Kundenrezensionen


50 Rezensionen
5 Sterne:
 (31)
4 Sterne:
 (4)
3 Sterne:
 (8)
2 Sterne:
 (4)
1 Sterne:
 (3)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


57 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus einer besseren Kinofilm-Ära!
Als dieser Film gedreht wurde ging es beim Kinofilmedreh nicht immer nur um schnell lebige Kost mit den neuesten Special Effects, neuem Rekordbudget und 30 Filmsequenzen pro Minute. Auch wurde nicht für die breite Masse gedreht, sondern für Filminteressierte, die sich vorher vielleicht sogar das Buch von Milan Kundera wenigstens schon mal ins Regal gestellt...
Veröffentlicht am 21. September 2009 von Sabrina Büchner

versus
2.0 von 5 Sternen Wasnun?
Viel Fleisch. Schrecklich sieht der Mann aus, wenn es ihn überkommt.
Man fragt sich, welches Marketinggenie war da am WErk.
Eigentlich geht es nicht um Leichtigkeit, sondern um Öde.
Vor 1 Tag von ASfiris veröffentlicht


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

57 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus einer besseren Kinofilm-Ära!, 21. September 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD)
Als dieser Film gedreht wurde ging es beim Kinofilmedreh nicht immer nur um schnell lebige Kost mit den neuesten Special Effects, neuem Rekordbudget und 30 Filmsequenzen pro Minute. Auch wurde nicht für die breite Masse gedreht, sondern für Filminteressierte, die sich vorher vielleicht sogar das Buch von Milan Kundera wenigstens schon mal ins Regal gestellt haben.

DIE GESCHICHTE: In diesem Fall sogar eine geschichtliche Geschichte, oder besser eine Filmhandlung mit geschichtlichem Rahmen, nämlich der Zeit des Prager Frühlings. In der Tschechoslowakei der Nachkriegszeit entspannt sich eine Liebesgeschichte zwischen dem sexuell leichtlebigen, in Prag arbeitenden Neurochirugen Tomas (Daniel Day-Lewis) und der vom Lande kommenden Kellnerin Teresa (Juliette Binoche). Sie lernen sich in einer Kurklinik kennen, in der Tomas eine Operaton durchführt. Tomas liebt die Frauen und den schnellen unkomlizierten Sex ohne Besitzansprüche. In Prag nutzt er gerne seine Stellung als Arzt und sein Charisma, um sich Befriedigung zu verschaffen. Seine einzige Vertraute und längerfristige Sexualpartnerin ist die Künstlerin Sabina (Lena Olin), die, wahrscheinlich auch in Tomas verliebt, seine Bindungsscheu akzeptiert. Teresa, die kleine Schüchterne vom Lande, folgt Tomas in die Stadt, und setzt Tomas Regel, nach dem Sex niemals bei einer Frau zu übernachten einfach ausser Kraft, indem sie bei ihm bleibt. Und Tomas lernt Teresa lieben, doch seine Spielereien kann er nicht lassen. Nach einer Zeit merkt auch Teresa die Untreue. Als sie vor dem Regime der russischen Besatzung und der damit einhergehenden Gängelungen in die Schweiz flüchten, beginnt Tomas fern der Heimat wieder eine sexuelle Beziehung mit Sabina. Teresa, die mit dem "leichten Leben" im freien Westen und Tomas "Freiheitsliebe" nicht mehr umgehen kann, kehrt Hals über Kopf in die unfreie Tschechei zurück. Da Tomas um die politische Gefahr weis, die von dem Land für Teresa ausgeht, kehrt auch er ihretwillen wieder nach Prag zurück und erlebt dort mit Teresa den Einmarsch der russischen Truppen. Da sich Tomas und Teresa politisch nicht dem Regime der russenfreundlichen Regierung unterwerfen wollen, verliert Tomas seine Stelle als Arzt und muß als Fensterputzer seinen Lebensunterhalt bestreiten. Schliesslich fliehen die beiden erneut vor den Schickanen der Partei aufs Land, wo sie für eine kurze Zeit das wahre Glück erleben und Teresa die ungeteilte Liebe von Tomas findet.

Eine wunderschöne Liebesgeschichte mit bitter-süßem Beigeschmack und talentierten Charakterdarstellern. Ein Muß für jeden Kino-Fan.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großes Kino voller Emotionen!!, 4. Juni 2008
Nicht nur der Roman ist einzigartig gut, auch dieser Film ist in meinen Augen ein äußerst gelungenes Gesamtkunstwerk. Durch das großartige Zusammenspiel der Darsteller und eine stimmungsvolle, stilistisch fein am Zeitgeist orientierte Kulisse wird es zu einem wahren emotionalen Vergnügen, voll und ganz in den Film einzutauchen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer nicht bei sich bleibt, kann nicht glücklich werden, 5. Januar 2009
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Tomas ist Gehirnchirurg und liebt es, viele Frauen zu haben. Er sucht ihre besonderen Gerüche, das Überraschende ihrer Körper oder ihre Ausdrucksweise, wenn er mit ihnen schläft. Er hat Sehnsucht nach dem Zufall und liebt eine sich ständig wechselnde Welt.

Sein weibliches Äquivalent ist die Künstlerin Sabina. Beide begehren sich ohne einander besitzen zu wollen. Mit der wunderbar erotischen Lena Olin ist Sabina hervorragend besetzt.

Doch eines Tages lernt Tomas auf seiner unentwegten Suche nach dem Neuen Teresa kennen. Teresa folgt ihm später nach Prag und drängt in sein Leben, das er eigentlich nicht mit nur einer Frau teilen wollte. Ihre uneingeschränkte wundervolle Liebe überrumpelt ihn. Aber Teresa passt nicht in seine Welt und er nicht in ihre. Tomas begreift das nicht und heiratet Teresa.

Als die Russen im August 1968 Prag besetzen, fliehen beide in die Schweiz. Weil er Arzt ist, fällt es Tomas leicht, eine Anstellung zu finden. Teresa jedoch hat schlechte Karten für ein Leben im Ausland. Sie wird sich ihrer vollständigen Abhängigkeit von Tomas bewusst, leidet unter seinem Verhältnis zu Sabina, die nun auch in Genf lebt, und kehrt in die Heimat zurück.

Oft genug gibt einem das Leben eine zweite Chance. Und noch öfter übersehen wir sie oder wollen sie nicht annehmen. Tomas folgt Teresa und verliert damit sein eigentliches Leben.

Natürlich kann man die Konsequenzen dieses Schrittes auch völlig anders interpretieren. Man kann von der wahren Liebe schwärmen, für die man alles aufgibt. In diesem Sinne wird dann auch das Ende der Geschichte gedeutet. Diese Deutung passt aber nicht in die Persönlichkeit von Tomas.

Auch bei der größten Liebe eines anderen für ihn, wird ein Mensch nicht glücklich werden, wenn er seiner ursprünglichen Bestimmung nicht mehr folgen kann.

Sabina steht vor der gleichen Entscheidung wie Tomas. Sie trifft die andere Wahl und bleibt sich treu, indem sie die aus ihrer Sicht fesselnde Liebe eines Mannes ausschlägt und verschwindet. Im Buch heißt es dazu, dass damit auf Sabina keine Last gefallen ist, sondern die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Beides ist nicht einfach. Sabina aber kann sein, was sie ist.

Die Binoche spielt die Rolle der Teresa mit einer faszinierenden Glaubhaftigkeit. Ich hätte nicht vermutet, dass eine Französin das Wesen eines tschechischen Dorfmädchens dieser Zeit so überzeugend darstellen kann. Auch der Film hat eine für eine ausländische Produktion überraschende Detailtreue in der Ausstattung und der Darstellung von kleinen Ansichten des Lebens in diesem Land zu dieser Zeit. Beispielsweise werden die Verspieltheit der Tschechen und ihr Hang zur Kaffeehausgesellschaft der früheren Jahre ganz nebenbei gezeigt, ebenso wie ihr eigentümlicher Humor.

Den Zeitgeist transportiert der Film allerdings nicht richtig. Vielmehr erleben wir nur die Sicht Kunderas. Das aber ist nicht die Sicht der damaligen Durchschnittsmenschen und der Grund für die geringe Beliebtheit des Buches und erst recht des Filmes in der Heimat des Autors.

Fazit.
Abgesehen von der etwas plakativen Darstellung der Ereignisse vom Sommer 1968 ist dies ein wunderbar genauer Film, der uns zwei Lebensentwürfe gegenüberstellt. Für mich jedenfalls formuliert er eine einfache Botschaft: Bleibe bei dir, sonst wirst du unglücklich.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Begleiter meiner Jugend, 30. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD)
Ich habe den Film in den 80ern in einem kleinen OFF Kino in Berlin gesehen. Da das Buch von Milan Kundera meine gesamte Jugend geprägt hat und ich auch heute noch oft darin blättere (die für mich schönsten und wichtigsten Stellen sind markiert) bin ich eher mit gemischten Gefühlen ins Kino gegangen.
Ich wurde positiv überrascht.
Es ist für mich der einzige Film, der jemals einer Romanvorlage gerecht wurde! Von der Besetzung, Umsetzung, von den Bildern, der Stimmung und den Gefühlen bis hin in kleinere Details war alles perfekt. Es ist mein absoluter Lieblingsfilm!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht die Leichtigkeit des Seins einsam?, 9. August 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Romanvorlage für diesen Film ist Milan Kunderas Buch " Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins."
Seit ich diesen Roman gelesen habe ist zuviel Zeit ins Land gegangen, um mich detailliert an Einzelheiten erinnern und konkrete Vergleiche zum Film herstellen zu können. Von daher beziehe ich mich bei meiner Rezension nur auf das, was ich gesehen habe.
Die Spieldauer des Films von Philip Kaufmann beträgt 166 Minuten.
Die Handlungszeit ist der so genannte " Prager Frühling ", dessen jähes Ende und die düstren Monate danach.
Zwischen Januar und August 1968 gab es in der damaligen CSSR unter der Führung von A. Dubcek einen Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozess. Durch die militärische Intervention der UdSSR und vier weiterer Staaten des Warschauer Paktes wurde dieser Prozess gewaltsam unterbunden. Man beklagte 94 Todesopfer. Diese wurden durch die Breschnew-Doktrin pseudo- legitimiert.
Das, was sich auf den Straßen zutrug, wird teilweise durch Originaleinblendungen dargestellt.

Worum geht es? Der in Prag lebende Hirn-Chirurg Tomas (Daniel Day-Lewis), ein sehr hagerer, leicht unterkühlter Mann, dessen erotische Ausstrahlung mir erst - wenn überhaupt - auf den dritten Blick auffiel, ist polygam veranlagt und lebt seine diesbezüglichen Neigungen voll aus.
Mit seiner hocherotische, bildschönen Geliebten Sabina (Lena Olin), einer Künstlerin, die ähnlich wie er viele Affären hat, scheint er eine besonders zufrieden stellende körperliche Beziehung zu haben. Die beiden sind spürbar immer wieder sexuell voneinander in den Bann geschlagen. Sie haben Spaß am Moment und gehen anschließend stets erneut ihrer Wege. Bürgerliche Bande streben sie offenbar nicht an. Die beiden genießen die Leichtigkeit des Seins, wenn man so will.
Auf dem Land lernt Tomas durch Zufall Teresa (Juliette Binoche), ein hübsches, leicht melancholisches, introvertiertes Mädchen kennen. Als die beiden auf einer Parkbank miteinander sprechen, liest Teresa gerade Tolstois Anna Karenina.
10 Tage später steht sie bei Tomas in Prag vor der Tür und zieht zunächst vorübergehend zu ihm in die Wohnung. Sie sucht einen Job in der Stadt. Zwischen den beiden entspinnt sich - wie könnte es anders sein - eine sexuelle Beziehung, die Thomas keineswegs veranlasst seinem polygames Liebesleben ein Ende zu setzen. Seine sexuellen Eskapaden haben nichts mit seinem Liebesleben zu tun.
Teresa leidet unter dieser Polygamie und versucht ihre Hauptwidersacherin Sabina mittels Fotoaufnahmen körperlich zu studieren. Es kommt zwischen den zwei Frauen sogar zu körperlichen Annährungen, die allerdings seitens Teresa keine lesbischen Komponenten beinhalten. Teresa kann nur dann erfüllenden Sex haben, wenn sie liebt. Tomas ist ihre große Liebe, den sie mit anderen Frauen nicht teilen möchte.
Nach dem Ende des Prager Frühlings emigrieren die Protagonisten nach Genf, aber Teresa kehrt alsbald nach Prag zurück, weil sie sich für ein neues Leben zu schwach fühlt. Tomas folgt ihr, da er die Leichtigkeit des Seins, die er eigentlich genießt, ohne seine Frau nicht ertragen kann.
Er scheint sich ohne ihrer Nähe einsam zu fühlen. Ob das ein Indiz für Liebe ist, möchte ich allerdings bezweifeln.
In Prag bekommt Tomas wegen eines Artikels, den er im Prager Frühling verfasste, Ärger und darf nicht mehr als Hirn-Chirurg tätig sein.
Seine amourösen Abenteuer sind nach wie vor Teil seines Lebensinhaltes.

Erst der Tod vereint Teresa und Tomas auf ewig miteinander, wobei nach meiner Ansicht Tomas bei Sabina besser aufgehoben gewesen wäre.

Beindruckende, aber auch gleichzeitig beklemmende Bilder von Prag aus lang zurückliegender Zeit. Sehr gute, sehr nachdenkliche Dialoge.

Empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poesie, Geschichte und Geschichten - grossartig, 28. Mai 2003
Endlich. Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins auf DVD. Selten habe ich einen Film gesehen, der Weltgeschichte so grossartig mit Einzel"schicksalen" (grässliches Wort) verbindet und insgesamt so poetisch sein kann. Unvergessen sind die Szenen mit dem sowjetischen Einmarsch in Prag, die sehr geschickt mit der Geschichte der Dreiecksbeziehung vermengt wurden: Dokumentarbilder und Nachgestelltes. Unvergesslich die Dreiecksgeschichte selbst, ein melancholisches Bild von Träumen, Freuden und Pflichten der Liebe, Ansprüchen, Verweigerung letzterer... Wunderbar der Humor, der, wie auch im Buch, ungezwungen und still eingesponnen ist und der die verständlichen emotionalen Spannungen erträglich macht und die Geschichte (in beiden Bedeutungen des Worts) zum Strahlen bringt. Ein Fast-Autorenfilm, der Spass macht. Und alles garniert mit der genialen Idee, das alles von Janaceks eigenwilliger Musik kommentieren zu lassen: vom "Märchen", das wohl Tomas' etwas leichtlebige Lebensphilosophie herüberbringt bis hin zu jener berühmten Stelle der Violinsonate im "politischen" Teil. Das Buch strotzt von theoretischen "Abhandlungen"; davon ist auch manches im Film erhalten, wenn auch unausgesprochen. Zu lang geworden? Fand ich nicht. Allenfalls "ausführlich" oder "episch". Der Film hat alles, um der Filmgeschichte in Erinnerung zu bleiben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön aber kurz, 7. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD)
Allein der Titel enthält in seinem ambivalenten Antagonismus Stoff genug für ein philosophisches Seminar. Das Leben könnte so leicht sein. Beschwingt verfolgen die drei Hauptfiguren ihre hedonistischen Ziele und es entsteht ein Dreiecksverhältnis, das durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag heftig durcheinandergewirbelt wird. Damit bekommt die Geschichte eine feste zeitliche Einordnung. Das Geniale daran ist die wechselseitige Beeinflussung von Liebesbeziehungen und politischen Verhältnissen. Im dritten Teil sehen wir zwei Protagonisten wieder nach Flucht und Rückkehr in die CSSR bei ihrer Auseinandersetzung mit den wiedererstarkten Altkommunisten. Der unpolitische Womanizer und Chirurg Thomas (Daniel Day-Lewis) wird nicht zum politischen Wendehals dafür aber menschlich reifer. Fast ebenso ergeht es seiner Ehefrau Theresa (Juliette Binoche). Die Szene, in der sie und die Dritte im Bunde (Lena Olin) sich gegenseitig nackt fotografieren ist eine der schauspielerischen und dramaturgischen Highlights des Films. Es knistert zwischen beiden, die eigentlich Rivalinnen sind. Zuvor kommt der böhmische Charme zum Einsatz. Selten gab es eine lustigere Trauung!
Nach mehreren überraschenden Wendungen kommt der Schocker am Schluss. Es ist nichts für Happy End Fetischisten. Und es ist nicht nur so, dass das, was erzählt wird, unter die Haut geht, sonder auch wie es erzählt wird. Im ach so leichten Leben mit vielen Höhen gibt es halt auch unerträgliche Tiefen. So ist halt das Leben. Kongenial von Regisseur Kaufman und Romanautor Kundera. Spannend, berührend, meisterhaft!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Blicke hörbar werden ..., 15. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD)
Die folgende Besprechung entstand als Film-Review für "Sissy - Homosexuals Film Quarterly" in der Dezemberausgabe 2011 für die Rubrik "Der Moment - Schriftsteller sehen Filme." Vierteljährlich schreibt ein Schriftsteller/eine Schriftstellerin über einen (nicht-heterosexuellen) Filmmoment.
Ich habe, als ich gefragt wurde, einen Moment aus diesem, meinem Lieblingsfilm geschrieben.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ich sehe meine Liebe das erste Mal im Sommer 1992. Ich bin in Dresden.
In hundertsechsundsechzig Minuten werde ich mein Herz verlieren. Ich bin nicht vorbereitet.

Der Tag war heiß. Ich bin ewig gelaufen. Meine Füße sind müde, ich hab genug Sonne gehabt, genug Stadt gesehen. Ich möchte sitzen, irgendwo im Dämmer. Möchte ausklingen.
Ich weiß nicht, wie ich dorthin gelangt bin, weiß nur, dass es eine Seitengasse ist, ein verschlissenes, von der Zeit zernagtes Eckgebäude.

Ein Kino. Ich werde es danach nie mehr finden. Nicht, weil es so versteckt wäre, sondern weil ich es nicht suche. Ich möchte keine Veränderung erleben, nicht sehen, dass aus der Bruchbude vielleicht ein Kino mit glitzerndem Tresen geworden ist, mit Popcorn in drei Geschmacksrichtungen und einem Saal, der nach Raumspray duftet.
Ich möchte die erste Begegnung so im Kopf bewahren, wie sie für mich war: unerhört.

Als ich in eintrete, riecht es nach Zwiebeln und zeratmeter Luft. Die Sitze sind hart, aus rohem Holz. Splittergefahr. Der Steinboden: warm. Er hat die Hitze des Tages gespeichert und wird sie im Laufe des Films abgeben. Er ist von kleinen, dunklen Flecken übersät, deren Ursprung mir ein Rätsel ist.

Das Kino ist zu einem Viertel gefüllt. Kurz bevor das Licht vergeht und der Film beginnt, drängt eine sich Katze durch die Sitzreihe, an meinem Fuß vorbei, gleich darauf eine zweite, die den Fuß einfach überspringt. Dann wird es dunkel, die Leinwand hell, und ich sehe sie zum ersten Mal.
Es ist ein Moment …

… in Prag. Wir haben 1968. Die Zeit des Prager Frühlings.

Tomas (Daniel Day-Lewis) ist Arzt, ein Charmeur, der die Frauen liebt. Sabina (Lena Olin), sirenenhafte Künstlerin, ist seine Geliebte. Teresa (Juliette Binoche) ist das Mädchen vom Land: fiebrig schön und wild entschlossen, dem Provinzmief zu entkommen. Als sie Tomas kennenlernt, der für einen Tag in ihren Dorfalltag hereinbricht, fasst sie einen Entschluss. Sie folgt ihm nach Prag, klingelt an seiner Tür. Und bleibt. Eine Ménage-à-Trois beginnt.
Der Moment …

… nein, er ist noch nicht da, denn zuerst entsteht die Ahnung: dass (neben der historischen Geschichte) nicht von zwei, sondern von einer Frau erzählt wird. Dass die schillernde Sabina und die pausbäckige Teresa, zu der Tomas sich ebenso hingezogen fühlt, Facetten einer einzigen Frau sind – aufgeteilt in zwei Figuren. Und in diesem Moment …

… gehen Flämmchen im Dunkel auf. Rechts und links von mir. Zigaretten werden angesteckt, Glut wird am Boden zertreten. Jetzt weiß ich, woher die dunklen Flecken stammen.
All diese Unerhörtheiten – Katzen, die sich unter den Sitzen jagen, Rauchschwaden vor der Leinwand, das Zischen, wenn eine Bierflasche mit dem Feuerzeug geöffnet wird – mischen sich mit dem Geschehen im Film: eine dumpfe Kurklinik, stickige Politbüros, Sabinas lichtes Künstleratelier, Sabina, nackt bis auf Hut und Strapse in Tomas’ Bett, das Dröhnen der Panzer auf den Straßen, Schreie, Teresa, die die Geschehnisse fotografiert, die Russen marschieren ein. Und dann …

… der Moment.

Nach der Flucht in die Schweiz. Nachdem die Katze sich an meine Wade drängt. Als Teresa sich beruflich auf Aktfotografie verlegt hat. Und ein Model sucht. Und zu Sabina geht: der Künstlerin, Freundin und Konkurrentin.
Dieser Moment, als der Film Sabina und Teresa, das Doppelporträt, zusammenbringt. Er ist pure Verführung.
Wie sie Wein trinken, um sich Mut zu machen. Wie Sabina aufsteht und sich hinter einem dünnen Vorhang auszieht.
Die Musik ist verstummt. Es gibt keine Geräusche mehr. Es gibt nur noch das Atmen. Und den Ton, der entsteht, als Teresa den Vorhang wegzieht. Der Blick durch den Sucher, dann das Klicken der Kamera.

Und jäh passt alles zusammen: der Vorhang quer durch das Atelier, der sich in der Leinwand wiederfindet, die hier draußen quer durch unseren Blick geht. Das Atmen im Film und das Atmen hier, vor dem Film. Und das Klicken der Kamera, das brutal ist. Weil es Blicke sind, die hörbar werden, Berührungen, Augenschüsse. Sabina, von Teresa sanft zu Boden gestoßen, in verschiedene Positionen, und Klick. Das Geräusch eines Fingernagels auf nackter Haut. Sabina, die Teresa die Kamera aus der Hand nimmt. „Jetzt bist du dran. – Zieh dich aus.“

Der Film ist Romantisierung und wird der Brutalität der realen Ereignisse nicht gerecht. Doch nicht selten – das ist paradox – ist die Schwäche einer Sache zugleich auch ihre Stärke.

Ich jedenfalls sitze in einer Bruchbude und sehe meine Liebe. Sie wirft Bilder aus, die an mir zupfen, Worte und Lieder, flirrend, wie ein Lasso.
Die nächsten zwanzig Jahre werde ich ihr folgen. Werde nicht müde, sie immer wieder zu sehen, ihren Stimmen zu lauschen. Und meinem Herzen hundertsechundsechzig Minuten lang hinterherzuwinken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gut, 5. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD)
ist eigentlich nicht schlecht aber ich habe mir etwas mehr versprochen.
aber soll ja für frauen sein vielleicht bin ich keine normale
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ohne worte, 28. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD)
ohne viel worte und erklärungen spricht die geschichte aus sich selbst. grossartige schauspieler, zeitgeschichte, liebe, schicksal...passt zu einer double feature mit zug nach lissabon wegen lena olin und auch dort der verbindung von einzelschicksalen mit zeiten heftiger politischer umbrüche.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera (DVD - 2008)
EUR 4,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen