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am 29. April 2008
Ihren Ursprung hat die Geschichte von "Tristan und Isolde" in der "matiere de Bretagne", d. h. in alten keltischen Sagen- und Märchenstoffen. Märchenhafte Elemente enthalten auch die beiden literarischen Fassungen von Thomas d'Angleterre (de Bretagne) und Gottfried von Straßburg. Auf dieses Märchenhafte bezieht sich der französische Regisseur Jean-Pierre Ponnelle in seiner Bayreuther Inszenierung aus dem Jahr 1982, insbesondere was die Gestaltung des riesigen, üppig blühenden Baums im zweiten Akt anbetrifft. Vielleicht auch in Anlehnung an die symbolisch aufzufassende Weltesche im "Ring des Nibelungen" hat Ponnelle den Baum hier als eine Art Liebesbaum, der quasi als "pars pro toto" für den Burggarten steht, konzipiert (man denke auch an den Stamm im ersten Akt der "Walküre", aus dem Siegmund kurz vor dem inzestuösen Liebesakt zum Entzücken Sieglindes das Schwert zieht). Ebenfalls märchenhaft muten die Szenen des zweiten Aktes an, in denen sich Tristan und Isolde gemeinsam in der von Mondlicht beschienenen Quelle betrachten.
Durchbrochen wird die Konzeption des Romantisch-Märchenhaften dann allerdings im Finale des dritten Aktes, wenn Isoldes Erscheinung und der gemeinsame Liebestod als Wahnvorstellung Tristans dargestellt werden. Ponnelle verlängert hier die fiebrigen Visionen Tristans, die diesen auf dem Höhepunkt seines Siechtums Isolde als eine Art weiblichen Messias auf einem Meer von Blüten wandeln sehen lassen. Das Utopische der Erlösung, welches sich auch in der Musik durch ein letztmaliges Erklingen des Sehnsuchtsmotivs nach Tristans und Isoldes Tod erahnen lässt, wird hier im Finale der Oper von Ponnelle eindrücklich visualisiert.
Mit seinen Bühnenbildern sowie durch eine dramaturgisch motivierte Licht- und Farbgebung schafft Ponnelle vom ersten bis zum letzten Augenblick eine eindringliche Atmosphäre.
Die stimmlich großartig disponierte Johanna Meier verkörpert mit ihren langen rotblonden Haaren auch optisch eine glaubhafte Isolde. René Kollo, der hier einen überragenden Tristan singt, ist in seinem gänzlich in Schwarz gehaltenen Kostüm von Anfang an ein Nachtgeweihter. Matti Salminen ist mit seinem dunklen majestätischen Bass ein würdiger König Marke und Hanna Schwarz weiß mit lyrischen wie dramatischen Qualitäten als selbstbewusste Brangäne zu überzeugen.
In jedem Fall bietet diese Aufnahme von Wagners "chef d'oevre" einen bleibenden Genuss.
11 Kommentar20 von 21 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Juni 2007
Endlich! Nachdem ja bereits einige Aufnahmen von "Tristan und Isolde" auf DVD erschienen sind, liegt das Werk nun in der grandiosen Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle vor, die dieser 1981 für die Bayreuther Festspiele erarbeitet hatte. Nach einem Diktum von Wolfgang Wagner verbietet es sich ja beinahe, überhaupt über diese Produktion zu sprechen: "Die Aufführung fand beim Publikum so einhellig zustimmende Resonanz und anschwärmende Verehrung, dass es gerade frevelhaft dünken müsste, auch nur ein weiteres Wort darüber zu sagen." Dennoch sei festgehalten, dass die von Ponnelle geschaffenen Bühnenbilder einfach überwältigend sind.

Im ersten Akt auf dem Schiff wird Isolde wie eine Gefangene in einem überdimensionalen Brautkleid mit einer ebenso überdimensionalen Brautkrone auf dem Kopf ihrem künftigen Gatten König Marke zugeführt. Im Zentrum des zweiten Aktes steht ein riesiger Baum mit üppiger Blütentracht, dessen Äste und Zweige Tristan und Isolde während ihrer großen Liebesszene geradezu beschützend und von der Außenwelt abschirmend zu umfassen scheinen. Im dritten Akt ist es ein vollkommen kahler Baum ohne jegliches Laubwerk, fast nur noch ein Stamm, der, wie von einem Blitz getroffen, in zwei auseinanderklaffende Hälften gespalten ist und auf diese Weise sinnfällig die Trennung der beiden Liebenden symbolisiert. Ästhetisch erinnert dieser dritte Akt mit seinem knorrigen Baum und dem aufs weite Meer hinaus schweifenden Blick durchaus an einige Gemälde des großen Malers der deutschen Romantik Caspar David Friedrich. Die hervorragende Lichtregie in allen drei Akten tut ihr Übriges, um die beeindruckende Wirkung der Bilder noch zu verstärken.

Wie für J.-P. Ponnelle war es auch für Daniel Barenboim sein Debüt auf dem Bayreuther Hügel. Seine Bedeutung als einer der besten Wagnerdirigenten der letzten 20-30 Jahre stellt Barenboim bereits hier unter Beweis. Sein Dirigat ist zupackend, nie wirkt die Musik schleppend; der Orchesterklang ist transparent und vielschichtig. Der noch relativ junge René Kollo als Tristan hat hier wahrscheinlich einen der besten Auftritte seines Lebens. Johanna Meier als Isolde darf man getrost den großen Interpretinnen dieser Rolle in den letzten Jahrzehnten zur Seite stellen. Matti Salminen ist ein ebenso beeindruckender Marke wie Hanna Schwarz eine tadellose Brangäne gibt. Einzig die Stimme von Hermann Becht als Kurwenal ist etwas gewöhnungsbedürftig; dafür überzeugt er mit seiner starken körperlichen Präsenz. Die Rollentexte werden überwiegend verständlich artikuliert, so dass man weitgehend auf die Untertitelung verzichten kann.

Fazit: Sofort zugreifen! Besseres oder auch nur gleichwertiges wird es von diesem Werk auf DVD wohl länger nicht geben.
55 Kommentare60 von 65 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Die legendäre Ponelle Inszenierung hat auch nach drei Jahrzehnten nichts von ihrer bildpoetischen Univeralpräsenz verloren. Insofern ist sie die bildmythische Manifestation des wagnerianischen Gedankens, vom schönsten aller Träume, der Utopie der Liebe, diese allerdings im eher besitzergreifenden, egoistischen Sinne, nicht im Sinne von Agape.
Wagner, der ja zeitlebens unter der Begrenztheit damaliger Bühnenmöglichkeiten litt, seine Vorstellung von der dramatisch, die Szene stützendenden Optik, nicht der illustrativen, die sich später unter Wagnerianern als das Optimum fixiert hat, nie realisieren konnte. Bühnenbildnerei war zu Wagners Zeiten ein "Entwicklungsgebiet."

So ist diese Inszenierung ein kongruenter Bildausfluss des wagnerianischen Gedankens in seiner mythischen Grundzentrierung. Nicht der einzig mögliche, aber eben schon ein großartiges Zeichen von zeitenübergreifender Bedeutung.

Ponelle läßt hier Isoldes "Ende" in einer Traumvision Tristans erscheinen. Ein schlüssiger, möglicher Ansatz. Tristan ist generell eher als Utopie der totalen Liebe zu sehen und insofern auch wieder ambivalent, weil die bedingungslose Liebesgefolgschaft sowohl dem Verbrecher als dem Schöngeist gelten kann, um mal zwei Polaritäten gegeneinander zu stellen.
Die Liebe im besitzergreifenden Sinne, wie Wagner sie hier konzipierte, ist keine allgemein segenspendende Größe, weil sie nicht bewertet sondern bedingungslos ist. Sie hat etwas von narzisstischer Geneigtheit, die eigenen Bedürfnisse im anderen zu fixieren und diesen zu vereinnahmen.
Die romantische Glorifizierung dieser Oper hat dann auch mehr mit der Kompensation eigener Bedürfnisse zu tun, dient als Projektionsfläche. Wie alles bei Wagner, ist auch hier die Ambivalenz durch und durch gegeben, was aber auch die Stärke der Libretti ausmacht, bieten sie doch den Ansatz immer neu erfahren und umgesetzt zu werden.

Die DVD ist bild-und tonrestauriert. Im Ergebnis absolut zufriedenstellend. Allerdings gibt es auch frühere Exemplare, die offenbar nicht so gut gemastert wurden. Zudem muß festgestellt werden, daß ein Abhören nur über Fernsehlautsprecher zu einem doch eher unbefriedigenden Klangbild führt, das oft als versumpft beschrieben wird.

Rein sängerisch und schauspielerisch eine exzellente Besetzung, wobei Hermann Becht als Kurwenal nicht seinen besten Tag hatte. Seine Intonation lässt zu wünschen übrig. Ich habe ihn mehrfach live gesehen, ein durchaus überzeugender Sängerdarsteller. Jeder Tag ist eben nicht gut, so ist das normale Sängerleben.

Ganz vorzüglich Rene Kollo als Tristan mit einer beeindruckenden Leistung. Seinerzeit wurde er auch von der Presse heftig attackiert, er sei nicht heldisch genug von der stimmlichen Substanz. Diese Aufnahme beweist das Gegenteil. Kollo habe ich live mit einer überzeugenden Leistung als Stolzing in den Meisteringern gesehen.
Ebenso erstklassig Johanna Meier als Isolde. Schon eine Interpretation mit Bestandskraft.

Matti Salminen hervorragend als Marke. Hanna Schwarz gestaltet die Brangäne sehr gut.

Daniel Barenboim liefert ein klangfarblich "sehrendes" Dirigat.

Insgesamt eine Aufführung der Extraklasse mit zeitenübergreifender Bestandskraft.

Das Libretto wird je nach Denkansatz, stets die individuelle, inszenatorische Positionierung möglich machen.
Zudem steht hier Liebe auch für das buddhistisch entindividulisierte Aufgehen im Einen. Hat hier eine Art Metapher Charakter oder auch Funktion.
Alle Einlassungen meinerseits verstehen sich immer als Möglichkeit des Verstehens, nie als Doktrin. Ich habe keinen Anspruch auf alleinige Deutungshoheit. Erst verschiedene Blickwinkel bieten die Möglichkeit sich selbst zu verorten. Verorten aber nie als starre Position sondern flexibel und offen, für neue Einblicke und Ansätze.

Insofern kann Wagner verheerend sein, wenn man ihn zum religiösen Übervater stilisiert. Die kritische Hinterfragung hat Thomas Mann mit "enthusiastische Ambivalenz" charakterisiert und so sollte es sein, wenn man den Komponisten und Dichter an Fakten orientiert für sich entdeckt.
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am 25. Dezember 2010
Fuer alle, die sich immer ueber Tristan Inszenierungen aergern, und denen eigentlich gar keine gefaellt weil Tristan ja sowieso eher ein "Hoerspiel" ist, ist diese Aufnahme die perfekte Loesung. Minimalistisches Buehnenbild, Kostueme und Regie lenken nicht von der musikalischen Interpretation ab. Und die ist gekennzeichnet von einem stimmgewaltigen Liebespaar, mit kleinen Schwaechen, aber ausgesprochen ueberzeugend. Nichts um sie herum lenkt von dieser Beziehung ab und stellt sie damit so sehr in den Vordergrund, dass man kaum noch Luft holen kann. Diesen Tristan muss man fuer sich selbst zulassen und er bindet einen nur noch staerker an die gesanglichen und schauspielerischen Leistungen von Meier und Jerusalem. Ich habe keine bessere Waltraud Meier auf einer Konserve gesehen und ihre Chemie mit Siegfried Jerusalem macht fuer mich die Auffuehrung nur noch eindringlicher und damit glaubhafter.
Die Muenchener Inszenierung von 1998 ist auch nix fuer meinen Geschmack. Abgesehen davon, dass West als Tristan wohl ueberfordert war, killt das Ikea-Buehnenbild meine Illusion von einer grossen Liebesgeschichte. Und um Illusion geht es doch!
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am 25. November 2010
Ich kann den Rezensenten in fast allen Belangen zustimmen, war ich seinerzeit auch vor Ort fasziniert von der Inszenierung des Heiner Müller. Aber, warum quält uns die Musikindustrie mit Opernaufnahmen, die vorspiegeln "live" von der Bühne aufgenommen zu sein. Hier haben wir wieder einmal ein schönes Beispiel von Playback. Die Intensität der Sänger ist zwar sichtbar, es wird sicherlich auch gesungen (man beachte die feuchte Aussprache), aber das, was wir zu hören bekommen ist sicherlich eine andere Tonaufnahme und kann teilweise mit dem Bild nicht in Einklang gebracht werden (und ich rede hier nicht von Ton/Bild-Delays oder Synchonisierungsproblemen meines Players). Zudem handelt es sich hier um eine "Studio"-Aufnahme ohne Publikum, in der eifrigst geschnipselt werden konnte. Ein schönes Beispiel auf DVD 2, 3. Akt, so ca. bei 1:39:40, mit dem Text "... weckt zu Trug und Wahn mir das Hirn!", gesungen von Herrn Jerusalem. Da wird das "Hirn" in der Tonaufnahme ausgesungen, Herr Jerusalem hat aber zur Hälfte des Tones bereits seinen Mund geschlossen. Sicherlich, eine perfekte Tonaufnahme mit grandiosen Sängern, aber erwartet der Zuseher trotz der Sterilität des Aufnahmeraumes nicht eine "Opernaufführung aus Bayreuth". Hingewiesen sei hier z.B. auf die "Meistersinger" des Herrn Levine, die im Amazon Blog so hochgelobt wird: ein Aufnahme wo Wortbedeutungen zum Teil in ihr Gegenteil verkehrt werden, es nur so hagelt von Textschwäche, ein in der Intonation gewöhnungsbedüftiger Sachs und fragwürdiger Gestik einiger Beteiligter. Welche Qualitäten sind uns eigentlich wichtig? Darf auch ein hochgepriesener Sänger nicht seine schwächeren Momente auf eine DVD pressen dürfen, oder erwarten wir immer Perfektion? War nicht Horowitz mit seinen live eingespielten Interpretationen inkl. seiner kleinen technischen Mängel auch "perfekt"?
11 Kommentar18 von 20 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Oktober 2013
Als ich diese Aufnahme (erstklassige Bildqualität) das erste Mal sah, war ich - auch wenn ich es nur ungern zugebe - etwas enttäuscht. Die beiden Hauptprotagonisten wirkten irgendwie steril und nicht einander zugetan (ich nehme mal an, das war so gewünscht). Diese DVD ist die einzige, die mir aus Bayreuth nicht optimal gefiel. Aber das ist Geschmacksache.
Normaler Weise bin ich froh, dass ohne Zuschauer aufgezeichnet wird, denn die ewigen Huster, Schneuzer und sonstigen Geräusche können schon sehr stören. Hier aber habe ich sie mir gewünscht?! Ich hab erst nicht verstanden, warum. Nun weiß ich es, weil mir eigentlich etwas abgeht bei diesem Tristan, und zwar: Leben! Ja, ja, ich weiß, das klingt blöd, ich kanns aber nicht besser ausdrücken.
Die Sänger finde ich alle gut, auch Jerusalem. Die Musik unter Barenboim - wie immer - erstklassig.
Und trotzdem fehlt es mir hier an "Lebendigkeit".
Ich finde die Kostüme und die Bühnenbilder toll, aber KÜHL! Irgendwie kam bei mir nicht die richtige Stimmung auf und weinen musste ich zum Schluss auch nicht, was bei mir bei Tristan kein gutes Zeichen ist.
Kaufempfehlung: nur bedingt
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am 29. Juni 2008
Nach dem romantisch-märchenhaften Bayreuther "Tristan" aus dem Jahr 1982 in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle, in der die Liebe als elementares Naturereignis über die Protagonisten kommt, gegen das jeder Widerstand machtlos ist, bringt die DGG mit der vorliegenden DVD nun einen neueren Bayreuther "Tristan" auf den Markt, der das neben der Liebe zweite dominante Thema in den Mittelpunkt der Aufführung stellt: das des Todes!
Von Heiner Müller (1929-1995), dem bedeutendsten Dramatiker der DDR/Ostdeutschlands seit Brecht, stammt der Gedanke, dass die meisten Bayreuth-Besucher zu einer "Tristan-und-Isolde"-Aufführung pilgern, um in der Musik etwas zu erfahren, das eigentlich erst nach ihrem Tod gilt: das Publikum giere danach, ins Jenseits zu lauschen. Darin liege das Geheimnis der "Tristan"-Wirkung. Müller fügte trocken hinzu: Eine gelungene Aufführung wäre eine gelungene Beerdigung des Publikums.
In seiner Bayreuther Inszenierung aus dem Jahr 1993 macht Müller nun ernst mit seinem "Tristan"-Verständnis, wobei ihm die Beerdigung zur Metapher für die Entfremdung von der Realität wird, die ihre optische Entsprechung in der Konzeption der Bühnenbilder als Bunker findet: Sinnbild der Isolation, des Lebendig-Begraben-Sein, des Von-der-Außenwelt-Abgeschnitten-Sein, Bild des Ge- und Befangensein in einer Welt des Inneren, der Seele, der Gefühle, der Sehnsüchte.

Die Raumkonzeption des Bühnenbildners Erich Wonder zeichnet sich in erster Linie durch den Einsatz streng geometrischer Formen in Verbindung mit für jeden Akt charakteristischen, symbolischen und ausdrucksstarken Farben aus.
Im ersten Akt sind Quadrate und Würfel, sowohl konkret-materiell wie auch immateriell als Lichtkuben, in Verbindung mit kraftvollen Gelb-, Orange- und Rottönen die dominanten Mittel zur Gestaltung des Bühnenraums. Das Schiff selbst erscheint in der Form eines in dunklem (Holz-)Braun gehaltenen Würfels, in dessen Mitte ein kleines, in den Boden eingelassenes Quadrat als Gemach Isoldes fungiert, aus dem sie während des gesamten Aktes nicht heraustritt. Zwei links und rechts in den Boden eingeschnittene, schmale Rechtecke, die beständig bläulich schimmern, mag man als die See deuten. Der Anblick des Bühnenbildes zum ersten Akt erinnert fortwährend an moderne, abstrakte, gleichwohl expressive Malerei, namentlich den Kubismus, worauf der Zuschauer/-hörer bereits während des Vorspiels mittels vorüberziehender Quadrate und Würfel in kräftigem Gelb und Rot eingestimmt wird - ein Nebenprodukt der filmischen Vorführungen dieser Inszenierung in vielen deutschen Kinos im Jahr 1995.
Während des zweiten Orchestervorspiels ist es ein blauer Würfel vor rötlich-grau-schwarzem Hintergrund, der uns in den folgenden Akt geleitet. Kühles Blau und Schwarz kennzeichnen fortan die Stimmung dieses Nachtstücks, auch hier bleiben Würfel und Quadrate präsent. Beinahe wie im Anklang an die Terrakotta-Armee im Mausoleum des ersten Kaisers von China ist der Bühnenboden nun von Reihen silbergrau schimmernder Brustpanzer bedeckt, zwischen denen die beiden Liebenden umher gehen, ohne sich vollkommen nahe zu kommen - Berührungen werden auf das dramaturgisch notwendige Minimum beschränkt. Der "Garten" aus Rüstungen wird zur Metapher der Unnahbarkeit, der Unmöglichkeit einer wirklichen Annäherung des Paares, zum Sinnbild der Panzerung, Abschottung des Gefühlslebens.
Der dritte Akt mit seiner in Grau- und Silbertönen gehaltenen Bühne - auch hier wird das kubistische Raumkonzept aufrecht erhalten - wirkt wie das Schlussbild eines Endzeitdramas. Asche und Staub bedecken den Boden wie auch die Darsteller, die wie die letzten Überlebenden nach einer Katastrophe erscheinen. Die Szenen mit dem sterbenden Tristan, der während des Finalaktes in einem breiten Sessel dahinsiecht, und dem Hirten, der als blinder Seher reglos auf der Bühne sitzt, ohne noch sein Instrument zu spielen, erscheinen wie ein Widerhall auf Samuel Becketts "Fin de partie" ("Endspiel"). Durchbrochen wird diese gespenstische Szenerie lediglich im Schlussbild, wenn durch ein im Bühnenhintergrund sich öffnendes Quadrat gelb-goldenes Licht den Raum durchflutet und Isoldes "Liebestod" erstrahlen lässt.

Die Kostüme des japanischen Modedesigners Yohji Yamamoto lehnen sich in ihrem strengen Schnitt an das No-Theater an und gestatten den Darstellern einerseits nur wenig (Bewegungs-)Freiheit, legen andererseits aber einen größeren Fokus auf Mimik und Gestik. Im ersten Akt tragen die Figuren lange schwarze Gewänder, ihre Gesichter sind auf blass geschminkt und ihre Haare in Anlehnung an das Bühnenbild rot-braun gefärbt. Im zweiten Akt sind die Gewänder dann entsprechend außen schwarz und innen blau und die Haare in eben diesen Tönen eingefärbt. Im dritten Akt schließlich haben die Figuren graue Mäntel an und weiß-grauer Staub bedeckt ihr Haar.

Die Konzentration auf die inneren, seelischen Vorgänge der Handlung, wie Wagner sie konzipierte, erfordert und ermöglicht zugleich eine außerordentliche musikalische Darbietung. Diesem Anspruch wird die vorliegende Aufführung mit ihrer künstlerischen Besetzung vollends gerecht. Wie schon auf der vorigen Bayreuther "Tristan"-Einspielung der DGG leitet auch hier der renommierte Wagner-Dirigent Daniel Barenboim das Orchester. Im Vergleich zur ein gutes Jahrzehnt früher erschienenen Aufnahme wirkt seine Interpretation nun reifer, der Klang noch luzider; die Tempi wurden an manchen Stellen (z. B. im Vorspiel zum ersten Akt) etwas verlangsamt, zugleich wurde eine noch höhere Intensität erreicht.
Das Ensemble umfasst mit das Beste, was das Wagnerfach in den Neunzigern aufzuweisen hatte: Allen voran die großartige Waltraud Meier, die die Isolde in Heiner Müllers Inszenierung zum ersten Mal auf dem Grünen Hügel sang und überhaupt ihr Debüt in dieser Rolle gab, die sie fortan wie keine andere verkörperte und in der nach ihr bislang keine mehr an sie heranreichte. Ihr zur Seite steht Siegfried Jerusalem, der den Tristan nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch immer auf höchstem Niveau interpretiert und damit Meiers idealer Partner in dieser Rolle ist.
Ebenso wissen Matthias Hölle als Marke, Falk Struckmann als Kurwenal und Uta Priew als Brangäne in ihren Rollen vollauf zu überzeugen, so dass die Aufführung in jeder Hinsicht zum herausragenden Erlebnis wird und bereits heute zu den Höhepunkten der Bayreuther Festspielgeschichte sowie der "Tristan"-Rezeption überhaupt zu zählen ist.

Fazit:
Die hier vorliegende Inszenierung von Heiner Müller ist sicherlich nichts für Romantiker im oberflächlicheren Sinne des Wortes und wird Gefallen vor allem bei all denen finden, die in "Tristan und Isolde" ein Kunstwerk höchsten Ranges sowie in der Oper allgemein eine Kunstform sehen, die eben auch höchsten ästhetischen wie intellektuellen Ansprüchen zu folgen hat.
99 Kommentare50 von 60 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Dezember 2008
Ja, sicherlich eine schöne Vorstellung. Leider glaubt der Regisseur nicht in die Geschichte. Am Ende des dritten Aktes war die Fahrt der Isolde nur ein Traum des Tristans. Er stirbt in die Hände Kurwenals. Warum müssen "moderne" Regisseure so oft die Geschichte der Handlung ändern? Hat Richard Wagner es nicht gut gemacht, oder ist er nun altmodisch geworden und nicht mehr von diesen Zeiten?
Glücklicherweise lässt Patrice Chereau nun mit seinem "Tristan" (2007)sehen, dass man auch viel Neues bringen kann und dennoch Wagner treu bleibt!
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am 9. Dezember 2008
Richard Wagners "Tristan" ist für mich das bedeutendste Werk der gesamten Opernliteratur. Imgrunde ist es keine Oper, Wagner selbst nennt sein Werk schlicht "Handlung in drei Aufzügen". Patrice Chereau wollte es in Bayreuth nicht inszenieren, weil es sich seiner Meinung nach um ein "Hörspiel" handle. In der Zwischenzeit hat er doch (vor einem Jahr) an der Mailänder Scala eine sehr beachtete Deutung vorgenommen.
Die Bayreuther Inszenierung von Heiner Müller und Erich Wonder ist es wahrlich wert gesehen zu werden - und gehört! Denn was Daniel Barenboim und das Festspielorchester machen, ist sensationell. Die Partitur wird ausgeleuchtet bis in die feinsten Details; gleichzeitig werden wir vom Orchester in ein Meer von Musik eingetaucht, dass einem schier das Atmen vergeht. Hier wird hörbar, wie unerhört neu diese Musik war als sie komponiert wurde und wie sehr sie alle Komponisten seither beeinflusst hat.
Die Darsteller sind grandios und passen sich perfekt in die Deutung Müllers/Wonders ein, die schon hier hervorragend beschrieben wurde.
Waltraud Meier ist mit Sicherheit die vollkommenste Verkörperung der Isolde, auch wenn sie in den höchsten Höhen (als Mezzosopran) kleine Schwierigkeiten hat, die sie aber sehr gut meistert.
Siegfried Jerusalem spielt Tristan als vom Eisblock zum Glutofen gewandelter Mensch. Sicher - er ist mit dieser Partie im sängerischen Grenzland unterwegs und kommt manchmal nahe an die Grenze heran. Aber seine Stimme ist nicht kleinzukriegen, so dass er immer wieder mit neuer Kraft weitersingt.
Alle anderen (Uta Priew, Falk Struckmann, Matthias Hölle, Poul Elming, Sandor Solyom-Nagy und Peter Maus) sowie der Chor bieten erstklassiges Festspielniveau.
Meiner Meinung nach - vom Gesamteindruck her gesehen - eine der besten "Tristan" - Aufnahmen auf DVD und unbedingt zu empfehlen!
0Kommentar13 von 16 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Freilich muss Richard Wagner als einer der größten deutschen Opernkomponisten überhaupt gelten. Nahezu alle seiner Opern zählen noch heute zum festen Repertoire jedweden Opernhauses. Sein Spätwerk "Tristan und Isolde" nach Wagners eigenem Libretto ist zudem eines seiner progressivsten Werke, das seine Epigonen nachhaltig beeinflussen sollte.
Der überwältigende Orchesterschwall, dessen Gros es dennoch nicht an filigranen Momenten gebricht, nimmt sogleich ein und lässt das vierstündige Stück nirgends langatmig erscheinen, auch wenn die Handlung sicherlich nicht gerade geistreich, pointiert oder umfangreich ist...

Die vorliegende Inszenierung durch Heiner Müller ist äußerst schlicht gehalten. Es wird bewusst auf allzu große körperliche Nähe zwischen den beiden Hauptfiguren verzichtet; auch das Bühnenbild sowie die Beleuchtung sind eher kühl ausgefallen. Allenfalls die Kostüme könnte man als "klassisch" beziehungsweise archaisch bezeichnen, die sich aber bestens ins Gesamtkonzept einfügen. Entstanden ist die Aufnahme, die sich sehr guter Bild- und Tonqualität erfreut, im Rahmen der Bayreuther Wagner-Festspiele 1995. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich leider um keine Live-Inszenierung handelt.
Das Orchester der Bayreuther Festspiele unter Daniel Barenboim leistet Famoses: Glasklare Akzente reihen sich an schattige Nuancen, niemals fehlt es an Liebe zum Detail, Farbe und Kraft. Das perlende Moment bleibt auch nicht aus. Transparenz und Spielfreude sind weitere Markenzeichen des Orchestervortrags. Dennoch übertönen die Akteure niemals die Gesangssolisten.
Der Bayreuther Festspielchor singt tadellos, hell und klar. Ihm gleich tun es nahezu alle Solisten, wobei Waltraud Meier als Isolde besonderes Lob gebührt. Sie spielt ihre Rolle authentisch und liebevoll, während ihr Siegfried Jerusalem als Tristan nicht wirklich gewachsen ist - genauso wie seinem Part. Freilich handelt es sich hierbei um Tadel auf allerhöchstem Niveau, doch eben dieses erfordert eine jede Wagner-Oper. Falk Struckmann als Kurwenal und Uta Priew als Brangäne runden das Gesamtbild stimmig ab. Produziert wird eine Einspielung, die grundsolide ist, aber trotzdem nicht unüberbietbar...
66 Kommentare4 von 5 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden