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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe kann nur durch Gegenliebe hell erglühen., 22. Dezember 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Brief einer Unbekannten - Arthaus Collection Literatur (DVD)
" Brief einer Unbekannten " ist ein Schwarz-Weiß-Film des Regisseurs Max Ophüls nach einer Novelle von Stefan Zweig. Zu Beginn des Films sieht man einen gutaussehenden Mann einen Brief lesen. Die Briefschreiberin Lisa verfasste diese Zeilen unmittelbar vor ihrem Tode. Sie möchte sich noch einmal an den Menschen, den sie unsagbar liebte, wenden. Aus dem Brief erschließt sich das Verhältnis der beiden zueinander.

Die Zeilen machen deutlich, dass es sich hier um eine unglücklich Liebe handelte, d.h. um eine Liebe, die nicht erwidert wurde. Die bildhübsche Lisa (Joan Fontaine) ist fast noch ein Kind als sie sich in den Pianisten Stefan ( Louis Jourdan ) verliebt. Der junge Mann lebt im gleichen Haus wie sie und ihre Mutter. Als die Mutter erneut heiratet und mit Lisa Wien verlässt, kann die Tochter ihren Jugendschwarm nicht vergessen. Mittlerweile eine junge Dame, geht Lisa nach Wien zurück, um Stefan wiederzusehen. Aus ihrer Schwärmerei ist tiefe Liebe geworden.

Stefan und Lisa begegnen einander in Wien erneut. Zwischen den beiden Menschen entwickelt sich eine Romanze, die für Stefan, einem leichtlebigen Frauenmann, ohne Bedeutung ist. Lisa wird schwanger, lässt Stefan das aber nicht wissen. Die beiden begegnen sich ein ganzes Jahrzehnt nicht mehr. Dann jedoch treffen sie sich zufällig erneut wieder. Stefan kann sich an Lisa nicht mehr erinnern. Sie war für ihn eine unter vielen....

Als Zuschauer wünscht man sich, dass es zwischen den beiden sympathischen Menschen zu einem Happyend kommt. Man möchte nicht, dass Lisa länger leidet. Man sieht die Harmonie in den Blicken der beiden und bedauert ihre Sprachlosigkeit.
Was ist notwenig, damit Liebe gegenseitig hell erglüht? Wodurch entsteht ein nicht enden wollender Funken zwischen zwei Menschen? Ist die große Liebe am Ende nur eine Illusion?

Ein beeindruckender Film.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dass es da eine Frau gibt, die mich liebt, das soll mir Geheimnis genug sein (Spoiler), 25. November 2009
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brief einer Unbekannten - Arthaus Collection Literatur (DVD)
Also sprach Pianist Stefan Brand (Louis Jourdan) beim Abschied von Lisa (Joan Fontaine). Doch was dem einen Floskel, ist der anderen Lebenselixier, ist ihr tatsächlich ein süßes Geheimnis: Sie liebt Stefan, hat es immer getan und wird es immer tun, und er wird es nicht mitbekommen. Bis er den titelgebenden Brief einer Unbekannten erhält und eine Rückblende einsetzt.

Der Film beruht auf einer ganz kurzen Brief-Erzählung von Stefan Zweig - endlich einmal eine Literaturverfilmung, die diesen Namen verdient. Während andere sich mit Kürzungen abmühen müssen, kann Regisseur Max Ophüls sogar noch einiges hinzufügen. Er tut es mit Gewinn, gelingt es ihm doch, die Vorlage mit urfilmischen Mitteln anzureichern und zu bereichern, gelegentlich auch sie zu verändern, ohne sie zu verfälschen. Man kann lange an Buch und Film heruminterpretieren, letztlich geht es beiden um das Mysterium der Liebe und um die Frage, ob auch die ewig unerfüllte und unerwiderte Liebe die große Liebe sein kann. Ja und nein. Nein, sie kann nicht, weil Lisa alle ins Unglück stürzt, aber selbst unter Zwang handelt. Ja, sie kann, weil Buch wie Film die liebende Frau erfreulicherweise ernst nehmen. Man muss sich das einmal vorstellen, da verknallt sich eine Pubertierende in einen schmucken Schriftsteller (Buch) bzw. Pianisten (Film - wie viel mehr filmische Möglichkeiten bietet das!!!). Mit dem spricht sie zwar kaum einmal, aber diese Liebe wird ihr ganzes Leben bestimmen. Und wir denken niemals, ogott, was für eine blöde, debile Gans - dieser Gedanke liegt ja durchaus nah, wenn man nur einmal die Ausgangssituation so zusammenfasst, wie ich das hier getan habe.

Den Film habe ich als noch reichhaltiger gegenüber dem Buch empfunden, gerade auch in einer leichten Akzentverschiebung, wenngleich die Vorlage nicht gerade gegen den Strich gebürstet wird. Im Film, und das ist eine wunderbar dargestellte Doppelbödigkeit, ist die Frau genauso Täterin wie Opfer. Ihr gelingt es schon recht raffiniert, sich den Stefan in den wenigen stattfindenden Begegnungen zu angeln, ihn auf sich aufmerksam zu machen und ihn letztlich zu verführen. Der Film rührt zu Tränen, aber er verstört auch ein bißchen (was als Kompliment gemeint ist): Stefan ist ein Weiberheld, aber wie wohl die meisten Weiberhelden schwach. Er lässt nichts anbrennen, weil er nicht anders kann, und Lisa nutzt das gezielt aus, um ihn dahin zu bringen, wo sie ihn haben will. Man kann sie dafür nicht vollends verurteilen, da sie das alles auch aus einem inneren Zwang heraus tut, aber nach dem Einpacken der Taschentücher kann man einmal nüchtern Bilanz ziehen: Am Ende werden Lisa und ihr von Stefan gezeugtes Kind tot sein, letzteres indirekt dadurch, dass Lisa wider jegliche Vernunft alles getan hat, um bei Stefan zu sein (insoweit anders als im Buch). Und Stefan musste erkennen, dass er sie nie erkannt hat, sie auch bei einer finalen Begegnung wie eine seiner leichten Damen behandelt hat, woraufhin er die Gelegenheit eines Duells nutzen wird, um sich ebenfalls töten zu lassen. In einer bemerkenswerten Szene hält Lisa ihr späterer Ehemann punktgenau vor, dass sie einen freien Willen habe und sich entscheiden müsse - die Ausrede, sie könne nicht anders, lässt er nicht gelten, und in der Tat: Lisa macht es sich mit Ihrem Sich-Fügen in die Obsession reichlich leicht, redet allzu leichtfertig und selbstgerecht vom vermeintlich unabwendbaren Schicksal. Verurteilen wir sie deswegen? Nein. Auch sie handelt unter Zwang. Wie gesagt, anrührend und verstörend zugleich.

Warum das einen auf allen Ebenen positiven Eindruck trotz der nicht gerade einfachen Aussage hinterlässt, hat viel mit der filmischen Machart zu tun, die in jeder Hinsicht gelungen ist. Jourdan wirkt mit leichtem französischen Akzent sehr distinguiert, aber auch immer etwas der realen Welt entrückt, was gut zu seinem oberflächlichen Charakter passt. Gleichzeitig ist er ein Suchender nach einer tieferen Wahrheit, was das entrückte Spiel ebenso passend ausdrückt. Joan Fontaine ist einfach genial, sie war Anfang 30 und kann von ca. 14 bis Mitte 30 jedes Alter mühelos ausdrücken (und doch immer dieselbe, die heimlich Liebende bleiben). Die Regie ist eine Augenweide - ein bißchen wirkt der Film wie Douglas Sirk mit besserem Ausgangsmaterial (was keine Kritik an Sirk sein soll). Es ist klar, dass das Team nie in dem Wien um 1900 war, in dem das spielt, aber der Film schafft sich seine eigene Welt und Traum-Welt: Menschen werden schon vor der ersten Begegnung durch filmische Mittel wie ihre Musik und ihre Wohnungseinrichtung definiert. Dem schwerromantischen Charakter helfen Sirksche Schatten, enge Kadrierungen, die Umgebung erstickende Wohnungsdekorationen und jede Menge vertikale Linien wie Treppengeländer und deren Schatten auf die Sprünge. Spiegel und Glasscheiben dominieren die Handlung und die (Nicht-)Begegnungen, schon bei Stefans erstem Auftritt sieht er (nur) sich selbst, gespiegelt im aufgeklappten Flügel (wie muss das Sirk gefallen haben, der Marianne Koch auffällig in einem Flügel gespiegelt hat in "Der letzte Akkord"). Spiegel, durch die man auf sich selbst zurückgeworfen wird, durch die man einander nicht berühren kann, in denen man auch einmal vor der Begegnung mit dem wahren Ich erschrecken kann, und was weiß ich noch. Glasscheiben, die Menschen trennen, durch die man blickt, gerahmt in Jugendstilverzierungen, um in eine Welt zu schauen, in die man sich vergeblich sehnt. Dieses Sehnen ist ständig präsent, das Wien kommt zwar äußerlich mit Archetypischem wie dem Prater vor, ist aber doch eine falsche Idylle, in der man nicht gern ist. Stefan und Lisa lassen in einer Prater-Aktion Leinwände mit Zeichnungen von europäischen Touristenklischees vor einem falschen Zugabteil abrollen, und sie lügt ihm (mutmaßlich) etwas vor von Reisen, auf denen sie schon einmal gewesen sei. Was fast wie eine besonders schlechte filmische Rückprojektion aussieht, entlarvt gleichzeitig die filmische Illusionsmaschine und diejenige auf der Handlungsebene - der vielleicht genialste Schachzug und die beste urfilmische Erweiterung gegenüber dem Buch. Ein "falsches" Österreich begegnet uns auch bei einer nur scheinbar herzigen Kaffeehauskapelle, als die Musikerinnen alle genervt sind, wie lange Lisa und Stefan denn noch herumturteln und den Feierabend hinauszögern wollen. Wenn Österreichs Stolz, Mozart, zu hören ist (passenderweise "Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich..." aus der "Zauberflöte"), entflieht Lisa dem, um zu Stefan zu gelangen. Ebenso wird bei einer Linz-Episode das Klischee-Österreich gleichzeitig zelebriert und konterkariert. Die österreichische Etikette - "küss die Hand" - eines jungen Leutnants namens Leopold wirkt dermaßen antiquiert und deplatziert, dass man Lisa und ihr Sehnen nach Stefan schon wieder verstehen kann, obwohl Lisa bei der Zurückweisung von Leopold ihre Eltern und potenziellen Schwiegereltern letztlich grundlos brüskiert. Man lacht zwar, weil man den Eltern den unverblümten Verkupplungsversuch nicht gönnt und weil Leopold mit seiner exorbitanten Blechhaube (wie kann man küssen, ohne die abzunehmen?) genauso lächerlich wirkt wie mit seinem Beamtendeutsch. Dass diese österreichische Etikette dann auch noch durch eine Militärkapelle konterkariert wird, die die den sehr preußischen Radetzkymarsch spielt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Aber ein bißchen leid tun einem die Düpierten eben doch. Wie gesagt, bewegend wie verstörend...

Der Film ist ein Meisterwerk auch in der variierten Wiederholung musikalischer und optischer Leitmotive (ein Mal beispielsweise hat sich Lisa den Stefan geangelt und schreitet mit ihm genauso die Treppe hinauf, wie sie das vorher bei einem seiner Flittchen beobachtet hatte / ein anderes Mal steht sie wieder an der gleichen Straßenecke, wird aber nicht von Stefan, sondern von einem Betrunkenen angesprochen). Das Sahnehäubchen bildet schließlich etwas, das außerhalb des Hauptfilmes liegt. Die DVD zeichnet sich nicht nur durch das Booklet und durch gute Qualität, sondern vor allem durch einen etwa 25-minütigen Essay von Tag Gallagher aus (deutsch untertitelt). Anhand von Einzelszenen und unter Einbeziehung des Buches erfolgt eine punktgenaue, sehr scharfsinnige und gleichzeitig sehr eigenwillige Filmanalyse. Mir ist so etwas tausendmal lieber als 90 Minuten anekdotischer Audiokommentar. Leider gibt es solch guten Extras selten. Aber es gibt den Brief einer Unbekannten, und mir bedeutet er ungemein viel.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Liebe der Lisa Berndl...., 14. Juli 2014
Von 
Ray "rayw260" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Brief einer Unbekannten - Arthaus Collection Literatur (DVD)
Was für ein wunderschöner leiser Liebesfilm, der zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Nach der Novelle "Brief einer Unbekannten" von Stefan Zweig drehte der deutsch-französische Filmemacher Max Ophüls den gleichnamigen Film im Jahr 1947. Es ist die Geschichte des ausserordentlich begabten Konzertpianisten Stefan Brand (Louis Jordan), der im Wien um 1900 lebt. Der junge Mann ist gutaussehend und smart und ist dementsprechend auch erfolgreich bei der Damenwelt. Als er zur Miete in das Haus der Eltern der 14jährigen Lisa Berndl (Joan Fontaine) zieht, fängt die Schwärmerei des jungen Mädchens für den Künstler an. Lisa romantisiert den Gentleman-Dandy, während dieser aber in seinen weiblichen Eroberungen fast gleichgültig nur verfügbare Objekte wahrnimmt. Dies alles hält der heimlichen großen Liebe der Lisa stand, wie der Brief offenbart, den Stefan heute Nacht in den Händen hält. Er will verschwinden, denn ein gehörnter Ehemann einer seiner "Damen" will sich im Morgengrauen mit ihm duellieren. Und "Ehre" will er sich nicht leisten, doch der Brief wird ihn in den nächsten Stunden fesseln, da er damit beginnt, dass die Briefeschreiberin ihren nahen Tod vorwegnimmt. Es ist der Brief dieser Unbekannten und deren Liebe zu Stefan, die bestehen bleibt trotz des Umzugs von Wien nach Linz. Dort macht man Lisa sogar einen Heiratsantrag, doch zwischen einer Beziehung mit einem jungen Mann steht immer noch der unerreichbare Stefan. Mit 18 verlässt sie ihr Elternhaus und zieht wieder nach Wien. Das Schicksal will es, dass sie Stefan wieder trifft. Er erkennt in der jungen Frau das Mädchen von früher nicht wieder. Die beiden beginnen eine Affäre. Lisa ist für kurze Zeit glücklich, da sie meint, dass die Gefühle gleich stark sind. Sind sie vielleicht auch, aber als er sie für 2 Wochen wegen eines Konzerts in Italien verlässt ist dies ein Abschied auf Dauer. Sie sieht ihn nicht wieder, ist aber schwanger. Sie heiratet den viel älteren Johann (Howard Freeman) und glaubt sich glücklich, auch 10 Jahre nach dem Abschied von Stefan. Leider kommt es noch einmal zu einer Begegnung, wo die Empfindungen von damals wieder spontan wach werden.
Max Ophüls Film ist ein Melodram, allerdings ist er von einer hinreissenden Schönheit und durch die tiefen Gefühle, die der Film behandelt, wehmütig und melancholisch. Er handelt auch von dem einen Augenblick der wahren Liebe und zeigt eindringlich die Illusion, denn zum großen Glück gehören zwei. Ophüls schafft eine Identifikation mit der Sehnsucht. Gleichzeitig ist auch ständig sichtbar, dass dir romantische Liebe ein Mythos ist. Die Inszenierung hat einen hypnotischen Stil, fast scheint es ein Traum zu sein, der sich wiederholt...mit raffinierten Wechseln der Stimmungen und Standpunkte. Großartig ist der expressive Stil der Darsteller. Louis Jordan ist eine perfekte Besetzung und die 2013 im Alter von 96 Jahren verstorbene Joan Fontaine, Schwester von Olivia de Havilland, glänzt in ihrer besten Rolle - noch vor "Rebecca".
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5.0 von 5 Sternen Traumwandlerisch in die Katastrophe - Lisa Berndle an Stefan Brand: "Wenn Du diesen Brief liest, bin ich schon tot.", 2. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brief einer Unbekannten - Arthaus Collection Literatur (DVD)
Unerfüllte Liebe ist in der Tragödie seit je ein Verhängnis, eine Passion, also auch eine Leidensgeschichte, ein Einbruch von Anarchie in das geregelte Dasein, dem die Betroffenen mit einem Stachel im Herzen hilflos gegenüberstehen. Sie werden aus der Bahn geworfen, verlieren den Boden unter den Füßen, verletzen soziale Normen, denen sie sich bis dahin verpflichtet gefühlt hatten, zeigen sich verstört durch den gewaltigen Aufruhr der Gefühle, den Wechsel extremer Affekte, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, liebestrunken an der Grenze zur Raserei, zum pathologischen Befund, zum kranken Gemüt, zur besessenen Seele. In den Filmen von Max Ophüls sind es immer die Frauen, die nicht ohne den Mann leben können, den sie vergeblich lieben, weshalb sie einer besonders masochistisch ausgeprägten Form des Begehrens verfallen, der jene Unglücklichen letztlich sogar ihre ganze Existenz mit Haut und Haaren verschreiben, in der fatalen Annahme, dass es keinen anderen Weg gibt, der zum großen Glück führt. Dieses Verhalten mag dem neutralen Betrachter zunächst ein wenig seltsam erscheinen, wenn man jedoch die zierliche Joan Fontaine als Lisa Berndle in "Brief einer Unbekannten" sieht, wie sie draußen im kalten Wiener Schneesturm die Nähe ihres Angebeteten sucht, wie sie mit sinnlichen Augen ihre Nase an eine Glasscheibe presst und voller einsamen Pathos nach einer Romanze schmachtet, die nicht sein soll, bekommt man eine eindringliche Vorstellung davon, was es bedeutet, einer unbändigen Sehnsucht zu erliegen, einer Sehnsucht nach dem, was diese junge Frau nicht besitzt, einer Sehnsucht nach Liebe, die als entscheidende Triebkraft für den folgenreichen Lauf dieser Geschichte dient.

"A Strong Woman's Picture" - so lautete der Slogan des Magazins Variety, mit dem im Jahre 1948 diese leise inszenierte Adaption von Stefan Zweigs gleichnamiger Novelle angekündigt wurde, was anfangs etwas paradox anmutet, denn der Film beginnt ausgerechnet mit dem Auftritt eines galanten Herren im Frack, dem nach einer durchzechten Nacht im Wien des Fin de Siecle ein Duell zu morgendlicher Stunde bevorsteht. Bei dem Mann handelt es sich um Stefan Brand, der soeben in seine Wohnung zurückkehrt und im letzten Moment fliehen will, ehe ihn etwas Unvorhergesehenes von diesem ehrenrührigen Vorhaben abhält: der Brief einer unbekannten Frau, die ihm sterbend offenbart, dass sie ihn zeit ihres Lebens ebenso hingebungsvoll wie untröstlich liebte. Obwohl sich der oberflächliche Flaneur mit den zahlreichen Affären nicht an sie erinnern kann, versinkt er tief in ihrer Lebensbeichte, die schließlich zu einer bitteren Abrechnung mit seiner eigenen Vergangenheit gerät. Diese nächtliche Episode bildet den Rahmen für die briefliche Erzählung, welche der Film in melancholisch abgefassten Rückblenden porträtiert: Bereits als 15jähriges Mädchen schwärmt die schüchterne Lisa Berndle für den gerade nebenan eingezogenen Stefan Brand, damals noch ein erfolgreicher Pianist, der sie allerdings kaum beachtet. Nachdem ihre verwitwete Mutter erneut heiratet, zieht sie von Wien nach Linz. Unmittelbar vor der Abreise flüchtet Lisa vom Bahnhof zu Stefans Wohnung, wo sie mit ansehen muss, wie der hemmungslose Lebemann eine seiner vielen Bekanntschaften in sein Zimmer geleitet. Dennoch behält sie ihn in Linz in Gedanken, schlägt dort sogar die Verlobung mit einem betuchten Leutnant aus. Jahre später kehrt Lisa als erwachsene Frau nach Wien zurück, wo sie sich sofort wieder in Brands Dunstkreis begibt. Diesmal wird er tatsächlich auf sie aufmerksam. Er hofiert sie, macht ihr falsche Versprechungen und verbringt sogar eine Nacht mit ihr. Am nächsten Tag reist er nach Mailand ab und streicht sie entgegen aller Beteuerungen aus seinem Gedächtnis. Von dem Kind aus dieser kurzen Liaison erfährt er nichts. Wieder erfolgt ein zeitlicher Sprung: Lisa hat inzwischen in eine Vernunftehe mit dem Diplomaten Stauffer eingewilligt, der sie und den Sohn versorgt. Das Schicksal richtet es ein, dass sie noch einmal Brand begegnet. Trotz der überdeutlichen Warnungen ihres Gatten riskiert sie ein Treffen mit dem längst gescheiterten Künstler. Doch dieser erkennt sie nicht wieder. Stattdessen spult er zu Lisas schmerzlicher Enttäuschung die übliche Routine seiner Verführungskunst ab. Stauffer fordert ihn daraufhin zum Duell. Lisa wird dann jedoch schon tot sein - ebenso wie der kleine Sohn, den sie in einem mit Typhus verseuchten Zug übereilt aus der Stadt schickte. Brand dämmert es jetzt. Seine Augen füllen sich mit Tränen. Reumütig entschließt er sich nun doch dazu, sich im Duell seiner Verantwortung zu stellen.

Mit "Brief einer Unbekannten" wurde Ophüls zum Objekt ästhetischer Verehrung, was der ausgemachte Frauenregisseur vor allem den kunstvoll arrangierten Bildern zu verdanken hatte. Lange und komplexe Kamerafahrten, teils ohne Schnitt in horizontale und vertikale Schwenks übergehend, die durch Räume gleiten und so die opulenten Dekors beiläufig hervorheben, lassen eine schwebende Atmosphäre entstehen, die metaphysisch noch überhöht wird durch das nahtlose Ineinanderfließen von Rahmenerzählung und Flashback-Handlung. Seine Figuren lichtet Ophüls in arkadenartigen Einstellungen ab, in denen Gitterstäbe, Fenster oder Geländer den Bildkader künstlich gliedern, wodurch der Plot ins Sinnbildhafte kippt, in eine symbolische Sprache, die durch das Prinzip der Doppelung von Ereignissen sowie die verstiegenen Aufsichten der verschiedenen Paare im Treppenhaus zusätzlich verstärkt wird. Auf emotional aufgeladene Großaufnahmen der Gesichter verzichtet Ophüls weitgehend. Er bleibt stets auf Distanz und bewegt sich entlang der Oberfläche. Das Scheitern der Protagonisten ist ausschließlich inneren Tatbeständen geschuldet, die im Charakter und der Psyche verborgen liegen. Louis Jourdan interpretiert Stefan als Synonym für den moralischen Werteverfall des untergehenden Bürgertums in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Doch auch Lisas sklavische Abhängigkeit, die letztendlich alle ins Verderben treibt, ist mehr als bedenklich. Menschen, die gütig zu ihr sind, weist sie von sich, dem zweifelhaften Ignoranten Brand hingegen opfert sie sich bedingungslos auf. Nahezu traumwandlerisch taumelt sie der Katastrophe entgegen, was durch die Augen von Ophüls wie eine Verherrlichung einer einzigartigen weiblichen Fehlleistung erscheint, wobei er es vermeidet, Lisa als Heldin zu exponieren. Das Booklet zitiert in diesem Kontext den Kritiker Tag Gallagher, der in der unerfahrenen Kindfrau auch leichte Züge von Narzissmus und Egozentrik zu erkennen glaubt. Vor allem ist es jedoch ihre starke Neigung zur Fremdbestimmtheit, welche Lisa zum Verhängnis wird.

Diese Edition beinhaltet die ungekürzte Originalfassung. Bei den vormals geschnittenen Szenen (14 Minuten) wechselt der Film automatisch in die englische Tonspur (mit deutschen Untertiteln).
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5.0 von 5 Sternen Von der unsterblichen Liebe eines dummen Mädchens, 23. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Brief einer Unbekannten - Arthaus Collection Literatur (DVD)
Eine äußerst hinreißende, schaurig-schön, fiese Liebesgeschichte mit anrührendem Schluss, in der die von mir sowohl belächelte, als auch bemitleidete Joan Fontaine in der Rolle der Lisa glänzend über eine Generation hinweg spielt.
Handwerklich genial von Max Ophüls realisiert, ist in diesem Film nur Lisa blind für die Schwächen Ihres Schwarms. Zudem eine Rolle spielt die schicksalhafte Begegnung mit einem bösen Bahnschaffner.
Jeder der einen guten Film sehen möchte, der mehr tragisch ist als komisch, darüber wie eine große Liebe an den Schwächen der Protagonisten scheitert, empfehle ich diesen Film.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Film über eine bedingungslose Liebe, 16. November 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brief einer Unbekannten - Arthaus Collection Literatur (DVD)
Endlich ist dieser Film auch zu einem günstigerem Preis zu haben. Dem Regisseur ist es gelungen, einen Film zu erschaffen, der genauso gut wie das Buch ist.
Er handelt von einer bedingungslosen, unerschüttlichen Liebe einer jungen Frau von der der Mann erst am Schluss, wenn es zu spät ist, erfährt.
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