgepackt mit hochinteressanten Themen. Er hat und wird für eine Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte anregen.

Das Ende des Films versucht etwas plump eine Verbindung zu den Attentaten des 11.9.2001 herzustellen, das war in Spielbergs München kunstvoller umgesetzt. Die Gemeinsamkeiten zwischen Atta und Baader sind vorhanden, aber die Unterschiede sind enorm. Baader und seine Genossen" fuhren Porsche, suchten Abenteuer und Sex, hatten das Gefühl die Welt mit Taten verbessern zu müssen, wollten aber keinen Gottesstaat errichten, in dem nicht nur die Rechte von Frauen stark eingeschränkt wären. Was sie stattdessen genau wollten bleibt diffus. Vielleicht war Mao ein Vorbild, vielleicht war es auch einfach nur cool Ho Ho Ho Chi Minh zu rufen. Ein Rockkonzert. Beginnt mit Janis Joplin und endet mit Bob Dylan. Ein guter Film. Auch wenn er sich eher darauf beschränkt zu begreifen warum die RAF in den Siebziger Jahren 9 Millionen Sympathisanten hatte, statt ein wirklich objektives Bild zu zeigen. Bilder vom Vietnamkrieg helfen zu verstehen, aber sie alleine reichen nicht als Erklärung.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Oktober 2009
Ausstattung - top ! Kameraführung - top ! Schauspielführung - top ! Darstellerleistungen - top !
Warum scheitert dieses Projekt, warum lässt einen der Film vollkommen kalt, welchen Vorwurf kann man denn dem Team Edel/Eichinger machen ?

Sie versammeln viel zu viel Schauspielprominenz in einem Film, besetzen jede noch so unwichtige Nebenrolle mit einem bekannten Gesicht. Tom Schilling, Alexandra Maria Lara, Michael Gwisdek, Jan Josef Liefers, Katharina Wackernagel, Alexander Held, Stipe Erceg, Hannah Herzsprung, Hans-Werner Meyer, Heino Ferch usw. usf. - in jeder Szene ein stichwortgebender "Promi" der für Kopfschwirren sorgt: Wer war das denn jetzt und wen sollte er darstellen ? Ihre Charaktere werden nie richtig beschrieben, nie richtig in die Handlung eingeführt.

Nicht viel besser ergeht es den Figuren der Hauptdarsteller Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu und Johanna Wokalek. Sie bemühen sich redlich, innere Zerrissenheit Meinhofs, das eigentlich völlig unpolitische Gangster- und Macho-Gehabe Baaders und die beinahe psychopathische Aggressivität Ensslins auf die Leinwand zu transportieren.
Zu erkennen ist dies aber nur für Leute, die mit dem Werk Stefan Austs, der RAF-Geschichte und den Lebensläufen der Terroristen vertraut ist.
Zu komplex sind die historischen Fakten als das man sie für jedermann (!) verständlich, unterhaltsam und emotional berührend in einem 140-Minuten Film aufarbeiten könnte.

Eine mehrteilige TV-Dokumentation bzw. ein mehrteiliges TV-Doku-Drama bietet sehr sehr viel mehr Raum um Geschichte und Personen dem Zuschauer näherzubringen, Charaktere darzustellen, Schauspieler sich entfalten zu lassen, Erzählperspektiven zu wechseln .... usw. usf.....

Das wäre die bessere Alternative gewesen !
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34 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. September 2008
Filme über die Geschichte Deutschlands haben einen entscheidenden Vorteil. Sie erleichtern den nachfolgenden Generationen den Einstieg in diese Materie. Jedoch sollte man sich nicht nur allein auf das Wissen des Films stützen, denn man darf nicht vergessen, dass diese Filme reine Unterhaltungsfilme sind und somit die Geschehnisse verfälscht wiedergeben können. Der deutsche Erfolgsproduzent Bernd Eichinger ("Das Parfum") hat mit "Der Untergang" über die letzten 12 Tage von Adolf Hitler das Genre des "Unterhaltungsfilms mit Wissen" ins Leben gerufen und setzt das nun mit "Der Baader Meinhof Komplex" fort.

Die 70er Jahre in Deutschland waren gezeichnet durch die terroristischen Anschläge der RAF, gegründet von dem Trio Andreas Baader, Gudrun Ensslin und der Journalistin Ulrike Meinhof Die US Bomben auf Vietnam, der Millitärputsch in Griechenland, erschossene Studenten in Kent waren neben dem Angriff auf Studentenführer Rudi Dutschke und den Tod von Benno Ohnesorg der Auslöser.
Die RAF musste ein Zeichen in Deutschland setzen, doch dazu reichten die Demos nicht mehr aus. Terror schien die einzige Waffe zu sein.

Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger reflektierte zusammen mit dem Autor Stefan Aust, der die Buchvorlage zum Film lieferte und dem Regisseur Uli Edel 10 Jahre RAF. Dabei schrecken die beiden Filmemacher Eichinger und Edel nicht vor schonungslosen Gewaltsequenzen zurück. Der Film hat eine FSK 12 Freigabe bekommen, wenn ich jedoch blutige Einschusslöcher in den Gesichtern sehe, einen Rudi Dutschke Darsteller, der nach einem Überfall mit einem fast zerschossenem Gesicht durch die Gegend torkelt, ununterbrochen Blut aus dem Mund fließt, Polizisten die auf Demonstranten mit Knüppeln einprügeln und die Kamera dabei fest draufhält, empfinde ich dies schon als sehr grenzwertig. Gelungen sind die Explosionssequenzen, wobei ich auch sehr schlucken musste, nachdem sie ein Auto in die Luft gejagt haben und eine Frau völlig verbrannt aus dem Auto fiel.

Der Cast dieses Films ist aber nicht zu unterschätzen. Allen voran Moritz Bleibtreu (Andreas Baader), Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) und Katharina Wokalek (Gudrun Ensslin). Es glänzen aber auch Bruno Ganz (der in "Der Untergang" in faszinierender Weise Adolf Hitler spielte) als BKA Chef Horst Herold, Nadja Uhl aus Brigitte Mohnhaupt und Jan Josef Liefers als Peter Homann. Der Clou ist nämlich, dass der Cast nach den Vorbildern ausgesucht wurde. Und das ist wohl die richtigste Entscheidung für diesen Film gewesen.

Bei all den positiven Dinge finde ich es schade, dass der Film eine konkrete Stellung bezieht. Natürlich ist das bei diesem brisanten Thema eine heikle Sache, weil beide Parteien (die RAF und der Staat Deutschland) einiges zu den chaotischen 70er Jahren beigetragen hat. Ich sehe den Film daher als ein unterhaltendes Mittel jüngere Generationen über diese Zeit aufzuklären. Denn erst mit dem Film haben sich sehr viele Zusammenhänge erschlossen, die vorher noch unergründet blieben.

Stilistisch kann sich der Film sehen lassen. Die Kamera von Rainer Klausmann zeigt sich sehr dynamisch und ruhig. Perfekte musikalische Untermalung ermöglichen die beiden Komponisten Peter Hinderthür und Florian Tesslof.

Fazit: Ein Film, der einem unterhaltsam die Zeiten der RAF näher bringt, Zusammenhänge genau erklärt, sehr gut inszeniert aber in einigen Sequenzen recht brutal ist.
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am 12. Juni 2015
Dieser Film hat mich noch tagelang grübeln lassen. Wie konnte aus einer Splittergruppe der Stundenbewegung der 68er eine solche Terrorgruppe entstehen, die ganz Deutschland in Atem hielt.
Moritz Bleitreu überzeugt als gnadenloser Kopf der RAF, deren Mitglieder auch nicht in Gefangenschaft einsehen, dass das Morden im Namen sogenannter heerer Ziele ein Verbrechen ist. Auch Martina Gedeck als Ulrike Meinhof spielt mit so einer Überzeugung die Linksterroristin, das es mir schwer fiel, sie nicht als solche im wahren Leben zu betrachten. In meinen Augen: der beste deutsche Film, den ich je gesehen habe.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Gleich vorweg: Ich habe zuerst das Buch gelesen. Mir ist zwar klar, dass dies immer das Sehen eines Filmes stark beeinflusst, aber so komm ich auch schon zum ersten Kritikpunkt: der Film ist ohne diese Hintergrundinformationen nur schwer zu verstehen. Die Personen werden kaum eingeführt, Personen wie ich, die diese Zeit nicht erlebt haben, tun sich hart mit einer Personenzuordnung. Nur Ulrike Meinhof wird ausführlicher eingeführt. Weiter negativ empfinde ich den Umstand, dass die Aktionen der 1. Generation der RAF nur mit eingeworfenen Bildern und ähnlichem dargestellt werden (z.B. Dupletten, Personalausweise). Das "Rekrutieren" von neuen RAF-Mitgliedern wird total vernachlässigt und die Charaktere werden sehr eindimensional dargestellt. Außredem werden die Umstände in Stammheim sehr kurz und etwas undramatisch (außer der Zwangsernährung und dem Tod Holger Meins) dargestellt. Ich nehme an (wie es auch in Stefan Austs Buch geschildert wird), dass die Isolationshaft anders war. Weiterhin finde ich, dass die gesamte Anwaltstätigkeit sehr eingeschränkt dargestellt wird. Nur in einer Szene kommt es zur Aussage Baaders, dass er von seinen Verteidigern garnicht verteidigt wird, weil sie noch nie mit ihm gesprochen haben. Aber das Hin und Her und das Verhalten der Angeklagten (was auch deren Bild etwas zurechtrücken würde) wird nicht gezeigt. Auch das meines Erachtens merkwürdige und nicht unbedingt kompetente Verhalten des Richters wird zu kurz abgehandelt. Und warum wird Otto Schily nicht erwähnt?
Alle Aktionen und auch die Schwierigkeiten der Polizei und aller staatlichen Behörden werden mir zu kurz gezeigt. Es war eine Ausnahmesituation, etwas völlig Neues und somit war eine Überforderung der zuständigen Stellen nicht verwunderlich.
Was mich besonders stört, ist die Alterseinstufung. Ich würde diesen Film keinem Jugendlichen unter 16 Jahren zeigen. Er ist brutal und sehr gewaltbetont (was den Umständen damals entsprach und daher auch nötig war). Aber dies sollten keine 12 bis 15jährige sehen dürfen.
Insgesamt finde ich, dass entweder der Film hätte länger sein müssen oder man hätte weniger reingepackt und es anders erzählen müssen. Für Unerfahrene und Unwissende über diese Zeit ist der Film nur ein Anstoß und wirft wahrschenlich mehr Fragen auf, als dass er sie klären würde.
Dennoch gebe ich drei Sterne, weil die RAF ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte ist und unbedingt sollte jedes Medium zur Vermittlung geschichtlich-politischer Inhalte genutzt werden.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Man merkt dem Film tatsächlich an, dass die Darstellung von Authentizität an erster Stelle stand, denn die Dialoge zwischen den Studenten bzw. RAF-Terroristen Ensslin, Baader und Meinhof überzeugen auf alle Fälle. Zwar kann man nicht genau wissen welcher Wortlaut sich exakt zwischen den Personen zur damaligen Zeit abgespielt hat, doch im Film wird nicht viel herum experimentiert, sondern knallhart die Sicht der Dinge von den Figuren gespielt, deren Aussagen man gleich abkauft. Es ist ein actionreicher Film, der nicht nur durch die vielen Effekte, wie Feuer, Pistolenschüsse usw. gewaltige Stärke ausdrückt, sondern auch durch einige Nacktszenen, durch die Darstellung von der verzweifelnden Ulrike Meinhof in Isolationshaft und nicht zuletzt durch die derbe Sprache der Studenten gegen die Korruption der Richter reüssiert die Bilder glaubhaft zu vermitteln. Zwar sind die Morde an Buback & Co. schrecklich und grausam, doch der Film ist so gespielt, dass man sogar ein Fünkchen Verständnis für diese grausamen Taten seitens der RAF-Terroristen aufbringt, vor allem wenn man zu anfangs die Szene sieht, als die Polizei Benno Ohnesorg niederschießt und allgemein die Demonstranten gegen den Schah von Persien zu bekämpfen sucht.

Die Besetzung ist wirklich äußerst hochkarätig und gut ausgewählt für das deutsche Kino: Heino Ferch, Bruno Ganz, Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck und viele, viele mehr sind mit ihren Rollen äußerst gut besetzt worden, ja man könnte fast sagen, dass die Gesamtheit der aktuellen deutschen Schauspieler an diesem Kinofilm partizipiert hat. Den Film muss man gesehen haben, um die historischen Personen und die Geschichte und Zusammenhänge kennenzulernen und um sich vor allen Dingen ein Bild zu machen von den Beweggründen für die Taten der RAF-Mitglieder und die vielleicht nicht mehr sichtbaren und doch vorhandenen Auswirkungen bis auf die heutige Zeit.

~Bücher-Liebhaberin~
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Dezember 2013
Ich habe bereits Seminare über die RAF belegt und auch das Buch gelesen, hatte somit auch schon viel Vorwissen. Und mich hätte ein Film, der nur die wichtigsten Stationen thematisiert, wahrscheinlich gelangweilt. Aber dieser Film schafft es, dieses geballte Stück Zeitgeschichte mit seinen ganzen zeithistorischen Einflüssen wirklich gut zu transportieren. Positiv überrascht hat mich z.B., dass der Film "Bambule" von Ulrike Meinhof erwähnt wird am Rande, obwohl er für die Story auch nicht direkt wichtg ist (er aber zeigt, dass ich die Meinhof auch schon zuvor von gesellchaftichen Missständen alarmiert war). Das zeigt mir wiederrum, dass sich die Macher nicht nur oberflächlich mit den Personen beschäftigt hat. Wirklich ein guter Film, der Zeitgeschichte vermittelt und dabei kurzweilig und unterhaltsam daher kommt! (Dass der Film zudem von A-Z mit bekannten Gesichtern besetzt ist, sei am Rande erwähnt)
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am 18. Juni 2015
Eine historische Begebenheit wird mit einer Vielzahl an fantastischen und bekannten deutschen Darstellern erzählt. Nicht nur die damalige Lebenswelt wird gut präsentiert, sondern auch die Entwicklungen der ersten Generationen der RAF. Das Wissen über die RAF gehört zur Allgemeinbildung. Daher ist der Film schon sehenswert. Die spannende und mitreißende Umsetzung machen den Film in besonderen Maße empfehlenswert.
Einziges Manko ist die zeitliche Ausdehnung am Ende.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juli 2009
Meiner Meinung nach zu gewagt. Während einige junge Leute in die Kinos gehen um sich über das Thema zu informieren, können sie der Geschichte nicht gerade gut folgen, während andere Leute sich diesen Film ansehen um "amüsiert" zu werden, obwohl das Thema eigentlich zu ernst ist.

Schauspielerisch ist der Film wirklich gut gelungen, doch ich finde den Mix aus "ein bisschen Dokumentation" und "ein bisschen Action" falsch. Für einen richtigen Spielfilm ist er zu unemotional und für einen Dokumentarfilm zu reißerisch. Man identifiziert sich ein bisschen mit den Figuren, ein bisschen aber auch nicht, und somit verstehe ich nicht, warum die Filmemacher sich nicht entscheiden konnten.

Meiner Meinung nach hätten sie sich besser entscheiden sollen, denn das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
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