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am 2. Februar 2006
Seit Jahren warte ich vergeblich darauf, diesen mehrfach oscarprämierten Film einmal im TV sehen zu können. Noch nicht einmal, als der Regisseur Elia Kazan oder Gregory Peck starb, wurde er gezeigt. Umso größer die Freude, als er jetzt auf DVD erschien. Der Film hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt sondern übertroffen. Ein sehr guter, mutiger Film mit einer interessanten Geschichte und hervorragenden Darstellern! Das Thema Anti-Semitismus ist heute - leider - so aktuell wie damals und die Problematik keinesweg gelöst. Der Film stimmt nachdenklich und ist sehr zu empfehlen.
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am 21. Juli 2008
Als sich Elia Kazan in den 1930ern als Schauspieler in Hollywood versuchte, hatte er nur mäßigen Erfolg. Dies änderte sich, als er in den 40er Jahren begann, Regie zu führen. Der 1947 inszenierte Film "Tabu der Gerechten" ("Gentleman`s Agreement",1947) wurde ein großer kommerzieller und künstlerischer Erfolg und mit acht Oscarnominierungen bedacht, von denen der Film drei erhielt (als bester Film, für Kazan als besten Regisseur und für Celeste Holm als beste Nebendarstellerin).
Kurz zum Inhalt: Der Journalist Phil Green (Gregory Peck) kommt nach New York, um für den Zeitungsverleger John Minify (Albert Decker) eine Reihe über Antisemitismus zu schreiben. Green gibt sich selbst als Jude aus und erlebt verschiedene Formen der Diskriminierung. Seine Beziehung zu Minifys Nichte Kathy (Dorothy McGuire) leidet zunehmend darunter. Als sogar sein Sohn als "Itzig" angefeindet und ausgeschlossen wird, bleibt ihm die bittere Erkenntnis seines jüdischen Schulfreundes Dave (John Garfield), dass die schlimmste Form der Diskriminierung das Leiden der eigenen Kinder ist.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, den die USA als militärischer und moralischer Sieger über Nazideutschland und seine Verbündete gewonnen hatten, begann auch in Hollywood eine Zeit, in der sich die Branche kontroversen Themen zuwandte. Nachdem zwei Jahre zuvor Billy Wilder das Thema Alkoholismus erfolgreich bearbeitet hatte ("The Lost Weekend"), wagte sich Kazan an ein weiteres Tabu: den weitverbreiteten Antisemitismus in den USA. Bemerkenswert an dem Film ist, dass es gar keinen Querverweis zu den Nazigräueltaten in Deutschland gibt, sondern das Thema als eigenständiges Problem behandelt wird, so dass sich nicht die Gefahr einer Relativierung ergibt. Green erlebt alles: Die Sekretärin erzählt ihm, dass sie ihren Namen ändern musste, um einen Job zu bekommen, es gibt genügend Bekannte, die "zwar nichts gegen Juden" haben und im gleichen Atemzug Stereotypen beispielsweise vom geldgierigen Juden zeichnen. Es gibt Handgreiflichkeiten im Restaurant und einen Rauswurf aus einem Nobelhotel, in dem Gäste "mosaischen Glaubens" unerwünscht sind.
Aber der Film beschränkt sich nicht auf die detaillierte Darstellung latenten oder offenen Fremdenhasses (man könnte anmerken, dass die Darstellung im Film zu sehr auf religiösen Antisemitismus bezogen ist, der sicher nicht so verbreitet war wie der rassistisch motivierte), sondern beschäftigt sich auch mit der Reaktion der "Gutmenschen". Greens Freundin Kathy ist eine engagierte Frau, die sich an dem Dünkel ihrer Mitmenschen gegenüber anderen (also Juden) stört. Allerdings gibt sie in einem Streit mit Green zu, dass sie natürlich lieber nicht Jüdin sei, so wie es natürlich sei, lieber gesund als krank zu sein, eine Szene, die wirklich unter die Haut geht. Der Originaltitel "Gentlemen`s Agreement" fasst böse zusammen, was die "ordentlichen" Bürger unter einem angemessenem Umgang mit Juden verstehen: still ausgrenzen und unter sich bleiben. Viel besser zu Green würde seine Kollegin, die tatkräftige Modejournalistin Anne (Celeste Holm), passen, der Film erlaubt ihnen aber nur eine platonische Freundschaft.
Bemerkenswert sind die ausgezeichneten Schauspielleistungen, vier der acht Nominierungen gingen auch an die Darsteller Peck, McGuire, Holm und Anne Revere (als Greens Mutter). Peck spielt trotz seiner jugendlichen 31 Jahre als habe er schon jahrzehntelange Erfahrung. Fünfzehn Jahre später variierte er den Rollentypus als Atticus Finch in "Wer die Nachtigall stört" und erhielt dafür verdient den Oscar.
Kazan hat einen zeitlosen Film zum Problem Antisemitismus gedreht. Dass er selbst in der McCarthy-Ära eine moralisch sehr bedenkliche Figur abgegeben hat, spricht nicht gegen sein Werk. Wie heißt es doch schon über Rousseau: Der Wegweiser geht nicht den Weg, den er zeigt. Auch sechzig Jahre nach seiner Entstehung ist "Tabu der Gerechten" aufrüttelnd und scheint seinen Zuschauern zuzurufen "He, Du Gutmensch, wie reagierst Du, wenn jemand in Deiner Anwesenheit einen verletzenden "Witz" auf Kosten einer religiösen oder ethnischen Minderheit macht?"
Bild und Ton des Films sind gut. Als Extras gibt es ein sechsseitiges Booklet, eine Karte mit dem Filmplakat, zwei Trailer (zum Film selbst und zu "All about Eve"), sowie eine Bildergalerie. Interessant angesichts der Brisanz des Films wären natürlich ein paar Hintergrundinformationen gewesen. Dass Fox seine Film-Klassiker in einer derart puristischen Ausstattung auf den Markt bringt, ist schade. Aber der Film ist so einzigartig, dass dies nicht ins Gewicht fällt.
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am 21. Juli 2008
Als sich Elia Kazan in den 1930ern als Schauspieler in Hollywood versuchte, hatte er nur mäßigen Erfolg. Dies änderte sich, als er in den 40er Jahren begann, Regie zu führen. Der 1947 inszenierte Film "Tabu der Gerechten" ("Gentleman`s Agreement") wurde ein großer kommerzieller und künstlerischer Erfolg und mit acht Oscarnominierungen bedacht, von denen der Film drei erhielt (als bester Film, für Kazan als besten Regisseur und für Celeste Holm als beste Nebendarstellerin).
Kurz zum Inhalt: Der Journalist Phil Green (Gregory Peck) kommt nach New York, um für den Zeitungsverleger John Minify (Albert Decker) eine Reihe über Antisemitismus zu schreiben. Green gibt sich selbst als Jude aus und erlebt verschiedene Formen der Diskriminierung. Seine Beziehung zu Minifys Nichte Kathy (Dorothy McGuire) leidet zunehmend darunter. Als sogar sein Sohn als "Itzig" angefeindet und ausgeschlossen wird, bleibt ihm die bittere Erkenntnis seines jüdischen Schulfreundes Dave (John Garfield), dass die schlimmste Form der Diskriminierung das Leiden der eigenen Kinder ist.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, den die USA als militärischer und moralischer Sieger über Nazideutschland und seine Verbündete gewonnen hatten, begann auch in Hollywood eine Zeit, in der sich die Branche kontroversen Themen zuwandte. Nachdem zwei Jahre zuvor Billy Wilder das Thema Alkoholismus erfolgreich bearbeitet hatte ("The Lost Weekend"), wagte sich Kazan an ein weiteres Tabu: den weitverbreiteten Antisemitismus in den USA. Bemerkenswert an dem Film ist, dass es gar keinen Querverweis zu den Nazigräueltaten in Deutschland gibt, sondern das Thema als eigenständiges Problem behandelt wird, so dass sich nicht die Gefahr einer Relativierung ergibt. Green erlebt alles: Die Sekretärin erzählt ihm, dass sie ihren Namen ändern musste, um einen Job zu bekommen, es gibt genügend Bekannte, die "zwar nichts gegen Juden" haben und im gleichen Atemzug Stereotypen beispielsweise vom geldgierigen Juden zeichnen. Es gibt Handgreiflichkeiten im Restaurant und einen Rauswurf aus einem Nobelhotel, in dem Gäste "mosaischen Glaubens" unerwünscht sind.
Aber der Film beschränkt sich nicht auf die detaillierte Darstellung latenten oder offenen Fremdenhasses (man könnte anmerken, dass die Darstellung im Film zu sehr auf religiösen Antisemitismus bezogen ist, der sicher nicht so verbreitet war wie der rassistisch motivierte), sondern beschäftigt sich auch mit der Reaktion der "Gutmenschen". Greens Freundin Kathy ist eine engagierte Frau, die sich an dem Dünkel ihrer Mitmenschen gegenüber anderen (also Juden) stört. Allerdings gibt sie in einem Streit mit Green zu, dass sie natürlich lieber nicht Jüdin sei, so wie es natürlich sei, lieber gesund als krank zu sein, eine Szene, die wirklich unter die Haut geht. Der Originaltitel "Gentlemen`s Agreement" fasst böse zusammen, was die "ordentlichen" Bürger unter einem angemessenem Umgang mit Juden verstehen: still ausgrenzen und unter sich bleiben. Viel besser zu Green würde seine Kollegin, die tatkräftige Modejournalistin Anne (Celeste Holm), passen, der Film erlaubt ihnen aber nur eine platonische Freundschaft.
Bemerkenswert sind die ausgezeichneten Schauspielleistungen, vier der acht Nominierungen gingen auch an die Darsteller Peck, McGuire, Holm und Anne Revere (als Greens Mutter). Peck spielt trotz seiner jugendlichen 31 Jahre als habe er schon jahrzehntelange Erfahrung. Fünfzehn Jahre später variierte er den Rollentypus als Atticus Finch in "Wer die Nachtigall stört" und erhielt dafür verdient den Oscar.
Kazan hat einen zeitlosen Film zum Problem Antisemitismus gedreht. Dass er selbst in der McCarthy-Ära eine moralisch sehr bedenkliche Figur abgegeben hat, spricht nicht gegen sein Werk. Wie heißt es doch schon über Rousseau: Der Wegweiser geht nicht den Weg, den er zeigt. Auch sechzig Jahre nach seiner Entstehung ist "Tabu der Gerechten" aufrüttelnd und scheint seinen Zuschauern zuzurufen "He, Du Gutmensch, wie reagierst Du, wenn jemand in Deiner Anwesenheit einen verletzenden "Witz" auf Kosten einer religiösen oder ethnischen Minderheit macht?"
Bild und Ton des Films sind gut. Als Extras gibt es ein sechsseitiges Booklet, eine Karte mit dem Filmplakat, zwei Trailer (zum Film selbst und zu "All about Eve"), sowie eine Bildergalerie. Interessant angesichts der Brisanz des Films wären natürlich ein paar Hintergrundinformationen gewesen. Dass Fox seine Film-Klassiker in einer derart puristischen Ausstattung auf den Markt bringt, ist schade. Aber der Film ist so einzigartig, dass dies nicht in Gewicht fällt.
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TOP 1000 REZENSENTam 22. Oktober 2011
Produkt: DVD (1 Stück). Herausgeber: Twentieth Century Fox. ASIN: B000CCC0F4.
Deutscher Titel: Tabu der Gerechten (Gentleman's Agreement). USA, 1947
Mit: Gregory Peck, Dorothy McGuire, John Garfield, Celeste Holm u. A. Regie: Elia Kazan. Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Laura Z. Hobson aus dem Jahre 1947. Bild: gut / SW / 4:3. Sprache: englisch. Synchronisation: deutsch
Untertitel: deutsch und englisch. Filmlänge: 113 Minuten (Originallänge im PAL-Verfahren). Genre: Antirassismusdrama. Auszeichnungen: 3 Oscars für den besten Film, beste Regie und beste weibliche Nebendarstellerin (Celeste Holm). Nominierungen: insgesamt für 8 Oscars. Specials: keine.

Gregory Peck als Journalist, der sich als Jude ausgibt und den Antisemitismus Amerikas auf eigener Haut erfährt, studiert und dokumentiert. Seine Freundin entscheidet sich für ihn erst endgültig, nachdem sie ihre heuchlerisch vermeintliche Allerweltstoleranz abgelegt hat und seinem jüdischen Freund, einem Kriegsheimkehrer, selbstlos Wohnrecht gewährt. Aufrichtige und sachlich sorgfältige Studie über rassistisch motivierte Vorurteile und verdeckte Vorbehalte gegenüber dem Anderen. Ein couragierter und charakterlicher Beitrag zu echter Toleranz und Gleichberechtigung zwischen Ethnien, Gruppen und Gesellschaftsschichten. Ein zutiefst humaner und moralischer Film. Beeindruckende Schauspieler - zu recht mehrere Nominierungen für den Oscar. Gregory Peck in gewohnt starker Darstellung eines couragierten und engagierten Journalisten.
Mladen Kosar
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TOP 1000 REZENSENTam 20. Dezember 2013
Der erste Hollywood-Film, der sich mit dem heiklen Thema des Antisemitismus beschäftigt.
Wir schreiben das Jahr 1947.

Ein Journalist namens Phil Green ( Gregory Peck ) bekommt in New York City von seinem Verleger John Minify( Albert Dekker ) den Auftrag, über Antisemitismus zu schreiben. Die Idee zu der geplanten Artikelserie stammt von dessen Nichte Kathy
( Dorothy McGuire ).

Der allein erziehende Vater eines kleinen Jungen ( die Mutter ist gestorben ) macht sich ganz Profi sofort an die Verwirklichung des Plans. Unterstützt wird er unter anderem von seiner Mutter ( Anne Revere ), die ihn ermutigt.
Von selbst kommt er darauf, dass es nicht reicht, theoretisch zu bleiben, sondern wie sein Freund Dave Goldman
( John Garfield ) selbst die Erfahrung zu machen, wie sich ein Jude fühlt, der tagtäglich Diskriminierungen ausgesetzt ist.
Also gibt Phil sich als Jude aus und weiht nur wenige Leute in seinen Plan ein.

Die erste Erfahrung macht er gleich im Büro. Die ihm zugeteilte Assistentin Elaine Wales gesteht ihm, den Job im Verlag nur bekommen zu haben, weil sie mit ihrem Lebenslauf geschummelt und ihre Religion verschwiegen hat. Sie hat an verschiedene Stellen je zwei Bewerbungen verschickt, einmal mit ehrlichen und vollständigen Angaben, einmal ohne.
Als Miss Wales wurde sie eingestellt...

Als die Schwierigkeiten sich häufen, parallel planen Kathy und Phil ihre Hochzeit, belastet dies auch sein Privatleben zusehends. Sogar mit seiner Verlobten, die doch nicht so taff und tolerant ist, wie sie glaubte, kommt es zum Bruch.
Selbst der Junge bleibt von Anfeindungen nicht verschont.

Der Film ist mit leichter Hand inszeniert. Regisseur Elia Kazan ( Die Faust im Nacken ) selbst hätte ihn lieber in seiner Aussage noch radikaler gehabt. Auch die Liebesgeschichte wurde ihm aufgezwungen, es sollte für den Zuschauer erlebbarer werden, wie sehr die Recherche- Arbeiten eines Journalisten auch Auswirkungen auf sein Privatleben haben.

Ich bin dem Produzenten Zanuck dafür dankbar, sonst wäre so ein dröges Drama wie "Das Narrenschiff" ( von Stanley Kramer ) dabei herausgekommen. Für den Zugang zum Stoff zeichnet auch die mit dem Oscar als "Beste Nebendarstellerin" prämierte
Celeste Holm ( High Society ) verantwortlich, die als Verlagsmitarbeiterin eine heitere Note einbringt.

Ein Schock ist übrigens die Erkenntnis, dass selbst die Juden untereinander Dünkel haben.
So möchte die jüdische Sekretärin, sobald Chancengleichheit unter Stellenbewerbern besteht, nicht plötzlich im Büro auf einen "Ghettojuden" treffen, wie sie Phil Green gesteht.

Insgesamt gab es acht Nominierungen und drei Preise: Bester Film, Beste Regie und Celeste Holm ( in der gleichen Kategorie war auch Filmmutter Anne Revere nominiert ).
Ein großer Erfolg für diesen filmischen Schlag in die Magengrube. Aber Kazan hat das Publikum meiner Kenntnis nach selten geschont, sondern lieber aufgeklärt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 5. September 2013
Reporter Green (Gregory Peck) soll eine Serie über Antisemitismus in New York verfassen und kommt auf die Idee, sich selbst als Jude auszugeben, um den Insiderblick zu bekommen. Dies funktioniert besser als erwartet... Ein oft großartiger und stellenweise rührend veralteter Film, vier Sterne. Regisseur Elia Kazan hält sich diesmal mit inszenatorischen Wuchtigkeiten zurück und nutzt vielmehr Momente der Stille und der ohnmächtigen Wut. So gelingt ihm sehr schön, den Antisemitismus im Alltag zu zeigen (die Vorstellung, dass es solchen, zumal in New York, überhaupt gibt, ist ja etwas gewöhnungsbedürftig, aber es ist schon wahr und war gerade 1947 Anlass für noch einen weiteren Film, den Noir-Thriller "Crossfire"). Dabei besticht der Film vor allem durch Demaskierung des "guten, sanften" Antisemitismus, wenn man mir die sprachliche Paradoxie verzeihen möge. Es geht um gute Menschen, "Gutmenschen" vielleicht, die nicht offen ihren Hass aussprechen. Es geht nicht um "die da", auf die wir in bequemer Selbstgewissheit mit dem Finger zeigen können. Es geht um die, die ihre latenten Vorurteile vielleicht gar nicht bemerken, und es geht um diejenigen, die für ihre Überzeugungen nicht einzustehen bereit sind. Da können wir uns immer fragen: "Bin das nicht vielleicht auch ich?" Viele Beispiele wären zu nennen, wie die Sekretärin, die ihren osteuropäischen Namen ändern musste, um mit einer ansonsten unveränderten Bewerbung Erfolg zu haben (hier ist der Film leider zeitlos) - die aber nichtsdestoweniger Antisemitin ist. Oder Greenes Freundin (Dorothy McGuire), die Greens gemobbten Sohn damit tröstet, dass ER DOCH GAR KEIN JUDE SEI... Lauter kleine und nicht so kleine Nadelstiche gibt es, Green lernt sie zu spüren und wir lernen es auch. Im Aufzeigen der ganzen alltäglichen, oft unabsichtlichen Vorurteile, Diskriminierungen, Demütigungen ist der Film großartig und hochaktuell.

Manches andere ist aber wie gesagt etwas aus der Zeit gefallen. Wie sich Green mit seinem etwa acht- bis neunjährigen Sohn unterhält, ist rührend altmodisch-korrekt. Wie er ihm - als Motiv des Helden und des Film im Grunde sehr wichtig - den Unterschied zwischen Juden und Christen erklärt, halte ich für reichlich unbeholfene Phrasendrescherei (einem Kind in diesem Alter, das in den USA der 1940er Jahre sicherlich die Basics von Jesu Leben und Sühnetod mitbekommen hat, kann man durchaus erklären, dass für die Juden Jesus eben nicht der ersehnte Erlöser ist, sondern dass sie noch heute auf ihn warten. Da geht schon mehr als zu sagen, jeder habe halt eine andere Kirche). Am Ende des Filmes kann man lachen oder weinen. Rührend optimistisch, wiewohl aufrichtig gemeint, ist die Hoffnung, das zwanzigste Jahrhundert werde eines der Versöhnung und des Friedens werden. Sicherlich, das Plädoyer für Toleranz und vor allem Zivilcourage ist überzeugend, irgendjemand muss ja einmal den Anfang machen. Das "Gentlemen's Agreement", dezent zu schweigen ("Tabu der Gerechten")*, muss gebrochen werden. Aber die euphorischen Hoffnungen, die daran geknüpft sind? Gut, hinterher ist man immer klüger, aber da ziehe ich Kazans "Pinky" vor, in dem angesichts der Rassendiskriminierung am Ende ein Blick statt ein pathetischer Monolog sagt: Es wird verdammt schwer, aber es lohnt sich trotzdem.

Ein bisschen irritierend ist ferner, dass von wenigen Szenen mit einem älteren jüdischen Wissenschaftler abgesehen, die Frage, was sich im Inneren des Judentums eigentlich abspielt, so gar nicht thematisiert wird. So wirkt Greens Plan, sich mal eben von jetzt auf gleich als Jude auszugeben, reichlich naiv. Müsste man dem nicht nur mal ein Schweinesteak reichen, um ihn der Lüge zu überführen? Hat er sich auch nur ansatzweise mit dem religiösen Leben und dem Alltagsleben der Juden auseinandergesetzt? Man hat nicht den Eindruck. Aber vielleicht funktioniert das alles ja, weil eben die anderen auch keine Ahnung von Juden haben (sondern sich EINBILDEN, sie genau zu kennen, worauf ja die Vorurteile fußen). Nun denn. Schließlich sei bemerkt, dass Green nicht nur zwischen zwei Stühlen, sondern auch zwischen zwei Frauen steht. Die eine hat von Anfang an das Herz auf dem rechten Fleck und möchte einen Partner, der ebenso tickt. Die andere wird sich als lernfähig erweisen, sie wird Green bekommen. Schade, wenngleich nichts gegen den Spruch zu sagen ist, dass der Kopf rund ist, damit das Denken seine Richtung ändern kann. Aber es fällt in der Rollengestaltung eine scharfe emanzipatorische Gegensätzlichkeit auf. Die eine ist Karrierefrau. Sie hat schon ihren Standpunkt und möchte mit einem Mann zusammen sein, der ihn teilt, da wäre Green eine gute Wahl. Der Mann soll zu ihr passen, zu ihr kommen, sie wählt ihn sich aus, sie macht ihm sogar einen Heiratsantrag! Die andere geht keiner Beschäftigung nach. Sie steht umgekehrt dafür, dass die Frau zum Mann passen, zum Mann kommen muss, sich auf ihn zubewegen muss. Dies wird im Dialog kurz vor Schluss weidlich ausgebreitet. Als für die Emanzipation die Lichter ausgingen... Immerhin haben wir neben den wie immer guten Hauptdarstellern Gregory Peck und Dorothy McGuire einmal eine überragende Celeste Holm, die ansonsten oft hinter den großen Diven zurückstehen musste (Bette Davis in "All About Eve", Ida Lupino in "Road House", etc.). Hier hat sie Charme, Eleganz, souveräne Dominanz, aber dahinter eine berührende Verletzlichkeit, gerade in dem Kinoblick mit dem Heiratsantrag. Leichte Froschperspektive, dunkle Kleidung, eher Low-key-Beleuchtung, das Fordernde, Selbstsichere mischt sich mit der sorgenvollen Ahnung, dass Green vor so viel Weiblichkeit zurückschrecken wird. So brauchen wir neben dem Zeitalter der Versöhnung vielleicht auch noch das Zeitalter der Emanzipation.

*Selten waren der deutsche und der englische Titel so verschieden, aber so passend, zumal deutlich darauf hingewiesen wird, dass es eben NICHT gentlemanlike bzw. gerecht ist, was da so an Duckmäusertum abläuft.
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am 20. November 2015
Natürlich ist die Erwartungshaltung groß wenn es um den besten Spielfilm 1947 geht, einer Darryl F. Zanuck (Chef von 20th Century Fox)-Produktion mit der Crème de la Crème Hollywoods. Und die Erwartung wird nicht enttäuscht. Laura Z. Hobson schrieb das Buch und Moss Hart das Drehbuch zu diesem Klassiker in dem Gregory Peck den Journalisten Green verkörpert, der sich im Auftrag einer Zeitschrift als Jude ausgibt um herauszufinden, welche Reaktionen im täglichen Leben das heraufbeschwört. Wer hätte gedacht, dass der Antisemitismus in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in USA noch so groß ist. Nach der Übernahme dieses Mandats wird Phil Green ständig im Privat- wie auch im allgemeinen Leben mit abstoßenden Reaktionen auf Juden konfrontiert. Fast geht auch noch seine private Liebesbeziehung zu der Lehrerin Kathy Lacy (Dorothy McGuire) in die Brüche. Oft ist Phil Green der Verzweiflung nahe, auch wenn sein alter Freund Major Dave Goldman (John Garfield) ihm immer wieder die Realität verdeutlichen will. Dazu kommt noch die schwere Krankheit seiner Mutter (Anny Revere) und die Fürsorge für seinen Sohn (Dean Stockwell) aus erster Ehe. Elia Kazan hat hier ein Meisterwerk geschaffen, das den Zuschauer bis zum Ende fesselt. Es gab Oscars für Celeste Holm (Moderedakteurin Anne Dettrey), Kazan und für den besten Film 1947. Ein großer Klassiker von Fox (in Schwarz/Weiß), den man nicht versäumen sollte. Als Extras gibt es Kinotrailer und eine Bildergalerie. Bild und Ton sind hervorragend.
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am 13. Dezember 2011
Nach "Wer die Nachtigall stört" für mich der beste Film von Gregory Peck. Dieser gehört zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern und wer seine Filme kennt, weiss warum. Diesen Film sollte man unbedingt sehen, das Thema ist heute noch aktuell und nachvollziehbar.
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am 31. Mai 2011
Das Thema Religion das in diesem Film von Elia Kazan (selbst jüdisch) ist nach wie vor brisant und hat seit seiner Entstehung (1947) nichts eingebüsst.

John Garfield wollte unbedingt eine Rolle übernehmen (auch nur eine Nebenrolle) weil es ihm wichtig war, dieses Thema zu behandeln.

Etliche (jüdische) Studio-Verantwortliche rieten Kazan einst ab diesen Film zu drehen um einen Karriere-Knick vorzubeugen. Das Drama gewann schlussentliche 3 Oscars (Regie, bester Film, Celeste Holm als beste Nebendarstellerin) plus Nomination: Screenplay, best editing, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin, beste Nebendarstellerin. - Elia Kazan dreht danach weitere in die Klassiker wie "Jenseits von Eden".

In einer Nebenrolle als Tommy: Dean Stockwell, welcher ein bekannter Kinderdarsteller war und mit "Quantum Leap", "JAG", "Battlestar Galactica" noch immer gut im Geschäft ist.

Trivia: wer gut aufpasst kann in der Anfangs/Strassenszene wo Gregory Peck mit Filmsohn Dean Stockwell New York besichtigt die ""Street Scene (aka Sentimental Rhapsody)" von Komponist Alfred Newman hören, die er 1931 komponierte und 1953 für "How to marry a millionaire) erneut verwendete.

DVD-Ausstattung: - leider wurde gegenüber der US-DVD (Code 1) auf sämtliches Bonusmaterial verzichtet (Audio-Kommentar, Dokumentation) = 2 Sterne Abzug!!!

Bild-Qualität ist hingegegen sehr gut sowie auch der Ton dem Alter entsprechend und sehr gut verständlich.

Fazit: top gespieltes Drama und wirklich noch immer sehenswert.
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am 2. November 2014
Wir schreiben das Jahr 1947, der Krieg ist seit ca. 2 Jahren vorbei, die Truppen werden nach und nach demobilisiert. Amerika hat den Krieg gewonnen, das kann man so sagen und viele sagen auch, es sei ein gerechter Sieg in einem gerechten Krieg gewesen. Nazi-Deutschland wurde besiegt, das Land besetzt, aufgeteilt und die schrecklichen Gräuel, die die Deutschen in den Konzentrationslagern an den Juden, an Roma und Sinti, Homosexuellen und politischen Gefangenen - vor allem aber an Millionen Juden - begangen hatten, waren der Welt entlarvt worden. Die Nachkriegszeit verspricht eine prosperierende Wirtschaft, dem Land - also den USA - scheint eine lange Periode ökonomischen Aufschwungs bevorzustehen. In diese Atmosphäre - allerdings getrübt von einer politischen Paranoia des Antikommunismus, die sich vor allem in den Umtrieben eines Joseph McCarthy und seines Ausschusses für unamerikanische Umtriebe (HUAC) bemerkbar macht - setzt Elia Kazan mit seinem Film GENTLEMAN`S AGREEMENT (Originaltitel) ein massives Zeichen, daß auch die Gesellschaft der Vereinigten Staaten ihren Anteil an jenen verborgenen Kräften hat, die sie vergiften können, z.B. Antisemitismus. Ein Schlag ins Gesicht eines Landes, das sich seines Liberalismus, seiner Offenheit allen religiösen und sogar rassischen Gruppen so sicher ist (und natürlich auch an anderer, wesentlicherer Stelle wegschaut, gerade was den Rassismus angeht).

[ACHTUNG: SPOILER]
Der Witwer Phil Green (Gregory Peck), Journalist und Schriftsteller, kommt mit seinem Sohn Tommy (Dean Stockwell) und seiner Mutter (Anne Revere) nach New York City, wo er einen Job bei einer angesehenen Zeitung antritt. Sein Chef, Mr. Minify (John Dekker) möchte eine große, landesweit beachtete Serie über den auch an der liberalen Ostküste verbreiteten Antisemitismus. Minify versteht sich als Hüter des Liberalismus und will seine Landsleute aufrütteln. Green scheint ihm genau der richtige Mann dafür, ist sein Zugriff auf Themen doch ein ebenso emotionaler wie auch mutig Wahrheiten aussprechender, weniger ein Hantieren mit Zahlen und Namen. Doch Phil findet keinen rechten Zugang zum Thema, zumal er einsehen muß, daß er als Nichtjude nie wird nachvollziehen können, was ein Jude fühlt, der sich massiven Angriffen ausgesetzt sieht. So überlegt Phil, seinen alten Schulfreund Dave Goldman (John Garfield), einen Juden, zu interviewen und findet dann doch auch diese Lösung unbefriedigend. Während er also versucht, sich seinem Thema zu nähern, ergibt sich eine Romanze mit der Nichte seines Chefs, Kathy Lacey (Dorothy McGuire), die ein ebenso behütetes wie sorgenfreies Leben in der Upper Class führt. Einziger Makel: Sie wurde geschieden, was ihren "Marktwert" gehörig herabsetzt. Phil ist dies egal. Die beiden verlieben sich ernsthaft ineinander und verloben sich, die Hochzeit ist geplant. Und dann kommt Phil endlich der entscheidende Einfall, wie er die Serie schreiben kann: Er gibt sich ab nun als Phil Greenberg aus, also als Jude. Und so ziemlich sofort macht er Erfahrungen, die er niemals erwartet hätte: Er wird geschnitten, er wird Opfer kleiner Be- und Anmerkungen - so unterstellt ihm ein Kollege, er sei sicher "clever" genug gewesen, den Krieg statt auf dem Schlachtfeld in der Etappe zu verbringen - und schließlich muß er die Erfahrung machen, daß sogar das Hotel, wo er und Kathy ihre Flitterwochen verbringen wollten, keine Juden duldet. Dave taucht auf, offiziell noch in der Armee und im Rang eines Oberst, hat er Aussicht auf eine Stelle in New York, muß dafür aber eine Unterkunft für sich und seine Familie finden, was sich in einer boomenden Metropole und als Jude schwierig gestaltet. Eines Tages kommt Tommy weinend heim: Kinder auf der Straße haben ihn mit antisemitischen Schimpfworten belegt. Kathy - mit der Phil wegen seiner Serie bereits zweimal aneinander geraten ist, findet sie doch, seine Verstellung ginge zu weit - versucht Tommy zu trösten, indem sie ihm sagt, daß er doch gar kein Jude sei, was bei Phil erst recht Zorn hervorruft. Er kann seinen Sohn beruhigen und ihm erklären, daß nicht Juden schlecht seien, sondern grundsätzlich jene, die andere aufgrund derer Religion oder Rasse angriffen. Dann stellt er Kathy zur Rede. Es kommt zu einem heftigen Streit, ind essen VErlauf Phil feststellen muß, daß sein Verdacht nicht ganz unbegründet war: Kathy ist zwar keine Antisemitin (und beruft sich immer wieder darauf, daß sie ursprünglich den Anstoß zu der Serie gegeben habe), doch sind in ihren Kreisen Juden eben auch nicht gern gesehen. Schon eine Party, die ihre Schwester in Connecticut für die beiden gab, war Anlaß für Streitereien, jetzt brechen die Konflikte offen aus. Es gäbe eben ein Gentleman's Agreement, daß man in Neuengland unter sich bliebe: Juden, Puritaner, Katholiken. Kathy besitzt ein Haus dort oben und will sich mit Phil dort niederlassen, doch müsse der eben seien Maskerade aufgeben. Für Phil ist dies ein Trennungsgrund. Phil schließt die Serie ab und teilt seinem Chef mit, daß er zurück nach Kalifornien ginge. Seine Kollegin Anne Dettrey (Celeste Holm), die ihm in ihrer kumpelhaften Art, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, zu einem echten Freund in der Redaktion und der Stadt geworden ist, lädt Phil zu einem Abschiedstrunk zu sich ein und offenbart sich ihm dort: Sie hält Kathy nicht für die Frau an Phils Seite, da sie zu eben jenen Menschen gehöre, die immer klug redeten, nicht jedoch handelten. Während Anne Phil ihre Liebe für ihn offenbart, trifft sich Kathy mit Dave. Es gelingt ihm, ihr den Unterschied zwischen betroffenem Schweigen und entschiedenem Aufbegehren gegen antisemitische Äußerungen oder Witze verständlich zu machen. Er kommt heim in Phils Wohnung, wo er in seiner Zeit in New York lebt und ruft seinen zukünftigen Arbeitgeber an: Er habe nun eine Bleibe für sich und seine Familie gefunden und könne den Job annehmen: Kathy hat ihm ihr Haus in Connecticut zur Verfügung gestellt und sei bereit, in der Zeit, die er dort mit seiner Familie lebe, sich zur Verfügung zu halten, um ihn gegen etwaige Anwürfe zu schützen. Phil sieht, daß sie begriffen hat und eilt, sie in seine Arme zu nehmen.

Elia Kazan, dessen eigene Vita sicherlich genug Anlaß und Stoff für ein großes, episches Drama liefern würde, inszenierte dieses recht geschickt konstruierte Drama um Antisemitismus und darüber, wie er bis in die privatesten Bereiche vordringen und sein Gift verabreichen kann und gewann damit seinen ersten Oscar als Regisseur. Er selbst hat sich später von dem Film distanziert und gesagt, er stelle lediglich eine Art "Lightversion" von Antisemitismus dar, nicht den wirklich üblen, gefährlichen, eliminatorischen, der zum Holocaust geführt habe. Das ist soweit auch richtig, es mutet auch etwas seltsam an, daß im ganzen Film, in dem der Krieg auf geschickte Art und Weise gegenwärtig ist, das, was in Nazideutschland geschehen war, nicht erwähnt wird. Allerdings ist anzunehmen, daß der Film mit seinen eher ruhigen und weniger mit einer Moralkeule daherkommenden Thesen weitaus mehr Amerikaner unangenehm zu berühren wusste, als wenn er einen extrem aggressiven und verbrecherischen Antisemitismus ausgestellt hätte. Von dem nämlich wäre es sicher ein Leichtes gewesen, sich zu distanzieren. Dadurch, daß der Film sich ausschließlich auf den leisen, fast nicht spürbaren Antisemitismus der Liberalen und sich aufgeklärt Wähnenden konzentriert, sticht er natürlich mitten in die Wunde.

Und das funktioniert in einer ganzen Reihe von Szenen hervorragend. Sei es jene schon erwähnte, in der Phil Green "Cleverness" unterstellt wird, die allerdings auch zugleich Feigheit impliziert, und damit ein altes antisemitisches Klischee bedient; sei es jene in dem Hotel, wo nahezu jeder der in der Hotelhalle versammelten hohen Herrschaften innehält, während Phil versucht, seine Zimmer zu buchen und der Manager ihm mehrmals anbietet, ein Zimmer in der Bahnhofsabsteige zu mieten; sei es jene Party in Connecticut, wo Phil nach und nach merkt, daß einige der angesehenen Ansässigen offenbar nicht aufgetaucht sind - das Buch von Moss Hart weist eine ganze Reihe dieser genau beobachteten kleinen Stiche und Verletzungen auf, die in der Summe so schmerzhaft sind. Zugleich werden die Widersprüche, die der Antisemitismus in sich schon beinhaltet - z.B. jener, die Juden seien eine Rasse - aufgegriffen und vorgeführt. Dave, der wie der Phil auf einer Party vorgestellte Professor Liebermann (Sam Jaffe), allen Anfeindungen zum Trotze sowohl seinen Lebensmut als auch seinen Humor bewahrt hat, wird meist in Uniform gezeigt. Er wird also klar ausgewiesen als einer jener Männer, die für Amerika gekämpft haben und dennoch in ihrer Heimat Vorurteilen ausgeliefert sind, die denen der vormaligen Gegner ähneln. Insofern kann man es auch als einen geschickten Zug des Scripts sehen, den Krieg, den Holocaust, die Lager eben nicht zu erwähnen, sondern den Zuschauer die Zusammenhänge und Widersprüchlichkeiten mit dem 1947 noch sehr frischen Bewußtsein um die Schrecken der KZ selbst herstellen und ableiten zu lassen.

Es ist wohlfeil, einem Film von 1947 mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts beizukommen und ihm dann seine Ambitionen vorzuwerfen. Ganz sicher ist der Film ambitioniert, möglicherweise sogar überambitioniert. Man merkt dem Buch und der Regie an, daß sie ihr Thema enorm wichtig nehmen und ihm ernsthaft auf den Grund gehen wollen. Dabei entstehen an einigen Stellen inszenatorische Schwächen: Die Exposition ist viel zu lang, der Film braucht fast 30 Minuten, bis Phil Green seine rettende Idee hat, sich selber als Jude auszugeben. Erst danach wird er spannend und der Zuschauer folgt auch erst ab diesem Zeitpunkt bereitwillig. Zuvor hat man es mit einer Romanze zu tun, die eine überkandidelte Neuengländerin und einen unglaublich gut aussehenden Gregory Peck zeigt und zunächst anmutet wie die leichte Version einer Screwballcomedy. Die Romanze war von Kazan so auch nicht gewollt - zumal sie ihn zu einem Happy End zwang, daß er ebenfalls für unangemessen hielt - doch der ausführende (und federführende - wir befinden uns 1947 mitten in den ausgehenden Glanzzeitend es Studiosystems in Hollywood) Produzent Darryl F. Zanuck, dem der Film ein persönliches Anliegen war, setzte die Liebesgeschichte durch. Man kann darüber streiten, ob das eine glückliche Wendung war, auf jeden Fall wird eine weitere Dimension eröffnet, indem der Film durchaus in der Lage ist, das Gift des Antisemitismus auch innerhalb einer Familie darzustellen. Der Hauptkritikpunkt bleibt die Tatsache, daß man sich von allem Anfang der Story an fragt, warum der ach so aufgeklärte, liberale und freigeistige Mr. Minify eigentlich keinen Schreiber jüdischen Glaubens auf die Serie ansetzt? Zwar kann so ein WASP in Reinkultur einmal erfahren, was es bedeutet, ständigen Ressentiments ausgesetzt zu sein, doch hätte Phil nicht die Idee, sich als Jude auszugeben, wäre es genau dazu ja nie gekommen. So bedient sich der Film eines Kunstgriffs, der selbst schon seltsam anmutet.

Man sollte nicht eine gute Sache gegen eine andere, einen guten Ansatz gegen einen anderen ausspielen, doch stellt sich durchaus die Frage, ob es auch 1947 nicht durchaus Themen gegeben hätte - den Rassismus gegenüber Schwarzen beispielsweise - die noch drängender gewesen wären, als der Antisemitismus. Doch in den Grenzen dessen, was in einem Hollywoodfilm im Rahmen der herrschenden Produktionsbedingungen möglich war, muß man doch bewundernd feststellen, wie weit GENTLEMAN`S AGREEMENT geht, wie deutlich er sein Anliegen vorträgt, wie kompromißlos er jene anprangert, die sich liberal geben und die rechten Worte im Munde führen, sich jedoch vornehm aller Taten enthalten. Es ist ein A-Film mit damals neben Peck gängigen Stars, der mit großem Aufwand hergestellt wurde. Daß andere Filme des gleichen Jahrgangs - genannt sei beispielhaft der Noirthriller CROSSFIRE, den Edward Dmytryk mit Robert Young, Robert Ryan und Robert Mitchum drehte - sich ebenfalls des Themas annahmen und dabei möglicherweise weiter zu gehen bereit waren, fällt daneben leider kaum mehr ins Gewicht. Dabei kann man GENTLEMAN`S AGREEMENT durchaus bescheinigen, daß er trotz einiger Nominierungen und der erhaltenen Oscars als bester Film und für die beste Regie, nicht zu Kazans wirklichen Glanzleistungen zu zählen ist. Inszenatorisch hat er nicht die Kraft von A STREETCAR NAMED DESIRE (1951), ON THE WATERFRONT (1954) oder AMERICA , AMERICA (1963). Und anders als zumindest die erstgenannten Filme, hat er die Zeit auch nicht wirklich gut überdauert. Heute würde man sich des Thema vollkommen anders annehmen. Doch bleibt der Film ein gutes Beispiel dafür, daß Hollywood auch in seiner klassischen Ära immer schon ebenso sozial wie gesellschaftlich und politisch bewußte Filme hervorbrachte, die Statements zur Befindlichkeit der amerikanischen Gesellschaft abgaben und durchaus Einfluß hatten.

So sind 4 Sterne eine durchaus angemessene Bewertung, gelingen dem Film doch differenzierte Beobachtungen und Einschätzungen.
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