holidaypacklist Hier klicken Jetzt informieren BildBestseller Cloud Drive Photos Learn More madamet HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip GC FS16

Kundenrezensionen

3,2 von 5 Sternen163
3,2 von 5 Sternen
Format: DVD|Ändern
Preis:12,69 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 3. März 2011
Arte war so freundlich den Film heute zu zeigen - und ich muss zugeben - ich bin völlig begeistert!

Sicher mag so mancher mit einer komplett anderen Erwartungshaltung in Hinsicht auf die reale, historische Person enttäuscht davon sein, dass diese Verfilmung eines Teilabschnitts ihres Lebens bewusst aus künstlerischen Gründen eine ganz andere Art der Erzählweise und Wahrnehmung der Abläufe für den Betrachter gewählt hat...aber genau das macht diesen Film zu etwas Besonderem und hebt ihn aus der Masse von Filmbiografien deutlich heraus!

Der Film ist sehr spirituell und ich nehme bewusst als Zuschauer die feine Hand und das Gespür der Regisseurin Sofia Coppola wahr, genau diese Feinheiten, Momentaufnahmen, Perspektiven und Facetten zu zeigen, sowie die ganze Art und Weise, wie das Erzählen erfolgt, wie die opulente Ausstattung eingesetzt wird, die Kameraführung, die Auswahl der Gebäudesilhouetten, die farblichen Eintönungen der Atmophäre usw. - vor allem in der Szene, wo der Sarg per Kutsche abgeholt wird.

Das Leben schien für die Hauptprotagonistin wie ein Bilderrausch, getrieben von Sehnsucht, Liebe, Leidenschaft aber auch Langeweile, Hilflosigkeit und Ohnmacht, sich selbst richtig zu erkennen oder was um sie herum innerhalb dieser Verhältnisse geschieht, eine Welt, in der das junge Mädchen Marie Antoinette von Anfang an gefangen war, ohne wirkliche Chance da irgendwie raus zu kommen. Sie hatte nur eine begrenzte Wahrnehmung und geringe Handlungsmöglichkeiten und hat versucht so gut wie möglich damit umzugehen, innerhalb einer sehr kleinen, alles andere außerhalb ignorierenden Welt. Ihr Schicksal war deshalb von Anfang an besiegelt...sie wusste es nur noch nicht. Oder ahnte sie es doch schon irgendwie? Es lag die ganze Zeit während des Films quasi in der Luft, dass es da draußen ein Volk geben muss, welches leiden musste, um den Prunk und Protz dieser reichen, königlichen Scheinwelt zu erhalten. Von all dem erfährt man zunächst gar nichts...bis das dicke Ende kommt. Der Adel als gesellschaftliche Form von Fetischkonstitution, welche die Macht im Land verkörpert und der aller Reichtum zufließt, wurde selten so gut ins Bewusstsein gerückt wie hier - gerade durch diese spezielle Erzählweise.

Ganz großes Kino, finde ich!!!

Abgesehen davon hat mich die Musik richtig geflasht!!! New Order, Bow Wow Wow, Siouxsie & The Banshees, sogar Adam & The Ants passten wie die Faust auf`s Auge und verliehen den entsprechenden Szenen eine eigene Magie und Dynamik, die heutige Gothic-Liebhaber (wie mich) sehr ansprechen dürften...! So ist die DVD eine prima Möglichkeit, sich diesen Film immer mal wieder ansehen zu können.

Ein echtes Highlight - wie gesagt ganz besonders für Ästhetik- und Gothic-Liebhaber!!!
22 Kommentare|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
An Sofia Coppolas eigenwilliger Version eines Historienfilms scheiden sich die Geister. Ihr Film wird gerne missverstanden und rasch als langweilig abgetan, doch man muss anerkennen, dass ihr mit "Marie Antoinette" ein eigenständiges, wenn auch polarisierendes Kunstwerk gelunge ist.

Es handelt sich hierbei um eine interessante, sozusagen "hippe" Alternative zum klassischen Historienfilm, dem sie mit ihrer frechen und selbstbewussten Regie einen frischen Anstrich verleiht.
Der moderne Bezug, den die Filmemacherin erreichen will, wird schon direkt im Vorspann deutlich, als der Song "Natural's Not In It" der Band Gang of Four erklingt. Der Einsatz moderner Popsongs stößt vielen Zuschauern vor den Kopf und kann durchaus befremdlich wirken, doch das ist nun mal letzlich reine Geschmacksache. Ich finde, dass Coppola die Songs auf leichtfüßige und mühelose Art einbaut und auch nie etwas erzwungen wirken lässt.

Die Gegenüberstellung der häufig modernen Musik mit der historischen Thematik gibt dem ganzen natürlich einen interessanten Bezug mit der heutigen Realität, die von den im Film dargestellten Themen wunderbar korrespondiert.

Coppola geht es offensichtlich nicht um eine akurate Darstellung der Geschichte und den politischen Ereignissen der damaligen Zeit. Sie erzählt die Geschichte ganz und gar aus den Augen der jungen Frau, die regelrecht von Österreich nach Frankreich importiert wurde.
Kirsten Dunst trifft mit dieser Rolle den Nagel absolut auf den Kopf, sie spielt völlig unbeschwert und hinreißend. Gerade ihr tolles Spiel sollte es besonders jungen Zuschauern ermöglichen, sich mit dieser Person zu identifizieren, deren Bedürfnisse und Charakterzüge zeitlos erscheinen.

Ihre Entfremdung und Einsamkeit und ihre Versuche dieser seltsamen Welt zu entfliehen, ist wunderbar umgesetzt (ähnlich wie in Coppolas wundervollem, bedeutend besseren "Lost in Translation"). Sie ist im Prinzip ein ganz gewöhnliches Mädchen, das in eine fremde Welt gestoßen wird und diese, ganz auf sich alleine gestellt, bewältigen muss.

Auch Jason Schwartzman als Ludwig XVI. gibt eine tolle Figur, seine Verklemmtheit und Verunsicherung ist stellenweise urkomisch.

Der Film ist deutlich mehr am höfischen Zeremoniell interessiert als an der Historie. Coppola beobachtet das Leben am Hof, die höfischen Rituale mit scharfem Auge, wodurch sie deren Absurdität entblößt. Die steif wirkende Etikette sorgt auch für manchen Lacher.

Auch die Bezüge zur damaligen Gerüchteküche sind sehr interssant, der berühmte Spruch Marie Antoinettes, dass das Volk doch Kuchen essen soll, wenn sie kein Brot haben, wird als Lüge dargestellt. Parallen zur modernen Klatschpresse, deren Lügengeschichten so manchen Prominenten kaputt machen sind sicherlich nicht ungewollt.

Die Ausstattung ist jedoch zweifelsohne das Highlight des Films: Die exquisiten Dekors führen den Zuschauer direkt in das höfische Leben von Versailles zurück. Natürlich spielen die Originaldrehorte dabei eine entscheidende Rolle, die auf naturalistische und nicht übertriebene Weise eingefangen werden. Die atemberauben Kostüme, für die Milena Canonero mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, sind eine wahre Augenweide.

Coppola kreiert ein ungemein sinnliches Ereignis, man hat regelrecht das Gefühl, die ausgefallen Törtchen schmecken und das Puder der Perücken riechen zu können. Alleie deswegen ist "Marie Antoinette" sehenswert.

Der Film ist also definitiv schön anzusehen und hat einen außergewöhnlichen, unkonventionellen Stil. Er funktioniert auch sicherlich im Bezug auf Coppolas Ambitionen, Parallelen zur Moderne herzustellen (an einer bestimmten Stelle sind sogar versteckt Converse Schuhe zu sehen), jedoch lässt die dargestellte Oberflächlichkeit den Film ein wenig kalt wirken. Dennoch ist "Marie Antoinette" ein guter Film, man muss ihm nur offen begegnen.
0Kommentar|35 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Juni 2012
"Marie Antoinette" ist ein Film, den man nicht wegen seiner mitreißenden Handlung oder tiefschürfenden Botschaft genießt, sondern einfach deshalb, weil er so ... hübsch ist. Alles darin, diese Mischung aus moderner Musik, schönen bis schrillen Kostümen, extravaganten Frisuren und einer sehr aparten Hauptdarstellerin, ist so dekorativ und süß wie ein Karton Macarons in allen Regenbogenfarben - wenn sich auch gegen Ende eine bittere Note hineinschleicht.
Marie Antoinette, verschrieen als eine herzlose Prasserin, wird hier als ein naives Mädchen gezeigt, das im Glanz des französischen Königshofes allmählich erstickt. Die Tragik wirkt allerdings nicht so herzzerreißend wie in dem (sehr empfehlenswerten!) Film "Die Herzogin" mit Keira Knightley, der von der Handlung her ähnlich ist; das liegt vermutlich auch daran, dass alles Hässliche in "Marie Antoinette" möglichst gering gehalten wird, um den Augen- und Ohrenschmaus nicht zu verderben. Die Dialoge sind sehr spärlich, es gibt viele ruhige bis statische Szenen: Marie Antoinette und ihr Gemahl frühstücken schweigend, Marie Antoinette liegt in der Badewanne, Marie Antoinette sitzt mit ihrer kleinen Tochter auf einer Blumenwiese.
Wer unbedingt einen richtigen Spannungsbogen braucht, wird sich nach dem ersten, noch relativ dynamischen Drittel des Films möglicherweise langweilen. Wer sich aber wie ich gerne von schönen Bildern und schöner Musik unterhalten lässt, den wird diese bonbonrosa verpackte, innerlich eisige Traumwelt sicherlich faszinieren!
0Kommentar|20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Juni 2012
auch wenn sofia coppolas (das geheimnis ihres todes,lost in translation) film keinen zweifel daran läßt, dass der hübsche leichtkopf titelgebender königin (kirsten dunst) zunächst eher aufgrund unmäßigen champagnergenusses bleiern hängt und nicht, weil die zu herzen genommene schwere der absolutistischen souverenität ihn belastet. viel eher noch erdrückt da die - für eine etwas vernachlässigte unter vielen österreichischen prinzessinnen gänzlich unerwartete - last der familiären verantwortung als bürde der überlebensgroßen mutter kaiserin (mit mehr als einem mütterlichen augenzwinkern besetzt: marianne faithful).

der film sucht also stets sympathisierende nähe zur bisweilen arg von der historie verfehmten person ihrer mäjestät. so er denn überhaupt die historische person ihrer majestät sucht. trotzdem der film auf antonia frasers eher geschwätziger biographie "the journey" basiert, scheint die amtlich-politische person der regisseurin nämlich größtenteils schnuppe, vielleicht weil ihr die politik begrifflich zu nahe bei der political correctness liegt. und absolut unkorrekt im sinne der vergilbten normen für einen kostümierten erzählfilm ist dieses stück hier allemal, nur darf der zuschauer sich wundern, wie zart und barbie-pink maskiert der punk daher kommt. denn coppola widmet sich viel lieber dem sujet, das ihr am nächsten liegt, und in welchem sie uneingeholte expertin ist: absolut stilsichere, traumwandlerisch feinfühlige studien weltenverlorener charaktäre aus (ab)gehobenen gesellschaftsschichten.

wenn da nun der professionell kritisierende vorwurf laut wird, dass die regisseurin "beim impressionistischen ansatz aus ihren beiden vorherigen filmen bleibt, der in den überwältigenden kulissen allerdings weniger verträumt als kraftlos wirkt", hört sich das, geht es nach mir, viel mehr an, als sei es ihr eben doch auf geradezu kongeniale weise geglückt, das bild, das man heute von der kronprinzessin' charakter in ihrem reduntanten, absolutistischen zeremoniellen unterworfenen leben hat, einzufangen. und dies in form eines filmpoems mit schwelgerisch pastellener ausstattung, einer sowohl als pomp wie auch auf understatement setzenden bildauswahl und haargenauer musikselektion, die von den emotionalen "reisestopps" der behandelt werdenden personen erzählt, wo es die offen-sichtlichen hofeindrücke verschweigen.

angemerkt sei an dieser stelle vielleicht noch, dass der vergleich zu den heutigen societygören nur insofern trifft, als man damit nicht geschmacksbeleidigend grelle blödblinsen und moralbefreite luxusproletten wie oft beschworene paris hilton meint, sondern den bogen vielleicht zu bohemeren it-girls wie coppola und dunst selbst spannt. denn es besteht meines erachtens nach ein immerhin bemerkenswerter unterschied zwischen leicht- und hohlköpfig. dementsprechend auch der das publikum anerkennend fordernde (im gegenteil zu: langweilende) ansatz, nicht effektheischerisch darzustellen, was eh jeder weiss, nämlich wie die königin denn nun in radikaler problembehandlung schlußendlich von ihrer kopflast befreit wird, sondern allgemeines wissen zum näheren verständnis des filmes voraussetzen.

jedenfalls würde ich es den paris hiltons dieser welt nicht zutrauen, diese umwerfende und umwerfend charmante schwermut, chucks, platons höhlengleichnis (ja, tatsächlich, wer hätte das gedacht, erkenntnistheorie in einem film, der vornehmlich für seine - übrigens eher ungelungenen - manolo blahnik schuhe bekannt ist), britischen new-wave-post-punk und das ancien régime derart passgenau, radikal und doch sanft-humorig unter einen hut der zurecht oscar-prämierten kostümbildnerin milena canonero (barry lyndon, der pate) zu bringen.

allein für diese leistung 5 zacken aus der krone mit jeweils einem draufgespießten petit four.

PS: sollte aber nun der geneigte zuschauer doch die historisch verbürgtere person der regina non grata suchen, so versuche er es einfach mit dem sonst eher mediochren "das halsband der königin", der streift besagte dame zwar kurz, aber treffend und ebenso gut gekleidet. wem das immernoch zu wenig dramatisch und unrevolutionär ist, der probiert vielleicht das gleichnamige alte MGM vehikel nach stefan zweigs "bildnis eines mittleren charakters", der, von der kritik liebevoller behandelt, zwar mit dem buch und der politik genauso wenig zu tun hat, aber genauso überwältigende kulissen und kostüme in zeitgemäß hyperdramatischem zuschnitt bietet. ein neuzugang in den filmischen auseinandersetzungen mit der "autrichienne" bietet benoit jaquots "leb wohl, meine königin!" mit einer am rande des nervenzusammenbruchs entlanglächelnden diane krüger in nämlicher rolle. jedoch muss der zuschauer, obwohl der film aus der perspektive einer bediensteten geschildert wird, auch hier einen ähnlich beschränkten winkel mit fehlendem blick durch das gitter des güldenen käfigs in kauf nehmen, in puncto kostüm, tempo, detailschärfe und teifgang seine erwartungen aber erheblich drosseln.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Oktober 2014
In den Rezensionen findet man doch viele verstörte Stimmen, was die teilweise poppige Aufmachung des Filmes soll. Ich muss zugeben, dass mich das selbst sehr lange davon abgehalen hat, mir diesen Film anzusehen. Nicht, weil ich Sissi-Kitsch mag, sondern weil ich gerade bei historischen Filmen doch viel Wert auf eine gewisse Authentizität lege. Naja irgendwann habe ich mich dann doch getraut und muss sagen: Sofia Coppola hat Historisches und Modernes perfekt miteinander verknüpft. Dass die Filmmusik aus Pop besteht, fällt überhaupt nicht störend auf. Die Stücke sind gut in die jeweiligen Szenen eingefügt. Auch moderne Elemente wie Macarons oder "Chucks" kommen einem in dem bunten Ensemble gar nicht fremd vor - obwohl sie es sind.

Soviel zur Umsetzung. Marie Antoinette ist zweifellos eine der umstrittensten Figuren der französischen Geschichte. Als Ausländerin fällt es leicht, ihr die Hauptschuld für die Entwicklungen zu geben, die schließlich zur Revolution geführt haben. Aber, und das ist der Kern dieses Films, Marie Antoinette und König Louis XVI. waren nicht einmal 18 Jahre alt, als sie den Thron bestiegen. Vorbereitung spielte am dekadenten Hof von Versailles keine Rolle und so wurden die beiden sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen. Und ist es nicht nachvollziehbar, wenn eine Frau sich vor ihrer Kinderlosigkeit in Verschwendungssucht und Vergnügen stürzt? Soll natürlich nicht heißen, dass das Königspaar nichts falsch gemacht hat. Aber der Film beleuchtet doch ganz gut, wie man Schuld an fatalen Entwicklungen haben kann ohne dass dahinter böse Absichten standen.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Oktober 2013
Letztlich ist es insbesondere dieser eine Satz, der sich auf ewig ins Gedächtnis der Nachwelt brannte: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!" Eine ebenso zynische wie unsensible Botschaft, gerichtet an ein Volk, in dem es vor allem Hunger und Hass im Übermaß gibt. Marie Antoinette wird dieser Ausspruch zugeschrieben, wenngleich sie jene Worte wohl so nie gesagt hat. Zumindest kommen Historiker wie die Biografin Antonia Fraser (deren Buch der Film in Teilen adaptiert) mittlerweile zu diesem Schluss. Vielmehr handele es sich um ein mit Wonne lanciertes Gerücht, das wahrscheinlich auch deswegen in der Erinnerung verhaften blieb, weil es wunderbar passte: zu der blinden Arroganz der Macht, der Unbeweglichkeit der Ständegesellschaft, der Ignoranz der Monarchie gegenüber dem aufkommenden Elend und dem eklatanten Missverhältnis zwischen den dekadenten Eliten in Versailles und einer in Armut versinkenden Bevölkerung. Bezeichnend für das Leben der letzten Königin des Ancien Regime ist dieser Satz allemal, denn die jüngste Tochter der Habsburger Herrscherin Maria Theresia blieb am französischen Hof immer eine Fremde, eine Wienerin, der man stets misstraute und vieles unterschob, ein pompös herausgeputzter Sündenbock in einem schon seit langem heruntergewirtschafteten Land. Bereits die allererste Szene nutzt Sofia Coppola zu einem provokanten Spiel mit jener ominösen Kuchen-gegen-Brot-Formel: Wir sehen Marie Antoinette, wie sie in lasziver Pose auf einer Chaiselongue liegt, mit dem Finger durch eine pinkfarbene Zuckercreme-Torte fährt und einen verstohlenen Blick in Richtung Kamera wirft. Exquisites Hefegebäck anstelle des gewöhnlichen Brots - als ließe sich eine Staatskrise so einfach lösen! Dass dieses von der Geschichtsschreibung inzwischen leicht korrigierte Bild direkt an den Beginn des Films gesetzt wird, kommt nicht von ungefähr, denn auch Coppola versucht im weiteren Verlauf, das berüchtigte Image der Stilikone des Rokoko ein bisschen aufzubrechen, indem sie ein intimes psychologisches Porträt zeichnet, das zugleich in einer bonbonfarbenen Phantasie eine moderne Version von Marie Antoinette herbeifabuliert. Dabei tritt die auf wissenschaftlichen Quellen basierende Rekonstruktion dieser Epoche weit hinter die tiefere Ausleuchtung der nur lückenhaft überlieferten Ängste und Sehnsüchte einer jungen Frau zurück, die nie um jene Rolle, die sie so dürftig ausfüllte, gebeten hat. Bereits im Alter von 14 Jahren wird die unbeschwerte Nymphe mit dem Bourbonen Louis-August verheiratet, um den Frieden zwischen Frankreich und Österreich zu sichern. Die Übergabe des unerfahrenen Mädchens erfolgt auf neutralem Gebiet in einem Pavillon im Wald, wo man die verschüchterte Maria Antonia unter der Aufsicht der sittenstrengen Comtess de Noailles vollständig entkleidet und anschließend in französische Gewänder steckt - ein Akt, mit dem die Initiation zur Dauphine endgültig besiegelt wird. Doch dies ist nur der Anfang einer ganzen Kette von höfischen Ritualen des Ankleidens, Speisens und Gebärens, die von Coppola zwar in einer etwas burlesken Überdehnung dargestellt werden, aber nicht die Grausamkeit verbergen, die mit der gewaltsamen Enteignung des Körpers einhergeht.

Als besonders schwierig gestaltet sich fortan die Zeugung eines Thronfolgers, da der seltsam apathische Ludwig XVI. keinerlei Interesse an seiner Frau zeigt, wobei man nicht genau weiß, ob nun seine religiöse Erziehung, mangelnde Aufklärung oder doch eine Phimose die Ursache seines Versagens bildet. Die in staatspolitischer Sorge erstarrende Öffentlichkeit gibt wiederum seiner Gemahlin die Schuld am Nichtvollzug der so leidenschaftslosen Ehe, die daraufhin ihre Frustration in nahtlos ineinanderfließende Konsumorgien, Maskenbälle, Opernbesuche, pfauenbunte Modeexzesse und Vergnügungen am Spieltisch ertränkt. Zum Symbol der monströsen Verschwendungssucht wird der kolossale Haarturm, der dermaßen übertrieben mit kitschigen Accessoires dekoriert ist, dass man denken könnte, die Königin sei kopfüber in ein Kinderzimmer gefallen. Mit diesem Verhalten bereitet Marie Antoinette den Nährboden für die wildesten Gerüchte der Klatschpresse. Selbst die lang ersehnte Erfüllung ihrer dynastischen Zeugungspflichten kann ihren Ruf nicht mehr retten. Zum Vorboten des Niedergangs wird der Tod des dritten Sprösslings, der zeitlich fast genau mit dem Sturm auf die Bastille zusammenfällt. Der legendäre Marsch der Marktweiber nach Versailles (im Oktober 1789) führt die Handlung auf ihrer elliptischen Bahn an den Ausgangspunkt zurück. Das aufgebrachte Volk dringt bis in die Gemächer des Königspaares vor, um dem Potentaten persönlich zu sagen, was es will: Brot. Damit schließt sich auch die Klammer des Films. Die verwüsteten Räume werden zum Sinnbild eines entweihten Mikrokosmos, in dem die Lust an der Zerstreuung ab jetzt dem Blutrausch der Revolution weichen muss; die illusorische Scheinwelt der Genüsse zerplatzt an der wirklichen Wucht der physischen Zerstörung. Noch in der Morgendämmerung wird die Monarchenfamilie nach Paris in die Tuilerien überführt. Die Kutschfahrt endet mit einem abrupten Schnitt, der dem einer sausenden Guillotine gleicht.

Das mag auf den ersten Blick alles ein wenig relativierend, wenn nicht gar revisionistisch erscheinen, doch man darf dieses Sittengemälde nicht als historisch akkurates Biopic sehen (was die vielen Modifikationen in Ausstattung und Drehbuch auch gar nicht zulassen), sondern eher als Teil einer Reihe melancholischer Gesellschaftsstudien, in denen die Regisseurin Coppola eine adoleszente Generation porträtiert, der Jugend und Wohlstand nicht zum Glück gereichen. Langeweile, Einsamkeit und innere Leere werden deshalb mit Hedonismus als Ersatzbefriedigung ausgefüllt, wobei sich im wahllosen Schwelgen in Dekorativität und Äußerlichkeit das redundante Moment manifestiert. Der Brückenschlag in die Gegenwart erfolgt über den Soundtrack. So schreitet die von Kirsten Dunst als sehr hilflos und unbedarft interpretierte Marie Antoinette nach ihrer Krönung zu "Plainsong" von The Cure die Schlosstreppe herab, zelebriert ihren Geburtstag zu "Ceremony" von New Order und verführt den schwedischen Grafen Axel von Fersen zu "King Of The Wild Frontier" von Adam Ant, alles ideale Songs, um die anachronistische Flucht in ein realitätsfremdes Traumgebilde zu untermalen, in das sich eine einst so lebhafte Kindfrau zurückzieht, die (ebenso wie ihr heillos überforderter Mann) nicht die Weitsicht besaß, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Mai 2014
Wenn Sie einen geschichtlichen Film suchen, der eine Biographie über Marie Antoinette sein soll, ist das der falsche Film!
Dieser Film dient hauptsächlich als Unterhaltung, und ich muss sagen, dass dieser Film grandios ist!
Die Szenen, die Farben, die Kostüme, die Musik, die Umsetzung allgemein sind wirklich gelungen. Mir gefällt, dass es auch einige moderne Einflusse im Film gibt, wie z.B. die Musik. Das bewirkt, vor allem bei jungen Zusehern, dass man noch genauer hinsieht.
Ich finde ihn außerdem alles andere als langweilig, im Film wird hauptsächlich behandelt wie sie sich in diesem jungen Alter in Prunk, Luxus, Ablenkungen, eine Affäre weil sie von ihrem Ehemann keine Aufmerksamkeit bekam, usw. stürzte.
Ich könnte mir diesen Film noch hunderte Male ansehen und würde noch immer so schwärmen!
Also unbedingt ansehen, aber sich bitte nicht beschweren, wenn keine geschichtlichen Fakten behandelt werden oder man danach nichts genaues über Marie Antoinette erfahren hat, denn dieser Film dient fast auschließlich zur Unterhaltung, und nicht um Biographisches und geschichtliche Fakten zu lernen!
0Kommentar|7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. September 2015
Kirsten Dunst zählt spätestens seit Spider Man nicht mehr zu meinen Top Favoriten wenn es um Schauspieler geht, was sie in ihrer Darstellung in Melancholia jedoch wieder rückgängig machte. Dieser Film von 2006 ist aber einfach nur Toll!
Kirsten Dunst spielt wunderbar die junge Frau, die Versailles auf den Kopf gestellt hat und sich, wenn wir mal ehrlich sind, wie jede 14-jährige aufführen würde, wenn man genug Geld und Möglichkeiten hat sich ein sonst sehr biederes Leben zu verschönern. Leider hat auch dies Marie Antoinette unter Anderem später das Köpfchen gekostet.
Die Inszenierung von Sofia Coppola ist einfach gelungen.
Junge, für den Film perfekte Musik können das Publikum noch besser in diese Zeit voller Dekadenz und anscheinender Leichtigkeit hineinziehen. Ich hab mich zumindest beim schauen gerne hineinziehen lassen.
Die Biographie von Marie Antoinette ist im Großen und Ganzen in den Hauptbestandteilen erzählt und für den Zuschauer keine Minute langweilig, was unter Anderem an den bombastischen Kostümen, Kulissen und sonstiger Reizüberflutung liegen könnte. Schauspielerisch hab ich nichts auszusetzen.

Unbedingt zu empfehlen!
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. April 2016
Ich hatte mich sehr auf diesen Film gefreut, leider wartet dieser mit unauthentischen Dialogen und Szenen sowie einer völlig unpassenden Hintergrundmusik auf. Für mich ist dieser Film eine Enttäuschung, denn die Geschichte von Königin Marie Antoinette bietet so viel Potential, so viele Möglichkeiten einen wirklich guten Historienfilm zu drehen, vorallem wenn man bedenkt welch große und begabte Schauspieler beteiligt waren.
Für Menschen, die Neuinterpretationen lieben ist dieser Film wie geschaffen. Für Menschen jedoch, die Geschichte lieben und diese glaubhaft dargestellt sehen wollen nicht zu empfehlen.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Januar 2016
Ich beschäftige mich nun anlässlich meines Studiums schon ein bisschen länger mit Marie Antoinette und war infolgedessen neugierig auf diesen Film. Zu Beginn war ich zugegeben aufgrund der Musik ein wenig irritiert, dachte ich hätte versehentlich einen anderen Film angeschaltet oder das TV-Programm hätte sich spontan geändert. Aber nein, es handelte sich tatsächlich um Marie Antoinette.
Abgesehen davon fand ich die erste Hälfte wirklich gut gemacht, vor allem ihre Reise nach Versailles inklusive des Zurücklassens aller österreichischen Besitztümer und Kleider. Auch das morgendliche Ritual des Anziehens im Schlafzimmer, welches mehrmals gezeigt wird entlockte mir ein Lächeln, wurde es doch teilweise sehr ironisch dargestellt.
Was mich allerdings irgendwann gestört hat waren die ständigen Partys. Es mag ja sein, dass Marie Antoinette gerne gefeiert und getrunken hat, aber meiner Meinung nach hätte es gereicht, ein oder zwei Partys zu zeigen. Die Botschaft wäre ebenso rübergekommen.
Gänzlich enttäuscht war ich dann vom Ende. Die Familie reist gezwungenermaßen mit der Kutsche aus Versailles ab, Marie Antoinette wirft einen letzten Blick darauf und das wars. Kurz bevor der Film an Spannung gewinnt, ist er vorbei. Wo bleibt die Französische Revolution, die auch in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat? Kurz wird von jemandem erwähnt, dass der Sturm auf die Bastille stattgefunden hat, aber das empfinde ich nicht als ausreichend. Ich hätte gerne die Zeit der königlichen Familie im Palais des Tuileries und vor allem Marie Antoinettes Anklage vor dem Revolutionstribunal gesehen.
Insgesamt dient der Film zur netten Unterhaltung, hätte aber aus meiner Sicht die revolutionären Ereignisse mehr thematisieren können.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden