Amazon.de: Kundenrezensionen: Kapitulation: Live

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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen "Alle die, die Liebe finden, sie müssen kapitulieren", 25. August 2007
Diese Rezension stammt von: Kapitulation (Audio CD)
Nachdem ich das letzte Tocotronic-Album als eher angestrengt denn innovativ empfand, und eine mir in frühen Jahren ans Herz gewachsene Band schon fast in neoromantisch, gar esoterische Gefilde abdriften sah, las ich gespannt all die euphorischen Artikel über die "Kapitulation". Da wurde nicht weniger als die Rettung der deutschen Musik und Tocotronic (da Distelmeyer & Co als Feuilletonlieblinge wegfielen) als die neuen Heilsbringer zwischen all dem Tand, der die sprunghaft angewachsene - und nicht zuletzt durch eine gewisse, zu Unrecht als solche betitelte Hamburger Schule in neue Sphären kapitulierte - deutsche Musikszene seit jeher dominierte, ausgerufen. Als ob das nicht genügte, offenbarte sich ein gewisser Herr von Beust als Fan besagter Gruppe, was von den grandiosen Goldenen Zitronen unlängst in "Der Bürgermeister" verarbeitet wurde. Angesichts all der blinden Euphorie waren Bedenken also mehr als angebracht.

Eine einstmals subversive Band als Soundtrack zur bräsigen deutschen Befindlichkeit? Oder steckt letztlich doch mehr hinter dem Konzept der Kapitulation, dem komplett antirockistischen und antimännlichkeitsfixierten Ansatz gereifter Antideutscher. Ein (sicher nicht ganz ernst gemeintes) Manifest zum Album und diverse Interviews ließen mehr vermuten. Und: ich wurde positiv überrachscht. Auch wenn nicht alles an "Kapitulation" gefällt, so haben sich doch einige der (für Tocotronic üblichen, und wie immer unangenehmen, weil unangepassten und leicht paradoxen) Parolen festgesetzt.

Kapitulation als antikapitalistische Strategie - wirklich überraschen konnte das einen alten Tocotronic-Hörer nicht wirklich, ebensowenig die kryptischen, aber inzwischen wieder (glücklicherweise) weniger neoromantischen Texte. Was mit "Digital ist besser" und plakativ, aber ironisch gebrochenen, direkten Texten wie "Gitarrenhändler, ich verachte euch zutiefst" begann, hatte spätestens seit KOOK neue lyrische Dimensionen betreten. Ein gemeinsamer Nenner jedoch blieb: die Hamburger wollen nicht gefallen, bleiben anstrengend, fordern auf zur Auseinandersetzung und vermeiden die Anbiederung an ein wie immer geartetes Publikum.

"Kapitulation" ist jedoch nicht das, was die viel zu euphorischen deutschen Feuilletons herbei geschrieben haben. Spannend ist es gleichwohl, denn Tocotronic haben sich nicht nur textlich, sondern auch musikalisch weiterentwickelt. Was auf "Pure Vernunft darf niemals siegen" noch statisch und gewollt daherkam, wirkt hier organisch und natürlich, so wird das Album (trotz aller immer noch vorhandenen Drei-Akkord-Banalitäten) zum musikalisch vielfältigsten Werk. Zwischen "Kapitulation", dem (wenn auch nur vordergründig) vielleicht fröhlichsten Lied der Bandgeschichte, "Sag alles ab", dem noisig-punkigen, beinahe an alte, dilletantische Zeiten erinnernden Verweigerungsstatement und Midtempo-Indierockstücken wie "Verschwör dich gegen dich" bewegt sich der Kosmos einer Band, die eine durchaus beachtenswerte Entwicklung von einer trashig-dilletantischen Antiband hin zu ernstgenommenen (auch in der Musik politischen) Musikern gemacht haben.

Wer Indieschrammelrock, leicht schräge, antimännliche Gesänge und auf den ersten Blick etwas angestrengt wirkende Lyrik schon immer ablehnte, wird auch mit diesem Album kein Freund der Hamburger. Wer allerdings schon immer ein offenes Ohr hatte für unangenehme Musik, die nicht nur als Hintergrundrauschen dienen soll, der wird vielleicht mit den endgültig in den (Un-)Tiefen des Rock angekommenen Tocotronic seine Freude haben...
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Positiv überrascht, 1. August 2007
Diese Rezension stammt von: Kapitulation (Audio CD)
Also ich habe von der Platte kaum etwas erwartet und hatte auch eigentlich gar keine Lust mehr auf Tocotronic. Ich fand zwar die letzten Alben schon ganz OK, aber richtig hängengeblieben ist kaum was.
Irgendwie hab ichs mir dann trotzdem mal angehört und war mehr und mehr begeistert.
Ich finds gut das der Sound wieder natürlicher bzw. roher klingt und die Texte eingängiger sind. Mit dem Großteil der Songs kann ich sehr viel anfangen. Besonders herausragend sind "Mein Ruin" (hätte auch locker auf "Digital ist besser" gepasst), "Harmonie ist eine Strategie" (wäre eine gute Singleauskopplung), "Dein geheimer Name" und "Explosion". Ein paar wenige Stücke sind allerdings komplett überflüssig. Aus der Single "Kapitulation" hätte man viel viel mehr machen können. Klingt in der Version monoton und total langweilig, aber vielleicht war das auch Absicht.
Ich bin positiv überrascht und hätte den Tocos so ein Album nicht mehr zugetraut. Trotzdem seh ichs mehr als Schritt in die richtige Richtung und noch nicht perfekt. Aber immerhin bin ich wieder Fan. Weiter so!
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8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Stück für Stück, 4. Juli 2007
Diese Rezension stammt von: Kapitulation (Audio CD)
Also zuerst muss ich sagen, dass ich ein großer Fan der alten Alben von Tocotronic bin. Demnach war ich nach dem ersten Hören von "Pure Vernunft Darf Niemals Siegen" ziemlich geschockt, was aus meiner geliebten Studentenrockband geworden ist.

Nachdem ich nun "Kapitulation" 4mal hintereinander gehört habe weiß ich die Antwort: Sie sind schlichtweg erwachsen geworden.

Taktisch wäre es für die Band besser gewesen erst "Kapitulation" und dann "Pure Vernunft Darf Niemals Siegen" zu veröffentlichen, denn "Kapitulation" klingt wie eine sanfte Mischung aus alten Tocotronic-Zeiten und der eher experimentellen Fantasymusik von "Pure Vernunft Darf Niemals Siegen".

"Mein Ruin" verkörpert für mich den perfekten Opener und macht Lust auf mehr, "Verschwör dich gegen dich" hat die Ambitionen zu einem neuen "Hi Freaks" und der Titeltrack, zugleich die zweite Singleauskopplung des Albums, ist ein Indierock-Ohrwurm mit genialer Message, ideal für Liebhaber von Songs wie "Steh auf wenn du am Boden bist" von den Toten Hosen, die ihren Horizont ein wenig erweitern wollen.

Was fehlt ist ein ähnlich genialer Schlußsong wie "17" von "K.O.O.K.". "Explosion" ist ein sehr guter Track, allerdings viel zu kurz um ein perfektes Tocotronic-Album ausklingen zu lassen.

Abschließend muss man allerdings noch zwei Dinge erwähnen: Zum Einen, dass die, teilweise wieder etwas experimentell ausgefallenen Songs wie "Dein Geheimer Name" nicht jedermanns Sache sind, zum anderen, dass sich vorallem Individuen, die Tocotronic zum ersten Mal genießen, die CD Stück für Stück erschließen sollten, denn dann entfaltet sie ihre volle Wirkung.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Gutes Songmaterial (aber mit wenig Klassikern) tadellos live umgesetzt!, 13. Januar 2008
Von Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Scheiblingkirchen, Niederösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REVIEWER)    (REAL NAME)   
ENDLICH: Eine ernstzunehmende Tocotronic-Live-Scheibe!
Wie lange haben wir nicht schon sehnsüchtig darauf gewartet? Bei der Best-of-Doppel-CD sind ja leider nur einige live-Lichtblicke drauf. Der Großteil war mehr schlecht als recht...

Nun aber zu dieser Platte:
Tocotronic (ich habe sie in Wien gesehen) waren live gut in Form, zumindest besser als bei der vorangegangenen Pure-Vernunft...-Tournee; eine wahrhaftig geniale Liveband ist Tocotronic aber leider trotzdem nicht, was hier keineswegs als Beleidigung missverstanden werden sollte (Ich mag Tocotronic wirklich!).

Was die Setlist betrifft, so kann ich mich nur der Meinung anschließen, dass zu wenige Klassiker zum Besten gegeben wurden! Freilich darf man hierbei nicht vergessen, dass es nicht allzu leicht ist, das alte Songmaterial harmonisch mit dem neuen zu verkuppeln. Das ist zweifelsohne eine waghalsige Gratwanderung, die aber absolut geglückt ist; (eben) leider zum Leidwesen der alten Stücke...

Vielleicht wäre ein Live-Doppelalbum tatsächlich die "optimale" Lösung gewesen, um mehr Raum für Klassiker zu schaffen. Andererseits darf man nicht außer Acht lassen, dass bei dieser Tour tatsächlich eben die Lieder gespielt wurden, die auf dieser Scheibe drauf sind. Nur "Sailorman" und "Hi Freaks" bzw. "Free Hospital" (das aber eher ein Schwachpunkt der Live-Performance war) sind im Grunde nicht drauf.

Fazit: Toll, dass es endlich eine hörbare, hörenswerte Live-CD von Tocotronic gibt! Songs voller Leidenschaft, leidenschaftlich wiedergegeben (vor allem "Sie wollen uns erzählen" hat's in sich) - Tocotronic pur!
Wünsche lässt (für meinen persönlichen Geschmack) lediglich die Setlist offen, aber darüber lässt sich vermutlich streiten...

Klare 4 Sterne, mit Tendenz nach oben!
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4.0 von 5 Sternen Das sind nicht mehr die Toco's aus den 90ern...zum Glück, 16. November 2009
Diese Rezension stammt von: Kapitulation [Vinyl LP] (Schallplatte)
Dieses Album ist ein Tocotronic - Maßanzug, sitzt wie angegossen. Die Texte sind weitgehend frei von simplen plakativen Slogans sondern lassen durch die Verschwurbelung viel Spielraum für Selbstinterpretationen & Fantasie, sie sind zeitlos. Die Musik, die Arrangements und die Abmischung ist ausgefuchst, dramaturgisch verdichtet und trotzdem bleibt genug Entfaltungsspielraum. Alles fliesst harmonisch, ist verwoben jedoch ohne Kitsch und ausschweifende Gefälligkeit. Selbst verzerrte Gitarren fügen sich exakt und harmonisch in die Songs ein und lassen diese trotzdem nicht zu glatt und steril wirken, denn man hat auch Wert auf Klangästhetik gelegt. Ich habe mir die Doppel LP, also Vinyl, gekauft und dabei handelt es sich um eine hervorragend klingende (DMM-) Pressung.

Abzug für die schwächeren Songs und das es zur Vinylscheibe keinen MP3 Gutschein gibt.

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Kapitulation: Live
Kapitulation: Live von Tocotronic (Audio CD - 2008)
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