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5.0 von 5 Sternen "Du mußt dich im Leben vor allem immer schön gerade halten..."
"Wenn jetzt hier im Saal eine Bombe fallen würde, wären die Probleme Europas auf einen Schlag gelöst"- "Und wären wir dann ihrer Meinung nach innerhalb oder außerhalb des Saales?"- fragt Oberst Redl lauernd zurück.
Solch schneidene, scharfzüngige Dialoge gibt es viele in Istvan Szabos entlarvendem Porträt eines Karrieristen,...
Vor 16 Monaten von RUMBURAK veröffentlicht

versus
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Ende
Es ist nicht Istvan Szabos bester Film, was vielleicht mitunter auch an der Thematik liegen könnte. Aber zunächst beeindrucken den Zuschauer die grandiosen Bilder, die mit einem gewissen düsteren, morbiden Flair die Atmosphäre in der Endphase der k.u.k. Monarchie verdeutlichen. Abgesehen von den typischen Merkmalen jener Zeit wie dem Antisemitismus,...
Veröffentlicht am 29. März 2012 von zopmar


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Ende, 29. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
Es ist nicht Istvan Szabos bester Film, was vielleicht mitunter auch an der Thematik liegen könnte. Aber zunächst beeindrucken den Zuschauer die grandiosen Bilder, die mit einem gewissen düsteren, morbiden Flair die Atmosphäre in der Endphase der k.u.k. Monarchie verdeutlichen. Abgesehen von den typischen Merkmalen jener Zeit wie dem Antisemitismus, dem Duell, den Privilegien einer Adelsgesellschaft, Standesdünkel, der mit der gewohnten Arroganz daherkommt, aber auch laszivem Sex und ausgiebigen Saufgelagen, steht ein Karrierist im Mittelpunkt. Klaus Maria Brandauer ist wie immer superb. Sein Ende ist eine schauspielerische Glanzleistung der Extraklasse. Er kann enttäuschten Ehrgeiz, tiefsitzenden Frust, Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit ausdrücken, als für ihn eine Welt zusammenbricht. Ironischerweise erleidet seine Gallionsfigur Kronprinz Franz Ferdinand (Armin Müller-Stahl) ein ähnliches Ende, der Redl nach missglückte Aktion wie eine heiße Kartoffel behandelt. Im Gegensatz zu heute war damals Homosexualität ein anrüchiges Verbrechen. Redl wird uns bisexuell geschildert. Das verschlimmert seine Lager erheblich. Er, der 'fast nie geschlafen, kaum gegessen und immer gearbeitet hat' fällt sich selbst zum Opfer. Szabo schafft es, dass man glaubt den finalen Schuss zu hören, noch bevor er fällt. Aber bis dahin strapaziert er unser Durchhaltevermögen durch lange Dialoge mit Fachsimpelei für Insider.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Du mußt dich im Leben vor allem immer schön gerade halten...", 24. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
"Wenn jetzt hier im Saal eine Bombe fallen würde, wären die Probleme Europas auf einen Schlag gelöst"- "Und wären wir dann ihrer Meinung nach innerhalb oder außerhalb des Saales?"- fragt Oberst Redl lauernd zurück.
Solch schneidene, scharfzüngige Dialoge gibt es viele in Istvan Szabos entlarvendem Porträt eines Karrieristen, eines Machtmenschen, der wie so viele andere gleichzeitig Opfer und Täter und exemplarisches Beispiel seiner Epoche ist.
Alfred Redl wird ,dank seines Fleißes in die Militärschule der österreichisch -ungarischen Monarchie geschickt, wird glühender Verehrer des Kaisers, kann sich durch hemmungsloses Buckeln und Kriechertum einerseits und gleichzeitig gewissenloses Aggitieren und Intrigieren gegen Untergebene, oder Freunde andererseits nach Oben dienen, steigt sogar zum Geheimdienstchef im Kaiserreich auf, und wird letztendlich, geblendet von der verführerischen Kraft der Macht selbst Opfer im erschaffenen Spinnennetz.
Der Film, mit einem überragenden, hypnotischen Klaus Maria Brandauer, mit ebenfalls Schauspielheroen wie Armin Mueller -Stahl, Hans Christian Blech, Gudrun Landgrebe ist ein erschütterndes Porträt eines psychopathologischen Charakters, einer detailliert dargestellten Zeit des Klassenbewusstseins, der Obrikeitshörigkeit, und wie diese Verbindung von schwachem eigenem Selbstwert, Spießertum, Ehrgeiz, mit emotionslosem Egoismus eine unheilvolle Verbindung eingeht.
Wie verhält sich der einzelne Mensch in Machtstrukturen?
Ein Thema , das Istvan Szabo in drei grossen Filmen ,allesamt getragen von dem Ausnahmedarsteller Brandauer immer wieder aufarbeitete.
"Oberst Redl", die genau, sezierende Millieustudie des Kaiserreichs vor dem ersten Weltkrieg ist damit der Mittelteil zwischen den Filmen "Mephisto" und "Hanussen".
Eiskalt und emotionslos stellt uns Szabo diesen Charakter vor, der in jeder Zeit, in jedem gesellschaftlichem Umfeld, sollte er an Macht gelangen, Unheil heraufbeschwört um selbst letztendlich darin unterzugehen.
Die ersten Zwanzig Minuten erleben wir Redl noch als kleinen Jungen mit grossen angstvollen Kinderaugen.
Furcht hat er.
Furcht zu versagen. Ein immerwährender Leistungsdruck ,der dem autoritären Lebensentwurf bereits als giftige Wurzel eingepflanzt ist.
"Du mußt deinem Kaiser auf ewig dankbar sein", spricht mahnend die Mutter, und überlebensgroß dräut der Wohltäter von Gemälden in jedem Zimmer des ärmlichen Elternhauses.
Der Junge Redl hat es geschafft . Trotz seines niederen Standes, darf er auf der kaiserlichen Militärakademie sein Bestes geben.
Und wenn andere zwanzig Liegestützen schaffen, dann quält , schindet er sich durch mindestens dreissig, währen ihm der Schweiß vom Gesicht rinnt, nur um zu gefallen.
Schnell lernt er hier auch wie einfach es ist sich positiv ins rechte Licht bei Befehlshabern und Lehrern zu setzen, in dem man zum Beispiel Mitschüler anschwärzt.
Von nun an wird er in seiner Karriere über Leichen gehen, beste Freunde ans Messer liefern, das wohlwollende Schulterklopfen des Thronfolgers( grandios in seiner eiskalten Präsenz Armin Mueller -Stahl) als grosses Lebensziel begreifen, und damit das Lebensglück vieler, letztendlich sein eigenes opfern.
Klassenbewusstsein und Spitzel,- Verrätermentalität, gepaart mit beeinflussbarem Charakter hat noch immer die grössten menschlichen Bestien hervor gebracht.
Eine Freundschaft zu dem reichen Adelssprössling Kubinyi (Jan Niklas) ist ebenfalls nur Mittel zum Zweck, seine einzige Vertraute, gespielt von Gudrun Landgrebe, ist die einzige, die zu ihm halten wird.
"Irgendwie haben sie einen Hang dazu sich sofort Feinde zu machen " wird ihm einmal offenbart.
Mit zunehmender Machtstellung wächst das Misstrauen, die Angst nicht mehr die Fäden in der Hand behalten zu können.
Die unglaublich packende Darstellung dieses Charakters, seine Widerlichkeit, aber auch seine absolut jammervolle Durchschnittlichkeit, mit dem man tatsächlich sogar Mitleid hat; diesen Spagat zu schaffen, ist die Kunst des Mimen Brandauer, der in jeder Geste, Sekunde, in jeder Emotion unvergesslich und brillant ist.
Zwei Geheimnise verbirgt Redl geflissentlich, die ihm in diesem Raubtierkäfig der Monarchie selbst den Kopf kosten könnten:
Einmal seine ärmliche Herkunft, die ihn gnadenlos als Hochstapler demaskieren würde, und seine unterdrückte, versteckte Homosexualität, die er krampfhaft verleugnet.
Diese beiden "Schwächen" machen ihn manipulierbar, und gefährden seine mühsam erarbeitete Machtstellung.
Zunehmend labiler wird sein psychisches Gleichgewicht, und um so mehr nimmt sein Anbiedern an das System pathologische Züge an.
Als die Juden wahlweise privilegiert oder zum Sündenbock degradiert werden, ist er sofort bereit einmal angenommene Positionen zu wechseln, um seine Vorteile zu nutzen.
"Um zu zeigen wie tüchtig und schlägkräftig die Monarchie noch ist, brauchen wir ein Bauernopfer, einen Sündenbock aus höchsten Kreisen. So jemand wie sie, - mit ihren Chararakterzügen, lieber Redl",
Erst mit diesem kleinen Nebensatz des Kaisers wird Redl bewußt, daß sein zutiefst eigener Egoismus, ihn nun unaufhaltsam selbst in den Fokus eines Opfers rückt.
So schnell wie der Kaiser Gunst gewährt, so schnell nimmt er sie auch wieder.
Obrst Redl , nur ein vollkommen austauschbares Rädchen im Machtgefüge, das genauso schnell wieder vernichtet werden kann.
Als er nicht nicht mehr vonnöten ist, ist seine Zeit abgelaufen.
Gepackt, gefesselt von diesem unaufhaltsamen Niedergang, schwankt der Zuschauer zwischen Anteilnahme, Erschütterung und Genugtuung.
Die letzten zehn Minuten sind noch einmal an phänomenaler Schauspielkunst nicht überbietbar.
Als Redl mit angstverzerrtem Gesicht, weinend und zitternd den Abzug seines Revolvers drückt, ist er dann doch nur noch ein erbärmliches Individuum, ohne Autorität, im wahrsten Sinne nackt, hilflos, bemitleidenswert..
Oft wurde dem Film vorgeworfen, die geschichtlichen Hintergründe der Monarchie, bis hin zum Attentat auf den Thronfolger würden nur stichwortartig herausgearbeitet.
Doch Istvan Szabo legt beabsichtigterweise seinen Schwerpunkt auf den Charakter Redl.
So ist Brandauer fast auch in jeder Minute präsent.
Der Film ist eine analytische Bestandsaufnahme eines Menschen, der wie schon erwähnt ,in jeder Epoche in unterschiedlichsten Zeiten zu finden ist.
Istvan Szabos Film ist in atemberaubenden, langen Einstellungen inszeniert und in jeder Szene den Zuschauer mitreissend.
Die Darstellerleistungen sind außergewöhnlich ,beeindruckend und tiefschürfend.
Wie belanglos und ausstauschbar das Leben des Oberst eigentlich war, zeigt sich noch in den letzten Bildern.
Nach seinen Freitod wird ein kleines Liebesgedicht, von ihm in vergangenen Schultagen verfasst, bei einer Auktion versteigert.
Ein Käufer findet sich nicht.
Der einzige Versuch einer menschlichen ,sensiblen ,unverstellten Regung aus Kindertagen, die Redl hier zu Papier brachte, ist in diesen Machtstrukturen ein Nichts.
So wird noch nicht einmal das kleinste Andenken an den Mann , der seine Menschlichkeit opferte, der sein Leben den Prinzipien der Karriere verschrieb, übrigbleiben.
Als Täter und gleichzeitig Opfer zertreten im grossen Lauf der Geschichte, wie auch sein Idol, der Thonfolger, der bald darauf selbst Opfer eines geschichtlich verhängnisvollen Attentats wird.
"Du mußt Dich im Leben vor allem immer schön gerade halten" hatte die Mutter gesagt.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphäre, 26. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
Österreich-Ungarn in seinen letzten Zügen vor dem grossen Sterben. Ein Viel-Völker-Staat, eine Bürokratie balkanesken Zuschnitts,ein Militär, dessen Offizierkorps einfach dekadent ist, viel säuft,Weibergeschichten hat und den Dienst sehr schlampig versieht. In dieses Umfeld kommt ein Kaisertreuer, effizienter junger Mann, der den richtigen Gönner hat, der ihn fördert.Dies Umfeld ist grossartig von Szabo eingefangen.Er erliegt nicht der Versuchung, die Geschichte des wahren Redl zu verfilmen,obwohl sich daraus vielleicht sehr viel mehr Film-Stoff ergeben hätte. Redl im Film ist ein immer bemühter, einer, der an die Ideale des Reichs glaubt, der sich immer tiefer in den Sumpf dieses untergehenden Reichs verstrickt,immer weniger Handelnder als Getriebener ist, der längst über die Dimension seiner Herkunft hinausgewachsen ist und deswegen freischwebend,ohne den Schutz einer Familie mit Verbindungen agieren muss.

Brandauer, der Protagonist dieses Film ( trotz eines grossartigen Müller-Stahl) vermittelt glaubwürdig die zunehmende Anspannung,Isolation dieses Menschen, sein Ringen um das Scheitern ( ihm wird Selbstmord nach der Enttarnung angetragen, so wie im wahren Fall auch). Anders als wahren Leben ist dieser Redl eine tragische Figur, die an ihren Idealen scheitert,in einen Apparat hineingerät, der für den " kleinen" Redl nicht beherrschbar ist,obwohl er als Inhaber einer Überfülle von Informationen über andere, ja eigentlch mächtig sein könnte. Er kann diese Macht nicht auskosten, weil er leichtes Opfer einer Intrige war, deren Folgen er einfach nicht gewachsen war. Ein grossartiges Dokument einer absterbenden Epoche, wie eine verwelkte Blume, die dann geknickt wird. Leider fehlen alle sonstigen Features, was zu Punktabzug führen muss.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger Film!!!!, 31. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
Endlich habe ich diesen Film auf DVD!! Ich habe ihn irgendwann vor 10 Jahren gesehen und musste immer wieder an Armin Müller-Stahl denken, der die eiskalte, zynische Natur des Kronprinzen einfach unglaublich überzeugend spielt. Es gefriert einem schlicht das Blut in den Adern, wenn er zum erstenmal auftaucht und Redl über seine Mission aufklärt. Brandauer ist natürlich ebenfalls großartig als dienstbeflissener Emporkömmling, der erst zum Schluss erkennt, dass er derjenige sein wird, den man verheizt. Einfach ein toller Film. Schade, dass es nicht viel mehr von dieser Art gibt.
P.S.: historisch ist der Film überaus korrekt (bis auf die eigentliche Geschichte des Oberst Redl natürlich): da stimmt - soweit ich es erkennen kann - jede Uniform und jedes Möbelstück und die Stimmung des moribunden KuK-Reiches wird wunderbar eingefangen!
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4.0 von 5 Sternen Guter, atmosphärischer Spielfilm! Wenig Übereinstimmung zum echten Fall Redl! Schlechter Ton!, 21. Oktober 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
Dieser international vielfach preisgekrönte Film des Regisseurs Istvan Szabo ist ursprünglich schon von 1985, was man ihm aber nicht unbedingt ansieht.

Der Regisseur hat einen enormen Aufwand betrieben, keine Kosten und Mühen gescheut, um den Zuschauer möglichst gut in die Zeit der untergehenden K.U.K.- Doppelmonarchie eintauchen zu lassen. - Kulisse, Kostüme, u.Ä. sind so nahezu perfekt. - Das ist veilleicht auch die größte Stärke des Films.

Die Handlung des mit fast 2 1/2 Stunden Länge sehr langen Films ist allerdings nur minimal an den realen Begebenheiten um das Leben des hochverräterischen Militärgeheimdienst- Chef Oberst Redl am Vorabend des 1. Weltkrieges orientiert! - Das sollte man vorher wissen; denn wer sich mit diesem Film über den tatsächlichen Oberst Redl und seine Machenschaften informieren will, wird schwer enttäuscht sein.
Daher halte ich den Titel des Films auch für unglücklich gewählt, weil heute den Zuschauer verwirrend und irreführend. - Das ist vielleicht auch die größte Schwäche des Films.
Man sollte daher vorher wissen, was der Regisseur mit diesem Film beabsichtigen wollte. Oberst Redl und die anderen Personen im Film sind für ihn lediglich "fiktive Personen"; stellvertretend für viele zu dieser Zeit "typische Menschen", nach Meinung des Regisseurs. Oberst Redl wäre demnach eher eine "normal" Figur jener Zeit, anstatt "besonders auffallend böse" o.Ä.
Auch hat der Regisseur hier vermutlich Kritik an der K.u.K.- Habsburgermonarchie als korruptes und überholtes Staats- und Gesellschaftssystem ausdrücken wollen; also eine gewisse Gesellschaftskritik. - Passend dazu endet der Film ja dann auch im 1. Weltkrieg. Die Personen des films sollen so wohl auch eine moralische Message an das Publikum vermitteln.
Der Film selbst wirkt - obwohl nicht unrealistisch - eher wie ein verfilmter Roman des Regisseurs statt einer realistischen Dokumentation von (realen) Vorgängen. Dementsprechend weist der Film auch starke romantische Züge auf (Liebe, Freundschaft, Idealismus, ...).
Der Film erzählt in recht epischer Breite.
Zum besseren Verständnis des langen Films könnte es aber vorteilhaft sein, sich vorher (oder nachher) etwas über den Film zu informieren.

Gezeigt wird in dem Film das Leben eines aus einfachen Verhältnissen stammenden Karriere- Offiziers am Vorabend des 1. Weltkriegs, der fleißig, ehrgeizig und idealistisch ist, und so rasch Karriere macht, obwohl er ständig mit Neid und Antipathie seitens seiner meist adligen "Kameraden" rechnen muss, für die er ein verachteter "Bauernbub" und Emporkömmling ist. Auch seine insbesondere in der Armee zu versteckende Bisexualität macht ihm zu schaffen; denn er ist dadurch erpressbar. (Homosexualität war damals strafbar). Redl wird Zeuge von Duellen, Saufgelagen, Bordellbesuchen und Antisemitismus in der österreichisch- ungarischen Armee, von der er ganz und gar Teil wird.
Als es für ihn immer weiter aufwärts geht, verändert er sich immer mehr der Karriere wegen, für die er jetzt auch Dinge macht, wie Verrat, die er vorher eher verabscheut hätte. So wird er Offizier des Militär- Geheimdienstes und unterhält sogar engen Kontakt mit dem Thronfolger. Aber missgünstige Konkurrenten und vermeintliche "Freunde" spinnen Intrigen gegen ihn. Auch wird er unvorsichtig und verrät wichtigste geheime Dokumente aus der Spionageabteilung der Armee ... Zum schluss bleibt ihm nur noch der Selbstmord.

Die Hauptfigur des Films, Oberst Redl, wirkt hier aber auffallend positiv, zuweilen gar als tragische, idealistische Figur. - ganz im Gegensatz zum realen Oberst Redl! Er wirkt hier nicht immer wie der opportunistische, gewissenlose, ehrgeizige, geltungssüchtige, verschwenderisch lebende und gerissene Emporkömmling und hochrangige Doppelspion, der Redl in Wirklichkeit war. Stattdessen haben wir es hier mit einem Redl zu tun, der hier manchmal sogar ehrlich, fleißig und idealistisch wirkt, und die verkommenen, tradierten Verhältnisse in der Armee reformieren will, um letztlich damit die angeschlagene Monarchie zu retten, an dieser Aufgabe dann aber tragisch scheitert. Man könnte ihn hier gar manchmal als den armen, gutmütigen Menschen halten, der in einem korrupten, ungerechten System sich korrumpieren lässt und letztlich daran zugrunde geht.
Der "wahre (historische) Redl" wird in diesem Film dagegen kaum bemüht.
Auch fragt man sich: Will der Regisseur etwa eher das "böse System" statt den "bösen Redl" zeigen?
In der FIlm- Beschreibung als "Karrieresüchtig" beschrieben, gehen diese (gewollten) negativen Züge aber in der Darstellung des zu sympathisch wirkenden K.-M. brandauers zu sehr unter.
Auch die Umstände von Redl's Hochverrat - als immerhin eine entscheidende Wendung des FIlms - wirken hier wenig überzeugend.

Eine große Schwäche des Films ist der TON, der in manchen (wichtigen) Szenen zu leise und undeutlich ist.

In darstellerischer Hinsicht verstehen Klaus- Maria Brandauer als Hauptfigur ("FIlmband in Gold" für seine Rolle), Armin Mueller- Stahl und Gudrun Landgrebe, u.A. als Meister ihres Faches zu überzeugen.

Der Film ist freigegeben ab 16 Jahren (man fragt sich: warum?).

Laufzeit: 142 Minuten.

Audio: Mono 1.0

Sprache: deutsch

Bildformat: 4:3 (Vollbild).

Der Film ist gegliedert in 15 Teile, die man direkt über das Menü anwählen kann.
Ansonsten gibt es keine "Extras".

FAZIT: AUfwändiger, technisch (bis auf den Ton) sehr gut gemachter, langer, epischer Spielfilm, mit guter Kulisse und Kostümen, sowie guten Darstellern, mit allerdings rein fiktiver, romanhafter Handlung, die kaum etwas mit dem historischen "Oberst Redl" zu tun hat. (Wer sich für den "echten Redl" interessiert, muss sich anderswo informieren.)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios!, 19. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
Klaus Maria Brandauer zum Weinen schön, wie in seinen Altersrollen in der Burg!
Schon deshalb, aber nicht nur, absolute Kaufempfehlung samt Geheimtipp und Topseller: Jeder, der Interesse an der k.u.k. Monarchie hat, aber durchaus deren "Beschmutzung" ertragen kann, möge zuschlagen!
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk!, 29. Januar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl (DVD)
Meine Vor-Rezensenten haben das Wichtigste über Inhalt und Dramatik des Filmes bereits gesagt. Dem ist nicht viel hinzuzufügen!
Ich kann mich erinnern, wie ich - vor vielleicht 15 Jahren (oder mehr) - den Film aus dem Fernsehen auf VHS aufgenommen habe. Nie zuvor hatte mich eine Filmszene mehr beeindruckt, als Brandauers letzte zwei Minuten als "Redl", kurz vor dessen erzwungenem Selbstmord. Die Panik, die Resignation, das Unterdrücken des Brechreizes, das Auf und Ab im Hotelzimmer...! Das ist Weltklasse außer Konkurrenz!!! Ich ziehe meinen Hut vor diesem Schauspieler und vor dem Regisseur, der neben Brandauer weitere Weltschauspieler wie Müller-Stahl sich zu unglaublichen Leistungen empor schrauben lässt. Dagegen wirken Hollywood-Machwerke wie dünner Rauch!
Ganz großes Kino! 10 Sterne wert!!!!!!
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Szabós zweiter Film mit Brandauer., 25. März 2014
Von 
Gregson "eurozentrisch" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Oberst Redl - Der Jahrhundertspion (DVD)
Wieder mit einem beeindruckenden Brandauer, hier aber als beinahe stets die Beherrschung wahrender Offizier einer schwer marode gewordenen k.u.k-Monarchie - und nicht mit einer ausufernd gefühlsbetonten Darstellung wie in seiner "Mephisto"/ Höfgen-Rolle.
Seine Darbietung der Selbstmord-Szene ist jedoch derart intensiv, dass sie mir, ungefähr zehn Jahre nach der ersten Sichtung von Szabós Film, immer noch derart klar vor Augen stand, dass ich, beim jetzt wiederholten Anschauen, den ganzen Weg zu dieser Schlussszene nur unter Anspannung sehen konnte.
Die Ausstattung, die Uniformen, die Straßenszenen wirken sehr authentisch, in Bezug auf den echten Fall Redl kann aber festgestellt werden: Vieles im Film ist rein fiktiv - worüber auch eine Einblendung zu Beginn desselben keinen Zweifel lässt.
Szabós Inszenierung ist auch hier wieder ungewöhnlich (auch wieder sehr der Schnitt von Zsuzsa Csákány), sie nimmt sich aber, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Historienfilmen, angenehm zurück, um nur dem Drama um Redl, dessen Selbsthass immer mehr hervorbricht, Raum zu geben.
Leichte Kost ist der Film nicht, schon allein, weil das Intrigenspiel um Redl vor dem Hintergrund einer nur schwer überblickbaren politische Lage der Jahre vor dem ersten Weltkrieg sich ereignet.
In weiteren Rollen: Gudrun Landgrebe, Armin Mueller-Stahl, Jan Niklas, Hans Christian Blech.
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Oberst Redl
Oberst Redl von Klaus Maria Brandauer (DVD - 2007)
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