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The Originals - Don Carlos (Gesamtaufnahme)
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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 31. August 2008
Verdis Don Carlos wurde von den Plattenfirmen immer etwas stiefmütterlich behandelt. Das ist schade, zumal dem Komponisten eine in ihrer Geschlossenheit geniale Umsetzung der Schiller-Vorlage gelungen ist: Aus unendlich vielen Charakteren und Handlungssträngen wurden fünf Hauptpersonen, die alle persönlich (verwandschaftlich und/oder erotisch) miteinander verquickt sind - mit extremen, auch politischen Folgen. Dadurch erreichen Komponist und Librettist eine große dramatische Dichte trotz der großen Länge der Oper. Umso verdienstvoller ist da, dass zumindest zwei von gerade einmal einer Handvoll Studioaufnahmen Spitzenklasse sind - beide übrigens in der fünfaktigen Fassung:

Da ist zum einen die Giulini-Aufnahme von 1970 mit Caballe, Domingo, Milnes, Verrett, Raimondi - eine süffige, klangschöne, gefühlvolle, in sich sehr geschlossene Einspielung mit einem Placido Domingo in Topform -, zum anderen diese hier, die mir rein persönlich noch besser gefällt, obwohl sie vielleicht nicht in allen Details so perfekt ist:

1965 dirigierte Sir Georg Solti, damals musikalischer Leiter des Royal Opera House Covent Garden, am Pult seines Hausorchesters und mit großer Starbesetzung einen sehr strengen, knorrigen Verdi, betonte dadurch die politische Seite der Oper, die steife Atmosphäre des spanischen Hofes.

Unter den Sängern ragt Carlo Bergonzi in der Titelrolle heraus: Weniger jugendlich schwärmerisch als Domingo, dafür männlich herber, erwachsener und gesangstechnisch besser (messa di voce!). Seine Arie "Io la vidi" im ersten Akt ist eine Lehrstunde dafür, wie man Verdi singen muss.

Mich überzeugt auch Dietrich Fischer-Dieskaus Posa: Er ist sicherlich stimmlich kein typischer Verdi-Bariton, schafft es aber zumindest in dieser Aufnahme weitgehend, zu vermeiden, dass seine Stimme in's "Poltern" gerät - ein Effekt, der gerade auch bei Fi-Die öfter entstand, wenn er versuchte, seine lyrische Stimme größer klingen zu lassen. Vor allem aber schafft er es, die politische Figur aus dem Schiller-Original zu erhalten. Gerade sein Auftrittsduett mit Bergonzi ist männlicher, energischer geraten als in allen anderen mir bekannten Aufnahmen. Auch in seiner Sterbeszene ist der Deutsche glaubwürdig und mitreißend statt - wie etwa Sherill Milnes bei Giulini - rührselig.

Renata Tebaldi hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht (mehr) die Jung-Mädchen-Stimme, die man für die Elisabetta eigentlich erwartet (wie etwa Sena Jurinac in der Live-Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1958). Dennoch überzeugt sie mich sowohl als liebende Frau als auch als gekränkte Königin. Und warum soll - wo doch das Stück mit der Realität ohnehin nur wenig zu tun hat - die Rolle nicht wie eine Art italienische Marschallin gesungen werden? Musikalisch zumindest ist die Tebaldi gerade in ihrer großen Arie und den Ensembles (etwas weniger in den Rezitativen) anrührend.

Mit großer, metallisch-voller Stimme und solider Interpretation ist Nicolai Ghiaurov ein guter König. Grace Bumbry ist eine technisch gute, vor allem aber enorm temperamentvolle Eboli mit jugendlich-schöner und sehr individueller Stimme - ihr Plus gegenüber der gesangstechnisch souveräneren, aber etwas zurückhaltenden Shirley Verrett bei Giulini. Auch die Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt. Für eine musikalische Sternstunde sorgt der Großinquisitor von Martti Talvela, dessen Duett mit Ghiaurov zum echten Duell der Riesenstimmen wird.

Alles in allem also eine sehr schöne Aufnahme und eine strengere, dafür erheblich weniger gefühlige Interpretation als die Giulinis, die gekrönt wird durch den idealen Don Carlo von Carlo Bergonzi. Umso verdienstvoller, dass die Decca sie jetzt endlich auch in einer preislich konkurrenzfähigen Ausgabe herausbringt.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Was lange währt, wird endlich gut: Nun hat nach langem Warten diese großartige DON CARLOS-Aufnahme einen würdigen Platz in der repräsentativen Serie "Originals" gefunden.
Sir Georg Solti (1912-1997) war über Jahrzehnte, zumindest ab dem Jahr 1960, ein Dirigent von internationaler Bedeutung und Ausstrahlungskraft und in dieser Beziehung zu seiner Zeit nur mit Herbert von Karajan und Leonard Bernstein zu vergleichen. Mich persönlich hat er, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als Operndirigent stets mehr zu überzeugen gewusst als mit seinen zahlreichen Aufnahmen auf dem Gebiet von Symphonie, Konzert und Oratorium.
Wenn ich seine riesige Operndiskographie Revue passieren lasse, so ist die hier zur Diskussion stehende DON CARLOS-Aufnahme aus dem Jahr 1965 eine seiner beeindruckendsten überhaupt. Solti war übrigens m.W. der erste Dirigent, der das Werk völlig strichlos aufnehmen ließ. Man kann seine Version als eine wahre Sternstunde in der Rezeptionsgeschichte der Oper bezeichnen.
Nicht zuletzt stand ihm ein einzigartiges Sängerensemble zur Verfügung, in dem keine ernsthaften Einbußen zu verzeichnen sind, selbst wenn man bei Renata Tebaldi einige Probleme mit den hohen Tönen feststellen muss und vielleicht auch mit Dietrich Fischer-Dieskau als Marquis de Posa nicht ganz einverstanden ist, obgleich er eine stimmschöne und rollendeckende Gestaltung abliefert.
Die übrigen drei Hauptpersonen sind auf jeden Fall von erster Qualität. Zunächst ist Carlo Bergonzi in der Titelpartie zu rühmen. Er war, wie ich schon mehrfach angemerkt habe, unbestritten der geschmackvollste und stilreinste italienische Tenor der zweiten Jahrhunderthälfte, und hier übertrifft er auch Plácido Domingo deutlich, obgleich dieser in der Giulini-Aufnahme (EMI) eine seiner besten Leistungen in Gesamtaufnahmen abgeliefert hat. Bergonzi macht das jugendliche Feuer und die Tragik der Figur auf ganz unnachahmliche Weise deutlich. Eine wahre Traumbesetzung! Die Amerikanerin Grace Bumbry, uns allen vom Bayreuther Grünen Hügel wohlbekannt, singt eine großartige Eboli, die sich hinter keiner anderen zu verstecken braucht. Ihr "Lied vom Schleier" singt sie in feinster Abstufung, und ihre gewaltige Arie im 4. Akt wird mit Leidenschaft und Feuer dargeboten. Ein weiterer Höhepunkt ist der junge Nicolai Ghiaurov in der Rolle des Königs Philipp. Seine große Arie "Sie hat mich nie geliebt" ist wunderbar gestaltet und kann stimmlich den Vergleich mit seinem Landsmann Boris Christoff in jeder Beziehung aushalten, wenn ihm auch die psychologische Durchformung der Rolle nicht ganz so überzeugend gelingt wie seinem älteren Kollegen. Sehr erfreulich ist, dass er in dem Finnen Martti Talvela als Großinquisitor einen ebenbürtigen Partner hat. Ihre große Auseinandersetzung im 4. Akt wird zum wahren Duell der Giganten.
Die kleineren Partien sind ebenfalls bestens besetzt, hervorheben möchte ich noch Tugomir Frank als Mönch und Joan Carlyle als klangschöne Stimme vom Himmel.
Soltis Aufnahme ist eine hochklassige Alternative zu Carlo Maria Giulinis schon erwähnter Produktion von 1971, die gleichfalls mit den Kräften der Covent Garden Opera London aufwarten kann und auch die fünfaktige Fassung bietet. Vereinfachend könnte man sagen, dass Solti mehr Gewicht auf die dramatischen Aspekte des Werkes legt als sein italienischer Kollege, der dafür den lyrischen Momenten der Partitur mehr Raum gibt. Soltis Dirigat ist unopulent und dezent, erfüllt aber die großen Chorszenen, wie das berühmte Autodafé, mit einzigartiger Dramatik. Andererseits ist es ein Erlebnis für sich, wie feinsinnig und kammermusikalisch er das Vorspiel zur Gartenszene des zweiten Aktes ausformt.
Sehr zu begrüßen ist die ausgeglichene, ganz unspektakuläre Aufnahmetechnik, die für diese neue Ausgabe in der Serie "Originals" noch einmal mit bestem Erfolg digital aufgefrischt wurde. Das beigefügte Textheft enthält das italienische Libretto mit englischer Übersetzung sowie eine kurze dreisprachige Werkbeschreibung. Das ist zu begrüßen, aber leider nicht genug. Ich vermisse eine deutsche Übersetzung des Operntextes, die der alten LP-Ausgabe beilag, und einen Hinweis auf die interessante, sehr schwierige Entstehungsgeschichte des Werkes sucht man gleichfalls vergeblich. Da hätte sich Decca bei der EMI-Konkurrenz eine Scheibe abschneiden können, die ihre "Great Recordings of the Century" mit großzügigeren Textbüchern ausstattet. Das ändert nichts an der Tatsache, daß ich diese Neuauflage als eine der besten in der gesamten "Originals"-Reihe ansehe.
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am 25. Februar 2015
Ein typisches Produkt der großen Studioära. Der legendäre Plattenproduzent John Culshaw führte hier die Oberaufsicht, der damals gerade durch seine Ring-Einspielung weltweit bekannt gewordene Georg Solti schwang den Taktstock. Die Besetzung besteht in den Hauptrollen ausschließlich aus Stars - was einerseits beeindruckend ist, andererseits aber ein wenig synthetisch wirkt, denn selbstverständlich hätten diese Sänger in dieser Kombination niemals auf der Bühne stehen können.
Carlo Bergonzi als Carlo ist ideal - mit viel Sinn für Ausdruck und enormer Musikalität meistert er diese schwierige Partie wie kein Zweiter. Auch der junge Domingo war nicht besser. Renata Tebaldi jedoch ist ein wenig über den Zenit heraus. Gerade die Widersprüchlichkeit in der Anlage der Figur geht nicht auf: Elisabetta ist im selben Alter wie der junge Carlo, aber mit dem alten König verheiratet, was sie paradoxerweise zur Stiefmutter des Prinzen macht. Das nimmt man der reifen Stimme der Tebaldi nicht ab. Sie wirkt tatsächlich mehr wie eine Mutter denn eine junge Geliebte. Zudem geht ihr die darstellerische Präsenz völlig ab - vielleicht, weil sie die Partie niemals auf der Bühne gesungen hat?
Problematisch ist auch der sehr teutonische Rodrigo von Dietrich Fischer-Dieskau. Ich schätze den Sänger sehr, aber in italienischen Partien finde ich ihn meist fehl am Platze. Zudem ist seine Stimme nicht heldisch genug für die großen Verdi-Baritonrollen. Hier ist er passabel, aber nicht gut genug, um gegen Gobbi, Bastianini oder Sherrill Milnes in Konkurrenz zu treten. Wie immer beeindruckt seine subitle Charakterzeichnung und Wortbehandlung.
Exzellent wiederum ist der junge Nicolai Ghiaurov als König. Zwar fehlt ihm die darstellerische Präsenz eines Boris Christoff, auch klingt seine Stimme eigentlich zu jung, aber seine voluminöse, wohlklingende, kerngesunde Stimme mit ihrem wunderbaren Schmelz macht alle Mängel vergessen. Auch über Grace Bumbry lässt sich nur gutes sagen. Ihr hier noch völlig intakter, ausdrucksstarker und klangschöner Mezzo ist ein Fest für die Ohren. Herausragend auch Martti Talvela als unglaublich präsenter und furchteinflößender Großinquisitor.
Das Orchester des Royal Opera House Covent Garden spielt klangvoll und detailreich, Solti dirigiert eher zügig und wie immer energiegeladen.

Ein Zeugnis einer untergegangenen Ära - sehr empfehlenswert. Wer authentischere Aufnahmen hören will, sei an die Produktionen unter Santini (1954 &1961) verwiesen oder an den Live-Mitschnitt Karajans von den Salzburger Festspielen 1958.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Juli 2013
Diese Opernproduktion unter Solti ist eine Legende.
Legendär vor allem die Gesangssolisten - allesamt.
Im Verdi-Jahr ein MUSS!!! - trotz aller neuer/er Aufnahmen.
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