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5.0 von 5 Sternen Working Klaus Hero, 15. September 2008
Von 
Toby Tambourine (Gießen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: John Lennon - Plastic Ono Band: Classic Album (DVD)
Schön, dass nun auch "John Lennon / Plastic Ono Band" in der "Classic Albums"-Reihe erscheint. Zu Wort kommen natürlich u.a. Yoko Ono, ein sehr entspannter, selbstbewusster und gesammelt wirkender Ringo, ein sympathischer Klaus Voormann, etwas schmierig und wichtigtuerisch Elliot Mintz (Anfang der Siebziger in Lennons Freundeskreis, auch schon im Film "Imagine: John Lennon" (1988) zu sehen), Jann Wenner, der Mitbegründer des Rolling Stone-Magazins, der ebendort 1970/'71 das ewig lange Interview "Lennon Remembers" herausbrachte, Arthur Janov, der Begründer der Urschrei-Therapie selbst, der fundierte Beatles-Historiker Mark Lewisohn, der neben sämtlichen Mehrspur-Aufnahmen der Beatles (dokumentiert in "The Beatles Complete Recording Sessions") auch Zugang zu den Mehrspurbändern dieses Albums hatte, sowie John Leckie und Phil McDonald, die als Toningenieure sowohl bei zahlreichen Beatles-Aufnahmen als auch an diesem Album beteiligt waren.

An Videosequenzen werden kurze Auszüge aus dem Give Peace a Chance-Video ('69 im Hotelzimmer in Montreal), vom '69er "Live Peace in Toronto"-Konzert sowie von Lennons letztem Live-Auftritt bei seinem '72er Benefiz-Konzert im Madison Square Garden, bei dem er einige Songs aus dem Album spielte, gezeigt.

Konsequenterweise wird Cold Turkey behandelt, bei dem Lennon auch schon mit Schreien experimentierte, was bereits ein prägendes Stilmittel auf dem ein Jahr später folgenden Album vorwegnahm. Spannend zu erfahren, dass Phil Spector, als Koproduzent genannt, an den Aufnahmen wohl doch kaum beteiligt war (und wenn, dann nur gegen Ende); einige der Beteiligten können sich (bis auf seinen Pianopart bei Love) an keinen nennenswerten Beitrag von ihm erinnern (die daraus resultierende Frage, warum er dann überhaupt als Koproduzent genannt wird, bleibt unbeantwortet). Anhand von Lennons Single Instant Karma! vom Februar '70 wird die Arbeitsweise dokumentiert, die dann auch die Albumaufnahmen charakterisieren sollte: weg von monatelangen "Sgt. Pepper's"-ähnlichen Studioprozessen - einfach schreiben, zeitnah aufnehmen, bald abmischen und wenn's sein muß auch gleich den Rohmix vom selben Abend auf Platte veröffentlichen (so geschehen bei I found out, Hold on und Isolation).
Auch die parallel mit denselben Musikern eingespielte LP "Yoko Ono / Plastic Ono Band" wird behandelt; die Aufnahmen entstanden überwiegend an einem Tag, wurden dann aber in den folgenden 1-2 Wochen geschnitten, gemischt und mit zusätzlichen Effekten versehen.

Zu hören sind (bei minimalen Überschneidungen) erstaunlich viele bislang weder aus dem "Imagine"-Film noch aus der "Anthology"-Reihe der Beatles bekannte Interviewsequenzen mit John Lennon, z.B. darüber wie ihm das Buch über Janovs Urschrei-Therapie zugeschickt wurde und er und Yoko Feuer fingen. Janov selbst erzählt mit Humor und Respekt von Lennons desolatem Zustand zu Beginn der Therapie und seiner Gabe, größere Zusammenhänge in einfachen Sätzen zusammen zu fassen und in Songs zu verarbeiten ("God is a concept by which we measure our pain"). (Witzig finde ich, wie er Lennons Zeile aus Mother mit "Mother I had you you never had me" genau umgekehrt wiedergibt - Freud'sche Fehlleistung?)

Die emotionalen Höhepunkte der DVD sind für mich jedesmal, wenn Klaus Voormann (in seiner eleganten Villa am Starnberger See) zu Wort kommt, der sich mit viel Herz an Lennon erinnert und mit echter Ehrfurcht von Lennon als Komponist schwärmt, beispielsweise wenn er auf dem Klavier zeigt, warum er Isolation für eine geniale Komposition hält, und wenn er auf einem Bass, der irgendwann vor über 30 Jahren mal psychedelisch bemalt gewesen sein muß, einige seiner Bassfiguren vom Originalalbum vorspielt.

Nicht nur für Musiker interessant sind auch immer wieder die Sequenzen, in denen es um Ringos intuitive Drum-Fills geht oder wenn oben erwähnte Studiotechniker Auszüge aus den originalen Mehrspurbändern vorspielen (Mother, I found out, Hold on, Remember, Isolation, Well well well) und beispielsweise anhand von Working Class Hero demonstrieren, wie Lennon die vierte Strophe später aufnahm und verlangte, dass sie ins fertige Master hinein geschnitten wurde (was an der sich ändernden Klangfarbe zu hören ist).

Das Bonusmaterial wird abgerundet durch Lennons Fernsehauftritt zu Instant Karma (war das in "Top of the Pops"?), und siehe da: hier ist Klaus Voormann mit eben jenem Bass zu sehen (die Farben noch frisch), den er auf dieser DVD spielt!

Die DVDs aus der "Classic Albums"-Reihe finde ich sehr informativ und spannend, nur leider fast immer zu kurz; hier bekommt man in knapp 100 Minuten Gesamtzeit konzentrierte und abwechslungsreiche Informationen geboten, die die Hintergründe zur Entstehung von "Plastic Ono Band" wirklich erhellen. Allen Beatles- und Lennon-Fans wärmstens empfohlen. Ergänzend sei noch auf die "John Lennon Anthology"-CDs verwiesen, die einige sehr schöne Outtakes aus den Sessions zu diesem Album enthalten.
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John Lennon - Plastic Ono Band: Classic Album
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