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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Diese Wiener "Lasterhöhle" begünstigte drei Film-Karrieren, 30. Dezember 2009
Von 
theSilentNoirFreak (Somewhere over the rainbow ... and beyond!) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Café Elektric / Edition der Standard (DVD)
Dank der österreichischen 'Der Standard' Edition (vergleichbar mit unserer Edition 'Süddeutsche Zeitung', selbes Überformat) kann man seine Klassiker-DVD-Sammlung nun noch um ein paar Raritäten erweitern und dazu zählt die #105 dieser Reihe, "Café Elektric".
In diesem, 1927 für Sascha-Film produzierten und unter der Regie von Gustav Ucicky gedrehten Film führt sich gleich zu Beginn Willi Forst, in seiner Rolle als Ferdl, prägend für die nächsten 90 Minuten ein ... als echter Gauner, der Gelegenheiten zu nutzen weiß: Er gibt einer Frau etwas zurück, das sie soeben verloren hat, erweist sich dabei als sehr galant, nur um ihr im richtigen Augenblick die Handtasche zu stehlen und sich auf und davon zu machen ... und zwar ins Café Elektric. In dieser Lokalität (in der sich tatsächlich ein Großteil der filmischen Handlung abspielt) ist immer etwas los, hier wird geraucht und getrunken, in die Tasten des Klaviers gehämmert und das Tanzbein geschwungen ... für die 'elektrisierende' Atmosphäre sorgen ebenfalls die verschiedensten Mentalitäten und Gesellschaftsschichten, die in diesem Café ein- und aus gehen. Dazu gehören die Damen des horizontalen Gewerbes, ebenso wie Erni (Marlene Dietrich), Tochter aus gutem Haus, die hier auf eine schiefe Bahn gerät. Und selbst ihr Herr Papa (Fritz Alberti), gut situierter Bauunternehmer, läßt sich im Café Elektric blicken, wenn ihm der Sinn nach Amusement mit dem anderen Geschlecht steht - und immer präsent ist Ferdl, der Gauner mit Zuhälterqualitäten, der hier so seine Kontakte hat und knüpft ... stets egoistisch auf seinen Vorteil bedacht! Unter dieser Oberfläche allerdings, geht es - getreu dem Film-Untertitel "Die Liebesbörse" - um etwas anderes: Genau! Um die Liebe. Die einen bieten sie gegen Geld, andere bezahlen gern dafür und zwischen den Zeilen wird wohl darauf gehofft, daß einmal die Funken für eine 'gute Partie' überspringen. Eine, schon zum Inventar gehörende, junge Frau namens Hansi (wirklich gut in ihrer Darstellung: Nina Vanna) - hoffnungslose Romantikerin und sich des 'Schmutzes' um sie herum bewußt - träumt von der wahren, großen, reinen Liebe und ahnt wohl, daß sie diese nur in der Distanz zum Café Elektric mit all seiner Lasterhaftigkeit finden und genießen kann. An diesem Punkt lernt sie Max (Igo Sym) kennen, der ihr Hilfe zu diesem entscheidenden Schritt anbietet, woraufhin Hansi einen der bedeutungsvollsten Aussprüche im Film tut (per Zwischentitel, versteht sich, "Café Elektric" ist schließlich ein Stummfilm): "... unsereins findet aus dem Elektric nicht mehr hinaus." Die Worte zeugen von Resignation, Akzeptanz eines 'Gefangenendaseins', Angst vor Glück und Neuanfängen ... jedoch auch von zarter Hoffnung, die - so viel darf verraten werden - nicht unbegründet ist. Im Fokus stehen die beiden Paare Ferdl/Erni und Hansi/Max, am Beispiel derer der filmische Inhalt zwei kontroverse Lebenswege demonstriert. Während Ferdl und Erni für den zum Scheitern verurteilten 'Abweg' stehen (wenn in Erni's Fall auch unverschuldet, denn sie wird Ferdl hörig und somit zu einem Opfer), symbolisieren Max und Hansi die positive Kraft, die sich, kraft der liebenden Verbindung, den Widrigkeiten des Lebens entgegen zu stellen und empor zu schwingen vermag.
Das Ende des Films gilt als verschollen, es wird durch Schrift ersetzt. Darüber hinaus wird "Café Elektric" hervorragend restauriert präsentiert und zum Gesamteindruck trägt maßgeblich das neu eingespielte Piano von Gerhard Gruber bei, das ausnahmslos zu jeder Zeit die 'richtigen Töne' findet - dieses grandiose, einfühlsame Spiel scheint einzelne Situationen/Stimmungen nicht lediglich musikalisch superb zu untermalen, sondern ganz neu zu definieren/charakterisieren.
Bei meiner Bewertung tendierte ich zunächst zu lediglich 3 Sternen, hauptsächlich deshalb, weil ich Willi Forst in seiner Rolle als nicht ganz passend besetzt empfinde. Gemäß des zu verkörpernden Charakters fehlt es Forst's ureigenster Aura an Coolness und Abgebrühtheit für die glaubhafte und überzeugende Verkörperung einer Figur aus der Halbwelt. Willi Forst wirkt ein wenig zu galant, zu 'nett' (dabei soll nicht verschwiegen werden, daß sein Spiel der Rolle absolut gerecht wird, unterstützt von zielsicheren Kameraeinstellungen). Ebenfalls meine ich, daß die Komponenten, die den Plot dieses Films ausmachen, wenigstens situativ ganz anders inszeniert gehören. Bei all der Lasterhaftigkeit und Niederträchtigkeit würde ich mir ein paar mehr effiziente Schwarz/Weiß Kontraste wünschen, der Film ist aber zum größten Teil in ziemlich 'hellen Tönen' gedreht (eine gelungene Ausnahme: die Anfangssequenz mit den überlappenden Neon Schriften bei Nacht). Möglicherweise fehlte es mir beim ersten Ansehen etwas an einer 'Pabst'schen Tiefe' - G.W. Pabst's "Freudlose Gasse" kann hier bedingt für einen Vergleich herhalten, nicht allein, weil die Handlung ebenfalls in Wien spielt und beide Filme in einem Abstand von nur zwei Jahren entstanden, sondern, weil Themen wie Prostitution, Hoffnungen und Wünsche auf ein finanziell besseres Leben, 'unlautere' Strategien zum Überleben im Alltag etc. quintessentiell in beiden Filmen den Inhalt bestimmen. Pabst's Darstellung fällt nur um einiges krasser aus. Sollte allerdings von Seiten der Produktion, sowie der Regie, von Anfang an die Intention verfolgt worden sein, "Café Elektric" zu einem Film der 'leisen Töne', lediglich der stetigen Andeutungen zu machen (z.B. um eine Konfrontation mit der Zensur bereits auf dem Vorwege zu umgehen), dann wäre dies in jedem Fall auch zu 100% gelungen.
Nach erneutem 'Studium' einzelner Szenarios erteile ich "Café Elektric" in der vorliegenden Form nun aber gern einen 4. Stern und das schon allein wegen der anderen Schauspieler (inkl. einiger Nebenrollenbesetzungen), jenseits der Protagonisten Dietrich und Forst, die in Darstellung wie Ausstrahlung überzeugen - und zu jeder Zeit betrifft dies, wie gesagt, auch die Musik. Der Film ist außerdem schlüssig in seiner Struktur und auch am Erzähltempo gibt's nichts zu bemängeln, Langeweile kommt nicht auf.
Und wie immer man nun urteilen will oder empfindet - an einer Tatsache gibt es garantiert nichts zu rütteln:
"Café Elektric" fungiert als ein Dokument, hat einen filmhistorischen Wert. Produzent Kolowrat-Krakowsky besetzte die Hauptrollen mit Willi Forst und Marlene Dietrich für derer beider Laufbahn diese Arbeit einen Schritt nach vorn bedeutete - zuvor hatten beide noch nicht in nennenswerten Rollen geglänzt, sie stiegen somit fortan in eine 'höhere Liga' auf. Und für Gustav Ucicky, der bereits seit einiger Zeit für Kolowrat-Krakowsky's Sascha-Film AG als Kameramann tätig gewesen war, stellte die Arbeit an diesem Film eine seiner allersersten in der Position des Regisseurs dar - und festigte seinen Ruf in dieser Funktion.
Marlene Dietrich gewann an Ausstrahlung erkennbar erst im Tonfilm-Zeitalter, zunächst unter der Regie von Josef von Sternberg. Jedoch, bevor sie zu 'Lola' wurde, betrieb sie in "Café Elektric" schon heftig 'Bein-Kult', was ihren Fans sehr entgegen kommen dürfte. Zudem ist "Café Elektric" einer von nur zwei Stummfilmen mit 'La Dietrich' (wobei sie in einigen mehr vor der Kamera mitgewirkt hat), die in Deutschland gegenwärtig auf DVD erhältlich sind.
Für Marlene Dietrich-Fans stellt diese DVD also ein 'Muß' dar, für Filmsammler mit Schwerpunkt 'Filme aus dem deutschsprachigen Raum' zweifellos ebenso. Als Stummfilmsammlungsaspirant, meine ich, sollte man sich zunächst andere Highlights einverleiben. Wer allerdings über das Gros der Klassiker aus diesen Zeiträumen (sowie über ein wenig Kenntnis in punkto Filmhistorie) bereits verfügt, für dessen Sammlung wird "Café Elektric" mit Sicherheit noch ein interessantes 'Schmankerl' repräsentieren, wenn nicht gar eine echte Bereicherung.
-- theSilentNoirFreak
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Café Elektric / Edition der Standard
Café Elektric / Edition der Standard von Gustav Ucicky (DVD - 2008)
EUR 11,99
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