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am 11. Juni 2008
Herr der Fliegen
sw, England 1963

Hervorragende Verfilmung des berühmten Romans von William Golding " Lord of the Flies".
Das Buch wurde zweimal verfilmt: 1963 in England von Peter Brooks und 1990 in USA von Harry Hook.
Vor zwei Jahren kaufte ich die DVD mit der neueren Fassung. Dieser Film ist sehenswert, gut gemacht, in Farbe. Aber ihm fehlt ein wenig der "Biss" der Buchvorlage. Natürlich war ich erfreut, dass nun die alte schwarz/weiß - Verfilmung als DVD vorliegt. Schon beim ersten Anschauen fiel mir auf, dass diese Fassung sehr viel werkgetreuer ist als der USA-Farbfilm.
Diese Rezension gilt der englischen Fassung von 1963.

Eine Gruppe englischer Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz und kann sich auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean retten. Kein Erwachsener überlebt.
Die Jungen versuchen, zivilisatorische Ordnungsprinzipien aufrecht zu erhalten. Als erstes wollen sie einen Anführer wählen. Jack, der älteste Junge und selbsternannte Sprecher eines 'Knabenchors', hofft insgeheim, dass die Wahl auf ihn fallen würde. Er ist enttäuscht, dass ein anderer Junge, der eher bedächtige und umsichtige Ralph, gewählt wird. Er fügt sich trotzdem der Wahl.
Das Überleben auf der einsamen Insel ist zunächst fast problemlos zu bewältigen. Es gibt Trinkwasser, es gibt die verschiedensten Früchte in Hülle und Fülle, es gibt Fische, es gibt sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Jack entwickelt sich zum erfolgreichen Schweinejäger.
Ralph lässt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für ein Signalfeuer ein. Er freundet sich mit einem dicken, kurzsichtigen Jungen an (von den Anderen "Schweinchen" genannt) Schweinchen ist ihm bei seiner Führungsrolle eine große Hilfe.
Der gute Anfang gerät aber nach und nach in eine Krise, als Jack mehr und mehr die Führung an sich reißt. Immer mehr Jungen schlagen sich auf Jacks Seite, sie nennen sich Jäger, vernachlässigen ihre Pflichten als Hüter des Feuers, feiern Feste und kümmern sich immer weniger um die von Ralph mühsam aufrecht erhaltene Ordnung. Diese Krise nimmt schließlich "diabolische" Formen an. Aus der Schweinejagd wird immer mehr ein blutiges Schlachten. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln bald in einem Machtrausch, der selbst vor Mord nicht zurückschreckt.

Im Buch wird ein Schweinekopf auf einen Holzspieß gesteckt. Er wird von Fliegen umkreist. Er ist der Herr der Fliegen. Simon, ein sehr zurückhaltender und ängstlicher Junge "unterhält" sich mit diesem Schweinekopf, der ihm zu verstehen gibt, dass die "Bestie", die die Jungen suchen, und vor der zumindest die Kleineren unter ihnen Angst haben, sie selber sind. Diese Szene kommt leider im Film viel zu kurz!

Golding kommt es offenbar darauf an, zu zeigen, dass der Mensch von Haus aus böse ist, und dass er nur durch gesellschaftliche Verhaltensweisen "gut" wird. Hier möchte ich sogar die Bibel zitieren: "Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1.Mose 8,21). Die Richtigkeit dieser These wird durch das Filmende angedeutet, bei dem die Jungen beim Anblick von Marinesoldaten wieder in ihre angelernten Verhaltensmuster zurück finden.

Das beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, dass die Jungen keineswegs Verbrecher oder Monster sind. Es sind Jungen, die in jeder Jungenklasse der zivilisierten Welt zu Hause sein könnten.

Brook wählte aus mehr als 3000 Kandidaten 30 Jungen aus, die mit wenigen Ausnahmen zuvor noch nie vor einer Kamera gestanden haben. Gedreht wurde auf einer Insel bei Puerto Rico, wo bei Improvisationen mehr als 60 (i.W. Sechzig) Stunden Filmaufnahmen entstanden sind, aus denen schließlich der 90-minütige Film geschnitten wurde. Das Resultat lässt sich sehen: Es wurden durchweg erstklassige Aufnahmen verwendet.
Eine großartige, sehr werkgetreue Verfilmung des Romans von William Golding. Das Bonusmaterial ist eher "mickerig", trotzdem ist der Film unbedingt kaufenswert.
Von mir bekommt er 5 Sterne.
eboku
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am 25. Oktober 2007
Die Original-Verfilmung des Romans von William Golding von 1963 hat auch heute nichts von seiner Aktualität verloren !

Ich habe mich sehr auf die Veröffentlichung der DVD gefreut, da ich nur eine alte VHS-Aufnahme des Film von RTL besitze. Leider ist es heutzutage ein Glücksspiel, ob ein etwas älterer Film in seiner alten bekannten Tonfassung oder neu synchronisiert veröffentlicht wird. Meist ist der Grund dafür, den Film im zeitgemäßen 5.1 Sound zu präsentieren (bei alten Filmen für absolut unpassend). Bei diesem Film liegt allerdings auch die Neusynchro nur in Mono vor. Ehrlicherweise möchte ich hinzufügen, daß die neue Übersetzung recht gut gemacht ist und der Originaltext teilweise sogar besser übersetzt wurde.
Allerdings fehlt auf der DVD eine Szene. Als die Zwillinge die "Bestie" am Berg entdecken, wurde in alten Fassung gezeigt, WAS die Jungen sehen. Auf der DVD fehlt diese Szene, dafür sind die erschreckten Gesichter der Jungen länger zu sehen. Da es sich hierbei nicht um einen "Gewaltschnitt" handelt, vermute ich, daß es sich um eine andere Schnittfassung handelt.
Vielleicht weiss ja jemand mehr darüber.

Abschließend: Diese DVD-Auflage entspricht nicht der alten im Fernsehen gezeigten Fassung. Der Film ist aber in jedem Fall unbedingt sehenswert !!!
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am 18. Oktober 2014
Herr der Fliegen – Inszenierung 1963

Vorbemerkung:
Als ich die Rezension zur neuen Fassung der Romanverfilmung Goldings verfasste, hatte ich das Ziel, den ideologischen Angriff auf die Jesuanische Kernbotschaft (Matthäus 18, 10) entschieden abzuwehren. Mit Kenntnisnahme der älteren, einer Schwarz-weiß-Produktion, stellt sich die damalige Regie eine Zusatzaufgabe von ungebrochener Brisanz. Das Problem, um das es den Erziehungsideologen geht, schärft der Regisseur Peter Brooks und spitzt es auf den Kern zu, den es aufzuspießen gilt.
Das Werk:
Zunächst erleben wir einen der englischen Knabenchöre in Aktion, danach die Andeutung einer Kriegssituation und der Evakuierung der Kinder aus Krisengebieten Englands, und im dritten Ansatz gewahren wir die Jungen, die nach der Bruchlandung überlebten und sich nun sammeln, um sich gegenseitig zu stärken. Laut Golding sollen es Jungen zwischen sechs und zwölf Jahren sein. Als der Knabenchor geschlossen und in Chorkleidung den Strand heranzieht, erleben wir einen „Führer“ mit männlicher Stimme – unerklärlich, was der mit den Sopran- und Altstimmen zu tun hat, wenn nicht zum Aufseher bestellt gewesen. Er ist ein Fremdkörper in dieser Gruppe, und wir werden ihn als Jack zum Diktator aufsteigend erleben.
Obwohl Ralph, der als erster ins Bild geholt wurde, die größten Sympathien für sich hat und damit auch zum „Häuptling“ gewählt wird, hat er jetzt einen gefährlich ehrgeizigen und von der Gruppe zurückgesetzten Gegner, der sich nur anfänglich fügt, aber in kritischen Entscheidungen immer mehr an Boden gewinnt.
Vorwiegend durch diffamierende Zurücksetzung und im Besitze eines Messers, kann er den Stil des Überlebens diktieren. Herr des Feuers bleibt „Piggy“, dessen Spitzname von Ralph unkluger Weise dem Spott der Menge preisgegeben wird, und doch ist es dieser Junge mit Asthma und Brille, deren Dioptrin die nötige Lichtbrechung hat, um Garant für das Feuerentzünden zu sein.
Es ist Jack, der am Ende alles lebenswichtige Material und die Ergebenheit der verunsicherten Mehrheit an sich reißt und Simons und Piggys Tod heraufbeschwört, bis er die Jagd auf Ralph eröffnen kann.
Der ethische Aspekt:
Entscheidungen auf freiwilliger Basis, Demokratie also, lassen sich hervorragend manipulieren, wenn man Notlagen herbeiläutet, gegen die Front zu machen sich lohnt. Angst ist ein sehr starkes Narkotikum, der Vernunft einen Ring durch die Nase ziehen zu können, und der dem Knabenalter Entwachsene konstruiert eine Bestie, deren Refugium tabu ist und der man Opfer zu bringen hat: Zuerst den Schweinskopf, der auf einem Speer vor sich hin stinkt und fault und von Fliegen umschwärmt wird, aber letztlich soll auch Ralphs Kopf so erhöht zum abschreckenden Beispiel gegen Skepsis und Ungehorsam dienen.
Wir erinnern uns des Chores in der Anglikanischen Messe, seines frommen Gesanges und seiner Demoralisation angesichts der zu befriedigenden Grundbedürfnisse Durst, Hunger und Schutz vor den Naturgewalten. Ihr ängstliches Scharen um ihren Anführer, der ihnen darin Hilfe verspricht und auch demonstriert, steckt die übrigen Jungen an, so dass am Ende Ralph als der Stachel im Fleische der Zweckmäßigkeiten und des Herrschaftsstrebens eines sich aufschwingenden Diktators stört und entfernt werden soll.
An dieser „frommen“ Substanz der doch christlich so vorgeprägten zivilisatorischen Sicherheit allen Erzieherstrebens zieht sich der hämische Protest jener hoch, die mit dem Finger auf solche Strauchelnden zeigen und sagen: „Gerade die Frommen sind die Schlimmsten!“
Wir führten dagegen aus, dass Kinder die Gesinnungen derer reflektieren, die sie am beharrlichsten und wirksamsten belasten oder beflügeln. Piggy greift auf seine Erziehungshintergründe zurück und erwartet, dass die Menschen um ihn in diesem Bewusstsein so reagieren. Auch taucht am Ende als Brandmal der Kapitulation die Frage auf: „Was haben wir falsch gemacht?“ – Es bleibt die Feststellung unausgesprochen, die die neuere Fassung dann liefert: „Wir haben es doch genau so gemacht wie die Erwachsenen!“
Golding liest sich am Ende seines Romans befremdlich, als er die rettenden Soldaten in der formalen Befragung Ralphs stecken bleiben und lakonisch den Vergleich zu einem Vorfall auf den Koralleninseln ziehen lässt. Angesichts einer solchen Katastrophe und der Erkenntnis, dass sich noch Kinder in dem brennenden Walde befinden könnten, erscheint diese Abgeklärtheit eines Soldaten eher der Phantasie des Schriftstellers zu entsprechen als der eigentlich erkennbaren Notlage und der gegen sie erforderlichen Maßnahmen.
Der schöpferische Vollzug:
Der Machtanspruch des Älteren gegenüber den Jüngeren gelingt, weil er mehr Führungserfahrung besitzt, sich sofort Waffen anfertigt und sich eine Kampftruppe aufbaut, die „für die Jagd“ und zum Schutze gegen die vermeintliche Bestie sowie für das Unterhalten des Signalfeuers unentbehrlich wird, und damit kann er den Rest der Truppe solange einschüchtern, bis Ralph aus seinem Führungsanspruch herausmanövriert werden kann. Die Interessen liegen also klar.
Wir wissen aus Notsituationen, wie Kinder in ihrer Lebensangst in Panik zu Dingen durchbrechen, die sie bei klaren Empfindungen mit ihrem Gewissen nicht in Einklang zu bringen vermöchten. Statt Panik kann man auch den Rausch einsetzen, das Einmünden in Fanatismus gegen jede Art proklamierter Bedrohung, selbst wo keine mehr ist, und damit Raub, Diebstahl und Mord ermöglichen. Das Urteilsvermögen unterstellt sich nach wie vor dem Solidaritätsdenken, so dass Piggy nach Simons Ermordung von einem Unfall faselt – niemand habe seinen Tod gewollt – aber Ralph weiß es besser, weil er die Waffe des in Ekstase versetzten Kultschreiens sich hat schärfen sehen.
Der Regisseur deutet uns dagegen die Fronten durch Bilder an. Die wenigen Gutwilligen und sachlich Mitdenkenden scharen sich um Ralph; als sie überfallen werden, leisten sie nicht einmal ernsthafte Gegenwehr, und Piggy ist seine kostbare Brille los – deren linkes Glas hatte der Hordenführer schon ziemlich früh zerschlagen. Dann tritt man in Verhandlungen ein – nicht ohne eine demokratische Planung. Der Regisseur lässt zu diesem letzten Treffen drei Jungen nackt in die Szene treten und sich setzen. Sie sind das Symbol für die nach wie vor gültige Unschuld aller Kinder, gleich, an welcher Front sie sich eingefunden haben. Nur hier erhält ihre Blöße ihre Würde, hier darf sie sich ohne Scham zeigen. Die der Überläufer verbirgt sich hinter Lappen, die der Scham vorgehalten sind, aber das Gesäß entblößt lassen – der Stoff ist inzwischen soweit verbraucht, dass er keinen Schutz mehr bieten kann.
Piggy, der ohne Brille hilflos zu den Verhandelnden hinaufschaut, appelliert an das Gewissen und an die Logik des Räubers. Als der sieht, wie man einen Felsblock in Bewegung setzt, warnt und unterbindet er das Vorhaben nicht: Piggys Tod ist ihm willkommen, dann braucht er die kostbare Brille als Brennglas nicht zurückzugeben. Der Ringkampf, den Ralph gegen den Stärkeren führt, bleibt aussichtslos, aber damit ist auch sein Geschick besiegelt.
Jede Gewaltherrschaft braucht nur einen Wahnsinnigen und das Rudel der Ausführenden, um alles kontrollieren und abschalten zu können, was als Bedrohung ausgerufen wird. Und ist erst einmal die Parole ausgegeben, so kann aus einem scheinbaren Spiel „Räuber und Gendarm“ sehr bald der beabsichtigte blutige Ernst entstehen.
Es wird den Berufsfatalisten in den Dompteurberufen nicht gelingen, in einem Kinde den Keim des Bösen nachweisen zu können. Prügelstrafe und psychischer Terror bereiten allerdings den Nährboden für Goldings Stoff. Es wäre ihnen zu wünschen, dass sie vor ihrem eigenen Bilde, das ihnen die Kinder spiegeln, in panischem Entsetzen davonstürzten. Sollte Golding dem Rufmord gegen die Schöpfung gedient haben wollen, so hat er Kern und Wesen eines Kindes, das wachsen und in Ruhe gelassen sein will, nie gekannt.
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am 31. März 2010
Herr der Fliegen
sw, England 1963

Hervorragende Verfilmung des berühmten Romans von William Golding "Lord of the Flies".
Das Buch wurde zweimal verfilmt: 1963 in England von Peter Brooks und 1990 in USA von Harry Hook.
Vor einigen Jahren kaufte ich die DVD mit der neueren Fassung. Dieser Film ist sehenswert, gut gemacht, in Farbe. Aber ihm fehlt ein wenig der "Biss" der Buchvorlage. Natürlich war ich erfreut, dass nun die alte schwarz/weiß - Verfilmung als DVD vorliegt. Schon beim ersten Anschauen fiel mir auf, dass diese Fassung sehr viel werkgetreuer ist als der USA-Farbfilm.
Diese Rezension gilt der englischen Fassung von 1963 und bezieht sich auf die Meisterwerke Edition von 2007

Eine Gruppe englischer Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz und kann sich auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean retten. Kein Erwachsener überlebt.
Die Jungen versuchen, zivilisatorische Ordnungsprinzipien aufrecht zu erhalten. Als erstes wollen sie einen Anführer wählen. Jack, der älteste Junge und selbsternannte Sprecher eines "Knabenchors", hofft insgeheim, dass die Wahl auf ihn fallen würde. Er ist enttäuscht, dass ein anderer Junge, der eher bedächtige und umsichtige Ralph, gewählt wird. Er fügt sich trotzdem der Wahl.
Das Überleben auf der einsamen Insel ist zunächst fast problemlos zu bewältigen. Es gibt Trinkwasser, es gibt die verschiedensten Früchte in Hülle und Fülle, es gibt Fische, es gibt sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Jack entwickelt sich zum erfolgreichen Schweinejäger.
Ralph lässt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für ein Signalfeuer ein. Er freundet sich mit einem dicken, kurzsichtigen Jungen an (von den Anderen "Schweinchen" genannt) Schweinchen ist ihm bei seiner Führungsrolle eine große Hilfe.
Der gute Anfang gerät aber nach und nach in eine Krise, als Jack mehr und mehr die Führung an sich reißt. Immer mehr Jungen schlagen sich auf Jacks Seite, sie nennen sich Jäger, vernachlässigen ihre Pflichten als Hüter des Feuers, feiern Feste und kümmern sich immer weniger um die von Ralph mühsam aufrecht erhaltene Ordnung. Diese Krise nimmt schließlich "diabolische" Formen an. Aus der Schweinejagd wird immer mehr ein blutiges Schlachten. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln bald in einem Machtrausch, der selbst vor Mord nicht zurückschreckt.

Im Buch wird ein Schweinekopf auf einen Holzspieß gesteckt. Er wird von Fliegen umkreist. Er ist der Herr der Fliegen. Simon, ein sehr zurückhaltender und ängstlicher Junge "unterhält" sich mit diesem Schweinekopf, der ihm zu verstehen gibt, dass die "Bestie", die die Jungen suchen, und vor der zumindest die Kleineren unter ihnen Angst haben, sie selber sind. Diese Szene kommt leider im Film viel zu kurz!

Golding kommt es offenbar darauf an, zu zeigen, dass der Mensch von Haus aus böse ist, und dass er nur durch gesellschaftliche Verhaltensweisen "gut" wird. Hier möchte ich sogar die Bibel zitieren: "Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1.Mose 8,21). Die Richtigkeit dieser These wird durch das Filmende angedeutet, bei dem die Jungen beim Anblick von Marinesoldaten wieder in ihre angelernten Verhaltensmuster zurück finden.

Das beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, dass die Jungen keineswegs Verbrecher oder Monster sind. Es sind Jungen, die in jeder Jungenklasse der zivilisierten Welt zu Hause sein könnten.

Brook wählte aus mehr als 3000 Kandidaten 30 Jungen aus, die mit wenigen Ausnahmen zuvor noch nie vor einer Kamera gestanden haben. Gedreht wurde auf einer Insel bei Puerto Rico, wo bei Improvisationen mehr als 60 (i.W. Sechzig) Stunden Filmaufnahmen entstanden sind, aus denen schließlich der 90-minütige Film geschnitten wurde. Das Resultat lässt sich sehen: Es wurden durchweg erstklassige Aufnahmen verwendet.
Eine großartige, sehr werkgetreue Verfilmung des Romans von William Golding. Das Bonusmaterial ist eher "mickerig", trotzdem ist der Film unbedingt kaufenswert.
Von mir bekommt er 5 Sterne.
eboku
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am 24. Februar 2011
Die "alte" Verfilmung des Buches "Herr der Fliegen" vom Nobelpreisträger William Golding ist mit Abstand die eindrucksvollere und authentischere. Die Handlung ist eine Parabel darauf, wie die Bestrebungen des Menschen, sich Regeln zu geben, sich auf das Gute und die Ordnung zu verlassen, Schritt für Schritt zunichte werden und zuletzt den animalischen Trieben weichen müssen. Der Film kommt mit minimalen Mitteln aus, die schauspielerischen Leistungen der Jungen sind jedoch hervorragend.
Ich kann diese Verflimung jedem empfehlen, der auf der Suche nach der Originalversion in bester Übereinstimmung mit der Romanvorlage ist. Der Stoff als solcher ist allerdings sehr komplex und taugt nicht zur reinen Unterhaltung.
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am 22. Januar 2008
Das Buch "Herr der Fliegen" oder "Lord Of The Flies" war eine Zeitlang Pflichtlektüre im Englischunterricht verschiedener Gymnasien. Eine Gruppe englischer Schuljungs findet sich nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel wieder, wo sie zuerst versuchen, ihre zivile Herkunft aufrecht zu erhalten, aber nach und nach verrohen, was schließlich in Barbarei und Tod endet. Am Anfang wird ein Junge namens Ralph zum Anführer gewählt, worauf der Leiter eines Chors, Jack, sofort Anspruch erhoben hat. Mit der Zeit wenden sich anderen Jungen immer mehr Jack zu, weil der anscheinend mehr zu bieten hat, nämlich Vergnügen, während der rationale Ralph sich auch mit Unterstützung seines Freundes Piggy (ein dicker, asthmatischer Junge) um ihre Rettung kümmert. Zwischen diesen Fronten steht noch der schwindsüchtige Simon. Und da gibt es auch noch eine Bestie, die vor allem den Kleineren Angst macht.

Das Buch wurde zweimal verfilmt, einmal 1963 von Peter Brooks und 1990 von Harry Hook. Die erste Verfilmung (diese hier) ist die weitaus bessere, da sie die Intensität und die Stimmung des Buches exakt wiedergibt. Interessant ist schon mal, dass gegen alle damals üblichen Gepflogenheiten die "guten" Ralph und Piggy dunkelhaarig sind und die "bösen" Jack und sein Helfershelfer Roger blond. Einzig der ebenso zu den Guten zählende Simon ist ebenfalls blond. Simon ist es auch, der schließlich die „Lösung“ findet, wobei die Verfilmung hier ihren einzigen Fehler hat.

Im Buch "unterhält" Simon sich mit dem Kopf eines Schweins, das die Jugendlichen erlegt haben und auf einen Holzstock gespießt haben. (Zum besseren Verständnis: Der Schweinskopf wird von Fliegen umkreist, er ist der "Herr der Fliegen". Der "Herr der Fliegen" ist aber auch ein Synonym für den Teufel). Der Schweinskopf gibt Simon zu verstehen, dass die Bestie, die die Jungen suchen, sie selbst seien. Dies ist ein wichtiger Hinweis auf das, worauf es William Golding in seinem Buch ankam. Er stellt damit die These auf, dass der Mensch grundsätzlich böse ist und nur durch gesellschaftliche Verhaltensmuster "gut" wird. Er untermauert diese These durch das Ende, bei dem die Jungen beim Anblick eines Marinesoldaten wieder in ihre ursprünglichen Verhaltensmuster zurückfallen. Dieser Dialog zwischen Simon und dem Schweinskopf fehlt völlig. Dabei ist es schließlich nicht unfilmisch, den Schweinskopf quasi aus dem Off sprechen zu lassen. Die katastrophale Neuverfilmung hat nicht mal diesen Fehler korrigiert.

Das Bonusmaterial ist leider mickrig (Trailer), die Anschaffung der DVD ist wegen des Films allein aber empfehlenswert - trotz des angesprochenen Fehlers.
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am 18. April 2014
Die erste (1963), immer noch ganz tolle, werkgetreue Verfilmung des Romans von William Golding. Recht unspektakulär lässt Peter Brook, der eigentlich in der klassischen Theaterwelt zu Hause ist, diese Parabel von Macht und Massenhysterie, sowie die Mechanismen der Verführbarkeit im Überlebenskampf sich entwickeln.
Es ist ein kleines Universum mit Versammlungen und Regeln auf einer einsamen Insel, in dem die gestrandeten Internatsschüler vorübergehend leben.
Als sei sie im Innern der Menschen verankert, entsteht eine Gesellschaftsform, die in manchen Dingen der unseren nicht unähnlich ist. Optional sind darin enthalten solche Phänomene wie Diktatur, Hahnenkämpfe der Anführer, ein Prügelknabe, der als Außenseiter alle Schuld auf sich nehmen muss. Vernunftgesteuerte Rationalisten, die nicht besonders beliebt sind, Populisten denen das vordergründige Glück nur so zufällt wie z.B. bei der Nahrungsbeschaffung und eine dem Erfolgreichen nachlaufende Mehrheit.
Besonders eindrucksvoll wird die systemerhaltende Notwendigkeit eines Götzen (Titel!) geschildert. Wer den Popanz durchschaut, muss sterben. Dabei bleibt die Frage offen: Mord oder Zufall? Ohne zu Werten wird erzählt und jeder kann sich seinen eigenen Reim auf die Ereignisse machen. Auch das Ende steht unkommentiert im Raum: eine Tatsache einfach, ohne Wenn und Aber. Die Kamera ist es, die erzählt in s/w ein immer noch aktuelles und immer noch wichtiges gesellschaftliches Lehrstück.
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am 15. Januar 2011
Der Film liegt schon ewig bei mir herum, wie das mit Geschenken manchmal so ist! Nun habe ich mich endlich aufgerafft, ihn anzuschauen und bin wirklich beeindruckt.

Eine Gruppe Kinder ist nach einer Katastrophe auf sich allein gestellt und versucht nun zunächst, gesellschaftliche Regeln aufzustellen, um ihr gemeinsames Überleben zu sichern. Was sich zunächst gut anlässt, entwickelt sich durch den Machtanspruch eines Jungen gegen den demokratisch gewählten Anführer ins Negative. Mehr und mehr wird dem Zuschauer die Erkenntnis vermittelt, dass der Mensch an sich nicht "menschlich" ist, wenn er sich nicht an gesellschaftliche Regeln hält. Die Verrohung der Jungen nimmt schreckliche Ausmaße an, es scheint, dass es einen größeren Reiz hat, nur seinem Vergnügen nachzugehen und Pflichten als lästig zu vernachlässigen.

Ein sehr beeindruckender Film, für meinen Geschmack zeitlos gültig. Die durch ihn aufgestellte These, dass der Mensch ohne strenges gesellschaftliches Umfeld verroht und nur animalischen Instinkten folgt, kann man lange diskutieren, aber das würde den Rahmen einer Rezension sprengen.

Aber gleichgültig, welche Meinung man vertritt, ist der Film absolut sehenswert. Ich habe mir jetzt aber vorgenommen, das Buch zu lesen, welches als Vorlage für den Film diente, ich kann mir vorstellen, dass es noch sehr viel tiefgründigere Ansätze bietet. Den Film sollte man trotzdem gesehen haben, absolut empfehlenswert, daher auf jeden Fall 5 Sterne.
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am 22. Januar 2008
Das Buch "Herr der Fliegen" oder "Lord Of The Flies" war eine Zeitlang Pflichtlektüre im Englischunterricht verschiedener Gymnasien. Eine Gruppe englischer Schuljungs findet sich nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel wieder, wo sie zuerst versuchen, ihre zivile Herkunft aufrecht zu erhalten, aber nach und nach verrohen, was schließlich in Barbarei und Tod endet. Am Anfang wird ein Junge namens Ralph zum Anführer gewählt, worauf der Leiter eines Chors, Jack, sofort Anspruch erhoben hat. Mit der Zeit wenden sich anderen Jungen immer mehr Jack zu, weil der anscheinend mehr zu bieten hat, nämlich Vergnügen, während der rationale Ralph sich auch mit Unterstützung seines Freundes Piggy (ein dicker, asthmatischer Junge) um ihre Rettung kümmert. Zwischen diesen Fronten steht noch der schwindsüchtige Simon. Und da gibt es auch noch eine Bestie, die vor allem den Kleineren Angst macht.

Das Buch wurde zweimal verfilmt, einmal 1963 von Peter Brooks und 1990 von Harry Hook. Die erste Verfilmung (diese hier) ist die weitaus bessere, da sie die Intensität und die Stimmung des Buches exakt wiedergibt. Interessant ist schon mal, dass gegen alle damals üblichen Gepflogenheiten die "guten" Ralph und Piggy dunkelhaarig sind und die "bösen" Jack und sein Helfershelfer Roger blond. Einzig der ebenso zu den Guten zählende Simon ist ebenfalls blond. Simon ist es auch, der schließlich die „Lösung“ findet, wobei die Verfilmung hier ihren einzigen Fehler hat.

Im Buch "unterhält" Simon sich mit dem Kopf eines Schweins, das die Jugendlichen erlegt haben und auf einen Holzstock gespießt haben. (Zum besseren Verständnis: Der Schweinskopf wird von Fliegen umkreist, er ist der "Herr der Fliegen". Der "Herr der Fliegen" ist aber auch ein Synonym für den Teufel). Der Schweinskopf gibt Simon zu verstehen, dass die Bestie, die die Jungen suchen, sie selbst seien. Dies ist ein wichtiger Hinweis auf das, worauf es William Golding in seinem Buch ankam. Er stellt damit die These auf, dass der Mensch grundsätzlich böse ist und nur durch gesellschaftliche Verhaltensmuster "gut" wird. Er untermauert diese These durch das Ende, bei dem die Jungen beim Anblick eines Marinesoldaten wieder in ihre ursprünglichen Verhaltensmuster zurückfallen. Dieser Dialog zwischen Simon und dem Schweinskopf fehlt völlig. Dabei ist es schließlich nicht unfilmisch, den Schweinskopf quasi aus dem Off sprechen zu lassen. Die katastrophale Neuverfilmung hat nicht mal diesen Fehler korrigiert.
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am 11. Februar 2010
Auf einer Insel gestrandete Kinder... Oder wie organisieren sich Menschen, hier Kinder losgelöst von Gesellschaft, Recht und Ordnung...

Ein verstörendes Meisterwerk nach dem Roman von William Golding...

Ein Stern Abzug für die gar geschnittene Form; um zu erfahren, warum Golding das Werk "Herr der Fliegen" nannte, müssten sie das Buch lesen.

Was ich hiermit gerne empfehlen würde.

Trotzdem, unbedingt sehenswert für grosse und kleine Zuseher.
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