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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen bewegendes Gerichtsdrama
Der amerikanische Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) kommt 1948 nach Deutschland, um in den Nürnberger Prozessen vier deutsche Juristen abzuurteilen, die für die Verbrechen des Nazi-Regimes mitverantwortlich gemacht werden. Prominentester Vertreter ist Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster), der beharrlich zu den Vorwürfen schweigt. Der charismatische...
Veröffentlicht am 25. August 2005 von Mark Steinmetz

versus
9 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schell herausragend in einem durchschnittlichen Film
Zuerst das positive: Maximilian Schell hat seinen Oscar wirklich verdient. Er ist das Highlight dieses Films, seine Darstellung ist mitreissend und glaubwürdig.
Ansonsten kann ich diesem vielgelobten Klassiker aber nicht viel abgewinnen. Die Geschichte wird meiner Meinung nach zu pathetisch und zu rührselig rübergebracht. Die Szenen mit Marlene...
Veröffentlicht am 17. August 2004 von David Steinlin


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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen bewegendes Gerichtsdrama, 25. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Der amerikanische Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) kommt 1948 nach Deutschland, um in den Nürnberger Prozessen vier deutsche Juristen abzuurteilen, die für die Verbrechen des Nazi-Regimes mitverantwortlich gemacht werden. Prominentester Vertreter ist Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster), der beharrlich zu den Vorwürfen schweigt. Der charismatische Verteidiger Rolfe (Maximilian Schell) leugnet die Verbrechen nicht, doch argumentiert er, daß die Richter im Rahmen geltenden Rechts gehandelt haben. Bilder und Berichte von Zwangssterilisationen und Massenmord lassen das Grauen lebendig werden. Doch Richter Haywood sieht sich im aufziehenden Kalten Krieg starkem politischen Druck ausgesetzt, Milde walten zu lassen, um das deutsche Volk zu versöhnen. Es stellt sich die Frage, der auch die Angeklagten ausgesetzt waren, ob ein Richter nur seinem Gewissen unterworfen ist oder sich als Teil des herrschenden Systems versteht...
Amerikanische Filme über deutsche Geschichte des Zweiten Weltkriegs sind mitunter durch gewisse politische Einseitigkeit gekennzeichnet. Nicht so „Das Urteil von Nürnberg". Das mit großem Staraufgebot gedrehte Werk von Regisseur Stanley Kramer beleuchtet eindrucksvoll das Deutschland 3 Jahre nach Ende des Krieges. Es werden Lebensgeschichten von Tätern des Dritten Reichs ebenso erzählt wie das deren Opfer. Es wird dokumentiert, wie es möglich war, daß einst redliche Menschen selbst zu Tätern wurden. Ganz generell stellt sich die Frage nach persönlicher Verantwortung für Verbrechen des Regimes. Spencer Tracy spielt überzeugend den ruhigen alternden Richter, der großes Gerechtigkeitsempfinden besitzt und frei von Vergeltungssucht nach der Wahrheit sucht. In weiteren Rollen sind Marlene Dietrich, Richard Widmark, Judy Garland und der junge William Shatner zu sehen.
Der Film ist ein Abbild der Zeit, die Wahrheit über deutsche Schuld wird ebenso aufgezeigt wie die politischen Interessen Amerikas und auch die Verantwortung der Welt am Aufstieg Hitlers. Ein überzeugendes Drama, nicht umsonst nominiert für 11 Oscars.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Nazi-Jäger auf alte Hasen treffen, eröffnet sich ein weites Feld, 22. August 2010
Von 
Tonio Gas - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
© Tonio, filmkritik99.jimdo.com

Quentin Tarantino hat in "Inglourious Basterds" neben vielem anderen den Typ des "kultivierten Barbaren" wiederbelebt. Sein Hans Landa (Christoph Waltz) hinterfragt die These, dass eher die sogenannte Unterschicht anfällig für braune Parolen war und dass Bildung die sicherste Waffe gegen die Verführbarkeit gewesen wäre. Es lohnt sich, zu sehen, wie schon 1961 der US-Regisseur und Produzent Stanley Kramer in diese Richtung argumentierte. Sein Film spielt 1947 und schildert einen Prozess gegen vier NS-Richter vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal. Auch hier gibt es den kultivierten Barbaren, gleich zwei Mal: Ein schneidiger Strafverteidiger (Maximilian Schell) ist aalglatt, gebildet und gerissen. Er kann sich nach anfänglich subversiver Fragerei so geschickt in psychoterrorisierende Raserei steigern, dass man sich fragt, was der Mann eigentlich von 1933-45 gemacht hat. Einer der vier Angeklagten, der Richter Ernst Janning (Burt Lancaster), ist als Einziger nicht so borniert, dass er sich mit der These, es sei nur geltendes "Recht" angewandt worden, ein Lügengebäude der schalen Gewissensberuhigung zimmert. Und doch bezeichnet er sich (man fühlt, dass dies auch die Aussage des Filmes ist) als "den Schlimmsten von allen". In der Tat! Wer hätte widerstehen können und es nicht tat, der lieferte der Barbarei den intellektuellen Überbau, den schützenden Brückenbogen, unter dem der Mob wüten konnte. Ohne diesen Schutzschirm wären des Führers neue Kleider ziemlich nackt gewesen, und nicht jeder, aber viel mehr Menschen hätten es gesehen, hätten vielleicht das Schlimmste verhindert.

Kramers Film trifft genau diese Tonlage und ist damit ganz bewusst ein "Aufklärungsfilm", der eine Botschaft hat und dezidiert Stellung bezieht. Dies macht Kramers Filme gelegentlich etwas anstrengend, aber sein Hang zu deutlichen Positionen und großen Monologen findet hier endlich einmal ein großes Thema, dem es angemessen ist. Er hat sich ja nicht irgendwelche Verschwörungstheorien ausgedacht, es hatte ja die willfährigen Juristen und die Juristenprozesse tatsächlich gegeben, in denen sie sich wanden und selbstverständlich sämtliche rechtsstaatlichen Mittel weidlich ausnutzten, die sie wenige Jahre zuvor den (Un-)Rechtsunterworfenen verweigert hatten. Obwohl es gerade die vier Juristen, die im Film die Angeklagten sind, nicht gab, basieren viele der im Prozess angesprochenen Schicksale und Unrechtsurteile auf Fakten. Judy Garland spielt beispielsweise eine Zeugin, die nur unter großen Mühen zur Aussage bereit ist und dann um Fassung ringt, wenn sie ihr Schicksal schildert - es basiert auf dem "Katzenberger"-Fall, in dem ein Jude namens Katzenberger wegen "Rassenschande" verurteilt und ermordet wurde, obwohl niemand genau sagen konnte, ob er nur ein väterlicher Freund oder Geliebter einer jungen Untermieterin war (um nicht missverstanden zu werden: Selbst im Falle eines Falles wäre die Verurteilung bar jeglicher rechtsstaatlichen und ethischen Grundsätze gewesen!). Die junge Frau, Irene Seiler, die nun von Judy Garland gespielt wird, wurde wegen Meineides zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Kramer schildert sowohl ihre Traumatisierung als auch die Perversion der NS-Justiz, die Katzenberger in einem reinen Schauprozess und Seiler in einem eklatanten Fall von Rechtsbeugung wegen Meineids verurteilt hatte, weil sie den Geschlechtsverkehr unter Eid bestritten hatte.

Auch das Thema Zwangssterilisierung von (mehr oder minder) geistig Behinderten, dessen realer Hintergrund offenbar ist, wird in einer emotionalen und doch bestechend wahren Szene aufgegriffen: Montgomery Clift (1961 schwer durch Drogenmissbrauch gezeichnet, so dass es vielleicht nicht mal gespielt ist, wenn er immer etwas neben der Spur wirkt) spielt ein Opfer im Zeugenstand, und der Verteidiger weist erst einmal geschickt nach, dass auch hochgeschätzte Geistesgrößen irgendwann einmal heutzutage unwürdige Äußerungen zur Behandlung Geisteskranker und zur "Selektion" gemacht hatten. Es darf auch nicht der Überraschungscoup fehlen, dass Schell triumphierend zu einem als verabscheuungswürdig geltenden Zitat sagt, das stamme nicht etwa von einem Nazi, sondern von einem hochangesehenen US-Amerikaner. Und irgendwann hat er den ersichtlich traumatisierten Clift so sehr an den Rand des Nervenzusammenbruchs gequatscht, dass er nicht mehr auf den "Intelligenztest" antworten kann: "Bilden Sie einen einfachen Satz, in dem die folgenden Worte vorkommen: Hase - Jäger - Feld. Hase - Jäger - Feld." Immer wieder kommen diese drei Worte wie Peitschenschläge. Natürlich kann Clift es nicht (und wir haben da schon fast vergessen, dass das nicht nur unfair ist, sondern dass selbst eine erwiesene "Geisteskrankheit" natürlich keine Zwangssterilisierung rechtfertigt). Das ist die Meisterschaft Kramers: Er schafft solche Szenen wie die mit Judy Garland und die mit Montgomery Clift / Maximilian Schell, die von ungeheurer emotionaler Kraft sind und einem die Zornesröte ins Gesicht treiben. Gleichzeitig legt er die Nazi- und Nazi-Verteidiger-Methoden frei und schärft unseren Verstand dafür, auch den intellektuell anspruchsvolleren Rechtfertigungs- und Manipulationsversuchen stets zu misstrauen.

Kramers Vorbildfigur ist offensichtlich die des Vorsitzenden Richters, gespielt von des Regisseurs bevorzugtem Hauptdarsteller Spencer Tracy. Er sah mit seinen damals ca. 60 Jahren schon etwas älter aus, und seine große Kunst ist, dass er Altersweisheit nie in Altersmilde abgleiten lässt. Hinter der auch zu den Nazis sehr fairen und großzügigen Verhandlungsführung ist immer der schlaue Fuchs mit messerscharfem Verstand zu erkennen, und im finalen Zellengespräch versagt er dem reuigen Janning die moralische Absolution. Es sei schon zu spät gewesen, als Janning das erste Todesurteil ausgesprochen habe. Da kommt die Kramersche Entschiedenheit wieder durch, und der hohe moralische Anspruch ist gegenüber intellektuell versierten Juristen, die der Verführung leichter hätten widerstehen können und die das System besonders nachhaltig gestützt haben, allemal gerechtfertigt.

Der Film wartet noch mit weiterer internationaler Star-Power auf. Neben den Genannten ist Richard Widmark ein energischer Staatsanwalt und Marlene Dietrich eine Offizierswitwe, die noch dem schönen Lügengebäude der ehrlichen Oberschicht anhängt, die von allem nichts gewusst habe. Dass sich die damals ca. Sechzigjährige gerade einer Schönheitsoperation unterzogen hatte und dadurch besonders statuarisch wirkte, passt zu ihrem weltentrückten Verharren in der Vergangenheit extrem gut. Mit Dietrichs Figur verlässt der Film zeitweilig den engen Kosmos der Prozessbeteiligten und wirft auch einmal einen Blick auf die deutsche Gesellschaft anno 1947. Man kann es dem Film wahrlich nicht verübeln, dass diese nicht besonders gut dabei wegkommt. In einer fast schon gruseligen Szene wird deutsche Biertisch-Seligkeit wie eine aggressive Bedrohung gezeigt. Wie die Männer zu einem laut vorgetragenen Schunkellied die Krüge rhythmisch auf den Tisch knallen, ist beinahe eine Kampfansage: Mir san mir, wir wollen wieder normal leben, die Vergangenheit im Bier ersäufen und uns unsere Gemütlichkeit (die absolut ungemütlich und verbissen wirkt) nicht nehmen lassen. Die Bierkrüge knallen mit dem gleichen Autoritätsanspruch auf den Tisch wie das Hämmerchen des Richters (so wird es auch in einem entsprechenden Szenenwechsel verdeutlicht).

Vergessen wir nicht, dass diese Haltung ganz offensichtlich noch viele weitere Jahre vorherrschte. Ausgerechnet Marlene Dietrich war ja im wirklichen Leben das glatte Gegenteil von ihrer Rolle, nämlich eine engagierte Nazigegnerin und Topstar der US-Truppenbetreuung. Dies führte dazu, dass sie noch 1960, bei ihrem ersten Konzert in Deutschland, in Berlin mit "Marlene hau ab!"-Plakaten und Buhrufen empfangen wurde (welches Vaterland soll die Vaterlandsverräterin eigentlich verraten haben???). 1961 war es also nicht zu spät für den vorliegenden Film. Man mag an dem geringen zeitlichen Abstand zu den Dietrich-Protesten ermessen, dass es eine mutige Entscheidung war, die Premiere in West-Berlin stattfinden zu lassen. Willy Brandt als damaliger Oberbürgermeister zeigte sich aufgeschlossen, und Kramer glaubte offensichtlich trotz aller Kritik noch an die Bereitschaft der Deutschen, sich auf diesen Film einzulassen und vielleicht das eine oder andere aus ihm zu lernen. Wenngleich "Urteil von Nürnberg" nicht allzu optimistisch endet. Es wird zwar ein Urteil gesprochen, aber "Judgment AT Nurnberg" heißt eher "In Nürnberg wird ,gerichtet'". Der englische Titel scheint mir stärker auf die materielle Gerechtigkeitsverschaffung als auf das formelle Urteil abzustellen, das am Ende gegen die vier Angeklagten gesprochen wird. Und diese Titel-Deutung versieht Kramer mit einem großen Fragezeichen. Die Prophezeihung des Filmes, dass in wenigen Jahren alle verurteilten Richter wieder auf freiem Fuße und sogar oft wieder in Amt und Würden seien, hat sich übrigens als richtig erwiesen.

So ist der vorliegende Film nicht nur packendes Starkino, sondern auch anspruchsvolle Anklage gegen ein unmenschliches Justizsystem, das dazu einlädt, sich näher mit den Fakten auseinanderzusetzen. Kramers Film wirkt nachhaltig über die ohnehin schon lange (aber nie langweilige) Laufzeit hinaus. Weiterführend sei das Buch "Furchtbare Juristen" von Ingo Müller empfohlen.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen I-like-it: Geschichtsunterricht mit Gänsehaut, 9. Januar 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Ein Schwarz-Weiß-Film der Extraklasse. Die Umsetzung des Theaterstücks von Abby Mann erscheint mir im Film sehr gut gelungen. Teilweise sind Bilder aus dem zerbombten Nürnberg zu sehen: das weiß ja heute bald niemand mehr, wie es damals aussah. Bei den Schauspielern agieren hauptsächlich Stars ihrer Zeit - von Spencer Tracy über Burt Lancaster zu Marlene Dietrich.
Wer den Film mal mit dem Theaterstück vergleichen möchte, kann dies zur Zeit im Nürnberger Schauspielhaus (seit kurzem Staatstheater) tun. Auch hier keine Längen, trotz 2h 50 min Dauer - und kein Mucks im Zuschauerraum. Film und Theaterstück sind echte Geschichtsstunden. Für jeden, der sich auch nur ein bisschen für diese Zeit interessiert, sehr empfehlenswert.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Miterlebte Zerrissenheit, 30. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Zurecht hat dieser Film die Jahrzehnte überdauert und findet nun in der DVD-Fassung erneute Beachtung. Die tiefschürfende Thematik wird dramaturgisch brillant aufbereitet, was vor allem durch die elegante Verquirlung von abstrakten Prozessdiskussionen und lebensnahen Alltagsszenen gelingt. So wird die Schuldfrage vor einem theoretisch distanzierten, aber auch konkreten Hintergrund betrachtet. Der Zuschauer erlebt zusammen mit Richter Haywood die Zerrissenheit, der er in Anbetracht der momentanen sozialen und politischen Situation und auf der anderen Seite der objektiven Betrachtung des Rechts ausgesetzt ist.
Toll eingefangen wird dieser innerliche Konflikt von Spencer Tracy. Das aussichtlose Ringen um Neutralität bei ständigen beidseitigen emotionalen Einflüssen erhält die Spannung bis zur Verkündigung des Urteils.
Überhaupt sind es die darstellerischen Leistungen, die eine vorhersagbare Schwarz-weiß-Malerei unterbinden und das Dilemma eindrücklich vor Augen malen, in dem die Personen sich befinden. Lebensnah wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass die NS-Problematik nicht pauschalisiert, sondern immer im Zusammenhang mit eigenständigen Charakteren gesehen werden muss - auch nach dem Krieg.
Kleiner Wehmutstropfen bei der DVD-Ausgabe: Das behandelte Thema und auch die Historie des Films und seiner Darsteller hätte eine Unmenge an vertiefendem Stoff hergegeben, der zumindest eine kleine Portion Bonusmaterial gerechtfertigt hätte. Leider gibt das Menü nicht mehr her als einen Abspielbutton und eine Sprachauswahl. Diese ist mit ganzen fünf Varianten (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) jedoch äußerst umfangreich ausgefallen.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Sind wir schon wieder soweit..?!", 9. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Ein sehr überzeugender Film über die Verbrechen des 3. Reichs, besonders die der "Schreibtischtäter" und die Schwierigkeiten sie zu ahnden. Für mich der Gerichtsfilm schlechthin. Spencer Tracy in einer seiner besten Rollen gibt den Richter der einfach bloß seinem Gewissen, moralischen Empfinden und gesunden Menschenverstand folgt - und sich dabei in den Umhang des etwas hinterwäldlerischen Provinzrichters wirft um den ständigen Beeinflussungsversuchen aller Seiten auszuweichen. Dennoch, oder auch gerade deswegen, fällt es ihm schwer den Rechtsprofessor Jannings zu verurteilen: Den sympathischen, begabten, eigentlich Anständigen, der unter seinen eigenen Gewissensbissen eigentlich schon genug leidet.
"Sind wir schon wieder soweit..?!" mit diesen Worten wendet er sich entsetzt an seinen Verteidiger - und dem Zuschauer bleibt fast das Herz stehen - als dieser versucht einer Zeugin noch ein zweites Mal vor Gericht ihre Menschenwürde zu nehmen (hier hätte ein wirklicher Richter sicher eingehakt - aber diabolisch gut: Max Schell als Anwalt)
Ein guter Film über die Grenzen dessen was menschliches Recht vermag - auch dessen politische Rahmenbedingungen (die eher nebensächlich gestreift werden) - dass Schuld immer eine individuelle Angelegenheit ist - im Einzelfall abzuwägen - dass es keine "Kollektivschuld" geben kann...
Unnachahmlich Marlene Dietrich - die vor den Nazis emigrierte und dafür von den Deutschen gehasst wurde - hier gibt sie die germanische Offizierswitwe die "von nichts gewusst" haben will - so überzeugend dass man ihr einfach glauben muss - wenn sie nicht versuchte trotzdem ihre Fäden zu spinnen..
Und da die Frage des Rechtsprofessors an seinen Verteidiger wohl als Mahnung und Warnung noch für einige Zeit aktuell bleiben wird - nicht bloß für uns Deutsche - bleibt es vermutlich auch dieser Film...
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich auf DVD - Bewegendes Gerichtsdrama, 15. Juli 2004
Von 
UweB "-" (Berlin, Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Ich habe mich oft geärgert, dass die großartigen Marlene Dietrich-Filme "Das Urteil von Nürnberg" und "Zeugin der Anklage" nur in Amerika erhältlich waren.
Nun endlich sind beide auch als deutsche DVD Veröffentlichungen zu haben.
"Das Urteil von Nürnberg" stellt in spielfilmartiger Form die real-historischen Geschehnisse der Nürnberger Prozesse dar, bzw. auch nur einen Ausschnitt.
Maximillian Schell erhielt für seine Rolle als deutscher Verteidiger zu recht einen Oscar. Auch die anderen Rollen sind grandios besetzt, so die Generalswitwe Berthold (dargestellt von der großartigen Marlene Dietrich, die selbst die Nazis um Hitler und Goebbels verachtete und Rollenangebote aus Deutschland damals in ihrem französischen bzw. dann amerikanischen frei gewählten Exil ablehnte), die bei dem obersten Richter, Spencer Tracy stellt ihn dar, um Verständnis für die Menschen in Nazi-Deutschland wirbt und sich somit im Film entgegen ihrer eigentlichen Haltung agieren muss. Das macht sie, wie alle anderen auch bravorös, denn der Film lebt vor allem durch das ausgezeichnete Darstellerensemble.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen das Vergessen, 11. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
"Aber wir haben doch nichts gewusst" ist ein Satz den wir häufig hören, wenn es um die Verbrechen der Nazizeit geht und der auch in diesem Film häufig zu hören ist. Und so hilft dieser Film allen, auch den künftigen, Generationen die Greuel dieser Zeit nicht zu vergessen. Gleichzeitig beschäftigt er sich eindrucksvoll mit der Frage: wenn keiner etwas gewusst hat, keiner etwas entschieden, sondern nur Befehele ausgeführt hat: wie konnte dann etwas derart grausames wie millionenfacher Mord geschehen ?

Letztlich gibt es im Film darauf keine Antwort und auch der Verteidiger der Nazigrößen (genial: Maximilian Schell als eitler, aggressiver Rechtsanwalt der brutalst die Zeugen verhört und Logik auf die unmenschliche Spitze treibt) spielt nur mit den Ideen: muss nicht ein ganzes Volk vor Gericht verurteilt werden statt nur einiger weniger ? Oder muss keiner verurteilt werden, eben weil sich jeder nur an Befehle gehalten hat ? Oder ist jeder gar unschuldig, weil er nur seinem Heimatland dienen wollte ?

Der Film ist in vielerlei Hinsicht eindrucksvoll: eher ein leises Kammerspiel, indem nur der Nazi-Verteidiger keift und deutsche Marschmusik den manchmal akustisch etwas verstörenden Rahmen liefert. Aber auch die Konflikte der Siegermacht USA: einerseits will man Recht sprechen und die menschlichkeitsverachtenden Verbrechen hart bestrafen, andererseits zeichnet sich schon der Ost-West-Konflikt ab und man kann auf die Deutschen nicht verzichten. Und die Charactere die sich sichtlich Unwohl fühlen und noch aneinander gewöhnen müssen an das Leben zwischen Siegern und Besiegten. Und dann die erchreckenden und eindrucksvollen Bilder der befreiten Konzentrationslager: die Verbrechen können kaum greifbarer sein.

Ein Muss für jede Videothek und gegen das Vergessen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtiger Klassiker ohne Verfallsdatum, 16. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Ich muss zugeben, dass ich etwas skeptisch war, bevor ich den Film das erste mal gesehen habe. Eine (hier mit fiktiven Personen, aber das tut nichts zur Sache) Aufarbeitung der Nürnberger Prozesse in einem amerikanischen Film. Und auch noch aus dem Jahre 1961. Ich fürchtete einen einseitigen (Deutsch=schlecht, Ami=gut) Gerichtsfilm. Vor allem wegen der unglaublich prominenten Besetzung habe ich mir den Film doch gekauft.

Das Ergebnis hat mich sprachlos gemacht. Entgegen meiner Befürchtung handelt es sich nicht über einen Siegerjustiz-Film, sondern um ein ergreifendes, unvergessliches Werk das zeigt, wohin totalitäre Systeme führen können. Und wie viele Menschen sich von einem solchen vereinnahmen lassen, oder zumindest wegsehen. Einige Szenen (z.B. die Aussage eines Opfers, gespielt von Montgomery Clift) rühren wirklich zu Tränen.

Zu den Schauspielern:

Der Richter ist mit dem symphatischen Spencer Tracey perfekt besetzt. Tracey konnte ja vor allem in den letzten Jahren seines Lebens in ähnlichen Rollen begeistern.

Maximilian Schell erspielte sich als junger deutscher Verteidiger einen Hauptdarstelleroscar. Er hat die Auszeichnung für seine intensive Darstellung auch mehr als verdient.

In weiteren Rollen sind u. a. Burt Lancaster, Richard Widmark, Marlene Dietrich, Judy Garland, Werner Klemperer (Oberst Klink aus "Hogan's Heroes") und William "Kirk" Shatner zu bewundern.

Unter den zahlreichen filmischen Aufarbeitungen der NS-Zeit gehört dieser Gerichtsfilmklassiker zu den besten.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Film, der sich einiges traut - und gewinnt!, 24. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Man kann lange darüber diskutieren, ob die Art, wie Hollywood mit den Schrecken des 3. Reichs, sprich: mit dem Holocaust umgegangen ist, immer angemessen war. Zumeist war sie angemessen - und erschrocken. Hier, in diesem Monumentalgerichtsdrama mit Superstarbesetzung, mühte es sich, differenziert einer bestimmten Problematik nachzuspüren: Waren alle Deutschen böse und schuldig? Und die, die schuldig sind, sind sie einsichtig? Anhand eines der Nürnberger Prozesse, nämlich den um die Richter und Juristen, jene, die das Recht achnell um- und neu anzuwenden, die Todes- und andere menschenverachtende Urteile oft in atemberaubender Geschwindigkeit auszusprechen wussten.

Nun könnte man befürchten, daß ein A-Movie mit einer Starpower, die es in sich hat, vielleicht nicht ganz das richtige Vehikel für eine solch diffizile Angelegenheit wäre, doch gelingt es Stanley Kramer und seinen Akteuren brillant, dem Sujet gerecht zu werden.

1948 kommt der amerikanische Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) nach Nürnberg, um den Vorsitz bei den Prozessen gegen führende Juristen, v.a. Richter, zu übernehmen. Er wird in einer Dienstvilla einquartiert, die zuvor einem zum Tode verurteilten General gehörte. Haywood sieht, daß er - ein relativ unbeschriebenes Blatt an einem Provinzgericht - auch eingesetzt wurde, weil die Prozesse nicht mehr ganz die Aufmerksamkeit erregen (sollen), die die "großen" Kriegsverbrecherprozesse hatten. Politik hält Einzug in die Gerichtssäle und übertüncht die moralische Empörung. Vor Gericht steht u.a Dr. jur. Ernst Janning (Burt Lancaster), der von dem Deutschen Anwalt Hans Rolfe (Maximilian Schell) vertreten wird. Dieser tritt extrem aggressiv vor Gericht auf und greift die Zeugen - u.a. den ehemaligen Justizminister (John Wengraf), dann den Hilfsarbeiter Rudolf Petersen (Montgomery Clift), später die Zeugin Irene Hoffmann (Judy Garland) - immer wieder heftig an und verweist darauf, daß diese nach geltendem Recht schuldig waren (der Justizminister natürlich nicht; dieser versucht sich darauf zu berufen, er sei zurückgetreten, um den Nazis nicht mehr dienen zu müssen, was Rolfe als Argument zerpflückt). "Befehlsnotstand" lautet dann auch Rolfes immer wiederholtes Argument, "Befehlsnotstand" und die geltenden Gesetze. Nachdem es während der Anhörung des Zeugen Petersen schon zu unfassbar verletzenden Momenten gekommen war, greift Janning schließlich ein, als sein Anwalt die Zeugin Hoffmann im Gericht erneut zu demütigen versucht, als diese beschreiben soll, was ihr wiederfuhr, als sie angebliche "Rassenschande" mit dem jüdischen Geschäftsmann Feldenstein betrieben habe. Janning unterbricht seinen Anwalt, weist ihn in die Schranken, ergreift das Wort und bekennt sich schließlich im Zeugenstand schuldig. Dan Haywood versucht in den Prozeßpausen Kontakt zur Bevölkerung aufzunehmen, stößt aber bei seinen Hausangestellten auf eisiges Schweigen. Schließlich trifft er die Witwe Berthold (Marlene Dietrich), die mit dem General verheiratet war, dessen Villa Haywood nun bewohnt. Sie ist es, die versucht, Haywood klar zu machen, daß nicht alle Deutschen "so" waren und daß selbst die, die mitgemacht haben (wie ihr Mann) nicht unbedingt überzeugte Nazis gewesen sein müssen. Da es während des Prozesses zur Blockade Berlins kommt, versuchen verschiedene Stellen politischen EInfluß auf Haywood und den Chefankläger Colonel Tad Lawson (Richard Widmark) zu nehmen. Beide wiederstehen und schließlich verurteilt Haywood die Angeklagten zu langen Haftstrafen. Rolfe sucht ihn auf und wettet mit Haywood, daß alle Verurteilten in spätestens 5 Jahren wieder rei seien. Haywood trifft im Gefängnis auf Janning, den er wohl respektiert für dessen Einsicht und auch dafür, daß er nun sagt, Haywood habe gerechte Urteile gefällt. Doch als Janning darum bittet, ihm zu glauben, daß er die Massenmorde nicht gewollt habe, distanziert sich Haywood eindeutig: Schon das erste bewußte Fehlurteil, daß die Diktatur unterstützte, habe ihn, Janning, zum Mittäter gemacht.

Ein gewaltiger Stoff. Und man schreckt zunächst zurück, denkt man doch: Jetzt kommen Amerikaner und erklären uns was über Schuld. Und genau diese Haltung spiegelt der Film auch. Doch interessanterweise versteht Kramer es, aus der Spezifik der Situation in Deutschland trotz allem eine universale Aussage zu machen darüber, was wir sind (als Menschen) und was wir uns selbst antun, wenn wir uns in den Dienst des "Bösen" stellen. Daß das alles 1961, also gerade mal 16 Jahre nach Kriegsende, nicht eines gewissen Pathos entbehrt und daß die Erkenntnis- und Forschungslage heute natürlich sehr viel weiter vorangeschritten sind, liegt auf der Hand. Umso bemerkenswerter, daß der Film auch heute noch so gut funktioniert.

Das hat natürlich einmal mit Kramers Regie zu tun, die behutsam ist und die Konflikte und einzelne Situationen sich entfalten läßt. Daß Kramer es aber vor allem mit einer Garde an Schauspielern zu tun hat, die hier ausnahmslos alle die Perfomance ihres Lebens hinzulegen scheinen (abgesehen von der Dietrich, dazu später mehr), macht die Sache natürlich um so wertvoller. Man muß die Darstellung Montgomery Clifts und die von Maximilian Schell allerdings nocheinmal extra herausheben.

Ersterer gibt dem einer kommunistischen Familie entstammenden, geistig leicht beschränkten Rudolph Petersen eine Würde, die stellvertretend vielen Opfern ihre Würde zurück zu geben scheint (soweit dies in einem Hollywoodfilm überhaupt möglich ist). Der zwangssterilisierte Mann, der hier im Zeugenstand sich windet und unter den fast brutal herausgeschrieenen Anwürfen des Verteidigers Rolfe schier zu verzweifeln droht, verdeutlicht derart treffend jene Verzweiflung vieler Opfer, die nach dem Krieg praktisch ein zweites Mal geopfert/beschuldigt wurden (denn man weiß ja nie, wer mit dem Gesetz in Konflikt kommt...na, irgendwas ist doch immer dran...usw.) und die schreckliche Gleichgültigkeit ertragen mussten, die die deutsche Gesellschaft ihnen entgegen brachte, daß man denkt, Clift hätte sich ewig in die Traumaverarbeitung eingearbeitet. Jean Amérys Essays darüber, was z.B. die Folter in einem Opfer auslöst, kommen dem Betrachter in den Sinn in diesen Szenen.

Maximilian Schell, man mag von ihm halten was man will, oft wirkt seine Schauspielkunst übertrieben und zu aufgesetzt, hat für diese Rolle zurecht den Oscar bekommen. Seine Darstellung dieses geifernden, schreienden, sich an seine formaljuristisch richtigen Paragraphen festklammernden Mannes, der zugleich jedoch von einer tiefen Verzweiflung ergriffen ist, ist ein Parforceritt sondergleichen. Dieser Mann versucht, ein anderes, ein besseres Deutschland darzustellen und zugleich dem Volk der Kriegstäter und der Verbrecher ein menschliches Antlitz, ein "es gibt auch andere" zurückzugewinnen. Dieser Mann, der versucht, so etwas wie Rechtsstaatlichkeit her- und damit seine demokratische Eignung unter Beweis zu stellen, ist für eine Deutschen 1961 als Rolle eine enorme Herausforderung gewesen. Und Schell meistert sie.

Gegen diese beiden Meisterleistungen wirken dann die von Tracy, Widmark und Lancaster durchschnittlich, sind aber dennoch mehr als das. Auch sie werden ihren Rollen gerecht (wobei Lancsater noch am wenigsten zu tun hat, sein Janning scheint vor Schrecken, oder, besser: in der Erkenntnis des Schreckens, innerlich wie versteinert)

Und die Dietrich? Es war einer ihrer letzten Filme und sie wollte diese Rolle nicht wirklich. Es hat ja auch etwas verstörend Widersprüchliches: Die Schauspielerin, die sich vollkommen in den Dienst der Alliierten gestellt hatte, die drei Jahre ihres Lebens geopfert hatte, indem sie mit den alliierten Truppen mitzog, auf deren Rückeroberungsfeldzug quer durch Europa, der der Sieg gegen die Nazis mehr als ein Anliegen war, sie also übernahm diese Rolle der Adligen, die dem Amerikaner Haywood versichert, daß nicht alle so waren. Dietrich selbst war durch die Heirat ihrer Mutter mit einem von Losch dem preußischen Adelsstand zumindest nahe gekommen, sie kannte also diese wilhelminischen Figuren, die - bestimmt keine Demokraten - viel zu spät entdeckten, daß sie ja eigentlich mit dem Nazipöbel nichts zu tun hätten. Und die dennoch dessen Kriege fochten. Und - zum Glück - verloren. Die Dietrich spielte die Rolle nicht gern und man sieht ihr das an. Zu distanziert, zu kühl bleibt sie und so bleiben ihre Auftritte auch seltsam blutarm und wirken wie Seminarstunden, in denen Tracy/Haywood seine Lektion in "Wie sind die Deutschen wirklich?" bekommt. Vielleicht die einzige Schwachstelle des Films. Doch eine durchaus verständliche, denn man merkt, daß Marlene Dietrich sich mit der Rolle beschäftigt hatte, das schon. Vielleicht blieb ihr diese Dame zu sperrig, zu fremd, zu...deutsch? Vielleicht tut es dem Film gerade gut, daß eine Deutsche so distanziert mit dem Rollenmaterial umgeht, das ihr geboten wurde.

Was man Kramer - und dies macht "Das Urteil von Nürnberg" dann eben wirklich zu einem großen Film und erhebt ihn über die Ebene des herkömmlichen Unterhaltungskinos "mit Anspruch", das Hollywood gern produzierte - allerdings zu Gute halten, nein, hoch anrechnen muß, ist die Tatsache, daß er den Ankläger Lawson (man beachte: ein "telling name" sondergleichen: Law = Gesetz, Son = Sohn) in einer scheinbar endlos langen Sequenz Originalmaterial aus den KZ zeigen läßt. So wird durch einen scheinbar populären Film doch noch einmal unmißverständlich klar, mit welcher Art von Verbrechen man es hier eigentlich zu tun hatte. Sich das zu trauen anfangs der 60er Jahre, als die Deutschen ja immerhin schon Freunde und Bündnispartner waren und sowohl in Deutschland als auch im Rest der Welt keiner mehr so ganz genau wissen wollte, was da geschehen war, zeugt von moralischer Größe. Und es dauerte hier, in Deutschland, dann ja immerhin noch einmal drei Jahre, bis sich das Land (West) mit den Auschwitzprozessen zumindest etwas bereitwilliger mit der eigenen jüngsten Vergangenheit zu beschäftigen bereit war.

"Das Urteil von Nürnberg" ist ein großer Film eines großen Regisseurs mit einer großen Besetzung. Es lohnt sich immer wieder, ihn zu sehen, er weiß auch heute noch zu überzeugen und er versteht es auch heute noch, uns etwas mitzuteilen.

Großes und wichtiges Kino
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnlicher Film, 15. April 2009
Von 
Ulrich Hartmann (Mulfingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Urteil von Nürnberg (DVD)
Anfang und Ende des Films sind ungewöhnlich: Kein Bild wird gezeigt, nur deutsche Soldatenlieder sind zu hören. Man merkt: dies will kein gewöhnlicher Film sein; er will zum Nachdenken anregen. Nun sind "Schwarzbraun ist die Haselnuß" und "O du schöner Westerwald" allerdings harmlose Volkslieder, keine NS-Gesänge. Auch das ist typisch für den Film: Er ist in seiner Darstellung der historischen und juristischen Tatsachen nicht immer sattelfest. Weswegen die Angeklagten nun konkret verurteilt werden, erfährt man nie so richtig. Aber das spricht nicht grundsätzlich gegen ihn, denn es handelt sich ja um einen Spielfilm. Und viele Argumente im Zusammenhang des Umgangs mit der NS-Zeit, die damals - und bis heute - vorgebracht wurden und werden, stellt er korrekt dar und bringt sie in den richtigen Zusammenhang. Dabei gelingt es ihm - und das ist seine große Stärke - sie so darzustellen, daß sie aus dem Munde der Personen, die sie vertreten, glaubwürdig und aus ihrer Perspektive nachvollziehbar erscheinen. Kaum eine der handelnden Figuren ist eindimensional; niemand wird dämonisiert. Der Zuschauer wird in der Tat zum Nachdenken aufgefordert, und es geht letztlich nicht um das Dritte Reich allein. Es geht um die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt oder ob man an bestimmten Grundsätzen festhalten muß, unabhängig von den Konsequenzen. Diese Frage verbindet im Film den Verurteilten und seinen Richter: der deutsche Jurist stand vor ihr am Anfang des Dritten Reichs: Sollte er rechtsstaatliche Grundsätze opfern, um dem neuen Anfang in Deutschland, den er für richtig hielt, zu dienen? Der amerikanische Jurist steht vor ihr, als er ein Urteil fällen soll: Ihm wird nahegelegt, ein mildes Urteil zu fällen, weil man die Deutschen im Kalten Krieg noch braucht. Diese Frage stellt sich immer wieder und macht den Film, über die historische Thematik hinaus, aktuell.
Nicht zuletzt lebt der Film von einer Riege herausragender Schauspieler, darunter Marlene Dietrich, Burt Lancaster, Maximilian Schell (der allerdings zu viel brüllt) und in einer Nebenrolle der spätere "Captain Kirk" William Shatner.
Die Anschaffung lohnt sich, denn diesen Film wird man - trotz mancher Schwächen - nicht nur einmal anschauen. Die deutsche Synchronisation ist alt und deshalb gut; noch besser ist natürlich die Originalfassung, zumal in ihr auch Deutsch gesprochen wird.
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Das Urteil von Nürnberg
Das Urteil von Nürnberg von Spencer Tracy (DVD - 2008)
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