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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gewinn für jeden Plattenschrank, 22. Januar 2010
Von 
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Johannes-Passion Bwv245 (Audio CD)
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Johannes-Passion. Ausführende: Kurt Equiluz, Tenor - Evangelist; Max van Egmond, Bass - Jesus; Jacques Villisech, Bass - Pilatus; Bert van t'Hoff, Tenor - Arien; Siegfried Schneeweis, Bass - Petrus; ungenannte Alt- und Sopransolisten der Wiener Sängerknaben; Wiener Sängerknaben; Chorus Viennensis; Concentus Musicus, Wien; Gustav Leonhardt, Orgel; Leitung: Nikolaus Harnoncourt und Hans Gillesberger. Aufnahme: April und Juni 1965 im Palais Schwarzenberg, Wien. Produzent: Heinrich Weritz. (P) 1971 Teldec Classics. Gesamtspielzeit: ca. 119 Minuten.

Als die Originalklangbewegung langsam Fahrt aufnahm, spielte Nikolaus Harnoncourt mit seinen bewährten Kräften die Johannes-Passion mit Knabenstimmen ein. Mittlerweile hat Harnoncourt eine zweite, mit Frauenstimmen besetzte Aufnahme des Werks vorgelegt, und im allgemeinen stimmen auch die strengsten Originalklangfanatiker dem Vorbehalt Philippe Herreweghes zu, dass heutige Knaben - vielleicht weil der Stimmbruch so früh einsetzt - einfach nicht in der Lage sind, Bachs Musik mit der nötigen Souveränität und Dramatik wiederzugeben. Stimmt wohl auch, Herreweghes Aufnahme der Johannes-Passion lässt Harnoncourts erste um einiges hinter sich. Und dennoch: Die Schlichtheit und Klarheit dieser Pionieraufnahme von 1965 ließ mich fast zwei Stunden lang im positivsten Sinne an meinem Sessel kleben. Hier begegnet man - erst 26 Jahre nach Willem Mengelbergs letzter Aufführung der Matthäus-Passion im alten Monumentalstil - dem erfrischenden Bemühen, Bach für sich sprechen zu lassen. Zwar ist der Chor wohl wesentlich größer als der, der Bach zur Verfügung stand, doch kann ich mir durchaus vorstellen, dass der Leipziger Meister diese Aufnahme mit größter Befriedigung gehört hätte - die Instrumentalabschnitte sowieso, aber auch die Stimmen, die allesamt ohne aufgesetzten Pathos auskommen und sich daran machen, den Text möglichst klar und verständlich vorzutragen. Hinzu kommt Gustav Leonhardts Orgelspiel, ein nicht zu vernachlässigender Pluspunkt dieser Aufnahme.

Trotz des verhälntnismäßig niedrigen Pegels lässt die Aufnahme klanglich keine Wünsche übrig; die damalige Art, die Stereokanäle zu verwenden, bedeutet, dass die Sänger überdeutlich ortbar sind; alle Einzelstimmen, auch im Orchester, sind hervorragend eingefangen. Das Beiheft enthält den gesamten Text der Johannes-Passion (auch in einer gräßlichen englischen Version, die man als Deutschkundiger möglichst nicht lesen sollte!). Einzig die Tatsache, dass beide CDs im Jewel-Box übereinander liegen, was die Gefahr des Kratzens erhöht, möchte ich monieren.

Klar, dies ist nicht "die" Johannes-Passion, die jeder haben sollte. Aber ein Gewinn für jeden Plattenschrank ist sie allemal.
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Johannes-Passion Bwv245
Johannes-Passion Bwv245 von Wiener Sängerknaben (Audio CD - 2008)
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