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4.0 von 5 Sternen Spannende Biografie – Punkteabzug wegen Kindle-Update, 28. April 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: American Prometheus: The Triumph and Tragedy of J. Robert Oppenheimer (Kindle Edition)
ZUSAMMENFASSUNG FÜR SCHNELL-LESER:

- faktenreiche Biografie zum "Vater der Atombombe".

- spannende Darstellung der Ereignisse und des Lebens in Los Alamos.

- Porträt eines zwiegespaltenen Physik-Genies.

[VORAB,Anmerkungen zur Kindle Version: die hier besprochene Biografie war das erste längere Buch, das ich auf dem Kindle gelesen habe. Dies hat wunderbar geklappt und war niemals ermüdend.

Besonders hilfreich ist in diesem Zusammenhang das installierte Englisch-Wörterbuch, mit dem man schnell und einfach den ein oder anderen Begriff durch bewegen des Cursors auf dieses Wort nachschlagen kann.

Ein Sache hat mir allerdings überhaupt nicht gefallen, deswegen ein Stern Abzug. Während meiner Lektüre meldete amazon ein Titel-Update mit dem Hinweis, dass "unvollständige bzw. gänzlich fehlende Kapitel" ergänzt wurden. Leider gab es keine umfassenderen Informationen hierzu (wo genau?). Auch eine Nachfrage bei amazon brachte keine Details zutage. Der Verleger hat sich auf meine Anfrage überhaupt nicht gemeldet.]

Die Biografie "American Prometheus" beschäftigt sich mit der Lebensgeschichte des nach Einstein vielleicht bekanntesten Physikers des 20. Jahrhunderts, dem US-Amerikaner Julius Robert Oppenheimer.

Oppenheimer leitete während des Zweiten Weltkriegs das geheime Manhattan Projekt, dessen Ziel es war, eine neuartige Waffe zu entwickeln, welche sich die damals erst wenige Jahre vorher entdeckte Uranspaltung zunutze machte, der Atombombe.

Zu Schulzeiten hatte ich im Deutsch-Unterricht das Drama von Heinar Kippardt "In Sachen J. Robert Oppenheimer" gelesen. Zur ungefähr gleichen Zeit las ich "Heller als tausend Sonnen" von Robert Jungk. Mein Wissen über Oppenheimer vor Lektüre der hier besprochenen Biografie entsprach in etwa dem, was ich in diesen beiden Büchern gelesen hatte.

Insbesondere die Lektüre von "Heller als tausend Sonnen" bestärkte damals übrigens meinen Wunsch, Physik zu studieren.

In großer Ausführlichkeit stellen nun die beiden Autoren Bird und Sherwin als Ergebnis ihrer jahrzehntelangen Recherchen das Leben des vielleicht kontroversesten Physikers des 20. Jahrhunderts dar. Angefangen über seine Kindheits- und Jugendtage, den Studienzeiten in Göttingen bis hin zu seiner Hochschultätigkeit in Kalifornien. Diese mündet Ende der dreißiger Jahre recht zügig in das Manhattan Project, als dessen wissenschaftlicher und organisatorischer Leiter Oppenheimer avanciert. Ziel des Projekts war es, Nazi-Deutschland bei der Entwicklung einer gewaltigen Waffe zuvor zu kommen – der Atombombe.

Als der Krieg in Europa im Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endet, wird den US-Forschern schnell klar, dass auf deutscher Seite nie an einer Nuklearwaffe geforscht wurde, so zumindest die spätere Behauptung der Protagonisten auf deutscher Seite. Oder zumindest dort niemals die riesige industrielle Infrastruktur vorhanden war, eine solche Waffe zu bauen.

In diesem Moment erkennt Oppenheimer, dass seine Schöpfung nun kein wissenschaftlicher Apparat mehr ist, über das er oder seine Kollegen Kontrolle haben. Sondern eine Waffe, die kontrolliert wird von Militärs und Politikern. Am 5. August 1945 kommt die Atombombe in Hiroshima zum Einsatz, zwei Tage später in Nagasaki: "Those poor little people."

Nach dem Krieg beherrschen zwei Dinge Oppenheimers Engagement und Leben: Zum einen ist dies der Versuch, die Verantwortung für die neue, schreckliche atomare Welt auf viele Schultern und Nationen zu verteilen. Dies durch absolute Offenheit und durch Hinwegfegen des Schleiers der Geheimhaltung, den amerikanische Militärs rund um dieses Thema legen.

Oppenheimer sieht in dieser Offenheit die einzige Möglichkeit, den sich abzeichnenden kalten Krieg, den er am Horizont klarer als die meisten seiner Zeitgenossen erkennen kann, zu verhindern.

Bestimmend in dieser Zeit ist ebenfalls Oppenheimers Engagement gegen die Entwicklung einer noch viel schrecklicheren thermonuklearen Waffe, der Wasserstoffbombe. Deren einziger Zweck die Abschreckung und, so sie denn eingesetzt wird, die großräumige Auslöschung und Vernichtung des Gegner ist; fern jeder taktisch-militärischen Überlegung, denn "es gibt keine so großen militärischen Ziele".

Oppenheimer scheitert auf ganzer Linie. Keiner seiner Vorschläge oder die von ihm angeregten Initiativen finden Gehör. Schlimmer noch: er muss sich einer mehrtägigen, peinlichen Befragung stellen, derer Ausgang vorab schon feststeht: der Entzug seiner Sicherheitseinstufung, dem damit verbundenen Rauswurf in diversen politischen Gremien sowie seine Vernichtung als "öffentliche" Person.

Hiervon wird Oppenheimer sich nie wieder erholen, auch nicht in den 1960-ger-Jahren als er, wenige Jahre vor seinem Tod, rehabilitiert wird.

Was hat mir an "American Prometheus" besonders gut gefallen?

- die ausführliche Darstellung der Ereignisse rund um die Entwicklung der Atombombe. Die Autoren liefern hierzu viele Fakten, verstehen es aber immer wieder, die Atmosphäre und die Stimmung nachzuzeichnen, die in Los Alamos das Miteinander der Wissenschaftler bestimmten.

- das nuancenreiche Porträt J.R. Oppenheimers – in seiner ganzen Zwiespalt.

Tatsächlich hat Oppenheimer, dies zeigen und belegen die Autoren, am eigenen Niedergang eine erhebliche Mitschuld. In entscheidenden Treffen und Besprechungen sagt er oft das Falsche, aus Überheblichkeit, aus Unüberlegtheit oder manchmal auch aus Unbeherrschtheit. Ratschläge von Verbündeten und Freunden schlägt er aus und folgt mehr als einmal den Ratschlägen derer, die ihm nicht wohlgesonnen sind.

Oppenheimer ist nicht nur der geniale Forschungsmanager, der es mit seinem Wissen, seinem Esprit und Charisma gelingt, zunächst seine Studenten und später dann die Mitarbeiter des Manhattan Projekts zu begeistern.

Er ist auch der große Selbstzweifler, der daran hadert, dass er nicht die Genialität eines Einsteins hat. Daran, dass er niemals den Nobelpreis bekam.

Er ist auch derjenige, der großes Ungeschick im Umgang mit Geheimdiensten zeigt und während des Krieges, vollkommen unnötig, Lügengebäude errichtet, die ihm einige Jahre später zum Verhängnis werden.

FAZIT: Empfehlenswerte Biografie eines kontroversen Wissenschaftlers, lesenswerte Einführung in ein wichtiges Stück Zeitgeschichte (Bau der Atombombe, Kalter Krieg)
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen American Prometheus, 28. September 2006
Die beiden Autoren, Martin J. Sherwin und Kai Bird, haben für diese Biographie insgesamt 25 Jahre recherchiert und (soweit ich das beurteilen kann) wirklich alle Dokumente, Protokolle, Artikel, Zeitzeugen usw. herangezogen. Das Ergebnis ist etwa 600 Seiten stark und erfordert einen langen Atem.

Der Leser erhält Einblicke in die Persönlichkeit eines widersprüchlichen Mannes, der vielen als hochintelligent und naiv zugleich galt. Vor allem aber: Wie wurde Robert Oppenheimer, in seiner Jugend eher der Inbegriff des zerstreuten Professors, zum Direktor der miltärischen Forschngstäte Los Alamos mit über 5000 Mitarbeitern? Wie konnte ein Mann, der neben Quantenphysik in antiker Literatur, Sanskrit, u.a. bewandert war zum Urheber einer der fürchterlichsten Waffen werden? Oppenheimer selbst bekannte nach dem Einsatz der beiden Atombomben über Hiroshima und Nagasaki in einem Gespräch mit President Truman verzweifelt: "I feel I have blood on my hands." Berühmt ist auch sein Ausspruch, den er dem Bhagavad-Gita entnahm: "Now I have become death, the destroyer of worlds."

Von nun an mischte sich Oppenheimer in die Politik, vor allem in die atomare Politik, ein. Inspirert von Niels Bohr, plädierte er für einen offenen Dialog zwischen der USA und der Sowjetunion, um ein drohendes nukleares Wettrüten zu verhindern. Doch "Offenhet" war als Strategie nicht erwünscht, die ersten, zarten Versuche in Richtung Atomwaffentestverbot und Abrüstung scheiterten an den Engstirnigkeit auf beiden Seiten. "Sicherheit" und "Geheimhaltung" waren die Obsessionen der Administrationen Truman und Roosevelt, ein Klima der Angst vor den "Roten" breitete sich aus. Atomwaffen wurden, wenn nicht zu einem Mittel der Kriegsführung, doch immerhin zu einem Druckmittel der Diplomatie.

Parallel zu dieser großen Tragödie der Weltpolitik entfaltet sich zu Beginn der 50er Jahre die persönliche Niederlage Robert Oppenheimers. Er sah sich immer als Teil des Establishments, war bei aller harschen Kritik doch ein loyaler Regierungsberater. Aufgrund seiner atomkritischen Positionen (u.a. plädierte er gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe) wurde er vielen Militärs und Politikern suspekt. Als die Republikaner 1953 das Weiße Haus eroberten, konnten seine Gegner schließlich erwirken, dass Oppenheimer seine Sicherheitslizenz entzogen wurde. Fortan galt er als "Sicherheitsrisiko" und musste seine politische Tätigkeit aufgeben.

Das Buch bietet auch ein faszinierendes Panaroma der US-amerikanischen Geschichte, insbesondere der Zeit des Zweiten Weltkrieges, der Nachkriegszeit und der McCarthy-Ära der 50er Jahre. Die beiden Autoren durchleuchten jeden Punkt von jeder nur denkbaren Perspektive. Sie sind weit entfernt davor, Oppenheimer zu heroisieren, sondern schildern auch seine Schwächen und Fehler. Auch wenn es für den Laien manchmal gar zu detailliert ist - dieses Buch ist ein Leseerlebnis!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oppenheimer, 28. Dezember 2011
Oppenheimer war eine komplexe Persönlicheit. Nur allzuoft wurde er deswegen auch als "aufgeblasener Pfau" bezeichnet oder mit intellektuellem Hochmut in Verbindung gebracht. Das Buch offenbart in einzigartiger Weise den Aufstieg und Fall eines vielseits begabten Menschen. Dabei stören im Buch auch nicht die vereinzelt typisch amerikanischen Übertreibungen wie etwa, dass vielleicht gerade noch Wolfgang Paul, mit seiner Begabung, an das theoretische Genie Oppenheimer herangekommen sei.
Oppenheimers Stärke jedoch lag vor allem vielmehr in der technischen Organisation als in seiner mathematisch-physikalischen Begabung.
Im Gegensatz zu diesem war Oppenheimer kein Wunderkind wie Wolfgang Pauli, der mit 21 Jahren eine bis heute gültige Abhandlung über Relativitätstheorie schrieb und von dem Sommerfeld meinte er könne ihm nichts mehr beibringen, und widmete sich zuerst der Chemie.- auch ein Grund dafür, dass Oppenheimer zeitlebens das Gefühl hatte zu wenig von den physikalischen Grundlagen mitbekommen zu haben. Trotz hervorragender Arbeiten in der Quantenmechanik finden sich seine überdauernden Errungenschaften vielmehr in astro-physikalischen Problemstellungen. Tief berührend und hervorragend dargestellt ist ebenso die zu Unrecht erfolgte öffentliche Steinigung Oppenheimers in der amerikanischen Nachkriegsära wie auch sein einsames Sterben .- konnte/wollte seine alkoholkranke Frau nicht in seinem Sterbezimmer zugegen sein und wartete bis zu seinem Ende vor der Türe.
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5.0 von 5 Sternen Eine der besten Biographien, die ich je gelesen habe!, 22. Mai 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Biografie von J. Robert Oppenheimer zählt zu den besten Biografien, die ich je gelesen habe. Unheimlich spannend und fesselnd geschrieben, sehr informativ und auch für Nicht-Physiker absolut verständlich. Das Englisch ist leicht verständlich und sehr flüssig zu lesen. Man merkt, dass die Autoren sich über 25 Jahre mit Oppenheimer beschäftigt haben.

Sehr empfehlenswert!
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