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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die islamische Revolution im Iran aus Sicht eines Kindes, 1. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Die im französischen Exil lebende Iranerin Marjane Satrapi verarbeitete ihr Kindheits- und Jugenderinnerungen im Iran in einigen Comics. Diese waren Grundlage des von ihr und Vincent Paronnaud inszenierten Films "Persepolis".
Die achtjährige Marjane erlebt mit ihren Eltern die iranische Revolution von 1978/79. Ihre Eltern verbinden damit große Hoffnungen auf eine Demokratisierung des Landes. Doch die Machtübernahme der Mullahs schockiert die aufgeklärte, westlich orientierte Familie zutiefst. Marjanes Onkel, schon vom Schah verfolgt, wird zum Tode verurteilt. Während sich die pubertierende Marjane mit ihrer Vorliebe für Punk und ihrer Fähigkeit, den Unsinn in den Aussagen der gleichgeschalteten Lehrkörper zu analysieren, überall aneckt, wird das Leben der Familie zusätzlich durch den 1. Golfkrieg (1980-88 zwischen Irak und Iran) gefährdet. Die Eltern schicken Marjane auf eine Privatschule in Wien. In Sicherheit erlebt sie das Exil als schmerzlichen Kulturschock, so dass sie nach Ende des Krieges in den Iran zurückkehrt. Ein Neuanfang misslingt, so dass sie Jahre später endgültig nach Frankreich emigriert.

Besonders beeindruckend stehen im Film die Auswirkungen eines totalitären Regimes und die ganz persönlichen Schrecken der eigenen Pubertät nebeneinander, ohne damit die politische Dimension zu verwässern. Eine zwischenzeitlich angedachte Realverfilmung wurde glücklicherweise verworfen. Die harte, an Holzschnitte erinnernde Schwarzweißmalerei verhindert jeden Kitsch. Surreale Momente als Teil von Marjanes Gedankenwelt werden möglich. Die vollkommen verschleierten Frauen erhalten durch wenige Pinselstriche mehr Persönlichkeit als durch noch so gutes Schauspiel. Besonders gelungen auch die Darstellung einer "banalen Liebesgeschichte", im Liebesrausch hat der junge Mann Löckchen und fast einen Heiligenschein, in der Desillusionierung hätte er Frankensteins Monster Konkurrenz machen können. Komisch und traurig zugleich. Auch die Schrecken des Krieges und der Terror des Regimes werden in ihrer Absurdität so besser dargestellt als durch pathetische Großaufnahme im Mainstreamfilm. Ein Glücksfall ist (in der deutschen Fassung) die Synchronisation Marjanes durch Jasmin Tabatabai.

Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen. Es gibt ein Making Of, ein Interview mit Marjane Satrapi, ein Interview mit Jasmin Tabatabai zu den Synchronarbeiten, unveröffentlichte Szenen, den Trailer und eine Programmvorschau. Besonders im Interview und in der Kommentierung zu den unveröffentlichten Szenen rundete sich das Bild für mich ab, da Frau Satrapi sehr reflektiert über ihr Leben im Iran erzählte und darstellte, warum sie welche Szenen im Film verwendete bzw. wieder verwarf. Frau Tabatabai, ebenfalls Exiliranerin, konnte über ähnliche Erfahrungen berichten. Deutsche Untertitel zum Hauptfilm und zu den Extras sind vorhanden.

Insgesamt gesehen ein Juwel im Veröffentlichungsdschungel. Ein spannender, zutiefst menschlicher Zeichentrickfilm für Erwachsenen (FSK ganz zu recht ab 12). Unterhaltsam, subversiv, charmant. Unbedingt empfehlenswert!
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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit ABBA gegen das Regime, 27. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Die Vita des iranischen Mädchens Marjane hat es in sich: Schon als 8-jähriger kleiner aufmüpfiger Dreikäsehoch rannte sie einst mit einem weißen Stirntuch und einem Knüppel in der Hand durchs Wohnzimmer und bekämpfte in kindlicher Theatralik und mit demonstrativen Gesten den Schah. Später, inzwischen in der grauen und brutalen Realität des Mullah-Regimes angekommen, wandelt sie mit dem Slogan Punk Is Not Dead auf dem Rücken ihrer Kapuzenjacke und einem Michael Jackson Sticker auf der Brust in Teheran über den Schwarzmarkt, um einem Händler eine Iron Maiden Kassette abzukaufen, wo sie, die auch ABBA schon mal gern hört, prompt auch von zwei Moralwächterinnen aufgegriffen wird. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Marjane und ihre Familie, die Repressalien des Regimes zu spüren bekommen. Die Rückzugsrefugien (z.B. illegale Parties mit moderner Musik und dem ein oder anderen alkoholischen Getränk) werden vom Regime systematisch ausgedünnt. Es folgt die Emigration Marjanes ins Ausland auf eine französische Schule in Wien. Dort desintegriert, unverstanden, von menschlichen Enttäuschungen der ersten Liebe gebranntmarkt und mit nicht mehr zu unterdrückender Sehnsucht nach ihrer Heimat, kehrt sie schließlich als junge Frau wieder zu ihrer Familie in den Iran zurück. Es folgen Hochzeit, Scheidung, ein Besuch auf dem psychologischen Kanapee und der triste Alltag im Regime mit dem täglichen Ankämpfen gegen die verordneten Dogmen.

Marjane Satrapi gelingt eine wunderbar subversive Comicverfilmung ihrer eigenen Vergangenheit in autobiographischen Episoden. Während große Animationsstudios wie Pixar und Disney sich auf möglichst realistische Animationstechniken konzentrieren, behält Satrapi den einfachen und abstrakten Schwarz/Weiß-Stil ihrer Buchvorlagen bei. Farbschattierungen entfallen nur auf die Szenen in der Realität am Flughafen, wo sich Marjane an die Vergangenheit zurückerinnert. Mit diesem Trick der einfachen Striche rückt sie die Handlung in den Vordergrund und schafft eine hohe Identifikation des Zuschauers mit den Figuren. Je nach Szenerie verwendet sie dabei passende Überzeichnungen, beispielsweise als die beiden Moralwächterinnen auf Marjane zukommen und sich plötzlich visuell in immer größer werdende Seeschlangen ausdehnen. Folterungen, Hinrichtungen, Säuberungswellen und Krieg werden in dezent visuellen Bildern verfasst, so dass der Film, der von der FSK ab 12 freigegeben ist, auch von Heranwachsenden gesehen werden kann. Trotz der ernsten Thematik besticht der Film durch ein hohes Maß an Dialogwitz und charmanter Ironie.

Die Figuren werden im Original von Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni gesprochen. Die deutsche Synchronisation kann mit den Stimmen von Jasmin Tabatabai, Hanns Zischler und Nadja Tiller locker mithalten. Viele Zusatzinfos hält die DVD im Making Of und in einem Interview mit Marjane Satrapi bereit. Entfallene Szenen sind ebenfalls abrufbar.
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35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Film zum Iran und dem Erwachsenwerden, 20. Mai 2008
Von 
Leonidas - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Ich kenne die Comics, die diesem Film zugrunde liegen nicht, aber der Zeichenstil ist einfach toll. In der Vergröberung und Reduzierung zu Schwarz und Weiß erscheint plötzlich vieles klarer und deutlicher, als es ein Realfilm hätte transportieren können.
Die Protagonistin des Films erlebt ihre Kindheit im Iran und führt uns so in eine unbekannte Welt und Mentalität. Durch ihre kindliche Unvoreingenommenheit lernen auch wir Westler die Mentalität der Menschen im Iran verstehen, und wir merken, dass uns diese Menschen nicht allzu fremd sind, im Gegenteil!
Auch sie wollen Frieden, Party und Spaß!

Natürlich führt der Film auch durch die Schattenseiten der iranischen Geschichte, ist dabei nie verklärend, aber auch nie brutal. Deutlich, aber eben durch Kinderaugen werden die Unrechtsregime und die Unterdrückung der Frau gezeigt und die Ungerechtigkeit, die nach dem Sturz des Schahs im Iran einkehrte.

Insgesamt ist dieser Film für mich eine tolle Art der Völkerverständigung und darüber hinaus ein wunderbares Kunstwerk, welches wohl so manche Dokumentation und Nachrichtenmeldung überdauern wird. Diesen Film kann ich uneingeschränkt empfehlen, für jung und alt und für alle Ethnien. In meinen Augen sollte dieser Film Pflichtprogramm in Schulen werden, denn hier werden noch ganz ungezwungen Werte vermittelt! Toll!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit Gott und Marx in Teheran, 25. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Der Film behandelt die Lebensgeschichte der 1969 geborenen Iranerin Marjane Satrapi, die heute in Paris lebt. Die Verfilmung im Comic-Stil basiert auf dem vierbändigen Comic. Die deutsche Stimme der Marjane ist Jasmin Tabatabai, die selbst in Teheran aufgewachsen ist. Persepolis ist der Name der Hauptstadt des antiken Perserreichs, die aber im Film keine weitere Bedeutung hat.

Marjane erlebt als Schülerin die Islamische Revolution von 1979, durch die der Staat des Schah Reza Pahlani abgelöst wird von dem totalitären Regime Ajatollah Chomeinis, das auf die Errichtung eines islamischen Gottesstaates zielt. Schon der Staat unter dem Schah, dem die USA an die Macht geholfen haben, war totalitär und ließ durch seinen Geheimdienst liberal-westlich orientierte, marxistische und islamische Oppositionelle hinrichten. (Der Besuch dieses Schahs in Berlin mündete im Tod Benno Ohnesorgs.) Marjanes Familie, ihre Eltern und ihre Großmutter sind liberal, und unter ihren weiteren Verwandten gibt es viele Regime-Gegner, die sowohl vor der Revolution als auch anschließend verfolgt werden. Insbesondere ihr Onkel, der der marxistischen Oppositionsbewegung angehört, bleibt zwangsläufig auch unter Chomenei inhaftiert und wird hingerichtet. Marjane muss als Schülerin nun eine Burka tragen, zuhause bei ihren Eltern wird diese hingegen nicht gerne gesehen. Ihre Eltern besuchen heimlich verbotene Parties hinter abgeschotteten Fenstern und brennen Alkohol selbst. Auf einem "Schwarzmarkt" besorgt Marjane sich westliche Hard Rock- und Punk-Musik, die sie mit großer Vorliebe hört.

Dann, 1980, bricht der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak aus. Die Bombardierung Teherans in diesem Krieg, in dem viele Freunde und Nachbarn der Familie Marjanes umkommen und die Stadt zerstört wird, veranlasst Marjane schließlich, auf eine Schule in Wien zu gehen.

Alle Ereignisse werden aus der subjektiven Perspektive der Autorin erzählt. Das führt zum einen dazu, dass Ereignisse wie die Erschießung des Onkels im Gefängnis nebeneinander erzählt werden mit einem Vorfall, bei dem Marjane von zwei Polizisten auf der Straße gestoppt wird, weil sie gerannt war, was Frauen nicht dürfen, sowie mit dem Kauf von Musikkassetten und dem ersten Verliebtsein. An einigen Stellen wirkt diese Verniedlichung von allem, hervorgerufen durch das Nebeneinander von Politischem und Privatem, und der damit verbundene manchmal krasse Wechsel von Dramatischem und Banalem, etwas bemüht. In Wien wird aber deutlich, dass auch scheinbar banale Probleme wie Liebeskummer existentiell bedrohlich sein können, was zum Beispiel die parallele Erzählung solcher "kleinen" mit geschichtlichen Ereignissen rechtfertigen kann. An einer Stelle wird von der streng subjektiven Darstellung abgewichen: wo in einer kurzen Zusammenfassung die Geschichte Irans erzählt wird. Hier werden Erinnerungen geweckt an die Comic-Darstellung der Geschichte der USA in "Bowling for Columbine".

Die Geschichte setzt sich fort mit der Rückkehr Marjanes nach Iran und einer neuerlichen, endgültigen Emigration nach Frankreich. Gott und Marx sind für Marjane die beiden konkurrierenden Ideen, die sie immer wieder aufbauen, wobei keiner von beiden eine eindeutige Vorherrschaft gewinnt. Der Film entzaubert das vermeintlich Exotische des islamischen Iran. Er kritisiert den Islam und die auf dem islamischen Glauben gründende totalitäre Staatsherrschaft im Iran, wo kirchliche Autoritäten zugleich fast alle staatlichen Ämter einnehmen. Die persönliche Erzählung im Comic-Stil erleichtert den Zugang zu diesem "schweren" Thema.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als Großartig!!!!, 4. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Nicht nur dass die Geschichte aus eine sehr lustige und positive Art und Weise erzählt wird, die Comics sind einfach fantastisch.
Die Geschichte eine 39 Jahre alt Iranerin die, durch die durchaus bekannte schwierige Lage Ihre Heimat, zieht in der Welt hinaus auf der Suche nach ein "besseres" Leben. Rebellisch und lustig schon als Kind, mit eine untypische, "kosmunistes" (kommunist) und verständnisvolle Familie, endet Ihr Reise in Frankreich nach eine Zwischenstation in Wien.
Die erste Liebe, eine kaputte Ehe, die liebe zu Oma, eine Depression, die Freunde...alles was jeder Mensch auf der Welt geschieht.
Geschmackvolle Bilder, eine großartige Comic Bearbeitung, kritisches Blick der iranische Regierungsgeschichte gegnüber, eine positive Lebenseinstellung, diese Film schafft es eine internationalität in der Geschichte zu bringen, mit dem sich jeder, Iraner oder Argentinier, sich identifizieren kann.
Nicht nur sehen: KAUFEN!
Es gibt noch Schätze.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige andersartige Art von "Dokumentation", 17. Dezember 2011
Von 
Michael Rinus "TechNerd" (Düsseldorf, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Persepolis [Blu-ray] [UK Import] (Blu-ray)
Persepolis ist aus meiner Sicht ein politischer Comic mit sehr ernstem Hintergrund.
Ich kannte Bereits den Original Comic, und war auf die Verfilmung gespannt.
Hintergrund war für mich, dass ich besser die Lebenshintergründe meiner Lebenspartnerin verstehen und nachempfinden kann.
Die Darstellung der Geschichte wird mir einfachen stilistischen Mitteln sehr eindrucksvoll Umgesetzt.
Gerade durch die Schlichtheit der Zeichnungen kommt die Story sehr klar und direkt rüber.

Empfehlung: Schauen Sie diesen Film nicht mit Personen, die in der im Film beschriebenen Umbruchzeit aufgewachsen sind, wenn Sie einen schönen Abend verbringen wollen.
Für alle anderen ist es eine mit halbwegs gutem Ende verlaufende Geschichte, die die Lebensumstände und Gefühlswelt von in derletzten großen Umbruchzeit des Iran aufgewachsenen Personen sehr authentisch darstellt.
Ein Muß für alle die es interessiert.

Für alle die einen coolen lustigen Comic vermuten würden: Kauft irgend etwas anderes. Dies ist ein wirklich ernsthafter Film trotz oder vielleicht wegen des Comic Formats.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Freiheit ist farbig, 20. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Mit dem symbolischen Titel hat die iranische Regisseurin wohl bewusst die alte persische Hauptstadt gewählt, einen Ort, der eine bewegte Geschichte hatte: Blütezeit und Zerstörung. In klaren, holzschnittartigen Bildern erfahren wir mehr über die letzten zwei Jahrzehnte dieses lange vor unserer Zeit blühenden Landes als in allen iranischen Filmen zusammen. Eine durchaus amüsante Schilderung, über die wir gemeinsam mit liberalen Iranern lachen können. Die Sprache ist locker und frech, besonders die der kleinen Marji, eines kleinen Mädchens, das zur jungen Frau heranwächst, Erfahrungen im Ausland sammelt und zurückkehrt. Es ist eine kritische Aufarbeitung der Zeitgeschichte mit revolutionären Umstürzen (Schah, Ayatollahs etc) und sozialen Veränderungen. Hierbei wird nicht übertrieben, sondern in durchaus realistischen Szenen die jeweilige Wirklichkeit dargestellt. Und dadurch erhält der Film eine überregionale, zeitlose Bedeutung: Überleben in einem totalitären Polizeistaat. Persönliche Integrität gilt als Maxime für Marji. Und auch der liebe Gott hat seinen Auftritt ebenso wie die Beschreibung des Weihnachtsmannes als rotgekleideter Cola-Knecht.
Die leibfeindliche Ideologie wird besonders beim Studium der darstellenden Künste lächerlich gemacht.
Bedenkt man die Entwicklung im Nahen Osten wird der Film noch lange eine wegweisende Bedeutung behalten. Nicht nur als Entwicklungs- und Bildungsfilm oder als Appell für Zivilcourage sondern auch als Beispiel eines Integrationsversuches in einer globalen Welt.
Als Kontrast sind die wenigen Darstellungen von freien Gesellschaftsformen farbig, sonst herrscht knallhartes s/w. Den muss man einfach gesehen haben!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Autobiographie mal anders, 13. September 2010
Von 
S. K. (Sauerland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Das wahre Leben erzählt oftmals die interessantesten Geschichten. Noch interessanter wird es, wenn es aus der Sicht eines Menschen wiedergegeben wird, der die Geschichte selbst miterlebt, am eigenen Leib gespürt hat. So wie Marjane Satrapi, eine gebürtige, heute in Frankreich lebende Iranerin, die ihre schwierigen Erfahrungen in ihrem Heimatland in Form ihres Comics "Persepolis" verarbeitete und den darauf beruhenden, gleichnamigen Zeichentrickfilm verwirklichte.

Marjanes Lebensgeschichte beginnt im Jahre 1979. Der Schah wird aus dem Land vertrieben, und die Menschen schöpfen neue Hoffnung auf ein neues, demokratisches Leben. So auch Marjenes Familie, die unter der Tyrannei des Landesoberhauptes viel durchmachen mussten. Freunde und Verwandte, die gegen das Regime revoltierten, wurden verfolgt, verhaftet und gefoltert. Die zu dieser Zeit achtjährige Marjane, die dank ihrer liberalen Eltern bis dahin ein wohlbehütete und respektables Leben führen durfte, kann die Ernsthaftigkeit der politischen Situation noch gar nicht richtig begreifen, vielmehr betrachtet sie all dies mehr als ein Spiel denn als bittere Realität. Ihre unschuldige Kindheit endet abrupt, als nach der Schah-Vertreibung die Mullahs an die Macht gelangen.
Das Volk wird stärker unterdrückt denn je, die radikale Durchsetzung islamischer Regeln zerstört jede Form von persönlicher Entfaltungsfreiheit, und wer dagegen rebelliert, findet sich entweder im Gefängnis oder - was wahrscheinlicher ist - vor einem Erschießungskommando wieder. Als die Hauptstadt Teheran, in der Marjane und ihre Familie leben, während des Golfkrieges von Bombenangriffen heimgesucht wird, beschließen ihre Eltern sie zu Verwandten nach Wien zu schicken, wo sie eine Privatschule besuchen und ihre Jugend fernab von Ängsten und Zwängen durchleben kann. Private Enttäuschungen und Anpassungsschwierigkeiten an die ihr völlig fremde Westkultur führen jedoch zu einer schweren Depression...

Biopics, wie man sie aus Hollywood oder dem Öffentlich-Rechtlichem Fersehen kennt, haben oft die Schwierigkeit, die thematisierte(n) Persönlichkeit(en) und Zeitgeschichte so akkurat darzustellen, wie es sich geschichts-interessierte Zuschauer am liebsten wünschen. Nur die wenigsten Beiträge dieser Filmgattung schaffen es, Sachlichkeit und Unterhaltungsaspekt im gesunden Verhältnis zu setzen, ohne dass der Wahrheitsgehalt auf der Strecke bleibt; der Rest ist pseudo-dokumentarisches Filmwerk, reich an Kitsch, Melodramatik und fiktionalen Zugaben, aber mager an unverfälschter Authenzität. Wenn zusätzlich noch sichtbar überforderte Schauspieler engagiert werden, ist der Umsetzungsversuch einer gelungenen Film-Biographie schon gescheitert.
Mit diesen Schwierigkeiten muss sich "Persepolis" allerdings nicht schlagen. Satrapis' Autobiographie in Zeichentrickfilm-Form (streng an den künstlerischen Stil ihres Comics orientiert) funktioniert nicht nur tadellos, sondern überwindet nahezu jede Problemstelle, über die ein Realfilm u.U. stolpern könnte. Politische Spannungen und gesellschaftliche Unruhen werden in treffenden und stilvollen Schwarz-Weiss-Bildern nähergebracht, die ihre kritische Botschaft nicht verfehlen. Dazu gehören auch Szenen, in denen politische Gegner oder auflehnende Stimmen aus der Bevölkerung mit ihrem Leben bezahlen müssen - nie demonstrativ oder gar plakativ visualisiert, sondern immer nur bewusst angedeutet, was ihrer Wirkung keinen Abbruch tut.
Der Zuschauer erhält aus Marjanes Sicht unmissverständliche Einblicke in die damalige Zeit und die Umstände, in der sie aufwachsen musste. Die Kopftuch-Pflicht, das Verbot westlich-geprägter Musik oder Kleidung, die gnadenlose Unterdrückung des einfachen Volkes, die immer-präsente Angst um das eigene Leben oder das geliebter Menschen, das Leben im Exil und das damit verbundene Heimweh ... Noch nie wurde dem ausländischen Publikum das Leben im krisengeschütteltem Iran so deutlich gezeigt wie über Marjane Satrapis "Persepolis".

Trotz des ernsten Kern-Themas bleibt hier und da immer noch Raum für die eine oder andere humorvolle, witzig gerate Stelle. Eben weil Satrapi viel von ihrer eigenen Geschichte in die Historie einfließen lässt und sie sich (trotz vieler grausamer Schicksalsschläge, die sie erleiden musste) auch nicht zu fein ist, ihre eigene Figur - frech und meist sehr direkt in ihrer Wortwahl - mit viel Selbstironie darzustellen, bleiben der Film, seine Geschichte und auch seine Charaktere jede Sekunde sehr menschlich und realitätsnah.
Ohne einen Funken Humor käme der Film auch gar nicht aus, ohne total ins Deprimierende abzudriften. Immer wieder scheint ein Funken Hoffnung hindurch, und das ist auch letztendlich die Aussage, die der Film vermitteln möchte:
Dass es wichtig ist, für seine Ideale und seine Integrität zu stehen und wenn nötig auch zu kämpfen - genau so, wie die kleine Marjane es immer von ihrer Großmutter gelehrt bekam.

Ohne Frage ist "Persepolis" ein aufwühlender, intelligenter und ungemein wichtiger Film, nicht nur für Erwachsene. Er bringt uns, die Menschen der westlichen Kultur, ein Stückchen näher an das schwierige Leben im Nahen Osten und ermahnt uns gleichzeitig, die dort heimischen Frauen, Männer und Kinder nicht automatisch mit selbstmörderischen Bombenlegern und anti-amerikanischen Fahnenverbrennern gleich zu setzen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegendes Zeichentrickdrama nach dem Comic-Roman von Marjane Satrapi, 7. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Marjane Satrapi, die im Iran geborene und in Paris lebende Comiczeichnerin, schuf mit ihrem Comic "Persepolis" ein großes Meisterwerk.
Zusammen mit Vincent Paronnaud verfilmte sie ihren Comic, der im Jahr 2007 ausgestrahlt wurde.
"Persepolis" gewann die Filmfestspiele von Cannes im Jahr 2007 und bekam weitere Nominierungen, darunter die Oscar-Nominierung für den besten Trickfilm.

Im Jahr 1979 ist die kleine Marjane, genannt Marji, noch ein kleines Mädchen als die Islamische Revolution den Schah aus dem Iran vertreibt.
Doch die neue Regierung übernimmt die Oberhand und lässt viele Leute gewaltsam einsperren und alles was aus dem Westen kommt verbieten.
Doch Marjane ist ein rebellisches Mädchen und will sich unter anderen an Iron Maiden und Punk erfreuen, trotz dass in den Straßen die Revolutionswächter umgehen.
Aber sie muss zugleich miterleben wie sehr die Revolution und auch der Krieg gegen den Irak das Leben ihrer Familie und ihrer Freunde dramatisch verändert.

Dieser Zeichentrickfilm schafft es den Zuschauer mitzureißen und zu bewegen.
So traurig es in der Handlung abgeht, bleibt auch Platz für humoristische Szenen.
Dieser Zeichentrickfilm ist zudem auch so herrlich surealistisch, wenn Marjanes Träume und Hoffnungen dargestellt werden.

Ein Zeichentrickdrama, der einen zum Nachdenken anregt.

Comic und Film sind Meisterwerke einer großen Comiczeichnerin.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein besonderer Film, 1. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Persepolis (DVD)
Dies ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Film. Er informiert, berührt, macht betroffen und hat dabei seinen ganz eigenen Humor. So ganz nebenbei erhält man einen Überblick über die Geschichte des Irans, wird erinnert an Ereignisse, die ein bisschen verschüttet waren und gerade jetzt wieder in ihrer Bedeutung aktuell werden. Die ganz persönliche Geschichte des Mädchens wird wunderbar erzählt, beinhaltet sämtliche Facetten des "Groß- und Erwachsenwerdens", ehrlich und auch durchaus selbstkritisch beschrieben. Eindrucksvoll und völlig nachvollziehbar auch die Darstellung des "Hungers nach Spaß und Leben", trotz Tod, Elend und Unterdrückung. Und alles wird dargeboten mit einem feinsinnigen Humor, der die tragischen und komischen Aspekte des Lebens angemessen zu verknüpfen weiß.
Die Möglichkeiten, die eine Comic-Verfilmung bietet, wurden voll genutzt, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein "realer" Film diese Wirkung hätte erzielen können.
Abgerundet wurde für mich dieses Filmerlebnis durch das Interview mit der Synchronsprecherin Jasmin Tabatabai (wobei die Interviewerin nicht gerade glänzte), die mit ihrer eigenen Erfahrung die wesentlichen Elemente des Films authentisch bekräftigte.
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Persepolis
Persepolis von Marjane Satrapi (DVD - 2008)
Gebraucht & neu ab: EUR 4,00
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