Kundenrezensionen


4 Rezensionen
5 Sterne:
 (3)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schiere Provokation, 31. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Glenn Gould Jubilee Edition: Beethoven: Beethoven Sonatas: Moonlight, Appassionata, Pathétique (Audio CD)
Glenn Gould war bekannterweise ein höchst "schräger" Mensch. Mit anmassenden Urteilen nicht zurückhaltend, immer wieder provozierend.

Einer der Komponisten, an denen er sich " gerieben" hat, war Beethoven.
Immerhin fand er Beethoven würdig, überhaupt gespielt zu werden. Dieses " Schicksal" hatten andere Komponisten nicht, wie etwa Schubert.

Aber über Beethoven ( wie auch über Mozart) goss er seine Häme aus- wobei man nie weiss, wie ernst es Gould meinte, der einen Hang zum anarchischen Witz hatte, einem Witz, der ihn selbst nicht ausnahm.

Mit diesen drei berühmten Sonaten wollte er wohl die Richtigkeit seiner Thesen beweisen, Beethoven sei überschätzt, eine gewisse Primitivität nicht zu leugnen.

Was ist provozierender ? Ein Durchbrausen der Pathetique und der Mondscheinsonate, 3ter Satz, oder die Verlangsamung der Appasionata, deren ersten Satz er auf über 15 Minuten dehnt, wo andere Pianisten schön längst im dritten Satz sind, weil sie den ersten mit ca. 9 Minuten abgeschlossen haben.

Wer Beethoven traditionell interpretiert wünscht, wird einen grossen Bogen um diese Aufnahme machen.

Wenn man sich allen Hörgewöhntheiten entsagt und nur zuhört, könnte sich ein anderes Bild einstellen.

Mir geht es so:

Erstens mag ich die Gespanntheit des Gouldschen Klavierspiels. Die Tempi sind teilweise aberwitzig, aber er verwischt nichts, und bei aller Geschwindigkeit merkt man, das ist kontrolliert. Das gerät ihm nicht aus dem Ruder. Horowitz spielt den dritten Satz der Mondscheinsonate ebenso schnell wie Gould, aber da habe ich das Gefühl, das ist nur eilig. Bei Gould denke ich, das ist eine grosse Leidenschaft, die sich in diesem heftigen Tempo ausdrückt. Es bleibt dramatisch.

Dieser Eindruck drängt sich auch bei der Appassionata auf. Auch wenn Gould das Werk vielleicht denunzieren wollte, indem er die ganze Virtuosität w2eglässt,uns quasi einen Röntgenblick auf das Werk gestattet, weil genügend Zeit ist, die Konstruktion anzuschauen, unterschätzt er- da liegt er dann wirklich falsch- wie stark die Konstruktion von Beethoven ist. Er gibt diesem Werk eine Dramatik, die man sonst im Geklingel des virtuosen Zugriffs kaum erfahren kann. Die Nähe zur fünften Sinfonie wird in kaum einer Interpretation so greifbar, wie in dieser von Gould. Das Werk ist mächtig-und das hört man bei Gould.
Zugleich macht er deutlich, dass er , allen Spinnereien zum Trotz- ein grossartiger Musiker ist. Dies wird deutlich dadurch, dass die Linien nicht zerfallen, wenn sie langsam gespielt werden. Eine Spannung bei einem langsamen Tempo aufrechtzuerhalten, ist viel schwieriger, als Spannung durch Tempo zu erzeugen. Bei ihm bleibt die Linie immer erhalten, auch wenn sie fast halb so schnell wie üblich gespielt wird.

Zu gern wüsste ich, wie Beethoven darauf reagiert hätte. Ihn mit heftigen Schimpfworten bedacht und rausgeschmissen ? oder ihn ans Herz gedrückt und gerufen: noch einmal,lieber Bub.

Ich würde es zu gerne wissen...

P.S. Dass diese Aufnahmen in immer wieder neuem Gewand herauskommen, ist wohl ein unabwendbares Verhalten des Marktes.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trifft meinen Geschmack bisher am besten, 5. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glenn Gould Jubilee Edition: Beethoven: Beethoven Sonatas: Moonlight, Appassionata, Pathétique (Audio CD)
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich trefflich streiten. Mir persönlich gefällt diese Interpretation der Pathetique und der Mondscheinsonate bisher am besten.

Bin definitiv kein "Musikkenner", der sich mit den üblichen "malerischen" Beschreibungen von klassischer Musik auskennt. Aber ich habe lange Jahre selber Klavier gespielt und die oben genannten Sonaten waren aus Sicht des Pianisten meine Lieblingsstücke (insbesondere die schnellen Sätze (1 und 3 der Pathetique, 3 der Mondscheinsonate).

Gould spielt sie so schnell, wie ich sie gerne hätte spielen können. ;-) Dabei bleibt er sehr sauber (wenig Pedal) und mit interessanter Betonung.

Aufnahmetechnisch ist die CD prima, kein Rauschen zu hören. Allerdings kann man Glenn Gould zum Teil deutlich mitsummen hören: Personen, die den ungetrübten (störgeräuschfreien) Genuss suchen, sollten daher lieber Abstand nehmen. Mich stört's nicht - im Gegenteil, das Mitsummen lässt mich immer wieder schmunzeln, da darin regelrecht die Freude und Begeisterung an diesen Stücken / dem Spielen zum Ausdruck zu kommen scheint.

Unter'm Strich würde ich diese CD besonders dem Beethoven- bzw. Klavierliebhaber empfehlen, der einmal etwas Besonderes hören möchte. Für den Einstieg in die "Klassiker" würde ich eher zu einer der langsameren Interpretationen (Kempff, Brendel o.ä.) raten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unorthodoxe Interpretation eines einsamen Genies, 7. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glenn Gould Jubilee Edition: Beethoven: Beethoven Sonatas: Moonlight, Appassionata, Pathétique (Audio CD)
Glenn Gould: Beethoven Sonatas - Moonlight, Appassionata, Pathétique

Es gibt selten einen Klavierspieler, der so klar- und reingewaschene Noten zu spielen scheint, ohne Bindungen, ohne Romantik oder Charme, dafür mit Temperament, Expressivität, Schnelligkeit und eigenwilliger Interpretation, wie man sie eher von heutigen jungen Pianisten erfährt.

Der Kanadier, der wie ein einsamer Wolf die letzten 20 Jahre seines nur 50 Jahre dauernden Lebens in Studios verbrachte, weil er Konzertsäle mit Wettbewerb heischenden Sportarenen verglich, um unzählige Tonträger zu bespielen, kontrolliert durch seine eigene Definition und die mechanische Beeinflussung der Tasten. Er galt als exzentrisch und neurotisch, weil er penibel genau die Höhe des Flügels an seinen Spezialstuhl anpassen ließ, seltsame Körperbewegungen während seines Spiels vollführte und meist mitsummte oder grummelte. Doch wenn man bedenkt, dass er durch einen Unfall mit 10 Jahren lebenslang auf Schmerzmittel angewiesen war, um die Rückenschmerzen einzudämmen, dann versteht man seine oft hypochondrisch anmutende Achtsamkeit sich selbst und seinem Körper gegenüber. Daraus wuchs ein unabhängiger Interpret, der gerade in seiner Beethovendarstellung der drei bekannten Klaviersonaten dem großen Komponisten zu trotzen scheint, als wolle er zeigen, wie frei und souverän er mit pathetischen Läufen eher spielerisch und mit neuer Bedeutung umgehen kann. Beinahe respektlos in manchen Phasen, doch dadurch für den Zuhörer inspirierend, der sich von einem Meister befreien lassen will - so wie es ein Kochschüler versucht, der mit den gegebenen Zutaten eines Rezeptes durch seine eigene Art zu würzen und zu verfeinern einen individuellen Geschmack erzeugt. Gould ist bereits vor 30 Jahren vorausgegangen, was wir jetzt in heutigen Konzertsälen erfahren: Bekannte Musik, die durch die Seelen und Hände der Interpreten zu neuem Leben erweckt werden, zu Frische und Freiheit.
Als großer Rachmaninow-Anhängerin gefällt mir Glenn Goulds spürbare Tiefe und Einsamkeit. Stereotypien haben wir im Alltag genug.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Überragend, 9. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glenn Gould Jubilee Edition: Beethoven: Beethoven Sonatas: Moonlight, Appassionata, Pathétique (Audio CD)
Beethoven Sonaten neu entdecken!
Ein Genuss!
Gould bringt hier Eigenes ein, vor allem durch Tempi-Wechsel:
Langsamere Phasen erscheinen gefühlvoller,
durch seine Fähigkeit des schnelleren Spielens entwickelt sich etwas ganz Neues,
ein Fluss, der zu einem nicht gekannten Hörgenuss führt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen