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Kundenrezensionen

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am 11. Januar 2009
Um es gleich vor weg zu sagen, dieser Tristan ist sicherlich nicht perfekt, aber geht eben den richtigen Weg. Meiner Meinung nach ist es Chereau hier gelungen dieses Meisterwerk neu zu inszenieren ohne dabei so zu scheitern, wie es unsere gesamte Opernwelt zur Zeit tut.
Das Bühnenbild überrascht mit seiner somnambulen Schönheit. Eine Mauer ist das Bühnenleitmotiv der Inszenierung, eine Mauer, in deren Mitte ein hausförmiger Durchgang ist, welche eine Art Barriere darstellt, die es zu überwinden gilt. Vielleicht ein Tor zum Jenseits?
Das Bühnenbild gelingt! Es übermittelt den Eindruck des Absoluten : Das Spiel vor der Todesmauer. Eine Metapher, die es schafft der Musik gerecht zu werden. Sowohl im Sinne der Atmosphäre (der Regisseur drängt sich nicht auf, er unterstützt), als auch als Motor für Wagners der Erlösung zu steuernden Musik.
Die Beleuchtung ist wohl eines der wirklich großen Verdienste dieser Aufführung. Sie ist auf die Musik abgestimmt. So im ersten Akt dunkel. Schwarze, dunkelblaue, violette Töne, die am Ende durch das helle saftige rot von Isoldes Königsmantel visuell durchbrochen werden.
im zweiten Akt herrscht erst Nacht und der Wandel zum Tag verläuft konsequent und stimmig. Die Farben sind heller, den die Liebesnacht unterscheidet sich ja vom dunklen ersten Akt. Und Chereau begreift das.
Es sind auch italienische Zypressen zu sehen, die zwischen den hohen Mauern grüne Akzente setzen. Ein Bild, dass an die Caracalla-Thermen erinnert. Ein kleiner Augenzwink an Italien, dem Land der Aufführung.
Im dritten Akt ist die Beleuchtung grau und fahl. Die Mauern dienen nun als Burg Kareol.
Chereaus große Leistung war ja schon im Jahrhundert.Ring die Personenregie. Hier ist sie es auch. Der erste Akt gelingt hier überwältigend. Die letzten 10 Minuten habe ich noch nie so spannend dringlich inszeniert gesehen. Wie sich Isolde und Tristan fragen anschauen bis sie das Wunder des Tranks begreifen und dann schließlich über einander herfallen und nur schwer von den Statisten getrennt werden können. Das alles ist große Regie. Man kann mehr als gut nachvollziehen, dass diese beiden Menschen sich wieder sehen müssen!
Im zweiten Akt allerdings, brilliert nur Waltraud Meier als Isolde. Die Mimik dieser Sängerin ist das schönste, welches ich von einer Opernsängerin gesehn habe. Sie leidet, freut sich oder wundert sich. Ist passioniert und das Wichtigste : Sie versteht die Partitur! Ihr schönes Wesen, einer Isolde würdig, verschmilzt mit der Rolle und man beginnt sie zu lieben! Stimmlich rutiniert und klangschön, dabei niemals erschöpft agierend. EIne überragende Schauspilerin, wie sie es schon häufig bewiesen hat!
Ganz anders der Tristan von Ian Storey. er ist stimmlich eher schwach und schauspielerisch träge. Es wirkt dadurch unfreiwillig unglaubwürdig, wenn die schöne hingebungsvoll überzeugende Waltraud Meier diesen unattraktiven, schnaubenden Tristan liebt, dem oft die Puste ausgeht. er wirkt starr, wie ein Opernsänger vergangener Zeiten. ganz anders als der Kurwenal von Gerd Grochowski, der einen warmen ordentlichen baritonalen Gesang abliefert und sich schauspielerisch passend einbringt. und auch zu erwähnen die Brangäne von Michelle de Young. Stimmlich nicht erstklassig, aber gut und vor allem im Spiel überzeugend. Selbes kann man von Matti Salminen behaupten, welche den König Marke mimt.
Der Liebestot ist ein Highlight der Inszenierung. Chereau hat sich etwas neues, sehr passendes dazu überlegt. Ich will hier nicht verraten.
Warum ich trotz einzelner Kritik 5 Sterne geben ist einfach zu begründen : Die Inszenierung ragt heraus. Denn perfekt war eine solche noch nie. Mögen Windgassen und Nilsson diese Partien besser gesungen haben, aber darstellerisch hat es zumindest Letztere überhaupt nicht. Und so gilt es immer Abstriche zu machen und bedenkt man die riesige Anzahl schlechter Tristandeutungen, die eigentlich schon eine Beleidigung für jeden Wagnerliebhaber sein müssten, ist diese endlich eine gelungene. Allein wegen der Regie von Patrice Chereau, dem Bühnenbild von Richard Peduzzi und der Isolde der Waltraud Meier lohnt und gibt diese Interpretation.
Das Bild der DVD ist gestochen scharf und das muss sie sein, um zu wirken. Der Ton klar.
Bleibt noch das Dirigat von Daniel Barenboim zu loben, der hier sein bestes gibt und dabei warme breite Klangteppiche erzeugt. Vielleicht hält er sich im zweiten Akt und im Liebestod ein bisschen zu sehr zurück, doch die Profitierenden sind dabei die Sänger . Barenboim zeigt, dass er ein Opernprofi ist und das Orchester der Scala zeigt, dass sie Italiener sind. Oft scheint hier das Italienische durch, was aber wiederum nicht stört sonder teilweise belebt. Genannt sei hier der dritte Akt und seine Jubelmusik, wenn Kurwenal sieht, dass Tristan erwacht.
Um das ganze zu beschließen : Eine Investition von Zeit und Geld, die sich doch über alle Maßen lohnt!
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am 30. August 2013
das ergreifenste, schönste von tristan und isolde. ganz hoch oben angesiedelt mit ihrer ausdruckstarken
wundervollen weichen stimme, leicht erreicht sie die dramatischen höhen, ein einziger hörgenuss.
das bühnenbild passend zum geschehen, der zeit, die kostüme neutral historisch und vor allem barenboim
führt sein orchester sicher durch alle höhen und tiefen des werks.
dieser kauf ist ein muss. das schönste und beste was zur zeit am markt angeboten wird.
mfg lothar meckel
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am 12. Dezember 2008
Dieser (nicht nachgebesserte) Mitschnitt der Saisoneröffnung am 7.12.2007 an der Mailänder Scala mit Wagners "Tristan und Isolde" brachte das lange erwartete Ergebnis der Auseinandersetzung von Patrice Chereau mit dem legendären Werk.
Man wird nicht enttäuscht! In den düsteren Bildern von Richard Peduzzi und den dazu passenden Kostümen von Moidele Bickel agieren Waltraud Meier (wieder atemberaubend in Gesang und Darstellung) und Ian Storey (ein männlich gereifter Tristan mit gut baritonal fundierter Heldentenorstimme) als ein Paar, das im Grunde einander nicht wirklich nahekommt. Todessüchtig zieht Tristan Isolde, die ihn liebt, in die dunkle Sphäre seiner Obsession. Dazu finden sich im Begleitheft hochinteressante Notizen von Chereau.
Die Oper ist auf 3 DVDs aufgeteilt, das Bild und der Ton sind brilliant. Daniel Barenboim, einer der besten Dirigenten dieses Werkes, bietet mit dem glänzend spielenden Orchester der Scala ein musikalisches Spiegel-Bild menschlicher Zerrissenheit und Ekstase, das einen nur begeistern kann - so wie auch das Premierenpublikum in Mailand hingerissen war!
Auch wenn man schon mehrere "Tristan"-Einspielungen hat: Unbedingt zu empfehlen.
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am 16. August 2014
Die Qualität dieser 3 DVDs ist einfach wundervoll. Das muss sie auch sein, denn es geht ganz schön düster zu. Grau, grau und ein bisschen braun beherrschen das Bühnenbild, nur die Kleidung sticht ein bisschen hervor.

Ich kann nur meine eigene Meinung hier kundtun: Für mich ist dies der beste Tristan seit vielen, vielen Jahren, ja ich finde ihn sogar besser, als den Heiner-Müller-Tristan aus Bayreuth.

Die SängerInnen finde ich alle spitzenmäßig und wenn es stimmt, daß nicht nachgebessert wurde, ist das fast ein kleines Wunder, denn es ist ein Live-Mitschnitt.

Die Inszenierung ist fantastisch und man kann alles nachvollziehen, was auf der Bühne geschieht (was bei modernen Inszenierungen ja oft nicht mehr der Fall ist).

Klar: Waltraud Meier IST Isolde. Ich weiß nicht, wieviele Isolden sie schon gesungen hat, aber sie entdeckt sie immer wieder neu.

Chereau ist hier ein wahrhaftiges Kunstwerk gelungen, es zeugt von Reife und Erfahrung. Einfach wunderbar. Sehr traurig, dass er schon verstorben ist.
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am 2. Januar 2013
Nun was soll ich sagen? Ich habe über 50 Lebensjahre gebraucht, um Zugang zu Wagners Musik zu finden. Ouvertüren, Vorspiele, den Holländer taten die Wagnerianer in meiner Umgebung als "leichte Vorgeplänkel" ab. Nachdem mir einige , nun ja Arien ist wohl der falsche Ausdruck, eher Gesangsauzüge des Tristan ins Ohr gingen, habe ich mir diese DVD als Vorbereitung zum Besuch des Life-Events (Staatsoper München) gekauft, wer weiß schon vorher, ob er viereinhalb bis fünf Stunden Wagner erträgt? Und: Ja, sogar sehr. Die Musik zog mich in ihren Bann, bisweilen ertappte ich mich mit geschlossenen Augen um zu lauschen (warum zum Teufel habe ich mir dann eine DVD und nicht nur die CD gekauft?), ich wurde mitgerissen, ach was, hinweggespült von der Macht dieser Musik. Die Interpreten, allen voran die wunderbare Waltraud Meier, konnten mich überzeugen, wenn auch manche nicht vollständig (ist der Tristan so angelegt oder gehört da mehr "Kraft dahinter"?). Für mich auf jeden Fall ein Erlebnis. Das auf einem großen Flachbildschirm sich auch optisch entfalten kann. Keine Reue über den Kauf. Nicht eine Sekunde!
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am 19. April 2009
patrice chereau und richard peduzzi, die beiden grossen schon heute legendären theater-macher haben nach ihrem - dem! - 'jahrhundert-ring' in bayreuth (dt.grammophon-dvd ) ihre lang erhoffte und sinnreiche 'tristan' -inszenierung nun in mailand ev.endgültig und grandios realisiert.
eine musik-theater-, scala-sternstunde.

ihnen ist eine stilistisch geschlossene, plausible und überzeugende inszenierung gelungen,
die dem mythos von leben-liebe-leid-verrat-tod den archaischen grund-boden entwirft,
in die sinnvolle gestalt umsetzt und sichtbar macht, was durch die musik
allein schon vollzogen und 'ausgestaltet' wäre ... -
und viele tristan-kenner bevorzugen ja die rein akustische wiedergabe, der individuellen
imagination wegen, die irgend-wessen sentimentalische oder gar kitschig-vordergründige bildassoziationen ausschliesst -
aber chereau (peduzzi und m.bickel, die prägnante kostümbilder erfand) hat die tiefen-
einsicht, den langen atem für das kontemplative, auf den klangraum bezogenes kontinuierlich-kreisendes momentum der changierend-schwül-zehrenden musik auch so begriffen,
dass ihm frappierend 'authentische' und dekor-freie (tafel-)bilder gelingen:
reduziert auf das wesentliche und unterstützt von adäquaten sing-schauspielern:
wie die alle überragende waltraud meier, die isolde unserer zeit, so wie ian storey,
als verloren-taumelnd-stoischer held-typus, wie der grossartig agil-jungenhafte
kurwenal des jungen gerd grochowski -
eindrucksvolle darsteller, auch die selbstbewusst agierende brangäne der de youngs, und
salminens alter marke zeigt immer noch eine imposante statur.

sie sängerischen darbietungen sind alle zumindest akzeptabel, auch besonders der chor.
neben der meier gibt es zwar keine überragenden vokalen leistungen
(und auch meier hat nicht mehr den flutend-leisen atem für isoldes schlussgesang), aber
alle sind dem gesamtkunstwerk des chereau hinreichend überzeugend, vor allem
darstellerisch seinem hohen anspruch gewachsen.
besonders die männer des chors der scala, die die notwendige, zumal auch (homo-)erotische färbung dieser liebes-geschichte in einer archaischen männer-welt überzeugend gestisch vergegenwärtigen,
der meisterhaften personenregie wegen.

und barenboim, der sensualistisch-über-musikalische, formt empfindungsvoll alles
von der piano-stille zum bezwingenden klang-rausch, was das scala-orchester glänzend
nachvollzieht, um die 'zeitlosen' tag-traum-räume klangsinnlich zu füllen.

so ist dieser dvd-mitschnitt alles in allem eine überzeugende, vor allem szenisch-ästhetisch erstrangige produktion, die chereau (und sein team) - nach wagners ring, bergs wozzeck und
mozarts cosi - erneut als einen meister des musiktheaters dokumentiert, der mit barenboim und meier zwei 'bewährte' und so inspirierte musiker für sich hat, die wissen, worauf es ankommt, bei diesem überdimensionalen markstein der musikgeschichte.
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am 25. Dezember 2008
Nun ist glücklicherweise den Mailander Tristan von voriges Jahr auf DVD erschienen! Ich hatte schon die TV-Produktion gesehen (und aufgenommen), aber die Qualität ist natürlich viel besser auf DVD. Es ist interessant zu sehen wie die Regie van Chereau sich hat gebessert seit den Jahrhundert-Ring den ich in Bayreuth erlebt habe und denen ich nicht liebte. Chereau kannte damals die Musik von Wagner nicht (gab das auch zu) und das Werk Wagners bekam etwas gespaltenes. Aber auch schon damals musste ich erkennen dass Chereau sehr schöne Regiemomente hatte.
Das Lebendige seiner Regie ist geblieben aber die Konzeption ist viel mehr durchdacht und durchlebt.
Mein erster Tristan-erlebnis war eine Vorstellung in der Regie und Inzsenierung von Wieland Wagner in Bayreuth 1968. Es gibt leider nur Teile dieser Produktion (schwarz/weiss) bei Youtube (Japan/Osaka 1967) und natürlich - weil es eine Fernseh-Registrierung war - sehr unscharf. Wieland Wagner arbeitete damals aus der Psychoanalyse heraus und sehr statisch, mit wenig Bewegung
Chereau's wundervolle Regie ist ganz aus Musik und Tekst erstanden und sehr lebendig. Die Bühnenbilder von seinem vertrauten Mitarbeiter Richard Peduzzi sind psychologisch passend und schön mit den vielen Geraden (horizontal und vertikal). Auch die hinzufügung von Italienische Elemente wie zum Beispiel die ernst-dunkelgrüne Zipressen in der zweiten Akt sind psychologisch sehr gut getroffen.
Auch Kleidung, Farben und Licht sind einfach, schön und logisch.
Von den vielen Inzsenierungen die ich gesehen habe (auch auf DVD!)ist diese von Chereau die Beste, so ist mein Urteil.
Regiemässig gibt es viele überrasschende Momente. Um nur drei zu nennen:
Das Lächeln von Isolde und Tristan im zweiten Akt bei den Tekst-Umkehrung: "Soll ich lauschen. Lass mich sterben".
Den Ohrfeigen, den Marke Melot am rechten Moment gibt, wodurch die Haltung von Marke und auch seine Worten "Tatest du's wirklich, wähnst du das?" viel deutlicher überkommt.
Am Schluss der dritten Akt blutet Isolde aus dem Haupte. Das Blut ist der Ich-Träger und strömt aus ihrem Leibe in der Erde, wie eine Opfertat.

Was die Kameraregistrierung betrifft habe ich nur zwei Dinge die ich weniger Passend finde: Dann und wann wird mit der Kamera ausgezoomt, so dass Orchesterraum und Theater sichtbar werden und die Handlung fast verschwindet. So etwas darf natürlich NIE geschehen! Auch finde ich die viele Übergänge der Bilder nicht schön. Es entsteht dann - zwar nur kurze Zeit - ein schwarzes Loch. Man kann dan besser die Bilder gleich nach einander stellen ohne Übergang oder IN einander übergehen lassen.

Die Musikalische Darsteller sind alle sehr gut und auch das Orchester spielt inspirierend unter die Leitung von Daniel Barenboim, der hier die Sänger immer unterstützt und sorgt für ein gutes Gleichgewicht. Das war zu Ostern 2008 bei den Meistersingern im Staatsoper Berlin leider anders.....

Schon lange Zeit wollte ich eigentlich nur noch Konzertaufführungen von Tristan und Isolde mitmachen, weil Bühnenbilder, Kostüme und Regie mich oft sehr stören. Jetzt habe ich wieder Hoffnung bekommen durch diese zauberhaft schöne Vorstellung. Hoffnung, dass viele Regiseure lernen von der Arbeitsweise von Patrice Chereau, Richard Peduzzi und Daniel Barenboim, die Wagner treu sind geblieben und doch viel Neues gaben!
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TOP 500 REZENSENTam 7. November 2015
Von jeher stellt diese Oper enorme Ansprüche an alle Mitwirkenden. Während die Titelpartien und der Dirigent nicht selten ihre Kraftreserven angreifen müssen, stellt Richard Wagners "Tristan und Isolde" selbst den Regisseur vor außerordentliche Herausforderungen. Denn die "Handlung in drei Aufzügen" entbehrt eben gerade in weiten Teilen an (äußerer) Handlung. Der Mailänder Tristan aus dem Jahr 2007 meistert all dies mit Bravour.

1. Die Inszenierung

Patrice Chéreau, der Regisseur des Bayreuther Jahrhundert-Rings, arbeitet respektvoll und macht aus dem Tristan eine bis in die Spitzen stimmige Angelegenheit. Die Inszenierung ist modern und dennoch nah am Text: Wir sehen im ersten Aufzug ein stilisiertes Schiff, im zweiten Markes Burghof und im dritten schließlich Kareols Innenhof. Ein wiederkehrendes Element ist die große, graue Mauer, die die Bühne nach hinten begrenzt, ebenso der zentrierte Durchbruch in den Umrissen eines Hauses. Er ist erst Schiffsaufbau, dann Pforte in den Burggarten und zuletzt Haupttor Kareols. Zum Ende eines Aufzugs erfährt die Szene eine vorsichtige Metamorphose, bei der sich das Bild der gewandelten Lage anpaßt. Das erscheint bis in die Spitzen durchdacht, hochwertig und aufgeräumt. Gleiches gilt für die Requisiten, die sich erfreulicherweise mit den Anforderungen des Textes decken.

In dieser überwiegend in zurückgenommenen Farbtönen gehalten Umwelt vollzieht sich die Handlung. Die Figuren sind farblich daran angelehnt und vergleichsweise "zeitlos-modern" gekleidet. Keinesfalls entsteht der Eindruck, daß wieder einmal der Kostümfundus geplündert wurde. Die Personenführung und die Entwicklung der Aufzüge sind brillant umgesetzt. Trotz der Momente, in denen die Charaktere sich Zeit für das innere Drama nehmen, bleibt es fesselnd. Tristans Verletzung, sein sowie Isoldes Tod gehen unter die Haut. Die Sorgfalt und Ernsthaftigkeit, mit der Chéreau die Oper in Szene setzt, ist bestechend.

Der Regietheater-Freund wird hier freilich die üblichen Andeutungen, seien es nun Zeichen, Gegenstände oder sonstige Phantasmen, die zum Rätseln anregen, redlich vermissen – hier gilt's dem Werk, nicht dem Regisseur.

2. Die Sänger

Ohne die Leistung ihrer Mitstreiter mildern zu wollen, bleibt festzuhalten: Waltraud Meier dominiert die Aufnahme. Ihre Isolde ist gesanglich und besonders darstellerisch ein beispiellos intensiver Hochgenuß. Meier überstrahlt die Bühne mit ihrer einzigartigen Präsenz und Authentizität – ihr Liebestod ist atemberaubend. Der 'arme' Tristan, der neben diesem Sopran seinen Mann stehen muß! Ian Storey ist kein Ludwig Suthaus, wie bei Furtwängler, kein Ramón Vinay, wie bei Karajan, und er ist kein Wolfgang Windgassen, wie bei Böhm. Sein Tristan ist gleichwohl darstellerisch ein Gewinn und gesanglich solide. Obwohl seine Stimme nicht kippt, er sorgfältig disponiert und die Partie gut stemmt, so hört man doch, wo ihre Grenzen liegen.

Die Leistungen der drei Nebenfiguren, Brangäne (Michelle DeYoung), Kurwenal (Gerd Grochowski) und Marke (Matti Salminen) gilt es ebenso zu erwähnen. DeYoung gibt eine treue Gefährtin, deren Darbietung hin und wieder unter mangelnder Verständlichkeit leidet. Dagegen ist Grochowski ein dunkler, timbrierter Fels in der musikalischen Brandung. Einen solchen Getreuen wünscht sich wohl jeder Tristan. Und abschließend "König" Salminen, der mit seinen 62 Jahren und reichlicher Wagner-Erfahrung einen alten, tiefenttäuschten, aber stimmlich noch immer imposanten Marke zeigt. Zu loben ist letztendlich natürlich noch der hervorragende Chor der Scala.

3. Die Musik

Daniel Barenboim, ein wohlverdienter Wagner-Veteran, zeigt am Pult der Mailänder Scala, daß er mit Recht als einer der Wagner-Dirigenten unserer Tage gilt. Sicherlich ist ein Dirigent auch von der Leistung seiner Musiker abhängig, aber da hat er wenig zu fürchten. Im Gegenteil, das Orchester der Scala spielt leicht und differenziert, erklimmt unter dem Maestro spielerisch manch gewaltige Höhe. Gemeinsam erschaffen sie einen Tristan, der unter die Haut geht – subtil, ausbalanciert, einfach "natürlich". Die Musik umspült die Handlung derart organisch, daß sich die Aufnahme ebenfalls durch ihre Balance auszeichnet.

Abschließende Worte

In meinen Augen ist diese Produktion eine der denkbar besten. Das liegt einerseits am Zusammenwirken der für sich bereits hochkaratigen Einzelteile. Andererseits ist die Bildregie, die im dritten Aufzug beispielsweise die Schnitte so vollzieht, als dämmere der Zuschauer Tristan gleich durch das Geschehen, großartig umgesetzt – wie die Aufbereitung auf Blu-Ray im allgemeinen. Kleinere Abstriche sind immer zu machen, denn rundum perfekte Aufnahmen gibt es kaum, besonders weil die Bewertung dessen stets subjektiv ist. Nichtsdestoweniger glänzt dieser Tristan nicht mehr nur als Gesamtkunstwerk, sondern nun endlich in High Definition.

Die Blu-Ray

Laufzeit: 257 Minuten
Bild: 16:9, Farbe
Audio: LPCM Stereo, DTS 5.1 surround
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, und Italienisch
Menü: Englisch

(Das Begleitheft ist in französischer, deutscher und englischer Sprache.)
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am 3. Dezember 2014
Live-Aufnahme, Mailand, Scala, 07.12.2007. Zu Beginn ein kurzer Kameraschwenk über den abendlichen Opernvorplatz, durch Foyer und Opernraum; beim Orchester-Vorspiel darf man Daniel Barenboim und den Musikern zusehen. Die 3 DVDs beinhalten jeweils einen vollständigen Akt.

Wirkung und Eindringlichkeit der Aufführung entfalten sich ohne Effekthascherei. Wenige aber gute Zutaten genügen der Chéreau-Inszenierung: a) Orchester u. Chor der Mailänder Scala, b) D. Barenboim, c) gut abgestimmtes Ensemble, mit Waltraud Meier in der Hauptrolle, d) zurückhaltendes (für heutige Verhältnisse) Bühnenbild, welches die Dramatik gut wirken lässt, e) besonnen gefilmt, d.h. Zoom und Vergrößerungen nur an den passenden Stellen, wo man selber auch gerne durchs Opernglas sehen würde.

Meines Erachtens ist diese DVD das Geld und die Zeit (257 Minuten) wert ! Wäre damals gerne live dabei gewesen ...
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am 17. Juli 2014
Musikalisch überzeugend, vor allem Waltraud Meier berührt. Sehr gut inszeniert, eindrucksvolles Bühnenbild. Konnte gar nicht mehr aufhören zu hören und zu schauen.
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